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	<title>Deutscher Freiheitssender 29 &#8211; André Scheer</title>
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		<title>»Die Kommunistische Partei spricht zu euch«</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Mar 2023 10:07:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Serie: Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Deutscher Freiheitssender 29]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunkgeschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland. Teil 3.2: Der Deutsche Freiheitssender Seit dem 10. Januar 1937 war[...]]]></description>
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<div class="teaser lead"><strong>Klassenkampf im Äther – 100 Jahre Rundfunk in Deutschland. Teil 3.2: Der Deutsche Freiheitssender</strong></div>
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<p>Seit dem 10. Januar 1937 war auf der Kurzwelle 29,8 Meter (10.060 kHz) im Deutschen Reich ein neuer Sender zu empfangen, der offenkundig nicht unter Kontrolle der Nazis stand. Die Sendungen begannen mit den ersten Takten der »Internationale«, dann folgte die Ansage: »Achtung, Achtung! Hier spricht der antifaschistische Sender, die Stimme der Kommunistischen Partei Deutschlands! Trotz Gestapo!«¹</p>
<p>Im April 1937 übergab die KPD den Sender an den in Paris unter der Leitung von Heinrich Mann gebildeten »Ausschuss zur Vorbereitung einer deutschen Volksfront«. Erst ab diesem Zeitpunkt nahm 29,8 auch den heute bekannten Namen <em>Deutscher Freiheitssender</em> an, um damit den neuen, überparteilichen Charakter zu unterstreichen.² Die <em>Deutsche Volks-Zeitung</em> (<em>DVZ</em>) meldete die Namensgebung in ihrer Ausgabe vom 18. April 1937: »Welle 29,8 wird zum Organisator aller Kräfte, die für die deutsche Freiheit kämpfen. Und es zeugt in hohem Maße von der tiefen Verbundenheit der deutschen Kommunisten mit den deutschen Freiheitskämpfern, wenn sie jetzt ihren Sender der sich bildenden deutschen Volksfront zur Verfügung stellen. ›Deutscher Freiheitssender‹, so taufte der Vertreter des Zentralkomitees der KPD den Sender 29,8 auf der Volksfrontkonferenz in Paris in einer Erklärung, mit der er der werdenden deutschen Volksfront dieses brüderliche Geschenk überbrachte.«³</p>
<h3>Kontrolle durch die KPD</h3>
<p>De facto behielt die KPD jedoch die Kontrolle über das Programm. Das ließ sich schon aus Gründen der Konspiration kaum vermeiden, denn die direkt an den Sendungen beteiligten Genossen waren Kommunisten, und der Kontakt zu ihnen lief über die illegalen Strukturen der KPD. Hinzu kam, dass der Volksfrontausschuss aufgrund der schweren Differenzen zwischen den beteiligten Parteien nie wirklich arbeitsfähig wurde und damit auch nicht in der Lage war, die Arbeit des Senders auszuwerten und zu bestimmen. Vor allem aber blieb die sozialdemokratische Führung demonstrativ auf Distanz zum <em>Freiheitssender</em>. Im <em>Neuen Vorwärts</em>, der vom Exilvorstand der SPD zunächst im tschechoslowakischen Karlsbad – dem heutigen Karlovy Vary – und dann in Paris herausgegebenen Wochenzeitung, findet sich in der Zeit der Existenz von 29,8 kein einziger Hinweis auf den Sender. Erst im Oktober 1939 wurde der »bolschewistische Schwarzsender« in einer Glosse beiläufig erwähnt.⁴ Der <em>Sozialdemokrat</em>, die in Prag erscheinende Zeitung der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik, ging dagegen bereits wenige Wochen nach dem Start auf den <em>Freiheitssender</em> ein. Am 27. März 1937 zitierte das Blatt zunächst eine nicht namentlich genannte Zeitung, die hinter dem Geheimsender »eine illegale Sendestation oppositioneller Reichswehrgruppen« vermutet habe, weil es ausgeschlossen sei, »dass zivile Kreise eine so genaue Kenntnis der militärischen Verhältnisse haben können, die der Sender äußert«. Dann allerdings bemühte man sich, den <em>Freiheitssender</em> zu demaskieren: »Hier in diesem Aufsatz soll nun das gezeigt werden, was Goebbels und die Gestapo längst wissen. Es ist technisch unmöglich, dass dieser Sender mit der Wellenlänge 29,8 Meter, der in ganz Deutschland gehört wird, in Deutschland auch sendet.« Nach einer längeren Erläuterung der Ausbreitungsbedingungen kurzer Wellen kam der Autor, ein Kurt Doberer, zu dem Schluss, dass »Valencia und Madrid (…) für diese Wellenlänge ideal« lägen, »und da, wie aus einem Betriebsunfall des Ansagers ersichtlich, der Sender auf Welle 29,8 zugleich der Sender der italienischen Kommunistischen Partei ist, dürfte nicht allzuviel Rätselraten über den Sendeort notwendig sein.«⁵</p>
<p>Der Autor hatte recht: Die Gestapo war dem Standort des Senders schnell auf die Spur gekommen. In einem »Jahreslagebericht« des »Sicherheitsdienstes« der SS für 1937 wurde festgehalten: »Dieser Sender, dessen Standort sehr bald in Spanien, in der Nähe von Madrid, ausgepeilt werden konnte, meldete sich in der ersten Zeit als ›Sender der Kommunistischen Partei Deutschlands‹ und behauptete an jedem Abend aus einem anderen Orte Deutschlands zu senden.«⁶</p>
<p>Der genaue Standort des Freiheitssenders war eine Anlage in Pozuelo del Rey unweit der spanischen Hauptstadt. Dort hatte das deutsche Unternehmen Siemens-Schuckert im Februar 1936 den damals zweitstärksten Sender Europas errichtet, der Rundfunkprogramme nach Südamerika und Asien ausstrahlen sollte. Als die Republikaner nach ihrem Erfolg bei den Parlamentswahlen am 19. Februar 1936 die Regierung in Spanien übernahmen, brach der deutsche Konzern die Arbeiten ab. Um die Anlagen trotzdem in Betrieb nehmen zu können, mussten fehlende Bauteile besorgt werden. Das gelang über den Beschaffungsapparat der KPD in Paris. So wurden unter anderem Kristalle zur Stabilisierung von Kurzwellensendungen organisiert, die Siemens-Schuckert erst kurz zuvor entwickelt hatte.⁷</p>
<p>Mit Zustimmung des für die Medien zuständigen Bildungs- und Kulturministers Jesús Hernández Tomás, einem Mitglied der Kommunistischen Partei Spaniens, wurde der Sender – der offiziell nie in Betrieb genommen wurde – den Verbündeten der Republik für antifaschistische Sendungen ins Ausland zur Verfügung gestellt. Neben dem <em>Deutschen Freiheitssender</em> 29,8 liefen von dort aus zu anderen Uhrzeiten und auf anderen Frequenzen auch Sendungen in italienischer, bulgarischer und portugiesischer Sprache.⁸</p>
<p>Ganz zu Beginn war für die Sendungen nur ein Techniker zuständig, dem die Beiträge aus der Redaktion per Telefon direkt nach Madrid in das Mikrofon übermittelt wurden. Dann übernahm zunächst Otto Wahls alias »Börner« die Aufgabe des Sprechers, im Juli 1938 wurde er von Hanns Maaßen abgelöst. Das getarnte Studio befand sich mitten in Madrid, im ehemaligen Gebäude des katholischen Verlags Editorial Católica. Das Haus war nach dem Franco-Putsch beschlagnahmt worden und diente nun den Zeitungen <em>Mundo Obrero</em> der spanischen KP und <em>Política</em> der Republikanischen Linken als Redaktionsraum. Schon dadurch war in dem Gebäude viel »Laufkundschaft« zu verzeichnen, so dass die Anwesenheit von Ausländern nicht weiter auffiel. In den oberen Stockwerken befanden sich Wohnungen, von denen eine das Studio des <em>Freiheitssenders</em> beherbergte, und eine Pension. In dieser quartierte sich auch Maaßen ein, so dass er zur Arbeit nur ein Stockwerk tiefer gehen musste, »um eine bekannte Familie zu besuchen«. Pünktlich um 20 Uhr Ortszeit – in Deutschland war es da schon 22 Uhr – spielte er die »Internationale« und meldete sich dann mit der Ansage: »Achtung, Achtung! Hier spricht der Deutsche Freiheitssender auf Welle 29,8 – trotz Gestapo!«</p>
<h3>Schwierige Bedingungen</h3>
<p>»Die Atmosphäre in der belagerten Stadt, in der unser Studio stand, war nur dazu angetan, den kämpferischen Geist der Sendungen, die ich täglich sprach, zu heben«, erinnerte sich Maaßen nach dem Krieg. »Wie oft ist es mir passiert, dass mitten in der Sendung die Sirenen aufheulten und das E-Werk den Strom abschaltete. Nun arbeitete unser Sender natürlich mit eigenem Aggregat, die Lichtleitung war aber dem Ortsnetz Madrid angeschlossen. Dann musste ich die Sendung um einige Sekunden unterbrechen, bis ich meine Notbeleuchtung angezündet hatte. In solchen Fällen pflegte ich mich nicht bei meinen Hörern in Deutschland zu entschuldigen. Wie hätten sie mich auch verstehen sollen, noch hatten sie ja den Krieg nicht im eigenen Hause! Ich setzte dann meine Sendung einfach mit dem nächsten Absatz des Manuskripts fort.«⁹</p>
