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	<title>BBC &#8211; André Scheer</title>
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		<title>Keine »Stunde Null«</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 May 2020 14:22:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
		<category><![CDATA[8. Mai 1945]]></category>
		<category><![CDATA[BBC]]></category>
		<category><![CDATA[Dönitz]]></category>
		<category><![CDATA[Reichssender Flensburg]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Zweite Weltkrieg ist als der erste große Krieg in die Geschichte eingegangen, in dem der Rundfunk eine wichtige Rolle gespielt hat. Alle Seiten versuchten, das damals neue Medium zu nutzen, um aktuelle Informationen zu verbreiten und um die Bevölkerung im eigenen und in den gegnerischen Ländern zu beeinflussen. Zugleich bot es auch den schnellsten Weg, etwas über die Vorhaben der jeweils anderen Seite zu erfahren. Dazu wurden Abhördienste eingerichtet, die rund um die Uhr protokollierten, was von verbündeten und gegnerischen Radiostationen verbreitet wurde. So stellen die Archive etwa des britischen »<em>BBC</em> Monitoring«, des deutschen »Sonderdienstes Seehaus« oder der von der Schweizer »Abteilung Presse und Funkspruch« betriebenen »Gruppe Ohr« heute – soweit sie inzwischen zugänglich sind – eine wichtige Quelle dar.<span id="more-4563"></span></p>
<p>In der Schweiz etwa notierten die Überwacher, wie in den letzten Monaten des Krieges eine deutsche Station nach der anderen den Betrieb einstellte. Der Berliner Sender Tegel wurde am 22. April 1945 von der Roten Armee besetzt und abgeschaltet, der Reichssender Hamburg – über den Großadmiral Karl Dönitz am 1. Mai den Tod Hitlers verkündet hatte – stellte den Betrieb am 3. Mai ein, wenige Stunden vor dem Einmarsch der britischen Truppen.</p>
<p>Dönitz, der von Hitler zu seinem Nachfolger ernannt worden war, hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon mit seiner »Reichsregierung« nach Flensburg abgesetzt. Der dortige, nur drei Kilowatt starke Sender – der bislang das Programm aus Hamburg übernommen hatte – wurde zum »Reichssender« erklärt und in den letzten Tagen des Krieges zur offiziellen Stimme des Naziregimes. Daneben hatten die Faschisten noch Stationen in Prag, Oslo und Kalundborg bei Kopenhagen.</p>
<p>Am 3. Mai ließ Dönitz über den Flensburger Sender verkünden, dass er die Waffen nicht niederlegen werde. »Der einzige Sinn des Kampfes« sei, »deutsche Menschen, die vor den Sowjetarmeen auf der Flucht oder von diesen bedroht sind, nicht sterben zu lassen«. Das sei die »letzte Pflicht in dem Heldenkampf Deutschlands«. Doch nur vier Tage später, am 7. Mai um 12.45 Uhr, verkündete Flensburg die »bedingungslose Kapitulation der kämpfenden Truppen«. Zwei Stunden später meldete <em>Radio Luxemburg</em> in mehreren Sprachen die Niederlage Nazideutschlands. Der Wehrmachtsstabschef Alfred Jodl habe in Reims die entsprechenden Dokumente unterzeichnet. Die Faschisten in Prag wollten das nicht wahrhaben. Über den noch von ihnen kontrollierten Sender wiesen sie die Kapitulationsmeldung als »Feindpropaganda« zurück, der Kampf gegen »die Russen« werde fortgesetzt.</p>
<p>Trotzdem stand die Nacht vom 7. auf den 8. Mai in Westeuropa und Nordamerika im Zeichen des Sieges. <em>Radio Luxemburg,</em> die <em>BBC</em> und andere berichteten über die Freudenfeste in London, New York und Paris und übertrugen Ansprachen der Staatschefs. Nur bei <em>Radio Moskau</em> standen dagegen die Einnahme Dresdens und mehrerer Ortschaften in Österreich und der Tschechoslowakei durch die Rote Armee im Mittelpunkt der Nachrichten. In der Schweiz notierten die Protokollanten der »Gruppe Ohr« am Abend verwundert: »Die Russland-Abhörer machen darauf aufmerksam, dass die Sendungen aus Russland weder eine Erwähnung der Kapitulation noch der Reden Churchills, Trumans und de Gaulles oder des V-Tages brachten.«</p>
