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	<title>Berlin &#8211; André Scheer</title>
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	<description>Ein Hamburger in Berlin</description>
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		<title>»Don’t fence me in«</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Jul 2020 17:44:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Mauer]]></category>
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		<category><![CDATA[DDR]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In den 1960er Jahren strahlte der Rundfunk der DDR zwei Programme aus, die sich auch an Hörer im Westen wandten: das des <em>Deutschlandsenders</em> und das der <em>Berliner Welle</em>. Die letztere war – wie es in einer offiziellen Selbstdarstellung hieß – »mit ihrem Sendeanliegen vor allem an die Bürger in Westberlin« gerichtet, mit Themen »die den politischen, ökonomischen, kulturellen und sozialen Belangen der besonderen politischen Einheit Westberlin entsprechen«.<span id="more-4581"></span></p>
<p>Werktags war die <em>Berliner Welle</em> nur nachmittags und abends zu hören, ansonsten wurde das Programm des <em>Berliner Rundfunks</em> übernommen, der in den Wochen nach der Abriegelung Westberlins am 13. August 1961 rund um die Uhr sendete. Am 26. August 1961 überraschte die <em>Berliner Welle</em> dann um 23.45 Uhr mit ungewohnten Klängen. Zu hören waren – ansonsten im DDR-Rundfunk verpönte – Hits aus US-amerikanischer Produktion, und in englischer Sprache richteten »Bob« und »Barbara« Grüße an die GIs aus, die an der zwei Wochen zuvor geschlossenen Systemgrenze patrouillieren mussten. Dabei wurden die nordamerikanischen Soldaten manchmal sogar mit Nennung ihres Namens und Dienstgrades aufgefordert, die sie begleitenden »Westberliner Polypen« doch mal zu fragen, »was sie im letzten Krieg gemacht haben«.</p>
<p>Das Programm nannte sich <em>OPS</em> und war in den folgenden Monaten täglich rund 30 Minuten auf UKW und Mittelwelle in Berlin zu hören. Nicht nur die Musik glich der des US-Soldatensenders <em>AFN</em>, auch der Slogan war dem gegnerischen Kanal nachempfunden. Meldete sich dieser als »Stimme der Information und Bildung«, nahm <em>OPS</em> für sich in Anspruch, die »echte Stimme« zu sein. Und den Hörern wurde ein »schöner Preis« versprochen, wenn sie errieten, wofür das Kürzel OPS stehen könnte.</p>
<p>Die Auflösung war »Out Post Station«, was man mit »Außenposten« übersetzen könnte. Und auch die Antwort auf die Frage, warum die Moderatoren ihre erhofften Hörer namentlich begrüßen konnten, stellte sich als recht einfach heraus, wie der <em>Spiegel</em> im Januar 1962 schrieb: Die US-Soldaten trugen ihren Namen deutlich lesbar an der Uniform, und »Volkspolizisten an der Friedrichstraße bekämpften ihre Langeweile gelegentlich damit, die Namen der Besatzung des US-Checkpoints Charlie mit Feldstechern auszuspähen und an den Soldatensender weiterzuleiten«.</p>
<p>In Erinnerung blieb, mit welchem Signal sich <em>OPS</em> täglich meldete. Die Sendungen begannen und endeten mit einem alten Song von Cole Porter: »Don’t Fence Me In« – Zäune mich nicht ein.</p>
<p>Erschienen am 23. Juli 2020 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/382804.außenposten-don-t-fence-me-in.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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		<title>Neubeginn in Trümmern</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/neubeginn-in-truemmern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 May 2020 13:16:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
