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		<title>»An alle!«</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2023 23:09:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Serie: Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland]]></category>
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					<description><![CDATA[Serie: Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland. Teil 1: Vom ersten Funker zum »Funkerspuk« Aus einem Bürogebäude[...]]]></description>
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<div class="teaser lead"><strong>Serie: Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland. Teil 1: Vom ersten Funker zum »Funkerspuk«</strong></div>
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<p>Aus einem Bürogebäude am Potsdamer Platz meldete sich am 29. Oktober 1923 die »Sendestelle Berlin«. Schauplatz war der Firmensitz der »Vox-Schallplatten- und Sprechmaschinen-AG« und deren Tochtergesellschaft »Funk-Stunde AG«. Hinter beiden Unternehmen stand wiederum die »Hauptgesellschaft für Industrien«, deren Hauptfinanzier August Stauch sein Vermögen durch die Ausbeutung von Diamantvorkommen in der deutschen Kolonie Südwestafrika, dem heutigen Namibia, machte.</p>
<p>In dem 1971 abgerissenen »Vox-Haus« war es Friedrich Georg Knöpfke, der als Direktor der »Funk-Stunde AG« pünktlich um 20 Uhr abends den Start des regelmäßigen Radioprogramms verkündete: »Meine Damen und Herren, wir machen Ihnen davon Mitteilung, dass am heutigen Tage der Unterhaltungsrundfunkdienst mit Verbreitung von Musikvorführungen auf drahtlos telefonischem Wege beginnt. Die Benutzung ist genehmigungspflichtig.« Es folgte ein einstündiges, live in dem kleinen Studio aufgeführtes Konzert mit kurzen Stücken unter anderem von Mozart, Beethoven und Schumann. Als Abschluss der Sendung vermerkt das Protokoll »Vox-Platte: ›Deutschland, Deutschland über alles‹, gespielt vom Infanterie-Regiment III/9, Obermusikmeister Adolf Becker«.</p>
<p>Wie viele Menschen damals diese erste offizielle Rundfunksendung verfolgt haben, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Viele waren es nicht. Es gab in jenem Oktober 1923 keinen einzigen regis­trierten Hörer, der die von Knöpfke in seiner Ansage angesprochene Genehmigung besaß. In Deutschland galoppierte die Inflation, und auch wenn der Preis für die Lizenz mit 350 Millionen Reichsmark nur ein Zehntel der Kosten für einen Liter Milch betrug, hatten die meisten Menschen in dieser Zeit andere Sorgen, als sich für ein neues Medium zu interessieren, zumal auch das für den Empfang notwendige Radio kaum erschwinglich war. Im Monat des Sendestarts war die Reichswehr in Sachsen und Thüringen einmarschiert, um die dort regierenden Koalitionen aus Sozialdemokratischer und Kommunistischer Partei zu stürzen. Wenige Tage später gingen in Hamburg Hunderte Arbeiter auf die Barrikaden, um das Signal zur Revolution gegen Hunger, Elend und Kapitalismus zu geben.</p>
<h3>Politische Gefahr</h3>
<p>Es war kein Zufall, dass das regelmäßige Rundfunkprogramm gerade in dieser Zeit aufgenommen wurde. Technisch wäre dieser Schritt schon Jahre zuvor möglich gewesen, aber bis zum Herbst 1923 sei »die freie Betätigung auf dem Funkgebiet (…) in Deutschland als eine politische Gefahr betrachtet« worden, wie der für den Funk zuständige Staatssekretär Hans Bredow später feststellte.¹ »Erst 1923, nachdem die politischen Verhältnisse in Deutschland sich konsolidiert hatten, gelang es, eine Freigabe des Empfangs zu erreichen, so dass die Reichspost sich bereit erklären konnte, jedermann gegen Zahlung einer bestimmten Gebühr auf Grund des Telegraphengesetzes die Benutzung eines Empfängers zu gestatten.«²</p>
<p>Bereits ab 1911 hatte das deutsche Militär in Königs Wusterhausen bei Berlin Funkanlagen errichtet und 1916, während des Ersten Weltkriegs, als »Zentralfunkstelle des Heeres« in Betrieb genommen. Von dort wurde täglich der Heeresbericht verbreitet, während aus Nauen, 60 Kilometer Luftlinie entfernt, das Außenministerium einen Pressedienst für Zeitungen in Amerika und Asien verbreitete. Eine Nachrichtenagentur, das »Wolffsche Telegraphenbureau«, sendete Meldungen für die Presse des neutralen Auslands. Es herrschte strenge Zensur, jeder Text musste von Reichsmarineamt oder Außenministerium freigegeben werden. Mit dem Erfolg dieser psychologischen Kriegführung war man allerdings nicht zufrieden und machte dafür schon damals »Fake News« verantwortlich, die natürlich nur von der Gegenseite verbreitet würden: »Der Ruhm jeder neuen Gewalttat Englands, jede Fanfaronade der feindlichen Staatsmänner, jede Lüge ihrer Helfershelfer in der Öffentlichkeit, die Einlage jeder amerikanischen Speckschwarte in die Falle für die ideologischen Mäuse, wurde bis in die fernsten Winkel des Erdkreises verbreitet, um einzuschüchtern und Verwirrung in die Geister zu bringen.«³</p>
<p>Praktisch als Vorläufer späterer Soldatensender gab es auch schon im Ersten Weltkrieg Versuche, neben den offiziellen Durchsagen von Oberkommando und Staatsapparat auch Sprache und Musik zu verbreiten, um die Soldaten an der Front zu unterhalten und abzulenken. Zu erreichen waren damit zumindest die Funker in den Nachrichtentruppen, deren Zahl während des Krieges auf rund 185.000 Mann anwuchs. So nutzte der in einer Telegrafeneinheit an der Westfront bei Reims stationierte Hans Bredow die ihm zur Verfügung stehende Technik, um kleine Konzerte und Lesungen zu übertragen. »Ich hatte dort ein kleines Team«, erinnerte er sich 1954 in einem Interview mit dem <em>Südwestfunk</em>. »Einer von meinen Funkern sang sehr nett. Ein anderer spielte Geige, einer spielte gefühlvoll Mundharmonika. Und so legte ich damit los und verbreitete Programme. Ich bin auf diese Weise der erste Ansager geworden und der erste Programmdirektor, denn ich stellte die Programme zusammen und sagte sie an. Ich las aus Zeitungen vor, las einen Roman in Fortsetzungen, täglich ein Stück, und wir machten Musik.«⁴ Dem Oberkommando waren die Programme von Bredows »Soldatensender« aber bald ein Dorn im Auge. Sie wurden verboten, weil sie Störungen verursacht und die Funker von ihrer Arbeit abgelenkt hätten.</p>
<h3>Marconis Diebstahl</h3>
<p>Erst 35 Jahre zuvor, 1888, hatte Heinrich Hertz die Existenz elektromagnetischer Wellen nachgewiesen, die ein Signal drahtlos übertragen können. Bei dem dazu benutzten Einsatz eines Oszillators und der »Rühmkorff-Spule«, mit der im 19. Jahrhundert Hochspannungsimpulse erzeugt werden konnten, entstanden Funken. Der Name für das spätere Medium war damit zumindest im deutschen Sprachraum geboren. 1895 gelang dem russischen Physiker Alexander Stepanowitsch Popow in St. Petersburg die erste erfolgreiche Vorführung einer Funkübertragung. In einem im Januar 1896 durch das <em>Journal der Russischen Gesellschaft für Physik und Chemie</em> publizierten Artikel beschrieb er detailliert die Funktionsweise eines Funkempfängers und bewies dessen praktische Funktionsfähigkeit am 24. März 1896.</p>
<p>Im Juni 1896 ließ sich der Italiener Guglielmo Marconi in Großbritannien einen Apparat patentrechtlich schützen, der auf Popows Funktionsweise basierte. Dessen Versuche, dagegen vorzugehen, blieben erfolglos. Der Name Marconi ist heute weltbekannt – und nachdem es ihm 1901 erstmals gelungen war, ein Funksignal über den Atlantik zu senden, wurde er 1909 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Weniger gerne erinnern seine Fans heute daran, dass sich Marconi 1923 Mussolinis Faschisten anschloss, was seiner Karriere gut tat. 1928 wurde er zum Präsidenten des italienischen Nationalrats für Wissenschaften ernannt, 1930 auf persönlichen Vorschlag von Mussolini Chef der Königlichen Nationalen Akademie der Wissenschaften und Mitglied im »Großen Faschistischen Rat«. Der bereits 1906 verstorbene Popow wird dagegen nur noch in seiner Heimat als »Erfinder« des Rundfunks geehrt.</p>
<p>Praktischen Nutzen hatten die Entwicklungen von Popow und Marconi bald vor allem für die Kommunikation auf hoher See. Schiffe konnten nun mit Hilfe der Funktechnik und des nach seinem Erfinder Samuel F. B. Morse benannten Morse-Codes auch unterwegs Nachrichten übermitteln. So am 15. April 1912, als der »Marconist« Jack Phillips um 0.10 Uhr einen Funkspruch durchgab: »41° 46&#8217;N 50° 14&#8217;W – sinken – brauchen sofort Hilfe«. Es war der Hilferuf der »Titanic«, die einen Eisberg gerammt hatte und unterging. Durch den Funkspruch konnte Hilfe herbeigerufen werden, etwa 700 Menschen wurden aus dem eiskalten Wasser gerettet. Die Funkstation auf dem Luxusdampfer gehörte der Marconi Wireless Telegraph Co. und bot betuchten Passagieren einen hochmodernen Service: Sie konnten Telegramme (»Marconigramme« genannt) versenden, zehn Worte kosteten zwölf Schilling – heute etwa 250 Euro. Das war ein gutes Geschäft für Marconis Unternehmen, Warnungen vor Eisbergen störten da nur. Da die Funker mit den privaten Botschaften der Passagiere beschäftigt waren, wurden die meisten der insgesamt mindestens acht Eisbergwarnungen nicht an die Brücke weitergeleitet.</p>
<p>Der Funkverkehr Anfang des 20. Jahrhunderts beschränkte sich auf das Senden kurzer oder längerer Impulse, die aufgefangen und nach dem Morse-Code entziffert werden mussten. Doch schon um die Jahrhundertwende gab es Versuche, auch Sprache und Musik drahtlos zu übertragen. Als in diesem Sinne erste Rundfunksendung der Geschichte gilt heute eine von dem kanadischen Wissenschaftler Reginald Aubrey Fessenden realisierte Übertragung am 24. Dezember 1906. Funker auf Schiffen vor der US-Küste konnten passend zum Heiligabend Weihnachtsgrüße, Bibelzitate und ein von ihm selbst auf der Geige gespieltes Lied hören.⁵ Fessenden selbst behauptete, dass ihm bereits sechs Jahre zuvor, am 23. Dezember 1900, die erste Sprachübertragung über eine Entfernung von einer Meile (1,6 Kilometer) gelungen sei. Unabhängige Belege dafür gibt es allerdings nicht. Auch in Brasilien berichteten Zeitungen schon um die Jahrhundertwende wiederholt von Experimenten des katholischen Priesters Roberto Landell de Moura, dem es gelungen sei, drahtlos Sprache zu übertragen.⁶ Am 9. März 1901 reichte der Geistliche in Brasilien ein Patent für einen »Apparat für Sprachübertragung mit und ohne Draht, durch Raum, über die Erde und das Wasser, bei Sonne oder Regen, starkem Nebel und auch bei Winden« ein. Anschließend ließ er sich vom Priesteramt entbinden und ging in die USA, wo er in Washington ebenfalls Patente für seine Erfindungen beantragte und offenbar auch erhielt.⁷ Wirtschaftlicher Erfolg blieb ihm in Nordamerika allerdings verwehrt, so dass er 1904 nach Brasilien und in das Priesteramt zurückkehrte.</p>
<p>Im allgemeinen blieb die Drahtloskommunikation zunächst ebenso wie die kabelgebundene Telegraphie eine Verbindung zwischen einem Sender und einer klar bestimmten Gegenstelle, zufällige oder absichtliche Mithörer waren nicht gemeint und im Normalfall auch nicht erwünscht. Für den entscheidenden Schritt zum Rundfunk »an alle« machen manche Historiker Wladimir Iljitsch Lenin verantwortlich. So schrieb Manfred Schneider Anfang 2020 in der <em>Neuen Zürcher Zeitung</em>, Lenins am 12. November 1917 per Funk verbreitete Nachricht vom Sieg der Bolschewiki in Russland sei der »Taufspruch für das Radio« gewesen: »Nie zuvor konnte sich ein Medium in dieser Form ›an alle‹ wenden.«⁸ Lenin hatte die Funker unmittelbar nach der Oktoberrevolution melden lassen: »Der Gesamtrussische Sowjetkongress hat eine neue, eine Sowjetregierung gebildet. Die Kerenski-Regierung ist gestürzt und verhaftet. Kerenski ist geflüchtet. Alle Behörden sind in den Händen der Sowjetregierung. (…) Wir bringen zur Kenntnis, dass der Sowjetkongress, dessen Teilnehmer bereits abgereist sind, zwei wichtige Dekrete angenommen hat: 1. über den sofortigen Übergang aller Ländereien der Gutsbesitzer an die Bauernkomitees und 2. über das Angebot eines demokratischen Friedens.«⁹</p>
<h3>Im Dienst der Revolution</h3>
<p>Auch wenn Lenin die Bedeutung des neuen Mediums als »Zeitung ohne Papier und ›ohne Entfernungen‹«¹⁰ früher als andere erkannte, geht die Einschätzung, ihn zum Erfinder des Rundfunks zu machen, wohl zu weit. Auch zuvor schon wurden Meldungen, die sich nicht an eine einzelne Empfangsstelle richteten, mit der Anrede »An alle« eingeleitet, etwa die Heeresberichte aus Königs Wusterhausen während des Krieges.</p>
<p>Das mindert nicht die Bedeutung der ersten Funksprüche der Oktoberrevolution, die insbesondere bei Militärfunkern in Deutschland aufmerksam registriert wurden. Der <em>Vorwärts</em>, die Zeitung der SPD, titelte am 13. November 1917: »Russland für Waffenstillstand und Frieden«. In dem Aufmacher heißt es: »Die neue russische Regierung geht mit wahrhaft revolutionärer Entschiedenheit auf ihr Ziel los. Sie schlägt einen sofortigen Waffenstillstand an allen Fronten vor. (…) Man erhebt den Einwand, dass die gegenwärtige Regierung Russlands vielleicht gar nicht imstande sei, im Namen des russischen Reiches zu handeln, und dass sie bald wieder durch Gewalt gestürzt sein könnte, wie sie durch Gewalt ans Ruder gelangt ist. Aber ihr Friedensvorschlag würde auch dann eine geschichtliche Tatsache bleiben, die das Erbe ihrer Nachfolger belastet. Es kann möglicherweise leichter sein, die gegenwärtige Regierung zu stürzen, als ihren Vorschlag zu widerrufen, der zweifellos dem Willen des russischen Volkes entspricht.«¹¹</p>
<p>Ein Jahr später folgten die deutschen Revolutionäre dem Beispiel der russischen Genossinnen und Genossen. Als am 4. November 1918 in Kiel die Matrosen rebellierten, besetzten sie die Funkanlagen der örtlichen Marinestation und verbreiteten über sie ihre Forderungen: »Kameraden! Der gestrige Tag wird in der Geschichte Deutschlands ewig denkwürdig sein. Zum ersten Mal ist die politische Macht in die Hände der Soldaten gelegt. Ein Zurück gibt es nicht mehr! Große Aufgaben liegen vor uns. Aber damit sie erfüllt werden können, ist Einigkeit und Geschlossenheit der Bewegung notwendig.«¹² Das sei eine »revolutionäre Tat« gewesen, kommentierte Kurt Smettan 1972, denn »hier sprach zum ersten Male im Äther die Stimme der deutschen Arbeiterklasse«.¹³ Wobei »sprechen« einmal mehr im übertragenen Sinne gemeint ist, denn auch diese erste Nachricht der deutschen Novemberrevolution wurde per Morsecode übermittelt, ebenso wie wenige Tage später die Meldung vom Sturz der Monarchie. Am 9. November 1918 besetzten Vertreter des neugebildeten Berliner Arbeiter- und Soldatenrates das Wolffsche Telegraphenbureau und verbreiteten einen Aufruf »An alle! Hier hat die Revolution einen glänzenden fast ganz unblutigen Sieg errungen.«</p>
<p>Die revolutionären Soldaten bildeten eine »Zentrale Funkleitung« (ZFL). Ihre Leiter, der zivile Ingenieur Theordor Meyenburg sowie ein Unteroffizier der Technischen Abteilung für Funkgerät, von dem nur der Nachname Hartmann bekannt ist, teilten von Königs Wusterhausen aus mit, dass sie die Führung über alle Stationen des deutschen Funknetzes übernommen haben. Man werde ein von der Postverwaltung unabhängiges Nachrichtennetz aufbauen, um die in der unmittelbaren Nachkriegszeit teilweise abgebrochenen Verbindungen wiederherzustellen. Die Mannschaften in den Nachrichtenabteilungen wurden aufgefordert, sich der ZFL anzuschließen und ihren Weisungen zu folgen. Bald kontrollierte sie zahlreiche betriebsfertige Militärstationen mit Reichweiten von jeweils mehreren hundert Kilometern.¹⁴</p>
<p>Es folgte ein mehrwöchiger Machtkampf zwischen den Arbeiter- und Soldatenräten und der Zentralen Funkleitung einerseits sowie dem als Übergangsregierung gebildeten »Rat der Volksbeauftragten« und der Reichspost andererseits. 1892 hatte Kaiser Wilhelm II. im »Gesetz über das Telegraphenwesen des Deutschen Reichs« festgelegt, dass »ausschließlich dem Reich« das Recht zustehe, »Telegraphenanlagen für die Vermittlung von Nachrichten zu errichten und zu betreiben«.¹⁵ Für die Umsetzung war das Reichspostamt verantwortlich. Daran wollten die neuen Machthaber festhalten. Am 22. November 1918 ordnete der »Rat der Volksbeauftragten« in einer von den beiden Vorsitzenden Friedrich Ebert (SPD) und Hugo Haase (USPD) unterzeichneten Bekanntmachung die Entmachtung der Zentralen Funkleitung an. Ein Antrag der ZFL an die Regierung, ihr die Verantwortung für den gesamten Funkbetrieb im In- und Ausland zu übertragen, wurden von dem Sozialdemokraten Philipp Scheidemann, der im »Rat der Volksbeauftragten« für die Finanzen, aber auch für das Presse- und Nachrichtenwesen zuständig war, abgelehnt.¹⁶</p>
<p>Der »Vollzugsrat des Arbeiter- und Soldatenrates Groß-Berlin«, der die politische Macht in Deutschland und die Kontrolle der Exekutive beanspruchte, antwortete auf die Erklärung Eberts und Haases noch am selben Tag mit einer eigenen Interpretation. Man wolle Behörden, die sich in den Dienst der neuen Ordnung gestellt hätten, ihre Arbeit machen lassen, aber »die für den Geist des Ganzen entscheidenden Stellen sind, im Einverständnis mit der revolutionären Regierung, neu zu besetzen, wenn eine scharfe Kontrolle nicht ausreichend erscheint«. Als Konsequenz daraus erteilte der Vollzugsrat der ZFL die Vollmacht, die ihm Scheidemann verweigert hatte.¹⁷</p>
<p>Die bürgerliche Presse stellte sich in dieser Auseinandersetzung offen auf die Seite der Regierung. So hieß es am 30. November 1918 in der <em>Berliner Börsen-Zeitung</em>, dass sich das gesamte Netz der Funkstationen in der Hand der USPD und der von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg geführten Spartakus-Gruppe befinde: »Daran ändert auch nichts ein Dementi der Zentral-Funkleitung, die (…) sich den Anschein zu geben versucht, als sei sie eine von der Regierung eingesetzte Behörde (…). Demgegenüber muss betont werden, dass die Zentral-Funkleitung völlig unter dem Einfluss der Herren Liebknecht und Ledebour steht und dass sie es verstanden hat, zusammen mit dem Vollzugsrat die Regierung (…) beiseite zu schieben und sich als eigene unabhängige Behörde zu konstituieren.« Das Blatt unkte, dass die Siegermächte als Reaktion darauf »demnächst den Funkenverkehr mit Deutschland vollständig abbrechen« könnten.¹⁸ Hans Bredow, der inzwischen als Sachverständiger und technischer Direktor der »Telefunken«-Gesellschaft Lobbyarbeit für die Post machte, bezeichnete die Bildung der ZFL in einem Beitrag für die konservative <em>Deutsche Tageszeitung</em> am 1. Dezember 1918 als »eine Art Putsch« der den Spartakisten nahestehenden USPD-Vertreter. Dagegen müsse »mit allen Mitteln vorgegangen werden, da die Ausübung des Nachrichtenverkehrs selbstverständlich eine Regierungsmaßnahme ist«.¹⁹</p>
<h3>Ende der Zentralen Funkleitung</h3>
<p>Obwohl Scheidemann noch Mitte Dezember beteuerte, er wolle die ZFL nicht zerschlagen, wurde sie Schritt für Schritt entmachtet. In einer am 4. Dezember 1918 gegründeten »Reichsfunkkommission« sollte sie nur noch die Rolle der »Vertreterin der gewerkschaftlichen und sozialen Interessen des im Funkdienst beschäftigten Personals«²⁰ spielen und sich ansonsten der Mehrheit von Reichspost, Auswärtigem Amt, Kriegsministerium, Reichsschatzamt und Reichsmarineamt unterordnen. Zunehmend wurde außerdem auch die der ZFL ursprünglich zugedachte Rolle immer mehr in Frage gestellt, denn nach und nach kamen weitere Berufsvereinigungen hinzu, unter anderem Zusammenschlüsse von Postbeamten mittleren und höheren Ranges. Die ZFL begrüßte deren Aufnahme zunächst als Gegengewicht zur Dominanz der Behörden und Ministerien, musste aber schnell feststellen, dass sie in den neuen Akteuren keine Verbündete hatte. Zum Leiter der Kommission wurde im Januar 1919 Hans Bredow bestellt, der kurz zuvor seinen Posten bei der »Telefunken« aufgegeben hatte, um Ministerialdirektor und Leiter der neuen Abteilung »Funkentelegraphie« der Reichspost zu werden. Zudem hatte er sich den reaktionären Freikorps angeschlossen, um »Nachts gegen Spartakus« dazu beizutragen, die Revolution in Deutschland endgültig abzuwürgen.²¹</p>
<p>Ende Januar 1919 wurde die Rundfunkkommission aufgelöst und in eine neue Rundfunkbetriebsverwaltung (RBV) überführt, die direkt der Regierung unterstellt war und deren Leitung erneut Bredow übernahm. Damit stand die neue Behörde praktisch unter der direkten Kontrolle des Reichspostministeriums, was die Zentrale Funkleitung zähneknirschend akzeptieren musste. Am 9. April 1919 beschloss die Regierung, die RBV dem Postministerium anzuschließen, das sie »nach seinem Ermessen zusammenzusetzen und zu verwenden« habe.²² Das war das Ende der Zentralen Funkleitung und auch der letzten Spuren des revolutionären Aufbruchs vom November 1918.</p>
<p>Im September 1919 übernahm die Reichspost wieder die Sendeanlagen in Königs Wusterhausen und richtete dort ihre »Hauptfunkstelle« ein. Von dort aus wurde ab April 1920 der <em>Eildienst für amtliche und private Handelsnachrichten</em> mit Börsenkursen und Wirtschaftsmeldungen an etwa 80 Dienststellen der Post gesendet, die diese an einen kleinen Kreis von Abonnenten weiterleiteten. Als der Dienst 1922 auf Sprechfunk umgestellt wurde, ergriffen die Behörden Maßnahmen, damit die Nutzer keinen Zugriff auf andere Dienste hatten. Die Empfänger wurden von der Post gestellt, die Geräte waren auf die Wellenlänge des Dienstes eingestellt und verplombt.²³</p>
<h3>Unter Staatskontrolle</h3>
<p>Bredow war nun der Herrscher über den Rundfunk und sorgte während seiner Amtszeit bis zur Machtübergabe an die Faschisten 1933 dafür, dass das neue Medium gegen alle Einflüsse aus der Bevölkerung abgeschottet blieb. Zunächst als Ministerialdirektor und ab 1921 als Reichsrundfunkkommissar bzw. Staatssekretär für das Telegrafen-, Fernsprech- und Funkwesen sorgte er dafür, dass sich der Staat nicht nur das Recht vorbehielt, Sendeanlagen zu betreiben, sondern dieses auch auf Empfangsgeräte ausgeweitet wurde. Bis 1923 galt in Deutschland ein Verbot für Privatpersonen, Funksendungen zu empfangen. Danach war eine Funkempfangsgenehmigung vorgeschrieben, die an eine Rundfunkgebühr gebunden war, deren Höhe 1924 etwa einem Drittel des durchschnittlichen Monatsgehalts entsprach.</p>
<p><strong>Anmerkungen</strong></p>
<p>1 Hans Bredow: Im Banne der Ätherwellen, Bd. 2, München 1950, S. 177; zit. n. Beiträge zur Geschichte des Rundfunks (1968), Nr.4, S. 59</p>
<p>2 Hans Bredow: Vier Jahre deutscher Rundfunk, Berlin 1927, S. 11</p>
<p>3 Emil Sax: Die Verkehrsmittel in Volks- und Staatswirtschaft, Bd. 2 (1920), zit. n. Peter Dahl: Arbeitersender und Volksempfänger, Frankfurt am Main 1978, S. 15</p>
<p>4 Hans Bredow: Der Weg zum Rundfunk, <a href="https://kurzelinks.de/Bredow" target="_blank" rel="noopener">kurzelinks.de/Bredow</a></p>
<p>5 Marc Montgomery: Canada History: Beginning of radio (maybe), Dec.12, 1901, <a href="https://kurzelinks.de/Canada_Radio" target="_blank" rel="noopener">kurzelinks.de/Canada_Radio</a></p>
<p>6 Aminharadio: Roberto Landell de Moura, <a href="https://kurzelinks.de/landell" target="_blank" rel="noopener">kurzelinks.de/landell</a></p>
<p>7 Correspodências entre Landell de o U. S.Patent Office – USA, <a href="https://kurzelinks.de/landell_2" target="_blank" rel="noopener">kurzelinks.de/landell_2</a></p>
<p>8 Manfred Schneider: »An alle, an alle!« – Vor hundert Jahren ging das Radio auf Sendung; in: <em>Neue Zürcher Zeitung</em>, 27.1.2020; <a href="http://www.nzz.ch/meinung/radio-geschichte-einer-erfindung-die-optimismus-verbreitete-ld.1535089" target="_blank" rel="noopener">www.nzz.ch/meinung/radio-geschichte-einer-erfindung-die-optimismus-verbreitete-ld.1535089</a></p>
<p>9 Funkspruch des Rats der Volkskommissare, 30. Oktober (12. November) 1917; in: Lenin-Werke, Bd. 26, S. 265</p>
<p>10 W. I. Lenin: An M. A. Bontsch-Brujewitsch (5.2.1920); in: Lenin-Werke, Bd. 35, S. 413</p>
<p>11 <a href="https://fes.imageware.de/fes/web/index.html?open=VW34314" target="_blank" rel="noopener"><em>Vorwärts</em>, 13. November 1917, S. 1</a></p>
<p>12 Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Berlin 1966, Bd. 3, S. 470 f.</p>
<p>13 Kurt Smettan: »Schwarzhörer« und »Schwarzsender« – ein Kapitel Klassenkampf im Rundfunk; in: <em>Beiträge zur Geschichte des Rundfunks</em> (1972), Nr. 1, S. 59</p>
<p>14 Winfried B. Lerg: Die Entstehung des Rundfunks in Deutschland, Frankfurt am Main 1965, S. 49</p>
<p>15 Gesetz über das Telegraphenwesen des Deutschen Reichs vom 6. April 1892</p>
<p>16 Britta Kristina Suwelack: Hans Bredow – Ein Leben für den Rundfunk, Mittweida 2009, S. 11, <a href="https://kurzelinks.de/Bredow_2" target="_blank" rel="noopener">kurzelinks.de/Bredow_2</a></p>
