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	<title>Seesender &#8211; André Scheer</title>
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		<title>Piraten in der Nordsee</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Aug 2019 12:56:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
		<category><![CDATA[Nordsee]]></category>
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		<category><![CDATA[Piratensender]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der August 1989 war heiß. Nicht nur, weil die Temperaturen bei 30 Grad lagen, sondern vor allem aufgrund der politischen Großwetterlage. Am 19. August 1989 beauftragte Polens Präsident Wojciech Jaruzelski den oppositionellen Aktivisten Tadeusz Mazowiecki mit der Regierungsbildung. Ebenfalls am 19. August 1989 führte eine Provokation an der österreichisch-ungarischen Grenze zur »Massenflucht« von mehreren hundert DDR-Bürgern durch die vorübergehend geöffneten Sperranlagen.<span id="more-4395"></span></p>
<p>Ein anderes Ereignis dieser Tage ging in der deutschsprachigen Presse unter. In den Mittagsstunden des 19. August 1989 enterten niederländische Beamte in Begleitung britischer Kollegen in internationalen Gewässern die unter der Flagge Panamas fahrende »Ross Revenge«, von der aus Rundfunkprogramme in englischer und niederländischer Sprache gesendet wurden. Gegen Mittag vernahmen die Hörer auf Mittelwelle 558 kHz den Hilferuf der Crew: »Hier ist <em>Radio Caroline</em>, das in internationalen Gewässern der Nordsee ankernde Radioschiff Ross Revenge. Dieses panamaisches Schiff wird gerade illegal durch die niederländische und britische Regierung geentert. Sie sind bereits an Bord, es wurde Gewalt gegen Crewmitglieder angewandt.«</p>
<p>Rund 40 bewaffnete Polizisten und weitere Beamte aus den Niederlanden hatten das Schiff gekapert, während die britische Handelsbehörde DTI die Geschehnisse von einem weiteren Boot aus beobachtete. Als ein Bordingenieur versuchte, die Eindringlinge aufzuhalten, wurde ihm ins Gesicht geschlagen. Da­raufhin schlossen sich einige der jungen Moderatoren in den Studios ein, um das Programm möglichst lange aufrechtzuerhalten und die Hörer über die Ereignisse zu informieren. Erst nach rund einer Stunde gelang es den Beamten, den Sender zum Schweigen zu bringen. Was nicht abtransportiert werden konnte, wurde zerstört, vor allem die Sendeanlagen. Erst nachträglich legalisierte die britische Regierung den Akt der Piraterie. 1990 wurde im Unterhaus eine Gesetzesänderung verabschiedet, die das Kapern eines Schiffes auch in internationalen Gewässern erlaubte, wenn der Verdacht bestehe, dass sich an Bord Sendeanlagen befinden. Sie ist bis heute in Kraft.</p>
<p>Die Geschichte von <em>Radio Caroline</em> reicht zurück bis Mitte der 60er Jahre. In dieser Zeit hatte in Großbritannien die <em>BBC</em> das Rundfunkmonopol – Rockmusik fand in deren Programmen kaum statt. Junge Hörer schalteten oft um auf <em>Radio Luxemburg</em>, das auch aktuelle englischsprachige Hits spielte. Doch dieser Sender hatte sich an die großen internationalen Plattenlabels verkauft, neue und unabhängige Interpreten fanden dort keinen Platz. Deshalb entschied der Musikproduzent Ronan O’Rahilly, für die Bands seines Labels eine eigene Rundfunkstation zu starten. Seine Vorbilder waren <em>Radio Mercur</em> in Dänemark und <em>Radio Veronica</em> in den Niederlanden. Beide hatten schon Ende der 50er Jahre begonnen, von Schiffen aus zu senden, die in internationalen Gewässern ankerten und damit dem Zugriff der Landesbehörden entzogen waren. O’Rahilly erwarb eine alte dänische Fähre, die »Fredericia«, und Ostern 1964 ging <em>Radio Caroline</em> auf Sendung.</p>
<p><em>Radio Caroline</em> war der erste einer ganzen Reihe von Sendern, die in dieser Zeit von der Nordsee aus Großbritannien beschallten – und der langlebigste. Denn die »goldene Zeit« der Seesender endete 1967, als das britische Parlament per Gesetz jede Unterstützung der »Piraten« untersagte. Damit konnten Unternehmen von der Insel keine Werbung mehr schalten, den Sendern brach ihre wichtigste Einnahmequelle weg. Am 14. August 1967 stellten die Piratensender ihre Programme ein, nur eine Station nicht: Am 15. August um Mitternacht spielte <em>Radio Caroline</em> den Protestsong »We Shall Overcome« – und sendete weiter. Auch der Überfall im August 1989 bedeutete nicht das Ende: Die Mannschaft blieb auf dem zertrümmerten Schiff, und dank der Solidarität einer treuen Hörerschar konnte neue Technik beschafft werden. Am 1. Oktober 1989 war <em>Caroline</em> wieder on air. Aber die Zeit der Piratensender auf hoher See ging zu Ende. Als die »Ross Revenge« 1991 in einem Sturm ihren Anker verlor und auf eine Sandbank trieb, war der Piratensender tot.</p>
<p>Doch Totgesagte leben länger. <em>Caroline</em> ist auch heute noch zu hören, aber inzwischen als legale kommerzielle Radiostation. Neben drei Programmen im Internet ist man seit Ende 2017 auch wieder auf Mittelwelle zu empfangen: Nach mehr als einem halben Jahrhundert erhielt <em>Caroline</em> eine Lizenz der britischen Behörden für die Frequenz 648 kHz über den Sender Orfordness im Südosten Englands.</p>
