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	<title>Zweiter Weltkrieg &#8211; André Scheer</title>
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	<title>Zweiter Weltkrieg &#8211; André Scheer</title>
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		<title>»Niemand wird vergessen und nichts«</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Jun 2023 11:29:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Serie: Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Leningrad]]></category>
		<category><![CDATA[Radio Leningrad]]></category>
		<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
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					<description><![CDATA[Serie: Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland. Teil 6: Während der Blockade Leningrads wandte sich der Sender[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Serie: Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland. Teil 6: Während der Blockade Leningrads wandte sich der Sender der Stadt auch an die deutschen Soldaten</strong></p>
<p>Die 872 Tage dauernde Blockade der Millionenstadt Leningrad durch die Wehrmacht war eines der großen Verbrechen der deutschen Faschisten im Zweiten Weltkrieg. Im heutigen St. Petersburg, der zweitgrößten Metropole Russlands, lebten damals mehr als drei Millionen Menschen. Als Hafenstadt am Finnischen Meerbusen war sie über Jahrhunderte eine wichtige Handelsmetropole und Standort der russischen bzw. sowjetischen Marine gewesen, galt als »Wiege« der Oktoberrevolution von 1917 und hatte auch 1941 eine wichtige strategische Bedeutung als Tor zur Ostsee.</p>
<p>Schon wenige Wochen nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 rückte die faschistische Wehrmacht im August auf Leningrad vor. Als am 8. September das am Ufer des Ladogasees gelegene Schlüsselburg von den deutschen Truppen besetzt wurde, war Leningrad umstellt, alle Landverbindungen unterbrochen. Es folgten schwere Luftangriffe auf zivile Ziele in der Stadt, etwa Wasser- und Elektrizitätswerke oder Lebensmittellager, aber auch Schulen und Krankenhäuser. Eine Besetzung Leningrads strebten die Nazis allerdings nicht an, wie Propagandaminister Joseph Goebbels in seinem Tagebuch schrieb: »Es erscheint notwendig, dass diese Stadt überhaupt verschwindet. Wir könnten auch, wenn wir diese Stadt eroberten, gar nicht die dort zusammengepferchte Fünf-Millionen-Masse überhaupt ernähren. Woher sollten wir die Lebens- und Transportmittel dazu nehmen? Von dieser Stadt ist der Bolschewismus ausgegangen, und in dieser Stadt wird der Bolschewismus endgültig zerschmettert werden.«¹ Und der Stab der deutschen Kriegsmarine ordnete am 22. September 1941 in einer geheimen Direktive an: »Sich aus der Lage der Stadt ergebenden Bitten um Übergabe werden abgeschlagen werden. Ein Interesse an der Erhaltung auch nur eines Teils dieser großstädtischen Bevölkerung besteht (…) unsererseits nicht.«²</p>
<h3>Eine Million Tote</h3>
<p>Die Blockade dauerte insgesamt 872 Tage, rund zweieinhalb Jahre. Schätzungen zufolge starben mindestens eine Million Menschen, die meisten von ihnen verhungerten oder fielen den Bombenangriffen der Nazis zum Opfer. Auf dem Gedenkfriedhof Piskarjowskoje in St. Petersburg sind rund eine halbe Million Opfer der Blockade in Massengräbern beigesetzt. Ihre letzte Ruhestätte ist ein Mahnmal, das an die unmenschlichen Verbrechen der Faschisten erinnert. Die Gräber liegen an einer langen Allee, an deren Ende sich die Statue der »Mutter Heimat« erhebt. Hinter dem Denkmal zieht sich eine Granitmauer entlang, auf dem das Gedicht »Hier liegen Leningrader« zu lesen ist:</p>
<p>»Hier sind die Bürger, Männer, Frauen, Kinder. / Neben ihnen Soldaten der Roten Armee … / Mein ganzes Leben / Sie haben dich beschützt, Leningrad, / Wiege der Revolution / Wir können ihre edlen Namen hier nicht auflisten: / Viele von ihnen stehen also unter dem ewigen Schutz des Granits. / Aber wisse, höre diesen Steinen zu, / Niemand wird vergessen, und nichts wird vergessen!«³</p>
<p>Die Verfasserin dieser Verse war Olga Bergholz. Sie wurde 1910 im damaligen St. Petersburg geboren und arbeitete als Schriftstellerin und Journalistin. Unmittelbar nach Kriegsbeginn 1941 begann sie, für den Rundfunk zu arbeiten, wo Ersatz für Redakteure benötigt wurde, die zur Armee einberufen worden waren. In den langen Monaten der Blockade wurde ihre Stimme für die Eingeschlossenen zu einer Stimme des Lebens und der Hoffnung. Fast täglich machte sie ihren Hörerinnen und Hörern mit ihren Gedichten und Ansprachen Mut, unterbrochen nur wenige Wochen im März und April 1942, als sie gegen ihren Willen zur ärztlichen Behandlung nach Moskau gebracht wurde, von wo sie so schnell wie möglich zurückkehrte. Während sie überlebte, gehörte ihr Mann Nikolai Molchanow zu den Opfern der Blockade, er starb im Januar 1942.</p>
<p>Seit 1931 nutzte <em>Radio Leningrad</em> einen 100 Kilowatt starken Langwellensender, der in der 15 Kilometer südöstlich der Millionenmetropole gelegenen Stadt Kolpino stand.⁴ Der Ort mit seinen ursprünglich etwa 37.000 Einwohnern und damit auch der Rundfunksender lagen während der Blockade innerhalb des von den deutschen Besatzern gezogenen Belagerungsrings. Deshalb konnte er rechtzeitig in Sicherheit gebracht und am Primorski-Prospekt im Nordwesten Leningrads gut getarnt wieder in Betrieb genommen werden.⁵</p>
<p>Das war für die Menschen in der eingeschlossenen Stadt lebenswichtig, auch wenn sie das Programm zumeist über Lautsprecher oder im Drahtfunk über die Telefonleitungen empfingen. Bereits ab dem 26. Juni schaltete <em>Radio Leningrad</em> nicht mehr, wie bis dahin üblich, um Mitternacht ab, sondern blieb in Betrieb. Wenn das reguläre Programm beendet war, hörte man rund um die Uhr das Ticken eines Metronoms, wie es sonst Musikern den Taktrhythmus angibt. Wurde die Geschwindigkeit des Taktgebers schneller, drohte Gefahr durch deutsche Flugzeuge oder Artilleriebeschuss – die Menschen suchten Schutz in Kellern und Bunkern. War der Angriff vorüber, verlangsamte sich der Rhythmus wieder. Später verglichen die Leningrader das ständige Ticken mit einem Herzschlag, der ihnen zeigte, dass ihre Stadt noch am Leben war.</p>
<p><em>Radio Leningrad</em> war in dieser Zeit praktisch die einzige Verbindung der Bürger zum Rest der Welt. Zeitungen kamen nur noch selten und mit langen Verspätungen an. Doch über den Sender erfuhr die Stadt, was an den Fronten und in ihrem Land passierte. Und umgekehrt war <em>Radio Leningrad</em> die Stimme, die den Menschen in der Sowjetunion zeigte, dass die Stadt nicht gefallen war und Widerstand leistete. Regelmäßig übertrug man Programme, die sich an das ganze Land richteten und von <em>Radio Moskau</em> mit seinen starken Anlagen übernommen und weiterverbreitet wurden. Sie begannen stets mit den gleichen Worten: »Hier ist <em>Radio Leningrad</em>! Die Stadt Lenins ruft das Land.« Olga Bergholz erinnerte sich später: »Das war in der verzweifeltsten Phase des Krieges, als die deutschen Armeen vorwärts stürmten und wir gezwungen waren, eine Stadt nach der anderen aufzugeben. Doch da war Leningrad, das die Deutschen zum Stehen brachte. Leningrad hielt stand, und live übertragene Stimmen von Leningradern verkündeten, dass die Stadt weder heute noch morgen noch jemals kapitulieren werde. Und am nächsten Tag sprach die Stadt erneut.«⁶</p>
<p>Im Dezember 1941 musste <em>Radio Leningrad</em> zeitweilig abgeschaltet werden, weil die Stromversorgung unterbrochen war. Nur in einigen Vierteln der Stadt funktionierte die Übertragung per Lautsprecher noch. In dieser Zeit schleppte sich einem Bericht zufolge ein alter Mann auf zwei Stöcke gestützt zum Rundfunkgebäude, um eine Wiederaufnahme der Sendungen zu erreichen: »Solange es sich nur darum handelt, mutig zu sein, ist alles gut. Auch eine Kürzung der Lebensmittelrationen lässt sich ertragen. Aber lassen Sie das Radio sprechen. Wenn das aufhört, ist das Leben zu fürchterlich. Dann ist es, als läge man im Grab.«⁷</p>
<h3>»Man muss lesen«</h3>
<p>Ab Februar 1942 sprach das Radio wieder. Ein auf dem Grund des Lagodasees verlegtes Kabel stellte die Stromversorgung sicher. Aber die Arbeits- und Lebensbedingungen waren auch für die Beschäftigten des Senders dramatisch. Sie litten und hungerten ebenso wie die, für die sie Programm machten. Weil sich viele Sprecher kaum noch auf den Beinen halten konnten, wurde im Studio ein hölzernes Gestell in T-Form errichtet, das an eine Harke ohne Zähne erinnerte. Vom Schriftsteller Lew Uspenski darauf angesprochen, erläuterte der Direktor des Senders, Jakow Babuschkin, dass dies eine Stütze sei, um sich vor dem Mikrofon aufrecht halten zu können, wenn man zu schwach war, um noch alleine stehen zu können. Doch das Programm müsse weitergehen, so Babuschkin: »Man muss lesen. In vielen tausend Wohnungen warten die Menschen auf die Stimme des Sprechers, und diese Stimme erhält sie vielleicht am Leben.«⁸</p>
<p>Zu denen, die sich in Leningrad zu Wort meldeten, gehörte Dmitri Schostakowitsch. Der 1906 in St. Petersburg geborene Komponist hatte sich bei Kriegsbeginn als Freiwilliger zu den Milizen gemeldet, um sich an der Verteidigung seiner Heimatstadt zu beteiligen. »Man sagte mir jedoch, ich solle warten«, erinnerte er sich am 19. April 1942 in einem Beitrag für den <em>Moskowski Bolschewik</em>. »Ein Kommissar sprach mit mir. Er meinte, dass sich meine Tätigkeit auf das Schreiben von Musik beschränken sollte.«⁹ So konzentrierte er sich auf seine musikalische Arbeit, während er zugleich als Mitglied der Feuerwehr bei der Brandbekämpfung half. Mitte September 1941, als der Lärm von Bomben und Flugabwehrgeschützen durch die Straßen hallte und die <em>Leningradskaja Prawda</em> vor dem unmittelbar bevorstehenden Sturm der Faschisten auf die Stadt warnte, sprach der Komponist über das Mikrofon. Er berichtete von der Arbeit an seiner 7. Sinfonie, die später als die »Leningrader« in die Geschichte einging: »Vor einer Stunde habe ich die Partitur von zwei Sätzen einer großen Sinfonie fertiggestellt. Wenn ich beim Schreiben dieser Komposition gut vorankomme und ich den dritten und vierten Satz vollenden kann, wird es möglich sein, sie die siebte Sinfonie zu nennen. Warum sage ich das? Damit die Radiohörer, die mich jetzt hören, wissen, dass das Leben in unserer Stadt normal verläuft. Wir erfüllen jetzt alle unsere militärische Pflicht.«¹⁰</p>
<p>Obwohl er lieber in Leningrad geblieben wäre, wurde Schostakowitsch mit seiner Familie im Oktober 1941 aus der Stadt ausgeflogen und setzte seine Arbeit in Kuibyschew, dem heutigen Samara, fort. Die Zeit in der Stadt nutzte der Komponist, um seine Sinfonie zu vollenden. Am 5. März 1942 wurde sie durch das ebenfalls evakuierte Orchester des Bolschoi-Theaters in Kuibyschew uraufgeführt, wenige Wochen später folgten Aufführungen in Moskau und in Nowosibirsk, wohin man das Orchester der Leningrader Philharmonie in Sicherheit gebracht hatte. Auch in London erklang die Sinfonie, und in New York führte das Rundfunkorchester der <em>NBC</em> unter der Leitung von Arturo Toscanini das Stück auf, live übertragen über die Sender der Gesellschaft. Doch am wichtigsten wurde die Premiere im belagerten Leningrad.</p>
<p>Ein Flugzeug der sowjetischen Luftwaffe durchbrach den Belagerungsring der Deutschen und brachte die Partitur in die Stadt. Der Leiter des Leningrader Rundfunkorchesters, Karl Elias­berg, erhielt die Aufgabe, die Sinfonie einzustudieren. Doch den Musikern fehlte die Kraft, und anstatt der fast 100 Musiker, die für eine Aufführung von Schostakowitschs Sinfonie notwendig waren, hatte Eliasberg nur noch 15 zur Verfügung. Um das Orchester aufzufüllen, wurden Bürger, die ein Instrument spielen konnten, über <em>Radio Leningrad</em> aufgerufen, sich beim Rundfunkkomitee zu melden, es winkte eine Sonderration Haferbrei. Zudem wurden Soldaten von der Front zum Musizieren abkommandiert.</p>
<p>Am 9. August schließlich erklang die Sinfonie erstmals im vollen Saal der Philharmonie, übertragen von <em>Radio Leningrad</em>. »Das Publikum bestand aus Arbeitern, die die Waffen zur Verteidigung geschmiedet hatten, Architekten, die bereits die Auferstehung der Stadt planten, Lehrern, die Kinder in den Luftschutzkellern unterrichteten, Schriftstellern und Dichtern, die auch in den herausfordernden Monaten des vergangenen Winters ihre Stifte nicht aus der Hand gelegt hatten, Soldaten, Offizieren, Parteifunktionären und Vertretern der Stadtverwaltung«, berichtete Bergholz. »Die Musiker des zusammengewürfelten Orchesters kamen auf die riesige Bühne der Philharmonischen Gesellschaft und füllten sie aus. Wir konnten in seiner Mitte die Musiker des Rundfunkorchesters sehen, Musiker in Armeeuniformen und Jacken der Marine. Wir sahen vor uns die Verteidiger von Leningrad, immer bereit, jederzeit ihr Leben für ihre Heimatstadt, ihr Land und ihr Volk zu geben.«¹¹</p>
<h3>Wichtiges Lebenszeichen</h3>
<p>Schon in den Monaten zuvor waren die im Radio übertragenen Konzerte wichtige Lebenszeichen gewesen. So spielten die Musiker am 7. Dezember 1941 Beethovens 5. Sinfonie – ein mutiges Statement, dass man den deutschen Komponisten nicht den deutschen Faschisten überlassen wollte.¹² Über den Leningrader Sender und die Lautsprecher nahe der Front waren die Konzerte auch bei den deutschen Soldaten in den Schützengräben zu hören. Elias­berg wurde Jahre nach Kriegsende von einem inzwischen älteren Deutschen angesprochen, der in jenen Monaten in den Schützengräben vor Leningrad gelegen hatte. Er zeigte dem Dirigenten ein kleines Tagebuch, in dem die übertragenen Konzerte des Leningrader Rundfunkorchesters verzeichnet waren, Beethoven besonders hervorgehoben. »Wissen Sie, als ich all das hörte, habe ich schon am Ende dieses Jahres begriffen, wir werden Leningrad niemals nehmen. Wenn in einer belagerten Stadt so etwas passieren kann, werden wir niemals in Leningrad einmarschieren.«¹³</p>
<p><em>Radio Leningrad</em> wandte sich auch in deutscher Sprache an die Soldaten der Wehrmacht. Bereits seit Herbst 1939 hatte man eine Nachrichtensendung in deutscher Sprache eingeführt, die täglich ab 23 Uhr für 20 Minuten ausgestrahlt wurde. Nach Beginn der Blockade wurden die deutschsprachigen Sendungen ab Oktober 1941 ausgebaut. Elfmal täglich wandte man sich nun mit jeweils zehn- bis 15minütigen Sendungen vor allem an die deutschen Soldaten:¹⁴ »Achtung! Achtung! Deutsches Volk und deutsche Soldaten! Hört uns an! Wir sagen euch die Wahrheit!«¹⁵</p>
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<p>Die Gestapo notierte in ihren Abhörprotokollen, der Leningrader »Hetzsender«, der sich mit der Bezeichnung »Deutscher Soldat! Höre uns!« melde und vor allem in der Nacht und am frühen Morgen aktiv sei, ziele auf die »Untergrabung der Autorität in der Wehrmacht und der Kampfmoral der deutschen Soldaten im Osten« ab. »So werden mehrfach Hinweise auf die Aussichtslosigkeit des Kampfes der deutschen Armee gebracht, das Kriegspotential der Gegner herausgestellt und riesige Menschenverluste im Operationsgebiet im Osten behauptet. Der Beeinflussung der Stimmung dient weiter die Verlesung erbeuteter Feldpostbriefe, in denen über angebliche Kriegsmüdigkeit, wirtschaftliche Not und seelische Niedergeschlagenheit in der Heimat berichtet wird.«¹⁶</p>
<p>Chefredakteur und Hauptsprecher der deutschsprachigen Sendungen war der Österreicher Friedrich »Fritz« Fuchs. Nach der Niederlage der Antifaschisten seines Heimatlandes bei den Februarkämpfen 1934 war er in die Sowjetunion gegangen, wo er von den Behörden ebenso wie sein Bruder Ernst nach Leningrad geschickt wurde. Als ausgebildete Zahntechniker arbeiteten sie im Stomatologischen Institut der Stadt und lernten im Kontakt mit ihren Kollegen die russische Sprache.</p>
<p>Was dann geschah, beschrieb Fuchs in einem kurz nach seinem Tod 1988 veröffentlichten Artikel in der Wiener Zeitschrift <em>Medien &amp; Zeit</em>: »Am 22. Juni 1941 drangen deutsche Truppen ohne Kriegserklärung in die Sowjetunion ein. (…) Anfang August kam ein Vertreter aus dem Smolny in unser Institut und ließ mich zum Direktor rufen. Dort gab er mir bekannt, dass die Kommunistische Partei Leningrads von mir verlange, meine Arbeit hier im Institut aufzugeben und in den Leningrader Rundfunk zu übersiedeln, um dort die Arbeit des Chefredakteurs der deutschsprachigen Sendung zu übernehmen. Auf meinen Einwand, ich hätte doch keine Ahnung, welche Arbeit man im Rundfunk ausüben müsse, ja ich wisse nicht einmal, wie man ein Mikrophon halten müsse, erwiderte er, all das seien Kleinigkeiten, die ich in einer Minute lösen werde. Ich möge mich schon morgen früh im Rundfunk melden. Man erwarte mich dort zu einer sehr wichtigen Arbeit. Ich möge also nicht absagen, sondern meine Pflicht als österreichischer Kommunist in der Sowjetunion erfüllen.«¹⁷</p>
<p>In der Anfangszeit bestanden die Sendungen aus Übersetzungen sowjetischer Zeitungsartikel und Zusammenfassungen von Flugblättern, die über den deutschen Stellungen abgeworfen wurden. Das Material musste von der Parteileitung im Smolny freigegeben werden und durfte erst dann über den Sender gehen. Das stellte sich aber als wenig praktikabel heraus, wollte man schnell auf aktuelle Nachrichten reagieren. Fuchs erinnerte sich: »Am Vormittag hörte ich aus dem Radioapparat, den man mir gegeben hatte, eine Rede des deutschen Propagandaministers Goebbels. Sie war so aufreizend und blöde, dass ich mich hinsetzte und darauf eine Antwort schrieb, in der ich die ganzen Dummheiten der Rede aufzeigte und den Hörern meiner Sendung klarmachte, wie die Lage an der Front tatsächlich war und was sie zu erwarten hätten, wenn sie nicht bald die Gefangenschaft als Rettungslager für ihr Leben in Anspruch nehmen würden.« Der Österreicher ließ seinen Kommentar ins Russische übersetzen und brachte ihn zu seinem Vorgesetzten, dem stellvertretenden Chefredakteur Viktor Chodarenko. Dieser sagte zu, den Beitrag zur Bestätigung der Parteileitung vorzulegen. »Also begab ich mich wieder in mein Zimmer und wartete. Eine halbe Stunde vor Beginn meiner Sendung ging ich wieder in die Direktionsetage, wo mir Viktor Antonowitsch sagte, es sei aus dem Smolny noch keine Antwort gekommen.«</p>
<p>Daraufhin sagte Fuchs seinem Chef, dass die Sendung in wenigen Minuten beginne. »Ich muss meinen Artikel heute bringen, denn morgen oder übermorgen weiß kein Deutscher mehr, was Goebbels im Rundfunk gesagt hat. Sie und der Direktor haben meinen Artikel für gut befunden. Ich übernehme daher allein die Verantwortung dafür, dass ich ihn heute veröffentliche.« Damit war der Bann gebrochen, und Fuchs konnte von nun an schreiben, was er für richtig und wichtig hielt.«¹⁸</p>
<p>In Berlin beobachtete man mit Sorge den möglichen Einfluss der Sendungen aus Leningrad auf die Moral der Truppe. Eberhard Taubert – damals unter anderem Leiter der »Abteilung Ost« des Propagandaministeriums und Chef der »Antikomintern«, nach dem Krieg Vizechef des vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen finanzierten antikommunistischen »Volksbundes für Frieden und Freiheit«¹⁹ – verlangte im Namen von Goebbels vom Oberkommando der Wehrmacht, zumindest die Sendeanlagen von <em>Radio Leningrad</em> zum Schweigen zu bringen. Doch das OKW teilte am 3. September 1942 mit, dass »eine wirksame Bekämpfung des Senders Leningrad zur Zeit aus militärischen Gründen weder von der Erde aus noch aus der Luft möglich ist«.²⁰</p>
<h3>Belagerung durchbrochen</h3>
<p>Und so konnte <em>Radio Leningrad</em> in der Nacht zum 19. Januar 1943 melden, dass der Blockadering der Deutschen durch die Rote Armee durchbrochen worden sei. Alles, was dann geschah, war »spontan, unvorbereitet und ungeplant«, erinnerte sich Olga Bergholz an diese Stunden. »Musik, hier und dort geschriebene Gedichte, Reden – es war ein beständiger, unaufhörlicher Strom freudiger Erregung, der von der Wolchow-Front, dem ganzen Land, der ganzen Welt gehört wurde. Und die größte Auszeichnung für uns im Studio war in dieser Nacht des Feierns, dass die Leningrader in Scharen zu uns strömten. (…) Obwohl die ­Blockade noch ein weiteres Jahr anhielt, nachdem der Durchbruch erreicht worden war, mit weiteren erschöpfenden Angriffen, Bombardierungen und neuen Prüfungen für die Menschen, obwohl der glückliche Tag der letzten Erlösung der Stadt erst ein Jahr später kam, erinnern sich die Leningrader der Nacht des 18. Januar 1943 als des Gipfels der Freude, als einer Nacht, in der sich alle Herzen einander geöffnet haben«, schrieb Olga Bergholz. »Und einen unverzichtbaren Anteil an dieser Nacht hatte die Stimme des Radios, das zum ersten Mal nach langen Monaten die Nacht hindurch bis zum Morgengrauen sang und sprach, damit alle Welt den Jubel Leningrads hören konnte.«²¹</p>
<p><strong>Anmerkungen</strong></p>
<p>1 Joseph Goebbels: Tagebücher, Bd. IV, München 2003, S. 1671 (­Eintrag v. 24. September 1941)</p>
<p>2 <a href="https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/340408/leningrad-niemand-ist-vergessen/">https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/340408/leningrad-niemand-ist-vergessen/</a></p>
<p>3 <a href="https://ik-ptz.ru/de/literature/ya-govoryu-nas-grazhdan-leningrada-ya-govoryu-s-toboi-pod-svist.html">https://ik-ptz.ru/de/literature/ya-govoryu-nas-grazhdan-leningrada-ya-govoryu-s-toboi-pod-svist.html</a></p>
<p>4 Hansjörg Biener: »Goworit Leningrad« (1941–1944). In: <em>Rundfunk und Museum</em> (2021), H. 101, S. 28–37</p>
<p>5 Ebd., S. 29</p>
<p>6 Olga Bergholz: »This is Radio Leningrad«. In: Moscow – Stalingrad, 1941–1942, Moskau 1970, S. 166</p>
<p>7 Biener (Anm. 4), S. 32</p>
<p>8 Ebd., S. 31</p>
<p>9 Jürgen Meier: »Für alle ist irgendwo ein Lächeln …«. In: <em>Streifzüge</em>, 9. September 2006. <a href="https://www.streifzuege.org/2006/fuer-alle-ist-irgendwo-ein-laecheln">https://www.streifzuege.org/2006/­fuer-alle-ist-irgendwo-ein-laecheln</a></p>
<p>10 <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Khby544gyGw">https://www.youtube.com/watch?v=Khby544gyGw</a></p>
<p>11 Bergholz (Anm. 6), S. 176</p>
<p>12 David B. Dennis: Beethoven in German Politics, 1870–1989, New Haven 1996, S. 170</p>
<p>13 Lev S. Marchasev, Marianna Butenschön, Gabriele Leupold: Beethoven gegen Hitler: Das Leningrader Radio in der Blockade. In: <em>Osteuropa</em> 61 (2011), H. 8/9, S. 223 f.</p>
<p>14 Conrad Pütter: Rundfunk gegen das »Dritte Reich«, München 1986, S. 270</p>
<p>15 <a href="http://militera.lib.ru/h/rubashkin_ai/09.html">http://militera.lib.ru/h/rubashkin_ai/09.html</a></p>
<p>16 Bundesarchiv, R 58/3106, S. 111f.; <a href="https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/09aa4381-05b5-435e-b240-d6f7cf728468/">https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/09aa4381-05b5-435e-b240-d6f7cf728468/</a></p>
<p>17 Friedrich Fuchs: Wie ich ein Leningrader wurde. In: <em>Medien &amp; Zeit,</em> 2/88, S. 14, <a href="https://medienundzeit.at/wp-content/uploads/2015/02/MZ_digital_1988-02_ocr-.pdf">https://medienundzeit.at/wp-content/uploads/2015/02/MZ_digital_1988-02_ocr-.pdf</a></p>
<p>18 Ebd., S. 15 f.</p>
<p>19 Vgl. Klaus Körner: Erst in Goebbels’, dann in Adenauers Diensten, <em>Die Zeit</em><em>,</em> Nr. 35/1990, <a href="https://www.zeit.de/1990/35/erst-in-goebbels-dann-in-adenauers-diensten/komplettansicht">https://www.zeit.de/1990/35/erst-in-­goebbels-dann-in-adenauers-diensten/komplettansicht</a></p>
<p>20 Willi A. Boelcke: Die Macht des Radios, Frankfurt am Main/Berlin/Wien 1977, S. 272</p>
<p>21 Bergholz (Anm. 6), S. 176 f.</p>
<p>Erschienen am 3. Juni 2023 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/451733.rundfunkgeschichte-niemand-wird-vergessen-und-nichts.html" target="_blank" rel="noopener">Tageszeitung junge Welt</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>»Wo ist der Rommel?«</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/wo-ist-der-rommel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 May 2023 08:58:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Serie: Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunkgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[Serie: Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland. Teil 5: Antifaschistische »Feindsender« während des Zweiten Weltkriegs Die Phrasen[...]]]></description>