		<category><![CDATA[8. Mai 1945]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Rundfunk]]></category>
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					<description><![CDATA[Mai 1945: Der Krieg ist vorbei, Deutschland liegt in Trümmern. Der Nazistaat hat bedingungslos kapituliert und ist – abgesehen von[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Mai 1945: Der Krieg ist vorbei, Deutschland liegt in Trümmern. Der Nazistaat hat bedingungslos kapituliert und ist – abgesehen von der Farce einer »Reichsregierung« in Flensburg – zerschlagen. Im Land gehen Gerüchte um, dass in Berlin niemand mehr am Leben sei. Das Tuscheln stößt auf offene Ohren, denn die Kämpfe um die Hauptstadt waren lang und brutal – und die Faschisten hatten verkündet, dass nichts und niemand den »Bolschewisten« in die Hände fallen würde.<span id="more-4573"></span></p>
<p>Doch am 13. Mai 1945 hört man auf Mittelwelle 841 kHz: »Hier spricht Berlin auf Welle 356 Meter!« Diese Ansage des Theologen und späteren Philosophieprofessors Matthäus Klein, der zuvor Rundfunkerfahrungen bei dem von Moskau aus arbeitenden <em>Sender Freies Deutschland</em> (siehe <em>jW</em> vom 30.4.) gesammelt hatte, schlug ein. 30 Jahre später erinnerte sich Ullrich Brurein in der DDR-Zeitschrift <em>Beiträge zur Geschichte des Rundfunks</em>, wie er damals zufällig auf den neuen Sender gestoßen war: »Ich suchte auf der Skala des Radioapparates einer mir befreundeten sozialdemokratischen Arbeiterfamilie (&#8230;) <em>Radio Moskau</em>. (&#8230;) Doch was war das? Statt <em>Radio Moskau</em> hatte ich plötzlich eine andere deutsche Stimme im Empfänger. Nachdem ich die ersten Worte gehört hatte, vermutete ich als alter Radioenthusiast sofort, dass es sich hier nur um den <em>Berliner Rundfunk</em> handeln könne. (&#8230;) Aber das erfuhr ich nicht am selben Abend, weil der Sprecher (&#8230;) keine ordentliche Absage mit Nennung des Senders gab.«</p>
<p>Tatsächlich war das erste, etwa eine Stunde dauernde Programm des <em>Berliner Rundfunks</em> innerhalb weniger Tage improvisiert worden. Zwar war der Sender in Tegel nur leicht beschädigt worden. Doch die Kabel zu den Studios in der Charlottenburger Masurenallee waren weitgehend zerstört. Deshalb wurde ein ausrangiertes Fahrzeug zum Übertragungswagen umfunktioniert und in unmittelbarer Nähe zum Funkmast stationiert. Außerdem wurde dort ein provisorisches Studio eingerichtet. Rund um diesen Sprecherraum bildeten Sowjetsoldaten eine Postenkette, um Störungen zu verhindern, denn die Fenster hatten keine Scheiben mehr, und die Tür war nur aus Pappe. Von dort aus begann abends um 20 Uhr die erste Sendung mit der Ansage und den Nationalhymnen der vier Siegermächte. In den Nachrichten wurden die Festnahme der Naziführer Heinrich Himmler und Hermann Göring durch alliierte Truppen sowie der Suizid des inhaftierten Nazigauleiters im Sudetenland, Konrad Henlein, gemeldet. Anschließend folgte ein Stimmungsbericht von den Siegesfeiern in Moskau.Die Situation besserte sich nach einigen Tagen, als im Bunker des Funkhauses ein Studio mit Regie- und Sprecherraum wiederhergestellt worden war und Pioniere der Roten Armee ein Feldtelefonkabel zum Sender in Tegel verlegt hatten. Innerhalb einer Woche konnte das Programm so auf 19 Stunden am Tag ausgedehnt werden, ab dem 20. Mai 1945 war das Programm von sechs Uhr morgens bis ein Uhr nachts zu hören.</p>
<h3>Erster deutscher Sender</h3>
