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		<title>Power von der Eastside</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 May 2024 17:45:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
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		<category><![CDATA[Jugendradio DT 64]]></category>
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					<description><![CDATA[Pfingsten 1964: Hunderttausende Jugendliche aus allen Teilen der DDR und einige zehntausend aus Westdeutschland kamen in Berlin zusammen und feierten[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Pfingsten 1964: Hunderttausende Jugendliche aus allen Teilen der DDR und einige zehntausend aus Westdeutschland kamen in Berlin zusammen und feierten das dritte – und letzte – Deutschlandtreffen der Jugend. Auf der Karl-Marx-Allee wurde getanzt, Bands spielten, Schriftsteller lasen –, und auf dem Alexanderplatz stand ein gläserner Pavillon. Das war das <em>Jugendstudio Deutschlandtreffen</em>, kurz <em>DT 64</em>. Gerhart Eisler, der Chef des staatlichen Rundfunkkomitees, gab am 15. Mai 1964, dem Vorabend des Treffens, den Startschuss und wünschte im Namen aller Mitarbeiter des Rundfunks und Fernsehens der DDR einen »herzlichen Empfang über die Ätherwellen eures Senders – <em>DT 64</em>!« Die Redakteure und Reporter lieferten den Soundtrack zum Festival, berichteten von den Kundgebungen und Demonstrationen, vermittelten Übernachtungsgelegenheiten.</p>
<p>Ursprünglich sollte das Festivalprogramm nach 99 Stunden Geschichte sein, doch der Erfolg war so groß, dass der Ruf nach einer Fortsetzung laut wurde. Der <em>Berliner Rundfunk</em> machte Platz in seinem Programm, so dass das <em>Jugendstudio DT 64</em> ab dem 29. Juni 1964 täglich mehrere Stunden lang auf Mittelwelle und UKW zu hören war. Am 7. März 1986 folgte dann der nächste Schritt – aus dem <em>Jugendstudio</em> wurde das <em>Jugendradio</em> mit eigener Senderkette und einem Programm von vier bis 24 Uhr. Während in den westdeutschen öffentlich-rechtlichen Anstalten peinlich genau darauf geachtet wurde, dass die Moderatoren regelmäßig in die Lieder reinquatschten, um im Interesse der Schallplattenkonzerne Mitschnitte zu ruinieren, sendete <em>DT 64</em> »Musik für den Rekorder« – komplette Alben, gerne von westlichen Bands, ohne Gerede dazwischen.</p>
<p>Nicht jedem in den Machtzentralen der DDR gefiel, was da an Musik und Sprüchen über den Sender ging. Auf die Aneinanderreihung von Titeln wichtiger Persönlichkeiten und protokollarische Hofberichterstattung, wie sie bei <em>Radio DDR</em> Standard war, wurde auf <em>DT 64</em> weitgehend verzichtet. Man stand treu zur Republik und zur Partei, aber formulierte das anders – lockerer, prägnanter, frecher. Und man spielte Punk und Rock, gerne laut und schräg, antifaschistisch und rebellisch. In den Protokollen diverser Gremien finden sich zwar immer wieder Beschwerden von Erich Honecker, aus dem Zentralrat der FDJ oder von anderen. An eine Abschaltung jedoch dachte niemand.</p>
<p>Die kam erst, als sich der goldene Westen der Brüder und Schwestern annahm. Am 7. September 1990, wenige Wochen vor der »Wiedervereinigung«, war auf den Frequenzen des <em>Jugendradios</em> plötzlich der <em>RIAS</em> aus Westberlin zu hören. Der geschäftsführende Generalintendant des DDR-Rundfunks, Christoph Singelnstein, stotterte eine Erklärung in die Mikrofone, nach der die Journalisten des <em>RIAS</em> ihren Kollegen in der DDR die Hand reichten, »um beim Aufbau eines demokratischen und pluralistischen Rundfunks zu helfen«. Am besten durch Abschalten: »<em>RIAS</em>, dessen Programm ab sofort auf einigen Frequenzen von <em>Jugendradio</em> ausgestrahlt wird, baut mit Journalisten und Redakteuren von <em>Radio DDR</em> Arbeitsgruppen auf, die insbesondere die spezifischen Probleme der Bevölkerung auf dem Gebiet der DDR aufarbeiten.« Wäre es nach Singelnstein gegangen, wäre <em>DT 64</em> nur noch ein Berliner Lokalsender mit unsicherer Zukunftsperspektive gewesen.</p>
