<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Radio Moskau &#8211; André Scheer</title>
	<atom:link href="https://www.andre-scheer.de/tag/radio-moskau/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.andre-scheer.de</link>
	<description>Ein Hamburger in Berlin</description>
	<lastBuildDate>Tue, 30 May 2023 10:02:02 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.8.5</generator>

<image>
	<url>https://www.andre-scheer.de/wp-content/uploads/2021/06/cropped-andre_treptow-32x32.jpg</url>
	<title>Radio Moskau &#8211; André Scheer</title>
	<link>https://www.andre-scheer.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>»Hört Moskau!«</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/hoert-moskau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Feb 2023 08:22:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Serie: Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Radio Moskau]]></category>
		<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
		<category><![CDATA[Weimarer Republik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.andre-scheer.de/?p=4698</guid>

					<description><![CDATA[Serie: Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland. Teil 2: Die Weimarer Republik Ein Jahr nach dem Sturz[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Serie: Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland. Teil 2: Die Weimarer Republik</strong></p>
<p>Ein Jahr nach dem Sturz der Monarchie und der Ausrufung der Repu­blik war der revolutionäre Aufbruch des November 1919, als Soldatenräte die Kontrolle über die Funkstationen übernommen hatten, abgewürgt. Der Staat in Gestalt der Reichspost war wieder Herrscher über die Sendeanlagen, die vom Soldatenrat in Königs Wusterhausen gebildete »Zentrale Funkleitung« war zwischen den Ministerien und Interessenverbänden zerrieben worden.</p>
<p>Die Erfahrung des »Funkerspuks«, wie die bürgerliche Presse die Monate der Doppelherrschaft über das neue Medium bald nannte, bestimmten in den folgenden Jahren und Jahrzehnten den von Misstrauen geprägten Umgang von Regierung und Behörden mit allem, was mit der drahtlosen Kommunikation zu tun hatte. Bis 1923 wurde den Bürgerinnen und Bürgern der Empfang von Funksendungen generell untersagt. Selbst Nachrichtenagenturen durften nur unter großen Restriktionen für sie relevante Meldungen aufnehmen. Zwar nutzten einige von ihnen im Testbetrieb die drahtlosen Dienste der Reichspost zur Verbreitung ihrer Nachrichten, doch selbst in den Redaktionsräumen der Tageszeitungen durften keine Empfangsgeräte aufgestellt werden. Das Reichspostministerium machte gegenüber entsprechenden Anträgen »schwerste Bedenken« geltend, »zumal keinerlei Gewähr dafür geschaffen werden kann, dass den Zeitungen nur bestimmtes Nachrichtenmaterial zugeführt wird und nicht auch andere Nachrichten durchsickern«.¹ In den Redaktionen sorgte das für Unmut, denn in anderen europäischen Staaten wurden zu dieser Zeit bereits »an alle« adressierte sogenannte »CQ-Sendungen« verbreitet. Ein Schlupfloch war nur das <em>Hollandsch Nieuws-Bureau</em>, eine Nachrichtenagentur aus den Niederlanden, die in Berlin eine Niederlassung unterhielt.² Sogar noch kurz vor der offiziellen Freigabe des Funkempfangs und dem Beginn regelmäßiger Rundfunksendungen 1923 gab es in ganz Deutschland nur rund 1.300 genehmigte Empfangsstellen.³</p>
<h3>Schwarzhörer</h3>
<p>Die Zahl der »Schwarzhörer«, die sich nicht um behördliche Verbote scherten, dürfte bereits zu dieser Zeit beträchtlich gewesen sein. Vor allem ehemalige Militärfunker, die ihre Kenntnisse einsetzen konnten, sowie talentierte Bastler verfolgten mit selbstgebauten Empfangsgeräten die Entwicklungen im Äther. Einer von ihnen war der damals noch keine 20 Jahre alte Manfred von Ardenne, der später eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Fernsehens spielen sollte. Als Kind hatte er 1917 in einer Wetterstation in Münster am Stein die vom Eiffelturm in Paris aus gefunkten Morsezeichen hören dürfen. »Der kinderliebe Wetterwart konnte damals nicht ahnen, welch ein zukunftsträchtiges Samenkorn er mit seinem Handeln in das so aufnahmebereite Gehirn eines zehnjährigen Kindes senkte«, schrieb von Ardenne in seiner Autobiographie.⁴ 1921 kaufte sich der von den Naturwissenschaften faszinierte Jugendliche in einem Elektrogeschäft in Berlin billige Bauteile aus Heeresbeständen zusammen und bastelte daraus seinen ersten Detektorempfänger, dem viele weitere und immer leistungsfähigere folgten.</p>
<p>Auch an anderen Stellen scherte man sich kaum um die Verbote der Obrigkeit. Als die Oberpostdirektion Berlin im Dezember 1921 Hausdurchsuchungen bei einer Reihe von Verdächtigen veranlasste, denen der Betrieb »geheimer Funkanlagen« unterstellt wurde, entdeckten die Polizisten in den Gebäuden großer Berliner Verlage insgesamt zwölf Radiogeräte, allein fünf davon beim Dammert-Verlag. Auf eine Beschlagnahmung verzichteten die Beamten. Da es sich bei den »Schwarzhörern« um »angesehene Presseunternehmen« handelte, nahm man lieber »Rücksicht auf die (…) möglichen politischen Weiterungen«, die das Einziehen der Geräte und etwaige Strafverfolgung hätte haben können.⁵ Soviel Toleranz konnten jedoch nur bürgerliche Medienkonzerne erwarten, gegen linke oder gar revolutionäre Bestrebungen wurde die ganze Macht des Staates eingesetzt, besonders wenn es nicht nur um das Empfangen, sondern um das Senden ging.</p>
<p>In Deutschland wurde der Besitz von Radiogeräten im Privatbesitz erst im Herbst 1923 freigegeben. Ausschlaggebend dafür war letztlich die Einsicht, auch durch Verfolgungsmaßnahmen den Funkempfang nicht verhindern zu können. Statt dessen sollte, wie Hans Bredow in seinen Memoiren einräumt, durch die Verbreitung von Nachrichten und Unterhaltungsprogrammen dafür gesorgt werden, »dass die Hörer kein Interesse mehr an dem Abhören des öffentlichen und militärischen Funkverkehrs«⁶ hätten. Konsequent umgesetzt wurde dieser Ansatz zunächst jedoch nicht. Vielmehr waren die Voraussetzungen für den Erwerb einer Empfangsgenehmigung so kompliziert und teuer, dass sich nur wenige Hörer um eine Legalisierung kümmerten. Am 1. Dezember 1923 waren erst 467 gebührenzahlende Hörer registriert, und ihre Zahl stieg nur langsam. Noch am 5. März 1924, mehr als vier Monate nach Aufnahme des regulären Rundfunkprogramms, beklagte das <em>Leipziger Tageblatt</em>, dass in Berlin »derzeit etwas über 500 Teilnehmer des Rundfunks bei der Post angemeldet« seien, die Zahl der sogenannten Schwarzhörer jedoch »um ein Vielfaches größer« sein dürfte. »Diese ›Schwarzhörer‹ sind, selbst wenn man von dem entgangenen Gewinn für die Reichskasse absieht, eine öffentliche Gefahr, vor allem deshalb, weil sie vielfach, um nicht zu sagen meist, über Apparate verfügen, die von der Reichstelegraphenverwaltung nicht zugelassen sind und auch nicht zugelassen werden können, weil sie den Bedingungen für einen geordneten Rundfunkbetrieb nicht entsprechen.«</p>
<p>Zwischen den Zeilen wird deutlich: Es ging weniger um den Verlust von Einnahmen, sondern um die Angst, dass Nutzer die Geräte mit wenigen Handgriffen zu Sendern umbauen und eigene Programme verbreiten könnten. Tatsächlich wird die Zahl nicht genehmigter Sender Mitte der 1920er Jahre auf bis zu 2.000 geschätzt, wobei die meisten von Funkamateuren betrieben wurden, die keine politischen Absichten verfolgten und deshalb auch weitgehend in Ruhe gelassen wurden.</p>
<p>Größeren Einfluss übten die ab 1923 entstandenen »Funkvereine« aus, die zu Jahresbeginn 1924 bereits etwa 15.000 Mitglieder zählten – während nur einige hundert Menschen offiziell registrierte »Rundfunkteilnehmer« waren. Diese durchweg bürgerlichen Klubs schlossen sich zum »Deutschen Funkkartell« zusammen und waren gerngesehene Gäste von Staatssekretär Hans Bredow, der sie als Regulativ gegen radikale Bestrebungen, aber auch als Lobbyisten für den noch immer misstrauisch beäugten Rundfunk schätzte. Mit der ersten vorsichtigen Liberalisierung der Regeln zum Rundfunkempfang ab Mai 1924 wurden die Verbände sogar zu Torwächtern, an denen kein Hörer vorbeikam, der eine Genehmigung erwerben wollte. Die neuen Vorschriften sahen nämlich vor, dass nun auch selbstgebaute Empfänger benutzt werden durften, sofern die Hörerinnen und Hörer eine »Audion-Versuchserlaubnis« erwarben. Notwendig dafür war neben der Entrichtung einer Gebühr der Nachweis technischer Kenntnisse. Die Prüfungen durften nur vom Reichspostministerium anerkannte Vereine abnehmen, in deren Vorständen Beamte der Behörde vertreten sein mussten.</p>
<h3>Arbeiterradiobewegung</h3>
<p>Aus dem exklusiven Kreis dieser Verbände ausgeschlossen blieben von Anfang an die Arbeiterradioklubs (ARK), die ab 1923 zunächst in Berlin und dann in weiteren Großstädten wie Leipzig, Chemnitz und Hamburg entstanden waren. Das »Funkkartell« verweigerte ihnen die Aufnahme, weil sie sich als Zusammenschlüsse der am Rundfunk interessierten werktätigen Bevölkerung definierten und damit eine »Standesorganisation« seien. Die Reichspost wiederum lehnte die ARK aufgrund ihrer politischen Ausrichtung ab. Von Anfang an musste sich die Arbeiterradiobewegung zudem mit Schikanen, Verfolgungen und Publikationsverboten auseinandersetzen. Als etwa der Berliner Arbeiterradioklub im April 1924 offiziell als eingetragener Verein gegründet wurde, war das für das preußische Innenministerium Grund genug, Ermittlungen gegen die Gründer Ewald Blau, Erich Heintze und Heinrich Farwig aufzunehmen, zumal diese der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) angehörten.</p>
<p>Ebenso wie die Mitglieder der bürgerlichen Funkvereine interessierten sich auch die der Arbeiterradioklubs zunächst vor allem für die technische Seite des neuen Mediums. Zudem ging es ihnen darum, selbst Empfangsgeräte bauen zu können, denn der Kauf fertiger Radios war für die wenigsten erschwinglich. Der Zwang, die selbstgebauten Geräte genehmigen zu lassen, und die Weigerung des »Funkkartells« und der Post, den Arbeiterklubs das Privileg der Prüfungsabnahme zu gewähren, zwang die ARK halb in die Illegalität. Dadurch sei aber »die bürgerliche Gegnerschaft klargestellt und die Notwendigkeit einer völlig selbständigen Arbeiterradiobewegung immer deutlicher erkennbar« geworden, hieß es rückblickend in einer 1926 veröffentlichten Analyse. »Von nun ab kam Kampfstimmung in die Arbeiterradiobewegung. Überall begannen die Gruppen um ihre Unabhängigkeit zu kämpfen.«⁷ Als im Herbst 1925 der Zwang zur Genehmigung von Radiogeräten aufgehoben wurde, verbuchten die Arbeiterradioklubs dies als ersten politischen Erfolg für sich. Die Zahl der Mitglieder im ARK wuchs von zunächst etwa 3.000 bei der Gründungsversammlung in Berlin bald auf mehrere zehntausend an.</p>
<p>Die Arbeiterradiobewegung kritisierte von Anfang an die von den Rundfunksendern gebotenen Inhalte. Auch fortschrittliche Künstler und Intellektuelle äußerten sich zur Entwicklung des Rundfunks. So wies etwa Kurt Tucholsky unter seinem Pseudonym Ignaz Wrobel 1926 in der <em>Weltbühne</em> die Illusion vom »unpolitischen Rundfunk« zurück: »Nun gibt es selbstverständlich nichts Unpolitisches, und man kann darauf schwören, hinter diesem Getue allemal einen Hugenberg-Redakteur, einen mittleren Bürger, einen Patrioten zu finden, der entweder schwindelt oder dem seine Lebensauffassung so zur Natur geworden ist, dass er gar nicht begreift, wie grade sie einen Streitpunkt abgeben kann. So ist’s auch mit dem Rundfunk.«</p>
<p>Bei Bertolt Brecht wurde die Faszination von den neuen Möglichkeiten schnell von der Verwunderung darüber abgelöst, wie von ihnen Gebrauch gemacht wurde. »Die Resultate des Radios sind beschämend«, schrieb er 1927 in einem Aufsatz, der zunächst unveröffentlicht blieb. Künftige Generationen würden staunen, »wie hier eine Kaste dadurch, dass sie es ermöglichte, das, was sie zu sagen hatte, dem ganzen Erdball zu sagen, es zugleich dem Erdball ermöglichte, zu sehen, dass sie nichts zu sagen hatte«. Brecht forderte, aus dem Rundfunk »eine wirklich demokratische Sache zu machen«.</p>
<p>Die Realität in Deutschland sah anders aus. Der Rundfunk behauptete von sich zwar, »unpolitisch« und »überparteilich« zu sein, tatsächlich jedoch übte der Staat die entscheidende Kontrolle aus. 1924 hatte sich die Reichsregierung den direkten Zugriff auf die »Drahtloser Dienst AG« (Dradag) gesichert, die als einzige Gesellschaft berechtigt war, die Rundfunksender mit politischen Nachrichten zu beliefern. Die Redakteure wurden vom Reichsinnenministerium ernannt, an der Überwachung der Tätigkeit waren auch die Presseabteilung der Reichsregierung und das Reichspostministerium beteiligt.</p>
<p>Schon zuvor war die KPD aus dem Programm ausgeschlossen worden. Während im Vorfeld der Reichstagswahl im März 1924 das Zentrum, die Deutschnationalen, die Deutsche Volkspartei, die Deutsche Demokratische Partei und die SPD täglich über je eine Viertelstunde Sendezeit verfügen konnten, um ihre Programme vorzustellen, wurde dies den Kommunisten verweigert. Das wiederholte sich bei der Präsidentenwahl 1925. Während der von SPD und DDP unterstützte Zentrumspolitiker Wilhelm Marx sowie der ehemalige Reichsfeldmarschall Paul von Hindenburg als Kandidat der deutschnationalen Rechten im Rundfunk sprechen durften, bekam der von der KPD nominierte Ernst Thälmann wegen dessen »Republikfeindlichkeit« keinen Zugang zu den Mikrofonen. Der kommunistische Abgeordnete Ernst Torgler kommentierte das am 29. April 1925 im Reichstag: »Es ist sehr bezeichnend, dass man in der Frage der Kandidatenreden Herrn Marx selbstverständlich Reden durch den Rundfunk gestattet und dass man auch von Herrn Hindenburg selbstverständlich annimmt, dass er auf dem Boden dieser Verfassung steht, trotzdem doch jedes Kind in Deutschland weiß, dass er ein überzeugter Monarchist ist, dass man es aber dem Kommunisten Thälmann natürlich verweigert.« Nötig sei, den Arbeiterradiovereinen das Betreiben eigener Sender zu erlauben.</p>
<h3>Einseitige Einrichtung</h3>
<p>Auf seiner zweiten Reichskonferenz am 6. und 7. März 1926 erhob auch der Arbeiterradioklub die Forderung nach einem eigenen Sender. »Unser Ziel muss sein, eigene Arbeitersendegesellschaften zu schaffen«, hieß es dazu etwa im Nachrichtenblatt der Kölner ARK-Bezirksgruppe, denn, so die Begründung, »durch den Rundfunk, der in alle Städte, Dörfer, Häuser, Familien eindringt, bekommt die besitzende Klasse ein neues Mittel in die Hand, euch, eure Frauen und Kinder, kurz die breitesten Schichten der arbeitenden Bevölkerung einseitig in ihrem Sinne zu beeinflussen und zu erziehen …«⁸</p>
<p>Selbst Rundfunkkommissar Bredow schrieb 1926 in einem Brief an den ARK, den die Verbandszeitschrift <em>Der neue Rundfunk</em> abdruckte: »Jedenfalls können Sie sicher darauf rechnen, dass der Arbeiterradioklub einen oder mehrere Sender bekommt. Die Bedingungen werden jetzt ausgearbeitet.«⁹ Daran erinnerte Torgler den Staatssekretär, als am 25. März 1926 im Reichstag über den Etat des Postministeriums diskutiert wurde. Es sei ein berechtigter Wunsch, »dass der Zusage, die der Herr Staatssekretär Dr. Bredow gemacht hat, auch recht bald die Tat folgen möge«, entweder besondere Sender für die Arbeiter einzurichten oder aber die bestehenden Sender zu verpflichten, den Arbeitern »teilweise, vielleicht getrennt nach Tagen«, Sendezeit zur Verfügung zu stellen. Der Rundfunk, »wie er heute seine Programme auswählt«, sei »eine einseitige Einrichtung für das Bürgertum«.¹⁰</p>
<p>Unmittelbar zuvor hatte Reichspostminister Karl Stingl allerdings erklärt, dass man die geforderte Einrichtung »besonderer Arbeiterrundfunksender zur Verbreitung einer bestimmten Weltanschauung (…) grundsätzlich ablehnen« müsse, weil es notwendig sei, dass die Post als »Anstalt des öffentlichen Vertrauens« von politischen Einflüssen »losgelöst« bleibe.¹¹ Bredow verfolgte die Debatte von der Regierungsbank aus, ohne sich zu äußern. Tatsächlich hatte er in seinem Brief offenbar keinen Rundfunksender gemeint, sondern eine Kurzwellenversuchsstation, wie ihn auch die bürgerlichen Vereine und Amateurfunker anstrebten. Allerdings blieb sein Schreiben so oder so ein leeres Versprechen, denn der Arbeiterradioklub und seine Nachfolgeverbände erhielten nie einen eigenen Sender. Noch 1929 erklärte Stingls Nachfolger Georg Schätzel, der wie ersterer der Bayerischen Volkspartei angehörte, dass die Verhandlungen mit dem Reichsinnenministerium über eine Freigabe der Kurzwellensender »leider« noch nicht abgeschlossen seien.</p>
