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	<title>deutsche Flagge &#8211; André Scheer</title>
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	<description>Ein Hamburger in Berlin</description>
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		<title>Keine Lust auf  billige Ausreden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Dec 2024 10:14:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Maritime Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Boluda]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesregierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Erinnert sich noch jemand an die Schulzeit? Damals versuchten Lehrerinnen und Lehrer  uns beizubringen, wie ein demokratischer Staat funktioniert. Demnach[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Erinnert sich noch jemand an die Schulzeit? Damals versuchten Lehrerinnen und Lehrer  uns beizubringen, wie ein demokratischer Staat funktioniert. Demnach gibt es drei Säulen: Exekutive, Legislative und Judikative. In der Legislative, der gesetzgebenden Gewalt, also  den Parlamenten, entscheiden die gewählten Abgeordneten darüber, welche Regeln für  das Zusammenleben gelten sollen. Und die Regierung, die Exekutive oder ausführende  Gewalt, soll diese Beschlüsse umsetzen. So jedenfalls die Theorie.</p>
<p>Die Praxis des Bundesverkehrsministeriums unter Volker Wissing sah etwas anders aus.  Vor mehr als zwei Jahren, im November 2022, hat der Bundestag beschlossen, dass  Schleppern auf Bundeswasserstraßen – also zum Beispiel Elbe, Weser, Rhein – und auf den  seewärtigen Zufahrten von Häfen das Führen der Bundesflagge vorgeschrieben  werden soll. Die der Regierung dafür von den Abgeordneten ursprünglich gesetzte Frist ist  bereits im März 2023 abgelaufen. Doch das Gesetz gibt es bis heute nicht, obwohl die  Parlamentarier*innen ihren Beschluss mehrfach bestätigt haben.</p>
<p>Schlepper sind ein Rückgrat der maritimen Wirtschaft, ohne die kaum ein größeres Schiff sicher am Kai anlegen oder den Hafen wieder verlassen kann, sie sind entscheidend für sicheren und störungsfreien Schiffsverkehr. Doch nur wenn sie die Bundesflagge führen,  gelten an Bord die deutschen Gesetze und Vorschriften uneingeschränkt.</p>
<p>Den Schleppern das Führen von Schwarz-Rot-Gold vorzuschreiben, wäre deshalb ein wichtiger Baustein zur Stärkung der deutschen Handelsflotte und zur Sicherung des bedrohten maritimen Know-hows in der Bundesrepublik. Die meisten Schiffe deutscher Reedereien und Schiffseigner fahren längst unter ausländischen Flaggen, an Bord gelten deshalb Vorschriften und Arbeitsbedingungen, die von den jeweiligen<br />
Flaggenstaaten festgelegt werden. So werden die hierzulande geltenden Standards unterlaufen. Deutsche Seeleute gibt es an Bord dieser Schiffe kaum noch – da ist es kein  Wunder, dass die Zahl deutscher Seeleute auch insgesamt immer weiter zurückgeht,  zuletzt auf noch rund 4.500.</p>
<p>Das ist ein Problem für die gesamte maritime Wirtschaft (und darüber hinaus), denn  einheimische Seeleute werden auch abseits der großen Handelsschiffe gebraucht.  Lotsendienste, Schlepper, Hafenbehörden, Sicherheitseinrichtungen, Verwaltung – wo soll die notwendige Kompetenz herkommen, wenn nicht durch erfahrene Seeleute, die wissen,  wovon sie reden und sich in einheimischen Gewässern auskennen?</p>
<p>In den vergangenen Jahren war von den zuständigen Ministerien viel von einer „Stärkung der deutschen Flagge“ zu hören. Die dazu ergriffenen Initiativen waren aber wenig überzeugend, denn sie blieben oft auf halbem Wege stecken oder bestanden darin, zu  Lasten der Seeleute die Kosten für Reeder abzusenken. Manche Politiker*innen glauben,  dass man Schiffseigner so verführen könnte, auf das Ausflaggen nach Liberia, Panama  oder Malta zu verzichten und Schwarz-Rot-Gold am Heck zu hissen. Tatsache aber ist: So billig wie die Billigflaggen kann und darf Deutschland nicht werden.</p>
