"Kommt es so sehr auf den Namen an?" reagierte Venezuelas Vizepräsident José Vicente Rangel auf meine Frage, ob die Entwicklung in dem südamerikanischen Land tatsächlich als eine Revolution bezeichnet werden kann. "Heute werden in Venezuela Dinge unternommen, die es hier vorher nie gegeben hat", erläuterte Rangel. "1,5 Millionen Menschen in Venezuela können nicht Lesen und Schreiben. Um dies zu ändern, haben wir die Mission Robinson in Angriff genommen. Einer halben Million Abiturienten, die bisher keine Hochschule besuchen konnten, garantieren wir ein Studium an der Bolivarianischen Universität. Wir bringen zum ersten Mal Ärzte in die Barrios, in die Siedlungen der Armen. Durch die Vergabe von Kleinkrediten bekommen zu ersten Mal diejenigen ein Startkapital, denen nie ein Kredit gewährt wurde. Wir fördern die Bildung von Kooperativen und entwickeln eine Verteilung von Lebensmitteln alternativ zu dem kapitalistischen System, das wir haben. Wir haben die demokratischste und fortgeschrittenste Verfassung der Welt, eine neue öffentliche Ordnung, die dicht mehr nur auf Repression beruht. Wir Verfolgen eine Politik der Einheit Lateinamerikas, eine nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Integration. All das kann man nennen wie man will, aber vor dem Hintergrund der Geschichte Venezuelas können wir diesen Prozeß durchaus als eine Revolution bezeichnen. Wir haben den Reichen nicht ihr Häuschen genommen, aber die Macht, sich Regierungen anzueignen."
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