<p>Die parteiübergreifende Arbeiterradiobewegung war zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits zerbrochen, und ein zentraler Grund dafür war gerade die Forderung nach einem eigenen Sender. Der ab 1928 als Reichsinnenminister amtierende Sozialdemokrat Carl Severing hatte zwar nichts dagegen einzuwenden, wenn seine Genossen oder auch bürgerliche Kräfte als Amateurfunker den Umgang mit der neuen Technik ausprobierten, aber den Kommunisten und anderen linken Kräften wollte er den Zugang versperren, weil diese eine Gefahr für die innere Ordnung seien.</p>
<p>Severings Ausweg war die Spaltung des Arbeiterradiobundes (ARB), wie sich die ARK seit 1928 nannten. Sein Plan war, Sendelizenzen nur an Funkervereinigungen auszugeben, deren politische Loyalität gegenüber der Reichsregierung klar sei. Bei der dritten Reichskonferenz der Arbeiterradioklubs im März 1927 war es dem sozialdemokratischen Flügel gelungen, mit einer knappen Mehrheit die Führung im Vorstand zu übernehmen und den bisherigen kommunistischen Vereinsvorsitzenden Wilhelm Hoffmann durch das SPD-Mitglied Curt Baake zu ersetzen. Baake war bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal Mitglied der ARK gewesen und musste erst in den Verband aufgenommen werden. Er erwies sich aber als treuer Gefolgsmann der sozialdemokratischen Rundfunkpolitik.</p>
<h3>SPD gegen KPD</h3>
<p>Anfang 1928 benannten sich die ARK in »Arbeiterradiobund Deutschlands« (ARBD oder ARB) um. Das sollte deutlich machen, dass man inzwischen den Status einzelner »Klubs« verlassen und eine stabile Organisation aufgebaut hatte. Viele Mitglieder des ARB begrüßten, dass die SPD nach der Reichstagswahl im Mai 1928 in einer Koalition mit liberalen und konservativen Parteien zurück in die Regierungsverantwortung kam. Unter dem sozialdemokratischen Reichsinnenminister Severing, der auch für den Rundfunk und dessen Zensurinstanzen zuständig war, müssten doch Reformen der bisherigen Strukturen möglich sein. Nur wenige Wochen nach dem Amtsantritt des neuen Kabinetts, im August 1928, legte der Vorstand des ARBD einen Programmentwurf vor, in dem sich diese Illusion widerspiegelte: »Entscheidend für den Einfluss der Arbeiterklasse auf die Sender ist ihre politische Macht. Ist diese Macht stark genug, so vermag sie auch den bestehenden Rundfunk in seiner Gesamtheit so zu ändern, dass in allen Rundfunkstellen, einschließlich der Sendeleitungen, die Vertreter der Arbeiterschaft die gebührende Einwirkung ausüben.«¹²</p>
<p>Das stieß prompt auf Widerspruch des linken Flügels. Eine Mitgliederversammlung des Berliner Ortsvereins, der fünf Jahre zuvor die Keimzelle der Arbeiterradiobewegung in Deutschland gewesen war, wies den Entwurf des Vorstandes zurück: »Die Versammlung lehnt die Auffassung ab, wonach durch persönliche Beeinflussung und Verhandlungen mit einzelnen amtlichen Stellen und Ministerialräten das Rundfunkprogramm geändert werden kann. Nur die einheitliche Kampffront aller Arbeiterhörer unter Führung des ARB wird in der Lage sein, Schritt für Schritt die Forderungen der Arbeiterklasse zu verwirklichen.«¹³</p>
<p>Die Spaltung des Arbeiterradiobundes verfestigte sich bei der vierten Reichskonferenz des ARBD, die im September 1928 parallel zur Funkausstellung in Berlin stattfand. Der linke Flügel ging aus ihr geschlagen hervor, der neue Vorstand war nun nahezu komplett in der Hand der Sozialdemokraten. Überschattet wurden die innerverbandlichen Auseinandersetzungen durch eine Aktion der Kommunisten. Am 6. Oktober 1928 sollte Wolfgang Schwarz, Redakteur des SPD-Organs <em>Vorwärts</em>, im Rundfunk über »Probleme der Friedenssicherung« referieren. Abgeholt wurde er mit einem Auto, auf dem die Worte »Gästewagen der Funkstunde AG« geschrieben waren. Am Steuer saßen jedoch Mitglieder der KPD, die mit dem Journalisten Berlin verließen und ihn nach Groß-Ziethen in Brandenburg brachten, wo sie ihn unverletzt freiließen. An seiner Stelle erschien im Studio Karl Schulz, der für die KPD im Preußischen Landtag saß und die damals gerade laufende Kampagne gegen den Panzerkreuzerbau koordinierte. Live auf Sendung erklärte er: »Das Volksbegehren, der Volksentscheid ist eine Sammlung der Massen gegen den Imperialismus und seine Kriegspläne. Der <em>Vorwärts</em>-Redakteur Herr W. Schwarz sollte heute an dieser Stelle sprechen. Die KPD hat seine Rede jedoch abgesetzt, weil es wichtiger ist, die Arbeitenden Deutschlands über das Volksbegehren zu informieren.«¹⁴ Die SPD schäumte vor Wut.</p>
<p>Zum offenen Bruch führte schließlich die Auseinandersetzung um die Zeitschrift der Berliner Ortsgruppe des ARB. Die hatte lange ein einfaches Mitteilungsblatt unter dem Titel <em>Der aktive Radiogenosse</em> herausgegeben. 1929 benannten die Berliner das Blatt in <em>Unser Sender</em> um, füllten es mit mehr Inhalt und begannen, es weit über Berlin hinaus zu verbreiten. Der Vorstand des ARB verlangte von der Berliner Gruppe, die Zeitschrift wieder einzustellen, da sie dem Verbandsorgan <em>A</em><em>rbeiterfunk</em> Konkurrenz mache und Anzeigenkunden abwerbe. Als das von den Berlinern zurückgewiesen wurde, beschloss der ARB-Vorstand Anfang Mai 1929, ein Ausschlussverfahren gegen alle 20 Mitglieder des Berliner Gruppenvorstandes einzuleiten. Dieses führte dann schließlich einen Monat später zum Ausschluss von 18 Mitgliedern. Zudem ließ der Vorstand der Gruppe gerichtlich untersagen, sich weiterhin »Bezirk Berlin des ARB« zu nennen.</p>
<p>Die Kommunisten entschieden daraufhin, sich als eigenständige Organisation unter dem Namen »Freier Radiobund Deutschlands« (FRBD) zu konstituieren. In einer am 11. September 1929 in Berlin veröffentlichten Erklärung rief man »alle klassenbewussten Freunde der Arbeiterradiobewegung auf, mit in unseren Reihen gegen Saboteure des proletarischen Kampfes um den Rundfunk aktiv mitzuarbeiten. Die Schaffung des FRB ist die logische Folge der frivolen Spaltung der sozialdemokratischen Organisationszerstörer.«¹⁵ Die Losung des Freien Radio-Bundes war: »Vergiss es keinen Tag, Prolet, dass hinter deinem Funkgerät, ob Spiel, ob Ernst, von früh bis spät der Gegner deiner Klasse steht.«</p>
<h3>Roter Sender an rotes Berlin</h3>
<p>1932 eröffnete sich für den linken Flügel der Arbeiterradiobewegung eine Alternative, denn <em>­Radio Moskau</em> nahm deutschsprachige Sendungen auf. Der sowjetische Rundfunk hatte für viele Aktivisten von ARB und FRB einen Vorbildcharakter, denn zunächst hatte das neue Medium im revolutionären Russland mit neuen Formen und Inhalten experimentiert und den einfachen Menschen des Landes eine Stimme gegeben. In der Wahrnehmung des Freien Radiobundes nahm der Moskauer Gewerkschaftssender, wie das sowjetische Programm in deutscher Sprache bis weit in die 1930er Jahre hinein meist genannt wurde, zusehends die Rolle ein, die man sich von einem eigenen Arbeitersender versprochen hatte. Mit Wandparolen wurde aufgerufen: »Hört Moskau!«, der FRBD veröffentlichte in seiner Zeitschrift die Programmpläne von <em>Radio Moskau</em> und gab Broschüren mit Anleitungen heraus, wie man auch einfache Empfangsgeräte so verbessern konnte, dass Moskau zu kriegen war. Schließlich wurden sogar Sendungen des sowjetischen Rundfunks bei Kundgebungen über Lautsprecherwagen des FRBD verbreitet.</p>
<p>Was für die einen die Hoffnung war, nun doch im fortschrittlichen Sinne auf die Arbeiterinnen und Arbeiter in Deutschland einwirken zu können, sorgte bei den anderen für Unruhe. Die Reichsregierung befasste sich wiederholt mit der Frage der deutschsprachigen Sendungen aus Moskau und versuchte auf diplomatischem Wege (erfolglos), die »Einmischung in die inneren Angelegenheiten« zu beenden. Zeitweilig wurden Störsender auf die Frequenzen des Moskauer Senders gelegt, doch als die Sowjetunion ihrerseits begann, den <em>­Deutschlandsender</em> zu überlagern, beendete man dieses Experiment. Statt dessen versuchte man, über spezielle Sendungen im deutschen Rundfunk die sowjetische Propaganda zu entkräften.</p>
<p>Die Aktivisten des Freien Radiobundes beließen es aber nicht dabei, auf den sowjetischen Rundfunk auszuweichen. Immer wieder kam es auch zu Protestaktionen gegen die als zynisch empfundenen Programme der deutschen Sender. Diese referierten zum Beispiel über »Karpfen und Gans, ein edler Wettstreit«, während Millionen Menschen arbeitslos waren und hungerten. Als in Berlin aus dem Café Wien Tanzmusik übertragen wurde, unterbrachen vier Erwerbslose die Sendung mit Rufen »Gegen die Reichen! Für die Armen!«</p>
<p>Schließlich griff man zur Selbsthilfe und baute sich selbst den Sender, den die Arbeiterbewegung so lange gefordert hatte. Im Dezember 1932 meldete sich abends mehrfach der »Rote Sender an das Rote Berlin«: »Die Knebelung unserer Presse, Außerbetriebsetzung unserer Rotationsmaschinen, die Verbote unserer Versammlungen haben uns gezwungen, uns auf diesem Wege Gehör zu verschaffen. Keine Knebelung der Presse, kein Redeverbot, keine Rundfunksperre können uns abhalten, regelmäßig zu gegebenen Zeiten unsere Meinung in die Lautsprecher der werktätigen Hörer zu funken.«¹⁶</p>
<p><strong>Anmerkungen</strong></p>
<p>1 Winfried B. Lerg: Die Entstehung des Rundfunks in Deutschland. Frankfurt am Main 1965, S. 105</p>
<p>2 Ebd., S. 104</p>
<p>3 Hans Bredow: Im Banne der Ätherwellen, Bd. 2. Stuttgart 1956, S. 189</p>
<p>4 Manfred von Ardenne: Ein glückliches Leben für Technik und Forschung. Frankfurt am Main 1976, S. 40</p>
<p>5 Lerg, a. a. O., S. 156</p>
<p>6 Bredow, a. a. O., S. 202</p>
<p>7 Zit. nach: Klaus-Michael Klingsporn: Die Einführung des Rundfunks in Deutschland und die Reaktion der organisierten Arbeiterradiobewegung auf das neue Medium. Berlin (West) 1988, S. 47</p>
<p>8 Nachrichtenblatt ARK Bezirksgruppe Köln am Rhein, ohne Datum; zit. nach: Horst Hanzl: Der Rundfunk der Weimarer Republik als Klasseninstrument der Bourgeoisie und der Kampf der Arbeiterklasse um das Mitbestimmungsrecht. Leipzig 1961, S. 70 f.</p>
<p>9 <em>Der neue Rundfunk</em>, Jg. 1, Nr. 3, 18.4.1926; zit. nach: Peter Dahl: Arbeitersender und Volksempfänger. Frankfurt am Main 1978, S. 44</p>
<p>10 Verhandlungen des Reichstages, Bd. 389 (1924). Berlin 1926, S. 6688</p>
<p>11 Verhandlungen des Reichstages, Bd. 389 (1924). Berlin 1926, S. 6665</p>
<p>12 Zit. nach: Klingsporn, a. a. O., S. 91</p>
<p>13 Zit. nach: Ebd., S. 96</p>
<p>14 Peter Dahl, a. a. O., S. 57</p>
<p>15 Zit. nach: Hanzl, a. a. O., S. 81</p>
<p>16 Peter Dahl, a. a. O., S. 80</p>
<p>Erschienen am 1. Februar 2023 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/444013.rundfunkgeschichte-hört-moskau.html" target="_blank" rel="noopener">Tageszeitung junge Welt</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>»Goworit Moskwa«</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/goworit-moskwa/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Nov 2019 12:39:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
		<category><![CDATA[Moskauer Rundfunk]]></category>
		<category><![CDATA[Radio Moskau]]></category>
		<category><![CDATA[Sputnik]]></category>
		<category><![CDATA[Stimme Russlands]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.andre-scheer.de/?p=4510</guid>

					<description><![CDATA[Großdemonstration in Moskau. Es ist der 7. November 1931, der 14. Jahrestag der russischen Oktoberrevolution. Radio Moskau überträgt die Parade[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Großdemonstration in Moskau. Es ist der 7. November 1931, der 14. Jahrestag der russischen Oktoberrevolution. <em>Radio Moskau</em> überträgt die Parade auch in deutscher Sprache: »Wir wissen, dass wir auf dem Roten Platz in Moskau stehen, aber wir sehen ihn nicht. Es herrscht ein dichter Nebel über dieser Stadt. Wir stehen kaum 200 Schritte vor dem Mausoleum des großen Führers Lenin. Man kann durch den Nebelschleier den Genossen Stalin erkennen, mit seiner unvermeidlichen Mütze und mit seinem braunen Gummimantel.« Am Mikrophon steht Egon Erwin Kisch (1885–1948). Der in Prag geborene deutschsprachige Journalist und Schriftsteller, der zu den häufigen Gästen des noch jungen Senders gehört, setzt seine Reportage fort: »Auf der rechten Seite sind die vielen Hunderte von Delegationen, die aus dem ganzen Ausland gekommen und durch das ganze Land gereist sind und staunend zurückkehren. Alles andere haben sie erwartet, als dass dieses Land das einzige Land ist, wo alles aufwärts geht – im Unterschied zu den kapitalistischen Ländern, die immer tiefer und tiefer im Sumpf der Krise versinken.«¹<span id="more-4510"></span></p>
<p><em>Radio Moskau</em> hatte erst zwei Jahre zuvor, am 7. November 1929, mit Übertragungen in deutscher Sprache begonnen. Auch an jenem ersten Sendetag vor exakt 90 Jahren wurde live vom Roten Platz berichtet. Der Sender übertrug Ansprachen sowjetischer Politiker und ausländischer Delegierter in Übersetzung. Es gab russische Chormusik und einen Vortrag Johannes R. Bechers. Der <em>Vorwärts</em>, die Tageszeitung der SPD, schäumte am folgenden Tag: »Dann schimpfte ein deutscher Kommunist auf ›Zörgiebel und Kompagnie‹ und schloss damit, sie hätten in Deutschland schon lange eingesehen, dass der Oktoberweg der einzige richtige sei. Dem entsprachen die weiteren Hetz- und Putschreden. Nachdem alle sich gegen den Militarismus ausgetobt hatten, schloss die Veranstaltung mit der Militärrede eines roten Generals, von dem Ludendorff noch lernen könnte.«² Erstaunlich wohlwollend kam dagegen die Kritik in der bürgerlichen Programmzeitschrift <em>Der Deutsche Rundfunk</em> daher. Die Empfangsqualität sei ausgezeichnet gewesen und das Programm so, »dass der Abend auch für Nichtkommunisten des Interesses nicht entbehrte«.³</p>
<h3>»Gewerkschaftssender«</h3>
<p>In der <em>Roten Fahne</em>, der Tageszeitung der KPD, fand sich dagegen weder an jenem ersten Sendetag noch unmittelbar danach ein Hinweis auf die deutschsprachigen Programme aus Moskau. Erst am 30. November erschien im Feuilleton eine kleine Notiz unter der Überschrift »Arbeiterhörer aufgepasst! Hört Moskau!« Der Zentralrat der Sowjetgewerkschaften veranstalte deutschsprachige Rundfunkübertragungen »für die deutschsprechenden Nationalminderheiten (Wolgadeutsche)«, hieß es da. »Da der neue Sender mit einer Energie von 100 Kilowatt arbeitet, dürfte es vielen Hörern leicht sein, das russische Programm zu hören und sich besonders am Sonntagvormittag vom Kirchengebimmel und Pfaffengequassel zu befreien.«⁴ Auch in einem anderen Beitrag vom 20. Dezember betonte die <em>Rote Fahne</em>, dass die Sendungen »in erster Linie für die Gewerkschaftsmitglieder der deutschen Kolonisationsgebiete an der Wolga, in Sibirien, im Kaukasus und in der Krim bestimmt« seien.⁵ Die wiederholten Hinweise, dass es sich um Inlandssendungen handelte, waren diplomatischer Rücksichtnahme geschuldet. Rundfunk war ein ganz junges Medium, die politische Erfahrung im Umgang damit fehlte noch – auch wenn Lenin schon 1920 in einem Brief euphorisch von den »Radioerfindungen« als »Zeitung ohne Papier und ›ohne Entfernungen‹«⁶ gesprochen hatte.</p>
<p>Als erste Kurzwellenrundfunkstation gilt der vom niederländischen Technologiekonzern Philips betriebene Sender <em>PCJJ</em>. Dieser hatte am 11. März 1927 begonnen, Rundfunkprogramme für Niederländisch-Indien, das heutige Indonesien, auszustrahlen, kurz darauf nahm man auch Sendungen in englischer, spanischer und deutscher Sprache auf. Zwei Jahre später war <em>Radio Moskau</em> allerdings der erste staatliche Auslandssender – was man allerdings nicht offiziell zugeben wollte. Deshalb übernahm der Zentralrat der sowjetischen Gewerkschaften die Verantwortung für die Programme, die ohnehin im Moskauer Gewerkschaftshaus produziert wurden. Bis weit in die 1930er Jahre hinein war deshalb auch in Deutschland oft vom Gewerkschaftssender die Rede, wenn über die Sendungen aus Moskau gesprochen wurde.</p>
<p>Trotz der diplomatischen Rücksichtnahme sorgten die Programme in den bürgerlichen Kreisen Deutschlands für Aufregung. Der Journalist und Rundfunkkritiker Kurt Wagenführ (1903–1987), der unter den Nazis 1936 die Monatszeitschrift <em>Weltrundfunk</em> sowie 1941 das vom Propagandaministerium finanzierte »Institut für Rundfunkkunde und Fernsehrundfunk« gründen und leiten durfte, forderte bereits 1930 den Einsatz von Störsendern, Gegenprogramme in russischer Sprache und eine wöchentliche Sendung im deutschen Rundfunk, in der die Darstellungen von <em>Radio Moskau</em> beantwortet werden sollten.⁷</p>