<p>Die <em>Junge Welt</em> (damals noch mit großem J) meldete den Piratenakt mit der Schlagzeile »Skandal: <em>DT 64</em> von <em>RIAS</em> gekillt!« Eine Redakteurin des Senders wurde zitiert: »Für mich ist das Verrat an unseren Hörern.« Viele von denen sahen das auch so. Spontan demonstrierten Tausende vor allem junge Menschen für ihren Sender. In Dresden blockierten 2.000 Jugendliche die Ernst-Thälmann-Straße nahe dem Kulturpalast. Hörer versammelten sich mit Kerzen vor Sendetürmen, am Sitz von DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière versammelten sich einige zu einem Hungerstreik, Hunderte belagerten die Studios in der Nalepastraße. Sie hatten Erfolg. 24 Stunden nach der Abschaltung, am 8. September 1990 um Punkt 20 Uhr war auf den vorübergehend vom <em>RIAS</em> gekaperten Wellen wieder der markante Jingle »Power von der Eastside« zu hören. Reporter Lutz Deckwerth meldete sich aus Dresden: »Das kann man nicht beschreiben, hier knallen die Sektkorken, und die Leute freuen sich, die Leute freuen sich einfach. Es wird angestoßen auf die Wiedergeburt von <em>Jugendradio</em>!« Aus dem spontanen Protest entstanden festere Strukturen, es bildeten sich Freundeskreise des Jugendradios, die sich für ihr Programm engagierten. Und das blieb nötig, denn im Einigungsvertrag zwischen BRD und DDR war festgelegt worden, dass die Programme des DDR-Rundfunks spätestens zum 31. Dezember 1991 abgeschaltet werden müssten, um Platz für neue öffentlich-rechtliche Anstalten und Kommerzkanäle zu machen. Für ein überregionales Jugendradio fehlte den Regierenden der größer gewordenen Bundesrepublik die Phantasie.</p>
<p><em>DT 64</em> probte den Ernstfall. Am 13. September 1991 wurde den verdutzten Hörern mitgeteilt, dass »Teile der Belegschaft« der Abschaltung zum Jahreswechsel getrotzt hätten und nun auf der Flucht vor den Peilwagen der Post seien. Man sendete angeblich wechselnd aus Schwerin, Dresden, Berlin und Leipzig – das »vielleicht längste Hörspiel der Rundfunkgeschichte«, wie es Chefredakteur Michael Schiwack nannte. Gegen 18 Uhr endete das »illegale« Treiben abrupt. Zu hören war nur noch ein schriller Testton, dann eine amtlich klingende Stimme: »1. Januar 1992. Dieser Sender ist abgeschaltet.«</p>
<p>Der anhaltende Protest sorgte für eine Gnadenfrist. Der <em>Mitteldeutsche Rundfunk</em> (<em>MDR</em>) erklärte sich bereit, <em>DT 64</em> zunächst für ein halbes Jahr in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen weiterfunken zu lassen. In Berlin und Brandenburg musste sich <em>DT 64</em> die Frequenzen mit dem neu gegründeten – und letztlich nur kurzlebigen – <em>Rockradio B</em> teilen. In Mecklenburg-Vorpommern wurde dem <em>Jugendradio</em> der Saft komplett abgedreht, als sich der <em>NDR</em> am 1. Januar 1992 das nördliche Bundesland als Sendegebiet einverleibte. Doch es kam noch schlimmer. Im Juni 1992 entschied der <em>MDR</em>, <em>DT 64</em> auf die Mittelwelle zu verbannen, um die UKW-Frequenzen kommerziellen Privatsendern zur Verfügung zu stellen. Vier Tage später nahm <em>DT 64</em> die Umstellung vorweg und strahlte zwölf Stunden lang eine Parodie unter dem Namen <em>Superradio 2000 O</em> aus: Dudelfunk, hektische Talks, kurze Nachrichtenblöcke, gesponserte Zeitansagen (»Meine Prolex-Uhr zeigt jetzt …«) und Werbespots: »Probieren Sie Aknesil Ultra Pickelcreme, mit 32 noch Akne wie mit 14!«</p>
<p>Ab Juli 1992 war <em>DT 64</em> noch ein Jahr lang über die Mittelwelle zu hören, später dann nur noch über Satellit – unter dem neuen Namen <em>MDR Sputnik</em>. Diesen Sender gibt es bis heute, zu hören inzwischen auch im Kabel, Internet, via App usw. Doch der rebellische Geist, die Power von der Eastside ist auf der Strecke geblieben. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Sender, der dazwischenfunkte. Herzlichen Glückwunsch zum 60. Geburtstag, <em>DT 64</em>!</p>