<p>Erst in der Nacht zum 9. Mai meldete <em>Radio Moskau</em> die bedingungslose Kapitulation Nazideutschlands, gefolgt von den Nationalhymnen der Siegermächte. Die Sowjetunion hatte die Kapitulation von Reims nicht akzeptiert, weil sie nur von Jodl unterzeichnet worden war, die anderen deutschen Befehlshaber jedoch fehlten. Zudem sollte der Oberkommandierende der Roten Armee, Marschall Georgi Schukow, bei der Unterzeichnung anwesend sein. So gab es am späten Abend des 8. Mai eine weitere Zeremonie in Berlin, bei der für die Deutschen Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Admiral Hans-Georg von Friedeburg und Generaloberst Hans-Jürgen Stumpff die Kapitulationsurkunde unterzeichneten. Durch die Zeitverschiebung schrieb man in Moskau schon den 9. Mai, weshalb man im Westen den 8. Mai feiert, in der Sowjetunion und deren Nachfolgestaaten dagegen bis heute der 9. Mai als Tag des Sieges begangen wird.</p>
<p>Noch am selben Tag warnte der von der KPD in Moskau betriebene <em>Deutsche Volkssender</em>, dass das »deutsche Volk noch stark mit einer verbrecherischen Bande durchseucht« sei. Diese bereite sich schon darauf vor, neues Unheil zu stiften: »Erst wenn diese Elemente verschwunden sind, können wir unser Land wieder aufbauen.«</p>
<p>Tatsächlich war mit der »Stunde Null« das Naziregime nicht vollständig verschwunden. In Schleswig-Holstein hockte die »Regierung Dönitz«, in deren Verantwortung noch am 9. Mai auf dem Schnellboot »Buea« vier »Deserteure« zum Tode verurteilt und einen Tag später ermordet wurden. Auch der <em>Reichssender Flensburg</em> war weiter in Betrieb. Zwar war dort am 9. Mai um 20.03 Uhr der »letzte Wehrmachtsbericht dieses Krieges« verlesen worden (»Seit Mitternacht schweigen nun an allen Fronten die Waffen«), doch nach einer kurzen Sendepause wurde weitergefunkt. Am 10. Mai beschlagnahmten die Briten formell den Sender, erlaubten ihm aber, weiter Musik und Nachrichten zu verbreiten. Sie verlangten nur, dass die Manuskripte von ihnen genehmigt werden müssten.</p>
<p>Die sowjetische Nachrichtenagentur <em>TASS</em> verurteilte dieses Vorgehen und warnte, dass so »der Keim eines neuen Militarismus in Deutschland« gelegt werde. Erst am 13. Mai wurde der letzte Reichssender endgültig abgeschaltet. Am selben Tag nahm der <em>Berliner Rundfunk</em> seinen Betrieb auf – als erster Sender, der offiziell von deutschen Antifaschisten betrieben wurde.</p>
<p>Erschienen am 7. Mai 2020 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/377875.zeitzeugen-keine-stunde-null.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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		<title>»Feindsender« aus London</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/feindsender-aus-london/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Oct 2019 12:21:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
		<category><![CDATA[BBC]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Hitlerfaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[London]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[Es ist der 1. April 1940. Über das deutschsprachige Programm der BBC ist eine Rede Hitlers zu hören: »Als im[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist der 1. April 1940. Über das deutschsprachige Programm der <em>BBC</em> ist eine Rede Hitlers zu hören: »Als im Jahre 1492 der Spanier Christoph Kolumbus, gestützt auf die Erfahrungen deutscher Gelehrter und unterstützt von deutschen Apparaten und Instrumenten, seine (&#8230;) Fahrt über den weiten Ozean unternahm, konnte kein Zweifel darüber bestehen, dass bei einem Gelingen (&#8230;) Deutschland teilhaben müsste an den Errungenschaften, die diese Entdeckungsfahrt zeitigen sollte. (…) Mein unerschütterlicher Wille ist, den mir von der Vorsehung bestimmten Stuhl im Weißen Haus einzunehmen und es damit zum Braunen Haus zu machen, so wahr ich Gott helfe!«<span id="more-4500"></span></p>
<p>Gleich zu Sendebeginn erreichte die Redaktion ein Anruf von der US-Rundfunkgesellschaft <em>CBS</em>: »Wo spricht denn Hitler – und wieso haben Sie davon gewusst?« Die Londoner Kollegen konnten rasch aufklären. Es handelte sich um einen Aprilscherz, der es sogar auf die Titelseite der Tageszeitung <em>News Chronicle</em> schaffte.</p>