<p>Tatsächlich wurden nicht nur Störsender gegen Moskau eingesetzt, sondern auch antisowjetische Sendungen in die Programme der halbstaatlichen <em>Deutschen Welle</em> aufgenommen – während kommunistischen Politikern der Zugang zu den Mikrophonen verschlossen blieb. Selbst zu Wahlkampfzeiten durfte die im Reichstag vertretene KPD ihre Positionen nicht darlegen. Vor der Präsidentschaftswahl 1932 forderte deshalb der »Freie Radiobund Deutschlands« (FRBD) in seiner Zeitschrift <em>Arbeitersender</em>: »Thälmann vor das Mikrophon!«⁸ Doch das Innenministerium wies die auch von der KPD-Fraktion erhobene Forderung zurück: »Der umstürzlerische Charakter der Kommunistischen Partei, wie er bei den Unruhen der letzten Tage erneut erwiesen ist, macht ihre Gleichstellung mit den anderen Parteien bei der Behandlung der Wahlreden unmöglich.«⁹ Die Nazis hatten solche Probleme nicht. Am 31. Juli 1932 durfte der »Reichsorganisationsleiter« der NSDAP, Gregor Strasser, eine fast halbstündige Rede im Rundfunk halten. Adolf Hitler blieb das verwehrt – aber nur deshalb, weil er sich weigerte, zuvor ein Manuskript seiner Rede einzureichen.</p>
<p>Während namhafte Künstler und Schriftsteller wie Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Anna Seghers und andere gegen den »Missbrauch des Rundfunks« (Brecht) protestierten, wehrten sich die Mitglieder des FRBD – wie schon zuvor die Mitglieder des der SPD nahestehenden »Arbeiterradiobundes« (ARBD) – auf ihre Weise. Sie organisierten Abende, bei denen gemeinsam Radio gehört und das Empfangene diskutiert und ausgewertet wurde. Die Ergebnisse wurden dann als Kritik an die Sender und Zeitungen geschickt. Da diese »Massenvorführungen« immer wieder in öffentliche Protestkundgebungen umschlugen, kam es Berichten der Zeitschrift <em>Arbeitersender</em> zufolge wiederholt zu Polizeieinsätzen.¹⁰ Eine Änderung der Rundfunkpolitik der Reichsregierung bewirkten die Aktionen allerdings nicht.</p>
<h3>Wachsende Bedeutung</h3>
<p>Als Alternative zu den offiziellen deutschen Programmen kam somit nur der über Kurz- und Mittelwelle in ganz Deutschland empfangbare Moskauer Sender in Frage. »Hört Moskau« war als Wandparole zu lesen, die FRBD-Zeitschrift veröffentlichte Tips, wie man den Empfang auch mit einfachen Radios möglich machen oder verbessern konnte, und schließlich wurden bei Kundgebungen und Großveranstaltungen Moskauer Sendungen über Lautsprecherwagen des FRBD verbreitet.</p>
<p>Die Bedeutung von <em>Radio Moskau</em> wurde noch größer, als 1933 die Nazis in Deutschland an die Macht kamen. Der deutsche Rundfunk fiel den Faschisten widerstandslos in die Hände, schon der Fackelmarsch der Nazis nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 wurde direkt übertragen – mit Zustimmung der Zensurinstanzen. Trotzdem wurden die Verantwortlichen nach den Reichstagswahlen vom 5. März 1933 abgelöst und durch stramme Nazis ersetzt.</p>
<p>In dieser Situation blieb Antifaschisten in Deutschland nur, auf <em>Radio Moskau</em> umzuschalten, dessen Komintern-Sender in jenem Jahr damit begann, auch über Langwelle auszustrahlen. Zu Wort kamen dort praktisch alle in die Sowjetunion geflüchteten Führungsmitglieder der KPD, aber auch antifaschistische Künstler und Schriftsteller, unter ihnen Johannes R. Becher, Bertolt Brecht, Willi Bredel, Ernst Busch, John Heartfield, Klaus Mann, Wilhelm Pieck, Erwin Piscator, Walter Ulbricht, Herbert Wehner und Erich Weinert.</p>
<p>Noch war das Abhören ausländischer Sender offiziell nicht verboten, aber das Weitergeben von Informationen des Moskauer Rundfunks wurde von der Nazijustiz mit drakonischen Strafen geahndet. So meldete Anfang 1934 der <em>Neue Vorwärts</em>, die in Prag erscheinende Wochenzeitung der ins Exil geflüchteten SPD-Führung, dass ein Bauarbeiter den Moskauer Sender empfangen und das Gehörte einem Schlosser berichtet habe – beide seien zu Gefängnisstrafen von mehr als einem Jahr verurteilt worden. Die <em>Deutschland-Berichte</em> der Exil-SPD notierten in jener Zeit, dass Arbeiter, die beim Bau der Autobahnen beschäftigt waren, in ihren Baracken Moskau hörten. Sie erfuhren dabei von der Verhaftung, Verurteilung und Ermordung deutscher Kommunisten und anderer Antifaschisten, über die Zustände in den Konzentrationslagern, die Kampagne zur Freilassung des inhaftierten KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann sowie ab 1936 über die deutsche Beteiligung am Krieg in Spanien. Die Nazis reagierten mit dem Einsatz von Störsendern nicht nur gegen Moskau, sondern auch gegen das französische <em>Radio Strasbourg PTT</em>, das ebenfalls Programme in deutscher Sprache verbreitete. Der <em>Neue Vorwärts</em> meldete am 22. März 1936, dass dieses »Jamming« die Nachrichten beider Sender praktisch unhörbar gemacht habe: »Bis zum 7. März war es den Bewohnern des ›Dritten Reiches‹ immer noch möglich, sich durch den Rundfunk über die wichtigsten Vorgänge im Ausland zu unterrichten. (…) Seit dem 7. März ist aber selbst mit den besten Radioapparaten der Moskauer Sender nicht mehr hörbar.«¹¹ Doch ganz unhörbar machen konnten die Nazis <em>Radio Moskau</em> nie. Ende 1937 notierte Goebbels frustriert, dass »nichts gegen die gemeine Propaganda der Moskauer Sender« unternommen werden könne und die Stärke der deutschen Sender nicht ausreiche, um die russische Konkurrenz wirksam zu stören.</p>
<p>Einen gewissen Bedeutungsverlust erlitt <em>Radio Moskau</em> erst ab Herbst 1938, als die britische <em>BBC</em> begann, deutschsprachige Sendungen auszustrahlen. Ab Ende August 1939 fiel <em>Radio Moskau</em> dann für fast zwei Jahre komplett als antifaschistischer Sender aus, denn mit Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes stellten beide Seiten die gegen den jeweils anderen gerichteten Programme ein. Die Sowjetunion nahm gegenüber dem in Westeuropa laufenden Krieg eine demonstrativ neutrale Haltung ein – und bei <em>Radio Moskau</em> wurden kommentarlos sowohl die Berichte des Oberkommandos der Wehrmacht als auch die Erklärungen der westlichen Alliierten verbreitet.</p>
<h3>»Tod den deutschen Okkupanten!«</h3>
<p>Das änderte sich schlagartig mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941. Das deutschsprachige Programm wurde Teil des Widerstandes, der zu Beginn jeder Sendung verbreitete Slogan lautete nun nicht mehr »Proletarier aller Länder, vereinigt euch!«, sondern »Tod den deutschen Okkupanten!«¹²</p>
<p>Der Moskauer Rundfunk wandte sich in dieser Zeit teilweise über acht Sender auf Kurz-, Mittel- und Langwelle gleichzeitig an die Hörer in Deutschland. Um den Störversuchen der Nazis zu entgehen, änderte man häufig die Sendefrequenzen, so dass die Empfänger das Programm auf der Skala ihres Radios knapp links oder rechts vom Geheule des »Jammings« hören konnten. Insbesondere für die Antifaschisten im Untergrund waren die Informationen aus der Sowjetunion von unschätzbarem Wert. Daran erinnerte 1950 der ehemalige Widerstandskämpfer und spätere Zeitungsredakteur Walter Franze im <em>Neuen Deutschland</em>: »Erzählungen von der Ostfront zurückgekehrter Soldaten, Verwundeter und Urlauber bestätigten, was dem Kreis der ausländischen Radioabhörer seit Wochen bekannt war: Der ›größte militärische Vormarsch aller Zeiten‹, nämlich in den Raum von Stalingrad, begann sich immer deutlicher zu der größten militärischen Niederlage aller Zeiten zu entwickeln. (…) Um so mehr stieg die Zuversicht der deutschen und ausländischen Antifaschisten im ›Tausendjährigen‹ Reich. Wer Gelegenheit dazu hatte, saß einzeln oder in Gruppen Nacht für Nacht am Radio und ›kurbelte‹.«¹³ Selbst in den Konzentrationslagern fanden die Gefangenen Wege, die ausländischen Programme zu hören. »Mit Windeseile verbreiteten sich fast täglich in den Abendstunden die Nachrichten aus <em>Radio Moskau</em> und <em>Radio London</em> in den Blocks«, erinnerte sich Hans Seigewasser 1955 in der <em>Berliner Zeitung</em>. »Der illegale Abhördienst, ein wichtiger Bestandteil der Widerstandsarbeit im Lager, funktionierte.«¹⁴</p>
<p>Nach dem Sieg über den deutschen Faschismus änderten sich die Aufgaben des Moskauer Rundfunks. Schon im Mai 1945 kündigte der damalige Vorsitzende des staatlichen Radiokomitees, A. Pusin, eine Änderung der inhaltlichen Schwerpunkte an. Während des Krieges habe man sich in erster Linie gegen die Deutschen gerichtet, weil die verbündeten Mächte der Sowjetunion in dieser Zeit wohlgesinnt gewesen seien. Damit könne man jetzt nicht mehr rechnen.¹⁵ Allerdings bemühte sich die Sowjetunion zunächst, die sich verschärfenden Differenzen nicht zu deutlich werden zu lassen. Der <em>Berliner Rundfunk</em>, der bereits am 13. Mai 1945 unter Kontrolle der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) den Betrieb aufgenommen hatte, sollte deshalb nicht direkt sowjetische Positionen, sondern die der KPD und der anderen antifaschistisch-demokratischen Kräfte vertreten. Versuche Moskauer Stellen, im <em>Berliner Rundfunk</em> mehr Raum für eigene Inhalte zu schaffen, wurden deshalb vor allem von der SMAD abgewehrt. Es sei »in Berlin nicht immer angebracht«, auf den »Strom antisowjetischer verleumderischer Materialien aus England« zu antworten, schrieb im Oktober 1945 der Leiter des SMAD-Informationsbüros, Iwan Tugarinow, an seinen Vorgesetzten in Moskau, Georgi Fjodorowitsch Alexandrow.¹⁶</p>
<p>Die Darstellung der sowjetischen Politik und die Abwehr antisowjetischer Propaganda blieb so die Aufgabe von <em>Radio Moskau</em>. Dort stand man aber vor dem Problem, dass der Empfang in Deutschland sich schwierig gestaltete, da zunächst nur der Besitz einfacher Rundfunkgeräte zugelassen worden war. Die SMAD verlangte deshalb die Einrichtung von Sendeanlagen in der Ukraine oder in Königsberg, dem heutigen Kaliningrad. Aufgrund der Rücksichtnahme auf die westlichen Siegermächte wurde erst Anfang 1947 damit begonnen, die Programme von <em>Radio Moskau</em> auch über den »Deutschlandsender« auszustrahlen, der in dieser Zeit vor allem die sowjetischen Soldaten mit Sendungen in ihrer Muttersprache versorgte.</p>
<p>Über die Inhalte der deutschsprachigen Programme der Nachkriegszeit erfahren wir vor allem aus der damaligen DDR-Presse: »Die Rundfunksendungen aus Moskau bringen Nachrichten aus der Sowjetunion und aus dem Ausland, Übersichten über die sowjetische Presse, Kommentare und Diskussionen über die verschiedenen Fragen des Lebens der Sowjetunion sowie über die Probleme der internationalen Politik. Die Sendungen von <em>Radio Moskau</em> erläutern die Außenpolitik der Sowjetunion, deren Ziel die Festigung des Friedens und der Sicherheit der Völker ist, und vermitteln die Erfahrungen des großen Kampfes der Friedensanhänger gegen die Kriegsgefahr. (…) Nachrichten werden täglich um 6 und 9 Uhr morgens gesendet sowie in der Zeit von 17 bis 23 Uhr zu Beginn jeder Stunde. Sonntags um 17.30 Uhr Frauenfunk und um 19.30 Uhr die Funkreportage ›Nachrichten der Woche‹. Dienstags um 17.30 Uhr und 19.30 Uhr Sendungen für die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft oder für die Aktivisten der DDR. Freitags um 17.30 und 19.30 Uhr Jugendfunk. Sonnabends um 17.30 Uhr Schulfunk, um 21.30 Uhr Wunschkonzert.«¹⁷</p>
<p>Noch Ende der 1980er Jahre veröffentlichte die <em>Berliner Zeitung</em> in ihrem wöchentlichen Radioprogramm auch die Sendezeiten des Moskauer Rundfunks. 1989 gab es deutschsprachige Programme demnach täglich von 6.30 bis 7.30 Uhr, von 11.00 bis 12.00 Uhr sowie von 17.00 bis 21.00 Uhr und von 22.00 bis 22.30 Uhr.¹⁸</p>
<h3>Keine Alternative mehr</h3>
<p>Doch je mehr »Glasnost« und »Perestroika« die Sowjetunion an den Rand des Zusammenbruchs und schließlich darüber hinaus brachten, rückte auch <em>Radio Moskau</em> von früheren Positionen ab. Noch 1987 hatte Chefkommentator Wladimir Ostrogorski scharf auf Äußerungen des CDU-Politikers Ottfried Hennig, damals Staatssekretär im Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen, reagiert: »Das Deutsche Reich, das Bonn wiederaufgebaut haben möchte, worauf alle seine Erklärungen im Grunde genommen hinauslaufen, ist in den Flammen des Krieges untergegangen, den es selbst entfesselt hatte. Seine Wiedergeburt zu erwarten ist ebenso widersinnig wie das Erscheinen von Friedrich Barbarossa vor der Tribüne des Bonner Bundestages.«¹⁹ Nur ein Jahr später, Anfang 1988, klang das schon etwas anders: »Selbstverständlich gibt es in der BRD – und dabei sogar in den Kreisen, in denen die unbedingte Loyalität gegenüber den USA über vieles andere gestellt wird – zahlreiche Anhänger einer sogenannten dritten Null-Lösung, das heißt der Beseitigung der Kernwaffen mit einer Reichweite bis 500 Kilometer – nach der Beseitigung der Raketen mittlerer und kürzerer Reichweite.«²⁰ Wiederum zwei Jahre später, im August 1990, unterzeichneten <em>Radio Moskau</em> und die <em>Deutsche Welle</em> dann einen Kooperationsvertrag über gemeinsame Produktion und Austausch von Rundfunkprogrammen, Zusammenarbeit in der Hörerforschung, Techniker- und Praktikantenausbildung sowie beiderseits auszustrahlende Funkbrücken.²¹</p>
<p>Eine politische Alternative war <em>Radio Moskau</em> damit nicht mehr. Aus Geldmangel begann der sowjetische Rundfunk zudem damit, seine Sendeanlagen zu vermieten. Bei den Kunden – meist religiöse Missionswerke – war man nicht wählerisch. So konnte Anfang der 1990er Jahre die japanische Omu-Shinrikyo- bzw. Aum-Sekte mehrere Stunden täglich in japanischer und englischer Sprache senden – bis sie am 20. März 1995 einen Giftgasanschlag auf die U-Bahn in Tokio verübte.²² Ab 1996 mietete der deutsche Altfaschist Ernst Zündel Sendezeit beim starken Mittelwellensender Bolschakowo nahe Kaliningrad. Eine Stunde wöchentlich sollte so auf der Frequenz des seit 1993 als <em>Stimme Russlands</em> firmierenden <em>Radio Moskau</em> Holocaustleugnung und rassistische Hetze verbreitet werden. Es kam jedoch offenbar nur zu zwei Übertragungen, dann verweigerte Moskau dem Nazi nach Intervention zufälliger Hörer weitere Übertragungen.²³</p>
<p>Die eigentlichen Programme der <em>Stimme Russlands</em> büßten derweil immer mehr an Bedeutung ein – auch wenn die inzwischen meist älteren Mitarbeiter tapfer versuchten, nun Werbung für die neuen Herren zu machen. Zehn Jahre später war der Sender Geschichte. Staatschef Wladimir Putin zog im Dezember 2013 einen Schlussstrich und ordnete an, den Auslandsrundfunk und die Nachrichtenagentur <em>RIA Nowosti</em> zum neuen staatlichen Medienunternehmen »Rossija Sewodnja« (Russland heute) zusammenzufassen. Aus der <em>Stimme Russlands</em> wurde <em>Radio Sputnik</em> – dessen deutschsprachiges Programm seinen Namen schon nach wenigen Tagen in <em>SNA-Radio</em> ändern musste, weil die Marke »Sputnik« in der Bundesrepublik schon vom <em>MDR</em> besetzt war.</p>
<p>Inhaltlich erinnern das <em>SNA-Radio</em>-Programm und die Internetseite <em>Sputnik Deutschland</em> heute kaum noch an den großen Vorgänger <em>Radio Moskau</em>. Die Reaktionen in der Bundesrepublik lassen jedoch Parallelen zu denen vor 1990 erkennen. So beendete am 1. März 2019 die Medienanstalt Berlin-Brandenburg die Ausstrahlung des Augsburger Privatsenders <em>Mega Radio SNA</em>, weil dieser über DAB+ vor allem Übernahmen von <em>SNA-Radio</em> verbreitet. Dafür kassiert die Station eine Vergütung – ähnlich wie Fernsehsender, die stundenlange »Dauerwerbesendungen« laufen lassen.</p>
<h3>Unerwünscht?</h3>
<p>Schon 2017 war <em>Mega Radio SNA</em> von den Landesmedienanstalten die bundesweite Zulassung verweigert worden, weshalb er in Berlin bei einer Neuvergabe der Sendeplätze auf DAB+ nicht mehr berücksichtigt wurde. Der Betreiber klagte dagegen, Medienberichten zufolge läuft das Verfahren noch. Es geht um die grundsätzliche Frage, ob Sender, die Programmzulieferungen von staatlichen Unternehmen erhalten, eine deutsche Rundfunklizenz erhalten dürfen.²⁴ Bei <em>Mega Radio</em> und <em>Sputnik</em> ist man sich allerdings sicher, dass es dabei nicht um »irgendeinen« Staat geht. Man könne sich »des Eindrucks nicht erwehren, dass die Meinung Russlands in Berlin (politisch) wohl nicht erwünscht ist«, zitierte <em>Sputnik</em> am 28. Februar 2019 den Geschäftsführenden Gesellschafter von <em>Mega Radio</em>, Peter Valentino. Sergej Feoktistow, Chefredakteur von <em>Sputnik Deutschland</em> und Programmverantwortlicher für <em>SNA-Radio</em>, hielt die Abschaltung am selben Tag ebenfalls für »politisch motiviert«.²⁵</p>
<p>Von der Hand zu weisen ist das nicht, denn zuvor hatten zahlreiche kritische Medienberichte über den Sender sowie den Fernsehkanal <em>RT</em> Druck auf die Medienanstalten ausgeübt. So schrieb Klaus Staeck Anfang 2017 in einem von der <em>Berliner Zeitung</em> und der <em>Frankfurter Rundschau</em> veröffentlichten Kommentar von »Politpornographie für die AfD« und ätzte: »Besitzt die AfD schon einen eigenen Sender? Nein, aber sie ist auf dem besten Weg, über die vom russischen Staat finanzierte <em>Sputnik News Agency</em> (<em>SNA</em>) einen direkten Propagandakanal in unsere Rundfunklandschaft einzupflanzen.«²⁶</p>
