Jonathan D. Farrar hat für die Regierungsgegner in Kuba nichts übrig. In einem Dokument, das dem Enthüllungsportal Wikileaks zugespielt wurde und das die spanische Tageszeitung El País in der vergangenen Woche veröffentlichte, zeichnet der Chef der US-Interessenvertretung in Havanna am 15. April 2009 ein verheerendes Bild der zersplitterten und untereinander zerstrittenen Dissidenten auf der Insel. Wenn man frage, »was die politische Opposition tut und welche Rolle sie in Zukunft spielen könnte«, sei die Antwort darauf »nicht viel und nichts«. Diese Gruppen seien von »Einzelpersonen mit starkem Ego« gesteuert. Obwohl ihre kaum konkreten politischen Vorstellungen nahe beieinander lägen, sei dadurch eine Zusammenarbeit zwischen ihnen kaum möglich.
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Halb leer blieb am Dienstag abend der Festsaal des Berliner Abgeordnetenhauses. Hubertus Knabe vom »Stasi-Museum« in Hohenschönhausen und die »Internationale Gesellschaft für Menschenrechte« (IGfM) blieben bei der Veranstaltung über »Menschenrechte und Demokratiebewegung in Kuba« unter sich, nachdem die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung ihre Unterstützung kurzfristig zurückgezogen hatte. Zuvor sagte auch der grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele den Veranstaltern ab, weil er mit der »zu weit rechts« stehenden IGfM nichts zu tun haben wolle.
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Zum 19. Mal seit 1992 hat die UN-Vollversammlung am Dienstag in New York den Wirtschaftskrieg der USA gegen Kuba verurteilt. 187 Staaten stimmten für die von Havanna eingebrachte Resolution unter der Überschrift »Notwendigkeit der Beendigung der Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade der Vereinigten Staaten von Amerika gegen Kuba«, nur zwei – die USA selbst und Israel – votierten dagegen, es gab drei Enthaltungen. Kuba feiert damit einen neuen Rekord, denn im vergangenen Jahr hatte es noch drei Gegenstimmen gegeben. Doch der kleine Pazifikstaat Palau enthielt sich diesmal der Stimme, ebenso wie seine Nachbarn Mikronesien und Marshall-Inseln.
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Die EU-Außenminister wollen bei ihrem Gipfeltreffen heute in Luxemburg erneut über den 1996 beschlossenen sogenannten Gemeinsamen Standpunkt zu Kuba beraten, diesen aller Voraussicht nach jedoch nicht aufheben. Morgen werden dann in New York vermutlich wieder alle EU-Mitgliedsstaaten bei der UN-Vollversammlung für eine Verurteilung der US-Blockade gegen die Insel votieren. Die EU präsentiert sich widersprüchlich.
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Am 26. Oktober stimmt die UN-Vollversammlung in New York zum 19. Mal über einen Antrag Kubas ab, die von den USA verhängte Wirtschafts-, Finanz- und Handelsblockade gegen die Insel zu verurteilen. Im vergangenen Jahr hatten 187 Länder Kuba unterstützt, soviel wie nie zuvor, seit der Karibikstaat 1992 erstmals einen entsprechenden Antrag bei den Vereinten Nationen eingebracht hatte. Lediglich die USA, Israel und Palau stimmten dagegen, während alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union die Blockade verurteilten.