<p>Erschienen am 15. Mai 2024 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/475354.60-geburtstag-dt-64-power-von-der-eastside.html" target="_blank" rel="noopener">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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		<title>Ideologische Institute</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/ideologische-institute/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 30 Mar 2024 18:38:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
		<category><![CDATA[Bertolt Brecht]]></category>
		<category><![CDATA[Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunkgeschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Vor 100 Jahren, am 30. März 1924, nahm der erste bayerische Rundfunksender seinen regulären Betrieb auf. Fünf Monate nach dem[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor 100 Jahren, am 30. März 1924, nahm der erste bayerische Rundfunksender seinen regulären Betrieb auf. Fünf Monate nach dem Beginn des ersten regelmäßigen Rundfunkprogramms in Berlin und einen guten Monat vor dem Start der <em>Norag</em> in Hamburg gehörte die <em>Deutsche Stunde in Bayern</em> damit zu den Pionieren des neuen Mediums in Deutschland. Allerdings war das öffentliche Interesse daran, mit dem Kopfhörer Funksignale zu empfangen, zunächst begrenzt. Anfang 1924 hatten erst rund 500 Menschen in Deutschland eine Lizenz zum Rundfunkempfang erworben. »Nicht die Öffentlichkeit hatte auf den Rundfunk gewartet, sondern der Rundfunk wartete auf die Öffentlichkeit«, fasste Bertolt Brecht die damalige Situation 1932 rückblickend in einem Vortrag zusammen. »Nicht Rohstoff wartete auf Grund eines öffentlichen Bedürfnisses auf Methoden der Herstellung, sondern Herstellungsmethoden sahen sich angstvoll nach einem Rohstoff um.«¹</p>
<p>Brecht selbst hatte, wie die meisten seiner Landsleute, 1924 anderes im Kopf gehabt, als den Entwicklungen im Äther besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Erst im November 1923 war die Hyperinflation in Deutschland durch eine Währungsreform beendet worden, die Nachwehen der dramatischen Ereignisse der zurückliegenden Monate – unter anderem der militärische Sturz der Arbeiterregierungen in Sachsen und Thüringen, der Hamburger Aufstand der Kommunisten an der Elbe und der vereitelte »Hitler-Putsch« in München – prägten die öffentliche Diskussion. In Brechts Fall kamen noch berufliche und private Verwicklungen hinzu. Am 19. März 1924 hatte in München das von ihm inszenierte Bühnenstück »Das Leben Eduards des Zweiten von England« Premiere, im April fuhr er mit seiner Frau Marianne und Tochter Hanne nach Capri in den Urlaub, während Helene Weigel bereits von ihm schwanger war. So ist es kaum überraschend, dass sich Brechts Interesse am Rundfunk zunächst darauf beschränkt haben dürfte, Presseberichte darüber zur Kenntnis zu nehmen: »Es waren ironische Zeitungsnotizen über einen förmlichen Radio-Hurrikan, der an der Arbeit war, Amerika zu verwüsten.«²</p>
<h3>»Der Flug der Lindberghs«</h3>
<p>Brecht blieb jedoch nicht lange ein abseits stehender Beobachter. Er gehörte bald zu den Künstlern und Schriftstellern, die mit den Möglichkeiten des neuen Mediums experimentierten und auch Werke speziell für den Rundfunk schufen. Bereits 1926 und 1927 wurden für die Ausstrahlung bearbeitete Versionen seiner Stücke »Das Leben Eduards des Zweiten von England« und »Mann ist Mann« gesendet. Am 29. Juli 1929 hatte »Der Flug der Lindberghs« in Baden-Baden Premiere, dessen Musik von Kurt Weill und Paul Hindemith stammte.³</p>