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<div class="teaser lead"><strong>Serie: Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland. Teil 5: Antifaschistische »Feindsender« während des Zweiten Weltkriegs</strong></div>
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<p>Die Phrasen waren bis zum Überdruss bekannt. »Wem die Vorsehung so schwere Prüfungen auferlegt, den hat sie zu Höchstem berufen«, tönte Adolf Hitler am 31. Dezember 1944 in seiner vom <em>Großdeutschen Rundfunk</em> übertragenen Silvesteransprache. »In dieser Stunde will ich daher als Sprecher Großdeutschlands gegenüber dem Allmächtigen das feierliche Gelöbnis ablegen, dass wir treu und unerschütterlich unsere Pflicht auch im neuen Jahr erfüllen werden …« Doch diesmal wurde dem »Führer und Reichskanzler« widersprochen. »Das Jahr 1945 muss das Ende der Hitlertyrannei sein!« rief plötzlich eine Stimme dazwischen. Und mitten in das folgende Horst-Wessel-Lied noch einmal: »Nieder mit Hitler und seiner Bande! Weg mit den Nazis!«</p>
<h3>»Feindsprüche«</h3>
<p>Nicht nur bei den Faschisten, sondern auch bei vielen Hörern rief diese »Geisterstimme« Aufregung hervor. Wie war so etwas möglich? Waren die alliierten Truppen schon so weit vorgestoßen, dass sie bereits im deutschen Rundfunk zu hören waren?</p>
<p>Tatsächlich saß der Sprecher der antifaschistischen Kommentare in einem Studio in Moskau und verfolgte aufmerksam die Parolen aus Berlin. War der richtige Zeitpunkt gekommen, um mit kurzen Sätzen die Lügen zu kommentieren, verstärkten die sowjetischen Techniker kurzfristig die Leistung ihrer Sender und überlagerten so die Frequenz, auf der das deutsche Programm lief. Vor allem im Norden und Osten Deutschlands war dann für einen kurzen Augenblick nicht mehr Hitler zu hören, sondern die Stimme eines deutschen Kommunisten.</p>
<p>Bereits kurz nach dem deutschen Überfall 1941 hatten die sowjetischen Propagandisten begonnen, mit »Feindeinsprüchen«, wie es im Beamtendeutsch der Gestapo hieß, den deutschen Rundfunk zu stören. Die Nazis stellte das vor Probleme, denn ihre Störsender waren gegen diese Waffe wirkungslos, wenn sie nicht ihre eigenen Programme unhörbar machen wollten. Die Aufgabe der kurzen Zwischenrufe war es allerdings nicht, die Hörer zu informieren, was auf diese Weise kaum möglich gewesen wäre. Aber sie konnten auf Widersprüche der Nazipropaganda hinweisen, etwa wenn die »Geisterstimme« am 8. Dezember 1942 mitten in der Nachrichtensendung des <em>Großdeutschen Rundfunks</em> fragte: »Wo ist der Rommel?« und kurz darauf warnte: »In Italien geht es drunter und drüber!« Schließlich dann die kurze Feststellung: »Mit der Schnauze haben wir längst gesiegt!«¹</p>
<p>Wer sich ausführlicher über die tatsächliche Kriegslage informieren wollte, musste auf die sogenannten Feindsender ausweichen. Zwar war das seit dem 1. September 1939 in Deutschland offiziell verboten und es drohten drastische Strafen bis hin zur Hinrichtung, doch Millionen Menschen wagten es, auf die Sender der gegnerischen Mächte umzuschalten, etwa auf <em>Radio Moskau</em> oder die <em>BBC London</em>. Deren Inhalte wurden aber von den Behörden kontrolliert, deutsche Emigranten hatten auf die offiziellen Programme wenig bis keinen Einfluss. In dem erst 1938 hektisch eingerichteten deutschsprachigen Dienst der <em>BBC London</em> waren sie nur als Sprecher und Übersetzer willkommen, eigenständige redaktionelle Arbeit durften sie nicht leisten.</p>
<p>Einen gewissen Freiraum für deutsche Antifaschisten in Großbritannien hatte es nur zu Beginn des Krieges gegeben. Zwischen 1939 und 1941 verfolgte die Londoner Regierung noch keine einheitliche Strategie, wie man auf die Bevölkerung der feindlichen Länder einwirken wollte. Mehrere Ministerien und Behörden machten sich gegenseitig Kompetenzen streitig. Davon konnten Emigranten profitieren, die über Verbindungen in Behörden und Ministerien verfügten. Einer von ihnen war der ehemalige Reichstagsabgeordnete der katholischen Zentrumspartei Carl Spiecker. Er hatte bereits Anfang 1938 im Namen einer von ihm gegründeten konservativen Emigrantengruppe mehrere Monate lang von einem unter britischer Flagge in den internationalen Gewässern des Ärmelkanals kreuzenden Fischkutter aus den <em>Sender der Deutschen Freiheitspartei</em> betrieben und zum Widerstand gegen das Hitlerregime aufgerufen.² 1940 gelang es Spiecker dann, die britischen Behörden zur Einrichtung eines neuen Geheimsenders zu bewegen, der sich Ende Mai 1940 erstmals mit der Ansage »Hier spricht Deutschland« auf Kurzwelle meldete. Die einzigen Redakteure und Sprecher waren Spiecker selbst und der Journalist Hans Albert Kluthe, der in der Weimarer Republik für liberale Zeitungen und Zeitschriften geschrieben hatte. Sie versuchten, Angehörige der Mittelschicht davon zu überzeugen, dass es für einen »echten Deutschen unmöglich sein (müsse), ein Nazi zu sein«. Zugleich übernahmen sie allerdings die Naziparole vom »Bedarf an Lebensraum« und forderten sogar noch im Februar 1941 ein »starkes Deutschland unter Beibehaltung seiner militärischen Gebietsgewinne«.³</p>
<p>Das kollidierte zusehends mit den britischen Kriegszielen. Am 15. März 1941 musste Spiecker den Betrieb seines Senders einstellen. Weiter arbeiten konnte dagegen vorerst der <em>Sender der Europäischen Revolution</em>, der sich erstmals am 7. Oktober 1940 auf Kurzwelle im 30-Meter-Band gemeldet hatte: »Wir sprechen für alle, die zum Schweigen verdammt sind! Wir rufen die Massen zur politischen und sozialen Revolution! Wir kämpfen für ein Europa des Friedens!«⁴</p>
<p>Initiiert hatten den Sender linkssozialistisch orientierte deutsche Emigranten, die dabei von britischen Gewerkschaften und der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF) unterstützt wurden. Ihr wichtigster Verbündeter im britischen Staatsapparat war der Labour-Politiker Richard Crossman, der nach dem Krieg lange Jahre Abgeordneter im Unterhaus war, Ministerposten bekleidete und dem Vorstand seiner Partei angehörte. Er setzte den Sender gegen Vorbehalte seiner Kollegen durch.</p>
<h3>Sozialistisch und antikommunistisch</h3>
<p>Die Redaktion des <em>Senders der Europäischen Revolution</em> bildete sich um den bayerischen Sozialdemokraten Waldemar von Knoeringen, das Ehepaar Evelyn und Paul Anderson sowie den Journalisten Fritz Eberhard und einige weitere. Sie genossen weitgehende politische und journalistische Freiheit, eine vorherige institutionalisierte Zensur gab es nicht. Die Programme propagierten eine sozialistische, zugleich aber auch antikommunistische Position. So nutzte man am 21. Januar 1941 – als der Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion noch in Kraft war – den Todestag von Wladimir Iljitsch Lenin für einen Kommentar, dass dieser den »Weg zum Bündnis mit Hitler niemals gegangen« wäre. Er habe aber »die Wurzeln des Stalinismus nicht rechtzeitig erkannt«. Dann spannte man den Bogen zur Situation in Hitlerdeutschland: »Unter seiner Diktatur gibt es zwar keine offenen innenpolitischen Krisen mehr, dafür hat er aber durch seine imperialistische Außenpolitik eine Krise furchtbarsten Ausmaßes heraufbeschworen: den Zweiten Weltkrieg. Er hat zwar durch die Beschäftigung der Arbeiter in der Rüstungsproduktion die Existenzfrage des Einzelnen vorübergehend gelöst, aber er hat dadurch einen Krieg vorbereitet und führt nun diesen Krieg, der die Existenz des ganzen deutschen Volkes aufs Spiel setzt.«⁵</p>
<p>Die Aufzeichnungen der in die Mikrofone gesprochenen Kommentare verdanken wir unter anderem der Gestapo, deren Schergen die Programme dieses und anderer »Feindsender« eifrig mitprotokollierten und in dicken, als »Geheim!« klassifizierten Akten archivierten. So findet sich in den Unterlagen auch eine weitere Notiz aus dem Februar 1941, in der die »Polemik des <em>Senders der Europäischen Revolution</em> gegen die Diplomatie der Sowjetunion« hervorgehoben wird: »Ihre Haltung könne nicht mehr mit Gerissenheit, mit Schwäche oder gar mit verschleierter Feindschaft gegen den nationalsozialistischen Imperialismus erklärt werden. Das Stalin-Regime sei offen in die faschistische Weltfront eingerückt: ›Niemals soll die revolutionäre Arbeiterschaft vergessen, dass dieser Krieg vielleicht nie möglich gewesen wäre ohne die Hilfe Stalins für Hitler, und dass auch noch nach dem Russenpakt von 1939 eine hitlerfeindliche Neutralität der Sowjetunion viele Völker Europas vor dem Schicksal der Sklaverei hätte bewahren können‹.«⁶</p>
<p>Spätestens mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 und der Bildung einer antifaschistischen Koalition zwischen Moskau, London und Washington passten solche Töne nicht mehr in das politische Konzept der britischen Regierung. Am 30. April 1942 musste der <em>Sender der Europäischen Revolution</em> den Betrieb einstellen. Wenige Tage später meldete sich auf ähnlichen Kurzwellenfrequenzen ein <em>Arbeitersender</em>. Wie sein Vorgänger präsentierte er sich als Sprachrohr einer linken Untergrundorganisation in Deutschland.⁷ Allerdings standen hinter diesem Programm nun keine Emigranten mehr, sondern die Londoner Propagandisten, und es ging auch nicht mehr um die Propagierung von Vorstellungen über die zukünftige Gestalt eines befreiten Deutschlands, sondern um Zersetzung und Zermürbung des Feindes. »In meinen Augen waren alle diese Versuche, die Deutschen durch Aufrufe und Kritik zum Aufstand gegen Hitler zu bekehren, eine Verschwendung von Atem und elektrischem Strom«, schrieb der Leiter der britischen Schwarzsender, Sefton Delmer, dazu in seinen Erinnerungen. »Wer in dem damaligen Stadium des Krieges die Deutschen zu hitlerfeindlichen Gedanken und Handlungen veranlassen wollte, musste sich des Mittels der Irreführung bedienen.«⁸</p>
<p>Ein Beispiel dafür war der im Oktober 1943 gestartete <em>Soldatensender Calais</em>, die nahezu perfekte Kopie eines deutschen Wehrmachtssenders in den besetzten Gebieten. Natürlich stand er nicht in der nordfranzösischen Hafenstadt, sondern kam über den britischen Mittelwellensender »Aspidistra«, der mit einer Sendeleistung von 600 Kilowatt als die stärkste Station seiner Zeit galt. Wie die echten Soldatensender der Nazis, die die Landser bei Laune halten sollten, verbreitete <em>Calais</em> flotte Musik und offizielle Meldungen der Wehrmachtsführung. Dazwischen wurden jedoch immer wieder Meldungen über Niederlagen der Deutschen, Materialmangel an den Fronten oder Zerstörungen in Deutschland eingestreut, die den Durchhalteparolen des Propagandaministeriums widersprachen.</p>
<h3>Stimmen der Komintern</h3>
<p>In der Sowjetunion beschloss die Kommunistische Internationale nach dem deutschen Überfall die Einrichtung von Freiheitssendern vor allem für die von den Faschisten besetzten Länder. Anfang August 1941 waren bereits sechs von ihnen in Betrieb: Radio <em>Tadeusz Kosciuszko</em> auf polnisch, »Für die nationale Befreiung« auf tschechisch, <em>Milano Libertà</em> auf italienisch, <em>Radio España Independiente</em> auf spanisch, <em>Christo Botew</em> auf bulgarisch und <em>Romania Libera</em> auf rumänisch.⁹ In den folgenden Wochen kamen weitere hinzu, etwa <em>Za slovensku slobodu</em> (Für die slowakische Freiheit) in slowakischer und der <em>Sudentendeutsche Freiheitssender</em> in deutscher Sprache.¹⁰ Im November 1941 folgte der <em>Sender Österreich</em>, der von dem KPÖ-Mitglied und Journalisten Erwin Zucker-Schilling geleitet wurde. Auch Programme für Griechenland, Jugoslawien und weitere Länder wurden verbreitet.</p>
<p>Eingeleitet mit der Melodie von »Die Gedanken sind frei« als Pausenzeichen meldete sich ab dem 10. September 1941 der <em>Deutsche Volkssender</em> als »Stimme der nationalen Friedensbewegung«, wie es in der Ansage hieß. »Hitler hat den Krieg begonnen, Hitlers Sturz wird ihn beenden.«¹¹</p>
<p>In der Anfangszeit versuchte man den Eindruck zu erwecken, dass die Sendungen von einer geheimen Funkstation innerhalb Deutschlands verbreitet würden. »Wir sprechen mitten aus dem Erleben unseres Volkes heraus«, hieß es in der ersten Sendung am 10. September 1941. »Wir sind seine Stimme. Das Anhören und Verbreiten unserer Sendungen ist ein echter nationaler Dienst am Volke.«¹² Schon nach einem halben Jahr wurde diese Legende jedoch aufgegeben, der <em>Deutsche Volkssender</em> trat nun offen als Stimme der in die Sowjetunion emigrierten Führung der KPD auf.¹³ Damit ergänzte er die deutschsprachigen Sendungen von <em>Radio Moskau</em>, in denen zwar führende Vertreter der KPD zu Wort kamen, die aber doch immer die offizielle Stimme der UdSSR waren. »Unser Sender hatte die Aufgabe, nicht nur die politische Linie und die Argumente für die vielschichtige Arbeit im Land aktuell, treffend, überzeugend und lebendig zu verbreiten, sondern vor allem auch eine möglichst konkrete, den schweren Bedingungen angepasste Anleitung für den praktischen illegalen Kampf, für dessen Organisationsformen, seine Methoden zu geben.«¹⁴</p>
<p>So fasste Markus Wolf die Arbeit zusammen. Der spätere Chef der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des Auslandsgeheimdienstes der DDR hatte als 20jähriger Ende August 1943 als Sprecher und Redakteur beim <em>Deutschen Volkssender</em> angefangen. Im Gespräch mit der Redaktion der <em>Beiträge zur Geschichte des Rundfunks</em> führte er 1977 weiter aus: »Diese Aufgabenstellung stieß auf vielfältige Schwierigkeiten. Denn der Gestapo-Terror und die enormen Verluste unserer Partei, die notwendige Dezentralisierung der Organisation und auch die Konspiration sicherten keinen systematischen Informationsfluss aus dem Lande mehr. Wir waren also darauf angewiesen, gestützt auf das Wissen und die Hinweise unserer Parteiführung über den Kampf im Lande, uns aus den vielfältigsten Quellen ein solches Faktenwissen zu erarbeiten, das eine wirklichkeitsnahe, den Aufgaben entsprechende aktuelle Sendetätigkeit jeden Tag und mehrmals am Tag ermöglichte.«¹⁵</p>
<p>Die Gestapo verfolgte die Programme des <em>Deutschen Volkssenders</em> mit größter Aufmerksamkeit. In einem Lagebericht des Reichssicherheitshauptamtes vom 1. April 1942 etwa wurde ein Kommentar zur Ernährungslage in Deutschland mitgeschrieben: »Bis ins einzelne gehende Anweisungen gab auch der <em>Deutsche Volkssender</em>, der u. a. aufforderte, auf den Märkten, vor den Ernährungsämtern, vor den Kreisleitungen und den Bürgermeistereien für die sofortige Freigabe der für die Kriegsverlängerung angehäuften Vorräte zu demonstrieren. Die Arbeiter in den Rüstungsbetrieben sollten es ablehnen, mit leerem Magen für Hitlers Krieg zu schuften. Die Eisenbahner sollten erklären, dass sie nur noch Lebensmitteltransporte, aber keine Kriegstransporte mehr fahren.«¹⁶</p>
<h3>Friedenspropaganda</h3>
<p>Der <em>Deutsche Volkssender</em> propagierte auch die Bildung einer breiten nationalen Sammlungsbewegung gegen Krieg und Faschismus. So notierten die Abhörer der Gestapo am 17. Dezember 1942, dass er über ein »Friedensmanifest oppositioneller Kreise aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet« berichtet habe, demzufolge sich »zahlreiche oppositionell eingestellte Männer und Frauen aus allen Schichten der Bevölkerung zur Manifestierung des Friedens zusammengeschlossen« hätten. Knapp zwei Wochen später hielten die Agenten die Verbreitung eines »Aktionsprogramms der nationalen Friedensbewegung« fest, in dessen zehn Punkten unter anderem die sofortige Einstellung der Kriegshandlungen, die Schaffung einer national-demokratischen Friedensregierung und die Auflösung von SS und Gestapo gefordert worden seien.¹⁷</p>
<p>Konkrete Gestalt nahm diese nationale Sammlungsbewegung im Mai 1943 an, als das Politbüro des KPD-Zentralkomitees in Moskau den »Vorschlag zur Bildung eines deutschen Komitees zum Kampf gegen Hitlerkrieg und Nazityrannei« fasste, der schließlich zur Gründungsversammlung des »Nationalkomitees Freies Deutschland« (NKFD) im Juli 1943 führte. Das Gründungsmanifest wurde von 21 kriegsgefangenen Soldaten und Offizieren sowie zwölf emigrierten Zivilistinnen und Zivilisten unterzeichnet. Im September folgte dann die Konstituierung des »Bundes Deutscher Offiziere«, über den mehrere Wehrmachtsgeneräle an das NKFD herangeführt werden konnten.</p>
<p>Die Nazis registrierten die Gründung über eine Rundfunkmeldung vom 20. Juli 1943, die sie dem <em>Sender Moskau</em> zuschrieben.¹⁸ Zu vermuten ist, dass die Abhörer der Gestapo nicht das offizielle sowjetische Rundfunkprogramm erwischt hatten, sondern die erste Ausstrahlung des <em>Senders Freies Deutschland</em>, der an jenem Tag den Betrieb aufnahm. Schon unmittelbar nach der Gründung des Nationalkomitees waren in Moskau konspirativ arbeitende Redaktionen für die Zeitung <em>Freies Deutschland</em> und den gleichnamigen Rundfunksender eingerichtet worden. Dem Sender standen zunächst eine Mittelwellen- und mehrere Kurzwellenfrequenzen zur Verfügung, im September 1944 kam noch die Langwelle hinzu. So war man nicht nur an der gesamten Front, sondern auch in Deutschland gut zu empfangen, sofern die Störungen durch die Nazis nicht zu stark waren. Meldete man sich anfangs dreimal täglich, wurde die Zahl der Sendungen bis Juli 1944 auf acht Sendungen von jeweils zwischen 15 und 80 Minuten Dauer ausgeweitet. Entgegen mancher späterer Berichte ersetzte der Sender des NKFD jedoch nicht den <em>Deutschen Volkssender</em>, auch wenn dieser einige Mitarbeiter an das Nationalkomitee abgeben musste. Beide Stationen stellten ihre Arbeit erst nach der Befreiung Deutschlands vom Faschismus ein.</p>
<p>Der Sender des NKFD meldete sich nach der Erkennungsmelodie »Der Gott, der Eisen wachsen ließ« mit der Ansage »Achtung, Achtung, hier spricht der Sender des Nationalkomitees Freies Deutschland! Wir sprechen im Namen des deutschen Volkes! Wir rufen zur Rettung des Reiches!«¹⁹ Die Sendungen richteten sich in erster Linie an die deutschen Soldaten an der Ostfront, aber auch an Hörer im Reich selbst. So verbreitete man am 17. August 1943 einen »Appell an das deutsche Volk und an die deutsche Wehrmacht«, in dem es der Mitschrift durch die Gestapo zufolge hieß: »Die Fortsetzung des Krieges bedeutet Selbstmord der Nation und der Wehrmacht. Mit jedem Tag wird die Lage aussichtsloser, mit jedem Tag wird Deutschland ohnmächtiger, mit jedem Tag müssen sich die Friedensbedingungen verschlimmern, mit jedem Tag, den die deutschen Armeen auf russischem Boden stehen, vergrößern sie die Wut ihres mächtigsten Gegners, des russischen Volkes. Nur durch die Beseitigung des Hitlerregimes kann das Vertrauen des russischen Volkes und aller demokratischen Mächte wiedergewonnen werden. In dieser gefährlichen Stunde wiederholt das Nationalkomitee noch einmal dringlich seinen Aufruf: Macht mit dem Krieg sofort ein Ende! Alle Volkskräfte gegen die Kriegsregierung Hitlers und für die Rettung unserer Nation vor der nahenden Katastrophe! Erkämpft euch eine wahrhaft nationale Regierung, die unserem Lande die Freiheit und den Frieden bringt!«²⁰</p>
<h3>Kontakt per Funk</h3>
<p>Zu Wort kamen im Sender kriegsgefangene Soldaten und Offiziere, deren Statements vor allem im Lager Lunjowo auf Schallplatten aufgenommen und dann nach Moskau gebracht wurden. Die »Lagerredaktion« wurde von Hans Mahle geleitet, der auch die Aufnahmen überwachte. Das letzte Wort hatte eine »Stadtredaktion« in Moskau unter der Leitung von Anton Ackermann und Walter ­Ulbricht. Zensur fand allerdings kaum statt. Sowohl die uniformierten als auch die zivilen Mitglieder des Nationalkomitees verfügten über einen relativ großen redaktionellen Freiraum, dessen Grenzen die Erfordernisse der militärischen Geheimhaltung waren. Hielten die sowjetischen Kontrolloffiziere doch einmal Änderungen für notwendig, wurden diese offenbar mit den betroffenen Soldaten abgesprochen.²¹</p>
<p>Neben seinem zentralen Sender gab es im Namen des Nationalkomitees eine Reihe kleinerer Stationen, die in Frontnähe von Beauftragten des NKFD betrieben wurden und sich meist an eingeschlossene Truppenteile richteten. So meldete sich im März 1945 ein <em>Soldatensender Ostpreußen</em>, der sich offen als Stimme des Nationalkomitees zu erkennen gab. Er wandte sich an die Soldaten im belagerten Königsberg, dem heutigen Kaliningrad.²² An die eingeschlossenen Soldaten im Kessel Kurland richtete sich im Frühjahr 1945 der <em>Sender Baltikum</em>. Eine Besonderheit dieser Station war, dass sie kapitulationswilligen Soldaten die Möglichkeit gab, sie per Funk zu kontaktieren: »Kameraden, wenn ihr uns verstanden habt, wenn unsere Sendung bei euch angekommen ist, dann gebt auf gleicher Frequenz, auf dem 42,7-Meter-Band, das Rufzeichen ›di di da di, da di di‹ – F, D, FD, Freies Deutschland! Wir gehen auf Empfang!«²³ Gefunkt wurde über einen mobilen, 1,5 Kilowatt starken Sender der sowjetischen Armee.²⁴</p>
<p>Am 8. Mai 1945, als im Westen die Kapitulation der Wehrmacht gefeiert wurde, kommentierte der Hamburger Schriftsteller Willi Bredel um 23.15 Uhr über den <em>Sender Freies Deutschland</em>: »›Wir kapitulieren nie‹, brüllten die Hitlerschurken noch vor wenigen Wochen. Und jetzt haben sie zu Hunderttausenden, zu Millionen kapituliert. Die Parole Goebbels hat schmählich versagt. Niederträchtiger hat noch niemand gehandelt als das Hitlergesindel. Es hat sich feige aus dem Staube gemacht und hat die Soldaten in Berlin sterben lassen. Einmalig ist diese Feigheit und Niederträchtigkeit der Nazibande. In Lüge und Schmach sind sie zusammengebrochen.«²⁵</p>
<h3>Tag des Jubels</h3>
<p>Am nächsten Morgen verbreitete der Sender dann den Wortlaut der deutschen Kapitulation und kommentierte: »Die Vernichtung des Hitlertums ist vollständig. Der Untergang war jämmerlich. (…) Das deutsche Volk steht vor einem Trümmerfeld.« Und über den <em>Deutschen Volkssender</em> hieß es: »Der Krieg ist beendet, und die Wehrmacht hat den Schritt getan, den sie schon nach Stalingrad hätte unternehmen sollen. Es muss nun das deutsche Volk gesäubert werden, weil es noch stark mit einer verbrecherischen Bande durchseucht ist. Diese wartet, um von neuem Unheil zu stiften. Erst wenn diese Elemente verschwunden sind, können wir unser Land wieder aufbauen. Im neuen Deutschland darf kein Platz sein für Rüstungsplutokraten und andere Kriegstreiber. (…) Für friedliche Menschen ist heute ein Tag des Jubels und der Siegesfreude, weil wir vom Verbrecher Hitler befreit sind.«²⁶</p>
<p><strong>Anmerkungen</strong></p>
<p>1 Hans Sarkowicz, Michael Crone (Hg.): Der Kampf um die Ätherwellen. Feindpropaganda im Zweiten Weltkrieg (Tondokumentation), Frankfurt am Main 1990</p>
<p>2 Conrad Pütter: Rundfunk gegen das »Dritte Reich«. Ein Handbuch, München 1986, S. 38 f.</p>
<p>3 Ebd., S. 104 f.</p>
<p>4 Ebd., S. 106</p>
<p>5 BArch R 58/2333, S. 8; <a class="western" href="https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/dff8b1da-14e6-4ba2-8f7d-d282529d4340/">https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/dff8b1da-14e6-4ba2-8f7d-d282529d4340/</a></p>
<p>6 Ebd., S. 64</p>
<p>7 Conrad Pütter, a. a. O., S. 119</p>
<p>8 Sefton Delmer: Die Deutschen und ich, Hamburg 1963, S. 445</p>
<p>9 Hermann Weber, Jakov Drabkin, Bernhard H. Bayerlein (Hg.): <a href="https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783110339789/html#contents">Deutschland, Russland, Komintern, Band II: Dokumente ­(1918–1943). Nach der Archivrevolution: Neuerschlossene Quellen zu der Geschichte der KPD und den deutsch-russischen Beziehungen</a>, Berlin/München/Boston 2015, S. 1688 (Fußnote 86)</p>