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US-Präsident Barack Obama hat nicht nur die Hoffnungen auf eine Entspannung der Beziehungen zu Kuba enttäuscht, unter seiner Regierung wurde die Blockade gegen die Insel in einigen Bereichen sogar noch verschärft. Das sagte der kubanische Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla am Mittwoch (Ortszeit) in Havanna bei der Vorstellung des jährlichen Berichts an die Vereinten Nationen über die Folgen der Blockade. Obama habe sogar solche Maßnahmen nicht ergriffen, die er ohne Zustimmung des US-Kongresses hätte durchführen können, bedauerte Rodríguez. Nach wie vor ist es auch Tochterunternehmen von US-Firmen in Drittländern verboten, Handel mit Kuba zu treiben. Deshalb hat der anhaltende Prozeß internationaler Unternehmensfusionen, durch die US-Kapital an immer mehr Konzernen beteiligt ist, für Kuba dramatische Folgen. Immer wieder berichten kubanische Mediziner, daß sie Menschenleben nicht retten konnten, weil die benötigten Medikamente nicht eingeführt werden dürfen. Als ein israelisches Unternehmen mit US-Beteiligung vor wenigen Monaten den mexikanischen Pharmazieproduzenten Lemery übernahm, stellte dieses sofort die Lieferung eines bestimmten Krebsmedikaments an Kuba ein. »Die Anwendung dieses Produkts würde die Überlebensrate von Patienten auf über 70 Prozent der Krankheitsfälle erhöhen«, heißt es dazu in dem Bericht.
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Kuba steht vor dramatischen Veränderungen. Die vom Nationalen Sekretariat des Gewerkschaftsbundes CTC angekündigten Massenentlassungen von einer halben Million Menschen bis Ende März kommenden Jahres sind ein Drahtseilakt. Gelingt es nicht, die Entlassenen schnell in neue, stabile Arbeitsverhältnisse zu bekommen, könnte daraus eine gefährliche Situation entstehen. Die CIA-gesteuerten Contras aus Miami werden nicht zögern zu versuchen, diese Menschen für ihre Ziele zu mißbrauchen. Bereits jetzt verkündet Washingtons Hetzsender »Radio Martí«, die Entlassungen würden »größere soziale Probleme« verursachen, deren Lösung nur »radikale Reformen des Systems« bringen könnten. Daß eine der Hauptursachen für die Krise die von US-Präsident Barack Obama gerade erst wieder verlängerte Blockade ist, verschweigt der Sender wohlweislich, und er vergißt auch, daß die Unwetter der vergangenen Jahre, die eine sich abzeichnende Erholung zunichte gemacht hatten, ebenfalls ihren Anteil an der jetzigen Krise haben.
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Kuba will bis März kommenden Jahres jeden achten Arbeitsplatz in staatlichen Unternehmen, Behörden und Einrichtungen abbauen. 500000 von derzeit knapp vier Millionen Stellen stehen zur Disposition, teilte der kubanische Gewerkschaftsbund CTC in einer am Montag (Ortszeit) veröffentlichten Erklärung mit. Noch einmal soviel sollen offenbar mittelfristig wegfallen. »Unser Staat kann und darf nicht weiter Unternehmen mit einer aufgeblähten Zahl von Arbeitsplätzen unterhalten«, schreibt das Nationale Sekretariat der CTC in der Gewerkschaftszeitung Trabajadores und beruft sich auf »das Prinzip der sozialistischen Verteilung«, jeden »nach dem Maß und der Qualität seiner geleisteten Arbeit« zu bezahlen.
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Der frühere kubanische Präsident Fidel Castro scheint sich als Vermittler in dem seit Jahrzehnten anhaltenden Bürgerkrieg in Kolumbien anzubieten. Am Donnerstag (Ortszeit) empfing er in Havanna die kolumbianische Senatorin Piedad Córdoba, die in der Vergangenheit mehrfach mit der Guerilla des südamerikanischen Landes die Freilassung von Gefangenen ausgehandelt hatte. Obwohl sich die kubanischen Agenturen über die Details der Unterhaltung ausschweigen und nur protokollarisch vermelden, daß sich beide »optimistisch für einen Sieg des Friedens und den Aufbau einer neuen Welt« gezeigt hätten, läßt ACN zumindest durchblicken, daß es nicht bei einem einmaligen Treffen bleiben soll. Noch am Sonntag wird Fidel Castro demnach eine »Gruppe der wichtigsten Führungspersönlichkeiten« Kolumbiens empfangen, »die für den Frieden kämpfen«.