<p>17 Lerg, a. a. O., S. 52</p>
<p>18 <a href="https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/D7HITXICHXNL4JCGGU73OPIFDLT5VLX4?issuepage=5" target="_blank" rel="noopener"><em>Berliner Börsen-Zeitung</em>, Abendausgabe, 30.11.1918, S. 5</a></p>
<p>19 Hans Bredow: Im Banne der Ätherwellen, Bd. 2, Stuttgart 1956, S. 89 f.; zit. n. Lerg, a. a. O., S. 55</p>
<p>20 Konrad Dussel: Deutsche Rundfunkgeschichte, Konstanz 2004, S. 24</p>
<p>21 Artikelüberschrift von Bredows Memoiren »Im Banne der Ätherwellen«; <a href="http://www.gbv.de/dms/weimar/toc/361214758_toc.pdf" target="_blank" rel="noopener">www.gbv.de/dms/weimar/toc/361214758_toc.pdf</a>. Sein von Gustav Noske unterzeichneter Mitgliedsausweis der »Freiwilligen-Verbände« ist dokumentiert in: Beiträge zur Geschichte des Rundfunks (Berlin/DDR), Nr. 3/68, S. Dokument VI</p>
<p>22 Lerg, a. a. O., S. 81</p>
<p>23 Dahl, a. a. O. (Anm. 3), S. 18 f.</p>
<p>Erschienen am 4. Januar 2023 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/442110.rundfunkgeschichte-an-alle.html" target="_blank" rel="noopener">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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		<title>Hier ist Radio Barcelona. Rundfunk in Katalonien &#8211; Geschichte und Gegenwart.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 May 1992 18:49:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
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					<description><![CDATA[Hand aufs Herz: Woran denken Sie, wenn von Spanien gesprochen wird? An Flamenco, Paella, Stierkampf und glutäugige Carmens? Nun, dann[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-406" style="float: left;" title="QSL von Radio Barcelona" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1992/05/Rundfunk_qsl_barcelona.gif" alt="QSL von Radio Barcelona" width="400" height="283" border="0" hspace="6" /></p>
<p>Hand aufs Herz: Woran denken Sie, wenn von Spanien gesprochen wird? An Flamenco, Paella, Stierkampf und glutäugige Carmens? Nun, dann könnten Sie enttäuscht werden, falls Sie vorhaben, in diesem Jahr zu den Olympischen Sommer­spielen nach Barcelona zu reisen. Barcelona ist die Hauptstadt Kataloniens. Und Kataionien, das ist vieles, aber nicht Spanien. Passen Sie auf, wenn Sie in Barcelona oder anderswo in dieser Region erzählen, wie toll sie es finden, »hier in Spanien«. Es gibt nicht wenige Menschen in Katalonien, und vor allem in Barcelona, die darauf bestehen, keine Spanier zu sein &#8211; sondern eben Katalanen.</p>
<p>Sie sprechen eine eigene Spra­che, Català, das kein Dialekt des Spanischen ist. Vielmehr ist das Català mit dem Italienischen ver­wandt. Die Straßenschilder sind in Català. Hinweise in der Metro zweisprachig. Immer wird neben der spanischen Fahne auch die katalanische gezeigt. Ausnahmen hiervon bilden nur Dienststellen von Polizei und Militär, sowie Zentren faschistischer Parteien. Hier ist immer nur das königlich­spanische Banner zu sehen. Da­für lassen viele andere Menschen das Rot-Gelb-Rot einfach weg und zeigen nur die gelbe Fahne mit den vier roten Streifen.</p>
<p><span id="more-1207"></span></p>
<h2>Geschichte Kataloniens</h2>
<p>Katalonien hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Immer wieder versuchten Könige und Diktatoren, den Katalanen ihre Kultur zu rauben, immer wieder wurde die katalanische Sprache verboten. Und immer wehrten sich die Menschen gegen die Unter­drückung, immer überlebten die Bräuche des Volkes. Das Català wurde weiter in der Familie und unter Freunden gesprochen, das Tanzen des Nationaltanzes, der »Sardana«, wurde zur Demon­stration für die Forderung nach Autonomie. Jede und jeder in Ka­talonien kennt das Lied der Schnit­terInnen, »Els Segadors«, die ka­talanische Hymne aus dem Unabhängigkeitskampf im vergange­nen Jahrhundert. Aber es ist nicht selten, daß die offizielle Hymne der spanischen Monarchie unbe­kannt ist.</p>
<p>Seit der Demokratisierung Spa­niens nach dem Tod des Diktators Franco hat sich die katalanische Tradition und Kultur ihre Bahn gebrochen. Nach der Aufhebung des Verbotes wurde die katalani­sche Sprache Amtssprache in Ka­talonien &#8211; noch vor dem Spani­schen. Es gibt eine Unabhängig­keitsbewegung, deren Einfluß wächst.</p>
<p>Als der Chef der Generalitat de Catalunya, der katalanischen Regierung, Jordi Pujol, die Tsche­choslowakei besuchte, mußte der spanische Botschafter in Prag ver­geblich nach der spanischen Fah­ne suchen. Gehißt wurde nur das katalanische Banner, gespielt nur die katalanische Hymne.</p>
<p>Seit 1916 in Spanien die ersten Rundfunk-Versuchssendungen ausgestrahlt wurden, spielten das Radio und &#8211; später &#8211; das Fernse­hen immer eine wichtige Rolle im politischen Alltag des Landes und für den Umgang der Zentral­macht mit den verschiedenen Völkern in seinem Staatsgebiet, in Euskadi (Baskenland), Galizien und Katalonien.</p>
<h2>Radio Barcelona &#8211; erster Sender Spaniens</h2>
<p>Nachdem am 24. Juni 1924 eine Verordnung die Bedingun­gen für die Erteilung einer Rundfunk-Sendelizenz festlegte, konn­ten Sendegenehmigungen verge­ben werden. Die erste Lizenz wurde mit dem Rufzeichen EAJ-1 an eine Gruppe katalanischer Industrieller vergeben. Am 14. Juli 1924 nahm Radio Barcelona seinen Betrieb auf. Damit ist dieser Sender heute die älteste Rundfunkstation in Spanien. Die pri­vaten Rundfunksender Spaniens, neben denen der staatliche Rund­funk existierte, vereinigten sich zur Senderkette »Unión Radio«, die sich nach dem Ende des Bür­gerkrieges in »Sociedad Española de Radiodifusión« (SER) um­benannte.</p>
<p>Während des spanischen Bür­gerkrieges wurden die Rundfunk­sender zu Waffen in den Händen der Kriegsgegner. In Barcelona sendete Radio Barcelona als Stim­me der Republikaner. Auch in den Sendungen von Radio Barce­lona spiegelten sich die wechselnden Machtverhältnisse in der katalanischen Hauptstadt wieder. Hatten zunächst die Anarchisten der CNT und der FAI den maß­geblichen Einfluß auf das Ge­schehen in Katalonien, so über­nahm später immer stärker die Kommunistische Partei (PSUC) die Regierungsgewalt, was auch zu blutigen Zusammenstößen zwischen den verschiedenen Richtungen des republikanischen Lagers führte.</p>
<p>Radio Barcelona sendete über Kurzwelle auch deutschsprachi­ge Rundfunksendungen. Diese sollten sich zum einen an die deutschen Kämpfer in den Internatio­nalen Brigaden wenden, zum an­deren sollten die Menschen in Hitler-Deutschland erreicht wer­den. Die von den deutschen Störsendern angegriffenen Sendun­gen wurden in der Verantwor­tung der Parteien produziert. Die an der Linie der Kommunistischen Internationale orientierte PSUC sendete täglich zwischen einer Viertel- und einer halben Stunde, die trotzkistische POUM hatte eine Sendezeit von dreimal wöchentlich 15 Minuten, die später auf tägliche Sendungen ausgedehnt wurde.</p>
<h2>Freiheitssender 29,8</h2>
<p>Erheblich bekannter als die deutschen Sendungen von Radio Barcelona wurden in Deutschland aber die in Madrid, Valencia und Barcelona produzierten und aus­gestrahlten Sendungen des »Deut­schen Freiheitssenders 29,8«. Die­se zunächst als Stimme der KPD, später als Sender der antifaschi­stischen Volksfront arbeitende Station sendete von Januar 1937 bis März 1939. Sie versuchte bei den Hörern den Eindruck zu er­wecken, sie stände innerhalb Deutschlands. Da der Freiheits­sender allgemein gut unterrichtet war, glaubten viele Hörer auch daran. Und nicht nur sie: Die Nazi-Behörden veranstalteten zum Teil groteske Suchaktionen nach dem Sender, der mal auf Rheinschif­fen, mal auf einem Lastkraftwa­gen vermutet wurde. Erst mit Hil­fe italienischer Peilspezialisten konnten die Nazis den wahren Standort des Senders ausfindig machen.</p>
<p>Ein weiterer Kurzwellensen­der, der aus Barcelona in deut­scher Sprache sendete, war der Sender der Generalitat Barcelo­na, der vom Herbst 1936 an bis zum Ende des Krieges arbeitete.</p>
<h2>Rundfunk der Faschisten</h2>
<p>Am 19. Januar 1937 befahl Franco in Salamanca die Errich­tung eines offiziellen faschisti­schen Staatsrundfunks. Das war der Ursprung des heutigen staatli­chen »Radio Nacional de España« (RNE). Vom Ende des Krie­ges an bis 1977 besaß RNE das Monopol für die Ausstrahlung von Nachrichten. Alle anderen Rund­funksender mußten auf eigene Kosten die Nachrichten des Staatssenders übernehmen und durften keine eigenen Nachrich­ten ausstrahlen. Jede Informati­on, ob lokal oder regional, unter­lag der Vorzensur. Ohne den Se­gen der Faschisten konnte nichts über den Äther gehen.</p>
<p>In den Jahren nach dem Ende des spanischen Krieges war Franco-Spanien der internationalen Opposition gegen sein System ausgesetzt. Diese wurde aber während des Kalten Krieges untergraben, als die USA Militärstützpunkte in Spanien errichteten und andere Länder, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland, Wirtschaftsbeziehungen mit dem faschistischen Staat aufnahmen. Spanien war zunächst von den internationalen Wellenkonferen­zen in Montreaux und Kopenha­gen und damit von der Frequenz­vergabe ausgeschlossen. Die spa­nischen Faschisten reagierten dar­auf mit der Errichtung neuer Sen­derketten auf Frequenzen, die au­ßerhalb jeder internationaler Übereinkunft lagen. Es entstand die Senderkette der Staatspartei Falange, »Red de Emisoras del Movimiento« (REM), und der Sender der faschistischen Jugend, »Cadena Azúl«. Deren Sender be­nutzten neben Mittelwellenfre­quenzen auch solche, die dem Amateur-, dem Seefunk oder ähn­lichen Diensten vorbehalten wa­ren. So sendeten »La Voz de Valladolid« (REM) auf 7005 kHz und »La Voz de León« (REM) auf 6933 kHz. Darüber hinaus betrieb die franquistische Ein­heitsgewerkschaft die »Cadenas de Emisoras Sindicales« (CES). Die mächtige Kirche hatte eben­falls ihr Rundfunknetz. In vielen kleinen Ortschaften arbeiteten Pfarrsender mit sehr geringer Leistung, die später in die noch heute bestehenden Kette »Cadena de Ondas Populares Españolas. (COPE) aufgingen, die mit der spanischen Kirchenführung verknüpft war.</p>
<h2>Lockerung der Zensur</h2>
<p>1964 wurde das Verbot, ande­re Nachrichten als die der RNE auszustrahlen, etwas gelockert. Regionale und lokale Nachrichten durften jetzt von den einzel­nen Sendern selbst produziert wer­den. Internationale Meldungen und politisch wichtige Nachrich­ten aber blieben RNE vorbehal­ten. Bis Mitte 1977 blieb die Über­nahmepflicht der RNE-Nachrichten bestehen.</p>
<p>Nach dem Tode Francos und der Wiedereinrichtung der Mo­narchie in Spanien setzte die De­mokratisierung des Landes ein. Eine grundlegende Demokratisie­rung des staatlichen Rundfunks RNE fand aber nicht statt. Zwar wurde mit RTVE eine Körper­schaft geschaffen, die den An­stalten des öffentlichen Rechts nicht unähnlich ist, jedoch einen Verwaltungsrat besitzt, der ausschließlich aus den im Parlament vertretenen Parteien zusammen­gesetzt ist. und zwar proportional zum Anteil der Parlamentssitze.</p>
<p>Der Generaldirektor von RTVE wird auf Vorschlag der Regie­rung vom Parlament ernannt. Damit schuf sich die Regierung ein regierungstreues Sprachrohr. Das änderte sich weder unter der konservativen UCD-, noch unter der sozialistischen PSOE-Regierung. Die Hörer quittierten das mit einem massiven Abwandern zu den privaten Sendern. Zwi­schen 1982 und 1986 verlor RNE etwa 70 Prozent seiner Hörer.</p>
<p>Nach der Wiederherstellung der Rechte der Völker Spaniens, die vielen Menschen noch immer nicht weit genug gehen, konnten die Provinzregierungen eigene Sender aufbauen. Das taten vor­rangig die autonomen Regionen Galizien. Euskadi und Katalonien. Heute betreibt die Generalitat de Catalunva zwei Rundfunksender: Cataluya Ràdio und Ràdio Associació de Catalunya (RAC). Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere private Sender, die in ka­talanischer Sprache senden, dar­unter Radio Barcelona, das zur Senderkette SER gehört, mit sei­nem Mittelwellenprogramm. Zahlreiche weitere kommerziel­le Sender strahlen ihr Programm in spanischer Sprache aus. Die erfolgreichsten sind hier das UKW-Programm von Radio Barcelona, »40 Principales«, mit seinem Hitparadenprogramm, und der Sender »Onda Cero Ra­dio«. RNE strahlt heute fünf Pro­gramme aus darunter auch in katalanischer Sprache.</p>
<h2>Freie Radios</h2>
<p>Freie Radios werden in Spani­en geduldet und finden ihre Hö­rer. In Barcelona arbeiten zwei solcher alternativer Stationen: Radio PICA setzt seinen Pro­grammschwerpunkt auf die Mu­sik. Dabei laufen sowohl Produk­tionen unabhängiger Gruppen und nicht-kommerzielle Musikstile wie Punk, Reagge, Ska, Rap u.a. über den Sender, wie auch klassi­sche Musik &#8211; »zur Entspannung am Mittag«. Dabei ist Radio PICA aber in der Alternativ-Szene der Stadt verankert und genießt einen hohen Bekanntheitsgrad. Das Pro­gramm, das 24 Stunden täglich über den Sender läuft, wird nur einige Stunden am Tag live produziert, die restlichen Sendungen sind Wiederholungen.</p>
<p>Noch weniger bekannt als Ra­dio PICA ist das jüngere »Contrabanda FM«. Dieser freie Sender legt seinen Schwerpunkt auf die Information. Die Sendungen, die sowohl in Català als auch in Spa­nisch sind, berichten sowohl aus der Stadt als auch aus der »großen weiten Welt«. Regelmäßig im Programm sind Sendungen mit Berichten aus Palästi­na, Kuba und anderen Landern. Eine weitere Sendung, die mit Plakaten in Info-Läden beworben wurde, ist »Al enemigo ni agúa« (Kein Wasser für den Feind), eine Sendung »gegen alle Aggressionen von Rassisten. Faschisten und Polizisten«. Diese Sendung, die jeden Mittwochabend ausgestrahlt wird, enthält Nachrichten über den Neofaschis­mus und Rassismus in ganz Euro­pa und die Aktivitäten dagegen, Termine und viel Musik.</p>
<p>Die Radiolandschaft Kataloniens erschlägt den unbedarften Radiohörer genauso wie die un­bedarfte Radiohörerin. Aber interessant ist ein Wellenbummel allemal.</p>
<p>Erschienen in der Zeitschrift »Radio Hören«, Mai 1992</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Rundfunk in der Deutschen Demokratischen Republik</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/rundfunk-in-der-deutschen-demokratischen-republik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Aug 1991 15:32:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rundfunk in der DDR]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-793" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_ddr_cover.gif" hspace="6" alt="Rundfunk in der DDR" title="Rundfunk in der DDR" border="0" style="float: left;" width="250" height="357" />Hier findet Ihr den Text meiner Brosch&uuml;re &uuml;ber den Rundfunk in der DDR, die im August 1991 im Kurzwellen-Pressedienst erschienen ist. <span id="more-803"></span> </p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Anf&auml;nge in Tr&uuml;mmern</h1>
<p> Berlin liegt in Tr&uuml;mmern. Der Zweite Weltkrieg ist erst seit Stunden beendet, erst zwei Tage sind seit dem Ende des Krieges vergangen, der ganz Europa in Tr&uuml;mmern legte und &uuml;ber Millionen und Abermillionen von Menschen Tod und Elend brachte. </p>
<p>Es ist der 10. Mai 1945. Gerade 48 Stunden sind seit der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation Deutsch&shy;lands vergangen. An diesem Tage unterzeichnet der sowjet&shy;ische Generaloberst N.E. Bersarin, seit der Eroberung Berlins durch sowjetische Truppen am 28. April 1945 Stadtkomm&shy;andant, die Erlaubnis f&uuml;r die Errichtung eines Rundfunk&shy;senders durch deutsche Antifaschisten &#8211; Kommunisten und Mitglieder des &quot;Nationalkomitees Freies Deutschland&quot;, das bereits w&auml;hrend des Krieges von der Sowjetunion aus den Sender Freies Deutschland betrieben hatte. </p>
<p> <em>&quot;Hier spricht Berlin! Hier spricht Berlin auf Wellenl&auml;nge 356 Meter! Wir beginnen unsere Sendung!&quot;</em> </p>
<p>Mit diesen Worten ist am 13. Mai 1945, nur f&uuml;nf Tage nach Ende von zw&ouml;lf Jahren des Grauens, wieder ein deutscher Sender zu h&ouml;ren. </p>
<p>Alles ist provisorisch. Ein heiles Studio gibt es in der zerst&ouml;rten Stadt naturgem&auml;&szlig; nicht. Der Sprecher dieser ersten Sendung sitzt in einem notd&uuml;rftig hergerichteten Raum im Geb&auml;ude des Senden Berlin-Tegel. Mit Balken ist die br&uuml;chige Decke abgest&uuml;tzt, durch die zerbrochenen Scheiben klingt vom Hof Stimmengewirr herauf. Unmittel&shy;bar vor Beginn der ersten Sendung um 20.00 Uhr st&uuml;rzt der Sprecher an das Fenster und ruft in den Hof herunter, man m&ouml;ge ruhig sein, er beginne jetzt mit der Sendung. </p>
<p>70 Minuten dauert diese Sendung, bis der Sprecher sich um 21.10 Uhr mit der Ank&uuml;ndigung verabschiedet, man w&uuml;rde sich am n&auml;chsten Tag um 12.00 Uhr wieder melden. </p>
<p>Die Sendar sind zuvor von sowjetischen Nachrichten-Offizieren geschaltet worden. Eine Leitung zwischen Studio und Sender gibt es nicht. Die erste Sendung wird direkt am Sender gesprochen, nach dem Umzug in die notd&uuml;rftig instandgesetzten R&auml;umlichkeiten im Funkhaus an der Masurenallee werden die vorproduzierten B&auml;nder mit dem Auto zum Sender transportiert. </p>
<p>In den folgenden Tagen legen sowjetische Pioniere ein Telefon-Feldkabel zwischen dem Funkhaus und dem Sender. Dank dieser Verbindung kann die Sendezeit ausgeweitet werden, die in den ersten Tagen nur zwei t&auml;gliche Stun&shy;den betragen hatte. Innerhalb einer Woche steigt die Sende&shy;zeit auf 19 Stunden t&auml;glich, so da&szlig; man zwischen 6.00 und 1.00 Uhr sendet. Doch noch sind St&ouml;rungen h&auml;ufig. Das eiligst &uuml;ber die Tr&uuml;mmer verlegte Kabel wird durch herabst&uuml;rzende Tr&uuml;mmer besch&auml;digt oder scheuert sich durch. Immer beheben sowjetische Soldaten die Sch&auml;den, so da&szlig; der Sendebetrieb fortgesetzt werden kann. </p>
<p>Die Aufgaben des jungen Rundfunks werden ihm von der Milit&auml;rregierung gestellt. Er soll dazu beitragen, die Deutschen im Sinne einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung zu erziehen. Das beinhaltet die Berichterstattung &uuml;ber die Bildung demokratischer Parteien gem&auml;&szlig; dem Befehl Nummer 2 der sowjetischen Milit&auml;rregierung, das hei&szlig;t, da&szlig; der neue Rundfunk dazu beitr&auml;gt, die &Uuml;berreste des Hitlerregimes zu beseitigen, den Kampf gegen Hunger und Obdachlosigkeit anzugehen. Er propagiert den Aufbau demo&shy;kratischer Selbstverwaltungsorgane, die Enteignung der Kriegsverbrecher und Nazibonzen und die Schaffung eines Blocks von antifaschistisch-demokratischen Parteien. Wie dieser Ansatz endete, wissen wir. </p>
<p>Nach dem Beginn der Sendungen stellt sich nun die Aufgabe, alle Teile der sowjetischen Besatzungszone mit dem Rundfunkprogramm des Berliner Rundfunks zu erreichen. Und das bedeutet nat&uuml;rlich den Aufbau eines Sendernetzes. </p>
<p>Am 29. August 1945 &uuml;bertr&auml;gt der Sender Leipzig erstmals probeweise das Programm aus Berlin, der regul&auml;re Sende&shy;betrieb beginnt am 15. September. In Magdeburg geht ein schwacher Gleichwellensender in Betrieb und am 15. Novem&shy;ber beginnt ein 300-Watt-Mittelwellensender in Weimar mit der Ausstrahlung des Berliner Programmes. Dresden beginnt am 7. Dezember, Schwerin am 24. Dezember und der Langwellensender K&ouml;nigs Wusterhausen am 25. Dezember mit der Ausstrahlung des Berliner Rundfunks. So stehen am Ende des Jahres 1945 sieben Sender f&uuml;r die Ausstrahlung des neuen Rundfunks zur Verf&uuml;gung. </p>
<p>Am 21. Dezember 1945 unterstellt der Stellvertreter des Leiters der Propagandaabteilung der Sowjetischen Milit&auml;radministration in Deutschland (SMAD), Oberst Tulpanow, den gesamten Rundfunk der Zentralverwaltung f&uuml;r Volks&shy;bildung, die am 10. August 1945 gebildet worden ist. Gleichzeitig beginnen Vorbereitungen, neben den Funkh&auml;usern in Berlin und Leipzig, in dem schon seit dem 22. Septem&shy;ber 1945 eine Au&szlig;enstelle des Berliner Rundfunks besteht, in allen Landesteilen selbst&auml;ndige Landessender in Betrieb zu nehmen. Diese Landessender in Dresden, Halle, Schwerin und Weimar sollen die deutschen Verwaltungen unterst&uuml;tzen und die Autorit&auml;t der Landesregierungen st&auml;rken. </p>
<p>Ein Rundfunkstudio in Weimar ist am 1. Dezember 1945 feierlich eingeweiht worden und am 1. Januar 1946 sagt der Berliner Rundfunk erstmals den Landessender Weimar als angeschlossene Station an. </p>
<p>Die erste Sendung des Dresdener Senders geht am 7. Dezember &uuml;ber den &Auml;ther. Dieser Tag ist der Geburtstag des Mitteldeutschen Rundfunks mit Sendern in Dresden und Leipzig. Die Sendungen bestehen zun&auml;chst aus 15 bis 20 Minuten Nachrichten aus dem mitteldeutschen Raum. Damit ist der Mitteldeutsche Rundfunk die zweite Senderkette, die in der Sowjetischen Besatzungszone ein Programm ausstrahlt, das keine &Uuml;bernahme aus Berlin ist. </p>
<p> Vom ersten Tage des Bestehens des Senders Schwerin gibt es auch Sendungen des Landessenders Schwerin. </p>
<p>Am 20. Juni 1946 spricht um 6.20 Uhr der Vizepresident der Provinzialverwaltung der Mark Brandenburg, Heinrich Rau, die Er&ouml;ffnungsworte des Landessenders Potsdam. </p>
<p>Die Gr&uuml;ndungsphase der f&uuml;nf Landessender wird abgeschlossen, als am 24. Dezember 1946 der Landessender Halle sein erstes Programm ausstrahlt. Mit der Inbetriebnahme des Senders Bernburg wird der zu schwache Gleichwellensender in Magdeburg abgeschaltet. </p>
<p>In der Folge werden leistungsf&auml;higere Sender aufgebaut und einige Landessender ziehen in bessere Funkh&auml;user um. Ab 1947 werden die Sendekapazit&auml;ten ausgebaut und weitere Sender in Betrieb genommen, so Leipzig II, der das Programm des Berliner Rundfunks &uuml;bernimmt. </p>
<p>Am 3. Oktober 1948 beginnen die Sendungen des Deutsch&shy;landsenders, der sich an H&ouml;rerinnen und H&ouml;rer in &quot;ganz Deutschland&quot; wendet &#8211; die Wiedervereinigung ist noch Ziel der DDR-Politik. </p>
<p>Die Zeit der eigenst&auml;ndigen Landessender, die relativ unabh&auml;ngig von der Zentrale in Berlin ihre Programme produzieren k&ouml;nnen &#8211; wenn auch immer unter der Kontrolle der Staatsorgane -, w&auml;hrt jedoch nicht lange. Schon bald nach der Gr&uuml;ndung der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1949 wird ein Kurs der Zentrali&shy;sierung eingeschlagen, der seinen H&ouml;hepunkt in der Auf&shy;l&ouml;sung der L&auml;nder und der Schaffung von Regierungsbe&shy;zirken findet. </p>
<p>Von dieser Zentralisierung wird auch der Rundfunk nicht verschont. Im September 1952 werden alle Landessender, der Deutschlandsender und der Berliner Rundfunk zum Deutschen Demokratischen Rundfunk zusammengeschlossen. </p>
<p>Ab dem 7. September 1952 gibt es nur noch drei Programme, die zentral in Berlin produziert werden. Die westdeutsche Zeitschrift &quot;Rundfunk und Fernsehen&quot; nennt in der Mitte der 50er Jahre die drei Programme Berlin I, Berlin II und Berlin III. </p>
<p>Bei Berlin I handelt es sich um den Deutschlandsender, der sein &quot;gesamtdeutsches Kampfprogramm&quot; ausstrahlt &uuml;ber die Mittelwellensender Berlin-K&ouml;penick (220 kW &#8211; 782 kHz), Schwerin (20 kW &#8211; 728 kHz), Erfurt (20 kW -801 kHz) und &uuml;ber die Kurzwellensender in K&ouml;nigs Wusterhausen auf 6115 und 7150 kHz. Dar&uuml;berhinaus ist in Berlin der UKW-Sender 94,5 MHz in Betrieb. </p>
<p>Bei Berlin II d&uuml;rfte es sich um einen Vorl&auml;ufer des sp&auml;ter startenden Radio DDR handeln. Das Programm be&shy;handelt &quot;Fragen des Marxismus-Leninismus&quot; und das &uuml;ber den Langwellensender K&ouml;nigs Wusterhausen (100 kW &#8211; 185 kHz) und &uuml;ber die Mittelwellensender Dresden I (2 kW &#8211; 910 kHz), Dresden II (2 kW &#8211; 1016 kHz) und Bernburg (20 kW -1196 kHz). </p>
<p>Der &quot;Pflege des Nationalen Kulturerbes&quot; widmet sich das Programm von Berlin III, wobei es sich hier um den Berliner Rundfunk handeln d&uuml;rfte. Neben dem Berliner UKW-Sender 92,5 MHz l&auml;uft Berlin III &uuml;ber die Mittel&shy;wellensender Leipzig I (70 kW &#8211; 1042 kHz), Plauen (20 kW -1484 kHz), Potsdam (20 kW &#8211; 1570 kHz) und &uuml;ber den Kurz&shy;wellensender Leipzig II auf 9730 kHz. </p>
<p> In der Woche vom 21.9. bis zum 27.9.1952 sah der Anteil von Wort- und Musiksendungen bei den Programmen der DDR so aus:   </p>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left">