<p>Brecht hatte den »Flug der Lindberghs« als Lehrstück konzipiert, das ohne Wert sei, »wenn man sich nicht daran schult«, schrieb er als Erläuterung. Dem Dichter schwebte eine Aufführung via Rundfunk vor, mit der die Hörer aus ihrer passiven Rolle geholt werden sollten: Das Stück sei »ein Lehrgegenstand und zerfällt in zwei Teile. Der eine Teil (die Gesänge der Elemente, die Chöre, die Wasser- und Motorengeräusche und so weiter) hat die Aufgabe, die Übung zu ermöglichen, das heißt einzuleiten und zu unterbrechen, was am besten durch einen Apparat geschieht. Der andere pädagogische Teil (der Fliegerpart) ist der Text für die Übung: Der Übende ist Hörer des einen Textteiles und Sprecher des anderes Teiles. Auf diese Art entsteht eine Zusammenarbeit zwischen Apparat und Übenden, wobei es mehr auf Genauigkeit als auf Ausdruck ankommt.« Ausdrücklich notierte Brecht, dass der »Lindberghflug« dem »gegenwärtigen« Rundfunk »nicht zum Gebrauch dienen« solle, »sondern er soll ihn verändern«. Nötig sei »eine Art Aufstand des Hörers, seine Aktivierung und seine Wiedereinsetzung als Produzent«.⁴ Die weitreichenden Vorstellungen eines interaktiven Hörspiels ließen sich weder 1929 bei der Uraufführung in Baden-Baden verwirklichen, wo die Musik des Orchesters per Lautsprecher in verschiedene Säle übertragen wurde und Solisten in der Rolle des Hörers deren Part sprachen, noch 1930, als der »Flug der Lindberghs« erstmals im Rundfunk übertragen wurde.</p>
<p>Brecht änderte seine Urfassung mehrfach, am radikalsten aber nach der Befreiung vom Faschismus. Aus Anlass einer Anfrage des <em>Süddeutschen Rundfunks</em>, der das Stück ins Programm nehmen wollte, schrieb Brecht eine Neufassung, in der Lindberghs Name nicht mehr genannt wurde und der Titel in »Der Ozeanflug« geändert wurde. In einem Brief vom Januar 1950 an den Sender verlangte er: »Wenn Sie den Lindberghflug in einem historischen Überblick bringen wollen, muss ich Sie bitten, der Sendung einen Prolog voranzustellen und einige kleine Änderungen im Text selber vorzunehmen. Lindbergh hat bekanntlich zu den Nazis enge Beziehungen unterhalten; sein damaliger enthusiastischer Bericht über die Unbesieglichkeit der Nazi-Luftwaffe hat in einer Reihe von Ländern lähmend gewirkt. Auch hat L. in den USA als Faschist eine dunkle Rolle gespielt. In meinem Hörspiel muss daher der Titel in ›Der Ozeanflug‹ umgeändert werden, man muss den Prolog sprechen und den Namen Lindbergh ausmerzen.«⁵</p>
<p>Charles Lindbergh, dem 1927 die erste Alleinüberquerung des Atlantik per Flugzeug gelungen war, hatte in den 1930er Jahren Sympathien für die deutschen Faschisten entwickelt. In seiner Funktion als Oberst der US-Luftwaffe hatte er mehrmals Nazideutschland besucht und dabei Kontakte zu führenden Nazis wie Hermann Göring, der ihm im Oktober 1938 das »Großkreuz des Deutschen Adlerordens« verlieh. In den folgenden Jahren agitierte er in den USA gegen einen Kriegseintritt, für eine Verständigung mit den Deutschen und machte »die Briten« und »die Juden« als Hauptkriegstreiber aus.</p>
<p>Brecht dagegen hatte auch nach der Machtübernahme der Faschisten in Deutschland versucht, vom Exil aus mit künstlerischen Mitteln Widerstand zu leisten und dafür auch den Rundfunk genutzt. Für den von Spanien aus von Kommunisten betriebenen <em>Deutschen Freiheitssender 29,8</em> schrieb er seine »Deutschen Satiren«. Unmittelbar nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939 verfasste er im Auftrag des schwedischen Rundfunks in Stockholm das Hörspiel »Das Verhör des Lukullus«. Der verstorbene römische Feldherr muss sich darin vor einem Totengericht für die Taten seines Lebens verantworten – die Parallele zu Hitler war so deutlich, dass der schwedische Rundfunk vor einer Ausstrahlung zurückschreckte. Dagegen verbreitete das Schweizer <em>Radio Beromünster</em> das Stück am 12. Mai 1940.</p>
<h3>Radio als Einbahnstraße</h3>
