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	<title>Maritime Wirtschaft &#8211; André Scheer</title>
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	<description>Ein Hamburger in Berlin</description>
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	<title>Maritime Wirtschaft &#8211; André Scheer</title>
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		<title>Keine Lust auf  billige Ausreden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Dec 2024 10:14:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Maritime Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Boluda]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesregierung]]></category>
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		<category><![CDATA[Schifffahrt]]></category>
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					<description><![CDATA[Erinnert sich noch jemand an die Schulzeit? Damals versuchten Lehrerinnen und Lehrer  uns beizubringen, wie ein demokratischer Staat funktioniert. Demnach[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Erinnert sich noch jemand an die Schulzeit? Damals versuchten Lehrerinnen und Lehrer  uns beizubringen, wie ein demokratischer Staat funktioniert. Demnach gibt es drei Säulen: Exekutive, Legislative und Judikative. In der Legislative, der gesetzgebenden Gewalt, also  den Parlamenten, entscheiden die gewählten Abgeordneten darüber, welche Regeln für  das Zusammenleben gelten sollen. Und die Regierung, die Exekutive oder ausführende  Gewalt, soll diese Beschlüsse umsetzen. So jedenfalls die Theorie.</p>
<p>Die Praxis des Bundesverkehrsministeriums unter Volker Wissing sah etwas anders aus.  Vor mehr als zwei Jahren, im November 2022, hat der Bundestag beschlossen, dass  Schleppern auf Bundeswasserstraßen – also zum Beispiel Elbe, Weser, Rhein – und auf den  seewärtigen Zufahrten von Häfen das Führen der Bundesflagge vorgeschrieben  werden soll. Die der Regierung dafür von den Abgeordneten ursprünglich gesetzte Frist ist  bereits im März 2023 abgelaufen. Doch das Gesetz gibt es bis heute nicht, obwohl die  Parlamentarier*innen ihren Beschluss mehrfach bestätigt haben.</p>
<p>Schlepper sind ein Rückgrat der maritimen Wirtschaft, ohne die kaum ein größeres Schiff sicher am Kai anlegen oder den Hafen wieder verlassen kann, sie sind entscheidend für sicheren und störungsfreien Schiffsverkehr. Doch nur wenn sie die Bundesflagge führen,  gelten an Bord die deutschen Gesetze und Vorschriften uneingeschränkt.</p>
<p>Den Schleppern das Führen von Schwarz-Rot-Gold vorzuschreiben, wäre deshalb ein wichtiger Baustein zur Stärkung der deutschen Handelsflotte und zur Sicherung des bedrohten maritimen Know-hows in der Bundesrepublik. Die meisten Schiffe deutscher Reedereien und Schiffseigner fahren längst unter ausländischen Flaggen, an Bord gelten deshalb Vorschriften und Arbeitsbedingungen, die von den jeweiligen<br />
Flaggenstaaten festgelegt werden. So werden die hierzulande geltenden Standards unterlaufen. Deutsche Seeleute gibt es an Bord dieser Schiffe kaum noch – da ist es kein  Wunder, dass die Zahl deutscher Seeleute auch insgesamt immer weiter zurückgeht,  zuletzt auf noch rund 4.500.</p>
<p>Das ist ein Problem für die gesamte maritime Wirtschaft (und darüber hinaus), denn  einheimische Seeleute werden auch abseits der großen Handelsschiffe gebraucht.  Lotsendienste, Schlepper, Hafenbehörden, Sicherheitseinrichtungen, Verwaltung – wo soll die notwendige Kompetenz herkommen, wenn nicht durch erfahrene Seeleute, die wissen,  wovon sie reden und sich in einheimischen Gewässern auskennen?</p>
<p>In den vergangenen Jahren war von den zuständigen Ministerien viel von einer „Stärkung der deutschen Flagge“ zu hören. Die dazu ergriffenen Initiativen waren aber wenig überzeugend, denn sie blieben oft auf halbem Wege stecken oder bestanden darin, zu  Lasten der Seeleute die Kosten für Reeder abzusenken. Manche Politiker*innen glauben,  dass man Schiffseigner so verführen könnte, auf das Ausflaggen nach Liberia, Panama  oder Malta zu verzichten und Schwarz-Rot-Gold am Heck zu hissen. Tatsache aber ist: So billig wie die Billigflaggen kann und darf Deutschland nicht werden.</p>
<p>Warum aber wurde eine einfach umzusetzende Initiative wie die Flaggenvorschrift für  Schleppschiffe hintertrieben? Auf Nachfragen von Betriebsräten der Schlepperunternehmen  Boluda und Fairplay hieß es aus dem  Bundesverkehrsministerium, ein Gesetz sei unter anderem wegen Europarecht und wegen der Hoheit der Bundesländer  nicht umsetzbar. Das waren und sind billige Ausreden!</p>
<p>Die EU-Hafenverordnung sieht vor, dass Mitgliedsstaaten für den Bereich der  Hafendienstleistungen eine Flagge vorschreiben können. Mehrere Länder haben das getan,<br />
unter anderem Spanien, Frankreich und Polen. Im Ergebnis werden dort im Wesentlichen Seeleute aus dem eigenen Land eingesetzt. Spanien hat in seiner Mitteilung an die EU-Kommission unter anderem argumentiert, dass man auf diese Weise die Einhaltung der geltenden Tarifverträge sicherstellen will. Und was die Länderhoheit angeht:  Bundeswasserstraßen sind auch in Hamburg, Bremen und den anderen Ländern  Bundeswasserstraßen, lediglich ihre Verwaltung wurde im Bereich der jeweiligen Häfen auf die Länder übertragen.</p>
<p>Auch deshalb muss die Flaggenvorschrift für die Schlepper schnellstmöglich – und zwar noch vor der Bundestagswahl – als Bundesgesetz und auch in Landesrecht (Hafenverordnungen) umgesetzt werden, um klare Regeln und Standards für alle zu  schaffen. Die Bundesregierung sollte sich trauen, das Gesetz trotz fehlender eigener  Mehrheit ins Parlament einzubringen. Schauen wir doch mal, wer dann für die deutsche Flagge stimmt und wer dagegen.</p>
<p><em>Erschienen im Dezember 2024 in der <a href="https://oeffentliche-private-dienste.verdi.de/service/publikationen/waterfront/++co++e3d72d7e-b641-11ef-a31c-576d32de9008" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Waterfront&#8220; Nr. 2/2024</a></em></p>
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		<title>Langer  Atem</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/langer-atem/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Dec 2024 10:08:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Maritime Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Lotsbetriebsverein]]></category>
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					<description><![CDATA[Ohne Lotsen kommt kaum ein Schiff sicher in den Hafen. Aber ohne Lotsversetzer kommt  kein Lotse an Bord des Schiffs,[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ohne Lotsen kommt kaum ein Schiff sicher in den Hafen. Aber ohne Lotsversetzer kommt  kein Lotse an Bord des Schiffs, das er oder sie betreuen soll. Dafür zuständig, die  Seelotsinnen und Seelotsen zu ihren Einsatzorten zu bringen, sind die insgesamt 460  Kolleg*innen des Lotsbetriebsvereins. Pro Tag fahren sie rund 400 Einsätze, bei Tag und Nacht, bei Wind und Wetter. 16 feste und drei schwimmende Lotsenstationen sind rund um  die Uhr besetzt, um sofort reagieren zu können, wenn ein Schiff Unterstützung braucht.</p>