<p>Die Redaktion allerdings befand sich Hunderte Kilometer entfernt in Valencia, in der nach der Iberischen Anarchistischen Föderation benannten Calle de la FAI im Stadtviertel L’Eixemple. Der Straßenname wurde nach dem Sieg der Faschisten natürlich geändert, heute trägt sie den Namen Carrer del Dr. Sumsi.¹⁰ Als die spanische Regierung Anfang 1938 angesichts der näherrückenden Franco-Truppen von Valencia nach Barcelona übersiedelte, folgte ihr die Redaktion in die katalanische Metropole und richtete sie in einem Hochhaus an der Avinguda Diagonal ein, die damals in Erinnerung an das Datum der Ausrufung der Zweiten Spanischen Republik den Namen »14. April« (Avinguda del Catorze d’Abril) trug. Hier hatte auch das »Deutsche Büro« unter der Leitung von Franz Dahlem seinen Sitz, das den Kontakt zwischen der spanischen Regierung und den Internationalen Brigaden sicherstellte.</p>
<p>Verantwortlicher und zunächst einziger Redakteur des <em>Freiheitssenders</em> in Valencia war zunächst Gerhart Eisler, der in der DDR später das Staatliche Rundfunkkomitee leitete. Mitte 1937 wurde Eisler dann vom ZK der KPD nach Paris abberufen, um die »Berner Konferenz« seiner Partei vorzubereiten, die Anfang 1939 in der Nähe von Paris stattfand. Für ihn kam im August 1937 der gerade aus einem Zuchthaus der Nazis entlassene und aus Deutschland geflüchtete Hans Teubner. Zusammen mit dem zweiten Redakteur Erich Glückauf, der langjährige Erfahrungen als Journalist der kommunistischen Presse hatte, und den Sekretärinnen Lotte Spangenberg (»Erika«), Anni Sager und Else Teubner bildete er die Redaktion. Die Beiträge wurden nun nur noch in ganz dringenden Fällen telefonisch durchgegeben, im Normalfall transportierten sie Motorradkuriere der Internationalen Brigaden nach Madrid. Nachdem im April 1938 die faschistischen Truppen zum Mittelmeer durchbrechen und damit das von der legitimen Regierung kontrollierte Gebiet in zwei Teile aufspalten konnten, wurden die Texte auf Booten entlang der Küste nach Valencia gebracht, von wo sie dann mit Motorrädern oder Flugzeugen in die Hauptstadt weitergeleitet wurden. Es war Aufgabe Maaßens, aus diesen nur noch stockend und verspätet eintreffenden Manuskripten möglichst aktuelle Sendungen herzustellen.¹¹</p>
<p>Die Meldungen aus Deutschland hatten zu diesem Zeitpunkt oft bereits eine monatelange Odyssee hinter sich. Trotzdem herrschte bei vielen Hörern und ausländischen Beobachtern der Eindruck, dass 29,8 über die inneren Verhältnisse im »Reich« äußerst gut informiert war und schnell über Geschehnisse berichtete. Das dürfte jedoch vor allem daran gelegen haben, dass sie selbst zum ersten Mal von den geschilderten Ereignissen erfuhren und ganz selbstverständlich davon ausgingen, dass sie erst vor Kurzem passiert seien – zumal der Sender genaue Datumsangaben vermied. Tatsächlich lagen die Geschehnisse jedoch manchmal schon Monate zurück.</p>
<p>So notierte die <em>DVZ</em> am 21. November 1937, dass der <em>Freiheitssender</em> den Wortlaut eines »kürzlich im Saargebiet erschienenen Flugblattes« übertragen habe, in dem vom Widerstand der Bevölkerung »in Frankenthal und in vielen anderen Saardörfern« berichtet wurde, wo die Nazis versucht hätten, das Kreuz aus den Schulen zu entfernen: »Das gelang jedoch nicht, weil sich beherzte Männer für ihren Glauben einsetzten und trotz aller Folgen auch einen Erfolg zu verzeichnen hatten.« Die Ereignisse in Frankenholz – nicht Frankenthal, wie die <em>DVZ</em> geschrieben hatte – waren jedoch schon rund zehn Monate früher, Ende Januar 1937, durch eine Entscheidung des neuen Schuldirektors ausgelöst worden, die christlichen Kreuze abzuhängen und durch Hitlerbilder zu ersetzen. Ab dem 8. Februar blieben deshalb Kinder dem Unterricht fern, und in der Folge kam es sogar zu einem Bummelstreik der örtlichen Bergleute.¹² Schon am 28. März 1937 hatte die DVZ über diesen »Sieg der Saar-Volksfront« berichtet.¹³</p>
<p>Schneller reagierte der Sender natürlich bei Großereignissen, die auch in der internationalen Presse Widerhall fanden. So verbreitete der <em>Freiheitssender</em> im November 1938 innerhalb weniger Tage nach den antisemitischen Pogromen, die als »Reichskristallnacht« in die Geschichte eingegangen sind, einen Aufruf der KPD: »An alle Deutschen! Achtung! Achtung! Die Kommunistische Partei spricht zu Euch. Sie wendet sich an jeden anständigen Deutschen. Nieder mit den abscheulichen Judenpogromen, die Deutschland entehren! Nieder mit den abscheulichen Judenpogromen, mit denen die nationalsozialistische Diktatur versucht, ihre eigenen Verbrechen gegen das deutsche Volk vergessen zu machen. (…) Sind die Juden in Deutschland unterjocht, so kann auch das gesamte deutsche Volk nicht frei sein. Mit der Stunde der Befreiung der Juden von nationalsozialistischem Joch wird auch die Stunde der Befreiung des deutschen Volkes von diesem unwürdigen Regime schlagen.«¹⁴</p>
<h3>Knappste Form</h3>
<p>Neben den Schwierigkeiten bei der Informationsbeschaffung hatten die Redakteure und Sprecher des <em>Freiheitssenders</em> auch mit den Besonderheiten ihres Mediums zu kämpfen. Sie konnten kaum auf Erfahrungen mit dem Rundfunk zurückgreifen, denn seit den ersten Sendungen in Deutschland waren gerade einmal anderthalb Jahrzehnte vergangen, und das neue Medium entwickelte seine besonderen Ausdrucksformen erst noch. Aus der Weimarer Republik waren die Hörer Vorträge gewohnt, die kaum anders als bei einer Hochschulvorlesung daherkamen. Mit illegalen Ausstrahlungen, die sich auch noch gegen Störsender durchsetzen mussten, gab es praktisch keine Erfahrungen. Außerdem konnten die Macher in Spanien ihre eigenen Sendungen aufgrund der Ausbreitungsbedingungen der Kurzwellen selbst nicht hören und sich somit auch kein eigenes Bild machen. Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass der Tonfall der Programme – wie sich aus den wenigen erhaltengebliebenen Aufnahmen rekonstruieren lässt – an Vorträge auf Parteiversammlungen erinnert.</p>
<p>Am 7. März 1937 wandte sich ein nicht namentlich vorgestellter Sprecher – vermutlich Otto Wahls alias »Otto Börner« – an die »Verehrten Hörer, Genossen und Genossinnen« mit der Ansage: »Hören Sie jetzt einen Vortrag, wie Goebbels die Kriegsoffensive gegen die Tschechoslowakei einleitet.« Es folgte ein rund fünf Minuten langer Beitrag, in dem der Sprecher vom Blatt eine Analyse der neuesten Presseveröffentlichungen der Nazis ablas. Schon die langen Zitate aus der faschistischen Presse machten das Zuhören selbst bei einigermaßen störungsfreiem Empfang ermüdend.¹⁵</p>
<p>Rückblickend wiesen die Redakteure in einer im März 1939 für das Zentralkomitee der KPD verfassten Analyse selbstkritisch auf diese Erfahrungen hin, konnten sich aber noch immer nicht von der Sichtweise des Schreibenden lösen: »Beim Schreiben von Radioberichten oder Vorträgen ist es ratsam, die Einfachheit der Sprache zu ergänzen durch die Einfachheit der Beispiele. Nicht zu viele Zahlen! (…) Für das Radio darf man keine langen Berichte oder Vorträge schreiben. Nach Möglichkeit nichts länger als anderthalb bis zwei Schreibmaschinenseiten.«¹⁶ Ungefähr zur gleichen Zeit beschrieb auch Bertolt Brecht die besondere Herausforderung der Arbeit für eine illegale Rundfunkstation und begründete, warum er in seinen Beiträgen auf Reime und regelmäßige Rhythmen verzichtet hatte: »Die ›Deutschen Satiren‹ wurden für den <em>Deutschen Freiheitssender</em> geschrieben. Es handelte sich darum, einzelne Sätze in ferne, künstlich zerstreute Hörerschaft zu werfen. Sie mussten auf die knappste Form gebracht sein, und Unterbrechungen (durch die Störsender) durften nicht allzuviel ausmachen. Der Reim schien mir nicht angebracht, da er dem Gedicht leicht etwas In-sich-Geschlossenes, am Ohr Vorübergehendes verleiht. Regelmäßige Rhythmen mit ihrem gleichmäßigen Fall haken sich ebenfalls nicht genügend ein und verlangen Umschreibungen, viele aktuelle Ausdrücke gehen nicht hinein: der Tonfall der direkten, momentanen Rede war nötig. Reimlose Lyrik mit unregelmäßigen Rhythmen schien mir geeignet.«¹⁷</p>
<p>Nicht nur Brecht hatte Beiträge für den <em>Freiheitssender</em> verfasst. Die Liste der Gastautoren (und wenigen Autorinnen) liest sich wie ein Who’s who der fortschrittlichen Künstler und Intellektuellen jener Zeit: Willi Bredel, Ernst Busch, Albert Einstein, Lion Feuchtwanger, Ernest Hemingway, Stephan Hermlin, Egon Erwin Kisch, Heinrich und Thomas Mann, Jean Renoir, Erich Weinert und viele andere. Meist wurden die Statements schriftlich verfasst und dann vom Sprecher im Studio des Freiheitssenders verlesen, in einigen Fällen soll es aber auch in Paris angefertigte Schallplattenaufnahmen gegeben haben, die dann nach Spanien transportiert und über den Sender abgespielt wurden. So übermittelte der belgische Maler Frans Masereel über einen »ausländischen Vertrauensmann« eine »Ansprache an die Deutschen«, die von 29,8 verlesen wurde: »Deutsche Freunde, man kann nicht ohne Schmerz zu euch sprechen, aber noch weniger kann man schweigen und darauf verzichten, euch zu sagen, wie sehr die freien Menschen hoffen, dass ihr bald wieder ihr selbst sein werdet.«¹⁸ Ende 1938 strahlte 29,8 eine Botschaft des US-amerikanischen Schriftstellers Ernest Hemingway aus: »Bis heute sprach ich gewöhnlich an Sendern, die in großen Häusern aufgestellt waren. Heute liest mich, wie man mir sagt, ein Mann, der den Mut hat, seinem Volk die ganze Wahrheit zu sagen, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Ich bin glücklich, dass dies möglich ist und drücke diesem unbekannten Kameraden die Hand.«¹⁹</p>