<p>Der <em>Berliner Rundfunk</em> war der erste deutsche Rundfunksender nach dem Krieg, der von Deutschen geleitet wurde. Zwar hatten auch die westlichen Alliierten umgehend eigene Stationen in Betrieb genommen, etwa <em>Radio München</em> und <em>Radio Hamburg</em>, doch diese meldeten sich als Sender der Alliierten, wurden von deren Offizieren kontrolliert, und die Beiträge waren teilweise in englischer Sprache. Deutsche Sprecher hatten kaum die Möglichkeit, eigene Inhalte einzubringen. Erst am 8. August 1945 verlas Kai »Kajus« Köster – ein ehemaliges NSDAP-Mitglied, Nazidi­plomat und später im Auswärtigen Dienst der BRD – in dem von den Briten kontrollierten <em>Nordwestdeutschen Rundfunk</em> den ersten Radiokommentar eines Deutschen nach dem Krieg.</p>
<p>Im <em>Berliner Rundfunk</em> war der erste derartige Kommentar dagegen schon am 20. Mai zu hören, gesprochen von Michael Storm. Der Name war ein Pseudonym. Tatsächlich hieß der Sprecher Markus Wolf, später Leiter der Hauptverwaltung Aufklärung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Im Zweiten Weltkrieg hatte der Sohn des Schriftstellers Friedrich Wolf als Sprecher für den von der KPD in Moskau betriebenen <em>Deutschen Volkssender</em> gearbeitet.</p>
<p>Es war diese politische Nähe zwischen dem sowjetischen Oberkommando und der aus dem Exil zurückgekehrten KPD-Führung, die es nahelegte, dass der neue Sender in Verantwortung deutscher Kommunisten betrieben wird. Die Leitung wurde dem damals 33 Jahre alte Hans Mahle übertragen, der zuvor im Jugendprogramm von <em>Radio Moskau</em> und beim <em>Sender Freies Deutschland</em> gearbeitet hatte. Erst Anfang Juni und offenbar nur auf Druck der westlichen Alliierten übernahmen Kontrolloffiziere der Roten Armee die Aufsicht über den Sender. »Als politisch und fachlich hochgebildete Marxisten-Leninisten standen sie bald ihren deutschen Genossen und Kollegen als beste Freunde, Berater und Helfer zur Seite«, schrieb Manfred Scholz 1975 in den <em>Beiträgen zur Geschichte des Rundfunks</em>. Schon fünf Tage nach der Aufnahme des Sendebetriebs, am 18. Mai, wurde aus dem provisorisch instandgesetzten Großen Sendesaal des Funkhauses das erste Rundfunkkonzert übertragen: Ein schnell zusammengestelltes Orchester spielte Beethovens Neunte.</p>
<h3>Heute Dudelprogramm</h3>
<p>Probleme gab es ab Juli 1945, als die Westmächte nach Berlin kamen und die Stadt in vier Sektoren aufgeteilt wurde. Das Funkhaus lag im britischen-, der Sender stand im französischen Sektor, und das Verstärkeramt Winterfeldstraße befand sich in der Zone der US-Armee. Die Einrichtungen blieben unter sowjetischer Hoheit. Mit dem beginnenden Kalten Krieg und der Spaltung Berlins eskalierten auch die Konflikte um die Kontrolle des Rundfunks, die sich die Befreier Berlins nicht nehmen ließen. Es kam zu zeitweiligen Blockaden. Sowjetsoldaten mussten die Gebäude vor Provokationen schützen. 1952 zogen der <em>Berliner Rundfunk</em> und der Anfang 1946 gestartete <em>Deutschlandsender</em> schließlich in die im Ostteil der Stadt gelegene Nalepastraße um, wo bis 1990 der Sitz des DDR-Rundfunks blieb. Das leere Funkhaus in der Masurenallee wurde von dem Anfang der 1950er Jahre gegründeten <em>Sender Freies Berlin</em> übernommen. Der <em>Berliner Rundfunk</em> existiert nur noch als Name. Er wurde zum 1. Januar 1992 privatisiert und bringt seither auf 91,4 MHz ein Dudelprogramm mit »den besten Hits aller Zeiten« unter die Leute.</p>
<p>Erschienen am 14. Mai 2020 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/378322.kontrollfragen-neubeginn-in-trümmern.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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