<p>Tatsächlich war die Präsenz der AfD im Programm von <em>SNA-Radio</em> lange unangenehm penetrant – doch inzwischen haben die Rechten den Moskauer Sender nicht mehr nötig. Sie sind längst im öffentlich-rechtlichen Mainstream angekommen, werden zitiert, interviewt und akzeptiert. Ob das der Grund ist, warum sich <em>SNA-Radio</em> in der letzten Zeit etwas distanzierter gibt, kann nur vermutet werden. In den Kommentarspalten auf der <em>Sputnik</em>-Homepage wird jedenfalls noch genauso gehetzt wie früher – dagegen etwas zu unternehmen scheint man in der Deutschland-Zentrale am Potsdamer Platz in Berlin nicht für notwendig zu halten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Anmerkungen</strong></p>
<p>1 Zit. n. <em>SWR 2</em> Wissen: Stalins Weißmeerkanal, 5.2.2019; <a href="http://www.swr.de/swr2/programm/download-swr-5464.pdf">http://</a><a href="http://www.swr.de/swr2/programm/download-swr-5464.pdf">www.swr.de/swr2/programm/download-swr-5464.pdf</a></p>
<p>2 <em>Vorwärts</em>, 8.11.1929, S. 3</p>
<p>3 Zit. nach: Ansgar Diller: Deutschsprachige Rundfunksendungen aus der Sowjetunion. In: <em>Rundfunk und Geschichte</em> (2003), Nr. 29, S. 109 ff.</p>
<p>4 Ebd.</p>
<p>5 <em>Die Rote Fahne</em>, 20. Dezember 1929, 4. Beilage</p>
<p>6 W. I. Lenin: An M. A. Bontsch-Brujewitsch. In: Werke, Berlin 1979, Band 35, S. 413</p>
<p>7 Zit. n. Diller: Deutschsprachige Rundfunksendungen aus der Sowjetunion, a. a. O., S. 109 f.</p>
<p>8 <em>Arbeitersender</em>, 5.2.1932</p>
<p>9 Zit. n. Peter Dahl: Arbeitersender und Volksempfänger, Frankfurt am Main 1978, S. 73</p>
<p>10 Vgl. ebd., S. 64 f.</p>
<p>11 <em>Neuer Vorwärts</em>, 22.3.1936, S. 2</p>
<p>12 Conrad Pütter: Rundfunk gegen das »Dritte Reich«, München 1986, S. 257</p>
<p>13 <em>Neues Deutschland</em>, 2.2.1950, S. 4</p>
<p>14 <em>Berliner Zeitung</em>, 2.2.1955, S. 2</p>
<p>15 Vgl. Petra Galle: <em>Radio Moskau</em> und <em>Berliner Rundfunk</em> als Instrumente sowjetischer Rundfunkpolitik im besetzten Deutschland (1945–1949). In: <em>Rundfunk und Geschichte</em> (1999), Nr. 1, S. 5 ff.</p>
<p>16 Ebd., S. 7</p>
<p>17 <em>Neues Deutschland</em>, 2.6.1951, S. 2</p>
<p>18 <em>Berliner Zeitung</em>, 31.1.1989, S. 6</p>
<p>19 <em>Neues Deutschland</em>, 9.1.1987, S. 5</p>
<p>20 <em>Neues Deutschland</em>, 11.2.1988, S. 5</p>
<p>21 <em>Der Spiegel</em>, Nr. 35/1990, S. 146 f.</p>
<p>22 Vgl. <a href="https://t1p.de/aum-shinrikyo" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://t1p.de/aum-shinrikyo</a></p>
<p>23 <a href="http://web.archive.org/web/20050426145232/http://home.t-online.de/home/Hans-Joachim.Brustmann/ber10.htm">http://web.archive.org/web/20050426145232/http://home.t-online.de/home/Hans-Joachim.Brustmann/ber10.htm</a></p>
<p>24 <a href="https://t1p.de/Mega-Radio-SNA" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://t1p.de/Mega-Radio-SNA</a></p>
<p>25 <a href="https://t1p.de/Sputnik-SNA" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://t1p.de/Sputnik-SNA</a></p>
<p>26 <em>Berliner Zeitung</em>, 25.1.2017</p>
<p>Erschienen am 7. November 2019 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/366390.radiogeschichte-goworit-moskwa.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tageszeitung junge Welt</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Offene Worte</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/offene-worte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Aug 2019 16:56:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
		<category><![CDATA[Moskau]]></category>
		<category><![CDATA[Radio Moskau]]></category>
		<category><![CDATA[Sender Frieden und Fortschritt]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[UdSSR]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.andre-scheer.de/?p=4416</guid>

					<description><![CDATA[Die tägliche Sendung für die Zuhörer in Österreich ist zu Ende, das deutschsprachige Programm von Radio Moskau verabschiedet sich von[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die tägliche Sendung für die Zuhörer in Österreich ist zu Ende, das deutschsprachige Programm von <em>Radio Moskau</em> verabschiedet sich von seinen Hörern in eine Pause. Kurz darauf ist auf den gleichen Wellen ein anderes Pausenzeichen zu hören, und dann die Ansage: »Hier ist der <em>Sender Frieden und Fortschritt</em>, die Stimme der sowjetischen öffentlichen Meinung.«<span id="more-4416"></span></p>
<p>Der 1964 gegründete Sender war eine Ausnahme unter den Radioprogrammen der UdSSR, denn formell war er weder staatlich noch ein Organ der Regierung. Verantwortlich für <em>Frieden und Fortschritt</em> zeichneten verschiedene gesellschaftliche Organisationen, etwa der Schriftstellerverband, die Journalistenvereinigung, die Union sowjetischer Komponisten oder das Friedenskomitee. Zudem stand hinter dem Sender die Nachrichtenagentur <em>Nowosti</em>, deren Gründung 1961 auf die selben Organisationen zurückgegangen war und zu deren Aufgaben es gehörte, authentische Informationen über die Sowjetunion im Ausland zu verbreiten.</p>
<p>Seine besondere Rolle erlaubte es <em>Frieden und Fortschritt</em>, an Stellen Klartext zu sprechen, wo sich die offiziellen Kanäle diplomatische Zurückhaltung auferlegt hatten. Das zeigte sich schon daran, dass man nicht nur in vielen der auch von <em>Radio Moskau</em> bedienten Sprachen sendete, sondern auch Dienste anbot, die es beim staatlichen Auslandsrundfunk nicht gab. Dazu gehörten Hebräisch und Jiddisch für Israel oder das von Indígenas in Südamerika gesprochene Guarani.</p>
<p>Westliche Regierungen fürchteten noch in den 80er Jahren die Wirkung, die der Sender auf Hörer in der »Dritten Welt« haben könnte. Das geht aus einem im August 1982 vom US-Außenministerium erstellten Bericht hervor, der die »besondere Rolle« von <em>Radio Peace and Progress</em> hervorhob. Charakteristisch für die Programme sei, dass sie »offener und weniger ausgefeilt« als die des offiziellen <em>Radio Moskau</em> seien. Die »sorgfältig gewahrte Unterscheidung« zwischen beiden Programmen diene der Verbreitung von Material, »für das die sowjetische Regierung und die Kommunistische Partei keine Verantwortung übernehmen wollen«. So wies das State Department in dem Bericht darauf hin, dass der <em>Sender Frieden und Fortschritt</em> die irakische Regierung wegen der Verfolgung der dortigen KP attackiert habe, während die Staatsmedien »peinlich genau auf einen korrekten Umgang mit dem (&#8230;) Regime« geachtet hätten. 1986, als in Moskau Michail Gorbatschow bereits seine »Perestroika« initiiert hatte, beklagte die CIA in einem Bericht den »sowjetischen Auslandspropagandaapparat« und dessen »offenere und tendenziösere« Linie.</p>
<p>Hörbar war das auch in der BRD. Während es <em>Radio Moskau</em> tendenziell vermied, innenpolitische Entwicklungen in der Bundesrepublik zu kommentieren, sofern sie keine direkten Auswirkungen auf die Beziehungen mit der Sowjetunion hatten, nahm <em>Frieden und Fortschritt</em> kein Blatt vor den Mund. So solidarisierte man sich mit den Opfern der Berufsverbote und verglich diese Menschenrechtsverletzungen mit den Vorwürfen, die im Westen gegen das sozialistische Lager erhoben wurden.</p>
<p>Als immer deutlicher wurde, dass »Glasnost« und »Perestroika« nicht zu einer Erneuerung des Sozialismus führen würden, sondern zu seiner Abschaffung, war auch für den Sender kein Platz mehr. Im Mai 1991, gut ein halbes Jahr vor der Auflösung der UdSSR, stellte er seinen Betrieb ein.</p>
<p>Erschienen am 29. August 2019 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/361765.klartext-aus-moskau-offene-worte.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tageszeitung junge Welt</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zwischenrufe gegen Hitler</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/zwischenrufe-gegen-hitler/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Mar 2017 21:31:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
		<category><![CDATA[BBC]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Sarkowicz]]></category>
		<category><![CDATA[Radio Moskau]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunkgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarzsender]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.andre-scheer.de/?p=3152</guid>

					<description><![CDATA[Silvester 1944. Im deutschen Rundfunk hält Hitler seine Neujahrsansprache und ruft zum Durchhalten auf. Plötzlich gibt es einen Zwischenruf: »Das[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Silvester 1944. Im deutschen Rundfunk hält Hitler seine Neujahrsansprache und ruft zum Durchhalten auf. Plötzlich gibt es einen Zwischenruf: »Das Jahr 1945 muss das Ende der Hitler-Diktatur sein!« Und wenig später, mitten in das zum Abschluss der Rede gespielte »Deutschlandlied« hinein, die Parole »Weg mit Hitler und seiner Bande!«<span id="more-3152"></span></p>
<p>Vor allem im Osten und im Norden Deutschlands konnten diese Zwischenrufe seit Mitte 1941 immer wieder gehört werden. Sie stammten von deutschen Emigranten in der Sowjetunion, die aus den Studios von <em>Radio Moskau</em> die Lügen der Faschisten kommentierten. Sowjetische Sender wurden dazu kurzzeitig mit hoher Sendestärke auf die Frequenzen der Naziprogramme geschaltet, und in den kurzen Pausen zwischen zwei Sätzen kommentierten die Sprecher das soeben gehörte: »Alles Lüge! Von hinten bis vorne gelogen!« »Stalingrad, Massengrab!«</p>
<p>Die Idee zu den »Geisterstimmen« stammte von österreichischen Kommunisten. Das Ziel war, unter den deutschen Radiohörern für Unruhe zu sorgen: Waren die Russen schon so weit vorgerückt, dass sie bereits im deutschen Rundfunk zu hören waren? Zudem brachten die Einblendungen die Nazibehörden ins Schwitzen, denn Störsender waren hier wirkungslos – man hätte ja die eigenen Programme unhörbar gemacht.</p>
<p>Die Geschichte der »Geisterstimmen« ist eine der zahlreichen Episoden, die Hans Sarkowicz für seine fast zehnstündige Dokumentation »Geheime Sender. Der Rundfunk im Widerstand gegen Hitler« zusammengetragen hat. Am Dienstag erhielt er dafür in Köln den Deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie »Bestes Sachhörbuch«. Die ursprünglich als Featurereihe von <em>HR 2 Kultur</em> konzipierte Darstellung eines besonderen Kapitels des antifaschistischen Kampfes ist im vergangenen Herbst als Box mit acht CDs im Hörverlag erschienen. Sie gliedern sich in die deutschsprachigen Sendungen der <em>BBC London</em>, von <em>Radio Moskau</em> und der <em>Stimme Amerikas</em>, Programme von Emigranten in Europa und den USA sowie die »schwarze« Rundfunkpropaganda der Alliierten, unter »falscher Flagge« arbeitende Tarnprogramme, die sich zum Beispiel als Wehrmachtssender oder Stimmen oppositioneller Gruppen innerhalb Deutschlands ausgaben.</p>
<p>Sarkowicz ist es mit Hilfe des Deutschen Rundfunkarchivs gelungen, unzählige Aufnahmen aus der Zeit des Krieges zusammenzutragen. Wie er selbst anmerkt, war die Quellenlage dafür in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg nicht gut. In Deutschland selbst hatte natürlich kaum jemand gewagt, das Gehörte aufzuzeichnen, hatten die Nazis das Abhören von »Feindsendern« doch unter Strafe gestellt. Das Weiterverbreiten so empfangener Nachrichten wurde während des Krieges sogar mit dem Tode bestraft. Die Archivare der Nachkriegszeit waren also auf die Mitschnitte von Hörern und staatlichen Stellen in den neutralen Ländern, zum Beispiel in Schweden, angewiesen. Doch einen Mitschnitt anzufertigen, war damals mit einigem materiellen und finanziellen Aufwand verbunden. Selbst die Rundfunksender selbst verzichteten deshalb oft auf das Archivieren ihrer Programme.</p>
<p>Ein Opfer dieser Verluste ist Thomas Mann. Der Schriftsteller war 1933 in die Schweiz und 1939 in die USA emigriert. Von dort aus wandte er sich über die <em>BBC</em> an die »deutschen Hörer«. Nach einer ersten Phase, in der Mann nur die Texte schrieb und sie dann von einem Sprecher in London verlesen ließ, sprach der Autor seine Botschaften bald selbst in den Vereinigten Staaten auf Schallplatte. Von den 51 Ansprachen, die Mann selbst gesprochen hat, sind heute jedoch nur elf erhalten.</p>
<p>Die Stärke der Dokumentation von Hans Sarkowicz ist, dass sie trotz solcher Einschränkungen aus dem Blickwinkel des Rundfunks einen umfassenden Überblick über praktisch die gesamte Zeit der faschistischen Diktatur in Deutschland gibt, angefangen 1934 mit den Sendungen der »Schwarzen Front« Otto Strassers aus Prag und des <em>Deutschen Freiheitssenders 29,8</em> aus Spanien ab 1937 bis zu den angeblichen deutschen Soldatensendern, die während des Krieges von England aus für Verwirrung sorgten.</p>
<p>Sarkowicz gelingt es in beeindruckender Weise, die Tondokumente für sich sprechen zu lassen. So klingen die Aufnahmen von <em>Radio Moskau</em> aus der Zeit des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes heute verstörend, insbesondere die Rechtfertigung des deutschen Überfalls auf Norwegen 1940. Das hindert Sarkowicz aber nicht daran, allein zwei CDs den antifaschistischen Programmen aus der Sowjetunion zu widmen, unter anderem dem von der KPD betriebenen <em>Deutschen Volkssender</em>. Genau diese Sachlichkeit findet man heutzutage selten.</p>
<blockquote><p>Hans Sarkowicz: Geheime Sender. Der Rundfunk im Widerstand gegen Hitler. Hörbuch, acht CDs, Laufzeit: 582 Minuten. Der Hörverlag 2016, 35 Euro</p></blockquote>
<p>Erschienen am 9. März 2017 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/306843.zwischenrufe-gegen-hitler.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tageszeitung junge Welt</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Rundfunk in der Deutschen Demokratischen Republik</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/rundfunk-in-der-deutschen-demokratischen-republik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Aug 1991 15:32:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rundfunk in der DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Rundfunk]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Welle]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Demokratische Republik]]></category>
		<category><![CDATA[Deutscher Freiheitssender 904]]></category>
		<category><![CDATA[Deutscher Soldatensender]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschlandsender]]></category>
		<category><![CDATA[Ferienwelle]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendradio DT 64]]></category>
		<category><![CDATA[Radio DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Radio Moskau]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunk]]></category>
		<category><![CDATA[Sender Frieden und Fortschritt]]></category>
		<category><![CDATA[Stimme der DDR]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://wp.andre-scheer.de/1991/08/01/rundfunk-in-der-deutschen-demokratischen-republik/</guid>

					<description><![CDATA[Hier findet Ihr den Text meiner Brosch&#252;re &#252;ber den Rundfunk in der DDR, die im August 1991 im Kurzwellen-Pressedienst erschienen[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-793" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_ddr_cover.gif" hspace="6" alt="Rundfunk in der DDR" title="Rundfunk in der DDR" border="0" style="float: left;" width="250" height="357" />Hier findet Ihr den Text meiner Brosch&uuml;re &uuml;ber den Rundfunk in der DDR, die im August 1991 im Kurzwellen-Pressedienst erschienen ist. <span id="more-803"></span> </p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Anf&auml;nge in Tr&uuml;mmern</h1>
<p> Berlin liegt in Tr&uuml;mmern. Der Zweite Weltkrieg ist erst seit Stunden beendet, erst zwei Tage sind seit dem Ende des Krieges vergangen, der ganz Europa in Tr&uuml;mmern legte und &uuml;ber Millionen und Abermillionen von Menschen Tod und Elend brachte. </p>
<p>Es ist der 10. Mai 1945. Gerade 48 Stunden sind seit der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation Deutsch&shy;lands vergangen. An diesem Tage unterzeichnet der sowjet&shy;ische Generaloberst N.E. Bersarin, seit der Eroberung Berlins durch sowjetische Truppen am 28. April 1945 Stadtkomm&shy;andant, die Erlaubnis f&uuml;r die Errichtung eines Rundfunk&shy;senders durch deutsche Antifaschisten &#8211; Kommunisten und Mitglieder des &quot;Nationalkomitees Freies Deutschland&quot;, das bereits w&auml;hrend des Krieges von der Sowjetunion aus den Sender Freies Deutschland betrieben hatte. </p>