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Der diesjährige Schirmherr des Christopher Street Day (CSD) in Hamburg, Corny Littmann, hat sich eine prominente Begleiterin für den am heutigen Samstag stattfindenden Umzug für die Rechte der Schwulen und Lesben eingeladen. Gast des früheren Präsidenten des Fußball-Bundesligisten FC St. Pauli und Chefs des Schmidt-Theaters an der Reeperbahn, ist die Direktorin des Nationalen Zentrums für Sexualerziehung (CENESEX) in Havanna, einer international anerkannten wissenschaftlichen Einrichtung. Sie kümmert sich in Kuba um Aufklärung, Sexualkunde und AIDS-Prävention und setzt sich für den Abbau von Vorurteilen gegenüber sexuellen Minderheiten ein. Auch die CENESEX-Chefin Mariela Castro Espín ist weit über die Grenzen Kubas hinaus als fachkundige Expertin bekannt. Doch einige Medien der Hansestadt machen aus ihrer Teilnahme einen Skandal, denn sie ist die Tochter des kubanischen Präsidenten Raúl Castro. »Mariela Castro sollte den CSD nicht anführen«, fordert beispielsweise »Hamburgs schwules Stadtmagazin« Hinnerk in einem Kommentar auf seiner Homepage. Mariela Castro habe schließlich gesagt, sie wolle mit dem CSD »nichts zu tun haben«. Von jW dazu am Donnerstag abend befragt, dementierte sie, so etwas je gesagt zu haben und zeigte sich überrascht, daß die Hinnerk-Journalisten sie nicht selbst darauf angesprochen haben. Schließlich sei sie von diesen erst wenige Tage zuvor interviewt worden. Dabei sei die nun geäußerte Kritik kein Thema gewesen. »Das Magazin reproduziert so die Diskriminierung, gegen die es sich eigentlich wehren will. Sie diskriminieren mich wegen meiner politischen Überzeugung«, so Mariela Castro.
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Die Leiterin des kubanischen Zentrums für Sexualerziehung nimmt heute am Christopher Street Day in Hamburg teil. Vorher besuchte sie die jW-Redaktion. Gespräch mit Mariela Castro Espín. Mariela Castro Espín leitet das Nationale Zentrum für Sexualerziehung (CENESEX) in Havanna. Sie ist die Tochter des kubanischen Präsidenten Raúl Castro und der 2007 verstorbenen Präsidentin des Kubanischen Frauenverbandes, Vilma Espín
Sie sind zu Besuch in Deutschland, um am Samstag am Christopher Street Day in Hamburg teilzunehmen. Wie ist es dazu gekommen?
Vor mehr als zwei Jahren hat Corny Littmann, der damalige Präsident des FC St. Pauli, das Zentrum für Sexualerziehung in Havanna besucht, um unsere Arbeit kennenzulernen. In unserem Gespräch hat sich dann herausgestellt, daß es sehr schön wäre, nach Deutschland zu kommen. Nicht nur, um am Christopher Street Day teilzunehmen, sondern auch um mich mit Einrichtungen und Fachleuten aus dem Bereich, in dem ich arbeite, auszutauschen. Corny Littmann ist Schirmherr des diesjährigen CSD als Anerkennung für das, was er in Hamburg für die LGBT (engl. Abkürzung für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) erreicht hat. Er hat natürlich das Recht, sich Leute einzuladen, und so hat Herr Littmann mich gebeten, ihn zu begleiten.
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Die Abgeordneten des kubanischen Parlaments in Havanna haben am Sonntag zu weltweiten Solidaritätsaktionen für Gerardo Hernández aufgerufen. Seit dem 21. Juli wird der heute 45 Jahre alte Kubaner, der seit fast zwölf Jahren in US-Gefängnissen inhaftiert ist, unter verschärften Bedingungen im »Loch«, der Arrestzelle des Hochsicherheitsgefängnisses im kalifornischen Victorville, festgehalten. Die Temperatur in dieser nur gut zwei Quadratmeter großen Zelle, die Hernández mit einem weiteren Gefangenen teilen muß, steigt Informationen seines Rechtsanwalts Leonard Weinglass zufolge am Tag auf bis zu 40 Grad. So sei Hernández zeitweilig dazu gezwungen, sich auf den Boden zu kauern, um zumindest den Luftzug unter der Stahltür zu spüren. Nur alle paar Tage werde er für wenige Minuten in einen engen Hof geführt, von dem aus er kaum den Himmel sehen könne, so der Jurist. Kubanische Zeitungen sprechen angesichts dieser Zustände von Folter.