<p>Finanziert wird das Lotswesen durch Gebühren, die von den Eignern der betreuten Schiffe  zu entrichten sind. Aus Lotsgeld und Lotsabgaben werden die Einkommen bestritten und die Infrastruktur – wie Stationen, Schiffe usw. – bezahlt. Wieviel die Kolleg*innen beim  Lotsbetriebsverein verdienen, wird zwischen dessen Geschäftsführung und der  Gewerkschaft ver.di ausgehandelt – in den vergangenen Jahren wurden die Abschlüsse des Heuertarifvertrags Seeschifffahrt (HTV-See) übernommen.</p>
<p>In den seit März laufenden Verhandlungen zeigte sich die Geschäftsführung bereit, den  Kolleg*innen darüber hinaus sowohl die ihnen schon im vergangenen Jahr prinzipiell  zugesagte Inflationsausgleichprämie in Höhe von 2.000 Euro als auch eine zusätzliche  Heuererhöhung auszuzahlen. Entsprechende Absichtserklärungen wurden bereits im  Sommer unterzeichnet, die entsprechenden Tarifverträge waren unterschriftsreif.</p>
<p>Doch die Gebühren für die Arbeit von Lotsen und Lotsversetzern werden nicht direkt von  der Bundeslotsenkammer oder dem Lotsbetriebsverein kassiert. Für das Einziehen ist die Aufsichtsbehörde zuständig, die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS),  eine Behörde des Bundesverkehrsministeriums. Und von dort kam nur: angespannte  Haushaltslage, kein Geld da. Der Geschäftsführung des Lotsbetriebsvereins wurde  untersagt, die entsprechenden Einkommenserhöhungen zu unterzeichnen.</p>
<p>So aber werden Tarifgespräche ad absurdum geführt. Der Lotsbetriebsverein als  Arbeitgeber ist der Partner der Gewerkschaft am Verhandlungstisch, nicht GDWS und  Bundesverkehrsministerium. Beide weigerten sich entsprechend auch, an den  Gesprächen  teilzunehmen. Lediglich zu einem informellen Treffen fand man sich im Herbst  bereit, konkrete Ergebnisse gab es aber auch dort nicht. Bis Redaktionsschluss  dieser Ausgabe war kein Abschluss absehbar.</p>
<p>Für ver.di ist eine solche Situation nicht mit dem Gedanken der Tarifautonomie vereinbar,  die eine Einmischung von Regierungen in Tarifverhandlungen ausschließt. Und in diesem  Fall ist es letztlich die Bundesregierung, die einem Unternehmen den Abschluss eines  Tarifvertrages verbieten will. So blieb der ver.di-Tarifkommission beim Lotsbetriebsverein nichts anderes übrig, als die einschlägigen Tarifverträge fristgemäß zum Jahresende zu kündigen. Die Konsequenz daraus ist, dass ab Januar 2025 Streiks beim  Lotsbetriebsverein möglich sind – mit allen Folgen, die dies für die Schifffahrt in Norddeutschland haben kann. Die Kolleg*innen sind kampfbereit.</p>
<p><em><strong>Hinweis: Nach Redaktionsschluss der &#8222;Waterfront&#8220; Nr. 2/2024 konnte beim Lotsbetriebsverein doch noch ein Tarifabschluss durchgesetzt werden</strong></em></p>
<p><em>Erschienen im Dezember 2024 in der <a href="https://oeffentliche-private-dienste.verdi.de/service/publikationen/waterfront/++co++e3d72d7e-b641-11ef-a31c-576d32de9008" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Waterfront&#8220; Nr. 2/2024</a></em></p>
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		<title>Ziele kaum erreicht</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/ziele-kaum-erreicht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Dec 2024 10:00:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Maritime Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesregierung]]></category>
		<category><![CDATA[Hafen]]></category>
		<category><![CDATA[Schifffahrt]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Wahlkampf hat Deutschland wieder im Griff, Monate vor dem ursprünglich geplanten  Termin der Bundestagswahlen. Der Bruch der „Ampelkoalition“ Anfang[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Wahlkampf hat Deutschland wieder im Griff, Monate vor dem ursprünglich geplanten  Termin der Bundestagswahlen. Der Bruch der „Ampelkoalition“ Anfang November hat viele  Planungen für das Jahr 2025 über den Haufen geworfen. Es ist also an der Zeit, eine Bilanz  des „Bündnisses für Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit“ zu ziehen, wie sich die Regierungsallianz von SPD, Grünen und FDP im Koalitionsvertrag von 2021 genannt hatte.</p>
<p>Für die maritime Wirtschaft hatten sich die drei Parteien hohe Ziele gesteckt, man wolle „durch Innovation und Technologieführerschaft für eine wettbewerbsfähige maritime  Wirtschaft in Deutschland“ sorgen, hieß es im Regierungsprogramm. Die Rede war von  einer Stärkung des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrografie, um eine einheitliche Flaggenstaatsverwaltung einzuführen, die Sanierung und den Ausbau von Schleusen zu  beschleunigen, einen „gesamtgesellschaftlichen Dialog zu Klimaresilienz und Naturschutz bei Wasserstraßen“ zu initiieren, die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung zu stärken  und ihre Effizienz zu erhöhen. Unter dem Strich ist davon wenig passiert.</p>
<p>Versprochen wurde eine „Nationale Hafenstrategie“. Tatsächlich hat das Kabinett im März 2024 ein Papier unter diesem Titel veröffentlicht, allerdings blieb dies weitgehend vage  und unterfütterte wohlklingende Ziele kaum mit handfesten Vorhaben und Zahlen. Von den  Zielen, wie es Beschäftigte aus den deutschen Seehäfen im November 2023 in ihrem „Manifest zur Zukunft der Häfen und Häfen der Zukunft“ formuliert hatten, findet sich<br />
kaum etwas im Papier der Regierung. Die Kolleg*innen hatten festgestellt: „Häfen drohen  von Reedereiallianzen gegeneinander ausgespielt zu werden. Infrastrukturinvestitionen  gewinnen an Wettbewerbsrelevanz und es droht ein durch Steuergelder geförderter Wettbewerb auf dem Rücken der Kolleg*innen im Hafen. Die Förderung durch die  öffentliche Hand ist wichtig und muss ausgebaut werden. Der Macht der Reedereien muss  Einhalt geboten werden. Es bedarf aber einer Abstimmung der Maßnahmen, damit sich durch die Förderung eines Standorts keine Nachteile für einen anderen Standort ergeben.“</p>
<p>Stattdessen gab es in Hamburg einen Kurswechsel zurück zum Privatisierungswahn der 1990er Jahre. Gegen den entschiedenen Widerstand der Hafenbeschäftigten und vieler Hamburger*innen verscherbelte der Senat das Herzstück des Hafens, die HHLA, an die Schweizer Großreederei MSC. Eine Geisterfahrt, der auch von Berlin kein Widerstand entgegengesetzt wurde, obwohl man doch „zur gemeinsamen Verantwortung für die notwendigen Hafeninfrastrukturen“ stehen wollte.</p>
<p>Wenig blieb auch von dem Versprechen „Wir wollen, dass mehr Schiffe unter deutscher Flagge fahren.“ Im Jahr des Regierungsantritts 2021 fuhren noch 275 Schiffe unter deutscher Flagge, im Oktober 2024 waren es 255. Das überrascht nicht, denn Versuche  der Ministerien, das Ausflaggen zu stoppen und umzukehren, erschöpften sich oft in Vorschlägen, die den Reedern Kosten ersparen sollten – zu Lasten der Seeleute und ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen. Wirksame Maßnahmen zum Bürokratieabbau und einer einheitlichen Flaggenstaatverwaltung, wie sie ebenfalls im Koalitionsvertrag versprochen wurden, blieben in Ansätzen stecken. Schlimmer noch: Ein Beschluss des Bundestags, Schleppern auf Bundeswasserstraßen das Führen der Bundesflagge vorzuschreiben,<br />