<p>Warum aber wurde eine einfach umzusetzende Initiative wie die Flaggenvorschrift für  Schleppschiffe hintertrieben? Auf Nachfragen von Betriebsräten der Schlepperunternehmen  Boluda und Fairplay hieß es aus dem  Bundesverkehrsministerium, ein Gesetz sei unter anderem wegen Europarecht und wegen der Hoheit der Bundesländer  nicht umsetzbar. Das waren und sind billige Ausreden!</p>
<p>Die EU-Hafenverordnung sieht vor, dass Mitgliedsstaaten für den Bereich der  Hafendienstleistungen eine Flagge vorschreiben können. Mehrere Länder haben das getan,<br />
unter anderem Spanien, Frankreich und Polen. Im Ergebnis werden dort im Wesentlichen Seeleute aus dem eigenen Land eingesetzt. Spanien hat in seiner Mitteilung an die EU-Kommission unter anderem argumentiert, dass man auf diese Weise die Einhaltung der geltenden Tarifverträge sicherstellen will. Und was die Länderhoheit angeht:  Bundeswasserstraßen sind auch in Hamburg, Bremen und den anderen Ländern  Bundeswasserstraßen, lediglich ihre Verwaltung wurde im Bereich der jeweiligen Häfen auf die Länder übertragen.</p>
<p>Auch deshalb muss die Flaggenvorschrift für die Schlepper schnellstmöglich – und zwar noch vor der Bundestagswahl – als Bundesgesetz und auch in Landesrecht (Hafenverordnungen) umgesetzt werden, um klare Regeln und Standards für alle zu  schaffen. Die Bundesregierung sollte sich trauen, das Gesetz trotz fehlender eigener  Mehrheit ins Parlament einzubringen. Schauen wir doch mal, wer dann für die deutsche Flagge stimmt und wer dagegen.</p>
<p><em>Erschienen im Dezember 2024 in der <a href="https://oeffentliche-private-dienste.verdi.de/service/publikationen/waterfront/++co++e3d72d7e-b641-11ef-a31c-576d32de9008" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Waterfront&#8220; Nr. 2/2024</a></em></p>
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		<title>Flagge zeigen</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/flagge-zeigen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 May 2024 18:15:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Maritime Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Billigflagge]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Flagge]]></category>
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					<description><![CDATA[Es ist ein gewohntes Bild: Am Heck eines Schiffes weht die Flagge des Landes, in dem es registriert ist. Damit[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span dir="ltr" role="presentation">Es ist ein gewohntes Bild: Am Heck </span><span dir="ltr" role="presentation">eines Schiffes weht die Flagge des </span><span dir="ltr" role="presentation">Landes, in dem es registriert ist. Da</span><span dir="ltr" role="presentation">mit soll auch in internationalen Ge</span><span dir="ltr" role="presentation">wässern</span> <span dir="ltr" role="presentation">und</span> <span dir="ltr" role="presentation">in</span> <span dir="ltr" role="presentation">den</span> <span dir="ltr" role="presentation">angelaufenen </span><span dir="ltr" role="presentation">Häfen deutlich gemacht werden, wel</span><span dir="ltr" role="presentation">che</span> <span dir="ltr" role="presentation">Rechtsordnung</span> <span dir="ltr" role="presentation">an</span> <span dir="ltr" role="presentation">Bord</span> <span dir="ltr" role="presentation">gilt. </span><span dir="ltr" role="presentation">Führt ein Schiff die deutsche Flagge, </span><span dir="ltr" role="presentation">gelten deutsche Gesetze und Bestim</span><span dir="ltr" role="presentation">mungen. Und eigentlich ist die Sache </span><span dir="ltr" role="presentation">ganz einfach geregelt: Wenn Deut</span><span dir="ltr" role="presentation">sche ein Seeschiff besitzen, muss (!) </span><span dir="ltr" role="presentation">dieses die Bundesflagge führen. Das </span><span dir="ltr" role="presentation">Flaggenrechtsgesetz kennt da in Para</span><span dir="ltr" role="presentation">graf 1 keine Ausnahme.