<p>Schon während der Weimarer Republik hatte Brecht nicht mit Kritik am Rundfunk gespart. Die Resultate des Radios seien »beschämend«, notierte er 1927 in seinem von ironischem Tonfall geprägten Aufsatz »Radio – eine vorsintflutliche Erfindung?«. Unverständlich, »wie hier eine Kaste dadurch, dass sie es ermöglichte, das, was sie zu sagen hatte, dem ganzen Erdball zu sagen, es zugleich dem Erdball ermöglichte, zu sehen, dass sie nichts zu sagen hatte«.⁶ Er entwickelte Vorschläge, wie das Medium demokratisiert und aus seiner Rolle als »Einbahnstraße« befreit werden könnte. Diese oft als »Radiotheorie« bezeichneten Gedanken finden sich vor allem in fünf relativ kurzen Texten, die in den 1967 vom Suhrkamp-Verlag herausgegebenen »Gesammelten Werken« gerade einmal 15 Seiten der 20 Bände einnehmen. Trotzdem haben diese knappen Aufsätze die spätere Mediendiskussion mitgeprägt und werden bis heute gerne herangezogen, um etwa das Internet als späte Verwirklichung von Brechts Gedanken darzustellen. Dabei greifen die Autoren meist auf zwei, drei Kernsätze zurück, die auf den ersten Blick gut passen – übersehen dabei aber den Kontext, in dem Brecht sie geschrieben hatte.</p>
<p>In seinen »Vorschlägen für den Intendanten des Rundfunks« forderte Brecht Ende 1927, »aus dem Radio eine wirklich demokratische Sache zu machen«.⁷ Dabei kritisierte er zunächst die vom Film übernommene Praxis des Rundfunks, »künstlichen Stoff« zu schaffen, anstatt die Realität widerzuspiegeln. Tatsächlich bestand das Programm in den ersten Jahren mit wenigen Ausnahmen vor allem aus Vorträgen und – meist klassischen – Musikaufführungen aus dem Studio. Schon am 13. Juli 1924 hatte die Hamburger <em>Norag</em> jedoch live von einer Regatta auf der Alster berichtet, und ab dem 1. November sendete die am 10. Oktober 1924 gestartete <em>Westdeutsche Funkstunde</em> aus Münster die ersten Fußballreportagen. Brecht ging es jedoch nicht um Sportevents, als er den Intendanten aufforderte, er müsse »mit den Apparaten an die wirklichen Ereignisse näher herankommen und sich nicht nur auf Reproduktion oder Referat beschränken lassen«.⁸</p>
<p>Der Dichter dachte politisch und schlug vor, Reichstagssitzungen und wichtige Gerichtsprozesse live zu übertragen. Es sei die Aufgabe des Intendanten, sich mit Hilfe der Öffentlichkeit gegen die zu erwartenden Widerstände von Parlamentariern und Juristen durchzusetzen: »Die Furcht der Abgeordneten, im ganzen Reiche gehört zu werden, darf, da sie sehr berechtigt ist, nicht unterschätzt werden, aber sie müssen sie ebenso besiegen wie die Furcht, die, wie ich glaube, verschiedene Gerichte äußern würden, ihre Entscheidungen vor dem gesamten Volke treffen zu müssen.«⁹</p>
<p>Während Gerichtsverhandlungen in Deutschland bis heute nicht in Radio und Fernsehen übertragen werden dürfen, mutet die Hoffnung, die Brecht mit Direktübertragungen von Parlamentssitzungen verbunden hat, inzwischen eher rührend an, wenn man auf die Einschaltquoten der stundenlangen Bundestagsdebatten auf <em>Phoenix</em> schaut. Aber die Übertragungen sind andererseits eine Voraussetzung dafür, das Parlament als Tribüne für die Anliegen der arbeitenden Menschen zu nutzen, wie dies lange der Anspruch linker Parlamentarier gewesen ist. Das gilt im Kern auch für den Vorschlag Brechts, »vor dem Mikrophon an Stelle toter Referate wirkliche Interviews (zu) veranstalten, bei denen die Ausgefragten weniger Gelegenheit haben, sich sorgfältige Lügen auszudenken«.¹⁰</p>