<tbody>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin I</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin II</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin III</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" style="vertical-align: top; text-align: left">Wortsendungen</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">3072 Min.</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">3072 Min.</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">3439 Min.</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">38,06%</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">37,65%</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">30,71%</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" style="vertical-align: top; text-align: left">Musiksendungen</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">4891 Min.</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">5101 Min.</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">5477 Min.</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">59,50%</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">63,44%</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">67,61%</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>	   Die Bezeichnung &quot;Berlin I/II/III&quot; ist ansonsten ungebr&auml;uchlich. </p>
<p>Seit dem 14. August 1952 unterstehen alle Rundfunksender in der DDR dem Staatlichen Komitee f&uuml;r Rundfunk, dessen Vorsitzender bis zum 1. August 1958 Kurt Hei&szlig; (nat&uuml;rlich SED) ist. Er wird von Prof. Herman Ley abgel&ouml;st. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Deutschlandsender</h1>
<div align="center"><img decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-794" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_deutschlandsender.gif" hspace="6" alt="Deutschlandsender" title="Deutschlandsender" border="0" style="float: left;" width="79" height="150" /></div>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left">
<tbody>
<tr>
<td rowspan="15" style="text-align: left; vertical-align: top"><span style="font-weight: bold">Sender (1968):</span></td>
<td rowspan="9" style="text-align: left; vertical-align: top">UKW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Sonneberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">94,2 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Schwerin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">95,25 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Leipzig</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">96,6 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Marlow</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">96,65</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dequede</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">96,9 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Karl-Marx-Stadt</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,05 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Inselsberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,15 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Brocken</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,4 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin-K&ouml;penick</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,65 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">3 kW</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3" style="text-align: left; vertical-align: top">MW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Burg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">782 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">250 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Schwerin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">728 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">250 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Suhl</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">692 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">250 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">LW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">K&ouml;nigs Wusterhausen</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">185 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">200/1000 kW</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">KW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">6115 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">7185 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">5 kW</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p> Der Deutschlandsender ist als &quot;gesamtdeutsches Kampfpro&shy;gramm&quot; konzipiert und wendet sich sowohl an H&ouml;rer in der DDR als auch in der Bundesrepublik. Sein Sendestart ist am 3. Oktober 1948 als zweites Programm f&uuml;r die gesamte damalige Sowjetische Besatzungszone. </p>
<p> Die &quot;S&uuml;ddeutsche Zeitung&quot; schreibt &uuml;ber die Programme des Deutschlandsenders: </p>
<p>&quot;Der Deutschlandsender besteht seit 1949. Seitdem funkte er t&auml;glich 24st&uuml;ndig &uuml;ber Lang-, Mittel- und Kurzwelle Agitationsnachrichten gen Westen, gest&uuml;tzt auf Berichte von Korrespondenten, die mehr im tr&uuml;ben denn im Licht der Bundesrepublik fischten. Seine &#39;operative&#39; Arbeit hatte rein subversiven Charakter. Gelenkt vom Zentralkomitee der SED, &#39;westlich&#39; aufgemacht, versuchte der Deutschlandsender Meinung zu manipulieren, ohne R&uuml;cksicht auf den Wahrheitsgehalt der Nachricht. <br />(&#8230;) Nie scheut man vor l&uuml;gen&shy;haften Verdrehungen zur&uuml;ck. Ein Meister dieser Taktik ist der Chefkommentator Karl-Eduard von Schnitzler. Er ist der geisti&shy;ge Urheber der antiwestlichen Argumentation. Ihm kam nur noch der zeitweilige Vorsitzende des Rundfunkkomitees, Gerhart Eisler, gleich. Der inzwischen gestorbene Agitator nannte bei&shy;spielsweise Adenauer einen &#39;l&auml;cher&shy;lichen, b&ouml;sartigen Zwerg&#39;, den ehemaligen NATO-General Norstad einen &#39;niedertr&auml;chtigen Halunken&#39;, wie &uuml;berhaupt seiner Meinung nach in Bonn nur &#39;politische Mi&szlig;geburten&#39; sa&szlig;en. <br />Der Stil hat sich inzwischen ein wenig gewandelt. Man gibt sich sach&shy;licher, doch nicht ohne Sch&auml;rfe. Der H&ouml;rer wird stets h&ouml;flich begr&uuml;&szlig;t: &#39;Einen wundersch&ouml;nen Abend w&uuml;nsche ich Ihnen, meine H&ouml;rerinnen und H&ouml;rer.&#39; Oft werden Heine und Goethe strapaziert. Auch das Funktion&auml;rsdeutsch ist aus den Nachrichten und Kommentaren ver&shy;schwunden. Morgens &#39;leichtes Fr&uuml;hpro&shy;gramm&#39;, vormittags Jugend-, Schul- und Kinderfunk sowie Sendungen f&uuml;r die Hausfrau.&quot; (SZ, 8. 11. 1971) </p>
<p>Bei seinem Sendestart kriegt der Deutschlandsender seinen Auftrag mitgeteilt. Danach soll er als einziger Sender, der in ganz Deutschland geh&ouml;rt werden kann, vor allem an die westdeutschen H&ouml;rer wenden. &quot;In seiner Aufkl&auml;rungs&shy;arbeit&quot;, hei&szlig;t es in dem Programmauftrag, &quot;bek&auml;mpft er die L&uuml;genhetze und widerlegt sie durch Tatsachen aus dem Leben der Werkt&auml;tigen im &ouml;stlichen Deutschland.&quot; Eine seiner ersten Sendungen hei&szlig;t &quot;Wir sprechen f&uuml;r Westdeutschland&quot;, Gru&szlig;sendungen wie &quot;Von Hafen zu Hafen&quot; oder &quot;F&uuml;r die Kumpel an Ruhr und Saar&quot; sollen Einflu&szlig; auf die Menschen in der Bundesrepublik nehmen. Die &quot;S&uuml;ddeutsche Zeitung&quot; schreibt in ihrem bereits oben zitierten Artikel weiter: </p>
<p>&quot;Lange Zeit verstand er sich als Parteisender der KPD. Nie verheimlichte er, da&szlig; er die Abl&ouml;sung der Gesell&shy;schaftsordnung in der Bundesrepublik vorbereiten sollte. Keine Unruhe war ihm zu klein, keine Unzufriedenheit zu gering, um sie nicht politisch auszuschlachten. Seine Korrespondenten vermittelten stets ein d&uuml;steres Bild der Zerrissenheit und des gesellschaft&shy;lichen Niedergangs in der Bundesrepublik. Reportagen von Demonstrationen und Kundgebungen, von Streiks und Preisbe&shy;wegungen wurden tagelang hintereinander wiederholt, so da&szlig; der Eindruck ent&shy;stehen mu&szlig;te, als sei die Unruhe in der Bundesrepublik ein Dauerzustand.&quot; </p>
<p> Pausenzeichen des Deutschlandsenders ist die Auftaktmelodie zu Wagners Meistersingern. </p>
<p>Ein Beispiel f&uuml;r die Sendungen des Deutschlandsenders ist eine Sondersendung &uuml;ber die Osterm&auml;rsche, die am Ostermontag 1966 ausgestrahlt wird: </p>
<p> <em>&quot;Guten Abend, meine H&ouml;rer. Der gro&szlig;e Marsch der Vernunft geht zu Ende. In den heutigen Nachmittagsstunden fanden in dreizehn gro&szlig;en St&auml;dten der Bundesrepublik mmachtvolle Abschlu&szlig;kundgebungen statt. Wir werden im Verlaufe dieser Sendung davon berichten. 145.000 waren dabei. So die offizielle Zahl der Kampagne f&uuml;r Abr&uuml;stung, die wir soeben erhielten. Die Anziehungs&shy;kraft der Ideen des Ostermarsches hat sich also auch in diesem Jahr, 1966, erneut bewiesen. (&#8230;) Zu den Tausenden, die unterwegs waren, gesellten sich ausl&auml;ndische Atomwaffen&shy;gegner: Belgier, Amerikaner, Franzosen, Griechen, Spanier&#8230;, wer z&auml;hlt die V&ouml;lker, nennt die Namen? Junge Franzosen verteilten w&auml;hrend des Marsches rote Freundschaftsnelken. In Heidelberg fanden sich am Sonntag&shy;abend amerikanische, spanische, japa&shy;nische und deutsche Studenten zusammen, sangen ihre Lieder. Im Ruhrgebiet marschierte der Sohn Willy Brandts, Peter Brandt, im Zug der Demonstranten mit. Was sich vor dem Marsch mit der Unterzeichnung des Aufrufes schon andeutete, unter den 10.000 SPD-Mit&shy;gliedern waren 14 Landtagsabgeordnete, die mit ihrer Unterschrift die Ziele der Kampagne f&uuml;r Abr&uuml;stung unterst&uuml;tzten, was sich, wie gesagt, vor dem Marsch andeutete, das fand w&auml;hrend der Ostertage nun seine Best&auml;tigung. Der Ostermarsch 1966 war eine Demonstration der friedliebenden Menschen in der Bundesrepublik, einer Macht, die dem Atomstreben einiger Herren in Bonn ein lautstarkes Veto entgegensetzt.&quot;</em> </p>
<p> Ein weiteres Beispiel ist die Sendung <em>&quot;Denken ist die erste B&uuml;rgerpflicht &#8211; eine Sendereihe des Deutschlandsen&shy;ders f&uuml;r westdeutsche H&ouml;rer&quot;</em>. Ebenfalls am Ostermontag 1966 klang das so: </p>
<p> <em>&quot;Von einer Gruppe sozialdemokratischer Genossen, die sich in der Woche vor Ostern in der Hauptstadt der DDR aufhielten, wurde der Briefwechsel zwischen SPD und SED lebhaft begr&uuml;&szlig;t. Sie stimmten zu, da&szlig; im Mittelpunkt der Gespr&auml;che zwischen beiden Parteien die Kernfragen der deutschen Politik stehen m&uuml;ssen. Doch hielten es einige von ihnen gleichzeitig f&uuml;r opportun, da&szlig; der SPD-Fraktionsvorsitzende Fritz Erler bei seinen Unterredungen in Washington eine nukleare Teilhabe der Bundesrepublik bef&uuml;rwortet hat.</em> (&#8230;) <br /><em>Der stellvertretende SPD-Vorsitzende, Erler, hat nun sogar ge&auml;u&szlig;ert, da&szlig; ein wiedervereinigtes Deutschland nicht neutral sein, sondern sich an den Westen anlehnen solle. Damit macht er es uns mehr als schwer, einen Unterschied zwischen seiner Auffassung und den Eroberungspl&auml;nen zu entdecken, wie sie von Erhardt oder von Rassel im Namen der westdeutschen Imperialisten vorgetragen werden. Erler geht offensichtlich davon aus, da&szlig; die sozialistische DDR liquidiert werden m&uuml;sse. Damit widerspricht er der in der offenen Antwort der SPD gegebenen Zusicherung: &#39;Eine L&ouml;sung der Deutschlandfrage, von der abh&auml;ngt, da&szlig; Europa zum Frieden kommt, wird aber erst dann und nur dann m&ouml;glich werden, wenn keine poli&shy;tische Partei einer anderen politischen Partei unter Ausnutzen von Gewalt ihre Auffassung aufzwingt.&#39; <br />Wir sind jedoch nach wie vor davon &uuml;berzeugt, da&szlig; auch die Mehrheit der Sozialdemokraten alles getan w&uuml;nscht, damit kein neuer Krieg von deutschem Boden ausgeht.&quot;</em> </p>
<p> Der Deutschlandsender hat ausgedient, als sich die DDR immer weiter gegen den Westen abschottet und das Ziel der Wiedervereinigung zu den Akten gelegt wird. Im Rahmen einer gr&ouml;&szlig;eren Umstrukturierung stellt der Deutschlandsender am 14. November 1971 seine Sendungen ein &#8211; zu&shy;sammen mit der Berliner Welle. Aus ihnen entsteht am darauffolgenden Tag die Stimme der DDR. </p>
<p>Erst nach der Wende im November 1989 erh&auml;lt die Stimme der DDR wieder den alten Namen Deutschlandsender, als die Mitarbeiter des Senders &#8211; von den Fesseln gel&ouml;st &#8211; dem deutsch-deutschen einsetzenden Vereinigungsproze&szlig; Rechnung tragen wollen. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Berliner Welle</h1>
<div align="center"><img loading="lazy" decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-795" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_berlinerwelle.gif" hspace="6" alt="Berliner Welle" title="Berliner Welle" border="0" style="float: left;" width="75" height="61" /></div>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left">
<tbody>
<tr>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">Sender (1968):</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">UKW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin-K&ouml;penick</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">99,7 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">MW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin-K&ouml;penick</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1358 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">50 kW</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Die Berliner Welle ist das Berliner Gegenst&uuml;ck des Deutschlandsenders. W&auml;hrend dieser sich vornehmlich an H&ouml;ror in der Bundesrepublik wendet, sendet die Berliner Welle f&uuml;r Menschen in Westberlin. </p>
<p>Auch in der Programmstruktur ist die Berliner Welle mit dem Deutschlandsender vergleichbar, da auch sie ihr Programm in westlichem Stil pr&auml;sentiert und besonders Berichte von Westberliner Widerstandsaktionen sendet. </p>
<p>Am 14. November 1971 &#8211; dem gleichen Tag wie &#8211; dem gleichen Tag wie der Deutschlandsender &#8211; stellt die Berliner Welle ihren Betrieb ein. Am n&auml;chsten Tag meldet sich auf ihren Frequenzen, wie auch auf den Wellen des Deutschlandsenders, die bis zur Wende sendende Stimme der DDR.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Berliner Rundfunk</h1>
<div align="center"><img loading="lazy" decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-796" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_berlinerrundfunk.gif" hspace="6" alt="Berliner Rundfunk" title="Berliner Rundfunk" border="0" style="float: left;" width="79" height="66" /></div>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left">
<tbody>
<tr>
<td rowspan="15" style="vertical-align: top; text-align: left">Sender (1968):</td>
<td rowspan="10" style="text-align: left; vertical-align: top">UKW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Karl-Marx-Stadt</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">89,8 MHz</td>
<td rowspan="10" valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dresden</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">90,1 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Inselsberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">90,2 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Leipzig</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">90,4 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">91,4 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Brocken</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">91,55 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Sonneberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">91,7 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Marlow</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">93,5 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Schwerin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">98,55 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dequede</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">98,9 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="5" style="text-align: left; vertical-align: top">MW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Karl-Marx-Stadt</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">602 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin-K&ouml;penick</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">611 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">500 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Potsdam</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">656 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Reichenbach</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">917 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Plauen</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1079 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>  Der Berliner Rundfunk ist der &auml;lteste Rundfunksender der DDR und sendet seit dem 13. Mai 1945, f&uuml;nf Tage nach Kriegsende. </p>
<p> Nachdem mit dem Fortschreiten des Ausbaus des DDR-Sen&shy;dernetzes weitere Programme f&uuml;r die Information &uuml;ber das Geschehen in der DDR und f&uuml;r die DDR-weite Propa&shy;ganda der SED und ihrer Blockparteien CDU, LDPD, NDPD und DBD genutzt werden k&ouml;nnen, entwickelt sich der Ber&shy;liner Rundfunk immer mehr zu einem Berliner Regional&shy;sender, der nichtsdestotrotz im gesamten DDR-Gebiet ausgestrahlt wird. </p>
<p>Im Gegensatz zu den Informationssendern Berliner Welle und Deutschlandsender ist der Berliner Rundfunk zum einen mehr auf die Unterhaltung eingestellt und beschr&auml;nkt sich zudem haupts&auml;chlich auf die Berichterstattung aus der DDR. Die H&ouml;rer im Westen peilt man nicht an, was schon durch die Frequenzwahl deutlich wird (im Gegensatz zum Deutschlandsender keine Kurzwellen). </p>
<p>Der Berliner Rundfunk hat ein ausgepr&auml;gtes Jugendprogramm, das praktisch als Sendung des Zentralrates der FDJ be&shy;zeichnet werden kann. Ab dem Deutschlandtreffen 1964 und den damit verbundenen ausgeweiteten Jugendsendungen hei&szlig;en die Programme Jugendstudio DT 64 und werden mehrere Stunden t&auml;glich &uuml;ber die Sender geschickt. </p>
<p>Wie alle Sender der DDR propagiert nat&uuml;rlich auch der Berliner Rundfunk die offizielle Politiklinie. So hei&szlig;t es in einem Kommentar &#8211; gesprochen von Chefkommentator Karl-Eduard von Schnitzler -, als in Berlin und der gesamten DDR Arbeiter gegen Normerh&ouml;hungen auf die Stra&szlig;e gehen, am 17. Juni 1953: </p>
<p> <em>&quot;Amerikanische Offiziere in voller Uniform dirigierten mitten in der Demonstration Unter den Linden die faschistischen Trupps zur Aufwiegelung der Bev&ouml;lkerung. Aus amerikani&shy;schen Funkwagen wurde diesen faschist&shy;ischen Banden Weisung erteilt. Aus amerikanischen Flugzeugen wurden &uuml;ber dem demokratischen Sektor Flug&shy;bl&auml;tter abgeworfen mit der Aufforderung zum Aufruhr und zur Fortsetzung des Streiks. &Uuml;ber die Sektorengrenze wollten die Provokateure vorgestern den Zug der Bauarbeiter f&uuml;hren. Das gelang ihnen nicht. &Uuml;ber die Sekto&shy;rengrenze schlie&szlig;lich verschleppten Burschen mit halblangen Ami-Hosen und bunten Texas-Hemden den greisen aber ungebrochenen Stellvertreter des Ministerpr&auml;sidenten, Otto Nuschke. Wir sind Zeugen des Versuchs geworden, einen Anschlag auf den Frieden zu unternehmen, eine internationale Verwicklung herbeizuf&uuml;hren. Mit dem Einzug sowjetischer Panzer in die Stra&szlig;en des demokratischen Sektors ist nach der Verwirrung der f&uuml;r Stun&shy;den aufgewiegelten Werkt&auml;tigen, nach den Ausschreitungen des faschistischen P&ouml;bels und der Gefahr von Zwischen&shy;f&auml;llen, die das Pulverfa&szlig; Berlin und damit Deutschland erneut zum Ausgangspunkt eines Krieges h&auml;tte machen k&ouml;nnen, das Element der Ruhe eingezogen, die feste, &ouml;ffentliche Ordnung.&quot;</em> </p>
<p> Im Laufe der Zeit entwickelt sich der Berliner Rundfunk immer mehr zu einem kulturellen Sender der DDR, immer von der Warte der Hauptstadt aus berichtend.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Radio DDR</h1>
<div align="center"><img loading="lazy" decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-797" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_radioddr.gif" hspace="6" alt="Radio DDR" title="Radio DDR" border="0" style="float: left;" width="79" height="79" /></div>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left">
<tbody>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Sender (1968)</td>
<td colspan="3" valign="middle" style="text-align: left">Radio DDR 1</td>
<td colspan="2" valign="middle" style="text-align: left">Radio DDR 2</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="13" style="text-align: left; vertical-align: top">UKW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Inselsberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">87,85 MHz</td>
<td rowspan="8" valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">92,55 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Marlow</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">88,25 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">91,05 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Leipzig</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">88,45 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">93,85 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Brocken</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">88,95 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">94,6 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Schwerin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">89,2 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">92,75 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dequede</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">89,4 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">94,9 MHz</td>
<td rowspan="3" valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">95,8 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,05 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Helpterberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">95,95 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Reinsberg</td>
<td colspan="2" rowspan="5" valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">90,5 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dresden</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">92,25 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Karl-Marx-Stadt</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">92,85 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">G&ouml;rlitz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">95,4 MHz</td>
<td rowspan="2" valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Cottbus</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">98,6 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="10" style="text-align: left; vertical-align: top">MW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Schwerin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">529 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">220 kW</td>
<td colspan="2" rowspan="10" valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Greifswald</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">557 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">5 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Leipzig</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">575 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">120 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Erfurt</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">629 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Cottbus</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">746 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">881 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dresden</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1043 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">220 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Suhl</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1052 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Seelow</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1546 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">5 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Bernburg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1570 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p> Reine Inlandsprogramme ohne Ausrichtung auf den Westen sind Radio DDR l und Radio DDR 2. Sie sind f&uuml;r Aufgaben wie regionale Berichterstattung, ernste Musik und Schulfunk sowie f&uuml;r ausf&uuml;hrliche Berichte &uuml;ber Paraden und Massenaufm&auml;rsche von SED und DDR-Staatsinstitutionen zust&auml;ndig. </p>