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Kubas Präsident Raúl Castro hat am Sonntag vor dem kubanischen Parlament allen »selbsternannten Kuba-Analysten« eine Absage erteilt, die der Regierung in Havanna »kapitalistische Rezepte zur Wirtschaftslenkung« empfehlen. Alle seien sich einig, »uns zu schnelleren und tiefgreifenderen Veränderungen in Richtung auf einen Abbau des Sozialismus« aufzufordern, so Castro in seiner Ansprache vor den gut 600 Abgeordneten der Nationalversammlung der Volksmacht. »Offenbar sind wir mit der angehäuften Erfahrung von mehr als 55 Jahren revolutionären Kampfes auf keinem so falschen Weg. Wenn sie uns loben würden, dann hätten wir einen Grund, uns Sorgen zu machen«, scherzte er.
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Gespräch mit Carolina Amador. Carolina Amador ist in der Nationalleitung des Kubanischen Frauenverbandes (FMC) zuständig für internationale Beziehungen
In der kubanischen Werbung für Tourismus und Rum werden gerne leichtbekleidete schöne Frauen abgebildet. Stört Sie das?
Als unser Land Anfang der 90er Jahre wegen des Wegfalls der Handelspartner und wegen der Blockade beginnen mußte, den Tourismus zu entwickeln, war das für uns eine Lehrzeit. Dabei haben wir auch bei der Herstellung von Werbematerial Fehler gemacht und statt die kubanischen Reiseziele zu präsentieren, lieber Mulattinnen im Bikini abgebildet. Aber diese Fehler wurden überwunden, und diese Art von Werbung wird in Kuba nicht mehr produziert. Wenn es heute noch Werbung von Havana Club gibt, die so gestaltet ist, dann stammt sie nicht aus Kuba.
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Wenn die spanische Regierung geahnt hätte, was für Herrschaften sie sich da ins Land holt, hätte sie sich das wohl noch mal überlegt. Die mittlerweile rund 20 kubanischen »Dissidenten«, die auf Vermittlung Madrids und der katholischen Kirche von der Regierung in Havanna freigelassen wurden, zeigen bei ihrer Ankunft in Spanien jedenfalls keine Spur von Dankbarkeit. Schon die erste Gruppe beschwerte sich vor gut zwei Wochen gleich darüber, daß das Hotel, das ihr die Regierung in einem Vorort von Madrid besorgt hatte, nicht nobel genug war. So sei es unerträglich, daß die Zimmer kein eigenes Bad hätten. Auch daß Madrid von ihnen verlangte, einen Antrag auf Einbürgerung zu stellen, stieß auf Empörung. Man sei ja aus politischen Gründen gezwungen worden, die Heimat zu verlassen. Dementsprechend wurden die nächsten Ankömmlinge dann eben in Flüchtlingsheimen untergebracht, wie dies auch mit anderen Einwanderern geschieht, die in Spanien politisches Asyl beantragen wollen.
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Die in grauer Vorzeit einmal als »alternativ« oder gar »links« geltende tageszeitung (taz) hat ihre früheren Sympathien für den bewaffneten Kampf wiederentdeckt. Aktivisten, die wegen Morden, Bombenanschlägen und der Entführung von öffentlichen Verkehrsmitteln inhaftiert sind, sollen endlich freigelassen werden, fordert das Blatt nicht nur auf nahezu der gesamten Titelseite vom vergangenen Donnerstag, sondern gleich auch noch auf der Seite 3. Allerdings ist damit nicht etwa Deutschland gemeint – es geht um Kuba. Unter der Überschrift »Máximo Dealer« wirft das Leib- und Magenblatt olivgrüner Jugoslawien-Krieger der kubanischen Regierung vor, »politische Häftlinge« zu verkaufen.