<h3>Flucht im letzten Moment</h3>
<p>Der »unbekannte Kamerad« saß zwar nicht, wie Hemingway vielleicht annahm, versteckt in einem Keller in Nazideutschland, doch die Umstände in Spanien waren kaum weniger dramatisch. Als die Faschisten im Januar 1939 vor Barcelona standen und die republikanischen Truppen die Stadt verließen, wären die verbliebenen Redaktionsmitglieder fast zurückgeblieben, wie sich Hans Teubner erinnerte: »Wir hörten das Krachen der Bomben bei uns in Barcelona. Aber da wir daran gewöhnt waren und wenig darauf achteten, merkten wir gar nicht, wie Barcelona bereits von den Faschisten umzingelt wurde. Als die republikanischen Truppen aus Barcelona herausgezogen wurden, wurden wir das nicht gewahr. Man hatte uns bei der Evakuierung faktisch vergessen. So verdanken es Erich Glückauf, Lotte Spangenberg und ich einem glücklichen Umstand, dass wir, nachdem wir eiligst noch unsere Materialien vernichtet und unsere Geräte zerstört hatten, mit einem der allerletzten Lastwagen aus der Stadt herauskamen.«²⁰ Der Sprecher Hanns Maaßen in Madrid setzte die Arbeit noch einige Wochen fort, nun fast vollständig auf sich allein gestellt. Als die spanische Hauptstadt im März 1939 fiel, geriet er in Gefangenschaft der Franco-Faschisten, aus der er erst 1946 nach internationalem Druck freigelassen wurde. Es blieb aber unentdeckt, dass er etwas mit dem <em>Freiheitssender</em> zu tun gehabt hatte.</p>
<p>Anmerkungen:</p>
<p>1 Hans Maaßen: »29,8« in aller Munde; in: Erinnerungen sozialistischer Rundfunkpioniere, Berlin/DDR 1975, S. 191</p>
<p>2 Hans Teubner: In deutscher Nacht auf Welle 29,8; in: <em>Beiträge zur Geschichte des Rundfunks</em> (1971), Nr. 4, S. 30</p>
<p>3 <a href="https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k86646765/f4.item" target="_blank" rel="noopener"><em>Deutsche Volks-Zeitung</em>, 18.4.1937, S. 4</a></p>
<p>4 <a href="https://fes.imageware.de/fes/web/index.html?open=NV07041&amp;page=3" target="_blank" rel="noopener">Rotbart – Alte Sage, neu ausgerichtet, <em>Neuer Vorwärts</em>, 8.10.1939, S. 4</a></p>
<p>5 <a href="https://fes.imageware.de/fes/web/index.html?open=st17074&amp;page=4" target="_blank" rel="noopener"><em>Sozialdemokrat</em>, 27.3.1937, S. 5</a></p>
<p>6 <a href="https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/be42c4cb-0a02-4ab5-a07c-2c97c7807175/" target="_blank" rel="noopener">Jahreslagebericht 1937 des SD, Abt. II 121, vom 2.2.1938, Bundsarchiv R 58/2456, Bl. 18F</a></p>
<p>7 Vgl. Teubner (Anm. 2), S. 9 f.</p>
<p>8 Ebd., S. 10</p>
<p>9 Maaßen (Anm. 1), S. 191 f.</p>
<p>10 Vgl. Valencia y la República: Callejero; <a href="https://www.uv.es/republica/plano/calle/calle3.htm" target="_blank" rel="noopener">https://www.uv.es/republica/plano/calle/calle3.htm</a></p>
<p>11 Vgl. Hans Teubner: In deutscher Nacht auf Welle 29,8; in: <em>Beiträge zur Geschichte des Rundfunks</em> (1971), Nr. 4, S. 10f.</p>
<p>12 Der Schulstreik von Frankenholz, <a href="https://kurzelinks.de/Schulstreik" target="_blank" rel="noopener">https://kurzelinks.de/Schulstreik</a></p>
<p>13 <a href="https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k93789039/f7.item" target="_blank" rel="noopener"><em>Deutsche Volks-Zeitung</em>, 28.3.1937, S. 7</a></p>
<p>14 <a href="https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k93789462/f1.item" target="_blank" rel="noopener"><em>Deutsche Volks-Zeitung</em>, 20.11.1938, S. 1</a></p>
<p>15 Hans Sarkowicz; Michael Crone (Hg.): Der Kampf um die Ätherwellen (Tondokumente), Frankfurt/M. 1990, Kassette 1</p>
<p>16 Einige Hauptpunkte über das Schreiben von Radiovorträgen und Berichten. In: <em>Beiträge zur Geschichte des Rundfunks</em> (1971), Nr. 4, S. 48 ff.</p>
<p>17 Bertolt Brecht: Über reimlose Lyrik mit unregelmäßigen Rhythmen; in: ders., Gesammelte Werke, Frankfurt/M. 1967, Bd. 19, S. 403</p>
<p>18 <a href="https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k8664710r/f7.item" target="_blank" rel="noopener">Frans Masereel: Eine Ansprache an die Deutschen, <em>Deutsche Volks-Zeitung</em>, 7.8.1938, S. 7</a></p>
<p>19 <a href="https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k8664719g/f1.item" target="_blank" rel="noopener">Ernest Hemingway: Man kann ein gescheites Volk nicht ewig verdummen, <em>Deutsche Volks-Zeitung</em> 11.12.1938, S. 1</a></p>
<p>20 Teubner (Anm. 2), S. 45</p>
<p>Erschienen am 23. März 2023 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/447412.rundfunkgeschichte-die-kommunistische-partei-spricht-zu-euch.html" target="_blank" rel="noopener">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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		<title>Die Stimme der Freiheit in deutscher Nacht. Der Deutsche Freiheitssender 29,8</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/die-stimme-der-freiheit-in-deutscher-nacht-der-deutsche-freiheitssender-298/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jul 1991 15:04:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Freiheitssender 29,8]]></category>
		<category><![CDATA[Deutscher Freiheitssender 29]]></category>
		<category><![CDATA[Spanien]]></category>
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<p>Hier findet Ihr den kompletten Text meines Beitrages. Die gedruckte Ausgabe enth&auml;lt au&szlig;erdem einen Aufsatz von Mirko L Nottscheid &uuml;ber den Spanischen B&uuml;rgerkrieg als historisches Ereignis, das die Arbeit des Freiheitssenders 29,8 erst erm&ouml;glichte. Diesen Aufsatz habe ich hier nicht &uuml;bernommen, aber einen lieben Gru&szlig; an Mirko, falls er sich mal auf diese Seite verirren sollte. </p>
<p>Ich m&ouml;chte noch darauf hinweisen, dass ich auch in diesem Fall den Text nicht ver&auml;ndert habe und nur offensichtliche Tippfehler stillschweigend korrigiert habe. Das gilt auch f&uuml;r solche Teile des Textes, die ich heute anders schreiben w&uuml;rde. <span id="more-213"></span> </p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>Die Vorgeschichte</h1>
<p> 30. Januar 1933. Adolf Hitler wird Reichskanzler. Die Nacht des Faschismus bricht &uuml;ber Deutschland herein. </p>
<p> Der Rundfunk geht ohne Widerstand in die H&auml;nde der neuen Machthaber &uuml;ber. Die Nationalsozialist&shy;en m&uuml;ssen nicht viel ver&auml;ndern. Der deutsche Rund&shy;funk war am Ende der Weimarer Republik ohnehin mehr und mehr zur Regierungsstimme geworden. Seit dem Juni 1932 hatte die damalige Regierung Papen das Recht, &quot;den gesamten deutschen Rundfunk nach Bedarf t&auml;glich in der Zeit von 18.30 bis 19.30 (&#8230;) zur Verbreitung von Nachrichten, auf die die Reichsregierung Wert legt, in Anspruch zu nehmen.&quot; </p>
<p>Die Nazis verst&auml;rken nach ihrer Machtergreifung die Suche nach illegalen Rundfunksendern der Opposi&shy;tion, die bereits unter der Regierung Papen auf Hochtouren lief. Ausgel&ouml;st war sie damals worden durch einen &quot;Roten Sender an das rote Berlin&quot; der KPD: </p>
<p> <em>&quot;Hier ist der Rote Sender an das rote Berlin! Wir danken erst&shy;mal allen b&uuml;rgerlichen Bl&auml;ttern f&uuml;r die Aufmerksamkeit und die gewi&szlig; ungewollte Propaganda, die sie durch mehr oder weniger ungewollte Berichterstattung &uuml;ber unsere bisherigen Sendungen geleistet haben. <br />Ganz besonders bedanken wir uns bei der politischen Polizei. Die Welt w&uuml;rde lachen, wenn sie erf&uuml;hre, wie ihre Polizeischergen uns dabei geholfen haben, unsere Apparate zu transportieren. Es ist nicht so einfach, Schwarzsender unsch&auml;dlich zu machen, wie eine Klebekolonne festzunehmen. Also: Bahn frei unserem Roten Sender!&quot;</em> </p>
<p> Den Nazis gelingt es, ein Funknetz des sozialdemo&shy;kratischen &quot;Reichsbanners&quot;, einer Selbstverteidi&shy;gungungsorganisation der SPD gegen die Nationalso&shy;zialisten, zu zerschlagen, da&szlig; Mitglieder des &quot;Reichsbanners&quot; aufgebaut hatten, um eine Verst&auml;ndigung der Sozialdemokraten untereinander im Falle eines Putsches der Nazis zu erm&ouml;glichen. Offenbar zerst&ouml;rten viele dieser Schwarzfunker nach Hitlers Machtergreifung ihre Ger&auml;te, da die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler durch den Reichspr&auml;sidenten Hindenburg nach Lesart der SPD kein &quot;Putsch&quot; war. </p>