<p>Zu jener Zeit war es im Rundfunk üblich, dass Politiker der verschiedenen bürgerlichen Parteien – die Kommunisten waren als einzige weitgehend ausgeschlossen – zu festgelegten Terminen Redezeit zugewiesen bekamen, in denen sie wie im Parlament oder auf einer Parteiversammlung eine Ansprache halten konnten. Kritische Nachfragen von Journalisten oder eine Einordnung des Gesagten – zum Beispiel einen Faktencheck – gab es nicht. Brecht unterschätzte allerdings die Fähigkeit der Politiker, sich auf die meist an der Oberfläche bleibenden Fragen der Reporter einzustellen und sich mit Floskeln aus der Affäre zu ziehen. Und die Fragenden sind meist zufrieden, wenn sie ein oder zwei gut klingende Kernsätze über den Sender geben können, bevor sie zum Wetterbericht überleiten. Das gilt im Prinzip auch für die zahlreichen Talkshows, wo es vor allem darum geht, wie telegen jemand auftreten kann. Mit den von Brecht vorgeschlagenen »Disputationen zwischen bedeutenden Fachleuten«¹¹ hat das jedenfalls selten etwas zu tun, und auch nichts damit, die »Berichte der Regierenden in Antworten auf die Fragen der Regierten zu verwandeln«¹², wie er 1932 forderte.</p>
<p>Wenig an Brisanz verloren hat dagegen ein letzter Punkt, den Brecht 1927 dem Rundfunkintendanten vorlegte. Es sei »unumgänglich nötig, dass Sie öffentlich Rechnung ablegen über die phantastischen Summen, die das Radio einnimmt, und die Verwendung dieser öffentlichen Gelder bis auf den letzten Pfennig klarlegen«.¹³</p>
<h3>Die Hörer sprechen machen</h3>
<p>Ein Kernelement von Brechts Überlegungen war es allerdings, die Hörer in die Lage zu versetzen, nicht nur zu hören, sondern auch selbst »sprechen zu machen«. Der Rundfunk müsse aus einem Distributionsapparat, der lediglich zuteile, in einen Kommunikationsapparat verwandelt werden und »den Hörer als Lieferanten organisieren«.¹⁴ Und Brecht fragte: »Sollten Sie dies für utopisch halten, so bitte ich Sie, darüber nachzudenken, warum es utopisch ist.«¹⁵</p>
<p>Dem Dichter ging es natürlich nicht um die bis heute im Rundfunk oft zu hörenden Sendungen, in denen Hörer anrufen können, um ihre Meinung zur Fähigkeit eines Fußballtrainers oder den Erfolgschancen beim Eurovision Song Contest zu sagen. Doch selbst bei relevanten, politischen Diskussionen, zu denen manche öffentlich-rechtlichen Kanäle gelegentlich noch einladen, haben der Moderator oder die Sendeleitung das letzte Wort. Wer zu sehr vom vorgesehenen Meinungskorridor abweicht, wird einfach aus der Leitung geschmissen.</p>
<p>Praktische Versuche, die Trennung zwischen Sendenden und Hörenden aufzubrechen, gab es in Deutschland vor allem durch die in den 1970er Jahren entstehenden »Freien Radios«, die sich konzeptionell oft ausdrücklich auf Brecht bezogen. Übliche Praxis war es, dass die Hörer aufgerufen wurden, selbst Kassetten zu besprechen, die dann unzensiert und ungekürzt gesendet werden sollten. Allerdings standen dem zahlreiche Hürden entgegen, zunächst vor allem die Kriminalisierung. Da die »Freien Radios« ohne Lizenz als Piratensender funkten, wurden sie von Post und Polizei gejagt. Um der Anpeilung zu entgehen, konnten sie sich meist nur für wenige Minuten zu Wort melden – wenig Zeit für spannende Berichte von Betroffenen. Auch als später viele dieser Sender oder ihre Nachfolger legalisiert wurden, blieben die »Freien Radios« im Brechtschen Sinne vor allem Distributions- und kaum Kommunikationsapparate, denn die wenigsten Hörerinnen und Hörer sahen sich in der Verantwortung, einen inhaltlichen Beitrag zum Programm zu leisten. Zumal in derselben Zeit die Bedeutung des Radios als politisches Informations- und Diskussionsmedium stetig abgenommen hat. Heute dudelt das Radio im Hintergrund, Nachrichten und Wetterbericht sowie ein paar unaufdringliche Worthappen stets gut gelaunter Moderatoren bilden die Hintergrundmelodie des Tagesgeschäfts.</p>
<p>Ein anderer Versuch, die Einbahnstraße des Rundfunks in beide Richtungen zu öffnen, waren (und sind) »Offene Kanäle«. Von ihrem Konzept her sollten sie allen Interessierten ermöglichen, eigene Sendungen zu produzieren und zu verbreiten. In den meisten Fällen entstand daraus jedoch ein wildes Sammelsurium unzusammenhängender Programmbrocken, die kaum Zuhörerinnen und Zuhörer fanden. Die Macher mussten viel Kraft aufwenden, ihre Sendungen den potentiellen Interessenten bekanntzumachen – und die mussten gezielt einschalten. In den seltensten Fällen dürften diese dann noch bei der folgenden Sendung dabeigeblieben sein. Die »Offenen Kanäle« reagierten darauf mit Versuchen, regelmäßige Beiträge zuzulassen, andere wurden zu »Ausbildungsradios« mit durchgehendem Programmschema – und kopierten so letztlich die herkömmlichen Rundfunksender.</p>