<p> <em>&quot;Hier spricht Berlin! Hier spricht Berlin auf Wellenl&auml;nge 356 Meter! Wir beginnen unsere Sendung!&quot;</em> </p>
<p>Mit diesen Worten ist am 13. Mai 1945, nur f&uuml;nf Tage nach Ende von zw&ouml;lf Jahren des Grauens, wieder ein deutscher Sender zu h&ouml;ren. </p>
<p>Alles ist provisorisch. Ein heiles Studio gibt es in der zerst&ouml;rten Stadt naturgem&auml;&szlig; nicht. Der Sprecher dieser ersten Sendung sitzt in einem notd&uuml;rftig hergerichteten Raum im Geb&auml;ude des Senden Berlin-Tegel. Mit Balken ist die br&uuml;chige Decke abgest&uuml;tzt, durch die zerbrochenen Scheiben klingt vom Hof Stimmengewirr herauf. Unmittel&shy;bar vor Beginn der ersten Sendung um 20.00 Uhr st&uuml;rzt der Sprecher an das Fenster und ruft in den Hof herunter, man m&ouml;ge ruhig sein, er beginne jetzt mit der Sendung. </p>
<p>70 Minuten dauert diese Sendung, bis der Sprecher sich um 21.10 Uhr mit der Ank&uuml;ndigung verabschiedet, man w&uuml;rde sich am n&auml;chsten Tag um 12.00 Uhr wieder melden. </p>
<p>Die Sendar sind zuvor von sowjetischen Nachrichten-Offizieren geschaltet worden. Eine Leitung zwischen Studio und Sender gibt es nicht. Die erste Sendung wird direkt am Sender gesprochen, nach dem Umzug in die notd&uuml;rftig instandgesetzten R&auml;umlichkeiten im Funkhaus an der Masurenallee werden die vorproduzierten B&auml;nder mit dem Auto zum Sender transportiert. </p>
<p>In den folgenden Tagen legen sowjetische Pioniere ein Telefon-Feldkabel zwischen dem Funkhaus und dem Sender. Dank dieser Verbindung kann die Sendezeit ausgeweitet werden, die in den ersten Tagen nur zwei t&auml;gliche Stun&shy;den betragen hatte. Innerhalb einer Woche steigt die Sende&shy;zeit auf 19 Stunden t&auml;glich, so da&szlig; man zwischen 6.00 und 1.00 Uhr sendet. Doch noch sind St&ouml;rungen h&auml;ufig. Das eiligst &uuml;ber die Tr&uuml;mmer verlegte Kabel wird durch herabst&uuml;rzende Tr&uuml;mmer besch&auml;digt oder scheuert sich durch. Immer beheben sowjetische Soldaten die Sch&auml;den, so da&szlig; der Sendebetrieb fortgesetzt werden kann. </p>
<p>Die Aufgaben des jungen Rundfunks werden ihm von der Milit&auml;rregierung gestellt. Er soll dazu beitragen, die Deutschen im Sinne einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung zu erziehen. Das beinhaltet die Berichterstattung &uuml;ber die Bildung demokratischer Parteien gem&auml;&szlig; dem Befehl Nummer 2 der sowjetischen Milit&auml;rregierung, das hei&szlig;t, da&szlig; der neue Rundfunk dazu beitr&auml;gt, die &Uuml;berreste des Hitlerregimes zu beseitigen, den Kampf gegen Hunger und Obdachlosigkeit anzugehen. Er propagiert den Aufbau demo&shy;kratischer Selbstverwaltungsorgane, die Enteignung der Kriegsverbrecher und Nazibonzen und die Schaffung eines Blocks von antifaschistisch-demokratischen Parteien. Wie dieser Ansatz endete, wissen wir. </p>
<p>Nach dem Beginn der Sendungen stellt sich nun die Aufgabe, alle Teile der sowjetischen Besatzungszone mit dem Rundfunkprogramm des Berliner Rundfunks zu erreichen. Und das bedeutet nat&uuml;rlich den Aufbau eines Sendernetzes. </p>
<p>Am 29. August 1945 &uuml;bertr&auml;gt der Sender Leipzig erstmals probeweise das Programm aus Berlin, der regul&auml;re Sende&shy;betrieb beginnt am 15. September. In Magdeburg geht ein schwacher Gleichwellensender in Betrieb und am 15. Novem&shy;ber beginnt ein 300-Watt-Mittelwellensender in Weimar mit der Ausstrahlung des Berliner Programmes. Dresden beginnt am 7. Dezember, Schwerin am 24. Dezember und der Langwellensender K&ouml;nigs Wusterhausen am 25. Dezember mit der Ausstrahlung des Berliner Rundfunks. So stehen am Ende des Jahres 1945 sieben Sender f&uuml;r die Ausstrahlung des neuen Rundfunks zur Verf&uuml;gung. </p>
<p>Am 21. Dezember 1945 unterstellt der Stellvertreter des Leiters der Propagandaabteilung der Sowjetischen Milit&auml;radministration in Deutschland (SMAD), Oberst Tulpanow, den gesamten Rundfunk der Zentralverwaltung f&uuml;r Volks&shy;bildung, die am 10. August 1945 gebildet worden ist. Gleichzeitig beginnen Vorbereitungen, neben den Funkh&auml;usern in Berlin und Leipzig, in dem schon seit dem 22. Septem&shy;ber 1945 eine Au&szlig;enstelle des Berliner Rundfunks besteht, in allen Landesteilen selbst&auml;ndige Landessender in Betrieb zu nehmen. Diese Landessender in Dresden, Halle, Schwerin und Weimar sollen die deutschen Verwaltungen unterst&uuml;tzen und die Autorit&auml;t der Landesregierungen st&auml;rken. </p>
<p>Ein Rundfunkstudio in Weimar ist am 1. Dezember 1945 feierlich eingeweiht worden und am 1. Januar 1946 sagt der Berliner Rundfunk erstmals den Landessender Weimar als angeschlossene Station an. </p>
<p>Die erste Sendung des Dresdener Senders geht am 7. Dezember &uuml;ber den &Auml;ther. Dieser Tag ist der Geburtstag des Mitteldeutschen Rundfunks mit Sendern in Dresden und Leipzig. Die Sendungen bestehen zun&auml;chst aus 15 bis 20 Minuten Nachrichten aus dem mitteldeutschen Raum. Damit ist der Mitteldeutsche Rundfunk die zweite Senderkette, die in der Sowjetischen Besatzungszone ein Programm ausstrahlt, das keine &Uuml;bernahme aus Berlin ist. </p>
<p> Vom ersten Tage des Bestehens des Senders Schwerin gibt es auch Sendungen des Landessenders Schwerin. </p>
<p>Am 20. Juni 1946 spricht um 6.20 Uhr der Vizepresident der Provinzialverwaltung der Mark Brandenburg, Heinrich Rau, die Er&ouml;ffnungsworte des Landessenders Potsdam. </p>
<p>Die Gr&uuml;ndungsphase der f&uuml;nf Landessender wird abgeschlossen, als am 24. Dezember 1946 der Landessender Halle sein erstes Programm ausstrahlt. Mit der Inbetriebnahme des Senders Bernburg wird der zu schwache Gleichwellensender in Magdeburg abgeschaltet. </p>
<p>In der Folge werden leistungsf&auml;higere Sender aufgebaut und einige Landessender ziehen in bessere Funkh&auml;user um. Ab 1947 werden die Sendekapazit&auml;ten ausgebaut und weitere Sender in Betrieb genommen, so Leipzig II, der das Programm des Berliner Rundfunks &uuml;bernimmt. </p>
<p>Am 3. Oktober 1948 beginnen die Sendungen des Deutsch&shy;landsenders, der sich an H&ouml;rerinnen und H&ouml;rer in &quot;ganz Deutschland&quot; wendet &#8211; die Wiedervereinigung ist noch Ziel der DDR-Politik. </p>
<p>Die Zeit der eigenst&auml;ndigen Landessender, die relativ unabh&auml;ngig von der Zentrale in Berlin ihre Programme produzieren k&ouml;nnen &#8211; wenn auch immer unter der Kontrolle der Staatsorgane -, w&auml;hrt jedoch nicht lange. Schon bald nach der Gr&uuml;ndung der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1949 wird ein Kurs der Zentrali&shy;sierung eingeschlagen, der seinen H&ouml;hepunkt in der Auf&shy;l&ouml;sung der L&auml;nder und der Schaffung von Regierungsbe&shy;zirken findet. </p>
<p>Von dieser Zentralisierung wird auch der Rundfunk nicht verschont. Im September 1952 werden alle Landessender, der Deutschlandsender und der Berliner Rundfunk zum Deutschen Demokratischen Rundfunk zusammengeschlossen. </p>
<p>Ab dem 7. September 1952 gibt es nur noch drei Programme, die zentral in Berlin produziert werden. Die westdeutsche Zeitschrift &quot;Rundfunk und Fernsehen&quot; nennt in der Mitte der 50er Jahre die drei Programme Berlin I, Berlin II und Berlin III. </p>
<p>Bei Berlin I handelt es sich um den Deutschlandsender, der sein &quot;gesamtdeutsches Kampfprogramm&quot; ausstrahlt &uuml;ber die Mittelwellensender Berlin-K&ouml;penick (220 kW &#8211; 782 kHz), Schwerin (20 kW &#8211; 728 kHz), Erfurt (20 kW -801 kHz) und &uuml;ber die Kurzwellensender in K&ouml;nigs Wusterhausen auf 6115 und 7150 kHz. Dar&uuml;berhinaus ist in Berlin der UKW-Sender 94,5 MHz in Betrieb. </p>
<p>Bei Berlin II d&uuml;rfte es sich um einen Vorl&auml;ufer des sp&auml;ter startenden Radio DDR handeln. Das Programm be&shy;handelt &quot;Fragen des Marxismus-Leninismus&quot; und das &uuml;ber den Langwellensender K&ouml;nigs Wusterhausen (100 kW &#8211; 185 kHz) und &uuml;ber die Mittelwellensender Dresden I (2 kW &#8211; 910 kHz), Dresden II (2 kW &#8211; 1016 kHz) und Bernburg (20 kW -1196 kHz). </p>
<p>Der &quot;Pflege des Nationalen Kulturerbes&quot; widmet sich das Programm von Berlin III, wobei es sich hier um den Berliner Rundfunk handeln d&uuml;rfte. Neben dem Berliner UKW-Sender 92,5 MHz l&auml;uft Berlin III &uuml;ber die Mittel&shy;wellensender Leipzig I (70 kW &#8211; 1042 kHz), Plauen (20 kW -1484 kHz), Potsdam (20 kW &#8211; 1570 kHz) und &uuml;ber den Kurz&shy;wellensender Leipzig II auf 9730 kHz. </p>
<p> In der Woche vom 21.9. bis zum 27.9.1952 sah der Anteil von Wort- und Musiksendungen bei den Programmen der DDR so aus:   </p>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left">
<tbody>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin I</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin II</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin III</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" style="vertical-align: top; text-align: left">Wortsendungen</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">3072 Min.</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">3072 Min.</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">3439 Min.</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">38,06%</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">37,65%</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">30,71%</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" style="vertical-align: top; text-align: left">Musiksendungen</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">4891 Min.</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">5101 Min.</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">5477 Min.</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">59,50%</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">63,44%</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">67,61%</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>	   Die Bezeichnung &quot;Berlin I/II/III&quot; ist ansonsten ungebr&auml;uchlich. </p>
<p>Seit dem 14. August 1952 unterstehen alle Rundfunksender in der DDR dem Staatlichen Komitee f&uuml;r Rundfunk, dessen Vorsitzender bis zum 1. August 1958 Kurt Hei&szlig; (nat&uuml;rlich SED) ist. Er wird von Prof. Herman Ley abgel&ouml;st. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Deutschlandsender</h1>
<div align="center"><img decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-794" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_deutschlandsender.gif" hspace="6" alt="Deutschlandsender" title="Deutschlandsender" border="0" style="float: left;" width="79" height="150" /></div>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left">
<tbody>
<tr>
<td rowspan="15" style="text-align: left; vertical-align: top"><span style="font-weight: bold">Sender (1968):</span></td>
<td rowspan="9" style="text-align: left; vertical-align: top">UKW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Sonneberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">94,2 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Schwerin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">95,25 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Leipzig</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">96,6 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Marlow</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">96,65</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dequede</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">96,9 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Karl-Marx-Stadt</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,05 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Inselsberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,15 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Brocken</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,4 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin-K&ouml;penick</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,65 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">3 kW</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="3" style="text-align: left; vertical-align: top">MW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Burg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">782 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">250 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Schwerin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">728 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">250 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Suhl</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">692 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">250 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">LW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">K&ouml;nigs Wusterhausen</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">185 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">200/1000 kW</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">KW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">6115 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">7185 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">5 kW</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p> Der Deutschlandsender ist als &quot;gesamtdeutsches Kampfpro&shy;gramm&quot; konzipiert und wendet sich sowohl an H&ouml;rer in der DDR als auch in der Bundesrepublik. Sein Sendestart ist am 3. Oktober 1948 als zweites Programm f&uuml;r die gesamte damalige Sowjetische Besatzungszone. </p>
<p> Die &quot;S&uuml;ddeutsche Zeitung&quot; schreibt &uuml;ber die Programme des Deutschlandsenders: </p>
<p>&quot;Der Deutschlandsender besteht seit 1949. Seitdem funkte er t&auml;glich 24st&uuml;ndig &uuml;ber Lang-, Mittel- und Kurzwelle Agitationsnachrichten gen Westen, gest&uuml;tzt auf Berichte von Korrespondenten, die mehr im tr&uuml;ben denn im Licht der Bundesrepublik fischten. Seine &#39;operative&#39; Arbeit hatte rein subversiven Charakter. Gelenkt vom Zentralkomitee der SED, &#39;westlich&#39; aufgemacht, versuchte der Deutschlandsender Meinung zu manipulieren, ohne R&uuml;cksicht auf den Wahrheitsgehalt der Nachricht. <br />(&#8230;) Nie scheut man vor l&uuml;gen&shy;haften Verdrehungen zur&uuml;ck. Ein Meister dieser Taktik ist der Chefkommentator Karl-Eduard von Schnitzler. Er ist der geisti&shy;ge Urheber der antiwestlichen Argumentation. Ihm kam nur noch der zeitweilige Vorsitzende des Rundfunkkomitees, Gerhart Eisler, gleich. Der inzwischen gestorbene Agitator nannte bei&shy;spielsweise Adenauer einen &#39;l&auml;cher&shy;lichen, b&ouml;sartigen Zwerg&#39;, den ehemaligen NATO-General Norstad einen &#39;niedertr&auml;chtigen Halunken&#39;, wie &uuml;berhaupt seiner Meinung nach in Bonn nur &#39;politische Mi&szlig;geburten&#39; sa&szlig;en. <br />Der Stil hat sich inzwischen ein wenig gewandelt. Man gibt sich sach&shy;licher, doch nicht ohne Sch&auml;rfe. Der H&ouml;rer wird stets h&ouml;flich begr&uuml;&szlig;t: &#39;Einen wundersch&ouml;nen Abend w&uuml;nsche ich Ihnen, meine H&ouml;rerinnen und H&ouml;rer.&#39; Oft werden Heine und Goethe strapaziert. Auch das Funktion&auml;rsdeutsch ist aus den Nachrichten und Kommentaren ver&shy;schwunden. Morgens &#39;leichtes Fr&uuml;hpro&shy;gramm&#39;, vormittags Jugend-, Schul- und Kinderfunk sowie Sendungen f&uuml;r die Hausfrau.&quot; (SZ, 8. 11. 1971) </p>
<p>Bei seinem Sendestart kriegt der Deutschlandsender seinen Auftrag mitgeteilt. Danach soll er als einziger Sender, der in ganz Deutschland geh&ouml;rt werden kann, vor allem an die westdeutschen H&ouml;rer wenden. &quot;In seiner Aufkl&auml;rungs&shy;arbeit&quot;, hei&szlig;t es in dem Programmauftrag, &quot;bek&auml;mpft er die L&uuml;genhetze und widerlegt sie durch Tatsachen aus dem Leben der Werkt&auml;tigen im &ouml;stlichen Deutschland.&quot; Eine seiner ersten Sendungen hei&szlig;t &quot;Wir sprechen f&uuml;r Westdeutschland&quot;, Gru&szlig;sendungen wie &quot;Von Hafen zu Hafen&quot; oder &quot;F&uuml;r die Kumpel an Ruhr und Saar&quot; sollen Einflu&szlig; auf die Menschen in der Bundesrepublik nehmen. Die &quot;S&uuml;ddeutsche Zeitung&quot; schreibt in ihrem bereits oben zitierten Artikel weiter: </p>