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Das entspricht auch dem Völkerrecht. Im </span><span dir="ltr" role="presentation">1982</span> <span dir="ltr" role="presentation">verabschiedeten</span> <span dir="ltr" role="presentation">Seerechtsüberein</span><span dir="ltr" role="presentation">kommen der Vereinten Nationen heißt es in </span><span dir="ltr" role="presentation">Artikel 91: „Schiffe besitzen die Staatszu</span><span dir="ltr" role="presentation">gehörigkeit des Staates, dessen Flagge zu </span><span dir="ltr" role="presentation">führen sie berechtigt sind. Zwischen dem </span><span dir="ltr" role="presentation">Staat und dem Schiff muss eine echte Ver</span><span dir="ltr" role="presentation">bindung bestehen.“</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Tatsächlich ist die Lage aber eine völlig </span><span dir="ltr" role="presentation">andere. Ende 2023 führten von knapp </span><span dir="ltr" role="presentation">1.700 deutschen Handelsschiffen nur 259 </span><span dir="ltr" role="presentation">die Bundesflagge – ein mageres Sechstel. </span><span dir="ltr" role="presentation">Über 400 Schiffe deutscher Reedereien </span><span dir="ltr" role="presentation">fahren unter der Flagge des Karibikstaates </span><span dir="ltr" role="presentation">Antigua und Barbuda, 360 sind im afrika</span><span dir="ltr" role="presentation">nischen Liberia registriert. </span><span dir="ltr" role="presentation">Aber wie kann das sein, wenn Deutsche </span><span dir="ltr" role="presentation">doch verpflichtet sind, dass ihre Schiffe die </span><span dir="ltr" role="presentation">deutsche Flagge führen? Und wo ist die </span><span dir="ltr" role="presentation">„echte Verbindung“ deutscher Reedereien </span><span dir="ltr" role="presentation">in die Karibik oder nach Westafrika?</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Der Gesetzgeber hat den Reedern die </span><span dir="ltr" role="presentation">Möglichkeit geschaffen, sich von den deut</span><span dir="ltr" role="presentation">schen Gesetzen freizukaufen. Das Flaggen</span><span dir="ltr" role="presentation">gesetz räumt dem Bundesamt für See</span><span dir="ltr" role="presentation">schifffahrt</span> <span dir="ltr" role="presentation">und</span> <span dir="ltr" role="presentation">Hydrographie</span> <span dir="ltr" role="presentation">(BSH)</span> <span dir="ltr" role="presentation">die</span> <span dir="ltr" role="presentation">Möglichkeit ein, deutschen Reedern oder </span><span dir="ltr" role="presentation">Ausrüstern auf deren Antrag für maximal </span><span dir="ltr" role="presentation">zwei Jahre das Führen einer ausländischen</span> <span dir="ltr" role="presentation">Flagge zu erlauben. Was wohl mal als Aus</span><span dir="ltr" role="presentation">nahme gedacht war, hat längst ein Eigenle</span><span dir="ltr" role="presentation">ben entwickelt, denn der Antrag kann nach </span><span dir="ltr" role="presentation">Ablauf der zwei Jahre einfach neu gestellt </span><span dir="ltr" role="presentation">werden, und vom BSH werden die Anträge </span><span dir="ltr" role="presentation">im Normalfall durchgewunken.