wurde vom Bundesverkehrsministerium aktiv hintertrieben. Dabei wäre das ein wichtiges Signal zur Stärkung des maritimen Know-hows in der Bundesrepublik und würde einem Dumpingwettbewerb zwischen den konkurrierenden Unternehmen der Branche einen Riegel vorschieben.</p>
<p>Und was war mit dem zugesagten „Erhalt der Fischerei an unseren Küsten“? Eine im  Koalitionsvertrag versprochene „Zukunftskommission Fischerei“ kam drei Jahre später, im  März 2024, zum ersten Mal zusammen – und diskutierte vor allem ihre Geschäftsordnung. Erste Ergebnisse dieses Anlaufs, „in offenen, konstruktiven und zielgerichteten  Diskussionen in den kommenden Monaten Ideen und Wege für den langfristigen Erhalt der deutschen Fischerei“ zu finden, sollten bis Frühjahr 2025 vorliegen. Ob daraus jetzt noch etwas wird? Und ob diese Vorschläge dann darüber hinausgehen, bisherige Fischer*innen<br />
zu „Sea Rangers“ („Förster*in des Meeres“) oder Dienstleister*in auf See umzuschulen, wie es die „Leitbildkommission Ostseefischerei“ in einem Ende 2023 vorgelegten Bericht empfiehlt?</p>
<p>Einen wirklichen Kurswechsel zum Erhalt und zur Weiterentwicklung des maritimen Know-hows in unserem Land hat es unter der Ampelregierung nicht gegeben. Zu oft blieben  Schifffahrt, Häfen und Fischerei Spezialthemen von – oft engagierten – Fachpolitiker*innen aus den norddeutschen Bundesländern, die in der überregionalen Wahrnehmung kaum stattfanden. Das gilt allerdings auch für die parlamentarische Opposition, die selten mit konkreten Vorschlägen zur Entwicklung der maritimen Wirtschaft auf sich aufmerksam  machte.</p>
<p>Um uns selber müssen wir uns selber kümmern. Das wird sich auch unter einer neuen  Bundesregierung nicht ändern.</p>
<p><em>Verfasst gemeinsam mit Maren Ulbrich</em><br />
<em>Erschienen im Dezember 2024 in der <a href="https://oeffentliche-private-dienste.verdi.de/service/publikationen/waterfront/++co++e3d72d7e-b641-11ef-a31c-576d32de9008" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Waterfront&#8220; Nr. 2/2024</a></em></p>
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		<item>
		<title>Zweckoptimismus löst keine Probleme</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/zweckoptimismus-loest-keine-probleme/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 May 2024 18:42:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Maritime Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
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					<description><![CDATA[Auf seiner Jahrespressekonferenz gab sich der Reederverband VDR Mitte März betont optimistisch. „Es ist großartig, dass immer mehr Jugendliche sich[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span dir="ltr" role="presentation">Auf seiner Jahrespressekonferenz </span><span dir="ltr" role="presentation">gab sich der Reederverband VDR </span><span dir="ltr" role="presentation">Mitte</span> <span dir="ltr" role="presentation">März</span> <span dir="ltr" role="presentation">betont</span> <span dir="ltr" role="presentation">optimistisch.</span> <span dir="ltr" role="presentation">„Es ist großartig, dass immer mehr </span><span dir="ltr" role="presentation">Jugendliche sich für eine Ausbil</span><span dir="ltr" role="presentation">dung</span> <span dir="ltr" role="presentation">in</span> <span dir="ltr" role="presentation">der</span> <span dir="ltr" role="presentation">Schifffahrt</span> <span dir="ltr" role="presentation">begeis</span><span dir="ltr" role="presentation">tern“, verkündete VDR-Präsidentin </span><span dir="ltr" role="presentation">Gaby Bornheim. Anlass für die Er</span><span dir="ltr" role="presentation">folgsmeldung war, dass nach Zäh</span><span dir="ltr" role="presentation">lung des VDR im vergangenen Jahr </span><span dir="ltr" role="presentation">die Zahl der Neueinsteiger*innen </span><span dir="ltr" role="presentation">bei der seemännischen Ausbildung </span><span dir="ltr" role="presentation">um elf Prozent gestiegen sei, auf </span><span dir="ltr" role="presentation">See</span> <span dir="ltr" role="presentation">von</span> <span dir="ltr" role="presentation">377</span> <span dir="ltr" role="presentation">auf</span> <span dir="ltr" role="presentation">418</span> <span dir="ltr" role="presentation">und</span> <span dir="ltr" role="presentation">an</span> <span dir="ltr" role="presentation">Land – für den Ausbildungsberuf </span><span dir="ltr" role="presentation">Schifffahrtskaufmann/-frau</span> <span dir="ltr" role="presentation">–</span> <span dir="ltr" role="presentation">von </span><span dir="ltr" role="presentation">192 auf 214.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Tatsächlich</span> <span dir="ltr" role="presentation">jedoch</span> <span dir="ltr" role="presentation">gibt</span> <span dir="ltr" role="presentation">es</span> <span dir="ltr" role="presentation">keinen </span><span dir="ltr" role="presentation">Grund zum Jubeln. Man muss auf der </span><span dir="ltr" role="presentation">Homepage</span> <span dir="ltr" role="presentation">des</span> <span dir="ltr" role="presentation">Reederverbandes</span> <span dir="ltr" role="presentation">nur</span> <span dir="ltr" role="presentation">die nächste Grafik ansehen, um festzu</span><span dir="ltr" role="presentation">stellen, dass die Zahl der  Besatzungs</span><span dir="ltr" role="presentation">mitglieder in der deutschen Seeschiff</span><span dir="ltr" role="presentation">fahrt wieder unter 7.000 gefallen ist. </span><span dir="ltr" role="presentation">Am 31. Dezember 2023 waren 4.412 </span><span dir="ltr" role="presentation">deutsche und 2.552 ausländische Kolle</span><span dir="ltr" role="presentation">ginnen und Kollegen in Deutschland so</span><span dir="ltr" role="presentation">zialversicherungspflichtig an Bord be</span><span dir="ltr" role="presentation">schäftigt, insgesamt 6.964. Das sind </span><span dir="ltr" role="presentation">115 weniger als ein Jahr zuvor. Von einer </span><span dir="ltr" role="presentation">Trendwende kann da wohl kaum die </span><span dir="ltr" role="presentation">Rede sein, auch wenn die Zahlen Ende </span><span dir="ltr" role="presentation">2021 noch geringer waren.