<p>Im Rahmen von Radio DDR l finden wir leichte Musik, Nachrich&shy;ten und andere Informationssendungen sowie Magazine. Das Programm von Radio DDR l ist &#8211; &auml;hnlich wie das des Berliner Rundfunks, aber f&uuml;r das gesamte DDR-Gebiet &#8211; auf Unterhal&shy;tung ausgerichtet, die die Botschaft &#8211; die Politik der DDR &#8211; transportieren soll. Wie in allen Rundfunkprogrammen der DDR &#8211; ausgenommen nat&uuml;rlich die Geheimsender &#8211; mu&szlig; auch im Radio DDR l der Anteil inl&auml;ndischer Musik am Musik&shy;programm die H&auml;lfte betragen. Rock-, Jazz-, Beat- und andere westliche Musik ist ohnehin als &quot;bourgeois&quot; und &quot;imperialistisch&quot; verp&ouml;nt. </p>
<p>Radio DDR 2 strahlt &uuml;ber seine Sender am Vormittag die Sendungen der Regionalsender der DDR aus. Es sind dies: der Sender Rostock, der Sender Schwerin, der Sender Neu&shy;brandenburg, der Sender Potsdam, der Sender Frankfurt/Oder, die Sender Magdeburg und Halle, der Sender Cottbus, der auch Sendungen in sorbischer Sprache f&uuml;r die in diesem Bezirk lebende sorbische Minderheit ausstrahlt, der Sender Leipzig, der Sender Dresden, der Sender Karl-Marx-Stadt und schlie&szlig;lich der Sender Weimar mit dem ihm angeschlos&shy;senen Studio Gera. Alle Regionalsendungen bestehen fast ausschlie&szlig;lich aus Regionalnachrichten und Geburtstags&shy;gru&szlig;- und Wunschkonzertsendungen. </p>
<p>In den Schulfunksendungen wird viel Wert auf die Vermitt&shy;lung der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung ge&shy;legt. Besonders die Leben deutscher kommunistischer F&uuml;hrer werden beleuchtet, beispielsweise Rosa Luxemburg und Ernst Th&auml;lmann &#8211; wobei Schwachpunkte und Fehler dieser &quot;genialen F&uuml;hrer&quot; verharmlost, ganz verschwiegen oder als &quot;den ge&shy;schichtlichen Bedingungen entsprechend&quot; abgehandelt werden, wenn sie nicht der damaligen &quot;jugendlichen Unerfahrenheit&quot; oder der &quot;noch nicht gefestigten Ideologie&quot; zugeschrieben werden. </p>
<p>Ansonsten ist Radio DDR 2 vor allem der Sender f&uuml;r ernste Musik &#8211; wenn nicht gerade zum 1. Mai stundenlang alte Arbeiterkampflieder gespielt werden. Besonders beliebt dabei: &quot;Die Partei, die Partei, die hat immer Recht&quot;. </p>
<p>Ist Radio DDR 2 zun&auml;chst noch ein Erg&auml;nzungsprogramm zu Radio DDR l so wird es im Laufe der Zeit immer weiter zu einem eigenst&auml;ndigen Vollprogramm ausgebaut. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Radio DDR Ferienwelle</h1>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left">
<tbody>
<tr>
<td rowspan="7" style="text-align: left; vertical-align: top">Sender (1985)</td>
<td rowspan="3" style="text-align: left; vertical-align: top">UKW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Marlow</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">91,05 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Schwerin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">88,55 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Putbus</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">88,6 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="4" style="text-align: left; vertical-align: top">MW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Rostock</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">558 kHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Neubrandenburg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">558 kHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Putbus</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">729 kHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">G&uuml;strow</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1602 kHz</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p> Ab dem 1. Mai 1967 sendet die Radio DDR Ferienwelle allj&auml;hrlich zwischen dem &quot;Internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeiterklasse&quot; und dem 1. September, dem Ende der DDR-weiten Sommerferien, ein Unterhaltungs&shy;programm f&uuml;r die Urlauber an der Ostseek&uuml;ste. Neben viel Musik gibt es auf der Ferienwelle nat&uuml;rlich auch die Nachrichten mit den diversen Plan(&uuml;ber)erf&uuml;llungen und Selbstverpflichtungen. Ab 1973 gibt es auch Infor&shy;mationen in polnischer und tschechischer Sprache. </p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-798" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_qsl_ferienwelle.gif" hspace="6" alt="QSL-Karte der Radio DDR Ferienwelle" title="QSL-Karte der Radio DDR Ferienwelle" border="0" style="float: left;" width="400" height="280" />&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Deutscher Freiheitssender 904 </h1>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left; width: 100%">
<tbody>
<tr>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">Sender:</td>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">MW</td>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">Burg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">904 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">m&ouml;glicherweise auch: 908 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">250 kW</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p> Der Deutsche Freiheitssender 904 ist eine Rundfunksta&shy;tion der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und sendet seit deren Verbot am 18. August 1956. Der Frei&shy;heitssender gibt vor, von einem illegalen Sender inner&shy;halb der Bundesrepublik betrieben zu werden, l&auml;uft aber &uuml;ber den Mittelwellensender Burg bei Magdeburg mit einer Sendeleistung von 100 kW (andere Angaben sprechen von einer Sendeleistung von 250 kW und der Frequenz 908 kHz). </p>
<p>Mit einem auf die Frequenz gelegten Brummton soll bei den H&ouml;rern der Eindruck erweckt werden, die Bundesregie&shy;rung versuche, den Freiheitssender zu st&ouml;ren. Auch wer&shy;den in der Anfangszeit des Sendebetriebes manchmal die Sendungen mit dem Hinweis unterbrochen, man m&uuml;sse kurz abschalten, da ein Peiltrupp der Bundespost vor der T&uuml;r stehe oder um den Standort zu wechseln. </p>
<p>In den Sendungen werden verschl&uuml;sselte Durchsagen ge&shy;bracht. Bis heute ist umstritten, ob es sich dabei tat&shy;s&auml;chlich um Durchsagen f&uuml;r KPD-Gruppen im Untergrund handelt, oder ob diese Durchsagen eher ein Reklamegag des Senders sind. So hei&szlig;t es am 22. April 1959: </p>
<p> <em>&quot;Hier ist der Deutsche Freiheitssender 904. Achtung, wir melden uns mit einer wichtigen Durchsage: Wir rufen den Stellvertreter von Drosselbart. Die Karawane trifft zwei Stunden fr&uuml;her ein. Besondere Ma&szlig;nahmen nicht er&shy;forderlich. Ende der Durchsage.&quot;</em> </p>
<p> Auch in den Beitr&auml;gen versucht der Freiheitssender immer wieder den Eindruck zu erwecken, seine Mitarbeiter be&shy;f&auml;nden sich nicht im Exil in der DDR, sondern h&auml;tten st&auml;ndigen Kontakt mit der westdeutschen Bev&ouml;lkerung: </p>
<p> <em>&quot;Als ich mich gestern nachmittag im Hamburger Stadtpark auf einer Bank ein wenig vom Getriebe der Stadt ver&shy;schnaufen wollte, kam ich mit einem vielleicht zwanzigj&auml;hrigen &#8211; wie sich sp&auml;ter herausstellte &#8211; Motorenschlos&shy;ser ins Gespr&auml;ch. Wir unterhielten uns gerade &uuml;ber die Vor- und Nachtei&shy;le seiner ziemlich neuen DKW-Maschine, als ein Unteroffizier und ein Gefreiter in Bundeswehruniform an uns vor&uuml;ber&shy;gingen.&quot;</em> </p>
<p> Die Sendezeiten des Freiheitssenders werden mehrfach ge&auml;ndert. So wird angesagt: </p>
<p> <em>&quot;Hier ist der Deutsche Freiheitssen&shy;der 904! Wir senden morgens von 5 bis 6 Uhr und abends um 19 Uhr, um 21 Uhr und um 22 Uhr.&quot;</em> </p>
<p> Dagegen hei&szlig;t es in einer Untergrundschrift der KPD, da&szlig; der Freiheitssender um 4.30 Uhr, 5.00 Uhr, 5.30 Uhr&laquo; 19.00 Uhr, 21.00 Uhr und 22.30 Uhr senden w&uuml;rde. </p>
<p>Im Gegensatz zu allen offiziellen DDR-Rundfunksendern &#8211; mit Ausnahme der f&uuml;r Westdeutschland bestimmten Sen&shy;dungen des Deutschlandsenders &#8211; ist das Programm de&laquo; Freiheitssenders sehr &quot;westlich&quot; aufgemacht. In der DDR verp&ouml;nte Jazz- und Tanzmusik geht &uuml;ber den &Auml;ther. </p>
<p>Bevor wegen des Erfolges des Freiheitssenders bei jun&shy;gen Soldaten sein Kollege, der Deutsche Soldatensender, seinen Betrieb aufnimmt, wendet sich 904 vor allem an die Bundeswehr. Dabei verbl&uuml;fft er &#8211; wie sp&auml;ter der Soldatensender &#8211; durch eine detaillierte Kenntnis von Vorg&auml;ngen in den Kasernen. </p>
<p>Nachdem der Soldatensender seinen Betrieb aufgenommen hat, kann sich 904 mehr um die Zivilbev&ouml;lkerung k&uuml;m&shy;mern. So setzt man sich sehr f&uuml;r die Mobilisierung zu den DGB-Demonstrationen am 1. Mai ein, so 1966: </p>
<p> <em>&quot;Es ist 5.30 Uhr, halb sechs. Hier ist der Deutsche Freiheitssender 904, der einzige Sender der Bundesrepublik, der nicht unter Regierungskontrolle steht. <br />F&uuml;r die H&ouml;rer, die sich erst jetzt eingeschaltet haben, einen Blick auf den Kalender: Heute ist Sonntag, der 1. Mai 1966, internationaler Kampf&shy;und Feiertag der Arbeiterklasse. In unserer Fr&uuml;hsendung h&ouml;ren Sie nun als n&auml;chstes Informationen. <br />Wie &uuml;berall in der Welt, r&uuml;sten sich auch in der Bundesrepublik in diesen Stunden die Arbeiter zu den Maikund&shy;gebungen und Demonstrationen der Ge&shy;werkschaften. Allein in Bayern finden heute 500 Maiveranstaltungen des DGB statt. In Baden-W&uuml;rttemberg und Nieder&shy;sachsen werden je 200 Maikundgebungen durchgef&uuml;hrt. <br />Eine scharfe Absage an die Ma&szlig;halte&shy;forderungen des Bundeskanzlers und sein Verlangen nach Mehrarbeit erhob gestern auf der Maifeier des DGB-Kreises Dinslaken der zweite Vorsitzende der IG Bergbau und Energie, Heinz Vetter. &#8230;&quot;</em> </p>
<p> Als Adresse gibt der Freiheitssender ein Wiener Postfach an. Viele Briefe, die an diese Adresse gehen, werden von der &ouml;sterreichischen Post allerdings zur&uuml;ckgeschickt. Massive Drohungen sind auch &uuml;ber 904 kHz zu h&ouml;ren: </p>
<p> <em>&quot;Wer sich in die Dienste der Bonner Schn&uuml;ffelzentralen begibt oder an deren Verfolgung aufrechter K&auml;mpfer f&uuml;r Frieden, Demokratie und gesellschaftlichen Fortschritt teilnimmt, mu&szlig; wissen, da&szlig; er als Volksfeind und Verr&auml;ter betrachtet und schlie&szlig;lich auch zur Verantwort gezogen werden wird.&quot;</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p>&nbsp;</p>
<h1>Deutscher Soldatensender</h1>
<div align="center"><img loading="lazy" decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-799" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_soldatensender.gif" hspace="6" alt="Deutscher Soldatensender" title="Deutscher Soldatensender" border="0" style="float: left;" width="79" height="96" /></div>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left; width: 100%">
<tbody>
<tr>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">Sender:</td>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">MW</td>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">Burg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">935 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">m&ouml;glicherweise auch: 250 kW</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p> Der Deutsche Soldatensender wird in Betrieb genommen, als der gro&szlig;e Erfolg des Deutschen Freiheitssenders 904 bei Soldaten der Bundeswehr bekannt wird. Im Sep&shy;tember 1960 geht die erste Sendung des DSS &uuml;ber den &Auml;ther. Ausgestrahlt werden die Sendungen von Freiheitssender und Soldatensender &uuml;ber den gleichen Mittelwellensender in Burg/DDR. Dies wird offensichtlich, da beide Stationen nie gleichzeitig in der Luft sind und zwischen ihren Sendungen immer eine &uuml;mschaltpause von 15 Minuten liegt. Wie zuvor schon der Freiheitssender, so verf&uuml;gt auch der Deutsche Soldatensender &uuml;ber verbl&uuml;ffende Kenntnis&shy;se aus den Kasernen, die bis zu Wissen &uuml;ber bevorstehende Versetzungen und Bef&ouml;rderungen vor deren offizieller Bekanntgabe reichen. In Berlin ist der Soldatensender nicht zu h&ouml;ren, da hier AFN Berlin, der amerikanische Soldatenfunk, die Frequenz 935 kHz belegt. Offiziell ist auf 935 kHz au&szlig;erdem der sowjetische Sender Lemberg registriert, der seine Sendungen in der Abendstun&shy;den aber reduziert, um nicht den Soldatensender zu st&ouml;&shy;ren. F&uuml;r die KPD ist der Soldatensender augenscheinlich eine Nebensache, zumindestens wird er in in der DDR herausge&shy;gebenen Publikationen der KPD kaum erw&auml;hnt &#8211; im Gegen&shy;satz zu 904. Im Zeichen der zunehmenden Entspannung ist im Sommer 1972 auch f&uuml;r den Soldatensender kein Platz mehr und so mu&szlig; er seinen Betrieb &#8211; ohne jede Vorank&uuml;ndigung &#8211; einstellen. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>DDR statt Deutschland</h1>
<p> W&auml;hrend immer mehr Staaten der Welt die Deutsche Demokra&shy;tische Republik anerkannt haben und auch in der Bundes&shy;republik der Kurs der Anerkennung eingeschlagen wird, legt man in der Staats- und Parteif&uuml;hrung der DDR das politische Ziel der deutschen Einheit zu den Akten. Man ist nun dabei, eine eigenst&auml;ndige Identit&auml;t als DDR als eigenst&auml;ndiges Land mit eigenst&auml;ndiger Nation und nicht mehr eine Identit&auml;t als &quot;besserer Teil Deutsch&shy;lands&quot; herauszubilden. </p>
<p>Im Zuge dieser Abschottung gegen alle Vereinigungsbe&shy;strebungen wird das Wort &quot;Deutschland&quot; &uuml;berall getilgt, wo es nur m&ouml;glich ist. Die Nationalhymne &quot;Auferstanden aus Ruinen&quot; mit Zeilen wie &quot;Deutschland einig Vaterland&quot; und &quot;Deutschland unser Vaterland&quot; wird nur noch gespielt und nicht mehr gesungen. Der Deutsche Fernsehfunk wird zum Fernsehen der DDR und alle &quot;zu deutschen&quot; Rundfunk&shy;sender werden eingestellt und durch neue Stationen er&shy;setzt. </p>
<p>Der Deutschlandsender und die f&uuml;r ganz Berlin sendende Berliner Welle verschwinden, daf&uuml;r kommt die Stimme der DDR. Auch die f&uuml;r die Bundesrepublik sendenden Untergrundsehder Deutscher Freiheitssender 904 und Deut&shy;scher Soldatensender verschwinden ersatzlos. Auch spe&shy;zielle Sendungen f&uuml;r westdeutsche H&ouml;rer gibt es nicht mehr. </p>
<p>Themenschwerpunkte sind nun noch verst&auml;rkt das Geschehen in der DDR und den &quot;sozialistischen Bruderstaaten&quot;. &Uuml;ber das Leben im Westen h&ouml;ren die Menschen in der DDR vor allem Stichworte wie Arbeitslosigkeit, Berufsver&shy;bote, Drogen. W&auml;hrend Katastrophen und Unf&auml;lle im Westen breit er&ouml;rtert werden, geschieht dies bei gleichen Ereig&shy;nissen im &quot;sozialistischen Lager&quot; nur nach starken Ver&shy;z&ouml;gerungen und wenn es sich nicht vermeiden l&auml;&szlig;t, z.B. weil die Westmedien bereits ausf&uuml;hrlich &uuml;ber die Ereig&shy;nisse berichten. Ein sehr gutes Beispiel hierf&uuml;r sind die Ungl&uuml;cke in Harrisburg, da&szlig; von der DDR sehr ausge&shy;schlachtet wird, und Tschernobyl, was in den Medien zwischen Rostock und Dresden nur am Rande behandelt wird. </p>
<p>Lediglich die Stimme der DDR wahrt etwas das Zielgebiet Bundesrepublik, was sich dadurch ausdr&uuml;ckt, da&szlig; &uuml;ber Ereignisse in der BRD ausf&uuml;hrlicher berichtet wird, als in den anderen Sendern: Radio DDR l, Radio DDR 2, Ber&shy;liner Rundfunk und ab 1987 Jugendradio DT 64. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Internationale Programme</h1>
</p>
<h2>STIMME DER WAHRHEIT <br />(Radiofonikos Stathmos i Foni tis Alithias)</h2>
<p> Die Stimme der Wahrheit sendet ab 1958 als Sender der griechischen Kommunisten in griechischer Sprache nach Griechenland und Zypern. Das Programm, das ab 1969 nach einer Programmerweiterung um 86,5 Prozent w&ouml;chentlich 35 Stunden 35 Minuten lang ausgestrahlt wird, kommt &uuml;ber den Kurzwellensender Leipzig und wahrscheinlich zus&auml;tzlich &uuml;ber einen rum&auml;nischen Sender.</p>
<h2>BIZIM RADYO <br />(Unser Radio)</h2>
<p>Bizim Radyo sendet ab 1958 als Stimme der verbotenen T&uuml;rkischen Kommunistischen Partei in t&uuml;rkischer Sprache f&uuml;r die T&uuml;rkei und Zypern. Sein Wochenprogramm hat die Dauer von 21 Stunden 30 Minuten und kommt &uuml;ber den Leip&shy;ziger Kurzwellensender und wahrscheinlich auch &uuml;ber einen rum&auml;nischen Sender.</p>
<h2>AMERICAN FORCES NETWORK</h2>
<p>W&auml;hrend der Berlin-Krise um den Bau der Mauer wendet sich aus Ost-Berlin ein falsches AFN an die in den Konflikt verwickelten amerikanischen Soldaten auf der Welle von AFN Berlin (und dem Deutschen Soldatensender) 935 kHz. Seine Kennmelodie: &quot;Don&#39;t fence me in&quot; (Z&auml;une mich nicht ein).</p>
<h2>RADIO VLTAVA</h2>
<p>Radio Vltava meldet sich vom ersten Tag des Einmarsches von Truppen des Warschauer Vertrags in die Tschechoslo&shy;wakei an und sendet sechs Monate lang 1968 in tschechischer und slowakischer Sprache. Radio Vltava benutzt haupt&shy;s&auml;chlich die Mittelwellenfrequenz 1430 kHz. Am 13. Febru&shy;ar 1969 beendet der Propagandasender pl&ouml;tzlich seine Sendungen. Wenige Stunden sp&auml;ter ist auf dieser Welle Radio Berlin International zu h&ouml;ren.</p>
<h2>RADIO IRAN-KURIER  <br />(Radio Peyk-e Iran)</h2>
<p>Zwischen 1957 und 1961 (hier&uuml;ber gibt es unterschied&shy;liche Angaben) beginnen Sendungen der iranischen Kommu&shy;nisten &uuml;ber die Anlagen von Radio Berlin International. Ab 1963 wird Radio Iran-Kurier, dessen iranischer Name in Deutschland nicht unbekannt ist, von bulgarischen Sendern ausgestrahlt. Die iranische kommunistische Tudeh-Partei sendet &uuml;ber diesen Sender w&ouml;chentlich 25 Stun&shy;den 40 Minuten.</p>
<h2>RADIO VOLGA</h2>
<p>Der Sender der sowjetischen Streitkr&auml;fte in der DDR sendet &uuml;ber einen 100 kW starken Langwellensender in K&ouml;nigs Wusterhausen auf 263 kHz. Unter der Ansage &quot;Govorit Volga&quot; gibt es t&auml;glich zwischen 19 und 20 Uhr, am Wochenende zus&auml;tzlich vormittags, Musik und Infor&shy;mationen f&uuml;r die sowjetischen Soldaten. In der &uuml;brigen Zeit wird das erste Programm des Moskauer Inlandsrund&shy;funks &uuml;bertragen.</p>
<h2>RADIO MOSKAU  <br />SENDER FRIEDEN UND FORTSCHRITT</h2>
<p>Die sowjetischen Sender Radio Moskau und ab 1964 der Sender Frieden und Fortschritt nutzen neben dem Sender von Radio Volga auch einen eigenen Relaissender in Leipzig auf der Mittelwellenfrequenz 1323 kHz mit einer Sende&shy;leistung von 150 kW</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-800" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_qsl_radiomoskau.gif" hspace="6" alt="QSL-Karte von Radio Moskau" title="QSL-Karte von Radio Moskau" border="0" style="float: left;" width="400" height="494" />&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Stimme der DDR</h1>
<div align="center"><img loading="lazy" decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-801" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_stimmederddr.gif" hspace="6" alt="Stimme der DDR" title="Stimme der DDR" border="0" style="float: left;" width="79" height="80" /></div>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left">
<tbody>
<tr>
<td rowspan="18" style="vertical-align: top; text-align: left">Sender (1987):</td>
<td rowspan="11" style="text-align: left; vertical-align: top">UKW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,65 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Brocken</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,4 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dequede</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">96,9 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dresden</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,25 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Helpterberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,15 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">30 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Inselsberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,15 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Karl-Marx-Stadt</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,0 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Leipzig</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">96,6 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Marlow</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">96,65 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Schwerin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">95,3 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Sonneberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">94,2 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="4" style="text-align: left; vertical-align: top">MW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Burg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">783 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1000 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Wachenbrunn</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">882 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">250 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1170 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">5 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Burg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1575 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">250 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">LW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Oranienburg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">177 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">750 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">KW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">6155 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">50 kW</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="4" valign="middle" style="text-align: left">(&Uuml;ber 1575 kHz und die Kurzwelle werden zeitweise die Sendungen von Radio Berlin International ausgestrahlt)</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p> 1971 stellen der Deutschlandsender und die Berliner Welle ihre Sendungen ein. Auf ihren Wellen meldet sich ab dem 15. November 1971 die Stimme der DDR &quot;aus der DDR f&uuml;r die DDR und ihre Freunde im Ausland&quot;, wie es im Programmauftrag hei&szlig;t. </p>
<p>Das Programm besteht aus Informations- und Musiksendungen, au&szlig;erdem aus den obligatorischen Nachrichten, Kommentaren und anderen Zeitfunksendungen. Ein bi&szlig;chen st&auml;rker als die anderen Sender des Rundfunks der DDR orientiert man sich auch gen Westen und greift Themen aus der Bundesrepublik immer etwas ausf&uuml;hrlicher auf als die Kollegen. </p>
<p>Nat&uuml;rlich ist man sich in der Nalepastra&szlig;e 18-50, genau wie von allen Stationen auch Sitz der Stimme der DDR, im Klaren dar&uuml;ber, da&szlig; es nicht gelingen kann, ein breites Publikum in der Bundesrepublik zu erreichen. Man ist sich bewu&szlig;t, da&szlig; vor allem Gesinnungsfreunde aus dem Westen die Stimme der DDR h&ouml;ren, um etwas &uuml;ber die offizielle Position der DDR zu diesem oder jenem Thema zu erfahren. Und so befriedigt die Stimme der DDR auch diese speziellen Informationsbed&uuml;rfnisse, zum Beispiel bei Berichten &uuml;ber die Parteitag der DKP: </p>
<p> <em>&quot;Mit lang anhaltendem Beifall begr&uuml;&szlig;ten die Delegierten dieses Parteitages Hermann Axen, Mitglied des Politb&uuml;ros und Sekret&auml;r des ZK der SED, als er ans Rednerpult trat: <br />&#39;Liebe Genossinnen und Genossen! Es ist f&uuml;r unsere Delegation eine tiefe Freude, euch, den Delegierten des 8. Parteitages der Deutschen Kommu&shy;nistischen Partei, die herzlichsten, br&uuml;derlichen Kampfesgr&uuml;&szlig;e der Kommunisten der Deutschen Demokratischen Repu&shy;blik, des Zentralkomitees der Sozialist&shy;ischen Einheitspartei Deutschlands und seines Generalsekret&auml;rs, Genossen Erich Honecker, zu &uuml;bermitteln! (&#8230;) Das Banner Ernst Th&auml;lmanns f&uuml;hrt die revolution&auml;re Vorhut der Arbeiter&shy;klasse und des Volkes der Bundesrepu&shy;blik Deutschland, die Deutsche Kommunist&shy;ische Partei, mit unbesiegbarer Kraft voran im Kampf um Frieden, Demokratie und Sozialismus!&quot;</em> </p>