<p>Die <em>BBC</em> hatte deutschsprachige Sendungen überstürzt am 27. September 1938 ins Programm genommen. Auf dem Höhepunkt der Krise um die Tschechoslowakei sollte die Rede des britischen Premierministers Neville Chamberlain auch in Deutsch übertragen werden. Doch weil sie über die Frequenzen des Inlandsdienstes der <em>BBC</em> ausgestrahlt wurde, zeigten sich viele britische Hörer verwirrt. Manche fürchteten sogar, die Deutschen hätten den britischen Hörfunk besetzt.</p>
<p>Aus den holprigen Anfängen entwickelte sich schnell ein mächtiges Werkzeug. Die <em>BBC</em> stellte sich zur Aufgabe, »nur die Wahrheit« zu sagen, und der Chef des deutschsprachigen Dienstes, Hugh Carleton Greene, zeigte sich nach dem Krieg stolz darauf, dieser Maxime (weitgehend) treu geblieben zu sein.</p>
<p>Das Hören von <em>BBC</em> und anderer »Feindsender« war in Nazideutschland strikt verboten. »Rundfunkkriminellen« drohte die Todesstrafe. Trotzdem schalteten vor allem gegen Kriegsende viele Deutsche den Londoner Rundfunk ein. In einer 1988 aus Anlass des 50. Jahrestages der deutschsprachigen Sendungen von der <em>BBC</em> veröffentlichte Broschüre ist für August 1944 von täglich geschätzt mehr als zehn Millionen Hörern die Rede.</p>
<p>Solche Zahlen hat der Sender später nie wieder erreicht. Im Kalten Krieg versuchte man, die erprobten Techniken gegen die DDR einzusetzen. Hatte man während des Krieges die satirische Hörspielserie »Kurt und Willi« produziert – ein Gespräch zwischen einem linientreuen Oberlehrer und seinem zynischen Freund aus dem Propagandaministerium –, gab es in den 60er Jahren die »zwei Genossen Klotz und Krause«. Senderchef Richard O’Rorke lobte das Programm in der Broschüre von 1988. Ihr sachlicher Stil habe sich sehr von den »aggressiven Polemiken« des Westberliner US-Senders <em>RIAS</em> abgehoben. Das Ziel war jedoch dasselbe. Als es 1989/90 mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten in Europa erreicht war, nahte das Ende für den deutschsprachigen Dienst der <em>BBC</em>. Am 26. März 1999 wurde er eingestellt – zwei Tage nach Beginn des NATO-Angriffskrieges gegen Jugoslawien.</p>
<p>Erschienen am 31. Oktober 2019 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/365871.mehr-als-zehn-millionen-hörer-feindsender-aus-london.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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		<title>Zwischenrufe gegen Hitler</title>
		<link>https://www.andre-scheer.de/zwischenrufe-gegen-hitler/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Mar 2017 21:31:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Radiogeschichte(n)]]></category>
		<category><![CDATA[BBC]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Sarkowicz]]></category>
		<category><![CDATA[Radio Moskau]]></category>
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		<category><![CDATA[Rundfunkgeschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[Silvester 1944. Im deutschen Rundfunk hält Hitler seine Neujahrsansprache und ruft zum Durchhalten auf. Plötzlich gibt es einen Zwischenruf: »Das[...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Silvester 1944. Im deutschen Rundfunk hält Hitler seine Neujahrsansprache und ruft zum Durchhalten auf. Plötzlich gibt es einen Zwischenruf: »Das Jahr 1945 muss das Ende der Hitler-Diktatur sein!« Und wenig später, mitten in das zum Abschluss der Rede gespielte »Deutschlandlied« hinein, die Parole »Weg mit Hitler und seiner Bande!«<span id="more-3152"></span></p>
<p>Vor allem im Osten und im Norden Deutschlands konnten diese Zwischenrufe seit Mitte 1941 immer wieder gehört werden. Sie stammten von deutschen Emigranten in der Sowjetunion, die aus den Studios von <em>Radio Moskau</em> die Lügen der Faschisten kommentierten. Sowjetische Sender wurden dazu kurzzeitig mit hoher Sendestärke auf die Frequenzen der Naziprogramme geschaltet, und in den kurzen Pausen zwischen zwei Sätzen kommentierten die Sprecher das soeben gehörte: »Alles Lüge! Von hinten bis vorne gelogen!« »Stalingrad, Massengrab!«</p>