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Die</span> <span dir="ltr" role="presentation">Zentrale</span> <span dir="ltr" role="presentation">Heuerstelle</span> <span dir="ltr" role="presentation">Hamburg </span><span dir="ltr" role="presentation">der</span> <span dir="ltr" role="presentation">Bundesagentur</span> <span dir="ltr" role="presentation">für</span> <span dir="ltr" role="presentation">Arbeit</span> <span dir="ltr" role="presentation">ver</span><span dir="ltr" role="presentation">zeichnete im März 19 Prozent weniger </span><span dir="ltr" role="presentation">Bewerber*innen für seemännische Be</span><span dir="ltr" role="presentation">rufe als ein Jahr zuvor und konstatierte, </span><span dir="ltr" role="presentation">dass auf dem inländischen seemänni</span><span dir="ltr" role="presentation">schen Arbeitsmarkt</span> <span dir="ltr" role="presentation">für</span> <span dir="ltr" role="presentation">keinen</span> <span dir="ltr" role="presentation">Beruf </span><span dir="ltr" role="presentation">ausreichend Seeleute zur Verfügung ste</span><span dir="ltr" role="presentation">hen. Das merken auch die Reedereien: </span><span dir="ltr" role="presentation">Nur noch ein Drittel hat nach eigenen </span><span dir="ltr" role="presentation">Angaben</span> <span dir="ltr" role="presentation">keine</span> <span dir="ltr" role="presentation">Probleme,</span> <span dir="ltr" role="presentation">benötigtes</span> <span dir="ltr" role="presentation">Personal zu finden. 58 Prozent antwor</span><span dir="ltr" role="presentation">teten in der PwC-Reederstudie 2023, </span><span dir="ltr" role="presentation">dass freie Stellen nur teilweise besetzt </span><span dir="ltr" role="presentation">werden konnten, und neun Prozent be</span><span dir="ltr" role="presentation">richteten sogar von erheblichen perso</span><span dir="ltr" role="presentation">nellen Lücken, besonders bei den höhe</span><span dir="ltr" role="presentation">ren</span> <span dir="ltr" role="presentation">Rängen.</span>  <span dir="ltr" role="presentation">„Mittel-</span> <span dir="ltr" role="presentation">bis</span> <span dir="ltr" role="presentation">langfristig </span><span dir="ltr" role="presentation">könnte</span> <span dir="ltr" role="presentation">der</span> <span dir="ltr" role="presentation">derzeitige</span> <span dir="ltr" role="presentation">Mangel</span> <span dir="ltr" role="presentation">an</span> <span dir="ltr" role="presentation">Kapitän*innen und Offizier*innen zu ei</span><span dir="ltr" role="presentation">nem Mangel an Lots*innen führen, was </span><span dir="ltr" role="presentation">die Leistungsfähigkeit deutscher Häfen </span><span dir="ltr" role="presentation">beeinträchtigen würde,“ weist das Bera</span><span dir="ltr" role="presentation">tungsunternehmen PwC auf eine der </span><span dir="ltr" role="presentation">möglichen Folgen hin. Aber auch den </span><span dir="ltr" role="presentation">maritimen Behörden und Dienststellen </span><span dir="ltr" role="presentation">fällt es zunehmend schwer,  erfahrenes </span><span dir="ltr" role="presentation">Personal zu finden.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Diese Krise ist hausgemacht, Reede</span><span dir="ltr" role="presentation">reien und Politik müssen sich an die </span><span dir="ltr" role="presentation">eigene Nase fassen. Über Jahrzehnte </span><span dir="ltr" role="presentation">wurde Ausbildungswilligen signalisiert, </span><span dir="ltr" role="presentation">dass man kein Interesse an ihnen hatte </span><span dir="ltr" role="presentation">und</span> <span dir="ltr" role="presentation">lieber</span> <span dir="ltr" role="presentation">billigere Arbeitskräfte</span> <span dir="ltr" role="presentation">aus</span> <span dir="ltr" role="presentation">dem Ausland rekrutieren wollte. Schon </span><span dir="ltr" role="presentation">in den 1980er Jahren warnten die Ge</span><span dir="ltr" role="presentation">werkschaften deshalb angesichts sin</span><span dir="ltr" role="presentation">kender Bewerber- und Auszubildenden</span><span dir="ltr" role="presentation">zahlen</span> <span dir="ltr" role="presentation">vor</span> <span dir="ltr" role="presentation">einer</span> <span dir="ltr" role="presentation">Beschäftigungskrise, </span><span dir="ltr" role="presentation">die durch die Einführung der eigenen </span><span dir="ltr" role="presentation">deutschen</span> <span dir="ltr" role="presentation">Billigflagge</span> <span dir="ltr" role="presentation">in</span> <span dir="ltr" role="presentation">Form</span> <span dir="ltr" role="presentation">des</span> <span dir="ltr" role="presentation">Zweitregisters</span> <span dir="ltr" role="presentation">(„Internationales</span> <span dir="ltr" role="presentation">See</span><span dir="ltr" role="presentation">schifffahrtsregister“)</span> <span dir="ltr" role="presentation">noch</span> <span dir="ltr" role="presentation">verschärft</span> <span dir="ltr" role="presentation">wurde. Dagegen gerichtete Klagen vor </span><span dir="ltr" role="presentation">dem</span> <span dir="ltr" role="presentation">Bundesver</span><span dir="ltr" role="presentation">fassungsgericht</span> <span dir="ltr" role="presentation">hatten </span><span dir="ltr" role="presentation">leider</span> <span dir="ltr" role="presentation">keinen</span> <span dir="ltr" role="presentation">grundsätzlichen</span> <span dir="ltr" role="presentation">Erfolg. </span><span dir="ltr" role="presentation">Berufsanfänger*</span><span dir="ltr" role="presentation">innen</span> <span dir="ltr" role="presentation">hatten</span> <span dir="ltr" role="presentation">Schwie</span><span dir="ltr" role="presentation">rigkeiten,</span> <span dir="ltr" role="presentation">ihre</span> <span dir="ltr" role="presentation">Patente</span> <span dir="ltr" role="presentation">auszufahren,</span> <span dir="ltr" role="presentation">weil es für sie keine Stellen gab. In </span><span dir="ltr" role="presentation">der Schiffsbesetzungsverordnung wurde </span><span dir="ltr" role="presentation">2016 die Zahl der einheimischen See</span><span dir="ltr" role="presentation">leute, die mindestens an Bord sein müs</span><span dir="ltr" role="presentation">sen, von vier auf zwei</span> <span dir="ltr" role="presentation">reduziert. „Die </span><span dir="ltr" role="presentation">Bundes</span><span dir="ltr" role="presentation">regierung will deutsche Seeleute </span><span dir="ltr" role="presentation">zum Auslaufmodell</span> <span dir="ltr" role="presentation">machen“, warnte </span><span dir="ltr" role="presentation">damals schon ver.di-Bundesvorstands</span><span dir="ltr" role="presentation">mitglied Christine Behle.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Zusätzlich</span> <span dir="ltr" role="presentation">gärt</span> <span dir="ltr" role="presentation">es</span> <span dir="ltr" role="presentation">unter</span> <span dir="ltr" role="presentation">den </span><span dir="ltr" role="presentation">Kolleg*innen, die noch in der deutschen </span><span dir="ltr" role="presentation">Schifffahrt arbeiten. Viele denken über </span><span dir="ltr" role="presentation">einen Wechsel nach. Es ist höchste Zeit, </span><span dir="ltr" role="presentation">das Ruder herumzureißen. Dazu gehört, </span><span dir="ltr" role="presentation">für die Ausbildung in maritimen Berufen</span> <span dir="ltr" role="presentation">zu werben – hier gibt es gute Ansätze –, </span><span dir="ltr" role="presentation">aber auch, die Lebens- und Arbeitsbedin</span><span dir="ltr" role="presentation">gungen der Seeleute spürbar und sicht</span><span dir="ltr" role="presentation">bar zu ver</span><span dir="ltr" role="presentation">bessern. Dabei geht es nicht nur </span><span dir="ltr" role="presentation">ums Geld, aber auch.</span></p>