<p>&quot;Lange Zeit verstand er sich als Parteisender der KPD. Nie verheimlichte er, da&szlig; er die Abl&ouml;sung der Gesell&shy;schaftsordnung in der Bundesrepublik vorbereiten sollte. Keine Unruhe war ihm zu klein, keine Unzufriedenheit zu gering, um sie nicht politisch auszuschlachten. Seine Korrespondenten vermittelten stets ein d&uuml;steres Bild der Zerrissenheit und des gesellschaft&shy;lichen Niedergangs in der Bundesrepublik. Reportagen von Demonstrationen und Kundgebungen, von Streiks und Preisbe&shy;wegungen wurden tagelang hintereinander wiederholt, so da&szlig; der Eindruck ent&shy;stehen mu&szlig;te, als sei die Unruhe in der Bundesrepublik ein Dauerzustand.&quot; </p>
<p> Pausenzeichen des Deutschlandsenders ist die Auftaktmelodie zu Wagners Meistersingern. </p>
<p>Ein Beispiel f&uuml;r die Sendungen des Deutschlandsenders ist eine Sondersendung &uuml;ber die Osterm&auml;rsche, die am Ostermontag 1966 ausgestrahlt wird: </p>
<p> <em>&quot;Guten Abend, meine H&ouml;rer. Der gro&szlig;e Marsch der Vernunft geht zu Ende. In den heutigen Nachmittagsstunden fanden in dreizehn gro&szlig;en St&auml;dten der Bundesrepublik mmachtvolle Abschlu&szlig;kundgebungen statt. Wir werden im Verlaufe dieser Sendung davon berichten. 145.000 waren dabei. So die offizielle Zahl der Kampagne f&uuml;r Abr&uuml;stung, die wir soeben erhielten. Die Anziehungs&shy;kraft der Ideen des Ostermarsches hat sich also auch in diesem Jahr, 1966, erneut bewiesen. (&#8230;) Zu den Tausenden, die unterwegs waren, gesellten sich ausl&auml;ndische Atomwaffen&shy;gegner: Belgier, Amerikaner, Franzosen, Griechen, Spanier&#8230;, wer z&auml;hlt die V&ouml;lker, nennt die Namen? Junge Franzosen verteilten w&auml;hrend des Marsches rote Freundschaftsnelken. In Heidelberg fanden sich am Sonntag&shy;abend amerikanische, spanische, japa&shy;nische und deutsche Studenten zusammen, sangen ihre Lieder. Im Ruhrgebiet marschierte der Sohn Willy Brandts, Peter Brandt, im Zug der Demonstranten mit. Was sich vor dem Marsch mit der Unterzeichnung des Aufrufes schon andeutete, unter den 10.000 SPD-Mit&shy;gliedern waren 14 Landtagsabgeordnete, die mit ihrer Unterschrift die Ziele der Kampagne f&uuml;r Abr&uuml;stung unterst&uuml;tzten, was sich, wie gesagt, vor dem Marsch andeutete, das fand w&auml;hrend der Ostertage nun seine Best&auml;tigung. Der Ostermarsch 1966 war eine Demonstration der friedliebenden Menschen in der Bundesrepublik, einer Macht, die dem Atomstreben einiger Herren in Bonn ein lautstarkes Veto entgegensetzt.&quot;</em> </p>
<p> Ein weiteres Beispiel ist die Sendung <em>&quot;Denken ist die erste B&uuml;rgerpflicht &#8211; eine Sendereihe des Deutschlandsen&shy;ders f&uuml;r westdeutsche H&ouml;rer&quot;</em>. Ebenfalls am Ostermontag 1966 klang das so: </p>
<p> <em>&quot;Von einer Gruppe sozialdemokratischer Genossen, die sich in der Woche vor Ostern in der Hauptstadt der DDR aufhielten, wurde der Briefwechsel zwischen SPD und SED lebhaft begr&uuml;&szlig;t. Sie stimmten zu, da&szlig; im Mittelpunkt der Gespr&auml;che zwischen beiden Parteien die Kernfragen der deutschen Politik stehen m&uuml;ssen. Doch hielten es einige von ihnen gleichzeitig f&uuml;r opportun, da&szlig; der SPD-Fraktionsvorsitzende Fritz Erler bei seinen Unterredungen in Washington eine nukleare Teilhabe der Bundesrepublik bef&uuml;rwortet hat.</em> (&#8230;) <br /><em>Der stellvertretende SPD-Vorsitzende, Erler, hat nun sogar ge&auml;u&szlig;ert, da&szlig; ein wiedervereinigtes Deutschland nicht neutral sein, sondern sich an den Westen anlehnen solle. Damit macht er es uns mehr als schwer, einen Unterschied zwischen seiner Auffassung und den Eroberungspl&auml;nen zu entdecken, wie sie von Erhardt oder von Rassel im Namen der westdeutschen Imperialisten vorgetragen werden. Erler geht offensichtlich davon aus, da&szlig; die sozialistische DDR liquidiert werden m&uuml;sse. Damit widerspricht er der in der offenen Antwort der SPD gegebenen Zusicherung: &#39;Eine L&ouml;sung der Deutschlandfrage, von der abh&auml;ngt, da&szlig; Europa zum Frieden kommt, wird aber erst dann und nur dann m&ouml;glich werden, wenn keine poli&shy;tische Partei einer anderen politischen Partei unter Ausnutzen von Gewalt ihre Auffassung aufzwingt.&#39; <br />Wir sind jedoch nach wie vor davon &uuml;berzeugt, da&szlig; auch die Mehrheit der Sozialdemokraten alles getan w&uuml;nscht, damit kein neuer Krieg von deutschem Boden ausgeht.&quot;</em> </p>
<p> Der Deutschlandsender hat ausgedient, als sich die DDR immer weiter gegen den Westen abschottet und das Ziel der Wiedervereinigung zu den Akten gelegt wird. Im Rahmen einer gr&ouml;&szlig;eren Umstrukturierung stellt der Deutschlandsender am 14. November 1971 seine Sendungen ein &#8211; zu&shy;sammen mit der Berliner Welle. Aus ihnen entsteht am darauffolgenden Tag die Stimme der DDR. </p>
<p>Erst nach der Wende im November 1989 erh&auml;lt die Stimme der DDR wieder den alten Namen Deutschlandsender, als die Mitarbeiter des Senders &#8211; von den Fesseln gel&ouml;st &#8211; dem deutsch-deutschen einsetzenden Vereinigungsproze&szlig; Rechnung tragen wollen. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Berliner Welle</h1>
<div align="center"><img decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-795" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_berlinerwelle.gif" hspace="6" alt="Berliner Welle" title="Berliner Welle" border="0" style="float: left;" width="75" height="61" /></div>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left">
<tbody>
<tr>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">Sender (1968):</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">UKW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin-K&ouml;penick</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">99,7 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">MW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin-K&ouml;penick</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1358 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">50 kW</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Die Berliner Welle ist das Berliner Gegenst&uuml;ck des Deutschlandsenders. W&auml;hrend dieser sich vornehmlich an H&ouml;ror in der Bundesrepublik wendet, sendet die Berliner Welle f&uuml;r Menschen in Westberlin. </p>
<p>Auch in der Programmstruktur ist die Berliner Welle mit dem Deutschlandsender vergleichbar, da auch sie ihr Programm in westlichem Stil pr&auml;sentiert und besonders Berichte von Westberliner Widerstandsaktionen sendet. </p>
<p>Am 14. November 1971 &#8211; dem gleichen Tag wie &#8211; dem gleichen Tag wie der Deutschlandsender &#8211; stellt die Berliner Welle ihren Betrieb ein. Am n&auml;chsten Tag meldet sich auf ihren Frequenzen, wie auch auf den Wellen des Deutschlandsenders, die bis zur Wende sendende Stimme der DDR.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Berliner Rundfunk</h1>
<div align="center"><img loading="lazy" decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-796" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_berlinerrundfunk.gif" hspace="6" alt="Berliner Rundfunk" title="Berliner Rundfunk" border="0" style="float: left;" width="79" height="66" /></div>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left">
<tbody>
<tr>
<td rowspan="15" style="vertical-align: top; text-align: left">Sender (1968):</td>
<td rowspan="10" style="text-align: left; vertical-align: top">UKW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Karl-Marx-Stadt</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">89,8 MHz</td>
<td rowspan="10" valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dresden</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">90,1 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Inselsberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">90,2 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Leipzig</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">90,4 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">91,4 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Brocken</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">91,55 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Sonneberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">91,7 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Marlow</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">93,5 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Schwerin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">98,55 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dequede</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">98,9 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="5" style="text-align: left; vertical-align: top">MW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Karl-Marx-Stadt</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">602 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin-K&ouml;penick</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">611 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">500 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Potsdam</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">656 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Reichenbach</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">917 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Plauen</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1079 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>  Der Berliner Rundfunk ist der &auml;lteste Rundfunksender der DDR und sendet seit dem 13. Mai 1945, f&uuml;nf Tage nach Kriegsende. </p>
<p> Nachdem mit dem Fortschreiten des Ausbaus des DDR-Sen&shy;dernetzes weitere Programme f&uuml;r die Information &uuml;ber das Geschehen in der DDR und f&uuml;r die DDR-weite Propa&shy;ganda der SED und ihrer Blockparteien CDU, LDPD, NDPD und DBD genutzt werden k&ouml;nnen, entwickelt sich der Ber&shy;liner Rundfunk immer mehr zu einem Berliner Regional&shy;sender, der nichtsdestotrotz im gesamten DDR-Gebiet ausgestrahlt wird. </p>
<p>Im Gegensatz zu den Informationssendern Berliner Welle und Deutschlandsender ist der Berliner Rundfunk zum einen mehr auf die Unterhaltung eingestellt und beschr&auml;nkt sich zudem haupts&auml;chlich auf die Berichterstattung aus der DDR. Die H&ouml;rer im Westen peilt man nicht an, was schon durch die Frequenzwahl deutlich wird (im Gegensatz zum Deutschlandsender keine Kurzwellen). </p>
<p>Der Berliner Rundfunk hat ein ausgepr&auml;gtes Jugendprogramm, das praktisch als Sendung des Zentralrates der FDJ be&shy;zeichnet werden kann. Ab dem Deutschlandtreffen 1964 und den damit verbundenen ausgeweiteten Jugendsendungen hei&szlig;en die Programme Jugendstudio DT 64 und werden mehrere Stunden t&auml;glich &uuml;ber die Sender geschickt. </p>
<p>Wie alle Sender der DDR propagiert nat&uuml;rlich auch der Berliner Rundfunk die offizielle Politiklinie. So hei&szlig;t es in einem Kommentar &#8211; gesprochen von Chefkommentator Karl-Eduard von Schnitzler -, als in Berlin und der gesamten DDR Arbeiter gegen Normerh&ouml;hungen auf die Stra&szlig;e gehen, am 17. Juni 1953: </p>
<p> <em>&quot;Amerikanische Offiziere in voller Uniform dirigierten mitten in der Demonstration Unter den Linden die faschistischen Trupps zur Aufwiegelung der Bev&ouml;lkerung. Aus amerikani&shy;schen Funkwagen wurde diesen faschist&shy;ischen Banden Weisung erteilt. Aus amerikanischen Flugzeugen wurden &uuml;ber dem demokratischen Sektor Flug&shy;bl&auml;tter abgeworfen mit der Aufforderung zum Aufruhr und zur Fortsetzung des Streiks. &Uuml;ber die Sektorengrenze wollten die Provokateure vorgestern den Zug der Bauarbeiter f&uuml;hren. Das gelang ihnen nicht. &Uuml;ber die Sekto&shy;rengrenze schlie&szlig;lich verschleppten Burschen mit halblangen Ami-Hosen und bunten Texas-Hemden den greisen aber ungebrochenen Stellvertreter des Ministerpr&auml;sidenten, Otto Nuschke. Wir sind Zeugen des Versuchs geworden, einen Anschlag auf den Frieden zu unternehmen, eine internationale Verwicklung herbeizuf&uuml;hren. Mit dem Einzug sowjetischer Panzer in die Stra&szlig;en des demokratischen Sektors ist nach der Verwirrung der f&uuml;r Stun&shy;den aufgewiegelten Werkt&auml;tigen, nach den Ausschreitungen des faschistischen P&ouml;bels und der Gefahr von Zwischen&shy;f&auml;llen, die das Pulverfa&szlig; Berlin und damit Deutschland erneut zum Ausgangspunkt eines Krieges h&auml;tte machen k&ouml;nnen, das Element der Ruhe eingezogen, die feste, &ouml;ffentliche Ordnung.&quot;</em> </p>
<p> Im Laufe der Zeit entwickelt sich der Berliner Rundfunk immer mehr zu einem kulturellen Sender der DDR, immer von der Warte der Hauptstadt aus berichtend.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Radio DDR</h1>
<div align="center"><img loading="lazy" decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-797" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_radioddr.gif" hspace="6" alt="Radio DDR" title="Radio DDR" border="0" style="float: left;" width="79" height="79" /></div>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left">
<tbody>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Sender (1968)</td>
<td colspan="3" valign="middle" style="text-align: left">Radio DDR 1</td>
<td colspan="2" valign="middle" style="text-align: left">Radio DDR 2</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="13" style="text-align: left; vertical-align: top">UKW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Inselsberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">87,85 MHz</td>
<td rowspan="8" valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">92,55 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Marlow</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">88,25 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">91,05 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Leipzig</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">88,45 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">93,85 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Brocken</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">88,95 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">94,6 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Schwerin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">89,2 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">92,75 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dequede</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">89,4 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">94,9 MHz</td>
<td rowspan="3" valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">95,8 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,05 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Helpterberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">95,95 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Reinsberg</td>
<td colspan="2" rowspan="5" valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">90,5 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dresden</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">92,25 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Karl-Marx-Stadt</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">92,85 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">G&ouml;rlitz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">95,4 MHz</td>
<td rowspan="2" valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Cottbus</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">98,6 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="10" style="text-align: left; vertical-align: top">MW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Schwerin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">529 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">220 kW</td>
<td colspan="2" rowspan="10" valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Greifswald</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">557 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">5 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Leipzig</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">575 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">120 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Erfurt</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">629 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Cottbus</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">746 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">881 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dresden</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1043 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">220 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Suhl</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1052 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Seelow</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1546 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">5 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Bernburg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1570 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">20 kW</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p> Reine Inlandsprogramme ohne Ausrichtung auf den Westen sind Radio DDR l und Radio DDR 2. Sie sind f&uuml;r Aufgaben wie regionale Berichterstattung, ernste Musik und Schulfunk sowie f&uuml;r ausf&uuml;hrliche Berichte &uuml;ber Paraden und Massenaufm&auml;rsche von SED und DDR-Staatsinstitutionen zust&auml;ndig. </p>