<p>10 Tereza Maskova: Rozhlasove vysilani do okupovaného Ceskoslovenska, <em>Cesky rozhlas</em>, 30. April 2015; <a class="western" href="https://temata.rozhlas.cz/rozhlasove-vysilani-do-okupovaneho-ceskoslovenska-8044759">https://temata.rozhlas.cz/rozhlasove-vysilani-do-okupovaneho-ceskoslovenska-8044759</a></p>
<p>11 Markus Wolf: Das antifaschistische Deutschland hatte Stimme und Heimat. Erinnerungen an die Arbeit des <em>Deutschen Volkssenders</em>, in: <em>Beiträge zur Geschichte des Rundfunks</em> (1977), Nr. 2, S. 6</p>
<p>12 Zit. n. ebd., S. 5</p>
<p>13 Conrad Pütter, a. a. O., S. 289 f.</p>
<p>14 Markus Wolf, a. a. O., S. 8 f.</p>
<p>15 Ebd., S. 9</p>
<p>16 Reichssicherheitshauptamt: Meldung wichtiger staatspolizeilicher Ereignisse, 1. April 1942, S. 3; in: BArch R 58/3113, S. 5; <a class="western" href="https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/f83575b9-9f20-4240-9bf2-ee9aa4d5357b/">https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/f83575b9-9f20-4240-9bf2-ee9aa4d5357b/</a></p>
<p>17 Reichssicherheitshauptamt: Meldung wichtiger staatspolizeilicher Ereignisse, 5. Januar 1943, S. 3 f.; BArch R 58/209; <a class="western" href="https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/d3eaf310-b345-487a-adbb-2e80d23ba420/">https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/d3eaf310-b345-487a-adbb-2e80d23ba420/</a></p>
<p>18 Reichssicherheitshauptamt: Meldung wichtiger staatspolizeilicher Ereignisse, 23. Juli 1943, S. 1; BArch R 58/211; <a class="western" href="https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/34161ced-e764-4777-aecd-240616f518a6/">https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/34161ced-e764-4777-aecd-240616f518a6/</a></p>
<p>19 Katharina Riege: Einem Traum verpflichtet. Hans Mahle – eine Biographie, Hamburg 2003, S. 157 ff.</p>
<p>20 Reichssicherheitshauptamt: Meldung wichtiger staatspolizeilicher Ereignisse, 27. August 1943, S. 1; BArch R 58/211; <a class="western" href="https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/34161ced-e764-4777-aecd-240616f518a6/">https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/34161ced-e764-4777-aecd-240616f518a6/</a> (Seite 43); abgerufen am 2. Mai 2023</p>
<p>21 Conrad Pütter, a. a. O., S. 280 ff.</p>
<p>22 Ebd., S. 316</p>
<p>23 Ebd., S. 317</p>
<p>24 Rudi Bunzel: Antifaschistische Rundfunksender im Kampf gegen Faschismus. In: Karl-Heinz Schubert (Hg.): Jahrbuch für den Funkamateur 1969, Berlin (DDR) 1968, S. 22 f.; <a class="western" href="https://archive.org/details/elektronischesjahrbuch/Elektronisches%20Jahrbuch%201969/page/n5/mode/2up?view=theater">https://archive.org/details/elektronischesjahrbuch/Elektronisches%20Jahrbuch%201969/page/n5/mode/2up?view=theater</a></p>
<p>25 Zit. n. Ansgar Diller: Das Kriegsende 1945 im europäischen Rundfunk. Aus den Berichten der schweizerischen Abhör-»Gruppe Ohr«, in: <em>Rundfunk und Geschichte</em> (1995), Nr. 2/3, S. 152; <a class="western" href="https://rundfunkundgeschichte.de/assets/RuG_1995_2-3.pdf">https://rundfunkundgeschichte.de/assets/RuG_1995_2-3.pdf</a></p>
<p>26 Ebd., S. 154</p>
<p>Erschienen am 17. Mai 2023 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/450870.radiogeschichte-wo-ist-der-rommel.html" target="_blank" rel="noopener">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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		<title>Unter falscher Flagge</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/unter-falscher-flagge/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Apr 2023 09:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Serie: Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland]]></category>
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					<description><![CDATA[Serie: Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland. Teil 4: »Linke« Nazipropaganda gegen Frankreich, Großbritannien und die Sowjetunion[...]]]></description>
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<div class="teaser lead"><strong>Serie: Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland. Teil 4: »Linke« Nazipropaganda gegen Frankreich, Großbritannien und die Sowjetunion</strong></div>
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<p>Mitte Januar 1940. Deutschland und Frankreich befinden sich seit dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 im Kriegszustand. Doch an der Grenze zwischen beiden Ländern herrscht weitgehend Ruhe. Zwar hatten französische Truppen am 9. September 1939 die Grenze überschritten und waren im Saarland einige Kilometer weit auf deutsches Gebiet vorgerückt, aber bereits am 21. September ordnete das französische Oberkommando den Rückzug der Truppen auf das eigene Staatsgebiet an. Seither herrschte an der Grenze ein »Sitzkrieg«, der als »Drôle de ­guerre« (»Seltsamer Krieg«) in die Geschichte einging. Auf deutscher Seite war der Entschluss zum Überfall auf Frankreich jedoch längst gefallen.</p>
<h3>»Radio Humanité«</h3>
<p>Die Aggression wurde propagandistisch vorbereitet. Neben den offiziellen Sendungen aus Deutschland für Frankreich, die von <em>Radio Stuttgart</em> ausgestrahlt wurden, meldeten sich ab Dezember 1939 mehrere Schwarzsender, die vorgaben, illegal von Frankreich aus zu arbeiten. Neben einer vorgeblich pazifistischen »Stimme des Friedens« (La Voix de la Paix) und einem antienglischen Sender namens »Erwachen Frankreichs« (Poste du Réveil de la France) gewann »Radio Humanité« eine besondere Bedeutung. Nicht zufällig hatte dieser den Namen der Zeitung der Französischen KP gewählt, denn man gab sich als Sender der Kommunistischen Partei aus. Diese Maskerade funktionierte, weil die Partei am 26. September 1939 von der Regierung in Paris verboten und in den Untergrund gedrängt worden war. Begründet worden war das mit der Unterstützung der Französischen KP für den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt und den Einmarsch sowjetischer Truppen im Osten Polens.</p>
<p>Tatsächlich stand »Radio Humanité« natürlich nicht in Frankreich, sondern arbeitete zunächst über einen mobilen Sender, der in Schopfheim nahe der Schweizer und französischen Grenze stationiert worden war. Am 14. Januar 1940 hieß es dort: »Genossen, dieser Krieg ist nicht unser Krieg. Es ist im Gegenteil ein Krieg gegen uns, gegen unsere Ideen, gegen unsere materiellen Interessen, gegen unsere Familien, gegen alles, was den Armen wert ist, gegen alles, worauf die werktätigen Massen stolz sind. (…) Sie appellieren an unseren guten Willen und unsere Geduld, um die Demokratie zu retten. Es handelt sich um die gleiche Demokratie, in deren Namen dem Parlament das Maul gestopft, die Kommunistische Partei verboten, die organisierten Arbeiter geschlagen, die Gewerkschaften zerbrochen und die Armen verraten werden. Nein, Daladiers und Chamberlains Krieg hat nichts mit der Verteidigung der Freiheit zu tun. Es ist ein Krieg unter imperialistischen Räubern, die sich um die Beute ihrer Plünderung und ihrer Ausbeutung streiten.«¹</p>
<p>Diese Argumentation war für sich genommen nicht weit entfernt von der Linie der Kommunistischen Internationale, die den Krieg zu diesem Zeitpunkt analog zum Ersten Weltkrieg als Auseinandersetzung zwischen imperialistischen Mächten bewertete. Genutzt wurde eine Langwellenfrequenz, die nach internationaler Vereinbarung der Sowjetunion zugeteilt worden war. Prompt machte die rechtsnationalistische Wochenzeitung <em>Gringoire</em> ein geheimes Abkommen zwischen Moskau und Berlin über gemeinsame Radiopropaganda aus: Die Sowjetunion nutze einen Standort im Schwarzwald, also in Deutschland, weil sie sonst nicht per Langwelle Frankreich erreichen könne: »Einen deutlicheren Beweis für ihre Absprachen kann man sich kaum vorstellen.«² Auch die Tageszeitung <em>Le Matin</em> schrieb am 17. Januar 1940 von »abscheulicher antifranzösischer Propaganda« des Senders, der »sich von den Doktrinen der Dritten Internationale inspirieren« lasse und Argumente verbreite, »in denen man sowohl die widerliche Verherrlichung des Naziregimes als auch die des Kommunismus durchscheinen spürt«.³</p>
<p>Die in den Untergrund gedrängte Kommunistische Partei distanzierte sich dagegen klar von dem Sender. In einer illegalen Ausgabe der <em>Humanité</em> vom 2. Februar 1940 hieß es unter der Überschrift »Warnung«: »Der auf Langwellen (1.180 Meter) arbeitende Sender mit dem Namen Radio-Huma hat keinerlei Verbindung zu unserer Zeitung oder der Partei. Jeder halbwegs gebildete Genosse wird bereits verstanden haben, dass es sich um einen deutschen oder um einen von der französischen Polizei zu Provokationszwecken aufgebauten Sender handelt. Diejenigen, die darauf hereinfallen könnten, sollten gewarnt werden!«⁴</p>
<h3>Kollaborateure</h3>
<p>Um die Glaubwürdigkeit seines Schwarzsenders zu erhöhen, griff Goebbels auch auf ehemalige Kommunisten zurück, die zu den Nazis übergelaufen waren. Am 2. Juni 1940 schlug der Propagandaminister bei der fast täglich stattfindenden Konferenz mit seinen Mitarbeitern vor, den ehemaligen KPD-Abgeordneten Ernst Torgler und dessen »Mitarbeiterin« Maria Reese zur Mitarbeit beim französischen Schwarzsender heranzuziehen, weil die bisher an den Programmen Beteiligten lediglich an das Hirn von Intellektuellen, nicht aber an »die primitiven Masseninstinkte appellieren« würden.</p>
<p>Der 1893 in Berlin geborene Torgler war ab 1929 Vorsitzender der KPD-Fraktion im Reichstag gewesen und gehörte damit zu den prominentesten Kommunisten in Deutschland. Nach dem Reichstagsbrand stellte er sich am 28. Februar 1933 freiwillig der Polizei, um, wie er 1948 in einer Artikelserie für die Hamburger Wochenzeitung <em>Die Zeit</em> argumentierte, »auf diese Weise die niederträchtige Lüge vor der Weltöffentlichkeit zu entlarven und die satanische Absicht der Nazis, für ihre Tat andere verantwortlich machen zu wollen, zu zerschlagen«.⁵ Bei seiner Partei stieß das auf scharfe Kritik, er habe sich »freiwillig dem Faschismus ausgeliefert«, hieß es später. Torgler wies das zurück: »Was ich tat, war mindestens ein Versuch, einem anrollenden Verhängnis Widerstand entgegenzusetzen, und zwar zu einem Zeitpunkt, wo der Nationalsozialismus erst im Aufmarsch begriffen war und wo von den Widerstandskämpfern der späteren Verfallszeit und des schon verlorenen Krieges noch nichts zu bemerken war.«⁶</p>
<p>Da er für seine Verteidigung im Prozess keinen der KPD nahestehenden Verteidiger gewinnen konnte, engagierte Torgler schließlich den Nazijuristen Alfons Sack, der in der Weimarer Republik zahlreiche Faschisten verteidigt hatte. Dieser nutzte seine Beteiligung an dem Prozess später dazu, den Reichstagsbrandprozess in einem Buch als Ergebnis »rechtsstaatlichen Wirkens« der Nazijustiz darzustellen. Als Beleg dafür diente ihm, dass sein Mandant Torgler ebenso wie drei weitere Angeklagte – unter ihnen der bulgarische Kommunist Georgi Dimitroff – freigesprochen wurden. Zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde dagegen Marinus van der Lubbe.</p>
<p>Wegen seines Verhaltens gegenüber der Nazijustiz wurde Torgler 1935 aus der KPD ausgeschlossen. Er sei »zwischen die Mühlsteine zweier großer Bewegungen (…), nämlich des Nationalsozialismus und des Bolschewismus«⁷ geraten, beklagte er später. Ab 1935 unterstützte er offenbar seine frühere Genossin und Geliebte Maria Reese, die ebenfalls für die KPD im Reichstag gesessen hatte, bei der Arbeit an einem von den Nazis gewünschten Buch über ihren Bruch mit dem Kommunismus.⁸ Reese war 1933 im französischen Exil aus der KPD ausgetreten und 1935 nach Deutschland zurückgekehrt, nachdem sie sich zuvor im Saargebiet an der Nazipropaganda für eine Rückkehr des unter Verwaltung des Völkerbundes stehenden Gebiets nach Deutschland beteiligt hatte. Offenbar ist das von beiden verfasste Werk nie über das Stadium eines Manuskripts hinausgekommen, allerdings erschien 1938 eine von Reese verfasste, antisemitisch geprägte Schrift unter dem Titel »Abrechnung mit Moskau«.</p>
<p>Ein Grund für Torglers Kollaboration mit dem Naziregime könnte die Sorge um seinen Sohn gewesen sein. Kurt Torgler war 1933 in die So­wjetunion emigriert. Dort wurde er 1936 verhaftet und wegen »trotzkistischer Aktivitäten« zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt.⁹ Nach Abschluss des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er von Moskau an Nazideutschland ausgeliefert.¹⁰</p>
<p>Am 8. Juni 1940 begann Ernst Torgler, für »Radio Humanité« zu arbeiten. Zur Redaktion gehörte auch Wilhelm »Willi« Kasper, der vor der Nazidiktatur dem Zentralkomitee der KPD angehört hatte und Abgeordneter des preußischen Landtags gewesen war. Unmittelbar nach dem Reichstagsbrand war auch er verhaftet und in einem Konzentrationslager misshandelt worden. 1935 wurde er schließlich zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, nach Verbüßung der Haft aber freigelassen.</p>
<p>Torgler räumte die Mitarbeit bei »Radio Humanité« nach dem Krieg ein. Kasper und er hätten sich »nach Ausbruch des Frankreich-Feldzuges unter Druck bereit« gefunden, »für die gegen Frankreich operierenden Geheimsender des Propagandaministeriums einige Entwürfe für Aufrufe an die französischen Werktätigen zu liefern, den Widerstand gegen den übermächtigen deutschen Feind einzustellen und überflüssiges Blutvergießen zu vermeiden«. Reese sei jedoch nicht an dem Sender beteiligt gewesen.¹¹</p>
<p>Der vorgeblich kommunistische Schwarzsender wurde von einer wachsenden Zahl französischer Hörerinnen und Hörer empfangen. Besonders nachdem die deutschen Truppen am 10. Mai 1940 ihre Offensive gegen Frankreich gestartet hatten, schalteten viele Menschen den angeblichen Untergrundsender ein, weil sie sich vom offiziellen Pariser Rundfunk im Stich gelassen fühlten. Während dort Armeesprecher teilweise veraltete Kommuniqués verlasen, beeindruckten »Radio Humanité« und die anderen Propagandasender mit dramatischen Schilderungen der Lage. Sie folgten damit Nazipropagandaminister Joseph Goebbels, der am 17. Mai 1940 die Weisung ausgegeben hatte, unter der französischen Zivilbevölkerung Panik zu schüren und sie zur Flucht vor den anrückenden Truppen der Wehrmacht zu bewegen.</p>
<p>Tatsächlich versuchten Zehntausende Menschen, sich vor der sich nähernden Front in Sicherheit zu bringen. Ganze Familien flohen in Richtung Westen und Süden, wohlhabendere mit Autos oder Pferde- und Ochsenwagen, andere zu Fuß. Schnell waren die Straßen verstopft, mehr als fünf Millionen Menschen sollen sich auf den Weg gemacht haben. Die deutschen Truppen hatten Befehl, auf die wehrlosen Menschen keine Rücksicht zu nehmen, während die Bewegungsfreiheit der französischen Armee und ihrer englischen Verbündeten erheblich eingeschränkt wurde.</p>
<p>Diese Fluchtbewegung dürfte allerdings nicht allein oder vor allem durch die deutschen Schwarzsender ausgelöst worden sein. Vielmehr hatte die deutsche Luftwaffe planmäßig französische Städte bombardiert, so dass zwangsläufig eine Massenflucht ausgelöst wurde. Gezielte Attacken lenkten die Menschenmassen in die gewünschte Richtung. Trotzdem war Goebbels mit dem Erfolg seiner Propaganda zufrieden. Nach der Besetzung von Paris durch deutsche Truppen und der Unterzeichnung eines Waffenstillstands ordnete Goebbels die Einstellung von »Radio Humanité« und der anderen gegen Frankreich gerichteten Schwarzsender an. In seinem Tagebuch notierte er am 23. Juni 1940: »Französische Geheimsender wollen wir nun langsam abklingen lassen. Sie haben ihre Schuldigkeit getan. Jetzt werden sie nach England umgestellt, das nun an die Reihe kommt. Im Ganzen 4 Sender mit verschiedenen Tendenzen und immer als englische getarnt.«</p>
<h3>»Worker’s Challenge«</h3>
<p>Bereits im Februar 1940 hatte ein erster Geheimsender in englischer Sprache den Betrieb aufgenommen, die »New British Broadcasting Station« (NBBS). Zunächst sendete man jeden Abend für eine halbe Stunde auf Kurzwelle. Nach der Niederlage Frankreichs griff Goebbels dann den Erfolg von »Radio Humanité« auf und ließ Anfang Juli 1940 einen angeblich von sozialistischen Arbeitern betriebenen Sender starten, »Worker’s Challenge«. Er sollte eine »sozialrevolutionäre Arbeiterpropaganda« verbreiten, wie es in einem Dokument des für die Nazischwarzsender zuständigen »Büros Concordia« hieß: »antikapitalistische Zersetzungspropaganda, die sich an die radikalen Schichten der britischen Arbeiterschaft wendet und versucht, Unruhe und Unfrieden zu stiften«.¹²</p>
<p>Genutzt wurde für die täglich 15 Minuten dauernden Programme zunächst ein transportabler Sender im Rheinland und später in den besetzten Niederlanden. Da die Sendungen auf Mittelwelle verbreitet wurden, konnten sie in England auch mit einfachen, handelsüblichen Rundfunkgeräten empfangen werden. Wie zeitgenössische Umfragen nahelegten, wurde »Worker’s Challenge« vor allem zu Beginn von relativ vielen Menschen eingeschaltet. Der Grund dafür dürften jedoch weniger die verbreiteten Inhalte gewesen sein als vielmehr die derbe Sprache mit Ausdrücken, die man nie zuvor im Radio hatte hören können. Dazu trug auch die britische Presse ihren Teil bei, die sich in zahlreichen Artikeln über die Ausdrucksweise des Untergrundsenders mokierte.</p>
<p>So hieß es am 9. Juli 1940 auf Mittelwelle 213 Meter (1407 kHz): »Der Kapitalismus ist mausetot, und wir wollen nicht durch seinen dreckigen Kadaver vergiftet werden. Niemand hat sich je um uns gekümmert, also müssen wir uns selbst um uns kümmern. Diesmal müssen wir bereit sein, nicht in einen kapitalistischen und imperialistischen Krieg zu ziehen, sondern in einen Krieg gegen unsere eigenen Feinde hier zu Hause. Entweder retten wir Großbritannien in diesem kritischen Moment unserer Geschichte für die Arbeiterklasse, oder wir verlieren es. Die Kapitalisten haben es bereits verloren, und sie zittern vor Angst. Entweder die Nazis übernehmen die Macht oder wir. Geht auf die Straße und setzt es in die Tat um! Arbeiter Großbritanniens, vereinigt euch! Ihr habt nichts zu verlieren als eure Ketten!«¹³</p>
<p>Hauptautor der gegen England gerichteten Schwarzsender und wichtigster Sprecher der offiziellen englischsprachigen Sendung »Germany Calling« war William Joyce. Der britische Faschist war zu Kriegsbeginn nach Deutschland emigriert und hatte sich dem Propagandaministerium zur Verfügung gestellt. Unter dem Pseudonym »Lord Haw-Haw«, das ihm von der britischen Presse verliehen worden war, gewann er eine gewisse Bekanntheit. Neben ihm wurden offenbar auch Torgler und Kasper wieder zur Arbeit herangezogen, die aber vermutlich nur einige Manuskripte beigesteuert haben. Sprecher waren vor allem britische Soldaten, die von Joyce in Kriegsgefangenenlagern angeworben wurden. Einer von ihnen, William Henry Humphrey »Bill« Griffiths, wurde nach Kriegsende wegen seiner Beteiligung an den Rundfunksendungen in Großbritannien zu sieben Jahren Haft verurteilt, weil er in Gefangenschaft freiwillig den Feind unterstützt habe. Er verteidigte sich später, dass ihm Joyce gedroht habe, ihn in ein Konzentrationslager bringen zu lassen, falls er sich weigere.¹⁴</p>
<h3>»Alte Garde Lenins«</h3>
<p>Aktiver wurde die Rolle ehemaliger deutscher Kommunisten nach dem Überfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941. So plante das deutsche Propagandaministerium, einen von ehemaligen Kommunisten unterzeichneten Aufruf zu veröffentlichen, in dem der Krieg gegen die Sowjetunion unterstützt werden sollte. »Dieses Ansinnen lehnte ich wiederum ab«, berichtete Torgler nach 1945. »Was sie denn damit erreichen wollten? Auch der Dümmste in Deutschland würde doch bemerken, dass es keine freiwillige, sondern unter Zwang erpresste Unehrlichkeit wäre. Diesmal ließen sie sich überzeugen. Damit war die Sache leider noch nicht erledigt. Es blieb übrig, Aufrufe zu schreiben, in der ›alte Leninisten‹ die falsche Politik Stalins kritisieren, beispielsweise den deutsch-russischen Freundschaftspakt als Sünde wider den leninistischen Geist zu bezeichnen und den Einmarsch der Nazihorden als ›Erfolg‹ dieser falschen Politik zu kennzeichnen.«¹⁵</p>
<p>Diese Aufrufe Torglers wurden über einen deutschen Schwarzsender verbreitet, der sich »Alte Garde Lenins« nannte und im Büro Concordia unter dem Code »V« geführt wurde. Geleitet wurde der Sender von Karl Iwanowitsch Albrecht. Dieser Karl Albrecht, der eigentlich Karl Matthäus Low oder Löw hieß, war 1924 in die Sowjetunion emigriert, wo er im Staatsapparat Karriere machte und es bis zum stellvertretenden Volkskommissar für Wald- und Forstwirtschaft brachte. 1932 wurde er verhaftet und wegen »Unzucht« zu fünf Jahren Haft verurteilt. Als deutscher Staatsbürger wandte er sich in dieser Situation an die deutsche Botschaft, durch deren Vermittlung er 1934 nach Deutschland abgeschoben wurde. Dort wurde er von den Nazis verhört und inhaftiert, aber schon nach wenigen Wochen auf freien Fuß gesetzt und für die Nazipropaganda angeworben.</p>
<p>1938 erschien im Nibelungen-Verlag des Propagandaministeriums sein Buch »Der verratene Sozialismus«, ein antisemitisches und antikommunistisches Machwerk, in dem er zugleich die Nazis von allen international erhobenen Vorwürfen freisprach: »Ich habe keine nächtlichen Todesschreie gehört, keine Prügelszenen, keine Massenabschlachtungen in den Kellern und auf den Höfen des Lagers gesehen. Ich habe auch von keinem der Insassen, mit denen ich als Gefangener völlig ungehindert reden konnte, eine Andeutung vernommen, dass einer von ihnen geschlagen worden sei oder aber gesehen hätte, dass irgendwelche Greuelszenen jemals vorgekommen wären.« Über den Krieg gegen die Sowjetunion schwärmte Albrecht: »Wir alle, wir wissen: Wir kämpfen für eine gerechte Sache, für den Sozialismus gegen den Bolschewismus. Wir kämpfen für die Rettung von Millionen versklavter Menschen und für die Befreiung der vielen unterdrückten Völker der Sowjetunion vom jüdisch-bolschewistischen Joch. Wir, als Deutsche, kämpfen vor allem für die Sicherung unseres eigenen Volkes vor der furchtbaren Bedrohung aus dem Osten. Wir kämpfen unter der genialen Führung Adolf Hitlers, der nicht nur Feldherr und Staatsmann, sondern auch der größte Sozialist aller Zeiten ist.«¹⁶</p>
<p>Sein Auftrag für das Büro Concordia und das Propagandaministerium war es, mit einem pseudo-kommunistischen Sender Unruhe unter den sowjetischen Funktionären zu schüren. Goebbels Vorgabe lautete, einen »trotzkistischen«¹⁷ Sender zu betreiben. Die Hoffnung war, so der Historiker Boris Kowalew, die unter Stalin bereits in den 1930er Jahren betriebene Repression gegen echte oder vermeintliche Abweichler in den eigenen Reihen erneut anzuheizen und dadurch die Verteidigung der Sowjetunion zu schwächen.¹⁸</p>
<p>Betrieben wurde der Sender vorgeblich von einer Gruppe »treuer Leninisten«, die sich als »vorläufiges leninistisches Politbüro der Kommunistischen Partei der Sowjetunion« bezeichneten. Regelmäßig wurden Passagen aus Lenins im Dezember 1922 verfassten »Brief an den Parteitag« zitiert, in denen dieser sich kritisch mit der Person Stalins auseinandergesetzt hatte.¹⁹ Zudem berief man sich darauf, dass Lenin im Unterschied zu Stalin eine »opportunistische Friedenspolitik« betrieben habe. In Berlin zeigte man sich mit dem Erfolg des Senders zufrieden, wie aus einem internen Bericht vom 8. Juli 1942 hervorgeht: »Die Wirksamkeit dieser Sendungen ergibt sich daraus, dass Losowski die Meldungen ausdrücklich dementierte und die Prawda sich gezwungen sah, gegen die Verbreitung dieser Meldungen in den Fabriken, Straßenbahnen und auf den Märkten zu polemisieren.«²⁰</p>
<p>Weniger erfreut war man allerdings, als 1943 schwedische Zeitungen über die Hintergründe des Senders aufklärten und die Welt darüber informierten, dass die »treuen Leninisten« von Nazischergen hinter deutschen Mikrofonen dargestellt wurden. Zu diesen gehörte auch Michail W. Tarnowski, ein Aktivist des von russischen Emigranten gegründeten antikommunistischen »Bundes der russischen Solidaristen« (NTS). Ab August 1941 arbeitete er für den deutschen Rundfunk und war schließlich ab 1942 Sprecher für den Sender »Alte Garde Lenins«. 1943 schloss er sich der »Russischen Befreiungsarmee« (ROA) an, die vom übergelaufenen russischen Generalleutnant Andrej Wlassow geführt wurde und an der Seite der Nazis gegen die sowjetische Armee kämpfte.²¹</p>