<p> In einer kleinen Werbeschrift &quot;Rundfunk der DDR sendet f&uuml;r Sie!&quot; wird die Stimme der DDR gefeiert: </p>
<p> <em>&quot;Ein Programm nach H&ouml;rerwunsch &#8211; Stimme der DDR. Spritzige Morgenmusik, Infor&shy;mationen und polemische Einblicke, Vormittagsmagazin &#39;Bunte Welle&#39;, popu&shy;l&auml;re Unterhaltung zum Feierabend, festliches Konzert am Samstagabend, Pop-mobil zum Muntermachen in der Nacht. J&auml;hrliche Solidarit&auml;tsaktion &#39;Dem Frieden die Freiheit&#39;.&quot;</em> </p>
<p> Die angesprochene Solidarit&auml;tsaktion &quot;Dem Frieden die Freiheit&quot; ist tats&auml;chlich jedes Jahr einer der H&ouml;hepunkte des Rundfunks der DDR, speziell der Stimme der DDR. Bei dieser Aktion werden Spenden f&uuml;r die nationalen Befreiungsbewegungen in der &quot;Dritten Welt&quot; und f&uuml;r den Aufbau gerade befreiter L&auml;nder gesammelt. In den letzten Jahren der DDR sind vor allem die Sandinisten Nicaraguas und die Befreiungsbewegung SWAPO von Namibia Ziel der Solidarit&auml;t. Die Aktion wird regelm&auml;&szlig;ig durch gro&szlig;e Kon&shy;zerte begleitet, die von Stimme der DDR und dem DDR-Fernsehen direkt &uuml;bertragen werden. </p>
<p>Andere Ereignisse, bei denen Stimme der DDR und ihre Mitfunker auf Hochtouren laufen, sind diverse Festivals der FDJ und der SED, so das &quot;Festival des politischen Liedes&quot;, die FDJ-Pfingsttreffen, die regelm&auml;&szlig;ig stattfindenden &quot;FDJ-Liedersommer&quot; und viele andere, au&szlig;erdem nat&uuml;rlich immer wieder die Feierlichkeiten am 1. Mai und 7. Oktober (Geburtstag der DDR).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Jugendradio DT 64</h1>
<div align="center"><img loading="lazy" decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-802" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_dt64.gif" hspace="6" alt="Jugendradio DT 64" title="Jugendradio DT 64" border="0" style="float: left;" width="79" height="46" /></div>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left">
<tbody>
<tr>
<td rowspan="13" style="text-align: center; vertical-align: top">Sender (1987):</td>
<td rowspan="13" style="text-align: center; vertical-align: top">UKW</td>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">Schwerin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">88,5 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">101,3 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">93,1 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Brocken</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">101,4 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dequede</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">101,0 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dresden</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">96,2 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Inselsberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">102,2 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Karl-Marx-Stadt</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100,0 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Leipzig</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">98,5 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">L&ouml;bau</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">91,8 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Marlow</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">95,5 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Putbus</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">91,5 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Sonneberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">102,7 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p> 1987 versuchen SED und FDJ der Tatsache entgegenzusteuern, da&szlig; immer mehr Jugendliche auf westliche Rundfunksender umschalten, bei denen es keine Regel gibt, da&szlig; die H&auml;lfte der gespielten Musik aus der DDR sein mu&szlig;. Vor allem RIAS 2 erfreut sich wachsender Beliebtheit. So fast man im Zentral&shy;rat der FDJ den Entschlu&szlig;, die Jugendsendungen des Berli&shy;ner Rundfunks, Jugendstudio DT 64, und der Stimme der DDR, Hallo &#8211; Das Jugendjournal, aus dem Programm auszugliedern und ihnen eine eigene Senderkette zu geben. Es entsteht das Jugendradio DT 64, eine Einrichtung, die tats&auml;chlich viele junge Menschen in der DDR anspricht, ohne den Sendern aus der Bundesrepublik und Westberlin ihre Basis zu ent&shy;ziehen. Das gelingt dem Sender, der seinen Namen vom &quot;Deutsch&shy;landtreffen der Jugend 1964&quot;, einem Treffen von FDJ und westdeutschen Jugendlichen mit mehreren hunderttausend Teilnehmern, herf&uuml;hrt, vor allem dadurch, da&szlig; er schon vor der Wende im Vergleich zu den anderen Sendern relativ offen berichtet und auch viel unkonventionelle Musik spielt, so auch Punkrock der &quot;Toten Hosen&quot; und der DDR-Band &quot;Die Skeptiker&quot; mit sehr kritischen Texten: </p>
<p> <em>&quot;Alle wollen mit dem Arsch an die Wand, <br />Schleimer und Kriecher gibt&#39;s in jedem Land, <br />die erste B&uuml;rgerpflicht hei&szlig;t Ord&shy;nung und Ruh&#39;, <br />schlaft gut und macht die Augen nur fest zu.&quot;</em> </p>
<p>Dazu kommt ein sehr auf die Jugend ausgerichtetes Programm&shy;format. Nachrichten sind meist sehr kurz gehalten und ver&shy;f&uuml;gen meist sogar &uuml;ber Inhalt &#8211; im Gegensatz zu den vor Selbstverpflichtungen und Normerf&uuml;llungen triefenden Nach&shy;richten der alten DDR-Sender. </p>
<p>Aber nat&uuml;rlich steht auch DT 64 voll unter Kontrolle von SED und FDJ und die Offenheit findet ihre Grenzen, wenn es um Kritik an den Grundlagen des Systems und an schweren M&auml;ngeln geht. </p>
<p> In der Werbebrosch&uuml;re &quot;Rundfunk der DDR sendet f&uuml;r Sie&quot; klingt die Einrichtung des Jugendsenders so: </p>
<p> <em>&quot;In dem Bem&uuml;hen, den Anspr&uuml;chen der H&ouml;rer nach vielseitiger Infor&shy;mation und Unterhaltung noch besser gerecht zu werden, wurden Ende 1987 die nationalen Programme des DDR-Rundfunks weiter profiliert: <br />Seit dem 1. Dezember 1987 sendet Jugendradio DT 64 &#8211; das seit M&auml;rz 1986 als selbst&auml;ndiger Sender be&shy;steht &#8211; auf eigenen Frequenzen t&auml;g&shy;lich von 4.00 bis 24.00 Uhr f&uuml;r junge Leute. Damit konnten der Ber&shy;liner Rundfunk und die Stimme der DDR, die bis dahin umfangreiche Jugendsendungen ausstrahlten, eine Reihe neuer Programmvorhaben &#8211; vor allem auf dem Gebiet der Musik und der Ratgeberreihen &#8211; verwirklichen.&quot;</em> </p>
<p> Kurz vor und w&auml;hrend der Wende in der DDR geh&ouml;rt DT 64 zu denjenigen, die am schnellsten schalten. Schon vor Honeckers Sturz h&ouml;rt man auf DT 64 bereits vereinzelt kri&shy;tische Beitr&auml;ge, beispielsweise Interviews mit Teilnehmern der Montagsdemonstration. Nach Honeckers Sturz ist das Jugendradio der Sender, der am schnellsten auf die neue Situation umschaltet. Kritik und Offenheit geh&ouml;rt nun fest zum Programm. Doch im Gegensatz zu den meisten Journalisten beweisen die Jugendradio-Mitarbeiter kein Wellenlinienbe&shy;wu&szlig;tsein. Auch als die meisten Journalisten &#8211; in Angst um ihren Posten &#8211; pl&ouml;tzlich der Marktwirtschaft das Wort reden, die sie vorher verdammt haben, bleibt DT 64 eine kritisch fragende Instanz.</p>
<p align="center"><img decoding="async" src="images/stories/Rundfunk/ddr/dt64-demo.jpg" hspace="6" alt="Schwerin, 29. Februar 1992: 5000 meist junge Menschen demonstrieren f
</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zwischen Hölle und Freiheit &#8211; Rundfunk im Zweiten Weltkrieg</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/zwischen-h-und-freiheit-rundfunk-im-zweiten-weltkrieg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Jul 1989 14:38:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rundfunk im Zweiten Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunk]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunkkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarzsender]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[Für diese Dokumentation wurde Material aus folgenden Büchern, Zeitschriften und Dokumenten verwendet: Conrad Pütter: Rundfunk gegen das &#8222;Dritte Reich&#8220; Beiträge[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" size-full wp-image-1036" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1989/07/Rundfunk_wk2_cover.gif" alt="Zwischen H&lt;hr id=" width="250" height="360" border="0" hspace="6" /> <span id="more-1045"></span></p>
<p>Für diese Dokumentation wurde Material aus folgenden Büchern, Zeitschriften und Dokumenten verwendet:</p>
<p>Conrad Pütter: Rundfunk gegen das &#8222;Dritte Reich&#8220;<br />
Beiträge zur Geschichte des Rundfunks 3/77 und 4/77<br />
Reimund Schnabel: Mißbrauchte Mikrofone<br />
Der Spiegel 11/1970 und 14/1970<br />
Carl Brinitzer: &#8222;Hier spricht London&#8220;<br />
Sefton Delmer: Die Deutschen und ich<br />
Archiv der Gegenwart 1.-3.9.1939; 1.1.1945; 2.4.1945; 1.5.1945; 8.5.1945<br />
BBC London (Hrsg.): Zur Rolle des Deutschsprachigen Dienstes der BBC 1938-1945<br />
BBC London (Hrsg.): Festschrift 50 Jahre BBC &#8211; Deutsches Programm Radio von unten 9/88<br />
Rainer Pinkau: Geheimsender im Wortlaut<br />
Freies Volk (KPD-Untergrundzeitung 1967)<br />
die tat 8. 8. 1980<br />
funk Spezial &#8211; Kurzwelle hören 1987/88</p>
<h1>Kleine Begriffserklärung</h1>
<p>Im Zweiten Weltkrieg sprach man von sogenannten &#8222;weißen&#8220;, &#8222;grauen&#8220; und &#8222;schwarzen&#8220; Sendern. Unter &#8222;weißen&#8220; Sendern verstand man die Sender, die ihre Identi­tät nicht leugneten und sich in ihren Berichten an die Wahrheit hielten, also z.B. die BBC London und Radio Moskau.</p>
<p>Als &#8222;schwarze&#8220; Stationen bezeichnete man die Sender, die bewußt Falschmeldungen an den Feind sendeten oder vorgaben, aus dem Feindesland selbst zu senden, obwohl sie z.B. über die Anlagen der BBC oder von Radio Moskau sendeten. In diese &#8222;schwarze&#8220; Kategorie gehören z.B. Gustav Siegfried 1, der Soldatensender Calais oder der Sender 1212, die alle als angeblich deutsche Stationen geschickt plazierte Falschmeldungen sendeten.</p>
<p>Die &#8222;grauen&#8220; Sender schließlich waren Stationen, die weder der &#8222;schwarzen&#8220; noch der &#8222;weißen&#8220; Kategorie zuzurechnen waren. Als &#8222;grau&#8220; wurden Stationen bezeichnet, die zwar mehr oder weniger wahrheitsgetreue Meldungen brachten, ihren Standort und ihren Urheber aber falsch oder gar nicht angaben. Hierzu gehört z.B. der Deutsche Freiheitssender 29,8.</p>
<h1>Frühe Freiheitssender gegen Hitler</h1>
<p>Die Nacht vom 23. auf den 24. Januar 1935. Ein Kommando der Gestapo ermordet in der Nähe der tschechischen Hauptstadt Prag den technischen Leiter des ersten Schwarzsenders des 2. Welt­krieges, Rudolf Formis.</p>
<p>Der Sender Schwarze Front gibt vor, von Berlin aus zu senden. Otto Strasser, ein Nazi der ersten Stunde, der, nachdem er sich mit Hitler überworfen hatte, die sog. &#8222;Schwarze Front&#8220; gründete, hofft, mit dem Sender seinem Ziel, eine Einheitsfront aller Htler-Gegner und Emigranten zu schaffen, näher zu kommen. In flammenden Aufrufen richtet er heftige Angriffe gegen das NS-Regime, seine politischen Repräsentanten und besonders gegen Hitler selbst. Er fordert zu Widerstand in Form von Sabotage und Bildung von Widerstandsgruppen auf und erwidert täglich die Propaganda des Reichsrundfunks. Strasser versucht im Sender Schwarze Front, die NSDAP lächerlich zu machen, basierend auf seinen intimen Kenntnissen aus der Partei sowie der Personen Hitlers und Goebbels&#8216; aus der gemeinsamen &#8222;Kampfzeit&#8220; vor 1930. Besonders dieser Teil der Sendungen soll die Wut Hitlers und seines Gefolges hervorgerufen haben. Schon bald nach dem Auf­tauchen des Senders interveniert das Auswärtige Amt bei der tschechischen Regierung und verlangt die sofortige Einstellung des Senders und die Bestrafung der Betreiber. Als dies und heftige Polemiken in der deutschen Presse nicht fruchten, läßt die Gestapo den Sender in der oben schon beschriebenen Weise zum Schweigen bringen.</p>
<p><em>&#8222;Hier spricht der Sender der Deutschen Freiheitspartei!&#8220;</em></p>
<p>Mit diesen Worten meldet sich zwischen Januar und April 1938 auf Kurzwelle 38,26 Meter = 7840 kHz der Sender der Deutschen Freiheitspartei von Bord des unter britischer Flagge laufenden Fischkutters &#8222;Faithful Friend&#8220; im Ärmelkanal. Dieses kurze, abenteuerliche Unternehmen ist mit dem Ziel ins Leben gerufen worden, die deutsche Bevölkerung über die &#8222;wahre Natur der NSDAP&#8220; aufzuklären. Der Sender der Deutschen Freiheitspartei liefert detaillierte Berichte über die von offizieller Seite geleugnete Beteiligung der deutschen &#8222;Legion Condor&#8220; am spanischen Bürger­krieg. Er nimmt auch am Jahrestag der Saarabstimmung deutlich gegen die &#8222;gefälschte Volksabstimmung&#8220; Stellung und bezeichnet sich als Sprachrohr einer &#8222;Deutschen Freiheitspartei&#8220; und fordert zum Beitritt in diese Partei und zum Widerstand gegen Hitler auf.</p>
<p><em>&#8222;Achtung! Achtung! Hier spricht der Deutsche Freiheitssender 29,8. Trotz Gestapo! Sollten Sie uns an einem Abend nicht hören können, aus begreiflichen Gründen, so suchen Sie uns am nächsten Abend! Wir kommen immer wieder!&#8220;</em></p>
<p>Über einen Sender in der Nähe von Madrid meldet sich zwischen Januar 1937 und März 1939 der Deutsche Freiheitssender 29,8. Zunächst firmiert 29,8 als Stimme der illegalen KPD, später stellt er sich dem Pariser &#8222;Volksfrontkongreß&#8220; zur Verfügung. Durch diese Öffnung nach allen politischen Seiten wird es möglich, daß viele berühmte deutsche und ausländische Persönlich­keiten über den Sender zu Wort kommen, so z.B. Bertolt: Brecht, Willi Bredel, Albert Einstein, Lion Feuchtwanger, Ernest Heming­way, der &#8222;rasende Reporter&#8220; Egon Erwin Kisch, Heinrich und Thomas Mann, Erich Weinert u.v.m.</p>
<p>Der Deutsche Freiheitssender 29,8 sieht seine Aufgabe darin, die deutsche Arbeiterschaft über die wahre Natur des Faschismus aufzuklären. Er macht den Einsatz der &#8222;Legion Condor&#8220; in Spanien bekannt und warnt mit deutlichen Worten vor den Gefahren eines heranziehenden Krieges in Europa. Der Sender propagiert eine Volksfrontregierung in Deutschland, da nur sie ein wirksames Mittel gegen den Hitlerfaschismus sein könne.</p>
<p>Immer wieder wird über die Kurzwelle 29,8 Meter zum Widerstand aufgerufen und genaueste Anweisungen zu Sabotageakten durch­gegeben.</p>
<p>Als einer der ersten antifaschistischen Schwarzsender erreicht 29,8 unter den deutschen Arbeitern eine relativ hohe Bekanntheit. Seine Meldungen werden als &#8222;Flüsterpropaganda&#8220; weitergegeben. Gestapo und deutsche Behörden starten teilweise groteske Such­aktionen nach dem Sender, den sie zeitweise in Süddeutschland oder im Saargebiet vermuten. Sie durchsuchen LKW&#8217;s und Rhein­schiffe.</p>
<p>Mit der Niederlage der republikanischen spanischen Regierung muß der Deutsche Freiheitssender 29,8 verständlicherweise seine Sen­dungen einstellen. Dabei laufen die Mitarbeiterdfles Senders in Barcelona beinahe den Franco-Faschisten in die Arme, da sie die Umstellung der Stadt durch diese nicht bemerken. Sie sind aber noch unter den letzten, die die Stadt und Spanien verlassen können.</p>
<p>Verwirrung löst in Deutschland ein Deutscher Freiheitssender aus, der sich einige Zeit nach dem Ende von 29,8 auf der gleichen Welle meldet. Dieser Sender aber steht in Frankreich und wird von der französischen Regierung betrieben. Die KPD distanziert sich schnell von dieser Station. Auch daran mag es liegen, daß diese Statioh nicht an die Erfolge des Deutschen Freiheitssenders 29,8 anknüpfen kann.</p>
<h1>Die Stimme des Grössenwahns</h1>
<p><em>&#8222;Hier ist der Reichssender Hamburg. Mit dem Gongschlag war es 20 Uhr. Sie hören die Nachrichten des Drahtlosen Dienstes. Nach dem großen Ereignis der Eröffnung der Spiele von Berlin zur Feier der 11. Olympiade neuer Zeitrechnung begann heute morgen um 9 Uhr der erste Kampftag. (&#8230;) Die feierliche Eröffnung der elften Olympischen Spiele Berlin 1936 beschäftigte heute Morgen die gesamte Pariser Presse. Fast in allen Blättern kommt eine rückhaltlose Anerkennung der gewaltigen deutschen Vorbereitungen zum Ausdruck. (&#8230;) Die Schilderungen der Eröffnungsfeier, in denen jede Einzelheit des großartigen Schauspiels gewürdigt und beschrieben wird, nehmen in den norditalienischen Blättern breiten Raum ein. Für den Corriere de la Serra ist die ganze Festlichkeit von der Majestät des Friedens getragen.&#8220;</em></p>
<p>So berichtet am 3. August 1936 der Reichssender Hamburg vom Beginn der Olympischen Spiele in Berlin. Man ist bemüht, ein Bild von einem Deutschland zu zeichnen, das sich nichts sehnlicher wünscht als den Frieden. Kaum jemand kommt während der Spiele der Gedanke, daß Hitler nur drei Jahre später die Welt in den 2. Weltkrieg stürzen wird. Doch nach dem Ende der Spiele ändert sich das Bild Deutschlands rasch.</p>
<p>Während des spanischen Bürgerkrieges schickt Hitler seine &#8222;Legion Condor&#8220; zur Unterstützung der Putschisten Francos nach Spanien. Diese &#8222;Legion Condor&#8220; macht 1937 die spanische Stadt Guernica dem Erdboden gleich und ermordet die Bewohner, eine Schandtat, die der deutsche Rundfunk und die faschistische Kino-Wochenschau den &#8222;Bolschewisten&#8220; anlastet:</p>
<p><em>&#8222;Das sind die Ruinen der altspanischen Stadt Guernica, wenige Stunden, nachdem die bolschewistischen Mordbrenner von den nationalen Truppen vertrieben worden waren. Die jüdische Lügenpresse behauptete, deutsche Flugzeuge hätten die Stadt bombardiert. Jedoch mußte die internationale Weltpresse diese Meldung sehr bald als Pressemanöver der Bolschewisten brandmarken, welche selbst die gesamte Stadt beim Verlassen Haus für Haus niedergebrannt hatten.&#8220;</em></p>
<p>&#8222;Bolschewisten&#8220; &#8211; das sind die Internationalen Brigaden aus aller Herren Länder, die auf der Seite der demokratisch gewählten republikanischen Regierung gegen die Faschisten kämpfen, so z.B. die deutsche &#8222;Thälmann-Brigade&#8220;. Doch die Republikaner sind Franco und seinen mächtigen Unterstützern in Hitler-Deutschland und Mussolini-Italien nicht gewachsen. Madrid fällt im März 1939.</p>
<p>1938 marschieren die Deutschen in Österreich ein &#8211; &#8222;Heim ins Reich&#8220; heißt die Parole und Österreich fällt ohne einen Schuß. Hitler spricht kurz nach dem Einmarsch in Linz und Wien, umjubelt von hunderttausenden Österreichern. Ob diese auch so gejubelt hätten, wenn sie das Ende vorausgesehen hätten?</p>
<p>Als nächstes nimmt sich Hitler die Tschechoslowakei vor. Er will das Sudetenland als &#8222;urdeutsches Volksgebiet heim ins Reich&#8220; holen. Sudetendeutsche Nazis provozieren blutige Konflikte mit den Tschechen, worauf Hitler mit einer militärischen Intervention droht. Um des lieben Friedens Willen billigen England, Frankreich und Italien im Münchener Abkommen die Annexion des Sudetenlandes. Die deutschen Faschisten stellen diesen Raubzug im Rundfunk natürlich ganz anders dar:</p>
<p><em>&#8222;Ende September 1938 &#8211; eine brennende politische Frage drängt zur Entscheidung. Unter der Knute der tschechischen Soldateska kämpfen drei Millionen Sudetendeutsche um ihr Lebensrecht. Der Blutterror des tschechischen Staatspräsi­denten Benesch entfesselt eine wahre Menschenjagd. 50.000, 100.000, 200.000 &#8211; die Zahl der Flüchtlinge steigt von Tag zu Tag. Wer nicht flieht ist den grauenhaften Foltermethoden der Tschechen ausgeliefert. Drei Sudetendeutsche gefesselt an einen Lastwagen gebunden und dann in vollem Tempo durch die Straßen geschleift. Mit vorgehaltenem Bajonett treibt man die Menschen auf den Straßen zusammen und zwingt sie, im Rücken von Maschinengewehren bedroht, sich in Trab zusetzen. Die Wohnungen zerstört, das Vieh erschossen, die Menschen in brutalster Weise mißhandelt und in das innere des Landes verschleppt. So lauten die Meldungen aus dem Sudetenland. Eine Liste des Grauens. Die Empörung der Deutschen im Reich ist auf dem Siedepunkt. Die Nation ist bereit, für die Befreiung der deutschen Brüder das Schwert zu ziehen.&#8220;</em></p>
<p>Je lauter der faschistische deutsche Rundfunk die &#8222;Erfolge&#8220; der Hitler-Regierung feiert, desto pessimistischer wird die Stimmung im Volk. Immer mehr Mennschen wird klar, daß Hitler einen Krieg gegen Polen provozieren will. Der Großdeutsche Rundfunk bereitet seine Hörer vor, säht Haß gegen Polen, berichtet von angeblichen polnischen Greueltaten gegen in Polen lebende Deutsche:</p>
<p><em>&#8222;Hier spricht der Großdeutsche Rundfunk. Wir geben Nachrichten. Daß die Wut des Pöbels und der polnischen Staatsorgane nicht einmal vor Kindern haltmacht, beweist ein roher Überfall in Bromberg auf fünf Kinder von Volksdeutschen im Alter zwischen 8 und 13 Jahren. Eine Rotte junger Polen überfiel die Kinder auf der Straße, prügelte sie und bespie sie. In einem polnischen Gefängnis in Oberschlesien wurde wieder ein Deutscher zu Tode gemartert.&#8220;</em></p>
<p>Am 31. August überfällt ein SS-Kommando in polnischen Uniformen den Reichssender Gleiwitz und besetzt ihn. Es wird in Deutsch und Polnisch durchgesagt, daß sich der Sender in polnischer Hand befände. Zur dramatischen Untermalung schießen die SS-Leute ein paar mal in die Studioecke.</p>
<p>Der Spuk dauert nur kurze zeit, dann flüchten die SSler in einem bereit stehenden Wagen und erschießen aus diesem heraus einen Passanten &#8211; blutiges Zeichen der Existenz des angeblich polnischen Überfalls. Diesen angeblichen polnischen Überfall nimmt Hitler zum Anlaß, um Polen am 1. September 1939 den Krieg zu erklären:</p>
<p><em>&#8222;Polen hat heute Nacht zum erstenmal auf unserem eigenen Territorium auch durch reguläre Soldaten geschossen. Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen! Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten!&#8220;</em></p>
<p>Der Zweite Weltkrieg beginnt, der Weltkrieg, der 55 Millionen Menschen das Leben kosten und die Deutschen für Generationen beschämen wird.</p>
<p>Einige Wochen nach Kriegsbeginn wird auf Hitler im Münchener Hofbräukeller ein Attentat verübt. Was für ein grenzenloses Leid wäre Europa erspart geblieben, wäre es geglückt. Aber Hitler entgeht dem Anschlag.</p>
<p><em>&#8222;Der Reichssender München ist nun hier hinausgekommen in den Saal des Bürgerbräukellers um Ihnen von der Attentatsstelle zu berichten. (&#8230;)<br />
Zu dem Mitgefühl für die vielen, vielen Schwer- und Leichtverletzten beherrscht uns ein unsagbar glückliches Gefühl. Wir sind dem Schicksal unendlich dankbar dafür, daß es uns den Führer erhalten hat, daß der Führer uns geblieben ist.&#8220;</em></p>
<p>Zunächst läuft an den Fronten für Hitler alles nach Plan. Nach Polen kapitulieren 1940 die Niederlande, Belgien und Frankreich. Deutsche Truppen besetzen Dänemark, Norwegen, Griechenland und Jugoslawien. Der Luftkrieg gegen Großbritannien ist in vollem Gange. Der deutsche Rundfunk stachelt seine &#8222;Volksgenossen&#8220; mit martialischen Reportagen, Schlagern, Plänen für die Nachkriegs­zeit und Wunschkonzerten für die Wehrmacht auf. Landserunter­haltung und gezielte Desinformationen bestimmen das Programm. Das Abhören von &#8222;Feindsendern&#8220; ist strengstens untersagt1 . Im Juni 1941 erklärt das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) im deutschen Rundfunk:</p>
<p><em>&#8222;Zur Abwehr der drohenden Gefahr aus dem Osten ist die deutsche Wehrmacht am 22. Juni, 3 Uhr früh, mitten in den gewaltigen Aufmarsch der feindlichen Kräfte hineingestoßen.&#8220;</em></p>
<p>Die Hitlerfaschisten fallen unter Bruch des Nichtangriffspaktes in die Sowjetunion ein.</p>
<p>Dieser Einmarsch ist der Anfang vom Ende. Dabei sieht es am Anfang prächtig für Hitler aus. Im &#8222;Blitzkrieg&#8220; stoßen die faschistischen Truppen weit auf sowjetisches Gebiet vor. Doch vor Moskau stoppt der Vormarsch und bei Stalingrad kommt die Wende des Krieges. Die Armee des Generals Paulus wird von sowjetischen Truppen eingekreist und vernichtet. Hitlers Truppen können Moskau nicht einnehmen, Leningrad ergibt sich nicht &#8211; trotz 600 Tage dauernder Belagerung. Jetzt beginnen die deutschen Truppen, rückwärts zu marschieren. Die Front nähert sich immer mehr den deutschen Grenzen. Daran ändert auch Goebbels&#8216; berühmte Sportpa­lastrede vom 18. Februar 1943 nichts:</p>