<p>Im M&auml;rz 1933 kann die Gestapo (&quot;Geheime Staats&shy;polizei&quot;) den Leiter der Hamburger Sendergruppe und drei seiner Mitarbeiter festnehmen und auf&shy;grund der gefundenen Unterlagen acht geheime Funk&shy;stellen und zwei Sendeanlagen ausheben, die &uuml;ber das gesamte Hamburger Stadtgebiet verteilt sind. </p>
<p>Obwohl es immer wieder vereinzelte Rundfunk-und Funkausstrahlungen deutscher Antifaschisten &#8211; vor allem w&auml;hrend des Zweiten Weltkrieges &#8211; gibt (zu nennen w&auml;re hier besonders die &quot;Rote Kapelle&quot;, s.a. die Brosch&uuml;re &quot;Die Funker der Roten Kapelle&quot; des Kurzwellen-Pressedienstes), gibt es in der Anfangszeit der NS-Diktatur keine Rundfunksendungen deutscher Antifaschisten, geschweige denn regelm&auml;&szlig;ige Programme. Die einzige Ausnahme stellen die deutschsprachigen Sendungen von Radio Moskau dar, in denen vor allem die Spitzen der in Moskau sitzenden Exil&shy;f&uuml;hrung der Kommunistischen Partei (KPD) zu Wort kommen. Die Londoner BBC sendet zu diesem Zeitpunkt noch nicht, die Rundfunkstationen aus Frankreich und der Schweiz sind auf Neutra&shy;lit&auml;t bedacht und die Schlacht der Schwarzsender wird erst im Zweiten Weltkrieg beginnen. (N&auml;heres hierzu in der Brosch&uuml;re <a href="https://www.andre-scheer.de/rundfunkgeschichte/wk2/index.php">&quot;Zwischen H&ouml;lle und Freiheit&quot;</a> des Kurzwellen&mdash;Pressedienstes). So hat der Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels noch ein Monopol auf die deutsche Meinung. </p>
<p> 18. Juli 1936. In Spanisch-Marokko putschen Teile der Armee unter F&uuml;hrung des Generals Franco gegen die gew&auml;hlte spanische Regierung. Hitler-Deutschland und Mussolini-Italien sichern Franco ihre Unterst&uuml;tzung zu. </p>
<p>Einen Tag nach Beginn der Milit&auml;rrevolte wird das Heer von der Bev&ouml;lkerung Barcelonas besiegt, ebenso in weiten Teilen des Landes. In Barcelona &uuml;bernehmen die Arbeiter, haupts&auml;chlich gef&uuml;hrt von der anarchistischen Gewerkschaft &quot;Confederaci&oacute;n Nacional des los Trabajadores&quot; (CNT), die Macht. Aber mit Unterst&uuml;tzung der von Hitler entsandten Legion &quot;Condor&quot; und von Mussolini gesandten &quot;Freiwilligen&quot; k&ouml;nnen die Faschisten sich halten. </p>
<p>Frankreich und Gro&szlig;britannien verfolgen eine Politik der &quot;Nichteinmischung&quot; und weigern sich, der republikanischen spanischen Regierung mit Waffen zu helfen, w&auml;hrend die faschistischen L&auml;nder Deutschland und Italien Franco massiv unterst&uuml;tzen. Lediglich die Sowjetunion unterst&uuml;tzt die Republik. Daf&uuml;r verlangt sie aber einen Preis, und so steigt der Einflu&szlig; der kleinen Kommunistischen Partei Spaniens (PCE). Sie kommt aber nicht im Geringsten an die eine Million Mitglieder z&auml;hlende CNT heran. </p>
<p>In dieser Situation werden die ersten Brigaden aus Freiwilligen gebildet, die aus allen L&auml;ndern Europas der Volksfrontregierung zu Hilfe eilen. Es sind auch Deutsche darunter &#8211; Sozialdemokraten, Kommunisten, Anarchisten und viele andere, die den Faschismus zu einem nicht geringen Teil in den Konzentrationslagern kennengelernt haben. Ihre Bataillone tragen die Namen deutscher Antifaschisten, die von den Nazis ermordet oder in den Konzentrationslagern gefangengehalten wurden &#8211; Hans Beimler und Ernst Th&auml;lmann sind Beispiele hierf&uuml;r. </p>
<p>In dieser Lage beginnen Rundfunksendungen in deutscher Sprache aus Spanien. Im Sommer 1936 beginnen deutsche Sendungen von Radio Madrid &#8211; Stimme des republikanischen Spaniens (La Voz de la Espa&ntilde;a Republicana) und von Radio Barcelona, einem Sender, der vor allem der Vereinigten Sozialistischen Partei Kataloniens (Partido Socialista Unificado de Catalu&ntilde;a), aber auch der Arbeiterpartei der marxistischen Einigung (Partido Obrero de la Unificaci&oacute;n Marxista &#8211; POUM) und der Iberischen Anarchistischen F&ouml;deration (Federaci&oacute;n Anarquista Ib&eacute;rica &#8211; FAI) zur Verf&uuml;gung steht. </p>
<p>Im Herbst des gleichen Jahres beginnen auch deutsch&shy;sprachige Sendungen des Senders der Generalidad, der katalonischen Regionalregierung. Diese Sendungen werden &uuml;ber die Anlagen von Radio Barcelona ausge&shy;strahlt. </p>
<p>Anfang 1937 schlie&szlig;lich senden auch der Sender der Kommunistischen Partei Spaniens und der Sender der spanischen Gewerkschaften, also der anarchistischen CNT und der sozialistischen UGT, aus Madrid deutsch&shy;sprachige Programme. </p>
<p>Und doch w&auml;chst bei den deutschen Antifaschisten, die an der Seite der spanischen Republik gegen die Faschisten k&auml;mpfen, der Wunsch nach einem eigenen Sender, einer Stimme des anderen, des antifaschistischen Deutschland, und nicht des republikanischen Spaniens. </p>
<p> Dieser Traum von einem deutschen antifaschistischen Sender ging am 10. Januar 1937 in Erf&uuml;llung.  </p>
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<h1>&quot;Hier ist der deutsche Freiheitssender 29,8&quot;</h1>
<p> Januar 1937. Zwei Ausl&auml;nder betreten das B&uuml;ro des spanischen Informationsministers Jesus Hernandez. Es sind der ehemalige deutsche Lndtagsabgeordnete Franz Dahlem und der deutsche Publizist Prof. Gerhart Eisler. Im Auftrag der Exilleitung der KPD informieren sie den Minister &uuml;ber den Wunsch der deutschen Kommunisten nach einem geheimen Rundfunksender f&uuml;r antifaschist&shy;ische Sendungen nach Deutschland. </p>
<p>Die Regierung in Madrid stimmt dem Begehren der KPD zu. Es bietet sich hier doch eine weitere M&ouml;glich&shy;keit, die Regierung des Staates zu bek&auml;mpfen, der immer offener als Aggressor gegen die spanische Volksfrontregierung und als Unterst&uuml;tzer der Franco-Putschisten auftritt. </p>
<p>Als Sender wird eine Anlage ausfindig gemacht, die erst im Jahr zuvor von der Deutschen Lufthansa (!) als Funkverbindung f&uuml;r ihre S&uuml;damerika-Linie in Puzuelo del Rey in der N&auml;he von Madrid aufgebaut worden war. Ohne Zeitverzug wird mit den Testsen&shy;dungen begonnen und schlie&szlig;lich erklingt am 10. Januar 1937 zum ersten Mal die Ansage auf der Kurz&shy;welle 29,8 Meter: </p>
<p> <em>&quot;Achtung, Achtung!  Hier spricht der antifaschistische Sender, die Stimme der Kommunistischen Partei Deutschlands.&quot;</em> </p>
<p>Das ist der Geburtstag des ersten antifaschistischen Senders, der von Deutschen betrieben wird. Die einzige Station, die zuvor mit gegen Hitler gerichteten Sendungen an die Deutschen herangetreten war, war der Sender der Schwarzen Front, eine von einer oppo&shy;sitionellen Str&ouml;mung in der NSDAP unter F&uuml;hrung von Otto Strasser betriebene Station. Dieser Sender kritisierte die Politik des Hitler-Regimes aus einer nationalsozialistischen Position heraus und warf dem &quot;F&uuml;hrer&quot; vor, er habe die nationalsozialistische Idee verraten, die antikapitalistisch sei. Als &quot;anti&shy;faschistischen Sender&quot; kann diese Station wohl kaum bezeichnet werden. </p>
<p>Von jenem 10. Januar 1937 an ist an jedem Abend um 22 Uhr die &quot;Internationale&quot; zu h&ouml;ren und anschlie&szlig;end folgt die Stationsansage des Freiheitssenders. </p>
<p> Die Station sendet unmittelbar neben dem faschist&shy;ischen Deutschlandsender, der im 30-Meter-Band die Goebbels-Propaganda in die Welt hinausfunkt. Damit bezweckt man zweierlei. </p>
<p>Zum einen k&ouml;nnen H&ouml;rer des Deutschlandsenders zuf&auml;llig auf die Sendungen des Freiheitssenders aufmerksam werden, zum anderen wird die Arbeit der St&ouml;rsender erschwert, deren Wirksamkeit eingeschr&auml;nkt bleibt, da es die Nazis vermeiden m&uuml;ssen, ihren eigenen Rundfunk unh&ouml;rbar zu machen. </p>
<p>Zu Beginn hat der Sender zwei Redakteure, die zun&auml;chst in Valencia, sp&auml;ter in Barcelona die Sendungen gestalten. Der eine von ihnen ist Hans Teubner, der vor 1933 ein Nachrichtenb&uuml;ro in Berlin geleitet hatte. Sein Kollege ist Erich Gl&uuml;ckauf, zuvor Sonderkorres&shy;pondent der &quot;Deutschen Volkszeitung&quot; in Paris. </p>
<p>W&auml;hrend Teubner und Gl&uuml;ckauf in Valencia bzw. Barce&shy;lona die Sendungen zusammenstellen, befinden sich die Studios des Senders in Madrid. Hier spricht Hans Maa&szlig;en allabendlich die Sendungen des anti&shy;faschistischen Senders, wobei ihm, wie er sp&auml;ter meint, seine &quot;harte norddeutsche Aussprache&quot; aus&shy;nahmsweise einmal zustatten kommt. </p>
<p> Was ist der Grund daf&uuml;r, da&szlig; Sender und Studio &uuml;ber 500 Kilometer voneinander entfernt liegen? </p>
<p>Es ist der Wunsch, den Standort der &quot;Stimme der Freiheit in deutscher Nacht&quot; absolut geheimzuhal&shy;ten und die Kontinuit&auml;t der Sendungen bis zum letzten Tag des Bestehens des antifaschistischen Senders zu gew&auml;hrleisten. </p>
<p>Es darf nicht vergessen werden: In Spanien herrscht Krieg, w&auml;hrend der antifaschitische Sender seine Programme nach Deutschland strahlt. </p>