<p>Erschienen am 15. August 2019 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/360854.radio-caroline-piraten-in-der-nordsee.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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		<title>Ein Fischkutter gegen Hitler</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/ein-fischkutter-gegen-hitler/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Aug 2013 10:30:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
		<category><![CDATA[Antifaschisten]]></category>
		<category><![CDATA[Ärmelkanal]]></category>
		<category><![CDATA[Carl Spiecker]]></category>
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		<category><![CDATA[Sender der Deutschen Freiheitspartei]]></category>
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					<description><![CDATA[In den 60er Jahren waren Piratensender populär, die von Schiffen in den internationalen Gewässern der Nordsee Popmusik vor allem nach[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In den 60er Jahren waren Piratensender populär, die von Schiffen in den internationalen Gewässern der Nordsee Popmusik vor allem nach Großbritannien und in die Niederlande ausstrahlten. An einen Vorläufer dieser »Seesender« erinnert sich kaum noch jemand, obwohl sich sein Sendestart 2013 zum 75. Mal jährte: Im Januar 1938 hatte von einem Fischkutter im Ärmelkanal aus der »Sender der Deutschen Freiheitspartei« seinen Betrieb aufgenommen. Er war neben dem ein Jahr zuvor von Spanien aus gestarteten Deutschen Freiheitssender 29,8 der KPD eine der ersten Radiostationen, die von deutschen Antifaschisten gegen Hitlerdeutschland betrieben wurden.</p>
<p><span id="more-237"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Initiator der hinter dem Seesender stehenden »Deutschen Freiheitspartei« war Carl Spiecker, ein konservativer Zentrumspolitiker. Ab 1928 war er Vorstandsmitglied des SPD-dominierten »Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold« und wurde von dem 1930 bis 1932 amtierenden Reichskanzler Heinrich Brüning zeitweilig zu einem »Sonderbeauftragten für die Bekämpfung des Nationalsozialismus« gemacht. 1933 entließen ihn die Nazis wegen »politischer Unzuverlässigkeit« aus dem Staatsdienst, woraufhin er sich ins Ausland absetzte.</p>
<p>Aktivitäten gegen die Nazis in den ersten Jahren der Diktatur sind von Spiecker nicht überliefert. Erst als immer offensichtlicher wurde, daß die deutschen Faschisten den Krieg vorbereiteten, rief er zusammen mit dem früheren parteilosen Finanzminister Preußens Otto Klepper die »Deutsche Freiheitspartei« ins Leben. Diese habe allerdings praktisch nur auf dem Papier bestanden, der Name habe lediglich der Propaganda gegen das Naziregime gedient, erinnerte sich nach der Befreiung der Sozialdemokrat Ernst Langendorf, früher Mitarbeiter der SPD-Zeitung Hamburger Echo. Ab Mitte Januar 1938 war er der einzige Sprecher des Seesenders, der – je nach Wetterlage – um 19.30 Uhr und 22 Uhr halbstündige Programme ausstrahlte.</p>
<p>Eigentlich war Jakob Altmaier, ein weiterer sozialdemokratischer Journalist, als Moderator vorgesehen, doch schon wenige Tage nach dem Sendestart gab er auf. »Die Arbeits- und Lebensbedingungen auf diesem schmutzigen und primitiven, kohlegetriebenen Schiff waren während der Januarstürme einfach zuviel für ihn«, erinnerte sich Langendorf 1976 gegenüber dem Deutschen Rundfunkarchiv. Die Rede war von der 1913 gebauten »Faithful Friend«, einem Fischkutter. An Bord waren neben dem Sprecher und einem Techniker des sozialdemokratisch geprägten niederländischen Rundfunks VARA sechs Besatzungsmitglieder: Kapitän, ein Koch sowie Matrosen und Heizer.</p>
<p>Ob in Deutschland jemand außer der Gestapo den Sender gehört hat, ist zweifelhaft. Zumal er auf Kurzwelle ausstrahle – den millionenfach produzierten »Volksempfänger« hatten die Nazis aber auf die Mittelwelle beschränkt. Damit waren bei guten Bedingungen vielleicht die BBC aus London oder Radio Moskau zu empfangen – nicht aber die Station aus dem Ärmelkanal oder der Freiheitssender aus Spanien. Das Abhören ausländischer Sender wurde zwar erst mit Kriegsbeginn 1939 verboten, doch schon 1933 war der Empfang von Radio Moskau Grund genug für Urteile wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« gewesen.</p>
<p>Nur drei Monate nach seinem Start verschwand der Sender Mitte April 1938 aus dem Äther. Offenbar war von Paris Druck auf Spiecker ausgeübt worden, woraufhin die »Faithful Friend« einen niederländischen Hafen anlief. Langendorf wurde für einige Stunden in Haft genommen, der Kutter nach England zurückgeschickt. Ursprünglich wollte Spiecker mit einem neuen Schiff, einer Motorjacht, zurückkehren, doch bei einer Probefahrt geriet das neue Schiff in Brand und wurde zerstört. Das war das Ende des ersten und bis heute einzigen deutschen Seesenders.</p>
<p>Erschienen am 22. August 2013 in der <a href="http://www.jungewelt.de/2013/08-22/006.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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