<p>Erschienen in der <a href="https://oeffentliche-private-dienste.verdi.de/service/publikationen/waterfront/++co++1dd057dc-10f5-11ef-b05d-c552daf0a9f2" target="_blank" rel="noopener">Waterfront Nr. 1/2024</a></p>
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			</item>
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		<title>Flagge zeigen</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/flagge-zeigen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 May 2024 18:15:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Maritime Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Billigflagge]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Flagge]]></category>
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					<description><![CDATA[Es ist ein gewohntes Bild: Am Heck eines Schiffes weht die Flagge des Landes, in dem es registriert ist. Damit[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span dir="ltr" role="presentation">Es ist ein gewohntes Bild: Am Heck </span><span dir="ltr" role="presentation">eines Schiffes weht die Flagge des </span><span dir="ltr" role="presentation">Landes, in dem es registriert ist. Da</span><span dir="ltr" role="presentation">mit soll auch in internationalen Ge</span><span dir="ltr" role="presentation">wässern</span> <span dir="ltr" role="presentation">und</span> <span dir="ltr" role="presentation">in</span> <span dir="ltr" role="presentation">den</span> <span dir="ltr" role="presentation">angelaufenen </span><span dir="ltr" role="presentation">Häfen deutlich gemacht werden, wel</span><span dir="ltr" role="presentation">che</span> <span dir="ltr" role="presentation">Rechtsordnung</span> <span dir="ltr" role="presentation">an</span> <span dir="ltr" role="presentation">Bord</span> <span dir="ltr" role="presentation">gilt. </span><span dir="ltr" role="presentation">Führt ein Schiff die deutsche Flagge, </span><span dir="ltr" role="presentation">gelten deutsche Gesetze und Bestim</span><span dir="ltr" role="presentation">mungen. Und eigentlich ist die Sache </span><span dir="ltr" role="presentation">ganz einfach geregelt: Wenn Deut</span><span dir="ltr" role="presentation">sche ein Seeschiff besitzen, muss (!) </span><span dir="ltr" role="presentation">dieses die Bundesflagge führen. Das </span><span dir="ltr" role="presentation">Flaggenrechtsgesetz kennt da in Para</span><span dir="ltr" role="presentation">graf 1 keine Ausnahme.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Das entspricht auch dem Völkerrecht. Im </span><span dir="ltr" role="presentation">1982</span> <span dir="ltr" role="presentation">verabschiedeten</span> <span dir="ltr" role="presentation">Seerechtsüberein</span><span dir="ltr" role="presentation">kommen der Vereinten Nationen heißt es in </span><span dir="ltr" role="presentation">Artikel 91: „Schiffe besitzen die Staatszu</span><span dir="ltr" role="presentation">gehörigkeit des Staates, dessen Flagge zu </span><span dir="ltr" role="presentation">führen sie berechtigt sind. Zwischen dem </span><span dir="ltr" role="presentation">Staat und dem Schiff muss eine echte Ver</span><span dir="ltr" role="presentation">bindung bestehen.“</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Tatsächlich ist die Lage aber eine völlig </span><span dir="ltr" role="presentation">andere. Ende 2023 führten von knapp </span><span dir="ltr" role="presentation">1.700 deutschen Handelsschiffen nur 259 </span><span dir="ltr" role="presentation">die Bundesflagge – ein mageres Sechstel. </span><span dir="ltr" role="presentation">Über 400 Schiffe deutscher Reedereien </span><span dir="ltr" role="presentation">fahren unter der Flagge des Karibikstaates </span><span dir="ltr" role="presentation">Antigua und Barbuda, 360 sind im afrika</span><span dir="ltr" role="presentation">nischen Liberia registriert. </span><span dir="ltr" role="presentation">Aber wie kann das sein, wenn Deutsche </span><span dir="ltr" role="presentation">doch verpflichtet sind, dass ihre Schiffe die </span><span dir="ltr" role="presentation">deutsche Flagge führen? Und wo ist die </span><span dir="ltr" role="presentation">„echte Verbindung“ deutscher Reedereien </span><span dir="ltr" role="presentation">in die Karibik oder nach Westafrika?</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Der Gesetzgeber hat den Reedern die </span><span dir="ltr" role="presentation">Möglichkeit geschaffen, sich von den deut</span><span dir="ltr" role="presentation">schen Gesetzen freizukaufen. Das Flaggen</span><span dir="ltr" role="presentation">gesetz räumt dem Bundesamt für See</span><span dir="ltr" role="presentation">schifffahrt</span> <span dir="ltr" role="presentation">und</span> <span dir="ltr" role="presentation">Hydrographie</span> <span dir="ltr" role="presentation">(BSH)</span> <span dir="ltr" role="presentation">die</span> <span dir="ltr" role="presentation">Möglichkeit ein, deutschen Reedern oder </span><span dir="ltr" role="presentation">Ausrüstern auf deren Antrag für maximal </span><span dir="ltr" role="presentation">zwei Jahre das Führen einer ausländischen</span> <span dir="ltr" role="presentation">Flagge zu erlauben. Was wohl mal als Aus</span><span dir="ltr" role="presentation">nahme gedacht war, hat längst ein Eigenle</span><span dir="ltr" role="presentation">ben entwickelt, denn der Antrag kann nach </span><span dir="ltr" role="presentation">Ablauf der zwei Jahre einfach neu gestellt </span><span dir="ltr" role="presentation">werden, und vom BSH werden die Anträge </span><span dir="ltr" role="presentation">im Normalfall durchgewunken.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Als Ausgleich wird von den Schiffseig</span><span dir="ltr" role="presentation">nern verlangt, auf jedem ausgeflaggten </span><span dir="ltr" role="presentation">Schiff mindestens einen Ausbildungsplatz </span><span dir="ltr" role="presentation">für Schiffsmechaniker*innen oder Offiziers</span><span dir="ltr" role="presentation">assistent*innen  bereitzuhalten. Oder auch </span><span dir="ltr" role="presentation">nicht, denn wenn sie das nicht wollen, zeigt </span><span dir="ltr" role="presentation">sich der Gesetzgeber auch hier</span> <span dir="ltr" role="presentation">großzügig. </span><span dir="ltr" role="presentation">Die Reedereien dürfen einen Ablösebetrag </span><span dir="ltr" role="presentation">an</span> <span dir="ltr" role="presentation">die</span> <span dir="ltr" role="presentation">vom</span> <span dir="ltr" role="presentation">Reederverband</span> <span dir="ltr" role="presentation">gegründete</span> <span dir="ltr" role="presentation">„Stiftung</span> <span