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Wenn es um Kuba geht, ist den bürgerlichen Massenmedien hierzulande kein Klischee zu blöd, um es nicht als Nachricht in die Welt hinauszuposaunen. Wenn die kubanische Fußballnationalmannschaft kurzfristig eine Europatournee absagen muß, ist daran natürlich Fidel Castro schuld. Wenn Havanna Häftlinge auf freien Fuß setzt, spekulieren die Agenturen darüber, ob der oder der zu den Freigelassenen gehört – selbst wenn er gar nicht im Gefängnis sitzt. Für sie ist Kuba ein Land von prinzipiell leichtbekleideten jungen Frauen, das von alten Männern geführt wird. Zahlen und Fakten stören nur.
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Die kubanische Regierung läßt innerhalb der nächsten Monate insgesamt 52 Gefangene frei, die anschließend nach Spanien ausreisen dürfen. Das Brimborium, das die meisten Medien nun um diese Entscheidung veranstalten, spiegelt vor allem ihre Vorurteile gegenüber dem Inselstaat wider. So behauptet die Agentur AFP: »Über die Identität der 52 Häftlinge wurde zunächst nichts bekannt. Auch, ob Fariñas unter ihnen sein sollte, blieb zunächst unklar.« Zum einen handelt es sich um die noch im Gefängnis sitzenden Personen, die 2003 bei einem Schlag gegen von den USA ausgehaltene Gruppen verhaftet wurden. Deren Namenslisten wurden seither von unzähligen »Menschenrechtsorganisationen« weltweit verbreitet. Zum anderen kann Guillermo Fariñas, der für die Freilassung der »politischen Gefangenen« seit Ende Februar einen Hungerstreik durchführt, gar nicht entlassen werden, weil er nicht im Gefängnis sitzt und auch vor Beginn seiner Nahrungsverweigerung nicht saß.
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Der spanische Außenminister Miguel Ángel Moratinos hat sich während seines offiziellen Besuchs in Havanna dafür ausgesprochen, den »Gemeinsamen Standpunkt« der EU gegenüber Kuba zu überwinden, da es ein »unrettbares Hindernis« für eine Normalisierung der Beziehungen sei. Dieses 1996 von der Europäischen Union beschlossene Dokument legt als Ziel der Kontakte zur Insel unter anderem fest, »einen Prozeß des Übergangs in eine pluralistische Demokratie (…) zu fördern«. Von Havanna wird dies als Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Karibikstaates verurteilt. Madrid hatte während der spanischen EU-Präsidentschaft bis Ende Juni 2010 versucht, eine Aufhebung oder Veränderung des Dokuments zu erreichen, war damit aber weitgehend gescheitert. Moratinos konnte beim EU-Außenministertreffen Mitte Juni in Luxemburg lediglich erreichen, eine Beschlußfassung in dieser Frage auf den September zu verschieben. Dann sei eine »neue Situation« auf der Insel zu erwarten, hieß es damals.
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Ein Gespräch mit Joaquín Suárez. Joaquín Suárez ist Funktionär der ideologischen Abteilung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas
Ursprünglich sollte bereits im vergangenen Jahr der Parteitag der Kommunistischen Partei Kubas stattfinden, er wurde jedoch verschoben. Wie entwickelt sich die Debatte derzeit?
Mit dem Kongreß der KP Kubas werden große Erwartungen verknüpft. Der Zweite Sekretär der Partei, Genosse Raúl Castro, hat öffentlich erklärt, daß wir Schritt für Schritt vorgehen, um den kubanischen Sozialismus zu aktualisieren. Das erfordert eine Reihe von Maßnahmen, von strukturellen Veränderungen. Deshalb müssen wir auf dem Parteitag eine klare Perspektive haben, was geändert werden muß.
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Ein Gespräch mit Omar Olazábal Rodríguez, Generaldirektor des Studios Mundo Latino in Havanna
Das Studio Mundo Latino mit Sitz in Havanna wurde 1986 gegründet, um Veranstaltungen in Kuba aufzuzeichnen. Wie hat es sich seither entwickelt?
