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As Time Goes By

Lateinamerika
Zwei Gesichter der Hilfe aus den USA Drucken E-Mail
Samstag, den 06. Februar 2010 um 00:00 Uhr

Die Verzweiflung in dem durch das Erdbeben vom 12. Januar zerstörten Haiti schlägt zunehmend in Protest gegen die schleppende Versorgung der Bevölkerung um. Mehr als drei Wochen nach der Katastrophe sind am Mittwoch Hunderte Menschen gegen Korruption und die Unterschlagung von Hilfsgütern auf die Straße gegangen. In Petionville, einem Vorort der Hauptstadt Port-au-Prince, riefen hungrige Demonstranten auf der Straße im Chor: »Sie haben den Reis gestohlen!« Auslöser für den Protest waren Gerüchte, wonach die örtlichen Behörden einen Container mit Reis unterschlagen haben sollen. Gegenüber dem örtlichen Rundfunksender Radio Metropole kritisierten Demonstranten außerdem, daß Regierungsvertreter für die Ausgabe von Berechtigungsscheinen für die Lebensmittelhilfen des Welternährungsprogramms (WFP) der Vereinten Nationen Schmiergelder in Höhe von umgerechnet vier US-Dollar verlangten. Diese Berechtigungsscheine hatte das WFP mit der Absicht eingeführt, für eine gerechtere Verteilung der Lebensmittel zu sorgen. Zuvor war es immer wieder zu chaotischen Situationen gekommen, als sich stärkere Personen in der Menge der auf Hilfe wartenden Menschen vordrängten, wäre Schwächere leer ausgingen. Diese Methode funktioniere im großen und ganzen, abgesehen von Einzelfällen des Mißbrauchs, erklärten UN-Mitarbeiter dem AP-Korrespondenten Paisley Dodds. Es seien jedoch Berichte bekannt, »daß unsere Coupons weiterverkauft wurden, und wir haben auch gehört, daß es Fälschungen geben soll«, räumte WFP-Sprecherin Jennifer Parmelee ein. »Allerdings ist das nach den Erfahrungen unserer Kooperationspartner, die die Verteilung übernommen haben, kein weit verbreitetes Phänomen.« Mit der Ausgabe von Bezugsscheinen vor allem an Frauen solle sichergestellt werden, daß die Hilfe auch bei den Familien landet, wo sie dringend gebraucht wird. Das WFP hat nach eigenen Angaben mit dem Couponprogramm bislang 300000 Menschen erreicht. Hilfe brauchen allerdings mehr als zwei Millionen Haitianer.

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Kubanische Ärzte ziehen ab Drucken E-Mail
Mittwoch, den 03. Februar 2010 um 00:00 Uhr

Kuba hat am Dienstag mit dem Abzug seiner Ärzte aus Panama begonnen, die dort seit März 2006 mehrere zehntausend Menschen an den Augen operiert hatten. Auslöser für das abrupte Ende des kubanischen Engagements in dem zentralamerikanischen Staat war eine Entscheidung des rechten Präsidenten Ricardo Martinelli, die kubanische Hilfe im Rahmen der »Operation Milagro« (Wunder) einseitig aufzukündigen. Statt dessen sollen die Augenoperationen künftig durch panamaische Augenärzte übernommen werden. Dabei hatte in Kuba vor allem der Stil für Verärgerung gesorgt, mit dem die panamaische Regierung am 5. Januar das Ende der kubanischen Hilfe verkündet hatte. Die »First Lady« des Landes, Marta Lineares de Martinelli, und Gesundheitsminister Franklin Vergara hatten damals ihr eigenes Programm »Vision 20-20« präsentiert und ohne ein Wort des Dankes mitgeteilt: »Dieses Programm ersetzt die sogenannte Operation Milagro und soll den Zugang zu zuverlässigen und qualitativ hochwertigen augenärztlichen Diensten für die gesamte Bevölkerung garantieren.« Die kubanischen Ärzte und die Regierung in Havanna erfuhren von dieser Entscheidung aus den Medien.