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Als Ausgleich wird von den Schiffseig</span><span dir="ltr" role="presentation">nern verlangt, auf jedem ausgeflaggten </span><span dir="ltr" role="presentation">Schiff mindestens einen Ausbildungsplatz </span><span dir="ltr" role="presentation">für Schiffsmechaniker*innen oder Offiziers</span><span dir="ltr" role="presentation">assistent*innen  bereitzuhalten. Oder auch </span><span dir="ltr" role="presentation">nicht, denn wenn sie das nicht wollen, zeigt </span><span dir="ltr" role="presentation">sich der Gesetzgeber auch hier</span> <span dir="ltr" role="presentation">großzügig. </span><span dir="ltr" role="presentation">Die Reedereien dürfen einen Ablösebetrag </span><span dir="ltr" role="presentation">an</span> <span dir="ltr" role="presentation">die</span> <span dir="ltr" role="presentation">vom</span> <span dir="ltr" role="presentation">Reederverband</span> <span dir="ltr" role="presentation">gegründete</span> <span dir="ltr" role="presentation">„Stiftung</span> <span dir="ltr" role="presentation">Schifffahrtsstandort</span> <span dir="ltr" role="presentation">Deutsch</span><span dir="ltr" role="presentation">land“ überweisen und sich so von der Aus</span><span dir="ltr" role="presentation">bildungsverpflichtung freikaufen. Die vom </span><span dir="ltr" role="presentation">BSH festgelegte Höhe dieses Lösegeldes </span><span dir="ltr" role="presentation">liegt aktuell je nach Schiffsgröße zwischen </span><span dir="ltr" role="presentation">gut 2.000 und knapp 20.000 Euro im Jahr. </span><span dir="ltr" role="presentation">Das wird von den Reedern als Einladung </span><span dir="ltr" role="presentation">verstanden,</span> <span dir="ltr" role="presentation">ihre</span> <span dir="ltr" role="presentation">Schiffe</span> <span dir="ltr" role="presentation">in</span> <span dir="ltr" role="presentation">Ländern</span> <span dir="ltr" role="presentation">zu </span><span dir="ltr" role="presentation">registrieren, die zum Beispiel durch niedrige </span><span dir="ltr" role="presentation">Steuern,</span> <span dir="ltr" role="presentation">schwache</span> <span dir="ltr" role="presentation">Sozialstandards</span> <span dir="ltr" role="presentation">und </span><span dir="ltr" role="presentation">f</span><span dir="ltr" role="presentation">ehlende Umweltvorschriften einen  kosten</span><span dir="ltr" role="presentation">günstigeren Betrieb erlauben – eben Billig</span><span dir="ltr" role="presentation">flaggen. </span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Ein</span> <span dir="ltr" role="presentation">weiterer</span> <span dir="ltr" role="presentation">Grund: Die</span> <span dir="ltr" role="presentation">Billig</span><span dir="ltr" role="presentation">flaggenstaaten gestatten es den Reedern, </span><span dir="ltr" role="presentation">Seeleute zu geringeren Heuern zu beschäfti</span><span dir="ltr" role="presentation">gen, als dies im eigentlichen Heimatland </span><span dir="ltr" role="presentation">möglich wäre. Die Internationale Transport</span><span dir="ltr" role="presentation">arbeiter-Föderation (ITF) hat 42 Länder zu</span> <span dir="ltr" role="presentation">Billigflaggen erklärt. Neben bekannten Kan</span><span dir="ltr" role="presentation">didaten wie Bahamas, Liberia oder</span> <span dir="ltr" role="presentation">Zypern </span><span dir="ltr" role="presentation">ist auch Deutschland aufgeführt – denn das </span><span dir="ltr" role="presentation">1989 eingeführte deutsche</span> <span dir="ltr" role="presentation">„Internationale </span><span dir="ltr" role="presentation">Schifffahrtsregister“ (ISR) erlaubt es den </span><span dir="ltr" role="presentation">Reedern, die Besatzung außerhalb deut</span><span dir="ltr" role="presentation">scher Arbeits- und Tarifbestimmungen zu </span><span dir="ltr" role="presentation">beschäftigen, ihnen also weniger zu bezah</span><span dir="ltr" role="presentation">len. Fast die Hälfte der 259 Schiffe, die </span><span dir="ltr" role="presentation">noch unter deutscher Flagge fahren, sind </span><span dir="ltr" role="presentation">in dieses Zweitregister eingetragen. Volle </span><span dir="ltr" role="presentation">Geltung haben die deutschen Tarifverträge </span><span dir="ltr" role="presentation">und Gehaltsvorschriften deshalb nur noch </span><span dir="ltr" role="presentation">auf 136 Schiffen – das sind magere 7,6 Pro</span><span dir="ltr" role="presentation">zent der deutschen Handelsflotte.