dir="ltr" role="presentation">Schifffahrtsstandort</span> <span dir="ltr" role="presentation">Deutsch</span><span dir="ltr" role="presentation">land“ überweisen und sich so von der Aus</span><span dir="ltr" role="presentation">bildungsverpflichtung freikaufen. Die vom </span><span dir="ltr" role="presentation">BSH festgelegte Höhe dieses Lösegeldes </span><span dir="ltr" role="presentation">liegt aktuell je nach Schiffsgröße zwischen </span><span dir="ltr" role="presentation">gut 2.000 und knapp 20.000 Euro im Jahr. </span><span dir="ltr" role="presentation">Das wird von den Reedern als Einladung </span><span dir="ltr" role="presentation">verstanden,</span> <span dir="ltr" role="presentation">ihre</span> <span dir="ltr" role="presentation">Schiffe</span> <span dir="ltr" role="presentation">in</span> <span dir="ltr" role="presentation">Ländern</span> <span dir="ltr" role="presentation">zu </span><span dir="ltr" role="presentation">registrieren, die zum Beispiel durch niedrige </span><span dir="ltr" role="presentation">Steuern,</span> <span dir="ltr" role="presentation">schwache</span> <span dir="ltr" role="presentation">Sozialstandards</span> <span dir="ltr" role="presentation">und </span><span dir="ltr" role="presentation">f</span><span dir="ltr" role="presentation">ehlende Umweltvorschriften einen  kosten</span><span dir="ltr" role="presentation">günstigeren Betrieb erlauben – eben Billig</span><span dir="ltr" role="presentation">flaggen. </span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Ein</span> <span dir="ltr" role="presentation">weiterer</span> <span dir="ltr" role="presentation">Grund: Die</span> <span dir="ltr" role="presentation">Billig</span><span dir="ltr" role="presentation">flaggenstaaten gestatten es den Reedern, </span><span dir="ltr" role="presentation">Seeleute zu geringeren Heuern zu beschäfti</span><span dir="ltr" role="presentation">gen, als dies im eigentlichen Heimatland </span><span dir="ltr" role="presentation">möglich wäre. Die Internationale Transport</span><span dir="ltr" role="presentation">arbeiter-Föderation (ITF) hat 42 Länder zu</span> <span dir="ltr" role="presentation">Billigflaggen erklärt. Neben bekannten Kan</span><span dir="ltr" role="presentation">didaten wie Bahamas, Liberia oder</span> <span dir="ltr" role="presentation">Zypern </span><span dir="ltr" role="presentation">ist auch Deutschland aufgeführt – denn das </span><span dir="ltr" role="presentation">1989 eingeführte deutsche</span> <span dir="ltr" role="presentation">„Internationale </span><span dir="ltr" role="presentation">Schifffahrtsregister“ (ISR) erlaubt es den </span><span dir="ltr" role="presentation">Reedern, die Besatzung außerhalb deut</span><span dir="ltr" role="presentation">scher Arbeits- und Tarifbestimmungen zu </span><span dir="ltr" role="presentation">beschäftigen, ihnen also weniger zu bezah</span><span dir="ltr" role="presentation">len. Fast die Hälfte der 259 Schiffe, die </span><span dir="ltr" role="presentation">noch unter deutscher Flagge fahren, sind </span><span dir="ltr" role="presentation">in dieses Zweitregister eingetragen. Volle </span><span dir="ltr" role="presentation">Geltung haben die deutschen Tarifverträge </span><span dir="ltr" role="presentation">und Gehaltsvorschriften deshalb nur noch </span><span dir="ltr" role="presentation">auf 136 Schiffen – das sind magere 7,6 Pro</span><span dir="ltr" role="presentation">zent der deutschen Handelsflotte.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Die Bundesregierung hat gemerkt, dass </span><span dir="ltr" role="presentation">es so nicht weitergeht und Maßnahmen </span><span dir="ltr" role="presentation">angekündigt, um die „deutsche Flagge zu </span><span dir="ltr" role="presentation">stärken“. Die Rede ist von Bürokratieabbau </span><span dir="ltr" role="presentation">und ähnlichem – doch leider verstecken </span><span dir="ltr" role="presentation">sich hinter den ersten bekanntgewordenen </span><span dir="ltr" role="presentation">Ideen vor allem weitere Geschenke an die </span><span dir="ltr" role="presentation">Schiffseigner, oft zu Lasten der Seeleute. </span><span dir="ltr" role="presentation">Man orientiert sich ausdrücklich an der </span><span dir="ltr" role="presentation">Praxis in anderen Ländern – also den Billig</span><span dir="ltr" role="presentation">flaggenstaaten.</span> <span dir="ltr" role="presentation">Einen</span> <span dir="ltr" role="presentation">Wettlauf</span> <span dir="ltr" role="presentation">um</span> <span dir="ltr" role="presentation">die </span><span dir="ltr" role="presentation">niedrigsten</span> <span dir="ltr" role="presentation">Standards</span> <span dir="ltr" role="presentation">werden</span> <span dir="ltr" role="presentation">aber</span> <span dir="ltr" role="presentation">vor</span> <span dir="ltr" role="presentation">allem die Kolleg*innen an Bord verlieren. </span><span dir="ltr" role="presentation">Das muss verhindert werden!</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Stattdessen</span> <span dir="ltr" role="presentation">gäbe</span> <span dir="ltr" role="presentation">es</span> <span dir="ltr" role="presentation">andere Ansatz</span><span dir="ltr" role="presentation">punkte. Als zum Beispiel 1998 die Tonna</span><span dir="ltr" role="presentation">gesteuer eingeführt wurde, forderte die </span><span dir="ltr" role="presentation">damalige Bundesregierung von den Ree</span><span dir="ltr" role="presentation">dern im Gegenzug, bis Ende 2010 wieder </span><span dir="ltr" role="presentation">mindestens 600 Schiffe unter deutscher </span><span dir="ltr" role="presentation">Flagge zu fahren. Dieses Ziel wurde ver</span><span dir="ltr" role="presentation">fehlt – zumal das Führen der Bundesflagge </span><span dir="ltr" role="presentation">keine Voraussetzung für die Inanspruch</span><span dir="ltr" role="presentation">nahme der Tonnagesteuer ist. Wie wäre es </span><span dir="ltr" role="presentation">denn damit, solche Steuergeschenke auf </span><span dir="ltr" role="presentation">Schiffe zu beschränken, die unter der deut</span><span dir="ltr" role="presentation">schen Flagge fahren?</span></p>
<p>Erschienen in der Waterfront Nr. 1/2024</p>
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		<title>Wir sagen zusammen Halt</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/wir-sagen-zusammen-halt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 May 2024 17:58:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Maritime Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.andre-scheer.de/?p=6030</guid>