<h3>Weiterverwendung in US-Diensten</h3>
<p>Ein anderer Propagandist im Dienste Goebbels war Andrej Georgijewitsch Nerjanin, der 1942 als Oberst der Roten Armee in deutsche Gefangenschaft geraten war und sich dort den Nazis angeboten hatte. Ab 1944 gehörte er dem Hauptquartier der Wlassow-Armee an. Trotzdem wurde er 1945 von den US-Amerikanern nicht an die Sowjetunion ausgeliefert, sondern konnte unter dem Decknamen Michail Andrejewitsch Aldan unbehelligt in München leben, bevor er 1953 in die USA übersiedelte, wo er für das Pentagon arbeitete.</p>
<p>Er war nicht der einzige. So manche der im Krieg vom Nazipropagandaministerium gegen die Sowjetunion eingesetzten Emigranten konnten nach 1945 ihre Erfahrungen weiter nutzen. So rekrutierte der US-Geheimdienst CIA zahlreiche ehemalige Nazikollaborateure Anfang der 1950er Jahre für seine von München aus betriebenen Propagandasender »Radio Free Europe« und »Radio Liberation«, später »Radio Liberty«.</p>
<p><strong>Anmerkungen</strong></p>
<p>1 »Radio Humanité, der Sender der revolutionären Arbeiterbewegung«, O-Ton des deutschen Geheimsenders gegen Frankreich im Zweiten Weltkrieg; in: <em>Rundfunk und Geschichte</em> 27 (2001), S. 62 ff.; <a href="https://rundfunkundgeschichte.de/assets/RuG_2001_1-2.pdf">https://rundfunkundgeschichte.de/assets/RuG_2001_1-2.pdf</a></p>
<p>2 <em>Gringoire</em>, 1. Februar 1940, S. 2; <a href="https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k47474145/f2.item.r=%22Radio%20Humanit%C3%A9%22">https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k47474145/f2.item.r=%22Radio%20Humanit%C3%A9%22</a></p>
<p>3 <em>Le Matin</em>, 17. Januar 1940, S. 3; <a href="https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k586576t/f3.item.r=Radio%20Humanite.zoom">https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k586576t/f3.item.r=Radio%20Humanite.zoom</a></p>
<p>4 <em>L’Humanité</em>, 2. Februar 1940, S. 2; <a href="https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k879162x/f2.image.r=%22Radio%20Huma%22?rk=21459;2">https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k879162x/f2.image.r=%22Radio%20Huma%22?rk=21459;2</a></p>
<p>5 Ernst Torgler: Der Reichstagsbrand und was nachher geschah; in: <em>Die Zeit</em>, Nr. 43/1948, 21. Oktober 1948; <a href="https://www.zeit.de/1948/43/ernst-torgler-der-reichstagsbrand-und-was-nachher-geschah">https://www.zeit.de/1948/43/ernst-torgler-der-reichstagsbrand-und-was-nachher-geschah</a></p>
<p>6 Ebd.</p>
<p>7 Ebd.</p>
<p>8 Vgl. New Nazis? In: <em>Time</em>, 13. Januar 1936; <a href="https://content.time.com/time/subscriber/article/0,33009,755623,00.html">https://content.time.com/time/subscriber/article/0,33009,755623,00.html</a></p>
<p>9 Vgl. <em>Neues Deutschland</em>, 23. Februar 2013; <a href="https://www.nd-aktuell.de/artikel/813777.der-tag-an-dem-sein-glaube-zerbrach.html">https://www.nd-aktuell.de/artikel/813777.der-tag-an-dem-sein-glaube-zerbrach.html</a></p>
<p>10 Vgl. <a href="https://www.dhm.de/lemo/biografie/ernst-torgler">https://www.dhm.de/lemo/biografie/ernst-torgler</a></p>
<p>11 Vgl. Willi A. Boelcke (Hg.): Wollt ihr den totalen Krieg? Die geheimen Goebbels-Konferenzen 1939–43. Herrsching 1989, S. 60; <a href="https://ulis-buecherecke.ch/pdf_neben_dem_krieg/goebbels_wollt_ihr_den_totalen_krieg.pdf">https://ulis-buecherecke.ch/pdf_neben_dem_krieg/goebbels_wollt_ihr_den_totalen_krieg.pdf</a></p>
<p>12 Übersicht über die am 25.6.42 in Betrieb befindlichen Concordia-Sender (26. Juni 1942); zit. nach: Reimund Schnabel: Mißbrauchte Mikrofone. Deutsche Rundfunkpropaganda im Zweiten Weltkrieg. Wien 1967, S. 94</p>
<p>13 M. A. Doherty: German Wireless Propaganda in English: An Analysis of the Organisation, Content and Effectiveness of National Socialist Radio Broadcasts for the UK, 1939–1945, Volume II: Appendices. Canterbury 1998, S. 100; <a href="https://kar.kent.ac.uk/85988/2/DX202804_2.pdf">https://kar.kent.ac.uk/85988/2/DX202804_2.pdf</a></p>
<p>14 Vgl. ders.: Nazi Wireless Propaganda: Lord Haw-Haw and British Public Opinion in the Second World War, Edinburgh 2000, S. 23 f.</p>
<p>15 Ernst Torgler: Gestapo bestellte kommunistische Aufrufe; in: <em>Die Zeit</em> Nr. 46/1948, 11. November 1948; https://www.zeit.de/1948/46/gestapo-bestellte-kommunistische-aufrufe</p>
<p>16 Karl Iwanowitsch Albrecht: Der verratene Sozialismus; zit. nach: Peter Boris: Im Zickzack durch die Zeit, in: <em>Die Zeit</em> Nr. 37/1988, 9. September 1988; <a href="https://www.zeit.de/1988/37/im-zickzack-durch-die-zeit/komplettansicht">https://www.zeit.de/1988/37/im-zickzack-durch-die-zeit/komplettansicht</a></p>
<p>17 Joseph Goebbels: Tagebücher 1924–1945. Herausgegeben von Ralf Georg Reuth. München 1992, S. 1614 (30. Juni 1941)</p>
<p>18 Vgl. »Старая гвардия Ленина«: зачем Гитлер финансировал эту радиостанцию коммунистов (»Lenins alte Garde«: Warum Hitler diesen kommunistischen Radiosender finanzierte), in: Russkaja Semerka, 29. März 2021; <a href="https://russian7.ru/post/staraya-gvardiya-lenina-zachem-gitler/">https://russian7.ru/post/staraya-­gvardiya-lenina-zachem-gitler/</a></p>
<p>19 Vgl. W. I. Lenin: Brief an den Parteitag; <a href="https://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1922/12/brief.html">https://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1922/12/brief.html</a></p>
<p>20 Betrifft: Überprüfung der Geheimsender (8. Juli 1942); zit. nach: Reimund Schnabel: Mißbrauchte Mikrofone. Deutsche Rundfunkpropaganda im Zweiten Weltkrieg. Wien 1967, S. 123 f.</p>
<p>21 Vgl. <a href="http://www.hrono.ru/biograf/bio_t/tarnovsky_mv.php">http://www.hrono.ru/biograf/bio_t/tarnovsky_mv.php</a></p>
<p>Erschienen am 12. April 2023 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/448683.100-jahre-radio-unter-falscher-flagge.html" target="_blank" rel="noopener">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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		<title>Keine »Stunde Null«</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 May 2020 14:22:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Zweite Weltkrieg ist als der erste große Krieg in die Geschichte eingegangen, in dem der Rundfunk eine wichtige Rolle gespielt hat. Alle Seiten versuchten, das damals neue Medium zu nutzen, um aktuelle Informationen zu verbreiten und um die Bevölkerung im eigenen und in den gegnerischen Ländern zu beeinflussen. Zugleich bot es auch den schnellsten Weg, etwas über die Vorhaben der jeweils anderen Seite zu erfahren. Dazu wurden Abhördienste eingerichtet, die rund um die Uhr protokollierten, was von verbündeten und gegnerischen Radiostationen verbreitet wurde. So stellen die Archive etwa des britischen »<em>BBC</em> Monitoring«, des deutschen »Sonderdienstes Seehaus« oder der von der Schweizer »Abteilung Presse und Funkspruch« betriebenen »Gruppe Ohr« heute – soweit sie inzwischen zugänglich sind – eine wichtige Quelle dar.<span id="more-4563"></span></p>
<p>In der Schweiz etwa notierten die Überwacher, wie in den letzten Monaten des Krieges eine deutsche Station nach der anderen den Betrieb einstellte. Der Berliner Sender Tegel wurde am 22. April 1945 von der Roten Armee besetzt und abgeschaltet, der Reichssender Hamburg – über den Großadmiral Karl Dönitz am 1. Mai den Tod Hitlers verkündet hatte – stellte den Betrieb am 3. Mai ein, wenige Stunden vor dem Einmarsch der britischen Truppen.</p>
<p>Dönitz, der von Hitler zu seinem Nachfolger ernannt worden war, hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon mit seiner »Reichsregierung« nach Flensburg abgesetzt. Der dortige, nur drei Kilowatt starke Sender – der bislang das Programm aus Hamburg übernommen hatte – wurde zum »Reichssender« erklärt und in den letzten Tagen des Krieges zur offiziellen Stimme des Naziregimes. Daneben hatten die Faschisten noch Stationen in Prag, Oslo und Kalundborg bei Kopenhagen.</p>
<p>Am 3. Mai ließ Dönitz über den Flensburger Sender verkünden, dass er die Waffen nicht niederlegen werde. »Der einzige Sinn des Kampfes« sei, »deutsche Menschen, die vor den Sowjetarmeen auf der Flucht oder von diesen bedroht sind, nicht sterben zu lassen«. Das sei die »letzte Pflicht in dem Heldenkampf Deutschlands«. Doch nur vier Tage später, am 7. Mai um 12.45 Uhr, verkündete Flensburg die »bedingungslose Kapitulation der kämpfenden Truppen«. Zwei Stunden später meldete <em>Radio Luxemburg</em> in mehreren Sprachen die Niederlage Nazideutschlands. Der Wehrmachtsstabschef Alfred Jodl habe in Reims die entsprechenden Dokumente unterzeichnet. Die Faschisten in Prag wollten das nicht wahrhaben. Über den noch von ihnen kontrollierten Sender wiesen sie die Kapitulationsmeldung als »Feindpropaganda« zurück, der Kampf gegen »die Russen« werde fortgesetzt.</p>
<p>Trotzdem stand die Nacht vom 7. auf den 8. Mai in Westeuropa und Nordamerika im Zeichen des Sieges. <em>Radio Luxemburg,</em> die <em>BBC</em> und andere berichteten über die Freudenfeste in London, New York und Paris und übertrugen Ansprachen der Staatschefs. Nur bei <em>Radio Moskau</em> standen dagegen die Einnahme Dresdens und mehrerer Ortschaften in Österreich und der Tschechoslowakei durch die Rote Armee im Mittelpunkt der Nachrichten. In der Schweiz notierten die Protokollanten der »Gruppe Ohr« am Abend verwundert: »Die Russland-Abhörer machen darauf aufmerksam, dass die Sendungen aus Russland weder eine Erwähnung der Kapitulation noch der Reden Churchills, Trumans und de Gaulles oder des V-Tages brachten.«</p>
<p>Erst in der Nacht zum 9. Mai meldete <em>Radio Moskau</em> die bedingungslose Kapitulation Nazideutschlands, gefolgt von den Nationalhymnen der Siegermächte. Die Sowjetunion hatte die Kapitulation von Reims nicht akzeptiert, weil sie nur von Jodl unterzeichnet worden war, die anderen deutschen Befehlshaber jedoch fehlten. Zudem sollte der Oberkommandierende der Roten Armee, Marschall Georgi Schukow, bei der Unterzeichnung anwesend sein. So gab es am späten Abend des 8. Mai eine weitere Zeremonie in Berlin, bei der für die Deutschen Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Admiral Hans-Georg von Friedeburg und Generaloberst Hans-Jürgen Stumpff die Kapitulationsurkunde unterzeichneten. Durch die Zeitverschiebung schrieb man in Moskau schon den 9. Mai, weshalb man im Westen den 8. Mai feiert, in der Sowjetunion und deren Nachfolgestaaten dagegen bis heute der 9. Mai als Tag des Sieges begangen wird.</p>
<p>Noch am selben Tag warnte der von der KPD in Moskau betriebene <em>Deutsche Volkssender</em>, dass das »deutsche Volk noch stark mit einer verbrecherischen Bande durchseucht« sei. Diese bereite sich schon darauf vor, neues Unheil zu stiften: »Erst wenn diese Elemente verschwunden sind, können wir unser Land wieder aufbauen.«</p>
<p>Tatsächlich war mit der »Stunde Null« das Naziregime nicht vollständig verschwunden. In Schleswig-Holstein hockte die »Regierung Dönitz«, in deren Verantwortung noch am 9. Mai auf dem Schnellboot »Buea« vier »Deserteure« zum Tode verurteilt und einen Tag später ermordet wurden. Auch der <em>Reichssender Flensburg</em> war weiter in Betrieb. Zwar war dort am 9. Mai um 20.03 Uhr der »letzte Wehrmachtsbericht dieses Krieges« verlesen worden (»Seit Mitternacht schweigen nun an allen Fronten die Waffen«), doch nach einer kurzen Sendepause wurde weitergefunkt. Am 10. Mai beschlagnahmten die Briten formell den Sender, erlaubten ihm aber, weiter Musik und Nachrichten zu verbreiten. Sie verlangten nur, dass die Manuskripte von ihnen genehmigt werden müssten.</p>
<p>Die sowjetische Nachrichtenagentur <em>TASS</em> verurteilte dieses Vorgehen und warnte, dass so »der Keim eines neuen Militarismus in Deutschland« gelegt werde. Erst am 13. Mai wurde der letzte Reichssender endgültig abgeschaltet. Am selben Tag nahm der <em>Berliner Rundfunk</em> seinen Betrieb auf – als erster Sender, der offiziell von deutschen Antifaschisten betrieben wurde.</p>
<p>Erschienen am 7. Mai 2020 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/377875.zeitzeugen-keine-stunde-null.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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		<title>Grüße der Totgesagten</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/gruesse-der-totgesagten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2020 14:17:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalkomitee Freies Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Sender Freies Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[Mitte November 1943 erschien in den Deutschen Nachrichten, einer im besetzten Dänemark von deutschen Antifaschisten herausgegebenen Untergrundzeitung, eine kurze Notiz:[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Mitte November 1943 erschien in den <em>Deutschen Nachrichten,</em> einer im besetzten Dänemark von deutschen Antifaschisten herausgegebenen Untergrundzeitung, eine kurze Notiz: »Die Kämpfer von Stalingrad, von der Goebbelspropaganda totgesagt, erheben täglich ihre Stimmen zur Errettung des Reiches. Sie beschwören warnend mit immer eindringlicherer Stimme: Ein neues Stalingrad, ein größeres Stalingrad bereitet sich vor.« Es folgten Sendezeiten und Frequenzen des <em>Senders Freies Deutschland</em>, der am 20. Juli 1943 von Moskau aus seinen Betrieb aufgenommen hatte.<span id="more-4559"></span></p>
<p>Die Station war offizielle Stimme des »Nationalkomitees Freies Deutschland« (NKFD), das wenige Tage zuvor, am 12. und 13. Juli 1943, in Krasnogorsk bei Moskau gegründet worden war. Ihm gehörten in sowjetischer Kriegsgefangenschaft befindliche deutsche Soldaten und Offiziere sowie antifaschistische Emigranten an. Den Vorsitz der Organisation übernahm der Schriftsteller Erich Weinert, der über den Sender auch das Gründungsmanifest verlas. Chefredakteur wurde Anton Ackermann, der dem Zentralkomitee der KPD angehörte und bis dahin für die 1941 gegründete deutschsprachige Zeitung <em>Das freie Wort</em> gearbeitet hatte. Sein Stellvertreter war der damals 32 Jahre alte ehemalige Jugendfunktionär Hans Mahle, der schon vor dem Krieg Erfahrungen als Sprecher bei <em>Radio Moskau</em> gesammelt hatte und parallel für den in Moskau von der KPD betriebenen <em>Deutschen Volkssender</em> arbeitete. Zu den Redakteuren des <em>Senders Freies Deutschland</em> gehörten außerdem mehrere deutsche Militärs, unter ihnen der Major Herbert Stößlein, der 1943 vor Stalingrad in Kriegsgefangenschaft geraten war, sowie der Obergefreite Leopold Achilles, der ein Jahr zuvor zur Roten Armee übergelaufen war.</p>
<h3>Zielgruppe Soldat</h3>
<p>Nachdem zunächst nur kurze Programme von etwa 15 Minuten Dauer ausgestrahlt worden waren, nahmen die Sendezeiten bis Kriegsende stetig zu. Im Juli 1944 wurde bereits achtmal täglich über die Anlagen von <em>Radio Moskau</em> auf Kurz-, Mittel- und Langwelle gesendet, teilweise mit jeweils mehr als einer Stunde Dauer. Wichtigste Zielgruppe waren die deutschen Soldaten an der Ostfront, die zur Einstellung des Kampfes und zum Überlaufen aufgerufen wurden. Entsprechend ausgeprägt waren militärische Lageberichte und gezielte Sendungen für eingeschlossene Truppenteile. Hinzu kamen Kommentare und kulturelle Beiträge, aber auch religiöse Predigten. Für diese war der 1941 in Kriegsgefangenschaft geratene Unteroffizier Matthäus Klein verantwortlich, der vor dem Krieg als evangelischer Pastor gewirkt hatte und im »Arbeitskreis für kirchliche Fragen« des NKFD mitarbeitete. Auch andere Geistliche meldeten sich über den Sender zu Wort.</p>
<p>An die Hörer in Deutschland richtete sich der »Heimatdienst«. In dessen Rahmen wurden nicht nur Unterhaltungsmusik und Berichte aus den Kriegsgefangenenlagern gesendet, sondern vor allem regelmäßig Grüße deutscher Kriegsgefangener an ihre Angehörigen in der Heimat ausgestrahlt. Das fand im Nazireich trotz strenger Verbote und drakonischer Strafen viele Hörer. Für die Angehörigen waren diese Grußsendungen praktisch der einzige Weg, etwas über den Verbleib ihrer Ehemänner und Söhne zu erfahren, denn Post aus den sowjetischen Lagern wurden von den deutschen Machthabern abgefangen.</p>
<p>Die Nazipropaganda behauptete zudem, dass die Sowjetunion keine Gefangenen mache, sondern alle Deutschen in ihrer Gewalt sofort ermordet würden. Die Statements widerlegten das, insbesondere wenn die Grüße von den Gefangenen selbst gesprochen wurden. Dazu reisten die Redakteure mit einem transportablen Aufnahmegerät in die Lager, um die Stimmen der Soldaten aufzuzeichnen. Dabei wurde ihnen nahegelegt, auch die Anschriften ihrer Angehörigen in Deutschland zu nennen. Die Hörer wurden dann aufgefordert, die betroffenen Familien über das Lebenszeichen zu informieren.</p>
<h3>Befreiung Berlins verkündet</h3>
<p>Dieser Bitte wurde offenbar massenhaft gefolgt. In einem Gestapo-Bericht aus dem Jahr 1943 ist die Rede davon, dass Angehörige vermisster Soldaten »von anonymen Zuschriften überschwemmt werden«, in denen ihnen unter Berufung auf ausländische Rundfunksender mitgeteilt werde, »dass die deutschen Soldaten in sowjetrussischer Kriegsgefangenschaft seien und dort gut behandelt würden«. Die Faschisten machten Jagd auf diese Informanten. So wurde am 17. Juli 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden der Saarländer Albert Jacob mit dem Fallbeil hingerichtet. Sein Verbrechen: Er hatte einer Mutter per Brief mitgeteilt, dass ihr Sohn noch am Leben sei, nachdem er den Namen im Radio gehört hatte.</p>
<p>Am 4. Mai 1945 konnte der KPD-Vorsitzende Wilhelm Pieck über den <em>Sender Freies Deutschland</em> die Befreiung Berlins verkünden: »Nun ist die Hitlerbande auch in ihrer Hochburg von der Roten Armee geschlagen worden. Berlin ist befreit von diesem Verbrechergesindel. Und damit hat auch für die Berliner der Hitlerkrieg sein Ende gefunden. (…) Welchem ehrlichen, anständigen Deutschen schlüge darüber nicht das Herz höher! Aber in diese Freudenbotschaft mischt sich das bittere, quälende Bewusstsein, dass sich das deutsche Volk nicht selbst von dieser Mörderbande befreite, sondern ihr bis zuletzt folgte und sie bei ihren Kriegsverbrechen unterstützte.«</p>
<p>Der <em>Sender Freies Deutschland</em> stellte den Betrieb am 8. September 1945 ein. Seine Aufgabe war erfüllt, denn inzwischen hatten zu Hause unter der Kontrolle der siegreichen Alliierten die ersten antifaschistischen Radiostationen den Betrieb aufgenommen. Viele der Sprecher wechselten aus Moskau zu diesen Programmen. Hans Mahle etwa baute in der Hauptstadt den <em>Berliner Rundfunk</em> auf, der schon am 11. Mai 1945 in Betrieb gehen konnte.</p>
<p>Erschienen am 30. April 2020 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/377486.lebenszeichen-gr%C3%BC%C3%9Fe-der-totgesagten.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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		<title>»Feindsender« aus London</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/feindsender-aus-london/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Oct 2019 12:21:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
		<category><![CDATA[BBC]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Hitlerfaschismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[Es ist der 1. April 1940. Über das deutschsprachige Programm der BBC ist eine Rede Hitlers zu hören: »Als im[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist der 1. April 1940. Über das deutschsprachige Programm der <em>BBC</em> ist eine Rede Hitlers zu hören: »Als im Jahre 1492 der Spanier Christoph Kolumbus, gestützt auf die Erfahrungen deutscher Gelehrter und unterstützt von deutschen Apparaten und Instrumenten, seine (&#8230;) Fahrt über den weiten Ozean unternahm, konnte kein Zweifel darüber bestehen, dass bei einem Gelingen (&#8230;) Deutschland teilhaben müsste an den Errungenschaften, die diese Entdeckungsfahrt zeitigen sollte. (…) Mein unerschütterlicher Wille ist, den mir von der Vorsehung bestimmten Stuhl im Weißen Haus einzunehmen und es damit zum Braunen Haus zu machen, so wahr ich Gott helfe!«<span id="more-4500"></span></p>
<p>Gleich zu Sendebeginn erreichte die Redaktion ein Anruf von der US-Rundfunkgesellschaft <em>CBS</em>: »Wo spricht denn Hitler – und wieso haben Sie davon gewusst?« Die Londoner Kollegen konnten rasch aufklären. Es handelte sich um einen Aprilscherz, der es sogar auf die Titelseite der Tageszeitung <em>News Chronicle</em> schaffte.</p>
<p>Die <em>BBC</em> hatte deutschsprachige Sendungen überstürzt am 27. September 1938 ins Programm genommen. Auf dem Höhepunkt der Krise um die Tschechoslowakei sollte die Rede des britischen Premierministers Neville Chamberlain auch in Deutsch übertragen werden. Doch weil sie über die Frequenzen des Inlandsdienstes der <em>BBC</em> ausgestrahlt wurde, zeigten sich viele britische Hörer verwirrt. Manche fürchteten sogar, die Deutschen hätten den britischen Hörfunk besetzt.</p>
<p>Aus den holprigen Anfängen entwickelte sich schnell ein mächtiges Werkzeug. Die <em>BBC</em> stellte sich zur Aufgabe, »nur die Wahrheit« zu sagen, und der Chef des deutschsprachigen Dienstes, Hugh Carleton Greene, zeigte sich nach dem Krieg stolz darauf, dieser Maxime (weitgehend) treu geblieben zu sein.</p>
<p>Das Hören von <em>BBC</em> und anderer »Feindsender« war in Nazideutschland strikt verboten. »Rundfunkkriminellen« drohte die Todesstrafe. Trotzdem schalteten vor allem gegen Kriegsende viele Deutsche den Londoner Rundfunk ein. In einer 1988 aus Anlass des 50. Jahrestages der deutschsprachigen Sendungen von der <em>BBC</em> veröffentlichte Broschüre ist für August 1944 von täglich geschätzt mehr als zehn Millionen Hörern die Rede.</p>
<p>Solche Zahlen hat der Sender später nie wieder erreicht. Im Kalten Krieg versuchte man, die erprobten Techniken gegen die DDR einzusetzen. Hatte man während des Krieges die satirische Hörspielserie »Kurt und Willi« produziert – ein Gespräch zwischen einem linientreuen Oberlehrer und seinem zynischen Freund aus dem Propagandaministerium –, gab es in den 60er Jahren die »zwei Genossen Klotz und Krause«. Senderchef Richard O’Rorke lobte das Programm in der Broschüre von 1988. Ihr sachlicher Stil habe sich sehr von den »aggressiven Polemiken« des Westberliner US-Senders <em>RIAS</em> abgehoben. Das Ziel war jedoch dasselbe. Als es 1989/90 mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten in Europa erreicht war, nahte das Ende für den deutschsprachigen Dienst der <em>BBC</em>. Am 26. März 1999 wurde er eingestellt – zwei Tage nach Beginn des NATO-Angriffskrieges gegen Jugoslawien.</p>
<p>Erschienen am 31. Oktober 2019 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/365871.mehr-als-zehn-millionen-hörer-feindsender-aus-london.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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		<title>Zwischenrufe gegen Hitler</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/zwischenrufe-gegen-hitler/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Mar 2017 21:31:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
		<category><![CDATA[BBC]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Sarkowicz]]></category>
		<category><![CDATA[Radio Moskau]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunkgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarzsender]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[Silvester 1944. Im deutschen Rundfunk hält Hitler seine Neujahrsansprache und ruft zum Durchhalten auf. Plötzlich gibt es einen Zwischenruf: »Das[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Silvester 1944. Im deutschen Rundfunk hält Hitler seine Neujahrsansprache und ruft zum Durchhalten auf. Plötzlich gibt es einen Zwischenruf: »Das Jahr 1945 muss das Ende der Hitler-Diktatur sein!« Und wenig später, mitten in das zum Abschluss der Rede gespielte »Deutschlandlied« hinein, die Parole »Weg mit Hitler und seiner Bande!«<span id="more-3152"></span></p>