<p>Im Rahmen von Radio DDR l finden wir leichte Musik, Nachrich&shy;ten und andere Informationssendungen sowie Magazine. Das Programm von Radio DDR l ist &#8211; &auml;hnlich wie das des Berliner Rundfunks, aber f&uuml;r das gesamte DDR-Gebiet &#8211; auf Unterhal&shy;tung ausgerichtet, die die Botschaft &#8211; die Politik der DDR &#8211; transportieren soll. Wie in allen Rundfunkprogrammen der DDR &#8211; ausgenommen nat&uuml;rlich die Geheimsender &#8211; mu&szlig; auch im Radio DDR l der Anteil inl&auml;ndischer Musik am Musik&shy;programm die H&auml;lfte betragen. Rock-, Jazz-, Beat- und andere westliche Musik ist ohnehin als &quot;bourgeois&quot; und &quot;imperialistisch&quot; verp&ouml;nt. </p>
<p>Radio DDR 2 strahlt &uuml;ber seine Sender am Vormittag die Sendungen der Regionalsender der DDR aus. Es sind dies: der Sender Rostock, der Sender Schwerin, der Sender Neu&shy;brandenburg, der Sender Potsdam, der Sender Frankfurt/Oder, die Sender Magdeburg und Halle, der Sender Cottbus, der auch Sendungen in sorbischer Sprache f&uuml;r die in diesem Bezirk lebende sorbische Minderheit ausstrahlt, der Sender Leipzig, der Sender Dresden, der Sender Karl-Marx-Stadt und schlie&szlig;lich der Sender Weimar mit dem ihm angeschlos&shy;senen Studio Gera. Alle Regionalsendungen bestehen fast ausschlie&szlig;lich aus Regionalnachrichten und Geburtstags&shy;gru&szlig;- und Wunschkonzertsendungen. </p>
<p>In den Schulfunksendungen wird viel Wert auf die Vermitt&shy;lung der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung ge&shy;legt. Besonders die Leben deutscher kommunistischer F&uuml;hrer werden beleuchtet, beispielsweise Rosa Luxemburg und Ernst Th&auml;lmann &#8211; wobei Schwachpunkte und Fehler dieser &quot;genialen F&uuml;hrer&quot; verharmlost, ganz verschwiegen oder als &quot;den ge&shy;schichtlichen Bedingungen entsprechend&quot; abgehandelt werden, wenn sie nicht der damaligen &quot;jugendlichen Unerfahrenheit&quot; oder der &quot;noch nicht gefestigten Ideologie&quot; zugeschrieben werden. </p>
<p>Ansonsten ist Radio DDR 2 vor allem der Sender f&uuml;r ernste Musik &#8211; wenn nicht gerade zum 1. Mai stundenlang alte Arbeiterkampflieder gespielt werden. Besonders beliebt dabei: &quot;Die Partei, die Partei, die hat immer Recht&quot;. </p>
<p>Ist Radio DDR 2 zun&auml;chst noch ein Erg&auml;nzungsprogramm zu Radio DDR l so wird es im Laufe der Zeit immer weiter zu einem eigenst&auml;ndigen Vollprogramm ausgebaut. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Radio DDR Ferienwelle</h1>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left">
<tbody>
<tr>
<td rowspan="7" style="text-align: left; vertical-align: top">Sender (1985)</td>
<td rowspan="3" style="text-align: left; vertical-align: top">UKW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Marlow</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">91,05 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Schwerin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">88,55 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Putbus</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">88,6 MHz</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="4" style="text-align: left; vertical-align: top">MW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Rostock</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">558 kHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Neubrandenburg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">558 kHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Putbus</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">729 kHz</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">G&uuml;strow</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1602 kHz</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p> Ab dem 1. Mai 1967 sendet die Radio DDR Ferienwelle allj&auml;hrlich zwischen dem &quot;Internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeiterklasse&quot; und dem 1. September, dem Ende der DDR-weiten Sommerferien, ein Unterhaltungs&shy;programm f&uuml;r die Urlauber an der Ostseek&uuml;ste. Neben viel Musik gibt es auf der Ferienwelle nat&uuml;rlich auch die Nachrichten mit den diversen Plan(&uuml;ber)erf&uuml;llungen und Selbstverpflichtungen. Ab 1973 gibt es auch Infor&shy;mationen in polnischer und tschechischer Sprache. </p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-798" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_qsl_ferienwelle.gif" hspace="6" alt="QSL-Karte der Radio DDR Ferienwelle" title="QSL-Karte der Radio DDR Ferienwelle" border="0" style="float: left;" width="400" height="280" />&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Deutscher Freiheitssender 904 </h1>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left; width: 100%">
<tbody>
<tr>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">Sender:</td>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">MW</td>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">Burg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">904 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">m&ouml;glicherweise auch: 908 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">250 kW</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p> Der Deutsche Freiheitssender 904 ist eine Rundfunksta&shy;tion der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und sendet seit deren Verbot am 18. August 1956. Der Frei&shy;heitssender gibt vor, von einem illegalen Sender inner&shy;halb der Bundesrepublik betrieben zu werden, l&auml;uft aber &uuml;ber den Mittelwellensender Burg bei Magdeburg mit einer Sendeleistung von 100 kW (andere Angaben sprechen von einer Sendeleistung von 250 kW und der Frequenz 908 kHz). </p>
<p>Mit einem auf die Frequenz gelegten Brummton soll bei den H&ouml;rern der Eindruck erweckt werden, die Bundesregie&shy;rung versuche, den Freiheitssender zu st&ouml;ren. Auch wer&shy;den in der Anfangszeit des Sendebetriebes manchmal die Sendungen mit dem Hinweis unterbrochen, man m&uuml;sse kurz abschalten, da ein Peiltrupp der Bundespost vor der T&uuml;r stehe oder um den Standort zu wechseln. </p>
<p>In den Sendungen werden verschl&uuml;sselte Durchsagen ge&shy;bracht. Bis heute ist umstritten, ob es sich dabei tat&shy;s&auml;chlich um Durchsagen f&uuml;r KPD-Gruppen im Untergrund handelt, oder ob diese Durchsagen eher ein Reklamegag des Senders sind. So hei&szlig;t es am 22. April 1959: </p>
<p> <em>&quot;Hier ist der Deutsche Freiheitssender 904. Achtung, wir melden uns mit einer wichtigen Durchsage: Wir rufen den Stellvertreter von Drosselbart. Die Karawane trifft zwei Stunden fr&uuml;her ein. Besondere Ma&szlig;nahmen nicht er&shy;forderlich. Ende der Durchsage.&quot;</em> </p>
<p> Auch in den Beitr&auml;gen versucht der Freiheitssender immer wieder den Eindruck zu erwecken, seine Mitarbeiter be&shy;f&auml;nden sich nicht im Exil in der DDR, sondern h&auml;tten st&auml;ndigen Kontakt mit der westdeutschen Bev&ouml;lkerung: </p>
<p> <em>&quot;Als ich mich gestern nachmittag im Hamburger Stadtpark auf einer Bank ein wenig vom Getriebe der Stadt ver&shy;schnaufen wollte, kam ich mit einem vielleicht zwanzigj&auml;hrigen &#8211; wie sich sp&auml;ter herausstellte &#8211; Motorenschlos&shy;ser ins Gespr&auml;ch. Wir unterhielten uns gerade &uuml;ber die Vor- und Nachtei&shy;le seiner ziemlich neuen DKW-Maschine, als ein Unteroffizier und ein Gefreiter in Bundeswehruniform an uns vor&uuml;ber&shy;gingen.&quot;</em> </p>
<p> Die Sendezeiten des Freiheitssenders werden mehrfach ge&auml;ndert. So wird angesagt: </p>
<p> <em>&quot;Hier ist der Deutsche Freiheitssen&shy;der 904! Wir senden morgens von 5 bis 6 Uhr und abends um 19 Uhr, um 21 Uhr und um 22 Uhr.&quot;</em> </p>
<p> Dagegen hei&szlig;t es in einer Untergrundschrift der KPD, da&szlig; der Freiheitssender um 4.30 Uhr, 5.00 Uhr, 5.30 Uhr&laquo; 19.00 Uhr, 21.00 Uhr und 22.30 Uhr senden w&uuml;rde. </p>
<p>Im Gegensatz zu allen offiziellen DDR-Rundfunksendern &#8211; mit Ausnahme der f&uuml;r Westdeutschland bestimmten Sen&shy;dungen des Deutschlandsenders &#8211; ist das Programm de&laquo; Freiheitssenders sehr &quot;westlich&quot; aufgemacht. In der DDR verp&ouml;nte Jazz- und Tanzmusik geht &uuml;ber den &Auml;ther. </p>
<p>Bevor wegen des Erfolges des Freiheitssenders bei jun&shy;gen Soldaten sein Kollege, der Deutsche Soldatensender, seinen Betrieb aufnimmt, wendet sich 904 vor allem an die Bundeswehr. Dabei verbl&uuml;fft er &#8211; wie sp&auml;ter der Soldatensender &#8211; durch eine detaillierte Kenntnis von Vorg&auml;ngen in den Kasernen. </p>
<p>Nachdem der Soldatensender seinen Betrieb aufgenommen hat, kann sich 904 mehr um die Zivilbev&ouml;lkerung k&uuml;m&shy;mern. So setzt man sich sehr f&uuml;r die Mobilisierung zu den DGB-Demonstrationen am 1. Mai ein, so 1966: </p>
<p> <em>&quot;Es ist 5.30 Uhr, halb sechs. Hier ist der Deutsche Freiheitssender 904, der einzige Sender der Bundesrepublik, der nicht unter Regierungskontrolle steht. <br />F&uuml;r die H&ouml;rer, die sich erst jetzt eingeschaltet haben, einen Blick auf den Kalender: Heute ist Sonntag, der 1. Mai 1966, internationaler Kampf&shy;und Feiertag der Arbeiterklasse. In unserer Fr&uuml;hsendung h&ouml;ren Sie nun als n&auml;chstes Informationen. <br />Wie &uuml;berall in der Welt, r&uuml;sten sich auch in der Bundesrepublik in diesen Stunden die Arbeiter zu den Maikund&shy;gebungen und Demonstrationen der Ge&shy;werkschaften. Allein in Bayern finden heute 500 Maiveranstaltungen des DGB statt. In Baden-W&uuml;rttemberg und Nieder&shy;sachsen werden je 200 Maikundgebungen durchgef&uuml;hrt. <br />Eine scharfe Absage an die Ma&szlig;halte&shy;forderungen des Bundeskanzlers und sein Verlangen nach Mehrarbeit erhob gestern auf der Maifeier des DGB-Kreises Dinslaken der zweite Vorsitzende der IG Bergbau und Energie, Heinz Vetter. &#8230;&quot;</em> </p>
<p> Als Adresse gibt der Freiheitssender ein Wiener Postfach an. Viele Briefe, die an diese Adresse gehen, werden von der &ouml;sterreichischen Post allerdings zur&uuml;ckgeschickt. Massive Drohungen sind auch &uuml;ber 904 kHz zu h&ouml;ren: </p>
<p> <em>&quot;Wer sich in die Dienste der Bonner Schn&uuml;ffelzentralen begibt oder an deren Verfolgung aufrechter K&auml;mpfer f&uuml;r Frieden, Demokratie und gesellschaftlichen Fortschritt teilnimmt, mu&szlig; wissen, da&szlig; er als Volksfeind und Verr&auml;ter betrachtet und schlie&szlig;lich auch zur Verantwort gezogen werden wird.&quot;</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Deutscher Soldatensender</h1>
<div align="center"><img loading="lazy" decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-799" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_soldatensender.gif" hspace="6" alt="Deutscher Soldatensender" title="Deutscher Soldatensender" border="0" style="float: left;" width="79" height="96" /></div>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left; width: 100%">
<tbody>
<tr>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">Sender:</td>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">MW</td>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">Burg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">935 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">m&ouml;glicherweise auch: 250 kW</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p> Der Deutsche Soldatensender wird in Betrieb genommen, als der gro&szlig;e Erfolg des Deutschen Freiheitssenders 904 bei Soldaten der Bundeswehr bekannt wird. Im Sep&shy;tember 1960 geht die erste Sendung des DSS &uuml;ber den &Auml;ther. Ausgestrahlt werden die Sendungen von Freiheitssender und Soldatensender &uuml;ber den gleichen Mittelwellensender in Burg/DDR. Dies wird offensichtlich, da beide Stationen nie gleichzeitig in der Luft sind und zwischen ihren Sendungen immer eine &uuml;mschaltpause von 15 Minuten liegt. Wie zuvor schon der Freiheitssender, so verf&uuml;gt auch der Deutsche Soldatensender &uuml;ber verbl&uuml;ffende Kenntnis&shy;se aus den Kasernen, die bis zu Wissen &uuml;ber bevorstehende Versetzungen und Bef&ouml;rderungen vor deren offizieller Bekanntgabe reichen. In Berlin ist der Soldatensender nicht zu h&ouml;ren, da hier AFN Berlin, der amerikanische Soldatenfunk, die Frequenz 935 kHz belegt. Offiziell ist auf 935 kHz au&szlig;erdem der sowjetische Sender Lemberg registriert, der seine Sendungen in der Abendstun&shy;den aber reduziert, um nicht den Soldatensender zu st&ouml;&shy;ren. F&uuml;r die KPD ist der Soldatensender augenscheinlich eine Nebensache, zumindestens wird er in in der DDR herausge&shy;gebenen Publikationen der KPD kaum erw&auml;hnt &#8211; im Gegen&shy;satz zu 904. Im Zeichen der zunehmenden Entspannung ist im Sommer 1972 auch f&uuml;r den Soldatensender kein Platz mehr und so mu&szlig; er seinen Betrieb &#8211; ohne jede Vorank&uuml;ndigung &#8211; einstellen. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>DDR statt Deutschland</h1>
<p> W&auml;hrend immer mehr Staaten der Welt die Deutsche Demokra&shy;tische Republik anerkannt haben und auch in der Bundes&shy;republik der Kurs der Anerkennung eingeschlagen wird, legt man in der Staats- und Parteif&uuml;hrung der DDR das politische Ziel der deutschen Einheit zu den Akten. Man ist nun dabei, eine eigenst&auml;ndige Identit&auml;t als DDR als eigenst&auml;ndiges Land mit eigenst&auml;ndiger Nation und nicht mehr eine Identit&auml;t als &quot;besserer Teil Deutsch&shy;lands&quot; herauszubilden. </p>
<p>Im Zuge dieser Abschottung gegen alle Vereinigungsbe&shy;strebungen wird das Wort &quot;Deutschland&quot; &uuml;berall getilgt, wo es nur m&ouml;glich ist. Die Nationalhymne &quot;Auferstanden aus Ruinen&quot; mit Zeilen wie &quot;Deutschland einig Vaterland&quot; und &quot;Deutschland unser Vaterland&quot; wird nur noch gespielt und nicht mehr gesungen. Der Deutsche Fernsehfunk wird zum Fernsehen der DDR und alle &quot;zu deutschen&quot; Rundfunk&shy;sender werden eingestellt und durch neue Stationen er&shy;setzt. </p>
<p>Der Deutschlandsender und die f&uuml;r ganz Berlin sendende Berliner Welle verschwinden, daf&uuml;r kommt die Stimme der DDR. Auch die f&uuml;r die Bundesrepublik sendenden Untergrundsehder Deutscher Freiheitssender 904 und Deut&shy;scher Soldatensender verschwinden ersatzlos. Auch spe&shy;zielle Sendungen f&uuml;r westdeutsche H&ouml;rer gibt es nicht mehr. </p>
<p>Themenschwerpunkte sind nun noch verst&auml;rkt das Geschehen in der DDR und den &quot;sozialistischen Bruderstaaten&quot;. &Uuml;ber das Leben im Westen h&ouml;ren die Menschen in der DDR vor allem Stichworte wie Arbeitslosigkeit, Berufsver&shy;bote, Drogen. W&auml;hrend Katastrophen und Unf&auml;lle im Westen breit er&ouml;rtert werden, geschieht dies bei gleichen Ereig&shy;nissen im &quot;sozialistischen Lager&quot; nur nach starken Ver&shy;z&ouml;gerungen und wenn es sich nicht vermeiden l&auml;&szlig;t, z.B. weil die Westmedien bereits ausf&uuml;hrlich &uuml;ber die Ereig&shy;nisse berichten. Ein sehr gutes Beispiel hierf&uuml;r sind die Ungl&uuml;cke in Harrisburg, da&szlig; von der DDR sehr ausge&shy;schlachtet wird, und Tschernobyl, was in den Medien zwischen Rostock und Dresden nur am Rande behandelt wird. </p>
<p>Lediglich die Stimme der DDR wahrt etwas das Zielgebiet Bundesrepublik, was sich dadurch ausdr&uuml;ckt, da&szlig; &uuml;ber Ereignisse in der BRD ausf&uuml;hrlicher berichtet wird, als in den anderen Sendern: Radio DDR l, Radio DDR 2, Ber&shy;liner Rundfunk und ab 1987 Jugendradio DT 64. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Internationale Programme</h1>
</p>
<h2>STIMME DER WAHRHEIT <br />(Radiofonikos Stathmos i Foni tis Alithias)</h2>