Nur wenige Jahre nach unserer Gründung stellte uns die Krise in den 90ern vor neue Herausforderungen. Nach dem Wegfall unserer Verbündeten in Europa feierten die Konterrevolutionäre in Miami bereits die Niederlage des Sozialismus in Kuba. Damals gab es ein Lied, in dem es hieß, daß es nur noch Tage dauere, bis sie zurückkehren könnten. In dieser Situation mußte es darum gehen, die Sichtweise des kubanischen Volkes zu verbreiten. Deshalb begannen wir damit, Dokumentarfilme über die Politik, Geschichte und Kultur unseres Landes zu produzieren. Seither sind in unseren Studios bereits mehr als 850 Dokumentarstreifen entstanden, allein im vergangenen Jahr waren es 62.
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Vor Tausenden Menschen haben am Sonnabend in Havanna und Santiago de Cuba die bekanntesten Künstler Kubas ein Zeichen gegen die internationale Kampagne gesetzt, die seit dem Tod des Gefangenen Orlando Zapata gegen die Insel entfesselt wird. Auf der »Antiimperialistischen Tribüne« am Malecón von Havanna, direkt gegenüber der US-Interessenvertretung, sowie vor der früheren Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba begeisterten unter anderem Baby Lorens, Pupi y los que Son Son, Amaury Pérez, Sara González, Gerardo Alfonso, Moneda Dura, Raúl Torres und Buena Fe. Bekannte Schriftsteller wie Miguel Barnet rezitierten aus ihren Texten und sorgten so mit dafür, daß der politische Charakter der Veranstaltungen nicht unterging.
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Für Familie Moncayo ist der Alptraum zu Ende. Nach mehr als zwölf Jahren in der Gefangenschaft der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) kehrte am Dienstag gegen 17 Uhr Ortszeit der mittlerweile 30 Jahre alte Militärangehörige Pablo Emilio Moncayo zu seinen Verwandten zurück. Begleitet von der liberalen Senatorin Piedad Córdoba, dem katholischen Bischof Leonardo Gómez, einem Arzt und Vertretern des Internationalen Roten Kreuzes landete Moncayo in einem von der brasilianischen Regierung gestellten Hubschrauber in dem südkolumbianischen Ort Florencia, wo ihn die Seinen erwarteten.
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Die Argentinierin Graciela Ramírez ist Koordinatorin des Internationalen Komitees für die Befreiung der Fünf
Sie haben eine internationale Postkartenkampagne gestartet, mit der US-Präsident Barack Obama aufgefordert werden soll, die fünf Kubaner freizulassen, die seit Jahren in US-Gefängnissen inhaftiert sind, weil sie antikubanische Gruppen in Miami unterwandert haben. Glauben Sie wirklich, daß Obama diese vielen Karten liest?
Die Postkartenkampagne wurde von zehn Nobelpreisträgern initiiert, nachdem Obama der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Sie wollen, daß sich Obama dieser Ehre würdig erweist, aber bislang hat er das leider nicht getan. So sind diese Friedens-, Literatur- und Physiknobelpreisträger eine Stimme der Menschheit, die Gerechtigkeit für fünf kubanische Männer fordert, die niemandem geschadet und kein Verbrechen begangen haben, sondern gegen den Terrorismus gekämpft haben.
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Wenn in Havanna eine Frau ganz in Weiß gekleidet herumläuft, handelt es sich normalerweise um eine Anhängerin der Santería, der afroamerikanischen Religion Kubas. In den vergangenen Tagen konnte sie jedoch auch zu einer kleinen Gruppe von rund zwei Dutzend Regierungsgegnerinnen gehören, die sich am Dienstag und Mittwoch bei katholischen Messen in Kirchen Havannas trafen, um anschließend kleine Demonstrationen gegen angebliche Menschenrechtsverletzungen in Kuba zu veranstalten. Ganz zufällig nahmen beide Male auch ausländische Diplomaten an diesen Gottesdiensten teil. So hatten am Dienstag der deutsche Botschaftsrat Dr. Volker Pellet sowie am Mittwoch ein Repräsentant der US-Interessenvertretung Gelegenheit, die Aktionen der »Damen in Weiß« zu beobachten. Was sie sahen, dürfte ihnen nicht gefallen haben, denn schnell versammelten sich Hunderte Menschen, die den Regierungsgegnerinnen deutlich machten, daß sie nicht willkommen waren. Um zu verhindern, daß die Lage außer Kontrolle geriet, schirmten kubanische Polizisten die »Damen in Weiß« ab. Am Dienstag begleiteten sie diese bis zur Wohnung eines ihrer Mitglieder, am Mittwoch hatten sie Agenturberichten zufolge zwei Polizeifahrzeuge zur Verfügung, um die Damen nach Hause zu bringen.