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Die Bundesregierung hat gemerkt, dass </span><span dir="ltr" role="presentation">es so nicht weitergeht und Maßnahmen </span><span dir="ltr" role="presentation">angekündigt, um die „deutsche Flagge zu </span><span dir="ltr" role="presentation">stärken“. Die Rede ist von Bürokratieabbau </span><span dir="ltr" role="presentation">und ähnlichem – doch leider verstecken </span><span dir="ltr" role="presentation">sich hinter den ersten bekanntgewordenen </span><span dir="ltr" role="presentation">Ideen vor allem weitere Geschenke an die </span><span dir="ltr" role="presentation">Schiffseigner, oft zu Lasten der Seeleute. </span><span dir="ltr" role="presentation">Man orientiert sich ausdrücklich an der </span><span dir="ltr" role="presentation">Praxis in anderen Ländern – also den Billig</span><span dir="ltr" role="presentation">flaggenstaaten.</span> <span dir="ltr" role="presentation">Einen</span> <span dir="ltr" role="presentation">Wettlauf</span> <span dir="ltr" role="presentation">um</span> <span dir="ltr" role="presentation">die </span><span dir="ltr" role="presentation">niedrigsten</span> <span dir="ltr" role="presentation">Standards</span> <span dir="ltr" role="presentation">werden</span> <span dir="ltr" role="presentation">aber</span> <span dir="ltr" role="presentation">vor</span> <span dir="ltr" role="presentation">allem die Kolleg*innen an Bord verlieren. </span><span dir="ltr" role="presentation">Das muss verhindert werden!</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Stattdessen</span> <span dir="ltr" role="presentation">gäbe</span> <span dir="ltr" role="presentation">es</span> <span dir="ltr" role="presentation">andere Ansatz</span><span dir="ltr" role="presentation">punkte. Als zum Beispiel 1998 die Tonna</span><span dir="ltr" role="presentation">gesteuer eingeführt wurde, forderte die </span><span dir="ltr" role="presentation">damalige Bundesregierung von den Ree</span><span dir="ltr" role="presentation">dern im Gegenzug, bis Ende 2010 wieder </span><span dir="ltr" role="presentation">mindestens 600 Schiffe unter deutscher </span><span dir="ltr" role="presentation">Flagge zu fahren. Dieses Ziel wurde ver</span><span dir="ltr" role="presentation">fehlt – zumal das Führen der Bundesflagge </span><span dir="ltr" role="presentation">keine Voraussetzung für die Inanspruch</span><span dir="ltr" role="presentation">nahme der Tonnagesteuer ist. Wie wäre es </span><span dir="ltr" role="presentation">denn damit, solche Steuergeschenke auf </span><span dir="ltr" role="presentation">Schiffe zu beschränken, die unter der deut</span><span dir="ltr" role="presentation">schen Flagge fahren?</span></p>
<p>Erschienen in der Waterfront Nr. 1/2024</p>
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			</item>
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		<title>Zeit für einen Kurswechsel</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/zeit-fuer-einen-kurswechsel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Dec 2023 15:45:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Maritime Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Flagge]]></category>
		<category><![CDATA[Schifffahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Schlepper]]></category>