<p><em>&#8222;Die Engländer behaupten, das deutsche Volk sei des Krieges müde! Ich frage euch: Wollt ihr den totalen Krieg?&#8220;<br />
&#8222;Jaaaaaaaaaa!&#8220;<br />
&#8222;Die Engländer behaupten, das deutsche Volk habe das Vertrauen zum Führer verloren! Ich frage euch: Vertraut ihr dem Führer?&#8220;<br />
&#8222;Jaaaaaaaaa!&#8220;</em></p>
<p>6. Juni 1944 &#8211; &#8222;D-Day&#8220;, der Tag der englischen und amerikanischen Invasion in Frankreich. Deutschland befindet sich im Zweifron­tenkrieg. Das Ende nähert sich unaufhaltsam. Doch das wollen weder Hitler noch Goebbels wahrhaben. Wer am &#8222;Endsieg&#8220; zweifelt, läuft in Gefahr, in ein Konzentrationslager deportiert zu werden. Noch am 1. Januar 1945, fünf Monate vor Ende des Krieges, als englische, amerikanische, französische und sowjetische Truppen schon auf deutschem Gebiet stehen, tönt Hitler in seiner Neu­jahrsansprache im Rundfunk:</p>
<p><em>&#8222;Die Weit muß wissen, daß Deutschland niemals kapitulieren wird, daß das heutige Deutsche Reich wie alle großen Staaten der Vergangenheit auf seinem Weg Ruckschlägen ausgesetzt sein mag, daß es aber nie diesen Weg verlassen wird.&#8220;</em></p>
<p>Doch auch viele Phrasen können den Untergang des &#8222;tausendjährigen Reiches&#8220; nicht aufhalten. Am 1. Mai 1945 meldet der Reichssender Hamburg:</p>
<p><em>&#8222;Aus dem Führerhauptquartier wird gemeldet, daß unser Führer, Adolf Hitler, heute nachmittag in seinem Befehls­stand in der Reichskanzlei, bis zum letzten Atemzug gegen den Bolschewismus kämpfend, für Deutschland gefallen ist. Am 30. April hat der Führer Großadmiral Dönitz zu seinem Nachfolger ernannt.&#8220;</em></p>
<p>Eine Woche später ist alles vorbei. Der britische Premierminister Churchill gibt in der BBC die deutsche Kapitulation bekannt:</p>
<p><em>&#8222;Gestern morgen um 2.41 Uhr hat General Jodl, der Vertreter des deutschen Oberkommandos und des Großadmiral Dönitz, des neuernannten deutschen Staatschefs, im Hauptquartier General Eisenhowers die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Land-, See- und Luftstreitkräfte in Europa an die alliierte Expeditionsstreitmacht und gleichzeitig auch an das russische Oberkommando unterzeichnet. (&#8230;) Der Krieg gegen Deutschland ist also zu Ende.&#8220;</em></p>
<p>Noch einige Tage sendet der Reichssender Flensburg als letztes Überbleibsel des &#8222;Großdeutschen Reiches&#8220; weiter, bis auch er schweigen muß. Die letzte Stimme des alten Deutschland endet, als die Alliierten gerade die ersten Stimmen des neuen Deutschland in Betrieb genommen haben: Radio Hamburg, Radio Frankfurt, Radio Berlin, Radio München,&#8230;</p>
<h1>Der „weisse“ Kampf gegen Hitlerdeutschland</h1>
<p>2. September 1939. Der Ministerrat für die Reichsverteidigung erläßt eine &#8222;Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen&#8220;. Am zweiten Tag des 2. Weltkrieges wird das Gesetz, was von den deutschen Behörden schon lange praktiziert wird: Wer &#8222;Feindsender&#8220; abhört, sich also &#8222;geistig selbst verstümmelt&#8220;, wird wegen &#8222;Hochverrats&#8220; mit drastischen Strafen belegt. Wogegen richtet sich dieses Verbot?</p>
<p>Es richtet sich gegen die Rundfunkdienste der freien Welt, gegen die Londoner BBC, gegen Radio Moskau und gegen die damals noch nicht gestartete Stimme Amerikas.</p>
<p><em>&#8222;Ich gebe die Hoffnung auf eine friedliche Lösung nicht auf und stelle meine Bemühungen um den Frieden nicht ein, solange noch eine Aussicht auf Frieden besteht. Ich bin ein Mann des Friedens bis in die tiefste Tiefe meiner Seele. Für mich ist der bewaffnete Konflikt zwischen Nationen ein Angsttraum. Aber wenn ich die Überzeugung gewinnen sollte, daß eine Nation entschlossen ist, die Welt durch die Drohung mit Gewalt zu beherrschen, dann fühle ich, daß Widerstand geleistet werden muß. Unter einer solchen Herrschaft würde für Menschen, die an Freiheit glauben, das Leben nicht mehr lebenswert sein.&#8220;</em></p>
<p>Mit diesen Worten des damaligen britischen Premierministers Neville Chamberlain beginnt am 27. September 1938, auf dem Höhepunkt der Münchner Krise um die Tschechoslowakei, die legen­däre erste deutschsprachige Sendung der BBC London. An diese erste Sendung des späteren Deutschen Dienstes aus London erinnert sich der Übersetzer der Chamberlain-Rede, Robert Lucas:</p>
<p>&#8222;Am frühen Nachmittag des 27. September wurde ich in meinem Büro angerufen. &#8218;Können Sie abends ins Funkhaus kommen ?&#8216; wurde ich gefragt. Die Regierung, so sagte man mir, habe eben beschlossen, den Text der Rede, die der Premierminister am Abend halten würde, auch in deutscher Sprache zu senden, damit die Bevölkerung Deutschlands über den Ernst der Lage aufgeklärt werde. Könnte ich, so fragte man mich, bei der Übersetzung helfen? Als ich später ins Funkhaus kam, wurde mir sofort klar, daß der Beschluß der Regierung unerwartet gekommen war. Keine Sekretärin stand zur Verfügung, ja nicht einmal eine Schreibmaschine. An einem langen Konferenztisch saßen außer mir noch ein französischer und italienischer Übersetzer, denn es war beschlossen worden, den Text der Chamberlain-Rede auch in diesen Sprachen zu senden. Der englische Text kam Satz für Satz mit beträchtlichen Inter­vallen auf dem Fernschreiber durch. Als ich fragte, für welche Zeit die Sendung angesetzt sei, erfuhr ich zu meinem Erstaunen, daß sie schon begonnen hatte, und zwar auf den Wellenlängen des Heimatdienstes. Der unselige Ansager &#8211; ein bekannter Maler, der zum ersten Mal in einem Rundfunkstudio war &#8211; mußte manchmal minutenlang auf den nächsten Satz warten.&#8220;</p>
<p>Solange die Münchner Krise andauert, werden täglich Sendungen in deutscher Sprache fortgesetzt. Robert Lucas und Carl Brinitzer sind die ersten Mitarbeiter der deutschen Redaktion, die in dieser Zeit eingestellt werden. Als die Krise vorüber ist, entscheidet man Tag für Tag über die Fortführung der Sendungen, bis nach etwa einem Monat BBC und Foreign Office gemeinsam den Beschluß fassen, den neuen Sprachendienst bis auf weiteres aufrecht zu erhalten.</p>
<p>Am 1. September 1939 erklärt Hitler Polen den Krieg. London reagiert darauf seinerseits mit seiner Kriegserklärung gegen Deutschland:</p>
<p><em>&#8222;Ich spreche zu Ihnen aus meiner Kanzlei. Heute vormittag überreichte der Botschafter von Großbritannien der deutschen Regierung eine endgültige Note und erklärte, England werde sich, wenn es bis 11 Uhr nicht die Zusicherung erhalte, daß die deutschen Truppen aus Polen zurückgezogen würden, im Kriegszustand mit Deutschland befinden. Es ist gar keine Erklärung eingegangen. Unser Land befindet sich daher im Kriegszustand mit Deutschland!&#8220;</em> (Der englische Ministerpräsident Neville Chamberlain am 3. September 1939, 11 Uhr 15, über den BBC-Inlandsdienst)</p>
<p>Vier Jahre nach den ersten Sendungen aus London, 1942, sieht das tägliche Sendeschema des Deutschsprachigen Dienstes der BBC so aus (Zeiten in GMT):<br />
04.00-05.00 Sendung für den deutschen Arbeiter<br />
09.00-09.15 Nachrichten<br />
12.00-12.30 Vermischtes<br />
13.00-13.15 Vermischtes<br />
14.00-14.15 Aus der freien Welt<br />
16.00-16.15 Sendung für die deutsche Wehrmacht<br />
17.45-18.00 Sendung für die deutsche Kriegsmarine<br />
18.00-18.30 Nachrichten und Kommentar<br />
20.00-20.20 Nachrichten und Vorträge<br />
21.00-21.15 Programm für Österreich<br />
00.00-00.15 Nachrichten</p>
<p>Um die Sendungen aufzulockern, bringt man neben immer wahrheits­getreuen Nachrichten und Kommentaren auch Satire über den Äther. Fast legendär ist schon der Sprachkurs, den Sefton Delmer für die deutschen Soldaten hielt:</p>
<p><em>&#8222;Sie wissen wahrscheinlich, daß wir Engländer dafür bekannt sind, daß wir keine Fremdsprachen erlernen können. Darum wird es wohl am besten sein, wenn Sie, meine Herren Engellandfahrer, einige nützliche englische Ausdrücke lernen, bevor Sie uns besuchen.<br />
Als Thema unserer ersten Unterrichtsstunde wählen wir: Die Kanalüberquerung. . . the Channel crossing. Nun sprechen Sie mir bitte nach: Das Boot sinkt&#8230; the boat is sinking.<br />
Das Wasser ist kalt&#8230; the water is cold.<br />
Sehr kalt&#8230; very cold.<br />
Und jetzt sollen Sie ein Verbum lernen, daß Ihnen sehr nützlich sein wird. Also sprechen Sie mir bitte wieder nach:<br />
Ich brenne &#8230; I burn.<br />
Du brennst &#8230; you burn.<br />
Er brennt &#8230; he burns.<br />
Wir brennen &#8230; we burn.<br />
Ihr brennt &#8230; you are burning.<br />
Sie brennen &#8230; they burn.<br />
Und nun möchte ich Ihnen noch einen Satz zum Auswendiglernen vorschlagen: Der SS-Sturmbannführer brennt auch ganz schön&#8230; The SS-Captain is also burning quite nicely!&#8220;</em></p>
<p>Neben der Satire dient vor allem die Musik zur Auflockerung der Sendungen. Berühmte Orchester spielen auf den Londoner Wellen in Deutschland als &#8222;entartete Niggermusik&#8220; verbotenen Jazz und Swing, so z.B. Glenn Miller:</p>
<p><em>&#8222;Deutsche Soldaten! Hier spricht Ilse! Für die nächste halbe Stunde habe ich für euch etwas ganz besonderes arrangiert. Eine Rendezvous mit dem Kapellmeister eines der bekanntesten Orchester. Heute ist er der Dirigent des amerikanischen Orchesters der Alliierten Expeditionsstreitkräfte. Major Glenn Miller! &#8222;</em></p>
<p>Die BBC ist der meistgehörteste &#8222;Feindsender&#8220; des 2. Weltkrieges und die Nazis verleumden diese freie Stimme, wo sie nur können. Die Strafen für Schwarzhören werden laufend verschärft, bis zur Todesstrafe. Aber dies erweist sich als nicht geeignet, die Menschen vom Hören des Londoner Senders abzuhalten.</p>
<p><em>&#8222;Proletarier aller Länder, vereinigt euch! Hier ist der Moskauer Rundfunk in deutscher Sprache. Dieser erste Monat des neuen Jahres endete damit, daß am 31. Januar die Gruppe der Hitler-Truppen, die westlich des zentralen Teils Sta­lingrads eingekreist worden war, völlig aufgerieben wurde. Dabei ergaben sich der Kommandierende dieser Armee, General­feldmarschall Paulus, sein Stab und weitere 15 Generäle.&#8220;</em></p>
<p>Das, was für Hörer von London gilt, gilt auch für die Hörer von Radio Moskau. Wer beim Hören dieses Senders erwischt wird, wird meist sogar mit härteren Strafen belegt als ein Hörer der BBC. Das Moskauer Funkhaus, aus dem am 7. November 1929, also vor 60 Jahren, die erste deutschsprachige Sendung von Radio Moskau kommt, ist bevorzugtes Ziel der faschistischen deutschen Bomben­angriffe. Ein Mitarbeiter des Senders erinnert sich:</p>
<p>&#8222;Zu den Zielen für die Bombenflüge der Luftwaffe auf Moskau gehörte auch das Moskauer Funkhaus in der Putinkow-Gasse neben dem Pushkin-Platz. Ein faschistischer Bomber legte einen breiten Bombenteppich rings um das Funkhaus und traf schließlich mit einer 500-Kilo-Bombe genau in das Viereck, das vom Funkhaus gebildet wurde.<br />
Wir arbeiteten in dieser Nacht, ebenso wie in den anderen ersten Nächten des Krieges, in dem als Schutzbunker eingerichteten Keller des Gebäudes, der die Redaktion und die Senderäume beherbergte. Als die Bombe einschlug, erbebte das Haus in seinen Grundfesten, aber es erfolgte keine Explosion. Durch einen glücklichen Zufall war die Bombe in den Schacht des Sammelkanals im Hof gefallen und nicht explodiert. &#8220;</p>
<p>Während des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes kann oder will Radio Moskau nicht in aller Schärfe gegen die Hitler­faschisten auftreten. Die antifaschistische Propaganda hat ver­steckt zu erfolgen. Und das tut sie &#8211; z.B. in dem Hörspiel &#8222;Tamaras Haltestelle&#8220;, das von deutschen Emigranten aufgeführt wird. Die Handlung des Hörspiels ist folgende:</p>
<p>Irgendwo in den Bergen des Kaukasus lebt ein Streckenwärter mit seiner Familie. Seine Tochter Tamara besucht die Schule &#8211; und da muß sie jeden Tag durch den Eisenbahntunnel sechs Kilometer zu Fuß bis zur Schule gehen, denn kein Eisenbahnzug hält am Haus des Streckenwärters, das am Tunneleingang steht. Das erfährt man in Moskau und es wird Weisung gegeben, daß der D-Zug, der in der Früh, wenn Tamara in die Schule geht, am Haus des Streckenwärters vorbeikommt, und der Gegenzug, der am Nachmittag ebenfalls um die Zeit, in der Tamara aus der Schule nach Hause geht, das Kind aufnehmen und mit zur Schule und wieder mit nach Hause bringen solle.</p>
<p>So reagiert man im Moskauer Sender auf die Greuelpropaganda der Nazis über die Sowjetunion.</p>
<p>Ebenso wie auf den Wellen der Londoner BBC, so kommen auch auf Radio Moskau Prominente zu Wort, so z.B. der Maler Heinrich Vogeler:</p>
<p><em>&#8222;Achtung, Achtung! Hier ist Moskau! Welle 25 Meter! Es spricht der deutsche Maler Heinrich Vogeler, Worpswede! &#8211; Ich spreche zu dir, deutscher Künstler. Du weißt, was der Hitler-Faschismus für die deutsche Kunst und für Dich bedeutete. Wenn deine Werke Wahrheit und damit echtes deutsches Gefühlsleben offenbarten, wurden sie aus den Museen und Ausstellungen entfernt. So erging es im September 1935 den Werken der verstorbenen Malerin Paula Becker-Modersohn. Die stärkste realistische Kraft aus der Maler­kolonie Worpswede mußte als &#8218;Auswuchs einer vergangenen Zeit&#8216;, laut Völkischer Beobachter vom 26. Oktober 1935, aus der nationalsozialistischen Öffentlichkeit verschwinden. Das Volk der Dichter und Denker erlebte es, daß Hitler Dichter des Fortschritts, Schauspieler, die um die Freiheit des Wortes kämpften, auf bestialische Weise ermorden ließ.&#8220;</em></p>
<p>Der Kampf von Radio Moskau gegen den Hitlerfaschismus endet erst, als der Sender am 8. Mai 1945 die deutsche Kapitulation bekannt geben kann.</p>
<p>Neben Radio Moskau gibt es eine Reihe weiterer deutschsprachiger Programme. Das sind die Sender Kiew, Kuibyshew, Minsk, Odessa und Swerdlovsk. Einige dieser Sender sagen sich genau wie Radio Moskau als &#8222;Moskauer Rundfunk in deutscher Sprache&#8220; an und sind teilweise nur Proben für den Fall, daß Moskau fallen würde und die Sendungen von einem anderen Ort aus fortgesetzt werden müßten.</p>
<p>Eine besondere Rolle spielt der Sender Leningrad, der während der 600 Tage dauernden Blockade der Stadt faktisch unabhängig vom zentralen Rundfunk agieren kann. Die Sendungen richten sich vor allem an die deutschen Soldaten, die die Blockade Leningrads aufrecht halten. Der Sender Leningrad ist während der Blockade zwischen September 1941 und August 1944 ein Symbol des Wider­standswillens der Zivilbevölkerung. Sichtbare Erfolge der Sendungen sind nicht nachweisbar, jedoch überwacht das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) &#8222;besorgt&#8220; die Sendungen aus Leningrad.</p>
<p>Erst spät &#8211; mit dem Kriegseintritt der USA &#8211; beginnen die Sendungen der Stimme Amerikas. Kurzwellensendungen aus Amerika nach Übersee hat man bislang den privaten Gesellschaften ABC, NBC und CBS überlassen, doch nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbour mietet man die Anlagen dieser Gesellschaften und startet überstürzt Fremdsprachensendungen, darunter auch in deutscher Sprache. Ihr Ziel, auf eine so große Hörerzahl wie die BBC London zu kommen, erreicht die Stimme Amerikas trotz Relaissendungen über London in keiner Phase des Krieges. Sie bleibt auch hinter den Hörerzahlen von Moskau zurück. In den USA ist die Stimme Amerikas heftiger Kritik hinsichtlich dieses mangelhaften Erfol­ges ausgesetzt. Es gibt sogar die überspitzte Meinung, in New York seien mehr Leute mit der Herstellung der Sendungen beschäf­tigt, als diese regelmäßige Hörer gehabt hätten. VV Eine der wichtigsten Sendereihen ist wie bei allen Stationen der Kriegsgefangenendienst:</p>
<p><em>&#8222;Hier spricht die Stimme aus Amerika! Die Vereinigten Staaten von Amerika rufen Europa!<br />
Wir bringen jetzt den Kriegsgefangenendienst der Stimme Amerikas. Hier spricht Leutnant Winter. Ich bringe Ihnen die Stimmen deutscher Soldaten aus amerikanischen Kriegsgefan­genenlagern. Ich beginne heute mit einem Geburtstagsgruß. Gefreiter Andreas Beckel spricht zu seiner Frau in Kreinach, Oberfranken.<br />
&#8211; Hier spricht der Gefreite Andreas Beckel aus dem Kriegs­gefangenenlager Camp Shelwea, Mississippi, USA. Ich möchte die Gelegenheit nicht versäumen, an dich, liebe Frau, Töchterlein Babbede, Mutter, Geschwister, Schwäger und Ver­wandten aus weiter Ferne zu grüßen und zugleich wünsche ich dir, liebe Frau, zum Geburtstag am 13. September alles Gute, ein frohes Weihnachtsfest und gesundes Neujahr. Ich bin gesund und wohlauf. Auf Wiedersehen in der Heimat &#8211; Euer Andreas!&#8220;</em></p>
<p>Aus Frankreich sind wegen der Besetzung durch die Deutschen nur kurze Zeit antifaschistische Sendungen zu hören. Vor der Besetzung ist Radio Strasbourg vor allem im Südwesten Deutschlands nicht unbekannt. Die deutschsprachigen Sendungen der Radiodiffusion francaise, die nach der Befreiung Frankreichs durch die Briten und Amerikaner ausgestrahlt werden, bleiben im Vergleich zu den Sendungen der BBC und von Radio Moskau ohne größere Wirkung.</p>
<p>Bis zum Sieg der Franco-Faschisten kann man auch aus Spanien eine Reihe von deutschsprachigen Programmen hören. So meldet sich vom Sommer 1936 bis Anfang 1939 aus Madrid La Voz de España Republicana (Die Stimme des republikanischen Spaniens) mit der Ansage &#8222;Hier spricht Radio Madrid, die Stimme der Volksfrontregierung.&#8220; Anfang 1937 gibt es auch deutschsprachige Programme des Senders der Kommunistischen Partei Spaniens (Kurzwellensender Madrid II) und des Senders der spanischen Gewerkschaften (Kurzwellensender Madrid III).</p>
<p>Von Mitte 1936 bis März/April 1937 senden aus Barcelona der Sender der Generalitat Barcelona (Sender Barcelona I) und Radio Barcelona (Sender Barcelona II).</p>
<h1>Die britischen Schwarzsender</h1>
<p>Nicht alle britischen Stationen geben während des zweiten Welt­krieges ihre wahre Identität bekannt oder halten sich immer an die Wahrheit. Es gibt Stationen, die von sich behaupten, sie ständen in Deutschland und Stationen, die mit geschickt plazierten Falschmeldungen die deutschen Soldaten und die Zivil­bevölkerung verwirren sollen. Das sind die sogenannten &#8222;Schwarzsender&#8220;.</p>
<p>Von Mai 1940 an sendet der erste britische Schwarzsender, der <strong>Sender Das wahre Deutschland</strong>. Diese erste Station in der langen Reihe der britischen Schwarzsender wird von Dr. Carl Spiecker geleitet, einem angesehenen Mitglied der Deutschen Freiheits­partei, die 1938 eine Zeit lang im Ärmelkanal einen eigenen Sender betrieben hatte, auf den an anderer Stelle schon näher eingegangen wurde. Ein weiterer britischer Schwarzsender, über den es heute nur noch sehr wenig Informationen gibt, ist nach Frankreich gerichtet und nennt sich <strong>Radio Beaux Arts</strong> (Schöne Künste). Dieser erste französischsprachige Schwarzsender der Briten wird wahrscheinlich von Richard Gambier-Parry geleitet, die Texte stammen von dessen Privatsekretärin Miss Towse.</p>
<p>Fünf Monate nach den ersten Rufen des Senders Das Wahre Deutsch­land geht es eigentlich erst richtig los. Mit dieser Ansage meldet sich am 7. Oktober 1940 erstmals der <strong>Sender der euro­päischen Revolution</strong>:</p>
<p><em>&#8222;Hier spricht der Sender der europäischen Revolution! Wir sprechen für alle, die zum Schweigen verdammt sind! Wir rufen die Massen zur politischen und sozialen Revolution! Wir kämpfen für ein Europa des Friedens!<br />
Genossen, der Sender der europäischen Revolution ist der Sender revolutionärer Sozialisten. Unser Ziel ist der Sturz des Hitlerregimes, der Aufbau eines geeinten sozialistischen Europa. Sorgt dafür, daß immer mehr Menschen unsere Stimme hören können. Darum, wo immer du sicher sein kannst, daß du unbeobachtet bist, wo immer du weißt, daß du kein sinnloses Risiko läufst, wo immer sich dir eine vorteilhafte Gelegenheit bietet, schreibe in Blockbuchstaben: Europäische Revolution, Welle 31,2, 23 Uhr.&#8220;</em></p>
<p>Diese Station, die täglich auf dem 31-Meterband sendet, ist eher &#8222;grau&#8220; als &#8222;schwarz&#8220;, da er nicht versucht, seinen Hörern einzureden, er stände in Deutschland. Der Sender der europäischen Revolution hofft, Hörer zu erreichen, die bereit sind, bei ihrem Widerstand gegen das Regime gemäßigte Methoden, wie die Sabotage des Transportsystems, anzuwenden und die Fortführung des Krieges durch passiven Widerstand zu behindern. Die Sendungen werden am 22. Juni 1942 eingestellt, als sich das Team des Senders nicht bereitfindet, für die Kriegsziele der Alliierten energischer einzutreten.</p>
<p>Dem Sender der europäischen Revolution folgen am 10. Oktober der rumänische Sender <strong>Frats Romun</strong>, am 15. November das französische <strong>Radio Inconnue</strong>, am 16. November das italienische <strong>Radio Italia</strong> und am 17. November das französische <strong>Radio Travail</strong> (Arbeit). Auf Radio Italia folgt im Juni 1941 <strong>Radio Liberia</strong>, das sich durch intime Kenntnisse aus dem Privatleben Mussolinis auszeichnet.</p>
<p>Die französischen Sender, Radio Inconnue und Radio Travail, sind, im Gegensatz zu den deutschsprachigen Sendern, ausgesprochen subversiv. So wird zwar in den Sendungen von Radio Inconnue nur selten angedeutet, wo sich der Sender befindet, aber angeblich steht er in der Nähe von Paris. Der Sender gibt praktische Anweisungen zur Sabotage. So werden die Hörer aufgefordert, die Reifen der deutschen Militärfahrzeuge zu zerschneiden. Am 3. Juli 1941 verbreitet Radio Inconnue Einzelheiten über die imaginäre Organisation &#8222;Les Chevaliers du coup de balai&#8220; (Die Ritter des Besens). Es wird behauptet, die symbolisch mit einem Besen bewaffneten Angehörigen dieser Organisation würden von nun an gegen alle Deutschen in Frankreich vorgehen.</p>
<p>Viel seriöser als dieser Sender mit seinen sehr aggressiven Inhalten tritt Radio Travail auf. Der Sender bemüht sich um die revolutionären Traditionen des republikanischen Frankreichs und führt, wie dies seinem angeblichen Standort in den besetzten nördlichen Departments entspricht, regelmäßig scharfe Angriffe gegen die Deutschen. Radio Travail distanziert sich sowohl vom Kommunismus wie auch von de Gaulles &#8222;freien Franzosen&#8220; und macht einen Unterschied zwischen der deutschen Arbeiterklasse und den Nazis.</p>
<p>Am 1. Juli 1941 kommt ein dritter französischer Schwarzsender hinzu: <strong>La France Catholique</strong>, dessen zunächst einziger Sprecher der französische Priester Capitaine Lagrave ist. Die Sendungen sollen den Widerstandswillen der französischen Katholiken stärken und den Geistlichen Material für ihre Predigten liefern. Zweimal wöchentlich werden propagandistische Gebete gesprochen, so z.B. für &#8222;unsere hungernden Kinder&#8220; und &#8222;unsere Gefangenen in Deutschland&#8220;. Dabei wird erklärt, die Gebete folgten einer Anregung des Papstes. Im deutschen Rundfunk wird zwar behauptet, La France Catholique stände im Vatikan, um so ein offizielles Dementi zu provozieren, aber der Vatikan hat sich, obwohl er von der Existenz des Senders wußte, niemals von ihm distanziert.</p>
<p>Mit Hitlers Einmarsch in die Sowjetunion gesellt sich auch eine italienische Station zu den religiösen Schwarzsendern: <strong>La Voce Cristiana</strong> erklärt, die Sowjetunion sei ein Verteidiger des christlichen Glaubens! Ähnliche Sender existieren auch in deutscher, polnischer, französischer und spanischer Sprache und stehen unter Leitung Richard Gyptners, einem Mitglied der Komintern.</p>
<p>Am 25. Mai 1941 beginnt einer der bekanntesten Geheimsender des Krieges sein Programm: <strong>Gustav Siegfried 1</strong>. Diese Station ist der erste deutschsprachige Schwarzsender, der bewußt falsche Informa­tionen mit dem Ziel ausstrahlt, die deutsche Bevölkerung und die Behörden irre zu führen und zu verunsichern. In den Sendungen tritt ein sogenannter &#8222;Chef&#8220; auf, der sich als &#8222;aufrechter deutscher Offizier&#8220; darstellt und die Machenschaften der &#8222;Goldfasanen&#8220; der NSDAP anprangert. Die Sendungen sind so aufge­baut, daß der Hörer den Eindruck hat, er höre interne Funksprüche einer Geheimorganisation ab. Bevorzugt kritisiert der &#8222;Chef&#8220; wahre oder erfundene Korruptionsaffären, Mißstände und Schlampe­reien der Behörden, sexuelle Exzesse und sinnlose Prassereien der oberen Zehntausend der Partei, die er als &#8222;Parteikommune&#8220; be­zeichnet. Er verbreitet Gerüchte über angebliche Lebensmittel­knappheiten, Seuchen, Krankheiten und Plünderungen. Die gesamte Parteispitze, mit Ausnahme von Hitler selbst, stellt er als unfähige &#8222;Kretins&#8220; dar. Mit seiner derben Sprache (&#8222;plattfüßiger alter jüdischer Trunkenbold&#8220; =&gt; Churchill) versucht Gustav Sieg­fried 1 die Soldaten der Wehrmacht zu erreichen &#8211; und er schafft dies auch. 1944 gibt mehr als die Hälfte aller befragten deutschen Kriegsgefangenen in England an, von dem Sender gehört zu haben. Bei der letzten Sendung von Gustav Siegfried 1 passiert eine Panne. Sefton Delmer will die Station dramatisch sterben lassen: Über den Sender kommt eine MP-Salve und eine Stimme ruft <em>&#8222;Habe ich Dich endlich, Du Schwein&#8220;</em>.<br />