<p>Bezogen auf das Radio hat das Internet diese Situation noch einmal zugespitzt. Jetzt ist es technisch möglich, dass jeder einzelne sein eigenes Radioprogramm produziert und verbreitet. Beim Provider laut.fm gibt es zum Beispiel bereits Tausende Nutzerinnen und Nutzer, die ihre eigenen Programme verbreiten – »User Created Content«, der das Umfeld für die eingeblendete Werbung bildet. Ob eine einzelne Station mehr Hörerinnen und Hörer hat als die Produzierenden selbst, ist dabei zunächst nicht relevant. Mit Brechts Radiotheorie hat das aber nichts mehr zu tun – ihm ging es nicht um Selbstgespräche, vielmehr darum, »den Zuhörer (…) nicht zu isolieren, sondern ihn in Beziehung zu setzen«.¹⁶</p>
<p>Das gleiche gilt um so mehr für die »sozialen Netzwerke« à la Facebook, Instagram, Twitter/X, Tik Tok usw. Nur scheinbar kann hier jeder alles sagen und alles von allen gelesen und gehört werden. Die Algorithmen sorgen dafür, dass man brav in der jeweiligen Blase bleibt. Beiträge, die Links auf Seiten außerhalb des jeweiligen Netzwerks enthalten, werden aussortiert und kaum bei anderen Nutzern angezeigt. Agenturen lassen sich dafür bezahlen, dass sie für ihre Kunden eine hohe Reichweite und damit Relevanz vortäuschen.</p>
<h3>Die Basis erschüttern</h3>
<p>Brecht hätte dies wohl kaum überrascht. Schon in der Weimarer Republik ging er davon aus, dass seine Vorstellungen unter den erlebten Bedingungen nicht umsetzbar waren. Es ging ihm nicht darum, die »ideologischen Institute auf der Basis der gegebenen Gesellschaftsordnung durch Neuerungen zu erneuern«. Er verlangte mehr: »Durch immer fortgesetzte, nie aufhörende Vorschläge zur besseren Verwendung der Apparate im Interesse der Allgemeinheit haben wir die gesellschaftliche Basis dieser Apparate zu erschüttern, ihre Verwendung im Interesse der wenigen zu diskreditieren.« Der Dichter konstatierte deshalb selbst: »Undurchführbar in dieser Gesellschaftsordnung, durchführbar in einer anderen, dienen die Vorschläge (…) der Propagierung und Formung dieser anderen Ordnung.«¹⁷</p>
<p><strong>Anmerkungen</strong></p>
<p>1 Bertolt Brecht: Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede über die Funktion des Rundfunks; in: ders. Gesammelte Werke, Suhrkamp 1967, Bd. 18, S. 128</p>
<p>2 Bertolt Brecht: Radio – eine vorsintflutliche Erfindung? In: ders. Gesammelte Werke, Suhrkamp 1967, Bd. 18, S. 119</p>
<p>3 Vgl. Alexandra Maria Dielitz: Ein Experiment aus der Pionierzeit des Rundfunks; in: <em>BR</em>-Klassik, 26. Juli 2023; www.br-klassik.de/themen/klassik-entdecken/lindberghflug-weill-hindemith-brecht-urauffuehrung-baden-baden-1929-100.html</p>
<p>4 Bertolt Brecht: Erläuterungen zum »Ozeanflug«; in: ders. Gesammelte Werke, Suhrkamp 1967, Bd. 18, S. 124 ff.</p>
<p>5 Bertolt Brecht: Brief an den <em>Süddeutschen Rundfunk</em>, Berlin, 2. Januar 1950; zit. nach: Reinhard Döhl: Über Bertolt Brechts »Der Flug der Lindberghs« (Ozeanflug); https://www.reinhard-doehl.de/forschung/brecht1.htm</p>
<p>6 Ebenda, S. 121</p>
<p>7 Bertolt Brecht: Vorschläge für den Intendanten des Rundfunks; in: ders. Gesammelte Werke, Suhrkamp 1967, Bd. 18, S. 121</p>
<p>8 Ebenda</p>
<p>9 Ebenda, S. 122</p>
<p>10 Ebenda</p>
<p>11 Ebenda</p>
<p>12 Bertolt Brecht: Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede über die Funktion des Rundfunks; in: ders. Gesammelte Werke, Suhrkamp 1967, Bd. 18, S. 130</p>
<p>13 Ebenda, S. 123</p>
<p>14 Ebenda, S. 129</p>
<p>15 Ebenda, S. 130</p>
<p>16 Ebenda, S. 129</p>
<p>17 Ebenda, S. 133 f.</p>