<p>Alle Glieder des Apparates sind strikt voneinander getrennt, um im Falle eines Einbruches der Franco-Truppen in ein Teilgebiet der Organisation diesen Teil wie mit Sicherungsschotten in sich abriegeln zu k&ouml;nnen. Und eben aus diesem Grund hat der Sender nur so wenig Mitarbeiter. </p>
<p> Der Sprecher der Station, Hans Maa&szlig;en, erinnert sich: </p>
<p> <em>&quot;Ich stand ganz allein auf meinem Posten in Madrid. Mein Studio war geschickt in einem gro&szlig;en Redaktions&shy;geb&auml;ude mit viel &#39;Laufkundschaft&#39; im Zentrum der Stadt eingerichtet. In diesem Hause erschienen die Zeitungen zweier Volksfrontparteien, der &#39;Mundo Obrero&#39; und das Zentral&shy;organ der &#39;Izquierda Republicana&#39;. In einem der oberen Stockwerke war eine Pension, in der ich unauff&auml;l&shy;lig eine Wohnung bezog, w&auml;hrend ich abends zur Sendezeit einen Stock tiefer eine &#39;bekannte Fami&shy;lie&#39; zu besuchen pflegte. Hier war das Studio eingerichtet. Ich brauchte also gar nicht einmal mein Haus zu verlassen, um meine t&auml;gliche Arbeit zu verrichten, die auf die Minute genau um 20 Uhr begann, denn zwei volle Stunden betrug der Zeitunterschied zu Mitteleuropa. <br />Die Atmosph&auml;re in der belagerten Stadt, in der unser Studio stand, war nur dazu angetan, den k&auml;mpferisch&shy;en Geist unserer Sendungen, die ich t&auml;glich sprach, zu heben. <br />Wie oft ist es mir passiert, da&szlig; mitten in der Sendung die Sirenen aufheulten und das E-Werk den Strom abschaltete. Nun arbeitete unser Sender nat&uuml;rlich mit eigenem Aggregat, die Lichtleitung war aber dem Orts&shy;netz Madrid angeschlossen. Dann mu&szlig;te ich die Sendung um einige Sekunden unterbrechen, bis ich meine Notbeleuchtung angez&uuml;ndet hatte. In solchen F&auml;llen pflegte ich mich nicht bei meinen H&ouml;rern in Deutschland zu entschuldigen. Wie h&auml;tten sie mich auch verstehen sollen, noch hatten sie den Krieg ja nicht im eigenen Hause! Ich setzte dann meine Sendung einfach mit dem n&auml;chsten Absatz des Manu&shy;skripts fort.&quot;</em> </p>
<p> Bereits in den ersten Wochen des Sendebetriebes des antifaschistischen Senders auf Welle 29,8 best&auml;ti&shy;gen H&ouml;rerzuschriften, die die Station &uuml;ber und aus neutralen L&auml;ndern erreichen, da&szlig; 29,8 bei seinen H&ouml;rern in Deutschland ankommt. Diese Zuschriften kommen durch die Vermittlung illegaler Gewerkschafts&shy;gruppen in Deutschland &uuml;ber Gewerkschaftsb&uuml;ros im Ausland zum Sender. Bereits kurze Zeit nach Aufnahme der Sendungen entsteht in Paris ein &quot;Verbindungs&shy;komitee f&uuml;r den Geheimsender 29,8&quot;. Dieses &quot;Comite de liaison du poste emetteur de la liberte&quot;, das von der franz&ouml;sischen kommunistischen Gewerkschaft CGT ins Leben gerufen worden war, hat sein B&uuml;ro im X. Stadtteil von Paris, in der Rue de Faubourg-St. Denis 148. </p>
<p> An den Inhalt der Sendungen des antifaschistischen Senders auf Welle 29,8 erinnert sich noch einmal sein Sprecher Hans Maa&szlig;en: </p>
<p> <em>&quot;Genauigkeit und Wahrhaftigkeit verschafften unseren Sendungen in der Folgezeit gro&szlig;en Kredit bei den H&ouml;rern und trugen uns den besonderen Ha&szlig; von Goebbels ein. Wir lie&szlig;en Tatsachen sprechen. Tatsachen und noch einmal Tatsachen und stellten sie immer wieder den Biedermannserkl&auml;rungen Hitlers und G&ouml;rings gegen&uuml;ber. Nur zu gut wu&szlig;ten wir, wie leichtgl&auml;ubig die Masse des deutschen Volkes vor allem den sozialen Phrasen der Goebbels, Ley und Konsorten auf den Leim kroch. Darum konfrontierten wir mit Vorliebe die t&ouml;nenden Phrasen aus dem Vokabular der Propagandaredner und aus dem Naziprogramm mit so einfach nachpr&uuml;fbaren Fakten wie den Jahresberichten der gro&szlig;en Aktiengesellschaften und anderen Monopolunternehmen, die man dem Wirtschaftsteil jeder Zeitung entnehmen konnte. Diese wirkungsvollen Beitr&auml;ge wurden f&uuml;r unser Programm von der Redaktion in Valencia zusammen&shy;gestellt. Sie erforderten ein genaues Studium der gro&szlig;en Wirtschaftszeitun&shy;gen und eine wissenschaftliche Arbeitsweise. Mir als Sprecher blieb im allgemeinen an redaktioneller Arbeit nur noch der Kommentar vom Tage sowie die Zusammenstellung der internationalen Nachrichten, mit denen ich die Sendungen abzuschlie&szlig;en pflegte. <br />Nat&uuml;rlich war ich h&auml;ufig genug vor Tagesfragen gestellt, die keine 24 Stunden Aufschub duldeten und von mir selbst redaktionell bear&shy;beitet werden mu&szlig;ten. Und diese Ausnahme wurde sogar zur Regel, als sp&auml;ter die Redaktion in Barcelona arbeitete, jede Landverbindung zu Madrid abgeschnitten und ich auf die Paketboot-Linie oder die Luftpost angewiesen war, die aller&shy;dings oft genug ausfielen &#8211; denn Spanien war ja im Krieg!&quot;</em> </p>
<p> In dieser Anfangszeit des Senders tritt er als Stimme der KPD auf, was auch an seiner eingangs zitierten Stationsansage deutlich wird. Das mu&szlig; beachtet werden, wenn Hans Maa&szlig;en von &quot;Genauigkeit und Wahrhaftig&shy;keit&quot; spricht. Selbstverst&auml;ndlich vermittelt 29,8 die Position der Exilleitung der KPD und damit der Sowjetf&uuml;hrung unter Stalin. Und Stalins Politik war &#8211; gerade auch im spanischen Krieg &#8211; von &quot;S&auml;ube&shy;rungen&quot; der Bewegung von politischen &quot;Gegnern&quot;, von Anarchisten, Trotzkisten, Kommunisten mit ab&shy;weichenden Meinungen. Und hier machte Stalin auch nicht vor den Internationalen Brigaden halt, die f&uuml;r die spanische Republik k&auml;mpften. Auch tut der Sender nichts, um seine H&ouml;rer &uuml;ber den Standort der Station aufzukl&auml;ren, die viele in Deutschland vermuten. </p>
<p>Im Fr&uuml;hjahr 1937 wird in Paris der deutsche Volks&shy;frontausschu&szlig; gegr&uuml;ndet, ein Zusammenschlu&szlig; von Kommunisten, linken Sozialdemokraten und anderen Antifaschisten. Sein Vorsitzender wird der be&shy;kannte deutsche Schriftsteller Heinrich Mann. Die Exilleitung beschlie&szlig;t, den antifaschistischen Sender der Volksfront zu &uuml;bergeben. Ab diesem Augen&shy;blick lautet die Ansage: </p>
<p> <em>&quot;Achtung! Achtung! Hier spricht der Deutsche Freiheitssender 29,8. <br />Trotz Gestapo! Sollten Sie uns an einem Abend nicht h&ouml;ren k&ouml;nnen, aus begreiflichen Gr&uuml;nden, so suchen Sie uns am n&auml;chsten Abend. Wir kommen immer wieder!&quot;</em> </p>
<p> Als der Deutsche Freiheitssender 29,8 das Gr&uuml;ndungsmani&shy;fest des deutschen Volksfrontausschusses ausstrahlt, schreibt Heinrich Mann: </p>
<p> <em>&quot;Wir sind jetzt verbunden mit Deutsch&shy;land durch unsere M&uuml;h&#39; und Arbeit, durch Welle 29,8. Reichen wir ein&shy;ander die Hand! Verb&uuml;nden wir uns gegen den gemeinsamen Feind! Sozia&shy;listen, Kommunisten, Demokraten, Angeh&ouml;rige aller Konfessionen! Handeln wir gemeinsam, helfen wir uns gegenseitig, beenden wir jegliche Zersplitterung, die nur Hitler n&uuml;tzt. Schlie&szlig;en wir uns zusammen zur gro&szlig;en deutschen Volksfront, die allein unser deutsches Volk zum Sturze Hitlers f&uuml;hren kann!&quot;</em> </p>
<p> Mit der &Uuml;berf&uuml;hrung der Welle 29,8 zur Stimme der Volksfront wendet sie sich an alle Kreise der deutschen Bev&ouml;lkerung. Der Sender der KPD hatte sich nat&uuml;rlich fast ausschlie&szlig;lich an die Arbeiterklasse gewendet. </p>
<p>Dementsprechend ist auch das Echo in Deutschland gr&ouml;&szlig;er. Der Freiheitssender spricht jetzt alle Kreise an, die den Faschismus aus sozialen, politischen, ethischen oder religi&ouml;sen Motiven heraus ablehnen und in diesen Kreisen findet der Sender auch seine H&ouml;rer. Aber auch unter Mitgliedern der NSDAP findet 29,8 H&ouml;rer. </p>
<p>Als Stimme der Volksfront erreicht der Freiheits&shy;sender Menschen, die einen kommunistischen Sender wohl kaum h&ouml;ren w&uuml;rden. So hei&szlig;t es &uuml;ber die Wirkung von 29,8 in den vom ZK der KPD in Paris herausge&shy;gebenen &quot;Deutschland-Informationen&quot;: </p>
<p> <em>&quot;K&ouml;ln. Wir haben festgestellt, da&szlig; Pfarrer die Rede von Heinrich Mann stenographierten, dann verviel&shy;f&auml;ltigten und weitergaben. Sehr stark ist auch der Eindruck des Senders auf die sozialdemokratischen Arbeiter. <br />Konstanz. Der Sender 29,8 ist schon Tagesgespr&auml;ch und wird sogar viel von den Soldaten geh&ouml;rt. Es gibt sogar Chargierte, die nahe der Kaserne wohnen und ihn jeden Abend h&ouml;ren. Wir haben da ein interessan&shy;tes Beispiel erlebt: Ein Arbeiter in einem R&uuml;stungsbetrieb erz&auml;hlte, da&szlig; ein Feldwebel die Rundfunkge&shy;sellschaft anrief und sich erkundigte, was denn da los sei, er habe eben seinen Apparat einge&shy;stellt und einen KP-Sender geh&ouml;rt. Die Antwort der Rundfunkgesell&shy;schaft war: Ja, wir sind schon informiert, es konnte aber bis jetzt nichts daran ge&auml;ndert werden. Behalten Sie es f&uuml;r sich und sagen Sie es niemandem weiter.&quot;</em> </p>