Diese Sendung mit dem ungewöhnlichen Schluß wird, wie immer, auf Platte aufgenommen und zum Senden gebracht. Dabei scheint der Sendetechniker nicht mitgekriegt zu haben, daß er diese Sendung nicht, wie bisher, nach einer Stunde wiederholen soll. Eine Stunde nach dem dramatischen Ende von Gustav Siegfried 1 wird die Sendung noch einmal ausgestrahlt &#8211; mit dem gleichen Schluß. Es ist allerdings kein Fall bekannt, daß jemand das Ende von Gustav Siegfried 1 zweimal gehört hätte.</p>
<p>Ende 1941 wird für kurze Zeit der Sender <strong>Radio Rotes Wien</strong> in Betrieb genommen, der seine Programme vom 3. Oktober bis zum 27. Dezember 1941 ausstrahlt. Der Sender sagt sich so an:</p>
<p><em>&#8222;Achtung! Achtung! Hier Radio Rotes Wien, der Sender der österreichischen Sozialisten! Sagt die Welle weiter: 31,5 Meter! Freundschaft, Genossen! Schreibt sie auf Wände und Zäune: 31,5 Meter!&#8220;</em></p>
<p>Schon bald nach den ersten Sendungen von Gustav Siegfried 1 beginnt Sefton Delmer, der Leiter der britischen Schwarzsender, mit der Planung weiterer Stationen mit der gleichen Zielsetzung: Subversion, Irreführung, Verunsicherung. Daraus entsteht am 9. Mai 1942 der <strong>Wehrmachtssender Nord</strong>, über dessen Ziele Sefton Deiner in einer Denkschrift schreibt:</p>
<p>&#8222;Die wichtigsten Ziele unseres Geheimsenders sind:<br />
a). Die Moral der deutschen Truppen dadurch zu schwächen, daß wir ein düsteres Bild von den Zuständen in Deutschland zeichnen und<br />
b). die zivilen Hörer davon zu überzeugen, daß die Moral der Truppe durch gewisse Entwicklungen an der Heimatfront, die der gewöhnliche Soldat ablehnt, beeinträchtigt wird.&#8220;</p>
<p>Die Anregung zur Einrichtung des Wehrmachtssenders Nord gibt Delmer ein kleiner deutscher Wehrmachtssender in Smolensk. Der von Delmer eingerichtete Sender wird angeblich von einer deut­schen Einheit in Nordnorwegen betrieben, und er gibt sich den Anschein, die dort stationierten Soldaten mit Nachrichten aus der Heimat zu versorgen. Außerdem hofft man, daß der Wehrmachts­sender Nord von neugierigen Zivilisten abgehört werden würde, die etwas über das Leben und die Stimmung bei der Truppe erfahren wollen. Nach neun ziemlich erfolglosen Monaten stellt der Sender seinen Betrieb am 7. Februar 1943 ein. Sein Nachfolger wird am 22. März 1943 der <strong>Deutsche Kurzwellensender Atlantik</strong>, der eine auf den ersten Blick perfekte Imitation eines deutschen Soldaten­senders darstellt. Der Sender meldet sich täglich von 17.30 bzw. 18.30 Uhr durchgehend bis 8 Uhr morgens. Die wöchentliche Sendezeit mit selbstproduzierten Sendungen beträgt bis zu 14 1/2 Stunden, der Rest der Sendungen wird von wirklichen reichsdeutschen Sendern übernommen, vor allem vom Soldatensender Mittelmeer.</p>
<p>Später schließt sich der Deutsche Kurzwellensender Atlantik mit dem bekanntesten Schwarzsender des 2. Weltkrieges, dem am 18. November 1943 gestarteten <strong>Soldatensender Calais</strong>, zusammen. Dieser Sender wird über die für damalige Verhältnisse gigantische 600 kW-Mittelwellen-Sendeanlage &#8222;Aspidistra&#8220; in Crowborough betrieben. Die Sendungen laufen täglich zwischen 20 und 24 Uhr, was einer wöchentlichen Sendezeit von 28 Stunden entspricht. Die Stationsansage lautet:</p>
<p><em>&#8222;Soldatensender Calais! Soldatensender Calais mit dem Kameradschaftsdienst für die Wehrmacht im Bereich des Befehlshabers West und Norwegen. Angeschlossen der Deutsche Kurzwellensender Atlantik!&#8220;</em></p>
<p>Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 meldet sich wiederholt der <strong>Sender der Widerstandsbewegung</strong>: <em>&#8222;Von Stauffenberg ist tot. Er hat befehlsgemäß den ersten Schlag gegen das Hitlerregime geführt. Aber die Gesamtaktion geht weiter.&#8220;&lt;(i&gt; </em></p>
<p>Neben diesen Stationen gibt es noch eine Vielzahl kleinerer Schwarzsender, die wir hier kurz nennen wollen:</p>
<p><strong>Astrologie &amp; Okkultismus</strong>: Diese Station sendet nur nachts und richtet sich an leicht beeinflußbare, abergläubische und ängstliche Hörer in Deutschland mit dunklen Voraussagen über den nahen Untergang des Reiches. A &amp;. 0 wird nach drei Monaten wegen Erfolglosigkeit eingestellt.</p>
<p><strong>Christus, der König</strong>: Über diese Station werden christliche, aber mit eindeutig subversiver Absicht ausgewählte antifaschistische Sendun­gen für deutsche Katholiken ausge­strahlt. Der Sender hat seinen Namen vom letzten Satz jeder Sendung: <em>&#8222;Es lebe Christus, der König!&#8220;</em> Christus, der König ist mit 31 Mona­ten Sendedauer der am längsten beste­hende britische Schwarzsender über­haupt.</p>
<p><strong>Arbeitersender</strong>: Diese Station täuscht vor, Sprachrohr einer linken Widerstandsgruppe zu sein. Die kurze Lebenszeit (8 Monate) des Arbeitersenders spricht für einen Fehlschlag dieser Propagandakonzeption.</p>
<p><strong>Sender der SS-Kampfgruppe York</strong>: Dieser Sender gibt sich als Sprachrohr einer oppositionellen Gruppe innerhalb der Waffen-SS aus, die sich von ihren Führern verraten fühlt. Das Programm umfaßt nur ein Thema pro Sendung und enthält vor allem Berichte über Korruption und Greueltaten der SS, die teils erfunden, teils wahr sind. Auch hier spricht die kurze Sendedauer von vier Monaten für einen Fehlschlag.</p>
<p><strong>SS-Sender Hagedorn</strong>: Die Programme dieser Station sind ähnlich aufgebaut wie die von Gustav Siegfried 1.</p>
<h1>Die amerikanischen Schwarzsender</h1>
<p>Die USA beginnen, auch bedingt durch den späten Kriegseintritt, erst sehr spät mit der Ausstrahlung von Sendungen subversiver Natur. Bis zum Ende des Krieges hat man gerade zwei Stationen auf die Beine gestellt (zum Vergleich &#8211; England: 14).</p>
<p>Die erste der beiden Stationen wird vom Middle East Headquarter des Office of Strategie Services (OSS) in Kairo eingerichtet, wenig später jedoch dem alliierten Kommando in Italien unter­stellt. Der Sender hat die Aufgabe, Wehrmachtsangehörige in den Ländern des Balkan und auf Kreta zu verunsichern. Er ist als Nazi-Sender getarnt und will den Eindruck erwecken, als ob seine Kommentare von NS-Funktionären gesprochen wären. Der Sender zitiert häufig fingierte Ausgaben des SS-Organs &#8222;Das schwarze Korps&#8220; und verwendet eine &#8222;zackige&#8220; Sprache mit unterschwelliger Kritik an der Parteiführung. Er bringt &#8222;objektive&#8220; Nachrichten: Verluste der Alliierten am Anfang, dann übertriebene Angaben von Nazi-Verlusten. Seine Kommentare erinnern an das &#8222;fleißige und schöpferische Deutschland&#8220;, an Bismarck und den Alten Fritz. Der Erfolg des Senders zeigt sich darin, daß Kriegsgefangene erklär­ten, der Sender habe sie total verwirrt, weil er frei von alliierter Propaganda ist, doch &#8222;deutsch&#8220; ohne Bezugnahme auf Hitler und Goebbels. Leider ist nicht bekannt, unter welchem Namen der Sender betrieben wurde bzw. ob er überhaupt einen Namen hatte.</p>
<p><em>&#8222;1212 sendet. 1212 sendet. Täglich von 2 bis 6. Jede volle Stunde.&#8220;</em></p>
<p>Mit dieser Ansage meldet sich ab Dezember 1944 der <strong>Sender 1212</strong>, der vorgibt, von rheinischen Separatisten innerhalb des Reiches betrieben zu sein. Mit den Sendungen soll erreicht werden, daß deutsche Städte und Dörfer schon vor dem Anrücken der alliierten Truppen kapitulieren. In den Programmen wird die Hoffnungslosigkeit der deutschen militärischen Lage und die drückende Überlegenheit der allierten Truppen in drastischer Weise geschildert. 1212 beschreibt mit bewußt falschen oder halbwahren Meldungen die Absurdität der letzten Kriegsmonate, wobei die Redakteure ihre Berichte z.T. ironisch übertreiben. Die Fiktion eines in Deutschland stehenden Untergrundsenders hält der Sender bis zur letzten Sendeminute aufrecht, als die Station angeblich von alliierten Truppen erobert wird.</p>
<p><em>&#8222;1212 bringt jetzt Nachrichten für die Wehrmacht. An der ganzen Front war gestern bedeckter Himmel mit unterbrochenen Regenfällen. Schwerer Schnee fiel an der Saarfront. Bei nebligem Wetter kämpften die Truppen im Schlamm an der Dürenfront. Im allgemeinen war milde Temperatur. Gestern feierte Generalfeldmarschall von Rundstedt seinen 69. Geburtstag. Der Oberbefehlshaber West befindet sich gegenwärtig mit seinem Stab in Koblenz. <em>In den Kämpfen um die Saar verlor die deutsche 1. Armee über 73.000 Mann, man rechnet, daß 31.000 von ihnen Kriegsgefangene sind.&#8220;</em> </em></p>
<p>Zunächst bringt 1212 wahre, für jeden Soldaten nachprüfbare Meldungen, z.B. Berichte über das Wetter vom vorigen Tag. Erst später kommt dann der dicke Hammer: eine nicht nachprüfbare Falschmeldung. So bauen die Mitarbeiter des Senders aus einem abgebrannten Gasthaus, in dem die SS residiert hatte, ein SS-Archiv, das gerade abtransportiert werden sollte. Suggeriert werden soll den Hörern damit: &#8222;Die hauen ab !&#8220;</p>
<p>Der Sender stellt seinen Betrieb in der Nacht vom 24. auf den 25. April 1945 ein, als er angeblich von alliierten Truppen erobert wird.</p>
<h1>Schwarzsender aus Frankreich</h1>
<p>Im September 1939, dem Monat des Kriegsbeginns, beginnt Frank­reich, eine Reihe von &#8222;schwarzen&#8220; und &#8222;grauen&#8220; Stationen in Betrieb zu nehmen.</p>
<p><em>&#8222;Harret aus! Österreich wird wieder frei! Hier spricht aus Paris der Österreichische Auslandssender!&#8220;</em></p>
<p>Als eine der ersten Stationen nimmt der <strong>Österreichische Auslands­sender</strong> seinen Betrieb auf. Er kann eigentlich nicht zu den Schwarzsendern gezählt werden, weil er, wie aus der obigen Ansage ersichtlich ist, seinen Standort wahrheitsgemäß mit Paris angibt. Er ist aber weniger an der sachlichen Information seiner Hörer interessiert, sondern gleicht in dieser Hinsicht eher den als Kampfsender agierenden Schwarzsendern, die weiter unten erwähnt werden. Die Sendungen werden über die französischen Mittel- und Langwellensender Grenoble, Lilie, Lyon, Marseiile, Nizza, Rennes, Straßburg und Bordeaux im Anschluß an die offiziellen Sendungen des französischen Auslandsrundfunks ausgestrahlt.</p>
<p>Die publizistischen und politischen Richtlinien in der Arbeit der Station werden von Martin Fuchs und Otto von Habsburg bestimmt, die auch gelegentlich vor das Mikrofon treten. Dementsprechend konservativ und monarchistisch sind auch die Tendenzen des Programmes.</p>
<p>Ganz anders gibt sich da der <strong>Deutsche Freiheitssender</strong>. Er wird wenige Monate nach dem Ende des von Spanien aus operierenden Deutschen Freiheitssenders 29,8 gestartet und will durch die gleiche Namensgebung, die Benutzung der gleichen Frequenz und die Ausstrahlung der Sendungen zur gleichen Sendezeit seinen Hörern suggerieren, er sei der Nachfolger von 29,8 oder 29,8 sei wieder auferstanden. Von Mitgliedern der illegalen KPD in London und Stockholm werden die Mitarbeiter des Deutschen Freiheitssenders als &#8222;Halunken&#8220; bekämpft. Die Wirkung von 29,8 unter der deutschen Arbeiterklasse kann dieser französische Schwarzsender jedoch nie erreichen.</p>
<p>Der <strong>Freie Deutschlandsender</strong> verwendet viel Mühe darauf, die Fiktion aufrecht zu erhalten, er würde illegal aus dem Reichs­gebiet operieren. Die Station sieht ihre Aufgabe darin, zur Organisation einer breiten, nicht parteigebundenen antifaschi­stischen Widerstandsbewegung zu ermutigen und beizutragen, die sich aber auch gleichzeitig gegen den Kommunismus stalinistischer Prägung wenden soll. Auffällig sind die zahlreichen Parolen, die zu Widerstand und Sabotage aufrufen. In den Sendungen des Freien Deutschlandsenders wird wiederholt eine Zusammenarbeit mit dem Deutschen Freiheitssender angedeutet, ohne jedoch darauf weiter einzugehen oder die Fiktion eines deutschen Senders aufzugeben.</p>
<p>Täglich zwei Stunden lang meldet sich der <strong>Österreichische Frei­heitssender</strong>, der von der gleichen Gruppe getragen wird wie der &#8222;graue&#8220; Österreichische Auslandssender. Im Gegensatz zu den anderen Schwarzsendern verfügt er über ein differenziertes Wort-und Musikprogramm, so z.B. &#8222;gute, aber verbotene Musik&#8220;, d.h. vor allem klassische Musik jüdischer Komponisten. Seine Sendungen werden vor allem über die privaten französischen Sender Radio International und Radio Normandie, aber auch über die staatlichen Sender Lyon und Marseille ausgestrahlt.</p>
<p>Das oberste Ziel, zu dem der Österreichische Freiheitssender beitragen will, ist die Befreiung Österreichs vom Hitlerfa­schismus und die Wiederherstellung eines österreichischen Natio­nalstaates. Diesem Ziel ordnen die Mitarbeiter alle Programm­aussagen mit dem ganzen Spektrum von Nachrichten und Musik­wiedergabe zu.</p>
<p>Der <strong>Sender Freies Österreich</strong> ist als Österreichprogramm des Deutschen Freiheitssenders angelegt und wird im Anschluß an dessen Programm ausgestrahlt. Die einzige Mitarbeiterin ist Elisabeth Freundlich, die ihre Manuskripte dem Betreiber des Freiheitssenders, Rudolf Leonhard, übergibt. Die genauen Sende­daten sind heute nicht mehr zu ermitteln.</p>
<p>Nach der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen müssen die Schwarzsender verständlicherweise schweigen. Erst nach der fran­zösischen Befreiung geht wieder eine &#8222;schwarze&#8220; Station in den Äther:</p>
<p><em>&#8222;Hier ist Radio Bir Hakeim auf Welle 205 Meter!&#8220;</em></p>
<p><strong>Radio Bir Hakeim</strong> strahlt seine Sendungen zwischen dem 30. Januar und dem 8. Mai 1945 aus. Er wird vom &#8222;Nationalkomitee Freies Deutschland für den Westen&#8220; (CALPO) betrieben, das einen wenig erfolgreichen Versuch darstellt, an der Westfront eine Schwester­organisation des in der Sowjetunion gegründeten &#8222;Nationalkomitees Freies Deutschland&#8220; aufzubauen. Aufgabe von Bir Hakeim ist es, die in Frankreich verbliebenen deutschen Resttruppen zu zermür­ben, indem man ihnen immer wieder vorhält, wie sinnlos ein weiterer Widerstand ist</p>
<h1>Freie Sender aus Deutschland</h1>
<p>Im Gegensatz zu den Sendern, die aus dem Ausland ins Hitlerreich einstrahlten, gab es nur sehr wenige Stationen, die in Deutschland selbst betrieben wurden.</p>
<p>Eine dieser Stationen wird vom Mechanikerlehrling Walter Klingenbeck und drei seiner Freunde betrieben. Ihr Widerstandssender nennt sich aus Protest gegen die Zerstörung der niederländischen Stadt durch die Nazis Sender Rotterdam. Die ersten Versuchs­sendungen werden mit einem Kurzwellen- und zwei Mittelwellen­sendern ausgestrahlt, die im Dreieck aufgestellt sind, um eine Anpeilung durch die Gestapo zu erschweren. Die Sendungen bestehen aus antifaschistischen Texten und Schallplattenmusik. Über diese Versuchssendungen kommt der Sender Rotterdam aber nicht hinaus. Im Januar 1942 werden alle vier Betreiber des Senders verhaftet und drei von ihnen zum Tode verurteilt.</p>
<p>Viele Betreiber von illegalen Sendern können nicht mit den technischen Schwierigkeiten fertig werden. Deshalb werden aus der Sowjetunion und aus England immer wieder meist junge Deutsche mit Fallschirmen über Deutschland abgesetzt, um die Schwarzfunker anzuleiten. Katja Niederkirchner beispielsweise flieht als junge Frau 1933 in die Sowjetunion. Im Krieg wirkt sie an den deutschsprachigen Sendungen von Radio Moskau mit. Schließlich wird sie als Funkerin nach Deutschland geschickt. Doch schon bald nach ihrer Landung wird sie von der Gestapo verhaftet und durch Folter zu Funkgegenspielen mit Moskau gezwungen. Sie wird 1944 im Konzentrationslager Ravensbrück ermordet.</p>
<h1>Die Schwarzsender der Sowjetunion</h1>
<p>Wie die westlichen Alliierten so betreiben auch die Sowjets Schwarzsender in Richtung Deutschland und in Richtung der von den Deutschen besetzten Gebiete.</p>
<p>Der größte und bekannteste sowjetische Freiheitssender ist der <strong>Sender Freies Deutschland</strong>, eine Station, die häufig zu den &#8222;weißen&#8220; oder &#8222;grauen&#8220; Stationen gezählt wird, da er nie seinen Standort leugnet und sich auch offen als das ausgibt, was er ist: Als das Sprachrohr des Nationalkomitees Freies Deutschland, einer in Moskau beheimateten Organisation deutscher Emigranten, die über Lautsprechereinsätze, Flugblätter und die Zeitung &#8222;Freies Deutschland&#8220; an der Front und über den Sender versucht, Einfluß auf den Kriegsverlauf und das Geschehen in Deutschland zu nehmen. Die Station sagt sich so an:</p>
<p><em>&#8222;Achtung! Achtung! Hier spricht der Sender Freies Deutschland auf dem 37-, 47-, 43-, 50- und 51-Meter-Band. Wir sprechen im Namen des deutschen Volkes. Wir rufen zur Rettung des Reiches! Achtung! Hier ist der Sender Freies Deutschland!&#8220;</em></p>
<p>Ähnlich verhält es sich mit dem <strong>Deutschen Volkssender</strong>. Diese Station der illegalen KPD versucht zwar anfangs den Eindruck zu vermitteln, sie stände im Reich, gibt diese Tarnung aber schon nach einem halben Jahr auf. Sie bezeichnet sich jetzt als den Nachfolger des von 1937 bis 1939 von Spanien aus arbeitenden Deutschen Freiheitssenders 29,8. Über den Volkssender kommt die gesamte Führung der KPD teilweise unter voller Namensnennung zu Wort. Er verfügt über einen großen Bekanntheitsgrad in deutschen Arbeiterkreisen. Besonders sein Kriegsgefangenendienst hat eine gewisse Resonanz. Britische Vernehmungsprotokolle von Kriegsge­fangenen belegen, daß der Deutsche Volkssender sogar bei den Soldaten der Westfront gehört wird. Die Station verfügt über eine Reihe von Untersendern, die zwar teilweise als unabhängig be­zeichnet werden, von der Praxis her aber eher als Sendereihen der &#8222;Mutterstation&#8220; angesehen werden können. Eine dieser Stationen ist der Sturmadler &#8211; Sender deutschen Jugend, der seine enge Verbundenheit mit dem Deutschen Volkssender erst 19 Monate nach seinem Start im Februar 1942 auch nach außen hin offiziell bekundet. Sturmadler wird ab diesem Augenblick als die Jugend­sendung des Volkssenders angesagt. Ähnlich stehen der <strong>Frauen­sender</strong> und der <strong>Soldatensender</strong> (<em>&#8222;Die Heimat ruft die Front&#8220;</em>) zum Deutschen Volkssender.</p>
<p>Während diese Stationen, der Sender Freies Deutschland und der Deutsche Volkssender, ein &#8222;weißes&#8220; Programm ausstrahlen, fehlen auch die wirklich &#8222;schwarzen&#8220; Stationen nicht im Senderreigen aus der Sowjetunion.</p>
<p><em>&#8222;Achtung! Achtung! Sie hören den Christlichen Sender auf der Kurzwelle 38,52. Katholiken! Christen! Seid stark im Kampf gegen den Antichrist! Mut und Gottvertrauen, geliebte Brüder und Schwestern in Christo!&#8220;</em></p>
<p>Der <strong>Christliche Sender</strong>, der von Victor Stern und Richard Gyptner betrieben wird, wendet sich an die deutschen Katholiken und bringt Aufrufe an diese zum Widerstand gegen den &#8222;Antichristen&#8220; Hitler sowie Nachrichten und Kommentare über das Leben der Kirche. Immer wieder legt er seinen Hörern das Schicksal der sowjetischen und polnischen Kriegsgefangenen ans Herz. Eine Resonanz auf die Sendungen ist heute jedoch nicht mehr fest­stellbar.</p>
<p>Der schwärzeste aller Schwarzsender ist zweifellos die <strong>Geisterstimme</strong>. Immer wieder blenden sich die Mitarbeiter der Station in die Sendungen des offiziellen deutschen Rundfunks, z.B. in die Sendungen des Deutschlandsenders, ein und rufen Parolen wie <em>&#8222;Mit Hitler gibt es keinen Frieden mehr!&#8220;</em> oder <em>&#8222;Deutschland erwache! Hitler verrecke!&#8220;</em> Durch die Sendungen der Geisterstimme entsteht für die Nazis eine schwierige Lage: sie können gegen diese neuartige Art der Rundfunkpropaganda keine Störsender einsetzen, weil sie ja sonst ihre eigenen Stationen unhörbar gemacht hätten. Mit dem Betrieb der Geisterstimme will die Sowjetunion den Hörern suggerieren, daß ein weiterer Widerstand gegen die anrückenden Alliierten sinnlos sei. Die Hörer sollen sich überlegen: &#8222;Die Russen müssen wirklich schon nah sein, wenn man sie sogar schon im deutschen Rundfunk hören kann.&#8220;</p>
<p><em>&#8222;Achtung! Hier spricht der Sender der SA-Fronde! Achtung! Es spricht zu Euch der SA-Mann Hans Weber!&#8220;</em></p>
<p>Dieser <strong>Sender der SA-Fronde</strong> ist das sowjetische Gegenstück zum britischen Schwarzsender Gustav Siegfried 1. Er ist dem bri­tischen &#8222;Bruder&#8220; stark nachempfunden, ohne jedoch dessen rüde und pornographische Ausdrucksweise zu kopieren. Der Sender der SA-Fronde soll die deutsche Kampfmoral unterminieren und Mißtrauen in den Reihen der SA und der niederen Chargen der NSDAP sähen. Der Sender wird bei den deutschen Soldaten viel gehört, wenn diese auch meist den Begriff &#8222;Fronde&#8220; nicht richtig verstehen und die Station bei Vernehmungen in britischer Kriegsgefangenschaft als &#8222;Sender der SA-Freunde&#8220; titulieren.</p>
<p>Kurz erwähnt werden sollen auch die Stationen, die sich an die deutschen Soldaten und die Zivilbevölkerung in den besetzten und verbündeten Ländern richten. Das sind der <strong>Sudetendeutsche Frei­heitssender</strong> in der Tschechoslowakei, der <strong>Volkssender Christo Botew</strong> in Bulgarien und der <strong>Sender Freies Jugoslawien</strong>. Desweiteren gibt es einige taktische Sender, die sich an Soldaten bestimmter Frontabschnitte richten. Das sind beispielsweise der <strong>Polarsender Wahrheit</strong>, der sich, wie der Name schon sagt, an den nördlichen Frontabschnitt richtet, und der <strong>Sender Baltikum</strong>, der sich an die deutschen Soldaten richtet, die im Kessel Kurland eingeschlossen sind.</p>
<h1>Schwarzsender für Führer und Reich</h1>
<p>1940. Die deutsche Reichswehr ist in Frankreich eingefallen und marschiert auf Paris zu. In dieser Lage stiftet ein kommunistischer Sender Panik: Radio Humanité (Wahrheit) hetzt die Bevölkerung auf, vor den deutschen Okkupanten zu fliehen:</p>
<p><em>&#8222;Flieht, flieht! Die Kapitalisten stürmen die Züge, und ihr, elend und ohne Geld, ihr bleibt auf den Bahnsteigen zurück, ohnmächtig gegen die brutale Rücksichtslosigkeit der Rei­chen. Nehmt eure Kinder und flieht, denn Paris ist verloren. Paris wird bald wie Warschau nur noch ein Haufen rauchender Trümmer sein.<br />
Flieht, flieht, flieht nach Westen, denn das ist die einzige Richtung, in der es noch Sicherheit gibt für euch. Flieht nicht nach Süden, denn seitdem Italien in den Krieg eingetreten ist, fliehen die Menschen aus dem Süden auf das Zentrum zu.&#8220;</em></p>
<p>Was sich hier perfekt als kommunistischer französischer Sender darstellt, ist in Wahrheit ein schlaues Projekt des deutschen Propagandaministers Joseph Goebbels. Unter kommunistischer Tar­nung wird über <strong>Radio Humanité</strong> ein Massenexodus ausgelöst, der die französischen Truppen gewaltig behindert und so den Vormarsch der Deutschen erleichtert. Radio Humanité wird als der beste Coup der deutschen Propaganda im 2. Weltkrieg angesehen.</p>
<p>Während Radio Humanité vorgibt, von der KPF irgendwo im franzö­sischen Untergrund betrieben zu sein, besteht der Zweck eines weiteren nach Frankreich gerichteten Geheimsenders, der <strong>Voix de la Paix</strong> (Stimme des Friedens), darin, den Patriotismus und Pazifismus einer national eingestellten Gruppe zu verbreiten.</p>
<p>Kurz vor der Einnahme von Paris läßt Goebbels die Rundfunkpropa­ganda gegen Frankreich intensivieren. Vor allem über die starken Mittel- und Langwellensender Köln und Leipzig werden angeblich französische Stationen ausgestrahlt. Zu diesen gehören der Sender <strong>Camarade du Nord</strong> (Freund aus dem Norden) und die <strong>Voix de la Bretagne</strong> (Stimme der Bretagne), die separatistische Tendenzen vertritt und betont, daß die Stunde der Befreiung der Bretagne nahe sei.</p>