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Kidnapper für Christus Drucken E-Mail
Dienstag, den 02. Februar 2010 um 21:59 Uhr

Die Verhaftung von zehn US-Bürgern in Haiti schlägt weiter hohe Wellen. Die haitianische Polizei hatte am Samstag die fünf Männer und fünf Frauen nahe der Grenze zur Dominikanischen Republik gestoppt und festgenommen, als diese mit 33 Kindern im Alter zwischen zwei Monaten und zwölf Jahren das Land verlassen wollten. Da die Verdächtigen keine amtlichen Papiere für die Kinder bei sich hatten, geht die haitianische Polizei davon aus, daß sie einem Fall von Kinderhandel auf die Spur gekommen ist. Entgegen den Darstellungen der mutmaßlichen Entführer, die erklärt haben, die Kinder hätten bei dem Erdbeben vom 12. Januar ihre Eltern verloren und sollten nun in ein Waisenhaus im Nachbarland gebracht werden, sagten mehrere Kinder aus, daß ihre Eltern noch lebten. »Ich bin doch keine Waise«, sagte etwa ein achtjähriges Mädchen weinend. Sie glaubte, von ihrer Mutter zu wohlmeinenden Menschen auf einen Kurzurlaub geschickt worden zu sein. Die Eltern waren offenbar mit unrealistischen Versprechungen wie von einem Sommercamp mit Swimmingpool dazu überredet worden, ihre Kinder einer Organisation namens »New Life Children’s Refuge« (NLCR) anzuvertrauen.

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»Kubas Presse erholt sich« Drucken E-Mail
Samstag, den 30. Januar 2010 um 00:00 Uhr

Enrique UbietaAuf der sozialistischen Karibikinsel erscheinen über 1000 Publikationen – ohne Zensur. Ein Gespräch mit Enrique Ubieta

Enrique Ubieta lebt in Havanna und ist Gründer und Chefredakteur der Zeitschrift La calle del medio. Am 9. Januar referierte er bei der Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin



Sie sind Chefredakteur der Zeitschrift La calle del medio. Was ist das für ein Blatt?


Es entstand vor über anderthalb Jahren und erscheint monatlich mit einer Auflage von 100000 Exemplaren. Wir diskutieren über die kubanische Realität. Deshalb sind die letzten Seiten die wichtigsten – sie sind den Lesern vorbehalten. Wir versuchen, mit unseren Artikeln zu provozieren oder zu begeistern, um die Leser zu bewegen, selbst etwas zu schreiben. Unsere Verlagspolitik ist also, eine Diskussion über die Grundlagen der Gesellschaft zu fördern, in der wir leben wollen.
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Helfer oder Besatzer Drucken E-Mail
Samstag, den 30. Januar 2010 um 00:00 Uhr

Lateinamerikas Karikaturisten kommentieren die »humanitäre Hilfe« der USA in Haiti eindeutig. »Kuba, Venezuela und Spanien schicken Ärzte, warum schicken die USA Soldaten?«, läßt ein Zeichner einen Haitianer fragen, und dessen Partner antwortet einfach: »Macht der Gewohnheit«.

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Tränengas für die Opfer Drucken E-Mail
Freitag, den 22. Januar 2010 um 11:13 Uhr

In Haiti sind auch am Donnerstag, mehr als eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben, noch Lebende aus den Trümmern geborgen worden. In Port-au-Prince zogen Nachbarn ein elfjähriges Mädchen aus einem zerstörten Haus. »Es ist ein wahres Wunder, sie kommt Stück für Stück zurück ins Leben«, sagte die Ärztin Dominique Jean der Nachrichtenagentur AFP.