<p>Vor allem im Osten und im Norden Deutschlands konnten diese Zwischenrufe seit Mitte 1941 immer wieder gehört werden. Sie stammten von deutschen Emigranten in der Sowjetunion, die aus den Studios von <em>Radio Moskau</em> die Lügen der Faschisten kommentierten. Sowjetische Sender wurden dazu kurzzeitig mit hoher Sendestärke auf die Frequenzen der Naziprogramme geschaltet, und in den kurzen Pausen zwischen zwei Sätzen kommentierten die Sprecher das soeben gehörte: »Alles Lüge! Von hinten bis vorne gelogen!« »Stalingrad, Massengrab!«</p>
<p>Die Idee zu den »Geisterstimmen« stammte von österreichischen Kommunisten. Das Ziel war, unter den deutschen Radiohörern für Unruhe zu sorgen: Waren die Russen schon so weit vorgerückt, dass sie bereits im deutschen Rundfunk zu hören waren? Zudem brachten die Einblendungen die Nazibehörden ins Schwitzen, denn Störsender waren hier wirkungslos – man hätte ja die eigenen Programme unhörbar gemacht.</p>
<p>Die Geschichte der »Geisterstimmen« ist eine der zahlreichen Episoden, die Hans Sarkowicz für seine fast zehnstündige Dokumentation »Geheime Sender. Der Rundfunk im Widerstand gegen Hitler« zusammengetragen hat. Am Dienstag erhielt er dafür in Köln den Deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie »Bestes Sachhörbuch«. Die ursprünglich als Featurereihe von <em>HR 2 Kultur</em> konzipierte Darstellung eines besonderen Kapitels des antifaschistischen Kampfes ist im vergangenen Herbst als Box mit acht CDs im Hörverlag erschienen. Sie gliedern sich in die deutschsprachigen Sendungen der <em>BBC London</em>, von <em>Radio Moskau</em> und der <em>Stimme Amerikas</em>, Programme von Emigranten in Europa und den USA sowie die »schwarze« Rundfunkpropaganda der Alliierten, unter »falscher Flagge« arbeitende Tarnprogramme, die sich zum Beispiel als Wehrmachtssender oder Stimmen oppositioneller Gruppen innerhalb Deutschlands ausgaben.</p>
<p>Sarkowicz ist es mit Hilfe des Deutschen Rundfunkarchivs gelungen, unzählige Aufnahmen aus der Zeit des Krieges zusammenzutragen. Wie er selbst anmerkt, war die Quellenlage dafür in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg nicht gut. In Deutschland selbst hatte natürlich kaum jemand gewagt, das Gehörte aufzuzeichnen, hatten die Nazis das Abhören von »Feindsendern« doch unter Strafe gestellt. Das Weiterverbreiten so empfangener Nachrichten wurde während des Krieges sogar mit dem Tode bestraft. Die Archivare der Nachkriegszeit waren also auf die Mitschnitte von Hörern und staatlichen Stellen in den neutralen Ländern, zum Beispiel in Schweden, angewiesen. Doch einen Mitschnitt anzufertigen, war damals mit einigem materiellen und finanziellen Aufwand verbunden. Selbst die Rundfunksender selbst verzichteten deshalb oft auf das Archivieren ihrer Programme.</p>
<p>Ein Opfer dieser Verluste ist Thomas Mann. Der Schriftsteller war 1933 in die Schweiz und 1939 in die USA emigriert. Von dort aus wandte er sich über die <em>BBC</em> an die »deutschen Hörer«. Nach einer ersten Phase, in der Mann nur die Texte schrieb und sie dann von einem Sprecher in London verlesen ließ, sprach der Autor seine Botschaften bald selbst in den Vereinigten Staaten auf Schallplatte. Von den 51 Ansprachen, die Mann selbst gesprochen hat, sind heute jedoch nur elf erhalten.</p>
<p>Die Stärke der Dokumentation von Hans Sarkowicz ist, dass sie trotz solcher Einschränkungen aus dem Blickwinkel des Rundfunks einen umfassenden Überblick über praktisch die gesamte Zeit der faschistischen Diktatur in Deutschland gibt, angefangen 1934 mit den Sendungen der »Schwarzen Front« Otto Strassers aus Prag und des <em>Deutschen Freiheitssenders 29,8</em> aus Spanien ab 1937 bis zu den angeblichen deutschen Soldatensendern, die während des Krieges von England aus für Verwirrung sorgten.</p>
<p>Sarkowicz gelingt es in beeindruckender Weise, die Tondokumente für sich sprechen zu lassen. So klingen die Aufnahmen von <em>Radio Moskau</em> aus der Zeit des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes heute verstörend, insbesondere die Rechtfertigung des deutschen Überfalls auf Norwegen 1940. Das hindert Sarkowicz aber nicht daran, allein zwei CDs den antifaschistischen Programmen aus der Sowjetunion zu widmen, unter anderem dem von der KPD betriebenen <em>Deutschen Volkssender</em>. Genau diese Sachlichkeit findet man heutzutage selten.</p>
<blockquote><p>Hans Sarkowicz: Geheime Sender. Der Rundfunk im Widerstand gegen Hitler. Hörbuch, acht CDs, Laufzeit: 582 Minuten. Der Hörverlag 2016, 35 Euro</p></blockquote>
<p>Erschienen am 9. März 2017 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/306843.zwischenrufe-gegen-hitler.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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		<title>Zwischen Hölle und Freiheit &#8211; Rundfunk im Zweiten Weltkrieg</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/zwischen-h-und-freiheit-rundfunk-im-zweiten-weltkrieg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Jul 1989 14:38:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rundfunk im Zweiten Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunk]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunkkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarzsender]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[Für diese Dokumentation wurde Material aus folgenden Büchern, Zeitschriften und Dokumenten verwendet: Conrad Pütter: Rundfunk gegen das &#8222;Dritte Reich&#8220; Beiträge[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class=" size-full wp-image-1036" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1989/07/Rundfunk_wk2_cover.gif" alt="Zwischen H&lt;hr id=" width="250" height="360" border="0" hspace="6" /> <span id="more-1045"></span></p>
<p>Für diese Dokumentation wurde Material aus folgenden Büchern, Zeitschriften und Dokumenten verwendet:</p>
<p>Conrad Pütter: Rundfunk gegen das &#8222;Dritte Reich&#8220;<br />
Beiträge zur Geschichte des Rundfunks 3/77 und 4/77<br />
Reimund Schnabel: Mißbrauchte Mikrofone<br />
Der Spiegel 11/1970 und 14/1970<br />
Carl Brinitzer: &#8222;Hier spricht London&#8220;<br />
Sefton Delmer: Die Deutschen und ich<br />
Archiv der Gegenwart 1.-3.9.1939; 1.1.1945; 2.4.1945; 1.5.1945; 8.5.1945<br />
BBC London (Hrsg.): Zur Rolle des Deutschsprachigen Dienstes der BBC 1938-1945<br />
BBC London (Hrsg.): Festschrift 50 Jahre BBC &#8211; Deutsches Programm Radio von unten 9/88<br />
Rainer Pinkau: Geheimsender im Wortlaut<br />
Freies Volk (KPD-Untergrundzeitung 1967)<br />
die tat 8. 8. 1980<br />
funk Spezial &#8211; Kurzwelle hören 1987/88</p>
<h1>Kleine Begriffserklärung</h1>
<p>Im Zweiten Weltkrieg sprach man von sogenannten &#8222;weißen&#8220;, &#8222;grauen&#8220; und &#8222;schwarzen&#8220; Sendern. Unter &#8222;weißen&#8220; Sendern verstand man die Sender, die ihre Identi­tät nicht leugneten und sich in ihren Berichten an die Wahrheit hielten, also z.B. die BBC London und Radio Moskau.</p>
<p>Als &#8222;schwarze&#8220; Stationen bezeichnete man die Sender, die bewußt Falschmeldungen an den Feind sendeten oder vorgaben, aus dem Feindesland selbst zu senden, obwohl sie z.B. über die Anlagen der BBC oder von Radio Moskau sendeten. In diese &#8222;schwarze&#8220; Kategorie gehören z.B. Gustav Siegfried 1, der Soldatensender Calais oder der Sender 1212, die alle als angeblich deutsche Stationen geschickt plazierte Falschmeldungen sendeten.</p>
<p>Die &#8222;grauen&#8220; Sender schließlich waren Stationen, die weder der &#8222;schwarzen&#8220; noch der &#8222;weißen&#8220; Kategorie zuzurechnen waren. Als &#8222;grau&#8220; wurden Stationen bezeichnet, die zwar mehr oder weniger wahrheitsgetreue Meldungen brachten, ihren Standort und ihren Urheber aber falsch oder gar nicht angaben. Hierzu gehört z.B. der Deutsche Freiheitssender 29,8.</p>
<h1>Frühe Freiheitssender gegen Hitler</h1>
<p>Die Nacht vom 23. auf den 24. Januar 1935. Ein Kommando der Gestapo ermordet in der Nähe der tschechischen Hauptstadt Prag den technischen Leiter des ersten Schwarzsenders des 2. Welt­krieges, Rudolf Formis.</p>
<p>Der Sender Schwarze Front gibt vor, von Berlin aus zu senden. Otto Strasser, ein Nazi der ersten Stunde, der, nachdem er sich mit Hitler überworfen hatte, die sog. &#8222;Schwarze Front&#8220; gründete, hofft, mit dem Sender seinem Ziel, eine Einheitsfront aller Htler-Gegner und Emigranten zu schaffen, näher zu kommen. In flammenden Aufrufen richtet er heftige Angriffe gegen das NS-Regime, seine politischen Repräsentanten und besonders gegen Hitler selbst. Er fordert zu Widerstand in Form von Sabotage und Bildung von Widerstandsgruppen auf und erwidert täglich die Propaganda des Reichsrundfunks. Strasser versucht im Sender Schwarze Front, die NSDAP lächerlich zu machen, basierend auf seinen intimen Kenntnissen aus der Partei sowie der Personen Hitlers und Goebbels&#8216; aus der gemeinsamen &#8222;Kampfzeit&#8220; vor 1930. Besonders dieser Teil der Sendungen soll die Wut Hitlers und seines Gefolges hervorgerufen haben. Schon bald nach dem Auf­tauchen des Senders interveniert das Auswärtige Amt bei der tschechischen Regierung und verlangt die sofortige Einstellung des Senders und die Bestrafung der Betreiber. Als dies und heftige Polemiken in der deutschen Presse nicht fruchten, läßt die Gestapo den Sender in der oben schon beschriebenen Weise zum Schweigen bringen.</p>
<p><em>&#8222;Hier spricht der Sender der Deutschen Freiheitspartei!&#8220;</em></p>
<p>Mit diesen Worten meldet sich zwischen Januar und April 1938 auf Kurzwelle 38,26 Meter = 7840 kHz der Sender der Deutschen Freiheitspartei von Bord des unter britischer Flagge laufenden Fischkutters &#8222;Faithful Friend&#8220; im Ärmelkanal. Dieses kurze, abenteuerliche Unternehmen ist mit dem Ziel ins Leben gerufen worden, die deutsche Bevölkerung über die &#8222;wahre Natur der NSDAP&#8220; aufzuklären. Der Sender der Deutschen Freiheitspartei liefert detaillierte Berichte über die von offizieller Seite geleugnete Beteiligung der deutschen &#8222;Legion Condor&#8220; am spanischen Bürger­krieg. Er nimmt auch am Jahrestag der Saarabstimmung deutlich gegen die &#8222;gefälschte Volksabstimmung&#8220; Stellung und bezeichnet sich als Sprachrohr einer &#8222;Deutschen Freiheitspartei&#8220; und fordert zum Beitritt in diese Partei und zum Widerstand gegen Hitler auf.</p>
<p><em>&#8222;Achtung! Achtung! Hier spricht der Deutsche Freiheitssender 29,8. Trotz Gestapo! Sollten Sie uns an einem Abend nicht hören können, aus begreiflichen Gründen, so suchen Sie uns am nächsten Abend! Wir kommen immer wieder!&#8220;</em></p>
<p>Über einen Sender in der Nähe von Madrid meldet sich zwischen Januar 1937 und März 1939 der Deutsche Freiheitssender 29,8. Zunächst firmiert 29,8 als Stimme der illegalen KPD, später stellt er sich dem Pariser &#8222;Volksfrontkongreß&#8220; zur Verfügung. Durch diese Öffnung nach allen politischen Seiten wird es möglich, daß viele berühmte deutsche und ausländische Persönlich­keiten über den Sender zu Wort kommen, so z.B. Bertolt: Brecht, Willi Bredel, Albert Einstein, Lion Feuchtwanger, Ernest Heming­way, der &#8222;rasende Reporter&#8220; Egon Erwin Kisch, Heinrich und Thomas Mann, Erich Weinert u.v.m.</p>
<p>Der Deutsche Freiheitssender 29,8 sieht seine Aufgabe darin, die deutsche Arbeiterschaft über die wahre Natur des Faschismus aufzuklären. Er macht den Einsatz der &#8222;Legion Condor&#8220; in Spanien bekannt und warnt mit deutlichen Worten vor den Gefahren eines heranziehenden Krieges in Europa. Der Sender propagiert eine Volksfrontregierung in Deutschland, da nur sie ein wirksames Mittel gegen den Hitlerfaschismus sein könne.</p>
<p>Immer wieder wird über die Kurzwelle 29,8 Meter zum Widerstand aufgerufen und genaueste Anweisungen zu Sabotageakten durch­gegeben.</p>
<p>Als einer der ersten antifaschistischen Schwarzsender erreicht 29,8 unter den deutschen Arbeitern eine relativ hohe Bekanntheit. Seine Meldungen werden als &#8222;Flüsterpropaganda&#8220; weitergegeben. Gestapo und deutsche Behörden starten teilweise groteske Such­aktionen nach dem Sender, den sie zeitweise in Süddeutschland oder im Saargebiet vermuten. Sie durchsuchen LKW&#8217;s und Rhein­schiffe.</p>
<p>Mit der Niederlage der republikanischen spanischen Regierung muß der Deutsche Freiheitssender 29,8 verständlicherweise seine Sen­dungen einstellen. Dabei laufen die Mitarbeiterdfles Senders in Barcelona beinahe den Franco-Faschisten in die Arme, da sie die Umstellung der Stadt durch diese nicht bemerken. Sie sind aber noch unter den letzten, die die Stadt und Spanien verlassen können.</p>
<p>Verwirrung löst in Deutschland ein Deutscher Freiheitssender aus, der sich einige Zeit nach dem Ende von 29,8 auf der gleichen Welle meldet. Dieser Sender aber steht in Frankreich und wird von der französischen Regierung betrieben. Die KPD distanziert sich schnell von dieser Station. Auch daran mag es liegen, daß diese Statioh nicht an die Erfolge des Deutschen Freiheitssenders 29,8 anknüpfen kann.</p>
<h1>Die Stimme des Grössenwahns</h1>
<p><em>&#8222;Hier ist der Reichssender Hamburg. Mit dem Gongschlag war es 20 Uhr. Sie hören die Nachrichten des Drahtlosen Dienstes. Nach dem großen Ereignis der Eröffnung der Spiele von Berlin zur Feier der 11. Olympiade neuer Zeitrechnung begann heute morgen um 9 Uhr der erste Kampftag. (&#8230;) Die feierliche Eröffnung der elften Olympischen Spiele Berlin 1936 beschäftigte heute Morgen die gesamte Pariser Presse. Fast in allen Blättern kommt eine rückhaltlose Anerkennung der gewaltigen deutschen Vorbereitungen zum Ausdruck. (&#8230;) Die Schilderungen der Eröffnungsfeier, in denen jede Einzelheit des großartigen Schauspiels gewürdigt und beschrieben wird, nehmen in den norditalienischen Blättern breiten Raum ein. Für den Corriere de la Serra ist die ganze Festlichkeit von der Majestät des Friedens getragen.&#8220;</em></p>
<p>So berichtet am 3. August 1936 der Reichssender Hamburg vom Beginn der Olympischen Spiele in Berlin. Man ist bemüht, ein Bild von einem Deutschland zu zeichnen, das sich nichts sehnlicher wünscht als den Frieden. Kaum jemand kommt während der Spiele der Gedanke, daß Hitler nur drei Jahre später die Welt in den 2. Weltkrieg stürzen wird. Doch nach dem Ende der Spiele ändert sich das Bild Deutschlands rasch.</p>
<p>Während des spanischen Bürgerkrieges schickt Hitler seine &#8222;Legion Condor&#8220; zur Unterstützung der Putschisten Francos nach Spanien. Diese &#8222;Legion Condor&#8220; macht 1937 die spanische Stadt Guernica dem Erdboden gleich und ermordet die Bewohner, eine Schandtat, die der deutsche Rundfunk und die faschistische Kino-Wochenschau den &#8222;Bolschewisten&#8220; anlastet:</p>
<p><em>&#8222;Das sind die Ruinen der altspanischen Stadt Guernica, wenige Stunden, nachdem die bolschewistischen Mordbrenner von den nationalen Truppen vertrieben worden waren. Die jüdische Lügenpresse behauptete, deutsche Flugzeuge hätten die Stadt bombardiert. Jedoch mußte die internationale Weltpresse diese Meldung sehr bald als Pressemanöver der Bolschewisten brandmarken, welche selbst die gesamte Stadt beim Verlassen Haus für Haus niedergebrannt hatten.&#8220;</em></p>
<p>&#8222;Bolschewisten&#8220; &#8211; das sind die Internationalen Brigaden aus aller Herren Länder, die auf der Seite der demokratisch gewählten republikanischen Regierung gegen die Faschisten kämpfen, so z.B. die deutsche &#8222;Thälmann-Brigade&#8220;. Doch die Republikaner sind Franco und seinen mächtigen Unterstützern in Hitler-Deutschland und Mussolini-Italien nicht gewachsen. Madrid fällt im März 1939.</p>
<p>1938 marschieren die Deutschen in Österreich ein &#8211; &#8222;Heim ins Reich&#8220; heißt die Parole und Österreich fällt ohne einen Schuß. Hitler spricht kurz nach dem Einmarsch in Linz und Wien, umjubelt von hunderttausenden Österreichern. Ob diese auch so gejubelt hätten, wenn sie das Ende vorausgesehen hätten?</p>
<p>Als nächstes nimmt sich Hitler die Tschechoslowakei vor. Er will das Sudetenland als &#8222;urdeutsches Volksgebiet heim ins Reich&#8220; holen. Sudetendeutsche Nazis provozieren blutige Konflikte mit den Tschechen, worauf Hitler mit einer militärischen Intervention droht. Um des lieben Friedens Willen billigen England, Frankreich und Italien im Münchener Abkommen die Annexion des Sudetenlandes. Die deutschen Faschisten stellen diesen Raubzug im Rundfunk natürlich ganz anders dar:</p>
<p><em>&#8222;Ende September 1938 &#8211; eine brennende politische Frage drängt zur Entscheidung. Unter der Knute der tschechischen Soldateska kämpfen drei Millionen Sudetendeutsche um ihr Lebensrecht. Der Blutterror des tschechischen Staatspräsi­denten Benesch entfesselt eine wahre Menschenjagd. 50.000, 100.000, 200.000 &#8211; die Zahl der Flüchtlinge steigt von Tag zu Tag. Wer nicht flieht ist den grauenhaften Foltermethoden der Tschechen ausgeliefert. Drei Sudetendeutsche gefesselt an einen Lastwagen gebunden und dann in vollem Tempo durch die Straßen geschleift. Mit vorgehaltenem Bajonett treibt man die Menschen auf den Straßen zusammen und zwingt sie, im Rücken von Maschinengewehren bedroht, sich in Trab zusetzen. Die Wohnungen zerstört, das Vieh erschossen, die Menschen in brutalster Weise mißhandelt und in das innere des Landes verschleppt. So lauten die Meldungen aus dem Sudetenland. Eine Liste des Grauens. Die Empörung der Deutschen im Reich ist auf dem Siedepunkt. Die Nation ist bereit, für die Befreiung der deutschen Brüder das Schwert zu ziehen.&#8220;</em></p>
<p>Je lauter der faschistische deutsche Rundfunk die &#8222;Erfolge&#8220; der Hitler-Regierung feiert, desto pessimistischer wird die Stimmung im Volk. Immer mehr Mennschen wird klar, daß Hitler einen Krieg gegen Polen provozieren will. Der Großdeutsche Rundfunk bereitet seine Hörer vor, säht Haß gegen Polen, berichtet von angeblichen polnischen Greueltaten gegen in Polen lebende Deutsche:</p>
<p><em>&#8222;Hier spricht der Großdeutsche Rundfunk. Wir geben Nachrichten. Daß die Wut des Pöbels und der polnischen Staatsorgane nicht einmal vor Kindern haltmacht, beweist ein roher Überfall in Bromberg auf fünf Kinder von Volksdeutschen im Alter zwischen 8 und 13 Jahren. Eine Rotte junger Polen überfiel die Kinder auf der Straße, prügelte sie und bespie sie. In einem polnischen Gefängnis in Oberschlesien wurde wieder ein Deutscher zu Tode gemartert.&#8220;</em></p>
<p>Am 31. August überfällt ein SS-Kommando in polnischen Uniformen den Reichssender Gleiwitz und besetzt ihn. Es wird in Deutsch und Polnisch durchgesagt, daß sich der Sender in polnischer Hand befände. Zur dramatischen Untermalung schießen die SS-Leute ein paar mal in die Studioecke.</p>
<p>Der Spuk dauert nur kurze zeit, dann flüchten die SSler in einem bereit stehenden Wagen und erschießen aus diesem heraus einen Passanten &#8211; blutiges Zeichen der Existenz des angeblich polnischen Überfalls. Diesen angeblichen polnischen Überfall nimmt Hitler zum Anlaß, um Polen am 1. September 1939 den Krieg zu erklären:</p>
<p><em>&#8222;Polen hat heute Nacht zum erstenmal auf unserem eigenen Territorium auch durch reguläre Soldaten geschossen. Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen! Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten!&#8220;</em></p>
<p>Der Zweite Weltkrieg beginnt, der Weltkrieg, der 55 Millionen Menschen das Leben kosten und die Deutschen für Generationen beschämen wird.</p>
<p>Einige Wochen nach Kriegsbeginn wird auf Hitler im Münchener Hofbräukeller ein Attentat verübt. Was für ein grenzenloses Leid wäre Europa erspart geblieben, wäre es geglückt. Aber Hitler entgeht dem Anschlag.</p>
<p><em>&#8222;Der Reichssender München ist nun hier hinausgekommen in den Saal des Bürgerbräukellers um Ihnen von der Attentatsstelle zu berichten. (&#8230;)<br />
Zu dem Mitgefühl für die vielen, vielen Schwer- und Leichtverletzten beherrscht uns ein unsagbar glückliches Gefühl. Wir sind dem Schicksal unendlich dankbar dafür, daß es uns den Führer erhalten hat, daß der Führer uns geblieben ist.&#8220;</em></p>
<p>Zunächst läuft an den Fronten für Hitler alles nach Plan. Nach Polen kapitulieren 1940 die Niederlande, Belgien und Frankreich. Deutsche Truppen besetzen Dänemark, Norwegen, Griechenland und Jugoslawien. Der Luftkrieg gegen Großbritannien ist in vollem Gange. Der deutsche Rundfunk stachelt seine &#8222;Volksgenossen&#8220; mit martialischen Reportagen, Schlagern, Plänen für die Nachkriegs­zeit und Wunschkonzerten für die Wehrmacht auf. Landserunter­haltung und gezielte Desinformationen bestimmen das Programm. Das Abhören von &#8222;Feindsendern&#8220; ist strengstens untersagt1 . Im Juni 1941 erklärt das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) im deutschen Rundfunk:</p>
<p><em>&#8222;Zur Abwehr der drohenden Gefahr aus dem Osten ist die deutsche Wehrmacht am 22. Juni, 3 Uhr früh, mitten in den gewaltigen Aufmarsch der feindlichen Kräfte hineingestoßen.&#8220;</em></p>
<p>Die Hitlerfaschisten fallen unter Bruch des Nichtangriffspaktes in die Sowjetunion ein.</p>
<p>Dieser Einmarsch ist der Anfang vom Ende. Dabei sieht es am Anfang prächtig für Hitler aus. Im &#8222;Blitzkrieg&#8220; stoßen die faschistischen Truppen weit auf sowjetisches Gebiet vor. Doch vor Moskau stoppt der Vormarsch und bei Stalingrad kommt die Wende des Krieges. Die Armee des Generals Paulus wird von sowjetischen Truppen eingekreist und vernichtet. Hitlers Truppen können Moskau nicht einnehmen, Leningrad ergibt sich nicht &#8211; trotz 600 Tage dauernder Belagerung. Jetzt beginnen die deutschen Truppen, rückwärts zu marschieren. Die Front nähert sich immer mehr den deutschen Grenzen. Daran ändert auch Goebbels&#8216; berühmte Sportpa­lastrede vom 18. Februar 1943 nichts:</p>
<p><em>&#8222;Die Engländer behaupten, das deutsche Volk sei des Krieges müde! Ich frage euch: Wollt ihr den totalen Krieg?&#8220;<br />
&#8222;Jaaaaaaaaaa!&#8220;<br />
&#8222;Die Engländer behaupten, das deutsche Volk habe das Vertrauen zum Führer verloren! Ich frage euch: Vertraut ihr dem Führer?&#8220;<br />
&#8222;Jaaaaaaaaa!&#8220;</em></p>
<p>6. Juni 1944 &#8211; &#8222;D-Day&#8220;, der Tag der englischen und amerikanischen Invasion in Frankreich. Deutschland befindet sich im Zweifron­tenkrieg. Das Ende nähert sich unaufhaltsam. Doch das wollen weder Hitler noch Goebbels wahrhaben. Wer am &#8222;Endsieg&#8220; zweifelt, läuft in Gefahr, in ein Konzentrationslager deportiert zu werden. Noch am 1. Januar 1945, fünf Monate vor Ende des Krieges, als englische, amerikanische, französische und sowjetische Truppen schon auf deutschem Gebiet stehen, tönt Hitler in seiner Neu­jahrsansprache im Rundfunk:</p>
<p><em>&#8222;Die Weit muß wissen, daß Deutschland niemals kapitulieren wird, daß das heutige Deutsche Reich wie alle großen Staaten der Vergangenheit auf seinem Weg Ruckschlägen ausgesetzt sein mag, daß es aber nie diesen Weg verlassen wird.&#8220;</em></p>
<p>Doch auch viele Phrasen können den Untergang des &#8222;tausendjährigen Reiches&#8220; nicht aufhalten. Am 1. Mai 1945 meldet der Reichssender Hamburg:</p>
<p><em>&#8222;Aus dem Führerhauptquartier wird gemeldet, daß unser Führer, Adolf Hitler, heute nachmittag in seinem Befehls­stand in der Reichskanzlei, bis zum letzten Atemzug gegen den Bolschewismus kämpfend, für Deutschland gefallen ist. Am 30. April hat der Führer Großadmiral Dönitz zu seinem Nachfolger ernannt.&#8220;</em></p>
<p>Eine Woche später ist alles vorbei. Der britische Premierminister Churchill gibt in der BBC die deutsche Kapitulation bekannt:</p>