<p>Erschienen am 30. März 2024 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/472397.100-jahre-radio-ideologische-institute.html" target="_blank" rel="noopener">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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		<title>Widerstand auf Mittelwelle</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/widerstand-auf-mittelwelle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Dec 2019 13:10:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Im April 1934 standen 24 Kommunisten aus Celle vor dem Berliner Kammergericht, angeklagt des Hochverrats. Die Generalstaatsanwaltschaft warf ihnen unter[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im April 1934 standen 24 Kommunisten aus Celle vor dem Berliner Kammergericht, angeklagt des Hochverrats. Die Generalstaatsanwaltschaft warf ihnen unter anderem vor, dass sie 1932 in der niedersächsischen Stadt einen »Schwarzsender« betrieben hätten: »Am 5. November 1932 wurde der Sender in Betrieb gesetzt, und zwar erfolgte die Besprechung durch den Angeschuldigten Hoßbach, der sich mit den Worten ›Achtung, Achtung, hier ist der <em>Rote kommunistische Radiosender</em> des Roten Frontkämpferbundes in Celle‹ meldete.« Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, die auf der Internetseite »Celle im Nationalsozialismus« dokumentiert ist, waren die Einzelteile des Senders Anfang 1933 bei einem der Angeklagten beschlagnahmt worden. Die Bastler hatten die Anlage auseinandergenommen, weil sie nicht einwandfrei funktionierte. Deshalb wollte man sie umbauen, doch dazu kam es nicht mehr. Die Angeklagten wurden zu zum Teil langjährigen Haftstrafen verurteilt.<span id="more-4537"></span></p>
<p>Seit 1923 in Deutschland die erste öffentliche Radiosendung ausgestrahlt worden war, setzten sich Arbeiter mit dem neuen Medium Rundfunk auseinander. 1924 wurde der »Arbeiter-Radio-Bund Deutschlands« gegründet. Von diesem spaltete sich 1929 der kommunistische »Freie Radio-Bund« ab, weil die sozialdemokratisch orientierte Mehrheit die Forderung nach Errichtung eines eigenen Arbeitersenders aufgegeben hatte. Viele Mitglieder waren technisch versiert. Da sich kaum jemand die teuren Geräte kaufen konnte, baute man sich seine Radios möglichst selbst – obwohl dies zeitweilig gesetzlich verboten war.</p>
<p>Die Entscheidung, nicht nur einen Empfänger, sondern auch einen Sender zu basteln, fiel vielen dann nicht mehr schwer. Am 9. Februar 1933 meldete der Oberpräsident der Rheinprovinz, der Zentrumspolitiker Johannes Fuchs, dem seit dem 30. Januar als Innenminister Preußens amtierenden Naziführer Hermann Göring, dass allein im Ruhrgebiet und am Niederrhein sechs illegale Sender aktiv seien.</p>
<p>Schon am 12. November 1932 war die Berliner Polizei alarmiert worden, weil im Norden des Stadtgebiets eine Station »kommunistische Wahlreden« verbreitete. Die Beamten versuchten, die Schwarzfunker mit Peilgeräten aufzuspüren, Kriminalpolizisten standen für eine Razzia bereit. Doch die Fahndung blieb erfolglos, und im Dezember meldete sich der <em>Rote Sender für das rote Berlin</em> erneut: »Keine Knebelung der Presse, kein Redeverbot, keine Rundfunksperre können uns davon abhalten, regelmäßig unsere Meinung in die Lautsprecher werktätiger Hörer zu funken«, teilten die anonymen Betreiber mit. »Ganz besonders bedanken wir uns bei der Politischen Polizei. Die Welt würde lachen, wenn sie erführe, wie deren Schergen uns dabei geholfen haben, unsere Apparate zu transportieren. Es ist nicht so einfach, Schwarzsender unschädlich zu machen, wie eine Klebekolonne festzunehmen.«</p>
<p>Erschienen am 19. Dezember 2019 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/369099.rote-sender-widerstand-auf-mittelwelle.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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