<p> Auch die von der Sozialdemokratischen Partei (SPD) herausgegebenen &quot;Deutschland-Berichte&quot; gehen auf den Deutschen Freiheitssender 29,8 ein: </p>
<p> <em>&quot;Rheinland. In der letzten Zeit sucht man eifrig nach Schwarzh&ouml;rern. Peilwagen sind st&auml;ndig unterwegs, um die Leute festzu&shy;stellen, die Kurzwellen-Sende&shy;einrichtungen benutzen. Man besitzt auch Listen &uuml;ber alle Leute, die Empfangsger&auml;te haben. <br />Schlesien. Der kommunistische Geheimsender 29,8 hat eine gro&szlig;e Bedeutung erlangt. Selbst in den Kreisen der Nationalsozialisten wird der Gemeinschaftsempfang organisiert. Oppositionelle Nationalsozialisten lassen unver&shy;hohlen ihre Schadenfreude da&shy;r&uuml;ber erkennen, da&szlig; dieser Sender existiert. In Breslau sind in letzter Zeit einige Prozesse durchgef&uuml;hrt worden, in denen Strafen bis zu f&uuml;nf Jahren Zucht&shy;haus f&uuml;r das Rundfunkh&ouml;ren ver&shy;h&auml;ngt wurden.&quot;</em> </p>
<p> Viele deutsche und ausl&auml;ndische Prominente nutzen die Chance, &uuml;ber Welle 29,8 zum deutschen Volk zu sprechen. So zum Beispiel der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway: </p>
<p> <em>&quot;Ich war in diesem Sommer bei der Ebro-Offensive der repu&shy;blikanischen spanischen Armee. Da sah ich Deutsche, die sa&szlig;en in Heinkel- und Junkers-Flugzeugen; sie kamen in &Uuml;berzahl, flogen &uuml;ber friedliche D&ouml;rfer, warfen ihre Bomben ab, pulverisierten die H&auml;user der Bauern, verbrannten die Ernte und flohen dann, ohne den Kampf anzunehmen, als sich die ersten republikanischen Flieger am Horizont zeigten. Unten aber, &uuml;ber die Ufer des Ebro, zogen auf alle Gefahr hin das Bataillon Th&auml;lmann und andere deutsche Bataillone. Sie wagten alles, wu&szlig;ten, da&szlig; in der Gefangenschaft ihnen der Tod drohte, aber sie f&uuml;hrten ihren Auftrag aus, griffen an, siegten. Sie verpflegten sp&auml;ter die Fl&uuml;chtlinge aus den zerst&ouml;rten D&ouml;rfern, sie nahmen sich der Kinder an, sie machten gut, was die Junkers schlecht ge&shy;macht hatten. (&#8230;) Ich gr&uuml;&szlig;e diese Deutschen und verfluche die anderen, die in den Junkers sitzen, samt denen, die die feigen Bombenschmei&szlig;er da unten hingeschickt haben. Das ist alles.&quot;</em> </p>
<p> Auch Albert Einstein schickt eine Botschaft leiden&shy;schaftlicher Parteinahme f&uuml;r das republikanische Spanien und als der Beauftragte des Freiheitssenders in Gro&szlig;britannien, J&uuml;rgen Kuczynski, im Mai 1938 in die USA kommt, um Geld f&uuml;r 29,8 zu sammeln, besucht er in Princeton den genialen Gelehrten. Kuczynski mu&szlig; Einstein vom Sender, von seiner poli&shy;tischen Arbeit in England und von der Situation im Lande berichten. Der Gelehrte gibt Kuczynski eine Liste mit m&ouml;glichen Spendern, die er am folgen&shy;den Tag in einem eilig nachgeschickten Brief noch erg&auml;nzt. Kuczynski notiert: &quot;Wie gro&szlig; waren doch sein Interesse und seine Hilfsbereitschaft!&quot; Der ber&uuml;hmte fl&auml;misch-franz&ouml;sische Maler Franz Masereel richtet Anfang August 1938 ermunternde Worte an die Illegalen in Deutschland &#8211; ausgestrahlt auf Welle 29,8: </p>
<p> <em>&quot;Deutsche Freunde, wir wissen: Ihr seid geblieben, was Ihr w&auml;ret. Wir wissen, ihr seid geduldig und stark, flei&szlig;ig und z&auml;h, und ihr gebt die Hoff&shy;nung nicht auf, euch von dem lastenden Druck des K&uuml;rassier&shy;stiefels zu befreien.&quot;</em> </p>
<p> Auch der amerikanische S&auml;nger Paul Robeson spricht Anfang M&auml;rz 1938 &uuml;ber den Freiheitssender: </p>
<p> <em>&quot;Was Faschismus wirklich be&shy;deutet, das habe ich in Madrid gesehen&#8230; Als farbiger Sohn eines unterdr&uuml;ckten Volkes mu&szlig; ich gegen den Faschismus k&auml;mpfen. Meine Haltung als K&uuml;nstler kann keine andere sein. (&#8230;) F&uuml;r mich gibt es eine Aufgabe: Alles, was in meinen Kr&auml;ften steht, f&uuml;r die Unterst&uuml;tzung des spanischen Volkes zu tun. Darum habe ich beschlossen, den Ertrag meiner gesamten k&uuml;nst&shy;lerischen Arbeit der Regierung der spanischen Republik zur Verf&uuml;gung zu stellen. Ich sende dem k&auml;mpfenden deutschen Volk meine herzlichsten Gr&uuml;&szlig;e. Gleich&shy;zeitig gr&uuml;&szlig;e ich auch den Teil des spanischen Volkes, der heute in Unterdr&uuml;ckung durch den Faschismus leben mu&szlig;. Ich wei&szlig;, ein Tag wird kommen, wo das deutsche Volk einen ebenso offenen und heldenhaften Kampf f&uuml;hren kann wie das spanische Volk heute, und wie ein Teil des deutschen Volkes ihn heute be&shy;reits heimlich f&uuml;hrt. Ich kann dem deutschen Volk nur meine besten W&uuml;nsche f&uuml;r eine bessere Zukunft aussprechen.&quot;</em> </p>
<p> Im Freiheitssender sprechen auch zahlreiche ausl&auml;n&shy;dische Politiker, so mehrere Mitglieder des Partei&shy;vorstandes der Sozialistischen Partei Frankreichs, der Generalsekret&auml;r der Sozialistischen Partei Spaniens, Ramon Lamoneda, der schwedische Sozia&shy;listenchef Georg Branting und der &ouml;sterreichische Kommunistenf&uuml;hrer Johann Koplenig. </p>
<p>Auch britische Parlamentsabgeordnete sprechen auf 29,8, die die Nichteinmischungspolitik Gro&szlig;britanniens im spanischen Krieg verurteilen, so G.R. Strau&szlig;, John Parker und Captain Fletcher. </p>
<p>Lediglich rechte F&uuml;hrer der Sozialdemokratie lehnen jede Zusammenarbeit mit der Volksfront und dem Freiheitssender ab. Dies st&ouml;&szlig;t bei vielen Sozial&shy;demokraten im Reich auf Unverst&auml;ndnis, wie aus mehreren Briefen an den Freiheitssender hervorgeht. </p>
<p>Zeit seines Bestehens beherrscht die Frage nach seinem Standort die Diskussion um den Deutschen Freiheitssender 29,8. Die meisten H&ouml;rer vermuten, da&szlig; die Station von irgendwo im Reichsgebiet aus sendet &#8211; denn woher sonst k&ouml;nnte der Sender immer so aktuell informiert sein? </p>
<p>Auch die Gestapo vermutet den Sender zun&auml;chst in Deutschland. Rheinschiffe und LKWs werden durch&shy;sucht, als Ger&uuml;chte aufkommen, der Sender w&uuml;rde sich darauf befinden oder er werde gerade nach Berlin transportiert. Erst mit Hilfe italienischer Peilspezialisten kann Spanien als Standort f&uuml;r den Freiheitssender festgestellt werden, zu weit entfernt f&uuml;r den langen Arm der Gestapo. </p>
<p>Aber woher haben die Mitarbeiter des Freiheitssen&shy;ders ihre Informationen? Der Redakteur des Sen&shy;ders, Hans Teubner, erinnert sich: </p>
<p> <em>&quot;Kuriere brachten aus Paris die Kuverts der Parteif&uuml;hrung nach Spanien, die auch die Beitr&auml;ge aus dem Kreis des Volksfront&shy;ausschusses enthielten. Vor allem aber &uuml;bermittelten sie uns umfangreiche Informationen, die die Verbindungsleute zwischen den illegalen K&auml;mpfern in Deutsch&shy;land und den f&uuml;hrenden Genossen in Paris unter Einsatz ihres Lebens laufend &uuml;ber die &#39;gr&uuml;ne Grenze&#39; brachten. Dank der Fin&shy;digkeit und Kaltbl&uuml;tigkeit dieser Grenzg&auml;nger war es erst m&ouml;glich, da&szlig; die Redaktion aktuell &uuml;ber neueste Ereignisse in Deutsch&shy;land, &uuml;ber Vorg&auml;nge in den Be&shy;trieben und St&auml;dten berichten konnte, da&szlig; sie &uuml;ber exakte Meldungen von Waffen- und Truppentransporte der faschistischen Wehrmacht nach Franco-Spanien von deutschen Flugpl&auml;tzen oder vom Hamburger Hafen aus verf&uuml;gte. </p>
<p>Wir h&ouml;rten auch die faschistischen Sender ab, so da&szlig; wir sehr schnell reagieren konnten. Weiteres Material &uuml;ber Spanien bezogen wir vom ZK der KP Spaniens, aus ihrem Zentralorgan &#39;Mundo Obrero&#39; und anderen Volksfront&shy;zeitungen.&quot;</em> </p>
<p> Immer wieder zieht 29,8 Parallelen zwischen Spanien und Deutschland, um die Menschen im Reich aufzur&uuml;tteln. So sagt Franz Dahlem, der dem F&uuml;hrungsstab der Internationalen Brigaden in Spanien angeh&ouml;rt, in einer Rede, die von 29,8 &uuml;bertragen wird: </p>
<p> <em>&quot;W&uuml;rden Hitler und Mussolini in Spanien siegen, so w&auml;re die Gefahr des kriegerischen &Uuml;berfalls auf die n&auml;chsten L&auml;nder Tschecho&shy;slowakei, Litauen, &Ouml;sterreich und damit der Ausbruch des euro&shy;p&auml;ischen Krieges drohend nahe&#8230; Es geht um den Frieden der Mensch&shy;heit. </p>
<p>Wer die Zerst&ouml;rung und die Grau&shy;samkeit des Krieges miterlebt, wer das entsetzliche Elend und das grenzenlose menschliche Leid sehen mu&szlig;, der hat den hei&szlig;en Wunsch, da&szlig; unserer Heimat ein solches Schicksal erspart bleibe; denn er sieht in Gedanken, wie morgen K&ouml;ln und Essen, Hamburg, Berlin und Leipzig dasselbe Los teilen k&ouml;nnten wie heute Madrid, Barcelona, Valencia, Lerida, Castellon usw. Wer nachdenkt begreift, da&szlig; Spaniens Volksfrontarmee, und als Teil von ihr die Internationalen Brigaden, um den Frieden der Menschheit k&auml;mpfen.&quot;</em> </p>