					<description><![CDATA[Maritime Wirtschaft und Abschottung passen nicht zusammen. Wer Grenzen schließen will und eine „Festung Europa“ fordert, zerstört die Grundlagen unserer[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span dir="ltr" role="presentation">Maritime Wirtschaft und Abschottung </span><span dir="ltr" role="presentation">passen nicht zusammen. Wer Grenzen </span><span dir="ltr" role="presentation">schließen will und eine „Festung Eu</span><span dir="ltr" role="presentation">ropa“ fordert, zerstört die Grundla</span><span dir="ltr" role="presentation">gen unserer Entwicklung.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Die Seefahrt ist grenzenlos und weltum</span><span dir="ltr" role="presentation">spannend. 90 Prozent des internationalen </span><span dir="ltr" role="presentation">Warenhandels</span> <span dir="ltr" role="presentation">werden</span> <span dir="ltr" role="presentation">auf</span> <span dir="ltr" role="presentation">dem</span> <span dir="ltr" role="presentation">Schiff </span><span dir="ltr" role="presentation">transportiert.</span> <span dir="ltr" role="presentation">Die</span> <span dir="ltr" role="presentation">Besatzungen</span> <span dir="ltr" role="presentation">kommen </span><span dir="ltr" role="presentation">aus aller Welt und fahren in alle Welt. </span><span dir="ltr" role="presentation">Und in den Häfen hängt die Arbeit eben</span><span dir="ltr" role="presentation">falls vom internationalen Handel ab. Ohne </span><span dir="ltr" role="presentation">die von überall her kommenden Tanker, </span><span dir="ltr" role="presentation">Containerschiffe,</span> <span dir="ltr" role="presentation">Bulker,</span> <span dir="ltr" role="presentation">Dampfer</span> <span dir="ltr" role="presentation">usw.</span> <span dir="ltr" role="presentation">gäbe es an den Terminals wenig zu tun.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Im</span> <span dir="ltr" role="presentation">Frühjahr</span> <span dir="ltr" role="presentation">haben</span> <span dir="ltr" role="presentation">Hunderttausende </span><span dir="ltr" role="presentation">Menschen gegen Rassismus demonstriert. </span><span dir="ltr" role="presentation">Das war ein wichtiges Zeichen dafür, dass </span><span dir="ltr" role="presentation">die Rechten nicht für die Mehrheit spre</span><span dir="ltr" role="presentation">chen.</span> <span dir="ltr" role="presentation">Dennoch</span> <span dir="ltr" role="presentation">zeigen</span> <span dir="ltr" role="presentation">Umfragen</span> <span dir="ltr" role="presentation">und</span> <span dir="ltr" role="presentation">Wahlergebnisse, dass viel zu viele Men</span><span dir="ltr" role="presentation">schen auf die Parolen der falschen „Alter</span><span dir="ltr" role="presentation">native für Deutschland“ hereinfallen. Die </span><span dir="ltr" role="presentation">gibt sich gerne „heimattreu“ und „bürger</span><span dir="ltr" role="presentation">nah“. Auf der Facebook-Seite des Ham</span><span dir="ltr" role="presentation">burger</span> <span dir="ltr" role="presentation">AfD-Landesverbandes</span> <span dir="ltr" role="presentation">wird</span> <span dir="ltr" role="presentation">man </span><span dir="ltr" role="presentation">von einem Foto des Hafens begrüßt – der </span><span dir="ltr" role="presentation">einzige erkennbare Bezug auf das Maritime. </span><span dir="ltr" role="presentation">Denn darunter reiht sich ein rassistischer </span><span dir="ltr" role="presentation">Post hinter den anderen. Die Seite lässt sich </span><span dir="ltr" role="presentation">zusammenfassen</span> <span dir="ltr" role="presentation">mit</span> <span dir="ltr" role="presentation">„Ausländer</span> <span dir="ltr" role="presentation">raus“.</span> <span dir="ltr" role="presentation">Und dann?</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Die AfD spielt Menschen unterschied</span><span dir="ltr" role="presentation">licher Herkunft gegeneinander aus, damit </span><span dir="ltr" role="presentation">diese nicht merken, dass sie gemeinsame </span><span dir="ltr" role="presentation">Interessen</span> <span dir="ltr" role="presentation">haben.</span> <span dir="ltr" role="presentation">Damit</span> <span dir="ltr" role="presentation">stellt</span> <span dir="ltr" role="presentation">sich</span> <span dir="ltr" role="presentation">die </span><span dir="ltr" role="presentation">Partei in den Dienst von Unternehmern und </span><span dir="ltr" role="presentation">Reedern, die Rechte von Beschäftigten aus</span><span dir="ltr" role="presentation">höhlen wollen. Die einen flaggen Schiffe </span><span dir="ltr" role="presentation">aus, um einem Teil der Mannschaft geringe</span><span dir="ltr" role="presentation">re Heuern zahlen zu können. Andere ver</span><span dir="ltr" role="presentation">weisen auf die Häfen in Rotterdam und </span><span dir="ltr" role="presentation">Amsterdam, um von den Beschäftigten in </span><span dir="ltr" role="presentation">Hamburg oder Wilhelmshaven Mehrarbeit </span><span dir="ltr" role="presentation">zu geringen Löhnen zu erpressen. Und die </span><span dir="ltr" role="presentation">AfD fordert dann im Bundestag weitere </span><span dir="ltr" role="presentation">Subventionen für die Unternehmen, um den </span><span dir="ltr" role="presentation">deutschen Standort gegen die Konkurrenz </span><span dir="ltr" role="presentation">aus den Niederlanden zu stärken. Oder ver</span><span dir="ltr" role="presentation">langt, dass Gewinne dort versteuert werden </span><span dir="ltr" role="presentation">sollen, wo sie erwirtschaftet werden – ein </span><span dir="ltr" role="presentation">Geschenk für die Reeder, die sich, Billig</span><span dir="ltr" role="presentation">flagge sei Dank, schon auf die Steuersätze </span><span dir="ltr" role="presentation">von Liberia und Antigua freuen.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Wer seinen Lebensunterhalt mit Arbeit </span><span dir="ltr" role="presentation">verdient, hat von der AfD nichts Gutes zu </span><span dir="ltr" role="presentation">erwarten. Die Partei will die Rechte der </span><span dir="ltr" role="presentation">Beschäftigten „entschlacken“ und „flexibi</span><span dir="ltr" role="presentation">lisieren“, sie hofft auf ein „gedeihliches </span><span dir="ltr" role="presentation">Zusammenwirken“ von Unternehmern und </span><span dir="ltr" role="presentation">Beschäftigten in den Betrieben, die „im </span><span dir="ltr" role="presentation">Geiste der Sozialpartnerschaften kooperie</span><span dir="ltr" role="presentation">ren“ sollen, um „betriebliche Ziele“ zu er</span><span dir="ltr" role="presentation">reichen. Gewerkschaften haben in solchen </span><span dir="ltr" role="presentation">Vorstellungen</span> <span dir="ltr" role="presentation">keinen</span> <span dir="ltr" role="presentation">Platz,</span> <span dir="ltr" role="presentation">ihnen</span> <span dir="ltr" role="presentation">wird </span><span dir="ltr" role="presentation">unterstellt,</span> <span dir="ltr" role="presentation">vorsätzlich</span> <span dir="ltr" role="presentation">Konflikte</span> <span dir="ltr" role="presentation">herbei</span><span dir="ltr" role="presentation">zuführen und „hetzerische Klassenkampf</span><span dir="ltr" role="presentation">rhetorik“ zu verbreiten. Die AfD träumt also </span><span dir="ltr" role="presentation">von der „Volksgemeinschaft“ – das hatten </span><span dir="ltr" role="presentation">wir schon mal, und das ging nicht gut aus.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Deshalb</span> <span dir="ltr" role="presentation">stehen</span> <span dir="ltr" role="presentation">wir</span> <span dir="ltr" role="presentation">als</span> <span dir="ltr" role="presentation">ver.di,</span> <span dir="ltr" role="presentation">als </span><span dir="ltr" role="presentation">Gewerkschafter*innen,</span> <span dir="ltr" role="presentation">entschlossen</span> <span dir="ltr" role="presentation">ge</span><span dir="ltr" role="presentation">gen rechts, gegen die AfD und ihren Ras</span><span dir="ltr" role="presentation">sismus. Auch und gerade in der Maritimen </span><span dir="ltr" role="presentation">Wirtschaft.</span></p>