<p>Die Idee zu den »Geisterstimmen« stammte von österreichischen Kommunisten. Das Ziel war, unter den deutschen Radiohörern für Unruhe zu sorgen: Waren die Russen schon so weit vorgerückt, dass sie bereits im deutschen Rundfunk zu hören waren? Zudem brachten die Einblendungen die Nazibehörden ins Schwitzen, denn Störsender waren hier wirkungslos – man hätte ja die eigenen Programme unhörbar gemacht.</p>
<p>Die Geschichte der »Geisterstimmen« ist eine der zahlreichen Episoden, die Hans Sarkowicz für seine fast zehnstündige Dokumentation »Geheime Sender. Der Rundfunk im Widerstand gegen Hitler« zusammengetragen hat. Am Dienstag erhielt er dafür in Köln den Deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie »Bestes Sachhörbuch«. Die ursprünglich als Featurereihe von <em>HR 2 Kultur</em> konzipierte Darstellung eines besonderen Kapitels des antifaschistischen Kampfes ist im vergangenen Herbst als Box mit acht CDs im Hörverlag erschienen. Sie gliedern sich in die deutschsprachigen Sendungen der <em>BBC London</em>, von <em>Radio Moskau</em> und der <em>Stimme Amerikas</em>, Programme von Emigranten in Europa und den USA sowie die »schwarze« Rundfunkpropaganda der Alliierten, unter »falscher Flagge« arbeitende Tarnprogramme, die sich zum Beispiel als Wehrmachtssender oder Stimmen oppositioneller Gruppen innerhalb Deutschlands ausgaben.</p>
<p>Sarkowicz ist es mit Hilfe des Deutschen Rundfunkarchivs gelungen, unzählige Aufnahmen aus der Zeit des Krieges zusammenzutragen. Wie er selbst anmerkt, war die Quellenlage dafür in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg nicht gut. In Deutschland selbst hatte natürlich kaum jemand gewagt, das Gehörte aufzuzeichnen, hatten die Nazis das Abhören von »Feindsendern« doch unter Strafe gestellt. Das Weiterverbreiten so empfangener Nachrichten wurde während des Krieges sogar mit dem Tode bestraft. Die Archivare der Nachkriegszeit waren also auf die Mitschnitte von Hörern und staatlichen Stellen in den neutralen Ländern, zum Beispiel in Schweden, angewiesen. Doch einen Mitschnitt anzufertigen, war damals mit einigem materiellen und finanziellen Aufwand verbunden. Selbst die Rundfunksender selbst verzichteten deshalb oft auf das Archivieren ihrer Programme.</p>
<p>Ein Opfer dieser Verluste ist Thomas Mann. Der Schriftsteller war 1933 in die Schweiz und 1939 in die USA emigriert. Von dort aus wandte er sich über die <em>BBC</em> an die »deutschen Hörer«. Nach einer ersten Phase, in der Mann nur die Texte schrieb und sie dann von einem Sprecher in London verlesen ließ, sprach der Autor seine Botschaften bald selbst in den Vereinigten Staaten auf Schallplatte. Von den 51 Ansprachen, die Mann selbst gesprochen hat, sind heute jedoch nur elf erhalten.</p>
<p>Die Stärke der Dokumentation von Hans Sarkowicz ist, dass sie trotz solcher Einschränkungen aus dem Blickwinkel des Rundfunks einen umfassenden Überblick über praktisch die gesamte Zeit der faschistischen Diktatur in Deutschland gibt, angefangen 1934 mit den Sendungen der »Schwarzen Front« Otto Strassers aus Prag und des <em>Deutschen Freiheitssenders 29,8</em> aus Spanien ab 1937 bis zu den angeblichen deutschen Soldatensendern, die während des Krieges von England aus für Verwirrung sorgten.</p>
<p>Sarkowicz gelingt es in beeindruckender Weise, die Tondokumente für sich sprechen zu lassen. So klingen die Aufnahmen von <em>Radio Moskau</em> aus der Zeit des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes heute verstörend, insbesondere die Rechtfertigung des deutschen Überfalls auf Norwegen 1940. Das hindert Sarkowicz aber nicht daran, allein zwei CDs den antifaschistischen Programmen aus der Sowjetunion zu widmen, unter anderem dem von der KPD betriebenen <em>Deutschen Volkssender</em>. Genau diese Sachlichkeit findet man heutzutage selten.</p>
<blockquote><p>Hans Sarkowicz: Geheime Sender. Der Rundfunk im Widerstand gegen Hitler. Hörbuch, acht CDs, Laufzeit: 582 Minuten. Der Hörverlag 2016, 35 Euro</p></blockquote>
<p>Erschienen am 9. März 2017 in der <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/306843.zwischenrufe-gegen-hitler.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tageszeitung junge Welt</a></p>
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