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Revanche gegen Linke Drucken E-Mail
Freitag, den 22. Januar 2010 um 11:09 Uhr

Nach der Freilassung des monatelang entführten Großgrundbesitzers Fidel Zavala, einem der reichsten Männer des Landes, hat Paraguays Präsident Fernando Lugo eine Eliteeinheit des Militärs in den Norden des Landes geschickt, um Jagd auf die Mitglieder der Guerillaorganisation »Paraguayische Volksarmee« (EPP) zu machen. Die Regierung macht die Gruppierung für vier Entführungen in den vergangenen neun Jahren verantwortlich, wobei sie mehr als zwei Millionen US-Dollar erpreßt haben soll. Die EPP-Mitglieder selbst sehen sich hingegen als »talentierte und patriotische Guerilleros«, die »radikale Veränderungen« hin zu einem »revolutionären Sozialismus« anstreben. Dies geht jedenfalls aus den Erklärungen der seit Juli 2004 inhaftierten und von den Medien des Landes als Sprecherin der EPP gehandelten Carmen Villalba hervor, die wegen der Entführung der Unternehmergattin María Edith de Debernardi eine Haftstrafe von 18 Jahren absitzt.

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Flüchtlinge nach Guantánamo Drucken E-Mail
Donnerstag, den 21. Januar 2010 um 08:25 Uhr

Fünf Tage nach seiner Ankunft vor den Küsten Haitis haben die 55 auf dem US-Flugzeugträger »USS Carl Vinson« stationierten Ärzte bislang nur zehn Opfer des verheerenden Erdbebens behandelt, sieben Haitianer und drei US-Bürger. Bei der Ankunft des Schiffs am vergangenen Freitag hatte US-Admiral Mike Mullen noch stolz mitgeteilt, neben 1000 Soldaten und 19 Hubschraubern verfüge die »Vinson« an Bord auch über 51 Krankenhausbetten und drei chirurgische Operationssäle. Am Mittwoch erklärte nun jedoch US-Admiral Ted Branch, man sei bereit, »von Fall zu Fall« zu helfen, verfüge aber nur über einen Chirurgen an Bord. Der wichtigste Beitrag seiner Mannschaft seien die Hubschrauber, die bei der Verteilung von Lebensmitteln in Haiti helfen. Zugleich verwies er auf das Krankenhausschiff »Confort«, das bis Freitag eintreffen werde und über 1000 Krankenhausbetten verfüge.

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Aristide will nach Hause kommen Drucken E-Mail
Samstag, den 16. Januar 2010 um 00:00 Uhr

Der 2004 gestürzte Präsident von Haiti, Jean Bertrand Aristide, hat in seinem südafrikanischen Exil angekündigt, so schnell wie möglich in sein Heimatland zurückkehren zu wollen, um bei der Bewältigung der Folgen des verheerenden Erdbebens zu helfen. Begleitet von seiner sichtlich mit den Tränen kämpfenden Frau Mildred und einem hochrangigen Beamten des südafrikanischen Außenministeriums sagte Aristide am Freitag in Johannesburg, er könne es nicht erwarten, »wieder mit den Brüdern und Schwestern in Haiti zusammen zu sein«. Er fuhr fort: »Wir sind jederzeit bereit, heute, morgen oder irgendwann loszufliegen, um das Volk von Haiti zu unterstützen, sein Leiden zu teilen, beim Wiederaufbau des Landes zu helfen und es mit Würde aus dem Elend zu führen«.

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Hunderttausende Tote befürchtet Drucken E-Mail
Freitag, den 15. Januar 2010 um 00:00 Uhr

Nach dem schweren Erdbeben befürchtet die Regierung Haitis Angaben von Premierminister Jean Max Bellerive zufolge mehrere hunderttausend Tote. Der Präsident des Karibikstaates, René Préval, bezeichnete die Lage in der Hauptstadt Port-au-Prince als »unvorstellbar«: »Ich gehe über leblose Körper. Viele Menschen befinden sich noch unter eingestürzten Gebäuden. Es gibt viele Schulen, in denen Tote liegen«, berichtete der Staatschef und rief die internationale Gemeinschaft um Hilfe. Zu den bei dem Erdbeben ums Leben gekommenen Menschen gehören offenbar der Chef der UN-Mission in Haiti, Hedi Annabi, Erzbischof Serge Miot und der Schriftsteller Georges Anglade. Die Vereinten Nationen vermissen über 100 Mitarbeiter.

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