<p>Ähnlich wie die Sendungen von Radio Humanité sind die Programme eines nach Griechenland gerichteten Schwarzsenders, des Senders <strong>Patris</strong> (Vaterland), aufgebaut. Die Station steht angeblich in den Bergen bei Athen und gibt vor, von einer politischen Geheim­organisation &#8222;unparteiischer junger wahrer Patrioten, die in der Stunde der Not Koalition mit allen Parteien erstreben&#8220; betrieben zu sein. Sein wichtigstes Propagandamittel sind Greuelmeldungen über die Engländer, so z.B. am 19. April 1941:</p>
<p><em>&#8222;Hier ist der unabhängige griechische Sender Patris! Hier spricht die Stimme der Zukunft! Hier spricht Hellas zu Hellas! Griechenland lebt und wird leben! Brüder, seid auf der Hut! Die Stunde verlangt es!<br />
Athener! Trinkt kein Wasser! Die Engländer haben ein fast unglaubliches Vorhaben ausgeführt. Beamte des englischen Geheimdienstes haben den Marathon-See von der Nordostseite her mit Typhusbazillen infiziert, um den Deutschen einen englischen Empfang zu bereiten! Daß dabei nicht nur die Deutschen, sondern viele Tausende von Athenern zu Grunde gehen, ist den Briten gleichgültig! Athener, wir warnen euch! Männer, Frauen, Kinder! Nehmt keinen Tropfen Wasser auf die Lippen, es sei denn, daß auch ihr für die englische Verbrecherpolitik sterben wollt!&#8220;</em></p>
<p>Direkt an die Menschen, die unter der &#8222;englischen Verbrecher­politik&#8220; in Großbritannien leben, richten sich einige andere deutsche Schwarzsender. Eine dieser Stationen ist die <strong>New British Broadcasting Station (NBBS)</strong>, die ihre Sendungen am 25. Februar 1940 beginnt und bis in die letzten Kriegstage hinein sendet. Über diesen Sender spricht auch der bald in England berühmte &#8222;Lord Haw-Haw&#8220; William Joyce. In einem britischen Abhörbericht vom 31. August 1942 heißt es über NBBS:</p>
<p>&#8222;Der Sender hat viele Sensationsmeldungen gebracht, unter anderem die angebliche Enthüllung eines Berichtes von General Ironside über die Schwierigkeiten, eine deutsche Landung abzuwehren; einen Bericht über den Verlauf einer Geheimsitzung der britischen Regierung, auf der angeblich die Aktivitäten des Senders behandelt worden waren; Enthül­lungen über deutsche Invasionspläne; Anweisungen für die erste Hilfe (wobei in sehr drastischer Weise die Verlet­zungen dargestellt wurden, die als Folge deutscher Luftan­griffe eintreten konnten) und verschlüsselte Botschaften für angebliche Anhänger der Deutschen in diesem Land&#8230; Die allgemeine Tendenz des Senders ist faschistisch.&#8220;</p>
<p>Einige Zeit nach der Inbetriebnahme der NBBS beginnen weitere Stationen ihre Arbeit: Der Sender <strong>Caledonia</strong> wird angeblich von schottischen Nationalisten betrieben und strahlt seine auf Schottland zugeschnittenen Programme ab dem 27. Juni 1942 täglich eine halbe Stunde lang ab. Ihm folgt am 7. Juli <strong>Worker&#8217;s Challenge</strong>, das angeblich von linken Revolutionären betrieben wird. Seine Programme enthalten &#8222;Sozialrevolutionäre Arbeiter- ­und antikapitalistische Zersetzungspropaganda&#8220;, die sich an radi­kale Schichten der britischen Arbeiterschaft richtet und ver­sucht, Unruhe und Unfrieden zu stiften. Schließlich gibt es noch den Sender <strong>Christian Peace Movement</strong> (Christliche Friedensbewe­gung), der seine Programme am 15. August 1940 beginnt und knapp zwei Jahre lang sendet. Über die Sendungen weiß der britische Abhördienst zu berichten:</p>
<p>&#8222;Die Sendungen erfolgten oft in der Form einer religiösen Feier. Sie begannen mit einem Choral und brachten Bibel­lesungen, Gebete und eine lange, umständliche und unlogische Predigt des Sprechers. Er ging dabei auf die Schrecken der gegen die Zivilbevölkerung geführten Bombenangriffe ein und appellierte, indem er sich auf die Bibelstelle &#8218;Selig sind die Friedfertigen&#8216; berief, an alle wahren Christen, sie sollten sich weigern, die Kriegsanstrengungen in irgendeiner Weise zu unterstützen, um so die Regierung zum Friedens­schluß zu zwingen.&#8220;</p>
<p>Mit ihren englischsprachigen Schwarzsendern haben die Deutschen erheblich größere Schwierigkeiten als mit den nach Frankreich gerichteten Stationen. Zum einen fehlt das geeignete Personal und zum anderen verfügt man nicht über das Nachrichtenmaterial, das Grundlage für provozierende Aufrufe hätte bilden können.</p>
<p>Einige Zeit lang gibt es auch einen deutschen Schwarzsender für die besetzten Niederlande. Die Sendungen von <strong>Der Nußknacker</strong> werden aber schon nach sehr kurzer Zeit wieder eingestellt, da ihn der Sender der niederländischen Exil-Regierung, Radio Oranje, als Nazi-Sender entlarvt und es wenig wahrscheinlich ist, daß unter der starken Kontrolle der deutschen Besatzer ein Unter­grundsender existieren könnte.</p>
<p>Auch in Richtung Sowjetunion wird aus Berlin schwarz gefunkt. Der Sender <strong>Alte Garde Lenins</strong> bringt &#8222;gegen Stalin gerichtete leni­nistische Zersetzungspropagand&#8220;a (Die in diesem Abschnittangeführten Charakterisierungen der Stationen entstammen Dokumenten der Reichsrundfunkgesellschaft, RRG) und beginnt seine Sendungen am 29. Juni 1941. Seine tägliche Sendezeit beträgt eine Stunde. Seit dem 30. Juni 1941 strahlt der Sender <strong>Für Rußland</strong> seine &#8222;gegen den Bolschewismus gerichtete nationale, großrussische Zersetzungs­propaganda&#8220; ab, und das 40 Minuten am Tag. Schließlich gibt es auch den <strong>Agentensender</strong>, der Mitteilungen an angebliche oder wirkliche Agenten ausstrahlt.</p>
<p>In den arabischen Raum strahlt ebenfalls ein Schwarzsender: Die <strong>Stimme des Freien Arabiens</strong> verbreitet eine hauptsächlich auf Ägypten abgestellte, &#8222;anti-britische und den pan-arabischen Gedanken betonende Freiheitspropaganda&#8220; und strahlt diese ab dem 9. Mai 1941 täglich 30 Minuten ab.</p>
<p>Nach Indien funkt der <strong>Sender Freies Indien</strong>. Er gibt sich als die &#8222;Stimme der Befreiungsbewegung Subhas Chandra Boses&#8220; aus. Seine Sendungen sind gegen den &#8222;anglo-amerikanischen Imperialismus&#8220; gerichtet und verlangen die Befreiung Indiens.</p>
<p>Im eigentlichen Sinne ist der <strong>Sender der Freien Amerikaner</strong> kein Geheimsender. Er ist das angebliche Organ einer in Europa lebenden Gruppe von Amerikanern, die gegen die &#8222;Katastrophen­politik Roosevelts&#8220; eingestellt sind. Daß der Sender in den USA gehört wird, ergibt sich nach Ansicht des Berliner Concordia-Büros aus der Tatsache, daß ihn die amerikanische Presse als Nazi-Sender zu entlarven versucht.</p>
<p>Gegen Ende des Krieges richtet Goebbels seine Propaganda weniger an die feindliche Zivilbevölkerung. Wichtigste Zielgruppe der deutschen schwarzen Rundfunkpropaganda sind jetzt die alliierten Armeen. So senden die fahrbaren Sender <strong>Arnheim</strong>, <strong>Berta</strong>, <strong>Gustav</strong> und wie sie alle heißen mit je 20 kW gegen die anrückenden Briten und Amerikaner. Mehr als kleine punktuelle Erfolge können diese Sender aber nicht für sich verbuchen.</p>
<h1>Die letzte Schlacht des Dr. Goebbels</h1>
<h2>Der Sender Werwolf</h2>
<p><em>&#8222;Wir sind die Stimme der deutschen Freiheitskämpfer! Sie hören uns jeden Abend ab 19.00 Uhr mit wichtigen Nachrichten auf der Welle 1339 Meter, 224 kHz!&#8220;</em></p>
<p>Am 1. April 1945, es ist Ostersonn tag, meldet sich zum ersten Mal über den Rundfunk eine Bewegung zu Wort, die sich Werwolf nennt und sich einem Motto verschrieben hat, das im &#8222;Völkischen Beobachter&#8220; so zitiert wird: &#8222;Haß ist unser Gebet und Rache unser Feldgeschrei!&#8220; Auf der alten Welle des abgeschalteten Deutsch­landsenders ruft ein &#8222;erfahrener Werwolf&#8220; dazu auf, schnell zu handeln:</p>
<p><em>&#8222;Errichtet Sperren und Fallen auf den Straßen, entfernt die Ortstafeln, beseitigt oder vertauscht die Wegweiser &#8230; Telefon- und Telegraphenleitungen sind für uns gebaut, nicht für den Feind. Zerstört sie! &#8230; Die Waffe in der Hand des Feindes bedeutet Tod für unser Volk. In eurer Hand sichert sie die Freiheit des Volkes! &#8230; Die materielle Überlegenheit unseres Feindes ist nur seine Brust, im Rücken ist er leicht zu verwunden. an die Arbeit, Werwölfe! &#8230; Wir Werwölfe geben alles für unser Volk! Und wenn wir nichts mehr zu geben haben als unser Leben, so sterben wir eben für das Volk! Wichtig ist nur, daß unser Volk rein und groß und untadelig aus diesen dunklen Zeiten hervorgeht! &#8230; Der Kampf der Werwölfe erobert ein Volk in Freiheit!&#8220;</em></p>
<p>Goebbels gibt auch in den letzten Kriegstagen nicht auf. Mit dem Sender Werwolf, der &#8222;Stimme der deutschen Freiheitsbewegung&#8220;, der sich einzelner Bluttaten rühmt, die der &#8222;freie deutsche Werwolf&#8220; begangen haben soll, startet er zum letzten Mal einen aussichts­losen Versuch, dem verlorenen Krieg noch eine andere Wendung zu geben. Der Dichter Thomas Mann kommentiert den Sender Werwolf in einer seiner Ansprachen über die Londoner BBC so:</p>
<p><em>&#8222;Das Volk soll Amok laufen für sie! Der Werwolf soll die deutsche, die Nazi-Freiheitsbewegung heißen &#8211; eine geübte Gaunerpsychologie spekuliert mit dem Namen auf Instinkte der Volksseele, die sie von jeher frech und kalt ausgebeutet hat: den Sinn für das Urtümliche, das Vor-Vernünftige und Vor-Christliche , Sagen- und Märchendunkle.&#8220;</em></p>
<h1>Hilferufe aus der Hölle</h1>
<h2>Illegale Sender im KZ</h2>
<p>8. April 1945. Nervös sitzen Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald an einem illegalen Sender und tasten einen Funkspruch in deutscher, englischer und russischer Sprache:</p>
<p><em>&#8222;An die Alliierten! An die Armee des Generals Patton! Hier Konzentrationslager Buchenwald! S.O.S.! Wir bitten um Hilfe! Man will uns evakuieren! Die SS will uns vernichten&#8220;</em></p>
<p>Schon seit 1940 bauten die Häftlinge an verschiedenen Sendern und strahlten auch einige Testsendungen aus. Wie man sich vorstellen kann, ist der Bau und die Installierung eines Senders in einem Konzentrationslager mit gewaltigen Schwie­rigkeiten verbunden. Beispielsweise mußten die Häftlinge ja die Bauteile des Senders beschaffen oder eine Antenne errichten und gut verstecken. Doch die Häftlinge schafften es, drei Sender zu bauen.</p>
<h2>Der erste illegale Sender</h2>
<p>Im Herbst 1939 häuft die SS Hunderte von Radios aus der sogenannten &#8222;Judenaktion&#8220; in Buchenwald an. Durch unsachgemäßen Transport und falsche Lagerung sind viele dieser Geräte so defekt, daß sie &#8222;ohne Abgleich mit einem Meßgenerator nicht repariert werden können&#8220; (Häftlingselektriker Reinhold Lochmann). Andererseits aber drängt die SS auf die schnelle Instandsetzung der beschlagnahmten teuren Apparate.</p>
<p>Die Aussicht auf persönliche Bereicherung und auf Gunstbezeu­gungen gegenüber Vorgesetzten führt bald zu einer offiziellen Genehmigung, die den Selbstbau eines solchen Meßgenerators in der Elektrikerwerkstatt legalisiert. Allerdings vermeiden die Häft­lingselektriker bewußt die Bezeichnung &#8222;Meßsender&#8220;. Der Begriff &#8222;Meßgenerator&#8220; wirkt bei der fachlichen Ignoranz der SS-Aufseher weniger verfänglich.</p>
<p>Der fertige Meßgenerator ist verwendbar als<br />
&#8211; Meßmittel zum Abgleich für KW, MW und LW<br />
&#8211; NF-Verstärker<br />
&#8211; Netzgerät<br />
&#8211; Empfänger<br />
und eben auch als<br />
&#8211; Sender im KW-, MW- und LW-Bereich</p>
<p>Bei der Vorbereitung und Durchführung der ersten Abstrahlungsversuche handeln die Häftlinge zunächst aus eigener Initiative. Ihre Einschätzungen bringen dies eindeutig zum Ausdruck:</p>
<p>Herbert Morgenstern: &#8222;Mit dem Wunsch nach einem Meßsender kam bei unseren Genossen die Idee auf, ein solches Gerät zugleich in bestimmten Situationen als KW-Sender zu benutzen. &#8220;</p>
<p>Armin Walther: &#8222;Nach Fertigstellung des Meßgenerators waren wir an seiner Leistungsfähigkeit interessiert. Wir wollten sehen, was in dem Gerät drinsteckt. &#8220;</p>
<p>Die erste Testsendung wird Anfang 1940 über eine Entfernung von etwa zwei Kilometern zwischen der Elektrowerkstatt und einer SS-Kaserne durchgeführt. Die HF-Energie strahlen die Elektriker unmoduliert über die Radioantenne der E-Werkstatt ab. Vorher erfolgt eine Verabredung über Uhrzeit und etwaige Lage im Kurzwellenbereich. Als Kontrollgerät auf der Empfangsseite in der SS-Kaserne benutzen die Elektriker ein SS-eigenes Rundfunkgerät vom Typ Körting &#8222;Supra-Selector.</p>
<p>Über das Ergebnis der Testsendung sagt der Techniker Reinhold Lochmann: &#8222;Die Hochfrequenzenergie war so stark wie bei einem starken KW-Sender. Dies war sichtbar am Ausschlag der Abstimm­anzeigeröhre am &#8218;Supra-Selector &#8218;. Daraus ist zu schließen, daß die ausgestrahlte Energie genügte, um eine größere Entfernung von 20 bis 30 km zu überbrücken.&#8220;</p>
<p>Die zweite Testsendung im Frühjahr oder Sommer 1940 enthält erstmals einen gesprochenen Text. Unter Benutzung eines getarnten Mikrofonanschlusses am Meßgenerator senden die Elektriker die Zahlenkladde von 1 bis 10 und einen völlig unverdächtigen Sprachtext aus wenigen Sätzen. Unter dem Vorwand einer periodisch anstehenden Überprüfung der Empfangsanlage einschließlich des Rundfunkgerätes in der Wohnung des SS-Kommandoleiters in der SS-Siedlung Klein-Obringen findet im Sommer oder Herbst 1940 die dritte Testsendung statt. Die Entfernung vom Sender zum Empfänger beträgt 7,5 km.</p>
<p>In der Baracke schließen die Elektriker Helmuth Wagner und Herbert Morgenstern die Musikwiedergabe einer Schallplatte an den Modulationseingang des Meßgenerators an &#8211; und auf der Gegenseite hört die Reparaturkolonne der Häftlings-Elektriker zur verein­barten Zeit in der Wohnung des SS-Kommandoleiters die bewußte Schallplattenmusik. Auch hier soll es noch gute Resultate gegeben haben .</p>
<p>Dieser erste illegale Kurzwellensender wird noch durch die Elektriker betrieben. Aber mit der Schaffung einer illegalen Militärorganisation im KZ Buchenwald müssen auch Nachrichten­mittel geschaffen werden, die nur dieser Militärführung zur Verfügung stehen. So wird der zweite Sender geschaffen.</p>
<h2>Der zweite illegale Sender</h2>
<p>Der zweite illegale Kurzwellensender wird ab dem Herbst 1943 gebaut und auf die Welle der englischen kämpfenden Bodentruppen, 36,8 Meter, abgestimmt. Testsendungen werden mit diesem Sender anscheinend jedoch nicht ausgestrahlt.</p>
<h2>Der dritte illegale Sender</h2>
<p>Im Herbst 1944 steht die Rote Armee an der Weichsel, die westlichen Alliierten erreichen den Rhein. Vor dem endgültigen Zusammenbruch sollen nach den Plänen der SS noch Zehntausende der in den KZs eingepferchten Häftlinge den Tod im Massengrab finden.</p>
<p>Im Spätherbst beschließt die illegale Parteileitung der KPD im KZ Buchenwald, einen dritten Sender zu bauen. Angesichts der Lage an den Fronten muß der zu errichtende Sender in erster Linie dazu dienen, eine Verbindung mit den zum letzten Schlag rüstenden alliierten Armeen herzustellen. Um dies gewährleisten zu können, müssen Tarnung und Betriebssicherheit den Einsatz des Gerätes zu jeder Zeit garantieren, darf der Sender weder von den Wächtern noch von den 30.000 Häftlingen entdeckt werden, die Sendeanlage muß ausreichende Leistung und stabile Frequenzkonstanz sichern, damit die Armeefunker der Alliierten den Funkspruch in aus­reichender Zeichenqualität aufnehmen können. Schließlich muß verhindert werden, daß die Technikergruppe durch irgendwelche Maßnahmen der SS auseinandergerissen wird oder an Orten außerhalb des Lagers zum Einsatz kommt.</p>
<p>Der Sender wird in den Zwischenwänden einer Kinokabine im KZ untergebracht. Was für eine Leistung, diese Arbeit unter der ständigen Beobachtung durch die SS unbemerkt durchzuführen!</p>
<p>Am 8. April 1945 soll das gesamte Lager nach dem Willen des SS-Obergruppenführers Pister ins Unbekannte evakuiert werden. Die Häftlinge verweigern den Befehl zum Aufmarsch. Die seit Tagen durch das illegale Internationale Lagerkomitee (ILK) bewußt betriebene Desorganisation des Befehlsapparates der SS-Lager­leitung verstärkt sich und erschwert es den SS-Führern, die Evakuierung nach den geplanten Terminen und Größenordnungen durchzusetzen. Die amerikanischen Panzer stehen nur noch zwei Tages-Gefechtsmärsche von Buchenwald entfernt.</p>
<p>In dieser Situation erteilen die Parteileitung der KPD und der Leiter des ILK den Befehl, mit dem Sender einen Funkspruch abzusetzen und eine Verbindung mit den Alliierten herzustellen. Der Befehl wird überbracht und der Sender in höchstens einer Stunde betriebsbereit gemacht.</p>
<p>Etwa zwischen 9 und 10 Uhr beginnt dann die Sendung, deren Text wir bereits oben zitiert haben.<br />
Doch nach dem ersten Anruf erhalten die Funker keine Antwort einer Gegenstelle.<br />
15 Minuten später wird die Sendung wiederholt. 25 Mal (gegenüber 7 Mal in der ersten Sendung) wird das Rufzeichen KL-BU (Konzentrationslager Buchenwald) getastet. Und zwei bis drei Minuten nach dieser Sendung kommt Antwort:</p>
<p><em>&#8222;KL-BU! Ausdauern! Wir kommen zu Hilfe! Kommando (oder Oberkommando) der III. Armee!&#8220;</em></p>
<p>Aber die Amerikaner kommen nicht. 40 bis 45 km entfernt von Buchenwald bleiben sie bei Gotha stehen, obwohl ihnen kein Feind gegenüber steht. Warum kommen sie nicht, um die vom Tode bedrohten Franzosen, Belgier, Sowjets, Italiener, Tschechen, Polen und Deutschen zu befreien? Ist dieser Satz aus den Memoiren des General Patton ein Hinweis darauf: &#8222;Meine einzige Aufgabe bestand darin, zu verhindern, daß sich Deutschland dem Bolschewismus in die Arme warf&#8220; ?</p>
<p>Die Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald befreien sich selbst.</p>
<h1>Links</h1>
<h3>Freiheitssender</h3>
<p>Deutsches Rundfunk-Archiv: <a href="http://www.dra.de/online/dokument/2000/dezember.html" target="_blank" rel="noopener">Stimme des republikanischen Spaniens</a></p>
<p>Verlag Rainer Pinkau: <a href="http://www.geheimsender.de/archiv.htm" target="_blank" rel="noopener">Die Geschichte der Geheimsender</a></p>
<p>Deutsches Rundfunk-Archiv: <a href="http://www.dra.de/online/hinweisdienste/wort/2001/april28.html" target="_blank" rel="noopener">Walther von Seydlitz beim Sender Freies Deutschland</a></p>
<p>Sozialistische Jugend &#8211; Stamokap: <a href="http://www.stamokap.org/pieck45.html" target="_blank" rel="noopener">Wilhelm Pieck beim Sender Freies Deutschland</a></p>
<h3>Sender der Alliierten gegen Hitler-Deutschland</h3>
<p>Wikipedia: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Radio_Moskau" target="_blank" rel="noopener">Radio Moskau / Stimme Rußlands</a></p>
<p>Moskauer Deutsche Zeitung: <a href="http://62.5.183.114/Geschichte/2006/05/04/15.02.13.htm" target="_blank" rel="noopener">Verbotene Nachrichten aus dem Volksempfänger</a></p>
<p>BBC: <a href="http://www.bbc.co.uk/heritage/story/ww2/index.shtml" target="_blank" rel="noopener">The BBC at War</a></p>
<p>Deutsches Rundfunk-Archiv: <a href="http://www.dra.de/publikationen/cds/stimmen/cd14.html" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Hier ist England&#8220; (Erste deutschsprachige Sendung)</a></p>
<p>Deutsches Rundfunk-Archiv: <a href="http://www.dra.de/online/hinweisdienste/wort/2000/juli14.html" target="_blank" rel="noopener">Annemarie Hase als Frau Wernicke bei BBC London</a></p>
<p>Wikipedia: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Soldatensender_Calais" target="_blank" rel="noopener">Soldatensender Calais</a></p>
<p>infoBitte: <a href="http://www.infobitte.de/free/lex/ww2_Lex0/s/soldatensenderCalais.htm" target="_blank" rel="noopener">Soldatensender Calais</a></p>
<p>netzwelt.de: <a href="http://www.netzwelt.de/lexikon/Soldatensender_Calais.html" target="_blank" rel="noopener">Soldatensender Calais</a></p>
<p>Seftondelmer.co.uk: <a href="http://www.seftondelmer.co.uk/22.htm" target="_blank" rel="noopener">Soldatensender Calais</a></p>
<p>Wikipedia: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sefton_Delmer" target="_blank" rel="noopener">Sefton Delmer</a></p>
<h3>Nazi-Rundfunk</h3>
<p>Wikipedia: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_H%C3%B6rfunks#Der_Rundfunk_im_Dritten_Reich" target="_blank" rel="noopener">Der Rundfunk im Dritten Reich</a></p>
<p>Wikipedia: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fdeutscher_Rundfunk" target="_blank" rel="noopener">Großdeutscher Rundfunk</a></p>
<p>WDR: <a href="http://www.wdr.de/themen/kultur/rundfunk/oeffentl_rechtl_rundfunk/drittes_reich/index_teil_1.jhtml?rubrikenstyle=oeffentl_rechtl_rundfunk" target="_blank" rel="noopener">Hörfunk und Fernsehen in der Nazi-Zeit</a></p>
<p>Bayerischer Rundfunk: <a href="http://www.br-online.de/wissen-bildung/collegeradio/medien/geschichte/goebbels/manuskript/" target="_blank" rel="noopener">Unterhaltung bis zum bitteren Ende. Joseph Goebbels und das Radio</a></p>
<p>Shoa.de: <a href="http://www.shoa.de/content/view/153/41/" target="_blank" rel="noopener">Die Gleichschaltung der Medien im Dritten Reich</a></p>
<p>Deutsches Rundfunk-Archiv: <a href="http://www.dra.de/online/dokument/2002/juli.html" target="_blank" rel="noopener">Neue Schallfolie vom sogenannten &#8222;Volkssender&#8220;</a></p>
<p>Deutsches Rundfunk-Archiv: <a href="http://www.dra.de/online/dokument/1998/september.html" target="_blank" rel="noopener">Einzige Rundfunkreportage aus einem Konzentrationslager</a></p>
<p>Deutsches Rundfunk-Archiv: <a href="http://www.dra.de/online/dokument/2001/maerz.html" target="_blank" rel="noopener">Einzige Tonaufnahme des deutschen Geheimsenders Radio Humanité</a></p>
<p>Rundfunk und Geschichte 27: <a href="https://rundfunkundgeschichte.de/assets/RuG_2001_1-2.pdf#%5B%7B%22num%22%3A215%2C%22gen%22%3A0%7D%2C%7B%22name%22%3A%22FitH%22%7D%2C541%5D" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Radio Humanité, der Sender der revolutionären Arbeiterbewegung&#8220;</a></p>
<p>Michael Hensle: <a href="http://opus.kobv.de/tuberlin/volltexte/2005/1074/" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Rundfunkverbrechen&#8220; vor nationalsozialistischen Sondergerichten</a></p>
<h3>O-Töne</h3>
<p>SWR: <a href="http://www.swr.de/swr2/zeitenwende/galerie/moments/1930-1939.html" target="_blank" rel="noopener">Moments of History (1930-1939)</a></p>
<p>SWR: <a href="http://www.swr.de/swr2/zeitenwende/galerie/moments/1940-1949.html" target="_blank" rel="noopener">Moments of History (1940-1949)</a></p>
<p><a href="http://www.dhm.de/lemo/suche/audios.html" target="_blank" rel="noopener">Deutsches Historisches Museum:</a> <a href="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1989/07/www.dhm.de_lemo_objekte_sound_lilimarleen_index.ram" target="_blank" rel="noopener">Lale Andersen singt Lili Marleen (1939)</a></p>
<p><a href="http://www.dhm.de/lemo/suche/audios.html" target="_blank" rel="noopener">Deutsches Historisches Museum:</a> <a href="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1989/07/www.dhm.de_lemo_objekte_sound_bbc1_index.ram" target="_blank" rel="noopener">Lili Marleen bei der BBC London</a></p>
<p><a href="http://www.dhm.de/lemo/suche/audios.html" target="_blank" rel="noopener">Deutsches Historisches Museum:</a> <a href="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1989/07/www.dhm.de_lemo_objekte_sound_greene_index.ram">Hugh Carlton Greene bei BBC London (1941)</a></p>
<p><a href="http://www.dhm.de/lemo/suche/audios.html" target="_blank" rel="noopener">Deutsches Historisches Museum:</a> <a href="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1989/07/www.dhm.de_lemo_objekte_sound_mann_index.ram">Thomas Mann bei BBC London (1941)</a></p>
<p><a href="http://www.dhm.de/lemo/suche/audios.html" target="_blank" rel="noopener">Deutsches Historisches Museum:</a> <a href="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1989/07/www.dhm.de_lemo_objekte_sound_goring_index.ram" target="_blank" rel="noopener">Marius Goring bei BBC London über die Vernichtung der Juden (1942)</a></p>
<p><a href="http://www.dhm.de/lemo/suche/audios.html" target="_blank" rel="noopener">Deutsches Historisches Museum:</a> <a href="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1989/07/www.dhm.de_lemo_objekte_sound_voa_index.ram" target="_blank" rel="noopener">Nachrichten der Stimme Amerikas</a></p>
<p><a href="http://www.dhm.de/lemo/suche/audios.html" target="_blank" rel="noopener">Deutsches Historisches Museum:</a> <a href="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1989/07/www.dhm.de_lemo_objekte_sound_lasker_index.ram">Anita Lasker bei BBC London über Auschwitz und Bergen-Belsen (1945)</a></p>
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