<p> Der Zweite Weltkrieg hat Franz Dahlem auf schreck&shy;liche Weise best&auml;tigt. </p>
<p> Der Freiheitssender leitet die Werkt&auml;tigen in Deutsch&shy;land mit konkreten Vorschl&auml;gen zum Widerstand gegen den Faschismus an. Am 29. April 1937 vermerkt die Gestapo in Berlin: </p>
<p> <em>&quot;Der Schwarzsender der KPD (Welle 29,8 m) hat am 28.4.37 um 22 Uhr u.a. folgende Anregung durchge&shy;geben: &#39;Die Siemens-Arbeiter machen den Vorschlag, am 1. Mai von 12 Uhr bis 12 Uhr 15 mittags denken alle, ob Mann oder Frau, einen gemeinsamen Gedanken: Wie kann man Hitler st&uuml;rzen?&#39;&quot;</em> </p>
<p> Offensichtlich ist die Gestapo &uuml;ber derartige Aktionen beunruhigt, da nicht auszuschlie&szlig;en sei, da&szlig; sich daraus &quot;spontane Proteste&quot; entwickeln k&ouml;nnten. </p>
<p>Der Kampf gegen Goebbels wird von 29,8 auch mit der Musik gef&uuml;hrt. Der Freiheitssender bringt Kampf&shy;lieder der Arbeiterklasse in die Wohnung der Hitler&shy;gegner. Heinrich Mann dazu: </p>
<p> <em>&quot;H&ouml;rt das Lied der Zeit, h&ouml;rt alle seinen Schall und Schritt! &#8230; Das Lied der Zeit hat euren Tonfall. Ihr sollt es wiedererkennen, wenn die Platten mit den Brandges&auml;ngen vom deutschen Freiheitssender euch in die Ohren gest&uuml;rmt werden.&quot;</em> </p>
<p> Eines der vom Freiheitssender gespielten Lieder ist Ernst Buschs Lied &quot;Th&auml;lmann-Kolonne&quot;: </p>
<p> <em>&quot;Spaniens Himmel breitet seine Sterne <br />&uuml;ber unsere Sch&uuml;tzengr&auml;ben aus <br />und der Morgen lacht schon aus der Ferne, <br />bald geht es zu neuem Kampf hinaus! <br />Die Heimat ist weit, <br />doch wir sind bereit &#8211; <br />wir k&auml;mpfen und siegen f&uuml;r dich, <br />f&uuml;r Spaniens Freiheit!&quot;</em> </p>
<p> Der Redakteur von 29,8, Hans Teubner, schreibt &uuml;ber die Rolle der Musik in den Sendungen der &quot;Stimme der Freiheit&quot;: </p>
<p> <em>&quot;In Spanien, bei den Internatio&shy;nalen Brigaden, konnte man erfahren, welch ungest&uuml;me Kraft den oft in zehn oder mehr Sprachen gesungenen Kampfliedern innewohnte. Und diese Kampflieder drangen trotz St&ouml;rsender in die deutsche Heimat und packten die Herzen der Antifaschisten. Egon Erwin Kisch hat mit seinem 1939 in Paris geschrie&shy;benen Wort Recht behalten: &#39;Wen des Volkes Lied preist, der lebt ewig, denn das Volk preist nur den, der die Sache des Volkes verficht, die ewige Sache. Man kann Menschen zu Tausenden f&uuml;silieren, zu Hunderttausenden in Konzentrationslager sperren, weiter klingt das Lied.&#39;&quot;</em> </p>
<p> Trotz allem Werben f&uuml;r die Volksfront bleibt der Freiheitssender doch die Stimme der KPD. Hans Teubner r&auml;umt auch ein:  </p>
<p> <em>&quot;Der Sender 29,8 hatte vor allem die Aufgabe, die Beschl&uuml;sse der Br&uuml;sseler Konferenz der KPD des Jahres 1935 zu popularisieren, d.h. die Strategie und Taktik der revolution&auml;ren Kampfpartei zum Sturz des Hitlerfaschismus anschaulich darzule&shy;gen und Klarheit &uuml;ber die geschichtlichen Grund&shy;fragen der deutschen Arbeiterklasse, aller Werkt&auml;tigen und der gesamten Nation zu schaffen.&quot;</em> </p>
<p> &Uuml;ber den Freiheitssender sprechen auch f&uuml;hrende Mitglieder der KPD, so z.B. Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht, die beide nach dem Krieg an die Spitze der DDR kamen. </p>
<p>Bei wichtigen Anl&auml;ssen spricht die Parteilei&shy;tung der KPD &uuml;ber den Freiheitssender zur deutschen Arbeiterklasse, so am 26. September 1938: </p>
<p> <em>&quot;Achtung, h&ouml;chste Gefahr! Hitler will den Krieg! Ach&shy;tung, h&ouml;chste Gefahr! Hitler will den Krieg! Es geht jeden an! Das Leben jedes einzelnen ist bedroht, ganz Deutschland ist aufs furchtbarste bedroht, denn Hitler will den Krieg! Achtung! Jetzt spricht zu euch die Leitung der Kommunist&shy;ischen Partei Deutschlands. Sie sagt euch, was ihr im Kriegsfall tun sollt! H&ouml;rt, was sie zu sagen hat. Fl&uuml;stert es weiter, sagt es euren Freunden und Bekannten.&quot;</em> </p>
<p> Anfang 1939 werden die Arbeitsbedingungen f&uuml;r die Mitarbeiter des Freiheitssenders immer schwieriger, weil Francos Truppen immer weiter vormarschieren. Die Bombardierungen Barcelonas durch die Flieger von Hitlers &quot;Legion Condor&quot; nehmen immer mehr zu. </p>
<p> &Uuml;ber die letzten Tage des Freiheitssenders schreibt Hans Teubner: </p>
<p> <em>&quot;Wir h&ouml;rten das Krachen der Bomben bei uns in Barcelona. Aber da wir daran gew&ouml;hnt waren und wenig darauf achteten, merkten wir gar nicht, wie Barcelona bereits von den Faschisten umzingelt wurde. Als die republikanischen Truppen aus Barcelona herausge&shy;zogen wurden, wurden wir das nicht gewahr. Man hatte uns bei der Evakuierung faktisch vergessen. So verdan&shy;ken es Erich Gl&uuml;ckauf, Lotte Spangenberg und ich einem gl&uuml;cklichen Umstand, da&szlig; wir, nachdem wir eiligst noch unsere Materialien vernichtet und unsere Ger&auml;te zerst&ouml;rt hatten, mit einem der allerletzten Lastwagen aus der Stadt herauskamen. In Gerona trennte sich Lotte von uns, weil sie einer evakuierten Frauengruppe zugeteilt wurde.&quot;</em> </p>
<p> Am 9. Januar 1939 begeben sich Hans Teubner und Erich Gl&uuml;ckauf von La Junquera &uuml;ber die Grenzbr&uuml;cke ins franz&ouml;sische Perthus. Weil die Stra&szlig;e, auf der die Interbrigadisten der XI. Brigade entlangziehen, dicht von franz&ouml;sischen Soldaten ges&auml;umt ist, sch&ouml;pfen Teubner und Gl&uuml;ckauf den Verdacht, da&szlig; der Weg im Lager endet. Deshalb kehren sie zur&uuml;ck nach Spanien und gehen mit einigen Nachhutk&auml;mpfern &uuml;ber die Berge und gelangen so unbemerkt nach Frank&shy;reich, wodurch sie der Internierung entgehen. Unbehelligt gelangen sie nach Paris, wo Teubner sofort von der KPD in die Schweiz und Gl&uuml;ckauf in ein nordeurop&auml;isches Land geschickt werden. Hans Teubner weiter: </p>
<p> <em>&quot;So war unser Sprecher Hans Maa&szlig;en ganz auf sich allein angewiesen. Jetzt mu&szlig;te er auch die gesamte redaktionelle Arbeit besorgen. Ende M&auml;rz, vor dem Fall Madrids, traf er Kurt Hager</em> (Redakteur des Freiheitssenders und des offiziellen spanischen Rundfunks, sp&auml;ter in der DDR Ideologiechef und Mit&shy;glied des Politb&uuml;ros der SED &#8211; die Red.)<em>, der ihm noch wertvolle Instruktionen gab. </p>
<p> Beim Fall Madrids gelang es Kurt Hager, nach Valencia und von dort nach England zu entkommen. Hans Maa&szlig;en dagegen geriet in faschist&shy;ische Gefangenschaft. Es blieb aber unentdeckt, da&szlig; er etwas mit dem Geheim&shy;sender zu tun gehabt hatte. Dennoch mu&szlig;te er mehrere Jahre im Franco-Kerker und -Internierungslager zubrin&shy;gen.&quot;</em> </p>
<p> Der Deutsche Freiheitssender 29,8 strahlt seine letzte Sendung am 5. M&auml;rz 1939 aus. Sechs Monate sp&auml;ter beginnt mit dem deutschen &Uuml;berfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. </p>
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<h1>Die Mitarbeiter des Deutschen Freiheitssenders 29,8</h1>
<p>B&ouml;rner, Herr: Sprecher <br />Eisler, Gerhart: Von der KPD mit dem Aufbnau des Senders beauftragt, erster Redakteur <br />Gl&uuml;ckauf, Erich: Redakteur, Sprecher <br />Gyptner, Richard: Redaktionsleiter in Paris <br />Hager, Kurt: Redakteur <br />Hager, Vera: Sprecherin <br />Kuczynski, J&uuml;rgen: Beauftragter des Freiheitssenders in Gro&szlig;britannien und Wirtschaftsredakteur <br />Maa&szlig;, Alexander: Sprecher <br />Maa&szlig;en, Hans: Sprecher, Redakteur, ab Februar 1939 allein mit den Sendungen besch&auml;ftigt <br />Sager, Annie: Sprecherin <br />Spangenberg, Lotte: Redakteurin, Sprecherin <br />Stibi, Georg: Redakteur <br />Teubner, Else: Redaktionsmitarbeiterin <br />Teubner, Hans: ab 1937 Chefredakteur</p>
<h2>Einzelne Beitr&auml;ge kamen von</h2>
<p>Anton Ackermann * Hermann Axen * Franz Dahlem * Bertold Brecht * Willi Bredel * Ernst Busch * Albert Einstein * Lion Feuchtwanger * Heinz Friedrich * Stephan Hermlin * Albert H&ouml;&szlig;ler * Alfred Kerr * Egon Erwin Kisch * Hubertus Prinz zu L&ouml;wenstein-Wertheim-Freudenberg * Rudolf Leonhard * Karl Mewis * Heinrich Mann * Thomas Mann * Hans Marchwitza * Wilhelm Pieck * Gustav Regler * Ludwig Renn * Erich Weinert * Arnold Zweig * u.a. </p>
<p> (Quelle: Conrad P&uuml;tter &#8211; Rundfunk gegen das &quot;Dritte Reich&quot;, K.G. Saur-Verlag M&uuml;nchen 1986)   </p>
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<h1>Der falsche &quot;Freiheitssender&quot;</h1>
<p> Wenige Monate nach dem Ende des Deutschen Freiheits&shy;senders 29,8 ert&ouml;nt wieder eine Ansage aus dem &Auml;ther: </p>