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					<description><![CDATA[Abgeordnete wollen Schlepper zum Führen der deutschen Flagge verpflichten. Doch das Bundesverkehrsministerium bremst. Am Heck eines jeden Schiffes weht die[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Abgeordnete wollen Schlepper zum Führen der deutschen Flagge verpflichten. Doch das Bundesverkehrsministerium bremst.</strong></p>
<p>Am Heck eines jeden Schiffes weht die Flagge des Landes, aus dem es stammt. So zumindest die Theorie. Jedes Schiff muss in einem einzelnen Staat registriert sein, der dann rechtlich zum Beispiel für die Einhaltung international festgelegter Normen verantwortlich ist. Auf dem Schiff gelten dann die Regeln des Flaggenstaats, zum Beispiel dessen Arbeitsgesetzgebung. Doch die unterscheidet sich von Land zu Land, und auch Steuern, Abgaben und andere Kosten sind mal höher oder niedriger. Für die Reedereien ist es deshalb oft attraktiv, ihre Schiffe nicht im eigenen Land zu registrieren, sondern auszuflaggen – etwa nach Panama, Liberia, Malta oder Zypern. Die Reedereien profitieren von weniger Bürokratie, niedrigeren Steuern und anderen Ersparnissen. Die Zeche zahlen die Seeleute, die auf Schiffen unter Billigflagge oft viel zu wenig verdienen, unter schlechten Arbeitsbedingungen leiden, an Bord teilweise nur unzureichend mit Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser versorgt sind.</p>
<p>ver.di und die Internationale Transportarbeiterföderation (ITF) kämpfen seit Jahrzehnten gegen die Billigflaggen und ihre Folgen. Auch deutsche Reedereien beteiligen sich eifrig an der Flucht in die billigste Flagge – gab es in der deutschen Handelsflotte im Jahr 1990 noch 1064 Schiffe unter deutscher Flagge, waren es 2021 nur noch 275. Eine Folge davon ist, dass es immer weniger deutsche Seeleute gibt, denn auch deutsche Vorschriften zur Mindestbesatzung gelten auf ausgeflaggten Schiffen nicht mehr. 2022 waren in der Seemannskasse nur noch 4721 deutsche Seeleute registriert – zwölf Jahre zuvor waren es noch fast 8200 gewesen. Die niedrigen Ausbildungszahlen zeigen zudem, dass eine Trendwende nicht absehbar ist. Deutschland verspielt so sein maritimes Know how!</p>
<p>Umso wichtiger ist das Signal aus dem Deutschen Bundestag, die Richtung zu ändern. Der Haushaltsausschuss hat die Bundesregierung aufgefordert, Schleppern auf  Bundeswasserstraßen und seewärtigen Hafenzufahrten das Führen der deutschen Flagge vorzuschreiben. ver.di hat diesen Beschluss begrüßt und beteiligt sich aktiv an den laufenden Diskussionen zur Umsetzung. Denn die gestalten sich kompliziert, weil das zuständige Bundesverkehrsministerium auf der Bremse steht. Dort verweist man auf europarechtliche Probleme und Folgen für die Häfen und die Maritime Wirtschaft. Auch der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) verlangt vom Ministerium, den Willen der Abgeordneten zu ignorieren und das Verfahren einzustellen – im Gegensatz übrigens zu den betroffenen Schleppunternehmen selbst, die eine Flaggenpflicht unterstützen.</p>
<p>Die erhobenen Einwände sind nicht stichhaltig. EU-Länder wie Spanien, Frankreich und Polen haben längst ähnliche Vorschriften erlassen, nach denen die Dienstleister im Bereich ihrer Häfen unter der jeweiligen Nationalflagge fahren müssen. Und auch wettbewerbsrechtlich spricht nichts gegen eine entsprechende deutsche Vorschrift. Sie bedeutet nur, dass sich Wettbewerber an die hierzulande geltenden Regeln halten müssen. Wettbewerb bleibt möglich, nur einem Unterbietungswettlauf auf dem Rücken der Seeleute, der Sicherheit und der Umwelt wird ein Riegel vorgeschoben.</p>
<p>Erschienen im Dezember 2023 in der <a href="https://oeffentliche-private-dienste.verdi.de/service/publikationen/waterfront/++co++c483786e-9046-11ee-91ec-3b9c2d031826" target="_blank" rel="noopener">Waterfront Nr. 2/2023</a></p>
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