<p><em>&#8222;Gestern morgen um 2.41 Uhr hat General Jodl, der Vertreter des deutschen Oberkommandos und des Großadmiral Dönitz, des neuernannten deutschen Staatschefs, im Hauptquartier General Eisenhowers die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Land-, See- und Luftstreitkräfte in Europa an die alliierte Expeditionsstreitmacht und gleichzeitig auch an das russische Oberkommando unterzeichnet. (&#8230;) Der Krieg gegen Deutschland ist also zu Ende.&#8220;</em></p>
<p>Noch einige Tage sendet der Reichssender Flensburg als letztes Überbleibsel des &#8222;Großdeutschen Reiches&#8220; weiter, bis auch er schweigen muß. Die letzte Stimme des alten Deutschland endet, als die Alliierten gerade die ersten Stimmen des neuen Deutschland in Betrieb genommen haben: Radio Hamburg, Radio Frankfurt, Radio Berlin, Radio München,&#8230;</p>
<h1>Der „weisse“ Kampf gegen Hitlerdeutschland</h1>
<p>2. September 1939. Der Ministerrat für die Reichsverteidigung erläßt eine &#8222;Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen&#8220;. Am zweiten Tag des 2. Weltkrieges wird das Gesetz, was von den deutschen Behörden schon lange praktiziert wird: Wer &#8222;Feindsender&#8220; abhört, sich also &#8222;geistig selbst verstümmelt&#8220;, wird wegen &#8222;Hochverrats&#8220; mit drastischen Strafen belegt. Wogegen richtet sich dieses Verbot?</p>
<p>Es richtet sich gegen die Rundfunkdienste der freien Welt, gegen die Londoner BBC, gegen Radio Moskau und gegen die damals noch nicht gestartete Stimme Amerikas.</p>
<p><em>&#8222;Ich gebe die Hoffnung auf eine friedliche Lösung nicht auf und stelle meine Bemühungen um den Frieden nicht ein, solange noch eine Aussicht auf Frieden besteht. Ich bin ein Mann des Friedens bis in die tiefste Tiefe meiner Seele. Für mich ist der bewaffnete Konflikt zwischen Nationen ein Angsttraum. Aber wenn ich die Überzeugung gewinnen sollte, daß eine Nation entschlossen ist, die Welt durch die Drohung mit Gewalt zu beherrschen, dann fühle ich, daß Widerstand geleistet werden muß. Unter einer solchen Herrschaft würde für Menschen, die an Freiheit glauben, das Leben nicht mehr lebenswert sein.&#8220;</em></p>
<p>Mit diesen Worten des damaligen britischen Premierministers Neville Chamberlain beginnt am 27. September 1938, auf dem Höhepunkt der Münchner Krise um die Tschechoslowakei, die legen­däre erste deutschsprachige Sendung der BBC London. An diese erste Sendung des späteren Deutschen Dienstes aus London erinnert sich der Übersetzer der Chamberlain-Rede, Robert Lucas:</p>
<p>&#8222;Am frühen Nachmittag des 27. September wurde ich in meinem Büro angerufen. &#8218;Können Sie abends ins Funkhaus kommen ?&#8216; wurde ich gefragt. Die Regierung, so sagte man mir, habe eben beschlossen, den Text der Rede, die der Premierminister am Abend halten würde, auch in deutscher Sprache zu senden, damit die Bevölkerung Deutschlands über den Ernst der Lage aufgeklärt werde. Könnte ich, so fragte man mich, bei der Übersetzung helfen? Als ich später ins Funkhaus kam, wurde mir sofort klar, daß der Beschluß der Regierung unerwartet gekommen war. Keine Sekretärin stand zur Verfügung, ja nicht einmal eine Schreibmaschine. An einem langen Konferenztisch saßen außer mir noch ein französischer und italienischer Übersetzer, denn es war beschlossen worden, den Text der Chamberlain-Rede auch in diesen Sprachen zu senden. Der englische Text kam Satz für Satz mit beträchtlichen Inter­vallen auf dem Fernschreiber durch. Als ich fragte, für welche Zeit die Sendung angesetzt sei, erfuhr ich zu meinem Erstaunen, daß sie schon begonnen hatte, und zwar auf den Wellenlängen des Heimatdienstes. Der unselige Ansager &#8211; ein bekannter Maler, der zum ersten Mal in einem Rundfunkstudio war &#8211; mußte manchmal minutenlang auf den nächsten Satz warten.&#8220;</p>
<p>Solange die Münchner Krise andauert, werden täglich Sendungen in deutscher Sprache fortgesetzt. Robert Lucas und Carl Brinitzer sind die ersten Mitarbeiter der deutschen Redaktion, die in dieser Zeit eingestellt werden. Als die Krise vorüber ist, entscheidet man Tag für Tag über die Fortführung der Sendungen, bis nach etwa einem Monat BBC und Foreign Office gemeinsam den Beschluß fassen, den neuen Sprachendienst bis auf weiteres aufrecht zu erhalten.</p>
<p>Am 1. September 1939 erklärt Hitler Polen den Krieg. London reagiert darauf seinerseits mit seiner Kriegserklärung gegen Deutschland:</p>
<p><em>&#8222;Ich spreche zu Ihnen aus meiner Kanzlei. Heute vormittag überreichte der Botschafter von Großbritannien der deutschen Regierung eine endgültige Note und erklärte, England werde sich, wenn es bis 11 Uhr nicht die Zusicherung erhalte, daß die deutschen Truppen aus Polen zurückgezogen würden, im Kriegszustand mit Deutschland befinden. Es ist gar keine Erklärung eingegangen. Unser Land befindet sich daher im Kriegszustand mit Deutschland!&#8220;</em> (Der englische Ministerpräsident Neville Chamberlain am 3. September 1939, 11 Uhr 15, über den BBC-Inlandsdienst)</p>
<p>Vier Jahre nach den ersten Sendungen aus London, 1942, sieht das tägliche Sendeschema des Deutschsprachigen Dienstes der BBC so aus (Zeiten in GMT):<br />
04.00-05.00 Sendung für den deutschen Arbeiter<br />
09.00-09.15 Nachrichten<br />
12.00-12.30 Vermischtes<br />
13.00-13.15 Vermischtes<br />
14.00-14.15 Aus der freien Welt<br />
16.00-16.15 Sendung für die deutsche Wehrmacht<br />
17.45-18.00 Sendung für die deutsche Kriegsmarine<br />
18.00-18.30 Nachrichten und Kommentar<br />
20.00-20.20 Nachrichten und Vorträge<br />
21.00-21.15 Programm für Österreich<br />
00.00-00.15 Nachrichten</p>
<p>Um die Sendungen aufzulockern, bringt man neben immer wahrheits­getreuen Nachrichten und Kommentaren auch Satire über den Äther. Fast legendär ist schon der Sprachkurs, den Sefton Delmer für die deutschen Soldaten hielt:</p>
<p><em>&#8222;Sie wissen wahrscheinlich, daß wir Engländer dafür bekannt sind, daß wir keine Fremdsprachen erlernen können. Darum wird es wohl am besten sein, wenn Sie, meine Herren Engellandfahrer, einige nützliche englische Ausdrücke lernen, bevor Sie uns besuchen.<br />
Als Thema unserer ersten Unterrichtsstunde wählen wir: Die Kanalüberquerung. . . the Channel crossing. Nun sprechen Sie mir bitte nach: Das Boot sinkt&#8230; the boat is sinking.<br />
Das Wasser ist kalt&#8230; the water is cold.<br />
Sehr kalt&#8230; very cold.<br />
Und jetzt sollen Sie ein Verbum lernen, daß Ihnen sehr nützlich sein wird. Also sprechen Sie mir bitte wieder nach:<br />
Ich brenne &#8230; I burn.<br />
Du brennst &#8230; you burn.<br />
Er brennt &#8230; he burns.<br />
Wir brennen &#8230; we burn.<br />
Ihr brennt &#8230; you are burning.<br />
Sie brennen &#8230; they burn.<br />
Und nun möchte ich Ihnen noch einen Satz zum Auswendiglernen vorschlagen: Der SS-Sturmbannführer brennt auch ganz schön&#8230; The SS-Captain is also burning quite nicely!&#8220;</em></p>
<p>Neben der Satire dient vor allem die Musik zur Auflockerung der Sendungen. Berühmte Orchester spielen auf den Londoner Wellen in Deutschland als &#8222;entartete Niggermusik&#8220; verbotenen Jazz und Swing, so z.B. Glenn Miller:</p>
<p><em>&#8222;Deutsche Soldaten! Hier spricht Ilse! Für die nächste halbe Stunde habe ich für euch etwas ganz besonderes arrangiert. Eine Rendezvous mit dem Kapellmeister eines der bekanntesten Orchester. Heute ist er der Dirigent des amerikanischen Orchesters der Alliierten Expeditionsstreitkräfte. Major Glenn Miller! &#8222;</em></p>
<p>Die BBC ist der meistgehörteste &#8222;Feindsender&#8220; des 2. Weltkrieges und die Nazis verleumden diese freie Stimme, wo sie nur können. Die Strafen für Schwarzhören werden laufend verschärft, bis zur Todesstrafe. Aber dies erweist sich als nicht geeignet, die Menschen vom Hören des Londoner Senders abzuhalten.</p>
<p><em>&#8222;Proletarier aller Länder, vereinigt euch! Hier ist der Moskauer Rundfunk in deutscher Sprache. Dieser erste Monat des neuen Jahres endete damit, daß am 31. Januar die Gruppe der Hitler-Truppen, die westlich des zentralen Teils Sta­lingrads eingekreist worden war, völlig aufgerieben wurde. Dabei ergaben sich der Kommandierende dieser Armee, General­feldmarschall Paulus, sein Stab und weitere 15 Generäle.&#8220;</em></p>
<p>Das, was für Hörer von London gilt, gilt auch für die Hörer von Radio Moskau. Wer beim Hören dieses Senders erwischt wird, wird meist sogar mit härteren Strafen belegt als ein Hörer der BBC. Das Moskauer Funkhaus, aus dem am 7. November 1929, also vor 60 Jahren, die erste deutschsprachige Sendung von Radio Moskau kommt, ist bevorzugtes Ziel der faschistischen deutschen Bomben­angriffe. Ein Mitarbeiter des Senders erinnert sich:</p>
<p>&#8222;Zu den Zielen für die Bombenflüge der Luftwaffe auf Moskau gehörte auch das Moskauer Funkhaus in der Putinkow-Gasse neben dem Pushkin-Platz. Ein faschistischer Bomber legte einen breiten Bombenteppich rings um das Funkhaus und traf schließlich mit einer 500-Kilo-Bombe genau in das Viereck, das vom Funkhaus gebildet wurde.<br />
Wir arbeiteten in dieser Nacht, ebenso wie in den anderen ersten Nächten des Krieges, in dem als Schutzbunker eingerichteten Keller des Gebäudes, der die Redaktion und die Senderäume beherbergte. Als die Bombe einschlug, erbebte das Haus in seinen Grundfesten, aber es erfolgte keine Explosion. Durch einen glücklichen Zufall war die Bombe in den Schacht des Sammelkanals im Hof gefallen und nicht explodiert. &#8220;</p>
<p>Während des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes kann oder will Radio Moskau nicht in aller Schärfe gegen die Hitler­faschisten auftreten. Die antifaschistische Propaganda hat ver­steckt zu erfolgen. Und das tut sie &#8211; z.B. in dem Hörspiel &#8222;Tamaras Haltestelle&#8220;, das von deutschen Emigranten aufgeführt wird. Die Handlung des Hörspiels ist folgende:</p>
<p>Irgendwo in den Bergen des Kaukasus lebt ein Streckenwärter mit seiner Familie. Seine Tochter Tamara besucht die Schule &#8211; und da muß sie jeden Tag durch den Eisenbahntunnel sechs Kilometer zu Fuß bis zur Schule gehen, denn kein Eisenbahnzug hält am Haus des Streckenwärters, das am Tunneleingang steht. Das erfährt man in Moskau und es wird Weisung gegeben, daß der D-Zug, der in der Früh, wenn Tamara in die Schule geht, am Haus des Streckenwärters vorbeikommt, und der Gegenzug, der am Nachmittag ebenfalls um die Zeit, in der Tamara aus der Schule nach Hause geht, das Kind aufnehmen und mit zur Schule und wieder mit nach Hause bringen solle.</p>
<p>So reagiert man im Moskauer Sender auf die Greuelpropaganda der Nazis über die Sowjetunion.</p>
<p>Ebenso wie auf den Wellen der Londoner BBC, so kommen auch auf Radio Moskau Prominente zu Wort, so z.B. der Maler Heinrich Vogeler:</p>
<p><em>&#8222;Achtung, Achtung! Hier ist Moskau! Welle 25 Meter! Es spricht der deutsche Maler Heinrich Vogeler, Worpswede! &#8211; Ich spreche zu dir, deutscher Künstler. Du weißt, was der Hitler-Faschismus für die deutsche Kunst und für Dich bedeutete. Wenn deine Werke Wahrheit und damit echtes deutsches Gefühlsleben offenbarten, wurden sie aus den Museen und Ausstellungen entfernt. So erging es im September 1935 den Werken der verstorbenen Malerin Paula Becker-Modersohn. Die stärkste realistische Kraft aus der Maler­kolonie Worpswede mußte als &#8218;Auswuchs einer vergangenen Zeit&#8216;, laut Völkischer Beobachter vom 26. Oktober 1935, aus der nationalsozialistischen Öffentlichkeit verschwinden. Das Volk der Dichter und Denker erlebte es, daß Hitler Dichter des Fortschritts, Schauspieler, die um die Freiheit des Wortes kämpften, auf bestialische Weise ermorden ließ.&#8220;</em></p>
<p>Der Kampf von Radio Moskau gegen den Hitlerfaschismus endet erst, als der Sender am 8. Mai 1945 die deutsche Kapitulation bekannt geben kann.</p>
<p>Neben Radio Moskau gibt es eine Reihe weiterer deutschsprachiger Programme. Das sind die Sender Kiew, Kuibyshew, Minsk, Odessa und Swerdlovsk. Einige dieser Sender sagen sich genau wie Radio Moskau als &#8222;Moskauer Rundfunk in deutscher Sprache&#8220; an und sind teilweise nur Proben für den Fall, daß Moskau fallen würde und die Sendungen von einem anderen Ort aus fortgesetzt werden müßten.</p>
<p>Eine besondere Rolle spielt der Sender Leningrad, der während der 600 Tage dauernden Blockade der Stadt faktisch unabhängig vom zentralen Rundfunk agieren kann. Die Sendungen richten sich vor allem an die deutschen Soldaten, die die Blockade Leningrads aufrecht halten. Der Sender Leningrad ist während der Blockade zwischen September 1941 und August 1944 ein Symbol des Wider­standswillens der Zivilbevölkerung. Sichtbare Erfolge der Sendungen sind nicht nachweisbar, jedoch überwacht das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) &#8222;besorgt&#8220; die Sendungen aus Leningrad.</p>
<p>Erst spät &#8211; mit dem Kriegseintritt der USA &#8211; beginnen die Sendungen der Stimme Amerikas. Kurzwellensendungen aus Amerika nach Übersee hat man bislang den privaten Gesellschaften ABC, NBC und CBS überlassen, doch nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbour mietet man die Anlagen dieser Gesellschaften und startet überstürzt Fremdsprachensendungen, darunter auch in deutscher Sprache. Ihr Ziel, auf eine so große Hörerzahl wie die BBC London zu kommen, erreicht die Stimme Amerikas trotz Relaissendungen über London in keiner Phase des Krieges. Sie bleibt auch hinter den Hörerzahlen von Moskau zurück. In den USA ist die Stimme Amerikas heftiger Kritik hinsichtlich dieses mangelhaften Erfol­ges ausgesetzt. Es gibt sogar die überspitzte Meinung, in New York seien mehr Leute mit der Herstellung der Sendungen beschäf­tigt, als diese regelmäßige Hörer gehabt hätten. VV Eine der wichtigsten Sendereihen ist wie bei allen Stationen der Kriegsgefangenendienst:</p>
<p><em>&#8222;Hier spricht die Stimme aus Amerika! Die Vereinigten Staaten von Amerika rufen Europa!<br />
Wir bringen jetzt den Kriegsgefangenendienst der Stimme Amerikas. Hier spricht Leutnant Winter. Ich bringe Ihnen die Stimmen deutscher Soldaten aus amerikanischen Kriegsgefan­genenlagern. Ich beginne heute mit einem Geburtstagsgruß. Gefreiter Andreas Beckel spricht zu seiner Frau in Kreinach, Oberfranken.<br />
&#8211; Hier spricht der Gefreite Andreas Beckel aus dem Kriegs­gefangenenlager Camp Shelwea, Mississippi, USA. Ich möchte die Gelegenheit nicht versäumen, an dich, liebe Frau, Töchterlein Babbede, Mutter, Geschwister, Schwäger und Ver­wandten aus weiter Ferne zu grüßen und zugleich wünsche ich dir, liebe Frau, zum Geburtstag am 13. September alles Gute, ein frohes Weihnachtsfest und gesundes Neujahr. Ich bin gesund und wohlauf. Auf Wiedersehen in der Heimat &#8211; Euer Andreas!&#8220;</em></p>
<p>Aus Frankreich sind wegen der Besetzung durch die Deutschen nur kurze Zeit antifaschistische Sendungen zu hören. Vor der Besetzung ist Radio Strasbourg vor allem im Südwesten Deutschlands nicht unbekannt. Die deutschsprachigen Sendungen der Radiodiffusion francaise, die nach der Befreiung Frankreichs durch die Briten und Amerikaner ausgestrahlt werden, bleiben im Vergleich zu den Sendungen der BBC und von Radio Moskau ohne größere Wirkung.</p>
<p>Bis zum Sieg der Franco-Faschisten kann man auch aus Spanien eine Reihe von deutschsprachigen Programmen hören. So meldet sich vom Sommer 1936 bis Anfang 1939 aus Madrid La Voz de España Republicana (Die Stimme des republikanischen Spaniens) mit der Ansage &#8222;Hier spricht Radio Madrid, die Stimme der Volksfrontregierung.&#8220; Anfang 1937 gibt es auch deutschsprachige Programme des Senders der Kommunistischen Partei Spaniens (Kurzwellensender Madrid II) und des Senders der spanischen Gewerkschaften (Kurzwellensender Madrid III).</p>
<p>Von Mitte 1936 bis März/April 1937 senden aus Barcelona der Sender der Generalitat Barcelona (Sender Barcelona I) und Radio Barcelona (Sender Barcelona II).</p>
<h1>Die britischen Schwarzsender</h1>
<p>Nicht alle britischen Stationen geben während des zweiten Welt­krieges ihre wahre Identität bekannt oder halten sich immer an die Wahrheit. Es gibt Stationen, die von sich behaupten, sie ständen in Deutschland und Stationen, die mit geschickt plazierten Falschmeldungen die deutschen Soldaten und die Zivil­bevölkerung verwirren sollen. Das sind die sogenannten &#8222;Schwarzsender&#8220;.</p>
<p>Von Mai 1940 an sendet der erste britische Schwarzsender, der <strong>Sender Das wahre Deutschland</strong>. Diese erste Station in der langen Reihe der britischen Schwarzsender wird von Dr. Carl Spiecker geleitet, einem angesehenen Mitglied der Deutschen Freiheits­partei, die 1938 eine Zeit lang im Ärmelkanal einen eigenen Sender betrieben hatte, auf den an anderer Stelle schon näher eingegangen wurde. Ein weiterer britischer Schwarzsender, über den es heute nur noch sehr wenig Informationen gibt, ist nach Frankreich gerichtet und nennt sich <strong>Radio Beaux Arts</strong> (Schöne Künste). Dieser erste französischsprachige Schwarzsender der Briten wird wahrscheinlich von Richard Gambier-Parry geleitet, die Texte stammen von dessen Privatsekretärin Miss Towse.</p>
<p>Fünf Monate nach den ersten Rufen des Senders Das Wahre Deutsch­land geht es eigentlich erst richtig los. Mit dieser Ansage meldet sich am 7. Oktober 1940 erstmals der <strong>Sender der euro­päischen Revolution</strong>:</p>
<p><em>&#8222;Hier spricht der Sender der europäischen Revolution! Wir sprechen für alle, die zum Schweigen verdammt sind! Wir rufen die Massen zur politischen und sozialen Revolution! Wir kämpfen für ein Europa des Friedens!<br />
Genossen, der Sender der europäischen Revolution ist der Sender revolutionärer Sozialisten. Unser Ziel ist der Sturz des Hitlerregimes, der Aufbau eines geeinten sozialistischen Europa. Sorgt dafür, daß immer mehr Menschen unsere Stimme hören können. Darum, wo immer du sicher sein kannst, daß du unbeobachtet bist, wo immer du weißt, daß du kein sinnloses Risiko läufst, wo immer sich dir eine vorteilhafte Gelegenheit bietet, schreibe in Blockbuchstaben: Europäische Revolution, Welle 31,2, 23 Uhr.&#8220;</em></p>
<p>Diese Station, die täglich auf dem 31-Meterband sendet, ist eher &#8222;grau&#8220; als &#8222;schwarz&#8220;, da er nicht versucht, seinen Hörern einzureden, er stände in Deutschland. Der Sender der europäischen Revolution hofft, Hörer zu erreichen, die bereit sind, bei ihrem Widerstand gegen das Regime gemäßigte Methoden, wie die Sabotage des Transportsystems, anzuwenden und die Fortführung des Krieges durch passiven Widerstand zu behindern. Die Sendungen werden am 22. Juni 1942 eingestellt, als sich das Team des Senders nicht bereitfindet, für die Kriegsziele der Alliierten energischer einzutreten.</p>
<p>Dem Sender der europäischen Revolution folgen am 10. Oktober der rumänische Sender <strong>Frats Romun</strong>, am 15. November das französische <strong>Radio Inconnue</strong>, am 16. November das italienische <strong>Radio Italia</strong> und am 17. November das französische <strong>Radio Travail</strong> (Arbeit). Auf Radio Italia folgt im Juni 1941 <strong>Radio Liberia</strong>, das sich durch intime Kenntnisse aus dem Privatleben Mussolinis auszeichnet.</p>
<p>Die französischen Sender, Radio Inconnue und Radio Travail, sind, im Gegensatz zu den deutschsprachigen Sendern, ausgesprochen subversiv. So wird zwar in den Sendungen von Radio Inconnue nur selten angedeutet, wo sich der Sender befindet, aber angeblich steht er in der Nähe von Paris. Der Sender gibt praktische Anweisungen zur Sabotage. So werden die Hörer aufgefordert, die Reifen der deutschen Militärfahrzeuge zu zerschneiden. Am 3. Juli 1941 verbreitet Radio Inconnue Einzelheiten über die imaginäre Organisation &#8222;Les Chevaliers du coup de balai&#8220; (Die Ritter des Besens). Es wird behauptet, die symbolisch mit einem Besen bewaffneten Angehörigen dieser Organisation würden von nun an gegen alle Deutschen in Frankreich vorgehen.</p>
<p>Viel seriöser als dieser Sender mit seinen sehr aggressiven Inhalten tritt Radio Travail auf. Der Sender bemüht sich um die revolutionären Traditionen des republikanischen Frankreichs und führt, wie dies seinem angeblichen Standort in den besetzten nördlichen Departments entspricht, regelmäßig scharfe Angriffe gegen die Deutschen. Radio Travail distanziert sich sowohl vom Kommunismus wie auch von de Gaulles &#8222;freien Franzosen&#8220; und macht einen Unterschied zwischen der deutschen Arbeiterklasse und den Nazis.</p>
<p>Am 1. Juli 1941 kommt ein dritter französischer Schwarzsender hinzu: <strong>La France Catholique</strong>, dessen zunächst einziger Sprecher der französische Priester Capitaine Lagrave ist. Die Sendungen sollen den Widerstandswillen der französischen Katholiken stärken und den Geistlichen Material für ihre Predigten liefern. Zweimal wöchentlich werden propagandistische Gebete gesprochen, so z.B. für &#8222;unsere hungernden Kinder&#8220; und &#8222;unsere Gefangenen in Deutschland&#8220;. Dabei wird erklärt, die Gebete folgten einer Anregung des Papstes. Im deutschen Rundfunk wird zwar behauptet, La France Catholique stände im Vatikan, um so ein offizielles Dementi zu provozieren, aber der Vatikan hat sich, obwohl er von der Existenz des Senders wußte, niemals von ihm distanziert.</p>
<p>Mit Hitlers Einmarsch in die Sowjetunion gesellt sich auch eine italienische Station zu den religiösen Schwarzsendern: <strong>La Voce Cristiana</strong> erklärt, die Sowjetunion sei ein Verteidiger des christlichen Glaubens! Ähnliche Sender existieren auch in deutscher, polnischer, französischer und spanischer Sprache und stehen unter Leitung Richard Gyptners, einem Mitglied der Komintern.</p>
<p>Am 25. Mai 1941 beginnt einer der bekanntesten Geheimsender des Krieges sein Programm: <strong>Gustav Siegfried 1</strong>. Diese Station ist der erste deutschsprachige Schwarzsender, der bewußt falsche Informa­tionen mit dem Ziel ausstrahlt, die deutsche Bevölkerung und die Behörden irre zu führen und zu verunsichern. In den Sendungen tritt ein sogenannter &#8222;Chef&#8220; auf, der sich als &#8222;aufrechter deutscher Offizier&#8220; darstellt und die Machenschaften der &#8222;Goldfasanen&#8220; der NSDAP anprangert. Die Sendungen sind so aufge­baut, daß der Hörer den Eindruck hat, er höre interne Funksprüche einer Geheimorganisation ab. Bevorzugt kritisiert der &#8222;Chef&#8220; wahre oder erfundene Korruptionsaffären, Mißstände und Schlampe­reien der Behörden, sexuelle Exzesse und sinnlose Prassereien der oberen Zehntausend der Partei, die er als &#8222;Parteikommune&#8220; be­zeichnet. Er verbreitet Gerüchte über angebliche Lebensmittel­knappheiten, Seuchen, Krankheiten und Plünderungen. Die gesamte Parteispitze, mit Ausnahme von Hitler selbst, stellt er als unfähige &#8222;Kretins&#8220; dar. Mit seiner derben Sprache (&#8222;plattfüßiger alter jüdischer Trunkenbold&#8220; =&gt; Churchill) versucht Gustav Sieg­fried 1 die Soldaten der Wehrmacht zu erreichen &#8211; und er schafft dies auch. 1944 gibt mehr als die Hälfte aller befragten deutschen Kriegsgefangenen in England an, von dem Sender gehört zu haben. Bei der letzten Sendung von Gustav Siegfried 1 passiert eine Panne. Sefton Delmer will die Station dramatisch sterben lassen: Über den Sender kommt eine MP-Salve und eine Stimme ruft <em>&#8222;Habe ich Dich endlich, Du Schwein&#8220;</em>.<br />
Diese Sendung mit dem ungewöhnlichen Schluß wird, wie immer, auf Platte aufgenommen und zum Senden gebracht. Dabei scheint der Sendetechniker nicht mitgekriegt zu haben, daß er diese Sendung nicht, wie bisher, nach einer Stunde wiederholen soll. Eine Stunde nach dem dramatischen Ende von Gustav Siegfried 1 wird die Sendung noch einmal ausgestrahlt &#8211; mit dem gleichen Schluß. Es ist allerdings kein Fall bekannt, daß jemand das Ende von Gustav Siegfried 1 zweimal gehört hätte.</p>