<p>Erschienen in der <a href="https://oeffentliche-private-dienste.verdi.de/service/publikationen/waterfront/++co++1dd057dc-10f5-11ef-b05d-c552daf0a9f2" target="_blank" rel="noopener">Waterfront Nr. 1/2024</a></p>
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		<title>Auf Kurs bringen</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/auf-kurs-bringen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Aug 2023 15:40:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Maritime Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesfachbereichskonferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeskongress]]></category>
		<category><![CDATA[Organisationswahlen]]></category>
		<category><![CDATA[Schifffahrt]]></category>
		<category><![CDATA[ver.di]]></category>
		<category><![CDATA[Waterfront]]></category>
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					<description><![CDATA[Im September kommen in Berlin rund 1.000 Delegierte aus allen Teilen des Landes und allen möglichen Branchen zusammen, um auf[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im September kommen in Berlin rund 1.000 Delegierte aus allen Teilen des Landes und allen möglichen Branchen zusammen, um auf dem 6. Bundeskongress von ver.di über die weitere Arbeit der Gewerkschaft zu diskutieren, Beschlüsse zu fassen und den Vorstand zu wählen. Der siebentägige Kongress, das höchste Gremium unserer Gewerkschaft, ist der Höhepunkt eines monatelangen, intensiven Prozesses, der die gesamte Organisation erfasst. Es begann mit Mitgliederversammlungen vor Ort über Konferenzen in Bezirken und Landesbezirken bis hin zu den bundesweiten Versammlungen.</p>
<p>Für uns dabei natürlich von besonderem Interesse waren die Bundesfachgruppenkonferenz Luftverkehr und Maritime Wirtschaft im Februar sowie die Bundesfachbereichskonferenz im April. Hier wurden<br />
die Weichen für unsere weitere Arbeit in den kommenden Jahren gestellt. So werden wir uns gemeinsam dafür einsetzen, dass die See- und Binnenhäfen mit angeschlossenen Hinterlandnetzwerken als kritische Infrastruktur anerkannt werden und in der öffentlichen Hand verbleiben. Nur so können sie entsprechend<br />
des öffentlichen Interesses für die Zukunft fit gemacht werden: „Es sind von politischer Seite auskömmliche Investitionsmaßnahmen vorzunehmen, um die vorhandene Infrastruktur (zum Beispiel Kaimauern, Hafeneisenbahn und Schienenhinterlandverkehr, Wasserstraßen/Schleusen) adäquat instand zu halten, bedarfsgerecht und zukunftsfähig auszubauen. Dies umfasst neben den originären Hafenflächen auch die Hinterlandinfrastruktur außerhalb der Häfen und korrelierende Transportnetze sowie die digitale Infrastruktur der Häfen. Häfen müssen ihren Beitrag zur Reduktion von klimaschädlichen Treibhausgasen leisten und in Eigenverantwortung entsprechende Maßnahmen ergreifen.“</p>
<p>Die laufenden Veränderungen in allen Bereichen der Maritimen Wirtschaft stellen gerade auch für die Beschäftigten eine besondere Herausforderung dar. Insbesondere Digitalisierungs- und Automatisierungsprozesse haben Auswirkungen auf die Möglichkeiten der Mitbestimmung, die sich im<br />
Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) bisher nicht widerspiegeln. Deshalb waren sich die Delegierten der Bundesfachgruppenkonferenz einig, dass eine Reform des Gesetzes nötig ist und forderten eine „Ausweitung der Mitbestimmungsmöglichkeiten in Transformationsprozessen, sodass betriebliche und gewerkschaftliche Interessenvertretungen frühzeitig in betriebliche Veränderungsprozesse einbezogen werden und mitentscheiden können.“</p>
<p>Das gilt insbesondere auch für Paragraph 116 des BetrVG, in dem die Wahl und Rolle der Seebetriebsräte ge regelt wird. Hier ist eine Reform besonders dringend, denn in der deutschen Seeschifffahrt gibt es kaum noch Seebetriebsräte. Die vorgeschriebene Anzahl für die Wählbarkeit (die Anzahl der Schiffe oder Besatzungsmitglieder) muss deshalb der Entwicklung entsprechend angepasst werden.</p>
<p>Insgesamt „aus dem Ruder gelaufen“ sei die Schifffahrtspolitik des Bundes, so die Delegierten im Februar in Berlin. Wir verzeichnen in Deutschland inzwischen die geringste Anzahl an Auszubildenden überhaupt und eine stetig sinkende Anzahl an Seeleuten. In der Folge beklagen die Akteur*innen in der maritimen Branche einen Mangel an Fachkräften mit ausreichender Seefahrterfahrung. Dieses umfangreiche spezielle Wissen lässt sich mit Ausbildungswegen vor Ort nicht in der gleichen Qualität erwerben. Deshalb muss die Schifffahrtspolitik auf mehr Ausbildung und Beschäftigung ausgerichtet werden. Alle Schiffe, die unter EU-Flaggen fahren, müssen zur Ausbildung verpflichtet werden, Schiffe unter Billigflaggen sollen keine Vorzüge mehr über die Tonnagesteuerregelung erhalten. Zudem muss die Nationalitätenverordnung in der Schiffsbesetzungsverordnung wieder mindestens vier deutsche Seeleute an Bord verbindlich vorschreiben.</p>
<p>Im Bereich der nationalen Schifffahrt soll das Führen der deutschen Flagge vorgeschrieben werden, um dadurch und durch vergleichbare weitere Vorschriften die Ausbildung zu erhalten und die Seearbeitsplätze zu sichern. Für die Binnenschifffahrt muss zudem der Mindestlohnanspruch verbindlich zur Anwendung kommen. Gemeinsam mit der Europäischen Transportarbeiterföderation (ETF) sollte ver.di anstreben, einen einheitlichen europäischen Tarifvertrag für die Binnenschifffahrt im Bereich Cruise und Fracht zu vereinbaren. So war es besonders gut, dass mit Livia Spera die Generalsekretärin der ETF an unserer Konferenz teilgenommen hatte. In ihrem Grußwort hob sie die Bedeutung der gemeinsamen Arbeit von ETF und ver.di hervor, denn es gehe um eine Transportwirtschaft, in der die arbeitenden Menschen im Mittelpunkt stehen. Dazu werde man koordiniert bei den multinationalen Unternehmen arbeiten und Einfluss auf die Institutionen der EU nehmen.</p>
<p>Erschienen im August 2023 in der <a href="https://oeffentliche-private-dienste.verdi.de/service/publikationen/waterfront/++co++de15739e-41c8-11ee-b669-001a4a160110" target="_blank" rel="noopener">Waterfront Nr. 1/2023</a></p>
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