<p> <em>&quot;Hier ist der Deutsche Freiheits&shy;sender auf 29,8 Meter und 40,9 Meter!&quot;</em> </p>
<p> Doch dieser Deutsche Freiheitssender ist nicht nur antinationalsozialistisch und prosozialistisch, sondern auch betont antikommunistisch. Er greift den &quot;real existierenden Kommunismus&quot; stalinscher Pr&auml;gung scharf an. </p>
<p>Betrieben wird dieser Versuch, die H&ouml;rer von 29,8 an sich zu binden, von Frankreich aus. Werner Thor&shy;mann und wahrscheinlich auch Willi M&uuml;nzenberg, ein Kommunist der mit der KPD gebrochen hatte, betrei&shy;ben die Station unter dem direkten Schutz der fran&shy;z&ouml;sischen Regierung, die mit diesem Sender die Reich&shy;weite ihrer Rundfunkpropaganda gegen Hitlerdeutsch&shy;land vervollkommnen will. </p>
<p>Von den Mitgliedern der KPD im Ausland werden die Mitarbeiter des franz&ouml;sischen Deutschen Freiheits&shy;senders als &quot;Halunken&quot; angegriffen. Auch nach dem Krieg sprechen in der DDR herausgegebene Berichte &uuml;ber den Deutschen Freiheitssender 29,8 von einem mi&szlig;gl&uuml;ckten Versuch, die &quot;Arbeiter in Deutschland unter dem Deckmantel des Deutschen Freiheitssen&shy;ders mit reaktion&auml;rer Propaganda&quot; zu erreichen. </p>
<p> Die Wirksamkeit dieses zweiten Freiheitssenders kommt nicht ann&auml;hernd an die von 29,8 heran.   </p>
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<h1>&quot;Hier ist der Deutsche Volkssender&quot;</h1>
<p> 10. September 1941. Seit neunundzwanzig Monaten schweigt der Deutsche Freiheitssender 29,8. Seit dem 22. Juni befinden sich die Sowjetunion und Hitlerdeutschland im Krieg gegeneinander. An diesem Tag ert&ouml;nt auf Kurzwelle zum ersten Mal die Ansage: </p>
<p> <em>&quot;Achtung! Achtung! Hier ist der Deutsche Volkssender! Wir sprech&shy;en im Namen des deutschen Vol&shy;kes!&quot;</em> </p>
<p> Der Deutsche Volkssender ist auf Sendung. Er be&shy;zeichnet sich als Nachfolger des Freiheitssenders 29,8. </p>
<p>In der Anfangszeit seines Bestehens versucht der Volkssender den Eindruck zu erwecken, er w&uuml;rde von einer Widerstandsgruppe aus Deutschland betrieben. Doch schon nach einem halben Jahr gibt er diese Tarnung auf und bezeichnet sich jetzt als Stimme des Zentralkomitees der KPD in Moskau. </p>
<p>&Uuml;ber den Volkssender kommen alle wichtigen Funktio&shy;n&auml;re der illegalen KPD zu Wort, teilweise unter voller Namensnennung. So melden sich Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht, die auch schon &uuml;ber den Frei&shy;heitssender 29,8 gesprochen hatten. </p>
<p>Der Deutsche Volkssender betreibt auch Unterstatio&shy;nen, die zwar in ihrer Anfangsphase &#8211; zur Zeit der angeblichen &quot;Illegalit&auml;t&quot; des Volkssenders &#8211; be&shy;haupten, sie seien eigenst&auml;ndige Stationen, die aber sp&auml;ter als spezielle Zielgruppensendungen des Volkssenders auftreten. Diese Unterstationen sind der Frauensender, der Soldatensender (&quot;Die Heimat ruft die Front!&quot;) und der Jugendsender Sturmadler: </p>
<p> <em>&quot;Achtung! Achtung! Hier ist der Sturmadler, der Sender der deut&shy;schen Jugend! <br />Wahrheit, Freiheit, Recht und Ehre, <br />Das ist unser Kampfpanier! <br />Deutschlands Jugend rufen wir: Sammelt Euch in unserm Heer!&quot;</em> </p>
<p>Der Volkssender bringt auch verschl&uuml;sselte Meldun&shy;gen an angebliche oder wirkliche kommunistische Widerstandsgruppen im Reich. Wandparolen und Flug&shy;bl&auml;tter verliest man langsam zum Mitschreiben. </p>
<p>Vor allem in den deutschen Arbeiterkreisen ist der Sender bekannt. Er ist wohl als Informationsliefe&shy;rant f&uuml;r kommunistische Untergrundgruppen in Deutsch&shy;land wichtig. Besonders seine Kriegsgefangenen&shy;programme, in denen die Namen von gefangenen Wehr&shy;machtssoldaten genannt werden und die immer die Aufforderung enthalten, die Angeh&ouml;rigen &uuml;ber den Verbleib der Soldaten zu informieren, erreicht eine relativ gro&szlig;e Bekanntheit. </p>
<p> Der Volkssender arbeitet bis zum 15. Mai 1945 teilweise auf drei Frequenzen gleichzeitig in diversen Kurzwellen-Meterb&auml;ndern. </p>
<p> Mitarbeiter des Volkssenders sind: </p>
<p>Anton Ackermann (Redakteur, Sprecher), Fritz Apelt (Redakteur), Martha Arendsee (Redakteurin, Sprecherin, haupts&auml;chlich beim Soldatensender), Johannes R. Becher (Lesungen, gelegentl. Mitarbeit), Willi Bredel (Redakteur), Karl Dr&ouml;ll (Sprecher), Bernhard Dohm (Redakteur, Sprecher beim Jugendsender), Fritz Erpen-beck (Redakteur), Wilhelm Florin (bis 1944 Chefredakteur), Ernst Fischer (Kommentator), Lene Fischer (Redakteurin, Sprecherin beim Jugendsender), Helmut Gennys (Sprecher), Lea Grosse (Redakteurin, Sprech&shy;erin beim Frauensender), Gustav Gundelach (Sprecher und Redakteur), Richard Gyptner (Redakteur, Sprecher, Milit&auml;rkommentator, ab 1944 Chefredakteur des Sol&shy;datensenders), Georg Hansen (ab 1944 Chefredakteur), Edwin Hoernle (Redakteur, Sprecher), Bernhard Koenen (Redakteur, Sprecher), Lotte K&uuml;hn (Sprecherin), Grete Lohde (Redakteurin, Sprecherin beim Frauen&shy;sender), Hans Mahle (Redakteur, Sprecher beim Ju&shy;gendsender), Karl Maron (Aufrufe und Ansprache), Wilhelm Pieck (Aufrufe und Ansprachen), Fritz Sch&auml;-licke (Leiter und Sprecher des Jugendsenders), Elli Schmidt (Redakteurin, Sprecherin beim Frauensender), Paul Schwenk (Redakteur, Sprecher bei Sendungen f&uuml;r die deutsche Landbev&ouml;lkerung und beim Soldaten&shy;sender), Lotte Ulbricht (Sprecherin, Redaktionsse&shy;kret&auml;rin), Walter Ulbricht (Aufrufe und Ansprachen), Paul Wandel (Sprecher, Redakteur), Inge v. Wangen&shy;heim (Mitarbeiterin beim Frauensender), Erich Weinert (Aufrufe und Ansprachen), Otto Winzer (Redakteur, bis 1944 Chefredakteur des Soldatensenders), Erna Winzer (Sprecherin), Friedrich Wolf (Mitarbeit), Markus Wolf (Sprecher, Redakteur), Hedda Zinner (Redakteurin beim Frauensender) </p>
<p> (Quelle: Conrad P&uuml;tter &#8211; Rundfunk gegen das &quot;Dritte Reich&quot;, M&uuml;nchen 1986)   </p>
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<h1>Der Sender Freies Deutschland</h1>
<p> 18. Juli 1943. Auf acht Kurzwellen- und zwei Mittel&shy;wellenfrequenzen ert&ouml;nt zum ersten Mal die Stimme des &quot;Nationalkomitees Freies Deutschland&quot;: </p>
<p> <em>&quot;Achtung! Achtung! Hier spricht der Sender Freies Deutschland auf dem 37-, 41-, 43-, 50- und 51-Meter-Band. Wir sprechen im Namen des deutschen Volkes. Wir rufen zur Rettung des Reiches! Achtung! Hier ist der Sender Freies Deutschland! Wir rufen die deutsche Wehrmacht!&quot;</em> </p>
<p> Kurz vor dem Start dieses Senders ist in Moskau von Exil-Kommunisten und Kriegsgefangenen das &quot;Natio&shy;nalkomitee Freies Deutschland&quot; gegr&uuml;ndet worden. Dieses Komitee versucht, die deutschen Soldaten &uuml;ber Flugbl&auml;tter, die Zeitung &quot;Freies Deutschland&quot; und Grabenlautsprecher zum &Uuml;berlaufen zu bewegen. &Uuml;ber den Sender Freies Deutschland versucht das NKFD jetzt, auch in Deutschland pr&auml;sent zu sein. Chef&shy;redakteur des Senders ist Anton Ackermann, sein Stellvertreter Hans Mahle. Als fester Redakteur arbeitet au&szlig;erdem Gustav von Wangenheim mit. Die milit&auml;rischen Mitarbeiter der Station sind Major Herbert St&ouml;&szlig;lein, Unteroffizier Matth&auml;us Klein, der als evangelischer Pfarrer Sonntagspredigten h&auml;lt, und der Obergefreite Leopold Achilles. Im Januar 1944 wird die Redaktion noch um zwei zivile und zwei milit&auml;rische Mitarbeiter vergr&ouml;&szlig;ert. Hauptsprecher sind zwischen Juli 1943 und September 1945 Fritz Heilmann und zwischen April 1944 und April 1945 zus&auml;tzlich Wolfgang Leonhard. </p>
<p>Die Programme des Senders Freies Deutschland dauern Anfang 1944 zwischen 15 und 20 Minuten und werden um 10.30, 11.30, 18.30, 19.40, 21.15 und 22.00 Uhr ausgestrahlt. </p>
<p>Obwohl die offiziellen Stellen des &quot;Dritten Reiches&quot; den Sender als &quot;gef&auml;hrlich&quot; einstufen und obwohl Goebbels ihn w&uuml;tend in seinen Tageb&uuml;chern erw&auml;hnt, erreicht er nirgendwo sein Ziel. Nirgendwo werden Widerstandszellen gebildet und gr&ouml;&szlig;ere &Uuml;berl&auml;ufe sind eher auf die Ausweglosigkeit der Lage als auf die Agitation des NKFD zur&uuml;ckzuf&uuml;hren. </p>
<p>Wie alle &quot;Feindsender&quot; werden auch die Sendungen des Senders Freies Deutschland durch St&ouml;rsender &uuml;berlagert. Doch w&auml;hrend der Deutsche Freiheits&shy;sender 29,8 damals dem St&ouml;rsender ausweichen konnte, machen die deutschen St&ouml;rer den Sender Freies Deutschland fast unh&ouml;rbar. </p>
<p> In der DDR wurde die Arbeit des Senders Freies Deutschland nach dem Krieg stark besch&ouml;nigt und seine Wirksamkeit &uuml;bertrieben. </p>
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