<p>Ende 1941 wird für kurze Zeit der Sender <strong>Radio Rotes Wien</strong> in Betrieb genommen, der seine Programme vom 3. Oktober bis zum 27. Dezember 1941 ausstrahlt. Der Sender sagt sich so an:</p>
<p><em>&#8222;Achtung! Achtung! Hier Radio Rotes Wien, der Sender der österreichischen Sozialisten! Sagt die Welle weiter: 31,5 Meter! Freundschaft, Genossen! Schreibt sie auf Wände und Zäune: 31,5 Meter!&#8220;</em></p>
<p>Schon bald nach den ersten Sendungen von Gustav Siegfried 1 beginnt Sefton Delmer, der Leiter der britischen Schwarzsender, mit der Planung weiterer Stationen mit der gleichen Zielsetzung: Subversion, Irreführung, Verunsicherung. Daraus entsteht am 9. Mai 1942 der <strong>Wehrmachtssender Nord</strong>, über dessen Ziele Sefton Deiner in einer Denkschrift schreibt:</p>
<p>&#8222;Die wichtigsten Ziele unseres Geheimsenders sind:<br />
a). Die Moral der deutschen Truppen dadurch zu schwächen, daß wir ein düsteres Bild von den Zuständen in Deutschland zeichnen und<br />
b). die zivilen Hörer davon zu überzeugen, daß die Moral der Truppe durch gewisse Entwicklungen an der Heimatfront, die der gewöhnliche Soldat ablehnt, beeinträchtigt wird.&#8220;</p>
<p>Die Anregung zur Einrichtung des Wehrmachtssenders Nord gibt Delmer ein kleiner deutscher Wehrmachtssender in Smolensk. Der von Delmer eingerichtete Sender wird angeblich von einer deut­schen Einheit in Nordnorwegen betrieben, und er gibt sich den Anschein, die dort stationierten Soldaten mit Nachrichten aus der Heimat zu versorgen. Außerdem hofft man, daß der Wehrmachts­sender Nord von neugierigen Zivilisten abgehört werden würde, die etwas über das Leben und die Stimmung bei der Truppe erfahren wollen. Nach neun ziemlich erfolglosen Monaten stellt der Sender seinen Betrieb am 7. Februar 1943 ein. Sein Nachfolger wird am 22. März 1943 der <strong>Deutsche Kurzwellensender Atlantik</strong>, der eine auf den ersten Blick perfekte Imitation eines deutschen Soldaten­senders darstellt. Der Sender meldet sich täglich von 17.30 bzw. 18.30 Uhr durchgehend bis 8 Uhr morgens. Die wöchentliche Sendezeit mit selbstproduzierten Sendungen beträgt bis zu 14 1/2 Stunden, der Rest der Sendungen wird von wirklichen reichsdeutschen Sendern übernommen, vor allem vom Soldatensender Mittelmeer.</p>
<p>Später schließt sich der Deutsche Kurzwellensender Atlantik mit dem bekanntesten Schwarzsender des 2. Weltkrieges, dem am 18. November 1943 gestarteten <strong>Soldatensender Calais</strong>, zusammen. Dieser Sender wird über die für damalige Verhältnisse gigantische 600 kW-Mittelwellen-Sendeanlage &#8222;Aspidistra&#8220; in Crowborough betrieben. Die Sendungen laufen täglich zwischen 20 und 24 Uhr, was einer wöchentlichen Sendezeit von 28 Stunden entspricht. Die Stationsansage lautet:</p>
<p><em>&#8222;Soldatensender Calais! Soldatensender Calais mit dem Kameradschaftsdienst für die Wehrmacht im Bereich des Befehlshabers West und Norwegen. Angeschlossen der Deutsche Kurzwellensender Atlantik!&#8220;</em></p>
<p>Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 meldet sich wiederholt der <strong>Sender der Widerstandsbewegung</strong>: <em>&#8222;Von Stauffenberg ist tot. Er hat befehlsgemäß den ersten Schlag gegen das Hitlerregime geführt. Aber die Gesamtaktion geht weiter.&#8220;&lt;(i&gt; </em></p>
<p>Neben diesen Stationen gibt es noch eine Vielzahl kleinerer Schwarzsender, die wir hier kurz nennen wollen:</p>
<p><strong>Astrologie &amp; Okkultismus</strong>: Diese Station sendet nur nachts und richtet sich an leicht beeinflußbare, abergläubische und ängstliche Hörer in Deutschland mit dunklen Voraussagen über den nahen Untergang des Reiches. A &amp;. 0 wird nach drei Monaten wegen Erfolglosigkeit eingestellt.</p>
<p><strong>Christus, der König</strong>: Über diese Station werden christliche, aber mit eindeutig subversiver Absicht ausgewählte antifaschistische Sendun­gen für deutsche Katholiken ausge­strahlt. Der Sender hat seinen Namen vom letzten Satz jeder Sendung: <em>&#8222;Es lebe Christus, der König!&#8220;</em> Christus, der König ist mit 31 Mona­ten Sendedauer der am längsten beste­hende britische Schwarzsender über­haupt.</p>
<p><strong>Arbeitersender</strong>: Diese Station täuscht vor, Sprachrohr einer linken Widerstandsgruppe zu sein. Die kurze Lebenszeit (8 Monate) des Arbeitersenders spricht für einen Fehlschlag dieser Propagandakonzeption.</p>
<p><strong>Sender der SS-Kampfgruppe York</strong>: Dieser Sender gibt sich als Sprachrohr einer oppositionellen Gruppe innerhalb der Waffen-SS aus, die sich von ihren Führern verraten fühlt. Das Programm umfaßt nur ein Thema pro Sendung und enthält vor allem Berichte über Korruption und Greueltaten der SS, die teils erfunden, teils wahr sind. Auch hier spricht die kurze Sendedauer von vier Monaten für einen Fehlschlag.</p>
<p><strong>SS-Sender Hagedorn</strong>: Die Programme dieser Station sind ähnlich aufgebaut wie die von Gustav Siegfried 1.</p>
<h1>Die amerikanischen Schwarzsender</h1>
<p>Die USA beginnen, auch bedingt durch den späten Kriegseintritt, erst sehr spät mit der Ausstrahlung von Sendungen subversiver Natur. Bis zum Ende des Krieges hat man gerade zwei Stationen auf die Beine gestellt (zum Vergleich &#8211; England: 14).</p>
<p>Die erste der beiden Stationen wird vom Middle East Headquarter des Office of Strategie Services (OSS) in Kairo eingerichtet, wenig später jedoch dem alliierten Kommando in Italien unter­stellt. Der Sender hat die Aufgabe, Wehrmachtsangehörige in den Ländern des Balkan und auf Kreta zu verunsichern. Er ist als Nazi-Sender getarnt und will den Eindruck erwecken, als ob seine Kommentare von NS-Funktionären gesprochen wären. Der Sender zitiert häufig fingierte Ausgaben des SS-Organs &#8222;Das schwarze Korps&#8220; und verwendet eine &#8222;zackige&#8220; Sprache mit unterschwelliger Kritik an der Parteiführung. Er bringt &#8222;objektive&#8220; Nachrichten: Verluste der Alliierten am Anfang, dann übertriebene Angaben von Nazi-Verlusten. Seine Kommentare erinnern an das &#8222;fleißige und schöpferische Deutschland&#8220;, an Bismarck und den Alten Fritz. Der Erfolg des Senders zeigt sich darin, daß Kriegsgefangene erklär­ten, der Sender habe sie total verwirrt, weil er frei von alliierter Propaganda ist, doch &#8222;deutsch&#8220; ohne Bezugnahme auf Hitler und Goebbels. Leider ist nicht bekannt, unter welchem Namen der Sender betrieben wurde bzw. ob er überhaupt einen Namen hatte.</p>
<p><em>&#8222;1212 sendet. 1212 sendet. Täglich von 2 bis 6. Jede volle Stunde.&#8220;</em></p>
<p>Mit dieser Ansage meldet sich ab Dezember 1944 der <strong>Sender 1212</strong>, der vorgibt, von rheinischen Separatisten innerhalb des Reiches betrieben zu sein. Mit den Sendungen soll erreicht werden, daß deutsche Städte und Dörfer schon vor dem Anrücken der alliierten Truppen kapitulieren. In den Programmen wird die Hoffnungslosigkeit der deutschen militärischen Lage und die drückende Überlegenheit der allierten Truppen in drastischer Weise geschildert. 1212 beschreibt mit bewußt falschen oder halbwahren Meldungen die Absurdität der letzten Kriegsmonate, wobei die Redakteure ihre Berichte z.T. ironisch übertreiben. Die Fiktion eines in Deutschland stehenden Untergrundsenders hält der Sender bis zur letzten Sendeminute aufrecht, als die Station angeblich von alliierten Truppen erobert wird.</p>
<p><em>&#8222;1212 bringt jetzt Nachrichten für die Wehrmacht. An der ganzen Front war gestern bedeckter Himmel mit unterbrochenen Regenfällen. Schwerer Schnee fiel an der Saarfront. Bei nebligem Wetter kämpften die Truppen im Schlamm an der Dürenfront. Im allgemeinen war milde Temperatur. Gestern feierte Generalfeldmarschall von Rundstedt seinen 69. Geburtstag. Der Oberbefehlshaber West befindet sich gegenwärtig mit seinem Stab in Koblenz. <em>In den Kämpfen um die Saar verlor die deutsche 1. Armee über 73.000 Mann, man rechnet, daß 31.000 von ihnen Kriegsgefangene sind.&#8220;</em> </em></p>
<p>Zunächst bringt 1212 wahre, für jeden Soldaten nachprüfbare Meldungen, z.B. Berichte über das Wetter vom vorigen Tag. Erst später kommt dann der dicke Hammer: eine nicht nachprüfbare Falschmeldung. So bauen die Mitarbeiter des Senders aus einem abgebrannten Gasthaus, in dem die SS residiert hatte, ein SS-Archiv, das gerade abtransportiert werden sollte. Suggeriert werden soll den Hörern damit: &#8222;Die hauen ab !&#8220;</p>
<p>Der Sender stellt seinen Betrieb in der Nacht vom 24. auf den 25. April 1945 ein, als er angeblich von alliierten Truppen erobert wird.</p>
<h1>Schwarzsender aus Frankreich</h1>
<p>Im September 1939, dem Monat des Kriegsbeginns, beginnt Frank­reich, eine Reihe von &#8222;schwarzen&#8220; und &#8222;grauen&#8220; Stationen in Betrieb zu nehmen.</p>
<p><em>&#8222;Harret aus! Österreich wird wieder frei! Hier spricht aus Paris der Österreichische Auslandssender!&#8220;</em></p>
<p>Als eine der ersten Stationen nimmt der <strong>Österreichische Auslands­sender</strong> seinen Betrieb auf. Er kann eigentlich nicht zu den Schwarzsendern gezählt werden, weil er, wie aus der obigen Ansage ersichtlich ist, seinen Standort wahrheitsgemäß mit Paris angibt. Er ist aber weniger an der sachlichen Information seiner Hörer interessiert, sondern gleicht in dieser Hinsicht eher den als Kampfsender agierenden Schwarzsendern, die weiter unten erwähnt werden. Die Sendungen werden über die französischen Mittel- und Langwellensender Grenoble, Lilie, Lyon, Marseiile, Nizza, Rennes, Straßburg und Bordeaux im Anschluß an die offiziellen Sendungen des französischen Auslandsrundfunks ausgestrahlt.</p>
<p>Die publizistischen und politischen Richtlinien in der Arbeit der Station werden von Martin Fuchs und Otto von Habsburg bestimmt, die auch gelegentlich vor das Mikrofon treten. Dementsprechend konservativ und monarchistisch sind auch die Tendenzen des Programmes.</p>
<p>Ganz anders gibt sich da der <strong>Deutsche Freiheitssender</strong>. Er wird wenige Monate nach dem Ende des von Spanien aus operierenden Deutschen Freiheitssenders 29,8 gestartet und will durch die gleiche Namensgebung, die Benutzung der gleichen Frequenz und die Ausstrahlung der Sendungen zur gleichen Sendezeit seinen Hörern suggerieren, er sei der Nachfolger von 29,8 oder 29,8 sei wieder auferstanden. Von Mitgliedern der illegalen KPD in London und Stockholm werden die Mitarbeiter des Deutschen Freiheitssenders als &#8222;Halunken&#8220; bekämpft. Die Wirkung von 29,8 unter der deutschen Arbeiterklasse kann dieser französische Schwarzsender jedoch nie erreichen.</p>
<p>Der <strong>Freie Deutschlandsender</strong> verwendet viel Mühe darauf, die Fiktion aufrecht zu erhalten, er würde illegal aus dem Reichs­gebiet operieren. Die Station sieht ihre Aufgabe darin, zur Organisation einer breiten, nicht parteigebundenen antifaschi­stischen Widerstandsbewegung zu ermutigen und beizutragen, die sich aber auch gleichzeitig gegen den Kommunismus stalinistischer Prägung wenden soll. Auffällig sind die zahlreichen Parolen, die zu Widerstand und Sabotage aufrufen. In den Sendungen des Freien Deutschlandsenders wird wiederholt eine Zusammenarbeit mit dem Deutschen Freiheitssender angedeutet, ohne jedoch darauf weiter einzugehen oder die Fiktion eines deutschen Senders aufzugeben.</p>
<p>Täglich zwei Stunden lang meldet sich der <strong>Österreichische Frei­heitssender</strong>, der von der gleichen Gruppe getragen wird wie der &#8222;graue&#8220; Österreichische Auslandssender. Im Gegensatz zu den anderen Schwarzsendern verfügt er über ein differenziertes Wort-und Musikprogramm, so z.B. &#8222;gute, aber verbotene Musik&#8220;, d.h. vor allem klassische Musik jüdischer Komponisten. Seine Sendungen werden vor allem über die privaten französischen Sender Radio International und Radio Normandie, aber auch über die staatlichen Sender Lyon und Marseille ausgestrahlt.</p>
<p>Das oberste Ziel, zu dem der Österreichische Freiheitssender beitragen will, ist die Befreiung Österreichs vom Hitlerfa­schismus und die Wiederherstellung eines österreichischen Natio­nalstaates. Diesem Ziel ordnen die Mitarbeiter alle Programm­aussagen mit dem ganzen Spektrum von Nachrichten und Musik­wiedergabe zu.</p>
<p>Der <strong>Sender Freies Österreich</strong> ist als Österreichprogramm des Deutschen Freiheitssenders angelegt und wird im Anschluß an dessen Programm ausgestrahlt. Die einzige Mitarbeiterin ist Elisabeth Freundlich, die ihre Manuskripte dem Betreiber des Freiheitssenders, Rudolf Leonhard, übergibt. Die genauen Sende­daten sind heute nicht mehr zu ermitteln.</p>
<p>Nach der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen müssen die Schwarzsender verständlicherweise schweigen. Erst nach der fran­zösischen Befreiung geht wieder eine &#8222;schwarze&#8220; Station in den Äther:</p>
<p><em>&#8222;Hier ist Radio Bir Hakeim auf Welle 205 Meter!&#8220;</em></p>
<p><strong>Radio Bir Hakeim</strong> strahlt seine Sendungen zwischen dem 30. Januar und dem 8. Mai 1945 aus. Er wird vom &#8222;Nationalkomitee Freies Deutschland für den Westen&#8220; (CALPO) betrieben, das einen wenig erfolgreichen Versuch darstellt, an der Westfront eine Schwester­organisation des in der Sowjetunion gegründeten &#8222;Nationalkomitees Freies Deutschland&#8220; aufzubauen. Aufgabe von Bir Hakeim ist es, die in Frankreich verbliebenen deutschen Resttruppen zu zermür­ben, indem man ihnen immer wieder vorhält, wie sinnlos ein weiterer Widerstand ist</p>
<h1>Freie Sender aus Deutschland</h1>
<p>Im Gegensatz zu den Sendern, die aus dem Ausland ins Hitlerreich einstrahlten, gab es nur sehr wenige Stationen, die in Deutschland selbst betrieben wurden.</p>
<p>Eine dieser Stationen wird vom Mechanikerlehrling Walter Klingenbeck und drei seiner Freunde betrieben. Ihr Widerstandssender nennt sich aus Protest gegen die Zerstörung der niederländischen Stadt durch die Nazis Sender Rotterdam. Die ersten Versuchs­sendungen werden mit einem Kurzwellen- und zwei Mittelwellen­sendern ausgestrahlt, die im Dreieck aufgestellt sind, um eine Anpeilung durch die Gestapo zu erschweren. Die Sendungen bestehen aus antifaschistischen Texten und Schallplattenmusik. Über diese Versuchssendungen kommt der Sender Rotterdam aber nicht hinaus. Im Januar 1942 werden alle vier Betreiber des Senders verhaftet und drei von ihnen zum Tode verurteilt.</p>
<p>Viele Betreiber von illegalen Sendern können nicht mit den technischen Schwierigkeiten fertig werden. Deshalb werden aus der Sowjetunion und aus England immer wieder meist junge Deutsche mit Fallschirmen über Deutschland abgesetzt, um die Schwarzfunker anzuleiten. Katja Niederkirchner beispielsweise flieht als junge Frau 1933 in die Sowjetunion. Im Krieg wirkt sie an den deutschsprachigen Sendungen von Radio Moskau mit. Schließlich wird sie als Funkerin nach Deutschland geschickt. Doch schon bald nach ihrer Landung wird sie von der Gestapo verhaftet und durch Folter zu Funkgegenspielen mit Moskau gezwungen. Sie wird 1944 im Konzentrationslager Ravensbrück ermordet.</p>
<h1>Die Schwarzsender der Sowjetunion</h1>
<p>Wie die westlichen Alliierten so betreiben auch die Sowjets Schwarzsender in Richtung Deutschland und in Richtung der von den Deutschen besetzten Gebiete.</p>
<p>Der größte und bekannteste sowjetische Freiheitssender ist der <strong>Sender Freies Deutschland</strong>, eine Station, die häufig zu den &#8222;weißen&#8220; oder &#8222;grauen&#8220; Stationen gezählt wird, da er nie seinen Standort leugnet und sich auch offen als das ausgibt, was er ist: Als das Sprachrohr des Nationalkomitees Freies Deutschland, einer in Moskau beheimateten Organisation deutscher Emigranten, die über Lautsprechereinsätze, Flugblätter und die Zeitung &#8222;Freies Deutschland&#8220; an der Front und über den Sender versucht, Einfluß auf den Kriegsverlauf und das Geschehen in Deutschland zu nehmen. Die Station sagt sich so an:</p>
<p><em>&#8222;Achtung! Achtung! Hier spricht der Sender Freies Deutschland auf dem 37-, 47-, 43-, 50- und 51-Meter-Band. Wir sprechen im Namen des deutschen Volkes. Wir rufen zur Rettung des Reiches! Achtung! Hier ist der Sender Freies Deutschland!&#8220;</em></p>
<p>Ähnlich verhält es sich mit dem <strong>Deutschen Volkssender</strong>. Diese Station der illegalen KPD versucht zwar anfangs den Eindruck zu vermitteln, sie stände im Reich, gibt diese Tarnung aber schon nach einem halben Jahr auf. Sie bezeichnet sich jetzt als den Nachfolger des von 1937 bis 1939 von Spanien aus arbeitenden Deutschen Freiheitssenders 29,8. Über den Volkssender kommt die gesamte Führung der KPD teilweise unter voller Namensnennung zu Wort. Er verfügt über einen großen Bekanntheitsgrad in deutschen Arbeiterkreisen. Besonders sein Kriegsgefangenendienst hat eine gewisse Resonanz. Britische Vernehmungsprotokolle von Kriegsge­fangenen belegen, daß der Deutsche Volkssender sogar bei den Soldaten der Westfront gehört wird. Die Station verfügt über eine Reihe von Untersendern, die zwar teilweise als unabhängig be­zeichnet werden, von der Praxis her aber eher als Sendereihen der &#8222;Mutterstation&#8220; angesehen werden können. Eine dieser Stationen ist der Sturmadler &#8211; Sender deutschen Jugend, der seine enge Verbundenheit mit dem Deutschen Volkssender erst 19 Monate nach seinem Start im Februar 1942 auch nach außen hin offiziell bekundet. Sturmadler wird ab diesem Augenblick als die Jugend­sendung des Volkssenders angesagt. Ähnlich stehen der <strong>Frauen­sender</strong> und der <strong>Soldatensender</strong> (<em>&#8222;Die Heimat ruft die Front&#8220;</em>) zum Deutschen Volkssender.</p>
<p>Während diese Stationen, der Sender Freies Deutschland und der Deutsche Volkssender, ein &#8222;weißes&#8220; Programm ausstrahlen, fehlen auch die wirklich &#8222;schwarzen&#8220; Stationen nicht im Senderreigen aus der Sowjetunion.</p>
<p><em>&#8222;Achtung! Achtung! Sie hören den Christlichen Sender auf der Kurzwelle 38,52. Katholiken! Christen! Seid stark im Kampf gegen den Antichrist! Mut und Gottvertrauen, geliebte Brüder und Schwestern in Christo!&#8220;</em></p>
<p>Der <strong>Christliche Sender</strong>, der von Victor Stern und Richard Gyptner betrieben wird, wendet sich an die deutschen Katholiken und bringt Aufrufe an diese zum Widerstand gegen den &#8222;Antichristen&#8220; Hitler sowie Nachrichten und Kommentare über das Leben der Kirche. Immer wieder legt er seinen Hörern das Schicksal der sowjetischen und polnischen Kriegsgefangenen ans Herz. Eine Resonanz auf die Sendungen ist heute jedoch nicht mehr fest­stellbar.</p>
<p>Der schwärzeste aller Schwarzsender ist zweifellos die <strong>Geisterstimme</strong>. Immer wieder blenden sich die Mitarbeiter der Station in die Sendungen des offiziellen deutschen Rundfunks, z.B. in die Sendungen des Deutschlandsenders, ein und rufen Parolen wie <em>&#8222;Mit Hitler gibt es keinen Frieden mehr!&#8220;</em> oder <em>&#8222;Deutschland erwache! Hitler verrecke!&#8220;</em> Durch die Sendungen der Geisterstimme entsteht für die Nazis eine schwierige Lage: sie können gegen diese neuartige Art der Rundfunkpropaganda keine Störsender einsetzen, weil sie ja sonst ihre eigenen Stationen unhörbar gemacht hätten. Mit dem Betrieb der Geisterstimme will die Sowjetunion den Hörern suggerieren, daß ein weiterer Widerstand gegen die anrückenden Alliierten sinnlos sei. Die Hörer sollen sich überlegen: &#8222;Die Russen müssen wirklich schon nah sein, wenn man sie sogar schon im deutschen Rundfunk hören kann.&#8220;</p>
<p><em>&#8222;Achtung! Hier spricht der Sender der SA-Fronde! Achtung! Es spricht zu Euch der SA-Mann Hans Weber!&#8220;</em></p>
<p>Dieser <strong>Sender der SA-Fronde</strong> ist das sowjetische Gegenstück zum britischen Schwarzsender Gustav Siegfried 1. Er ist dem bri­tischen &#8222;Bruder&#8220; stark nachempfunden, ohne jedoch dessen rüde und pornographische Ausdrucksweise zu kopieren. Der Sender der SA-Fronde soll die deutsche Kampfmoral unterminieren und Mißtrauen in den Reihen der SA und der niederen Chargen der NSDAP sähen. Der Sender wird bei den deutschen Soldaten viel gehört, wenn diese auch meist den Begriff &#8222;Fronde&#8220; nicht richtig verstehen und die Station bei Vernehmungen in britischer Kriegsgefangenschaft als &#8222;Sender der SA-Freunde&#8220; titulieren.</p>
<p>Kurz erwähnt werden sollen auch die Stationen, die sich an die deutschen Soldaten und die Zivilbevölkerung in den besetzten und verbündeten Ländern richten. Das sind der <strong>Sudetendeutsche Frei­heitssender</strong> in der Tschechoslowakei, der <strong>Volkssender Christo Botew</strong> in Bulgarien und der <strong>Sender Freies Jugoslawien</strong>. Desweiteren gibt es einige taktische Sender, die sich an Soldaten bestimmter Frontabschnitte richten. Das sind beispielsweise der <strong>Polarsender Wahrheit</strong>, der sich, wie der Name schon sagt, an den nördlichen Frontabschnitt richtet, und der <strong>Sender Baltikum</strong>, der sich an die deutschen Soldaten richtet, die im Kessel Kurland eingeschlossen sind.</p>
<h1>Schwarzsender für Führer und Reich</h1>
<p>1940. Die deutsche Reichswehr ist in Frankreich eingefallen und marschiert auf Paris zu. In dieser Lage stiftet ein kommunistischer Sender Panik: Radio Humanité (Wahrheit) hetzt die Bevölkerung auf, vor den deutschen Okkupanten zu fliehen:</p>
<p><em>&#8222;Flieht, flieht! Die Kapitalisten stürmen die Züge, und ihr, elend und ohne Geld, ihr bleibt auf den Bahnsteigen zurück, ohnmächtig gegen die brutale Rücksichtslosigkeit der Rei­chen. Nehmt eure Kinder und flieht, denn Paris ist verloren. Paris wird bald wie Warschau nur noch ein Haufen rauchender Trümmer sein.<br />
Flieht, flieht, flieht nach Westen, denn das ist die einzige Richtung, in der es noch Sicherheit gibt für euch. Flieht nicht nach Süden, denn seitdem Italien in den Krieg eingetreten ist, fliehen die Menschen aus dem Süden auf das Zentrum zu.&#8220;</em></p>
<p>Was sich hier perfekt als kommunistischer französischer Sender darstellt, ist in Wahrheit ein schlaues Projekt des deutschen Propagandaministers Joseph Goebbels. Unter kommunistischer Tar­nung wird über <strong>Radio Humanité</strong> ein Massenexodus ausgelöst, der die französischen Truppen gewaltig behindert und so den Vormarsch der Deutschen erleichtert. Radio Humanité wird als der beste Coup der deutschen Propaganda im 2. Weltkrieg angesehen.</p>
<p>Während Radio Humanité vorgibt, von der KPF irgendwo im franzö­sischen Untergrund betrieben zu sein, besteht der Zweck eines weiteren nach Frankreich gerichteten Geheimsenders, der <strong>Voix de la Paix</strong> (Stimme des Friedens), darin, den Patriotismus und Pazifismus einer national eingestellten Gruppe zu verbreiten.</p>
<p>Kurz vor der Einnahme von Paris läßt Goebbels die Rundfunkpropa­ganda gegen Frankreich intensivieren. Vor allem über die starken Mittel- und Langwellensender Köln und Leipzig werden angeblich französische Stationen ausgestrahlt. Zu diesen gehören der Sender <strong>Camarade du Nord</strong> (Freund aus dem Norden) und die <strong>Voix de la Bretagne</strong> (Stimme der Bretagne), die separatistische Tendenzen vertritt und betont, daß die Stunde der Befreiung der Bretagne nahe sei.</p>
<p>Ähnlich wie die Sendungen von Radio Humanité sind die Programme eines nach Griechenland gerichteten Schwarzsenders, des Senders <strong>Patris</strong> (Vaterland), aufgebaut. Die Station steht angeblich in den Bergen bei Athen und gibt vor, von einer politischen Geheim­organisation &#8222;unparteiischer junger wahrer Patrioten, die in der Stunde der Not Koalition mit allen Parteien erstreben&#8220; betrieben zu sein. Sein wichtigstes Propagandamittel sind Greuelmeldungen über die Engländer, so z.B. am 19. April 1941:</p>
<p><em>&#8222;Hier ist der unabhängige griechische Sender Patris! Hier spricht die Stimme der Zukunft! Hier spricht Hellas zu Hellas! Griechenland lebt und wird leben! Brüder, seid auf der Hut! Die Stunde verlangt es!<br />