<p> Die Stimme der Wahrheit sendet ab 1958 als Sender der griechischen Kommunisten in griechischer Sprache nach Griechenland und Zypern. Das Programm, das ab 1969 nach einer Programmerweiterung um 86,5 Prozent w&ouml;chentlich 35 Stunden 35 Minuten lang ausgestrahlt wird, kommt &uuml;ber den Kurzwellensender Leipzig und wahrscheinlich zus&auml;tzlich &uuml;ber einen rum&auml;nischen Sender.</p>
<h2>BIZIM RADYO <br />(Unser Radio)</h2>
<p>Bizim Radyo sendet ab 1958 als Stimme der verbotenen T&uuml;rkischen Kommunistischen Partei in t&uuml;rkischer Sprache f&uuml;r die T&uuml;rkei und Zypern. Sein Wochenprogramm hat die Dauer von 21 Stunden 30 Minuten und kommt &uuml;ber den Leip&shy;ziger Kurzwellensender und wahrscheinlich auch &uuml;ber einen rum&auml;nischen Sender.</p>
<h2>AMERICAN FORCES NETWORK</h2>
<p>W&auml;hrend der Berlin-Krise um den Bau der Mauer wendet sich aus Ost-Berlin ein falsches AFN an die in den Konflikt verwickelten amerikanischen Soldaten auf der Welle von AFN Berlin (und dem Deutschen Soldatensender) 935 kHz. Seine Kennmelodie: &quot;Don&#39;t fence me in&quot; (Z&auml;une mich nicht ein).</p>
<h2>RADIO VLTAVA</h2>
<p>Radio Vltava meldet sich vom ersten Tag des Einmarsches von Truppen des Warschauer Vertrags in die Tschechoslo&shy;wakei an und sendet sechs Monate lang 1968 in tschechischer und slowakischer Sprache. Radio Vltava benutzt haupt&shy;s&auml;chlich die Mittelwellenfrequenz 1430 kHz. Am 13. Febru&shy;ar 1969 beendet der Propagandasender pl&ouml;tzlich seine Sendungen. Wenige Stunden sp&auml;ter ist auf dieser Welle Radio Berlin International zu h&ouml;ren.</p>
<h2>RADIO IRAN-KURIER  <br />(Radio Peyk-e Iran)</h2>
<p>Zwischen 1957 und 1961 (hier&uuml;ber gibt es unterschied&shy;liche Angaben) beginnen Sendungen der iranischen Kommu&shy;nisten &uuml;ber die Anlagen von Radio Berlin International. Ab 1963 wird Radio Iran-Kurier, dessen iranischer Name in Deutschland nicht unbekannt ist, von bulgarischen Sendern ausgestrahlt. Die iranische kommunistische Tudeh-Partei sendet &uuml;ber diesen Sender w&ouml;chentlich 25 Stun&shy;den 40 Minuten.</p>
<h2>RADIO VOLGA</h2>
<p>Der Sender der sowjetischen Streitkr&auml;fte in der DDR sendet &uuml;ber einen 100 kW starken Langwellensender in K&ouml;nigs Wusterhausen auf 263 kHz. Unter der Ansage &quot;Govorit Volga&quot; gibt es t&auml;glich zwischen 19 und 20 Uhr, am Wochenende zus&auml;tzlich vormittags, Musik und Infor&shy;mationen f&uuml;r die sowjetischen Soldaten. In der &uuml;brigen Zeit wird das erste Programm des Moskauer Inlandsrund&shy;funks &uuml;bertragen.</p>
<h2>RADIO MOSKAU  <br />SENDER FRIEDEN UND FORTSCHRITT</h2>
<p>Die sowjetischen Sender Radio Moskau und ab 1964 der Sender Frieden und Fortschritt nutzen neben dem Sender von Radio Volga auch einen eigenen Relaissender in Leipzig auf der Mittelwellenfrequenz 1323 kHz mit einer Sende&shy;leistung von 150 kW</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-800" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_qsl_radiomoskau.gif" hspace="6" alt="QSL-Karte von Radio Moskau" title="QSL-Karte von Radio Moskau" border="0" style="float: left;" width="400" height="494" />&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Stimme der DDR</h1>
<div align="center"><img loading="lazy" decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-801" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_stimmederddr.gif" hspace="6" alt="Stimme der DDR" title="Stimme der DDR" border="0" style="float: left;" width="79" height="80" /></div>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left">
<tbody>
<tr>
<td rowspan="18" style="vertical-align: top; text-align: left">Sender (1987):</td>
<td rowspan="11" style="text-align: left; vertical-align: top">UKW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,65 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Brocken</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,4 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dequede</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">96,9 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dresden</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,25 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Helpterberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,15 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">30 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Inselsberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,15 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Karl-Marx-Stadt</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">97,0 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Leipzig</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">96,6 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Marlow</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">96,65 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Schwerin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">95,3 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Sonneberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">94,2 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="4" style="text-align: left; vertical-align: top">MW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Burg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">783 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1000 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Wachenbrunn</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">882 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">250 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1170 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">5 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Burg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1575 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">250 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">LW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Oranienburg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">177 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">750 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">KW</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">6155 kHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">50 kW</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="4" valign="middle" style="text-align: left">(&Uuml;ber 1575 kHz und die Kurzwelle werden zeitweise die Sendungen von Radio Berlin International ausgestrahlt)</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p> 1971 stellen der Deutschlandsender und die Berliner Welle ihre Sendungen ein. Auf ihren Wellen meldet sich ab dem 15. November 1971 die Stimme der DDR &quot;aus der DDR f&uuml;r die DDR und ihre Freunde im Ausland&quot;, wie es im Programmauftrag hei&szlig;t. </p>
<p>Das Programm besteht aus Informations- und Musiksendungen, au&szlig;erdem aus den obligatorischen Nachrichten, Kommentaren und anderen Zeitfunksendungen. Ein bi&szlig;chen st&auml;rker als die anderen Sender des Rundfunks der DDR orientiert man sich auch gen Westen und greift Themen aus der Bundesrepublik immer etwas ausf&uuml;hrlicher auf als die Kollegen. </p>
<p>Nat&uuml;rlich ist man sich in der Nalepastra&szlig;e 18-50, genau wie von allen Stationen auch Sitz der Stimme der DDR, im Klaren dar&uuml;ber, da&szlig; es nicht gelingen kann, ein breites Publikum in der Bundesrepublik zu erreichen. Man ist sich bewu&szlig;t, da&szlig; vor allem Gesinnungsfreunde aus dem Westen die Stimme der DDR h&ouml;ren, um etwas &uuml;ber die offizielle Position der DDR zu diesem oder jenem Thema zu erfahren. Und so befriedigt die Stimme der DDR auch diese speziellen Informationsbed&uuml;rfnisse, zum Beispiel bei Berichten &uuml;ber die Parteitag der DKP: </p>
<p> <em>&quot;Mit lang anhaltendem Beifall begr&uuml;&szlig;ten die Delegierten dieses Parteitages Hermann Axen, Mitglied des Politb&uuml;ros und Sekret&auml;r des ZK der SED, als er ans Rednerpult trat: <br />&#39;Liebe Genossinnen und Genossen! Es ist f&uuml;r unsere Delegation eine tiefe Freude, euch, den Delegierten des 8. Parteitages der Deutschen Kommu&shy;nistischen Partei, die herzlichsten, br&uuml;derlichen Kampfesgr&uuml;&szlig;e der Kommunisten der Deutschen Demokratischen Repu&shy;blik, des Zentralkomitees der Sozialist&shy;ischen Einheitspartei Deutschlands und seines Generalsekret&auml;rs, Genossen Erich Honecker, zu &uuml;bermitteln! (&#8230;) Das Banner Ernst Th&auml;lmanns f&uuml;hrt die revolution&auml;re Vorhut der Arbeiter&shy;klasse und des Volkes der Bundesrepu&shy;blik Deutschland, die Deutsche Kommunist&shy;ische Partei, mit unbesiegbarer Kraft voran im Kampf um Frieden, Demokratie und Sozialismus!&quot;</em> </p>
<p> In einer kleinen Werbeschrift &quot;Rundfunk der DDR sendet f&uuml;r Sie!&quot; wird die Stimme der DDR gefeiert: </p>
<p> <em>&quot;Ein Programm nach H&ouml;rerwunsch &#8211; Stimme der DDR. Spritzige Morgenmusik, Infor&shy;mationen und polemische Einblicke, Vormittagsmagazin &#39;Bunte Welle&#39;, popu&shy;l&auml;re Unterhaltung zum Feierabend, festliches Konzert am Samstagabend, Pop-mobil zum Muntermachen in der Nacht. J&auml;hrliche Solidarit&auml;tsaktion &#39;Dem Frieden die Freiheit&#39;.&quot;</em> </p>
<p> Die angesprochene Solidarit&auml;tsaktion &quot;Dem Frieden die Freiheit&quot; ist tats&auml;chlich jedes Jahr einer der H&ouml;hepunkte des Rundfunks der DDR, speziell der Stimme der DDR. Bei dieser Aktion werden Spenden f&uuml;r die nationalen Befreiungsbewegungen in der &quot;Dritten Welt&quot; und f&uuml;r den Aufbau gerade befreiter L&auml;nder gesammelt. In den letzten Jahren der DDR sind vor allem die Sandinisten Nicaraguas und die Befreiungsbewegung SWAPO von Namibia Ziel der Solidarit&auml;t. Die Aktion wird regelm&auml;&szlig;ig durch gro&szlig;e Kon&shy;zerte begleitet, die von Stimme der DDR und dem DDR-Fernsehen direkt &uuml;bertragen werden. </p>
<p>Andere Ereignisse, bei denen Stimme der DDR und ihre Mitfunker auf Hochtouren laufen, sind diverse Festivals der FDJ und der SED, so das &quot;Festival des politischen Liedes&quot;, die FDJ-Pfingsttreffen, die regelm&auml;&szlig;ig stattfindenden &quot;FDJ-Liedersommer&quot; und viele andere, au&szlig;erdem nat&uuml;rlich immer wieder die Feierlichkeiten am 1. Mai und 7. Oktober (Geburtstag der DDR).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Jugendradio DT 64</h1>
<div align="center"><img loading="lazy" decoding="async" class=" alignleft size-full wp-image-802" src="http://wp.andre-scheer.de/wp-content/uploads/1991/08/Rundfunk_ddr_dt64.gif" hspace="6" alt="Jugendradio DT 64" title="Jugendradio DT 64" border="0" style="float: left;" width="79" height="46" /></div>
<table border="1" cellspacing="2" cellpadding="2" style="text-align: left">
<tbody>
<tr>
<td rowspan="13" style="text-align: center; vertical-align: top">Sender (1987):</td>
<td rowspan="13" style="text-align: center; vertical-align: top">UKW</td>
<td rowspan="2" style="text-align: left; vertical-align: top">Schwerin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">88,5 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">101,3 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Berlin</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">93,1 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Brocken</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">101,4 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dequede</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">101,0 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Dresden</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">96,2 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Inselsberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">102,2 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Karl-Marx-Stadt</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">100,0 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Leipzig</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">98,5 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">10 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">L&ouml;bau</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">91,8 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Marlow</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">95,5 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Putbus</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">91,5 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
<tr>
<td valign="middle" style="text-align: left">Sonneberg</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">102,7 MHz</td>
<td valign="middle" style="text-align: left">1 kW</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p> 1987 versuchen SED und FDJ der Tatsache entgegenzusteuern, da&szlig; immer mehr Jugendliche auf westliche Rundfunksender umschalten, bei denen es keine Regel gibt, da&szlig; die H&auml;lfte der gespielten Musik aus der DDR sein mu&szlig;. Vor allem RIAS 2 erfreut sich wachsender Beliebtheit. So fast man im Zentral&shy;rat der FDJ den Entschlu&szlig;, die Jugendsendungen des Berli&shy;ner Rundfunks, Jugendstudio DT 64, und der Stimme der DDR, Hallo &#8211; Das Jugendjournal, aus dem Programm auszugliedern und ihnen eine eigene Senderkette zu geben. Es entsteht das Jugendradio DT 64, eine Einrichtung, die tats&auml;chlich viele junge Menschen in der DDR anspricht, ohne den Sendern aus der Bundesrepublik und Westberlin ihre Basis zu ent&shy;ziehen. Das gelingt dem Sender, der seinen Namen vom &quot;Deutsch&shy;landtreffen der Jugend 1964&quot;, einem Treffen von FDJ und westdeutschen Jugendlichen mit mehreren hunderttausend Teilnehmern, herf&uuml;hrt, vor allem dadurch, da&szlig; er schon vor der Wende im Vergleich zu den anderen Sendern relativ offen berichtet und auch viel unkonventionelle Musik spielt, so auch Punkrock der &quot;Toten Hosen&quot; und der DDR-Band &quot;Die Skeptiker&quot; mit sehr kritischen Texten: </p>
<p> <em>&quot;Alle wollen mit dem Arsch an die Wand, <br />Schleimer und Kriecher gibt&#39;s in jedem Land, <br />die erste B&uuml;rgerpflicht hei&szlig;t Ord&shy;nung und Ruh&#39;, <br />schlaft gut und macht die Augen nur fest zu.&quot;</em> </p>
<p>Dazu kommt ein sehr auf die Jugend ausgerichtetes Programm&shy;format. Nachrichten sind meist sehr kurz gehalten und ver&shy;f&uuml;gen meist sogar &uuml;ber Inhalt &#8211; im Gegensatz zu den vor Selbstverpflichtungen und Normerf&uuml;llungen triefenden Nach&shy;richten der alten DDR-Sender. </p>
<p>Aber nat&uuml;rlich steht auch DT 64 voll unter Kontrolle von SED und FDJ und die Offenheit findet ihre Grenzen, wenn es um Kritik an den Grundlagen des Systems und an schweren M&auml;ngeln geht. </p>
<p> In der Werbebrosch&uuml;re &quot;Rundfunk der DDR sendet f&uuml;r Sie&quot; klingt die Einrichtung des Jugendsenders so: </p>
<p> <em>&quot;In dem Bem&uuml;hen, den Anspr&uuml;chen der H&ouml;rer nach vielseitiger Infor&shy;mation und Unterhaltung noch besser gerecht zu werden, wurden Ende 1987 die nationalen Programme des DDR-Rundfunks weiter profiliert: <br />Seit dem 1. Dezember 1987 sendet Jugendradio DT 64 &#8211; das seit M&auml;rz 1986 als selbst&auml;ndiger Sender be&shy;steht &#8211; auf eigenen Frequenzen t&auml;g&shy;lich von 4.00 bis 24.00 Uhr f&uuml;r junge Leute. Damit konnten der Ber&shy;liner Rundfunk und die Stimme der DDR, die bis dahin umfangreiche Jugendsendungen ausstrahlten, eine Reihe neuer Programmvorhaben &#8211; vor allem auf dem Gebiet der Musik und der Ratgeberreihen &#8211; verwirklichen.&quot;</em> </p>
<p> Kurz vor und w&auml;hrend der Wende in der DDR geh&ouml;rt DT 64 zu denjenigen, die am schnellsten schalten. Schon vor Honeckers Sturz h&ouml;rt man auf DT 64 bereits vereinzelt kri&shy;tische Beitr&auml;ge, beispielsweise Interviews mit Teilnehmern der Montagsdemonstration. Nach Honeckers Sturz ist das Jugendradio der Sender, der am schnellsten auf die neue Situation umschaltet. Kritik und Offenheit geh&ouml;rt nun fest zum Programm. Doch im Gegensatz zu den meisten Journalisten beweisen die Jugendradio-Mitarbeiter kein Wellenlinienbe&shy;wu&szlig;tsein. Auch als die meisten Journalisten &#8211; in Angst um ihren Posten &#8211; pl&ouml;tzlich der Marktwirtschaft das Wort reden, die sie vorher verdammt haben, bleibt DT 64 eine kritisch fragende Instanz.</p>
<p align="center"><img decoding="async" src="images/stories/Rundfunk/ddr/dt64-demo.jpg" hspace="6" alt="Schwerin, 29. Februar 1992: 5000 meist junge Menschen demonstrieren f
</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