Athener! Trinkt kein Wasser! Die Engländer haben ein fast unglaubliches Vorhaben ausgeführt. Beamte des englischen Geheimdienstes haben den Marathon-See von der Nordostseite her mit Typhusbazillen infiziert, um den Deutschen einen englischen Empfang zu bereiten! Daß dabei nicht nur die Deutschen, sondern viele Tausende von Athenern zu Grunde gehen, ist den Briten gleichgültig! Athener, wir warnen euch! Männer, Frauen, Kinder! Nehmt keinen Tropfen Wasser auf die Lippen, es sei denn, daß auch ihr für die englische Verbrecherpolitik sterben wollt!&#8220;</em></p>
<p>Direkt an die Menschen, die unter der &#8222;englischen Verbrecher­politik&#8220; in Großbritannien leben, richten sich einige andere deutsche Schwarzsender. Eine dieser Stationen ist die <strong>New British Broadcasting Station (NBBS)</strong>, die ihre Sendungen am 25. Februar 1940 beginnt und bis in die letzten Kriegstage hinein sendet. Über diesen Sender spricht auch der bald in England berühmte &#8222;Lord Haw-Haw&#8220; William Joyce. In einem britischen Abhörbericht vom 31. August 1942 heißt es über NBBS:</p>
<p>&#8222;Der Sender hat viele Sensationsmeldungen gebracht, unter anderem die angebliche Enthüllung eines Berichtes von General Ironside über die Schwierigkeiten, eine deutsche Landung abzuwehren; einen Bericht über den Verlauf einer Geheimsitzung der britischen Regierung, auf der angeblich die Aktivitäten des Senders behandelt worden waren; Enthül­lungen über deutsche Invasionspläne; Anweisungen für die erste Hilfe (wobei in sehr drastischer Weise die Verlet­zungen dargestellt wurden, die als Folge deutscher Luftan­griffe eintreten konnten) und verschlüsselte Botschaften für angebliche Anhänger der Deutschen in diesem Land&#8230; Die allgemeine Tendenz des Senders ist faschistisch.&#8220;</p>
<p>Einige Zeit nach der Inbetriebnahme der NBBS beginnen weitere Stationen ihre Arbeit: Der Sender <strong>Caledonia</strong> wird angeblich von schottischen Nationalisten betrieben und strahlt seine auf Schottland zugeschnittenen Programme ab dem 27. Juni 1942 täglich eine halbe Stunde lang ab. Ihm folgt am 7. Juli <strong>Worker&#8217;s Challenge</strong>, das angeblich von linken Revolutionären betrieben wird. Seine Programme enthalten &#8222;Sozialrevolutionäre Arbeiter- ­und antikapitalistische Zersetzungspropaganda&#8220;, die sich an radi­kale Schichten der britischen Arbeiterschaft richtet und ver­sucht, Unruhe und Unfrieden zu stiften. Schließlich gibt es noch den Sender <strong>Christian Peace Movement</strong> (Christliche Friedensbewe­gung), der seine Programme am 15. August 1940 beginnt und knapp zwei Jahre lang sendet. Über die Sendungen weiß der britische Abhördienst zu berichten:</p>
<p>&#8222;Die Sendungen erfolgten oft in der Form einer religiösen Feier. Sie begannen mit einem Choral und brachten Bibel­lesungen, Gebete und eine lange, umständliche und unlogische Predigt des Sprechers. Er ging dabei auf die Schrecken der gegen die Zivilbevölkerung geführten Bombenangriffe ein und appellierte, indem er sich auf die Bibelstelle &#8218;Selig sind die Friedfertigen&#8216; berief, an alle wahren Christen, sie sollten sich weigern, die Kriegsanstrengungen in irgendeiner Weise zu unterstützen, um so die Regierung zum Friedens­schluß zu zwingen.&#8220;</p>
<p>Mit ihren englischsprachigen Schwarzsendern haben die Deutschen erheblich größere Schwierigkeiten als mit den nach Frankreich gerichteten Stationen. Zum einen fehlt das geeignete Personal und zum anderen verfügt man nicht über das Nachrichtenmaterial, das Grundlage für provozierende Aufrufe hätte bilden können.</p>
<p>Einige Zeit lang gibt es auch einen deutschen Schwarzsender für die besetzten Niederlande. Die Sendungen von <strong>Der Nußknacker</strong> werden aber schon nach sehr kurzer Zeit wieder eingestellt, da ihn der Sender der niederländischen Exil-Regierung, Radio Oranje, als Nazi-Sender entlarvt und es wenig wahrscheinlich ist, daß unter der starken Kontrolle der deutschen Besatzer ein Unter­grundsender existieren könnte.</p>
<p>Auch in Richtung Sowjetunion wird aus Berlin schwarz gefunkt. Der Sender <strong>Alte Garde Lenins</strong> bringt &#8222;gegen Stalin gerichtete leni­nistische Zersetzungspropagand&#8220;a (Die in diesem Abschnittangeführten Charakterisierungen der Stationen entstammen Dokumenten der Reichsrundfunkgesellschaft, RRG) und beginnt seine Sendungen am 29. Juni 1941. Seine tägliche Sendezeit beträgt eine Stunde. Seit dem 30. Juni 1941 strahlt der Sender <strong>Für Rußland</strong> seine &#8222;gegen den Bolschewismus gerichtete nationale, großrussische Zersetzungs­propaganda&#8220; ab, und das 40 Minuten am Tag. Schließlich gibt es auch den <strong>Agentensender</strong>, der Mitteilungen an angebliche oder wirkliche Agenten ausstrahlt.</p>
<p>In den arabischen Raum strahlt ebenfalls ein Schwarzsender: Die <strong>Stimme des Freien Arabiens</strong> verbreitet eine hauptsächlich auf Ägypten abgestellte, &#8222;anti-britische und den pan-arabischen Gedanken betonende Freiheitspropaganda&#8220; und strahlt diese ab dem 9. Mai 1941 täglich 30 Minuten ab.</p>
<p>Nach Indien funkt der <strong>Sender Freies Indien</strong>. Er gibt sich als die &#8222;Stimme der Befreiungsbewegung Subhas Chandra Boses&#8220; aus. Seine Sendungen sind gegen den &#8222;anglo-amerikanischen Imperialismus&#8220; gerichtet und verlangen die Befreiung Indiens.</p>
<p>Im eigentlichen Sinne ist der <strong>Sender der Freien Amerikaner</strong> kein Geheimsender. Er ist das angebliche Organ einer in Europa lebenden Gruppe von Amerikanern, die gegen die &#8222;Katastrophen­politik Roosevelts&#8220; eingestellt sind. Daß der Sender in den USA gehört wird, ergibt sich nach Ansicht des Berliner Concordia-Büros aus der Tatsache, daß ihn die amerikanische Presse als Nazi-Sender zu entlarven versucht.</p>
<p>Gegen Ende des Krieges richtet Goebbels seine Propaganda weniger an die feindliche Zivilbevölkerung. Wichtigste Zielgruppe der deutschen schwarzen Rundfunkpropaganda sind jetzt die alliierten Armeen. So senden die fahrbaren Sender <strong>Arnheim</strong>, <strong>Berta</strong>, <strong>Gustav</strong> und wie sie alle heißen mit je 20 kW gegen die anrückenden Briten und Amerikaner. Mehr als kleine punktuelle Erfolge können diese Sender aber nicht für sich verbuchen.</p>
<h1>Die letzte Schlacht des Dr. Goebbels</h1>
<h2>Der Sender Werwolf</h2>
<p><em>&#8222;Wir sind die Stimme der deutschen Freiheitskämpfer! Sie hören uns jeden Abend ab 19.00 Uhr mit wichtigen Nachrichten auf der Welle 1339 Meter, 224 kHz!&#8220;</em></p>
<p>Am 1. April 1945, es ist Ostersonn tag, meldet sich zum ersten Mal über den Rundfunk eine Bewegung zu Wort, die sich Werwolf nennt und sich einem Motto verschrieben hat, das im &#8222;Völkischen Beobachter&#8220; so zitiert wird: &#8222;Haß ist unser Gebet und Rache unser Feldgeschrei!&#8220; Auf der alten Welle des abgeschalteten Deutsch­landsenders ruft ein &#8222;erfahrener Werwolf&#8220; dazu auf, schnell zu handeln:</p>
<p><em>&#8222;Errichtet Sperren und Fallen auf den Straßen, entfernt die Ortstafeln, beseitigt oder vertauscht die Wegweiser &#8230; Telefon- und Telegraphenleitungen sind für uns gebaut, nicht für den Feind. Zerstört sie! &#8230; Die Waffe in der Hand des Feindes bedeutet Tod für unser Volk. In eurer Hand sichert sie die Freiheit des Volkes! &#8230; Die materielle Überlegenheit unseres Feindes ist nur seine Brust, im Rücken ist er leicht zu verwunden. an die Arbeit, Werwölfe! &#8230; Wir Werwölfe geben alles für unser Volk! Und wenn wir nichts mehr zu geben haben als unser Leben, so sterben wir eben für das Volk! Wichtig ist nur, daß unser Volk rein und groß und untadelig aus diesen dunklen Zeiten hervorgeht! &#8230; Der Kampf der Werwölfe erobert ein Volk in Freiheit!&#8220;</em></p>
<p>Goebbels gibt auch in den letzten Kriegstagen nicht auf. Mit dem Sender Werwolf, der &#8222;Stimme der deutschen Freiheitsbewegung&#8220;, der sich einzelner Bluttaten rühmt, die der &#8222;freie deutsche Werwolf&#8220; begangen haben soll, startet er zum letzten Mal einen aussichts­losen Versuch, dem verlorenen Krieg noch eine andere Wendung zu geben. Der Dichter Thomas Mann kommentiert den Sender Werwolf in einer seiner Ansprachen über die Londoner BBC so:</p>
<p><em>&#8222;Das Volk soll Amok laufen für sie! Der Werwolf soll die deutsche, die Nazi-Freiheitsbewegung heißen &#8211; eine geübte Gaunerpsychologie spekuliert mit dem Namen auf Instinkte der Volksseele, die sie von jeher frech und kalt ausgebeutet hat: den Sinn für das Urtümliche, das Vor-Vernünftige und Vor-Christliche , Sagen- und Märchendunkle.&#8220;</em></p>
<h1>Hilferufe aus der Hölle</h1>
<h2>Illegale Sender im KZ</h2>
<p>8. April 1945. Nervös sitzen Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald an einem illegalen Sender und tasten einen Funkspruch in deutscher, englischer und russischer Sprache:</p>
<p><em>&#8222;An die Alliierten! An die Armee des Generals Patton! Hier Konzentrationslager Buchenwald! S.O.S.! Wir bitten um Hilfe! Man will uns evakuieren! Die SS will uns vernichten&#8220;</em></p>
<p>Schon seit 1940 bauten die Häftlinge an verschiedenen Sendern und strahlten auch einige Testsendungen aus. Wie man sich vorstellen kann, ist der Bau und die Installierung eines Senders in einem Konzentrationslager mit gewaltigen Schwie­rigkeiten verbunden. Beispielsweise mußten die Häftlinge ja die Bauteile des Senders beschaffen oder eine Antenne errichten und gut verstecken. Doch die Häftlinge schafften es, drei Sender zu bauen.</p>
<h2>Der erste illegale Sender</h2>
<p>Im Herbst 1939 häuft die SS Hunderte von Radios aus der sogenannten &#8222;Judenaktion&#8220; in Buchenwald an. Durch unsachgemäßen Transport und falsche Lagerung sind viele dieser Geräte so defekt, daß sie &#8222;ohne Abgleich mit einem Meßgenerator nicht repariert werden können&#8220; (Häftlingselektriker Reinhold Lochmann). Andererseits aber drängt die SS auf die schnelle Instandsetzung der beschlagnahmten teuren Apparate.</p>
<p>Die Aussicht auf persönliche Bereicherung und auf Gunstbezeu­gungen gegenüber Vorgesetzten führt bald zu einer offiziellen Genehmigung, die den Selbstbau eines solchen Meßgenerators in der Elektrikerwerkstatt legalisiert. Allerdings vermeiden die Häft­lingselektriker bewußt die Bezeichnung &#8222;Meßsender&#8220;. Der Begriff &#8222;Meßgenerator&#8220; wirkt bei der fachlichen Ignoranz der SS-Aufseher weniger verfänglich.</p>
<p>Der fertige Meßgenerator ist verwendbar als<br />
&#8211; Meßmittel zum Abgleich für KW, MW und LW<br />
&#8211; NF-Verstärker<br />
&#8211; Netzgerät<br />
&#8211; Empfänger<br />
und eben auch als<br />
&#8211; Sender im KW-, MW- und LW-Bereich</p>
<p>Bei der Vorbereitung und Durchführung der ersten Abstrahlungsversuche handeln die Häftlinge zunächst aus eigener Initiative. Ihre Einschätzungen bringen dies eindeutig zum Ausdruck:</p>
<p>Herbert Morgenstern: &#8222;Mit dem Wunsch nach einem Meßsender kam bei unseren Genossen die Idee auf, ein solches Gerät zugleich in bestimmten Situationen als KW-Sender zu benutzen. &#8220;</p>
<p>Armin Walther: &#8222;Nach Fertigstellung des Meßgenerators waren wir an seiner Leistungsfähigkeit interessiert. Wir wollten sehen, was in dem Gerät drinsteckt. &#8220;</p>
<p>Die erste Testsendung wird Anfang 1940 über eine Entfernung von etwa zwei Kilometern zwischen der Elektrowerkstatt und einer SS-Kaserne durchgeführt. Die HF-Energie strahlen die Elektriker unmoduliert über die Radioantenne der E-Werkstatt ab. Vorher erfolgt eine Verabredung über Uhrzeit und etwaige Lage im Kurzwellenbereich. Als Kontrollgerät auf der Empfangsseite in der SS-Kaserne benutzen die Elektriker ein SS-eigenes Rundfunkgerät vom Typ Körting &#8222;Supra-Selector.</p>
<p>Über das Ergebnis der Testsendung sagt der Techniker Reinhold Lochmann: &#8222;Die Hochfrequenzenergie war so stark wie bei einem starken KW-Sender. Dies war sichtbar am Ausschlag der Abstimm­anzeigeröhre am &#8218;Supra-Selector &#8218;. Daraus ist zu schließen, daß die ausgestrahlte Energie genügte, um eine größere Entfernung von 20 bis 30 km zu überbrücken.&#8220;</p>
<p>Die zweite Testsendung im Frühjahr oder Sommer 1940 enthält erstmals einen gesprochenen Text. Unter Benutzung eines getarnten Mikrofonanschlusses am Meßgenerator senden die Elektriker die Zahlenkladde von 1 bis 10 und einen völlig unverdächtigen Sprachtext aus wenigen Sätzen. Unter dem Vorwand einer periodisch anstehenden Überprüfung der Empfangsanlage einschließlich des Rundfunkgerätes in der Wohnung des SS-Kommandoleiters in der SS-Siedlung Klein-Obringen findet im Sommer oder Herbst 1940 die dritte Testsendung statt. Die Entfernung vom Sender zum Empfänger beträgt 7,5 km.</p>
<p>In der Baracke schließen die Elektriker Helmuth Wagner und Herbert Morgenstern die Musikwiedergabe einer Schallplatte an den Modulationseingang des Meßgenerators an &#8211; und auf der Gegenseite hört die Reparaturkolonne der Häftlings-Elektriker zur verein­barten Zeit in der Wohnung des SS-Kommandoleiters die bewußte Schallplattenmusik. Auch hier soll es noch gute Resultate gegeben haben .</p>
<p>Dieser erste illegale Kurzwellensender wird noch durch die Elektriker betrieben. Aber mit der Schaffung einer illegalen Militärorganisation im KZ Buchenwald müssen auch Nachrichten­mittel geschaffen werden, die nur dieser Militärführung zur Verfügung stehen. So wird der zweite Sender geschaffen.</p>
<h2>Der zweite illegale Sender</h2>
<p>Der zweite illegale Kurzwellensender wird ab dem Herbst 1943 gebaut und auf die Welle der englischen kämpfenden Bodentruppen, 36,8 Meter, abgestimmt. Testsendungen werden mit diesem Sender anscheinend jedoch nicht ausgestrahlt.</p>
<h2>Der dritte illegale Sender</h2>
<p>Im Herbst 1944 steht die Rote Armee an der Weichsel, die westlichen Alliierten erreichen den Rhein. Vor dem endgültigen Zusammenbruch sollen nach den Plänen der SS noch Zehntausende der in den KZs eingepferchten Häftlinge den Tod im Massengrab finden.</p>
<p>Im Spätherbst beschließt die illegale Parteileitung der KPD im KZ Buchenwald, einen dritten Sender zu bauen. Angesichts der Lage an den Fronten muß der zu errichtende Sender in erster Linie dazu dienen, eine Verbindung mit den zum letzten Schlag rüstenden alliierten Armeen herzustellen. Um dies gewährleisten zu können, müssen Tarnung und Betriebssicherheit den Einsatz des Gerätes zu jeder Zeit garantieren, darf der Sender weder von den Wächtern noch von den 30.000 Häftlingen entdeckt werden, die Sendeanlage muß ausreichende Leistung und stabile Frequenzkonstanz sichern, damit die Armeefunker der Alliierten den Funkspruch in aus­reichender Zeichenqualität aufnehmen können. Schließlich muß verhindert werden, daß die Technikergruppe durch irgendwelche Maßnahmen der SS auseinandergerissen wird oder an Orten außerhalb des Lagers zum Einsatz kommt.</p>
<p>Der Sender wird in den Zwischenwänden einer Kinokabine im KZ untergebracht. Was für eine Leistung, diese Arbeit unter der ständigen Beobachtung durch die SS unbemerkt durchzuführen!</p>
<p>Am 8. April 1945 soll das gesamte Lager nach dem Willen des SS-Obergruppenführers Pister ins Unbekannte evakuiert werden. Die Häftlinge verweigern den Befehl zum Aufmarsch. Die seit Tagen durch das illegale Internationale Lagerkomitee (ILK) bewußt betriebene Desorganisation des Befehlsapparates der SS-Lager­leitung verstärkt sich und erschwert es den SS-Führern, die Evakuierung nach den geplanten Terminen und Größenordnungen durchzusetzen. Die amerikanischen Panzer stehen nur noch zwei Tages-Gefechtsmärsche von Buchenwald entfernt.</p>
<p>In dieser Situation erteilen die Parteileitung der KPD und der Leiter des ILK den Befehl, mit dem Sender einen Funkspruch abzusetzen und eine Verbindung mit den Alliierten herzustellen. Der Befehl wird überbracht und der Sender in höchstens einer Stunde betriebsbereit gemacht.</p>
<p>Etwa zwischen 9 und 10 Uhr beginnt dann die Sendung, deren Text wir bereits oben zitiert haben.<br />
Doch nach dem ersten Anruf erhalten die Funker keine Antwort einer Gegenstelle.<br />
15 Minuten später wird die Sendung wiederholt. 25 Mal (gegenüber 7 Mal in der ersten Sendung) wird das Rufzeichen KL-BU (Konzentrationslager Buchenwald) getastet. Und zwei bis drei Minuten nach dieser Sendung kommt Antwort:</p>
<p><em>&#8222;KL-BU! Ausdauern! Wir kommen zu Hilfe! Kommando (oder Oberkommando) der III. Armee!&#8220;</em></p>
<p>Aber die Amerikaner kommen nicht. 40 bis 45 km entfernt von Buchenwald bleiben sie bei Gotha stehen, obwohl ihnen kein Feind gegenüber steht. Warum kommen sie nicht, um die vom Tode bedrohten Franzosen, Belgier, Sowjets, Italiener, Tschechen, Polen und Deutschen zu befreien? Ist dieser Satz aus den Memoiren des General Patton ein Hinweis darauf: &#8222;Meine einzige Aufgabe bestand darin, zu verhindern, daß sich Deutschland dem Bolschewismus in die Arme warf&#8220; ?</p>
<p>Die Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald befreien sich selbst.</p>
<h1>Links</h1>
<h3>Freiheitssender</h3>
<p>Deutsches Rundfunk-Archiv: <a href="http://www.dra.de/online/dokument/2000/dezember.html" target="_blank" rel="noopener">Stimme des republikanischen Spaniens</a></p>
<p>Verlag Rainer Pinkau: <a href="http://www.geheimsender.de/archiv.htm" target="_blank" rel="noopener">Die Geschichte der Geheimsender</a></p>
<p>Deutsches Rundfunk-Archiv: <a href="http://www.dra.de/online/hinweisdienste/wort/2001/april28.html" target="_blank" rel="noopener">Walther von Seydlitz beim Sender Freies Deutschland</a></p>
<p>Sozialistische Jugend &#8211; Stamokap: <a href="http://www.stamokap.org/pieck45.html" target="_blank" rel="noopener">Wilhelm Pieck beim Sender Freies Deutschland</a></p>
<h3>Sender der Alliierten gegen Hitler-Deutschland</h3>
<p>Wikipedia: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Radio_Moskau" target="_blank" rel="noopener">Radio Moskau / Stimme Rußlands</a></p>
<p>Moskauer Deutsche Zeitung: <a href="http://62.5.183.114/Geschichte/2006/05/04/15.02.13.htm" target="_blank" rel="noopener">Verbotene Nachrichten aus dem Volksempfänger</a></p>
<p>BBC: <a href="http://www.bbc.co.uk/heritage/story/ww2/index.shtml" target="_blank" rel="noopener">The BBC at War</a></p>
<p>Deutsches Rundfunk-Archiv: <a href="http://www.dra.de/publikationen/cds/stimmen/cd14.html" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Hier ist England&#8220; (Erste deutschsprachige Sendung)</a></p>
<p>Deutsches Rundfunk-Archiv: <a href="http://www.dra.de/online/hinweisdienste/wort/2000/juli14.html" target="_blank" rel="noopener">Annemarie Hase als Frau Wernicke bei BBC London</a></p>
<p>Wikipedia: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Soldatensender_Calais" target="_blank" rel="noopener">Soldatensender Calais</a></p>
<p>infoBitte: <a href="http://www.infobitte.de/free/lex/ww2_Lex0/s/soldatensenderCalais.htm" target="_blank" rel="noopener">Soldatensender Calais</a></p>
<p>netzwelt.de: <a href="http://www.netzwelt.de/lexikon/Soldatensender_Calais.html" target="_blank" rel="noopener">Soldatensender Calais</a></p>
<p>Seftondelmer.co.uk: <a href="http://www.seftondelmer.co.uk/22.htm" target="_blank" rel="noopener">Soldatensender Calais</a></p>
<p>Wikipedia: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sefton_Delmer" target="_blank" rel="noopener">Sefton Delmer</a></p>
<h3>Nazi-Rundfunk</h3>
<p>Wikipedia: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_H%C3%B6rfunks#Der_Rundfunk_im_Dritten_Reich" target="_blank" rel="noopener">Der Rundfunk im Dritten Reich</a></p>
<p>Wikipedia: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fdeutscher_Rundfunk" target="_blank" rel="noopener">Großdeutscher Rundfunk</a></p>
<p>WDR: <a href="http://www.wdr.de/themen/kultur/rundfunk/oeffentl_rechtl_rundfunk/drittes_reich/index_teil_1.jhtml?rubrikenstyle=oeffentl_rechtl_rundfunk" target="_blank" rel="noopener">Hörfunk und Fernsehen in der Nazi-Zeit</a></p>
<p>Bayerischer Rundfunk: <a href="http://www.br-online.de/wissen-bildung/collegeradio/medien/geschichte/goebbels/manuskript/" target="_blank" rel="noopener">Unterhaltung bis zum bitteren Ende. Joseph Goebbels und das Radio</a></p>
<p>Shoa.de: <a href="http://www.shoa.de/content/view/153/41/" target="_blank" rel="noopener">Die Gleichschaltung der Medien im Dritten Reich</a></p>
<p>Deutsches Rundfunk-Archiv: <a href="http://www.dra.de/online/dokument/2002/juli.html" target="_blank" rel="noopener">Neue Schallfolie vom sogenannten &#8222;Volkssender&#8220;</a></p>
<p>Deutsches Rundfunk-Archiv: <a href="http://www.dra.de/online/dokument/1998/september.html" target="_blank" rel="noopener">Einzige Rundfunkreportage aus einem Konzentrationslager</a></p>
<p>Deutsches Rundfunk-Archiv: <a href="http://www.dra.de/online/dokument/2001/maerz.html" target="_blank" rel="noopener">Einzige Tonaufnahme des deutschen Geheimsenders Radio Humanité</a></p>
<p>Rundfunk und Geschichte 27: <a href="https://rundfunkundgeschichte.de/assets/RuG_2001_1-2.pdf#%5B%7B%22num%22%3A215%2C%22gen%22%3A0%7D%2C%7B%22name%22%3A%22FitH%22%7D%2C541%5D" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Radio Humanité, der Sender der revolutionären Arbeiterbewegung&#8220;</a></p>
<p>Michael Hensle: <a href="http://opus.kobv.de/tuberlin/volltexte/2005/1074/" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Rundfunkverbrechen&#8220; vor nationalsozialistischen Sondergerichten</a></p>
<h3>O-Töne</h3>
<p>SWR: <a href="http://www.swr.de/swr2/zeitenwende/galerie/moments/1930-1939.html" target="_blank" rel="noopener">Moments of History (1930-1939)</a></p>
<p>SWR: <a href="http://www.swr.de/swr2/zeitenwende/galerie/moments/1940-1949.html" target="_blank" rel="noopener">Moments of History (1940-1949)</a></p>
<p><a href="http://www.dhm.de/lemo/suche/audios.html" target="_blank" rel="noopener">Deutsches Historisches Museum:</a> <a href="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1989/07/www.dhm.de_lemo_objekte_sound_lilimarleen_index.ram" target="_blank" rel="noopener">Lale Andersen singt Lili Marleen (1939)</a></p>
<p><a href="http://www.dhm.de/lemo/suche/audios.html" target="_blank" rel="noopener">Deutsches Historisches Museum:</a> <a href="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1989/07/www.dhm.de_lemo_objekte_sound_bbc1_index.ram" target="_blank" rel="noopener">Lili Marleen bei der BBC London</a></p>
<p><a href="http://www.dhm.de/lemo/suche/audios.html" target="_blank" rel="noopener">Deutsches Historisches Museum:</a> <a href="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1989/07/www.dhm.de_lemo_objekte_sound_greene_index.ram">Hugh Carlton Greene bei BBC London (1941)</a></p>
<p><a href="http://www.dhm.de/lemo/suche/audios.html" target="_blank" rel="noopener">Deutsches Historisches Museum:</a> <a href="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1989/07/www.dhm.de_lemo_objekte_sound_mann_index.ram">Thomas Mann bei BBC London (1941)</a></p>
<p><a href="http://www.dhm.de/lemo/suche/audios.html" target="_blank" rel="noopener">Deutsches Historisches Museum:</a> <a href="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1989/07/www.dhm.de_lemo_objekte_sound_goring_index.ram" target="_blank" rel="noopener">Marius Goring bei BBC London über die Vernichtung der Juden (1942)</a></p>
<p><a href="http://www.dhm.de/lemo/suche/audios.html" target="_blank" rel="noopener">Deutsches Historisches Museum:</a> <a href="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1989/07/www.dhm.de_lemo_objekte_sound_voa_index.ram" target="_blank" rel="noopener">Nachrichten der Stimme Amerikas</a></p>
<p><a href="http://www.dhm.de/lemo/suche/audios.html" target="_blank" rel="noopener">Deutsches Historisches Museum:</a> <a href="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1989/07/www.dhm.de_lemo_objekte_sound_lasker_index.ram">Anita Lasker bei BBC London über Auschwitz und Bergen-Belsen (1945)</a></p>
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