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Am Sonntag endet auch die letzte Phase der 19. Internationalen Buchmesse in Kuba. Nach dem Fest der Literatur in der historischen Festung »La Cabaña« von Havanna und in zahlreichen Buchhandlungen der kubanischen Hauptstadt, bei dem zwischen dem 11. und 21. Februar rund 750000 Bücher verkauft wurden, war die Messe anschließend noch zwei Wochen lang durch die kubanischen Provinzen gezogen. In Matanzas zog Kubas Kulturminister Abel Prieto nun eine positive Bilanz der diesjährigen Veranstaltungen. Die Buchmesse habe sich erneut als »Großereignis der kubanischen Familie« erwiesen. Die hohe Zahl der verkauften Bücher sei wichtig, »auch wenn das Buch für uns keine Handelsware ist«, denn darin zeige sich, daß für die Kubaner Bücher ein täglicher Begleiter seien.
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Der Tod eines kubanischen Häftlings nach einem 85 Tage dauernden Hungerstreik hat eine internationale Kampagne gegen die Regierung in Havanna ausgelöst. Der Sprecher des State Departments in Washington, Philip J. Crowley, erklärte postwendend, der Tod von Orlando Zapata Tamayo unterstreiche »das Unrecht Kubas«. Für die deutsche Konrad-Adenauer-Stiftung paßt »der Tod Zapatas (...) zur insgesamt tristen Situation der Menschenrechte auf Kuba«. Amnesty International sprach unter Berufung auf kubanische Regierungsgegner von »vorsätzlichem Mord«.
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Nach dem Ende der Buchmesse in Havanna gibt es noch bis zum Wochenende kleinere Ausgaben der Ausstellung in den kubanischen Provinzen. Unter anderem wurden in Pinar del Río, dem Zentrum der gleichnamigen Provinz im Westen der Insel, drei große Zelte mit halbrundem Dach errichtet. An kleinen Verkaufsständen werden mehr als 1500 Buchtitel angeboten, darunter 450 Neuerscheinungen. Vor Pinars Kolonialbauten mit ihren Säulen und Arkaden waren den Autoren aus Rußland, dem offiziellen Gastland der diesjährigen Messe, Veranstaltungen gewidmet. Ein Anlaß war der 150. Geburtstag von Tschechow. Im Zentrum des Interesses standen jedoch rund 30 Autoren, die aus der Provinz stammen.
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Das »Haus der Sklaven« im Zentrum von Habana Vieja, der Altstadt von Havanna, wurde 1629 von einem spanischen Adligen errichtet. Später nisteten sich in dem großen Palast Sklavenhändler ein, die durch den Verkauf von aus Afrika verschleppten Menschen ein Vermögen anhäuften. Der Volksmund taufte das Haus deshalb entsprechend, und bis heute ist es unter diesem Namen bekannt. Das berichtete Havannas Stadthistoriker Eusebio Leal, der in dem aufwendig restaurierten Gebäude derzeit seine Büros hat. Doch nicht mehr lange, wie er hinzufügte, denn in Kürze soll im Erdgeschoß ein Marionettentheater für Kinder einziehen, während die großartige Akustik im Obergeschoß für Konzertaufführungen genutzt werden soll. Eigentlich sollte das Haus jedoch einen ganz anderen Nutzer haben, das deutsche Goethe-Institut. Die Verträge über die Einrichtung einer Niederlassung dieses Vereins zur Förderung der deutschen Sprache im Ausland lagen bereits unterschriftsreif vor, als die Bundesregierung ihre Bereitschaft zur Eröffnung zurückzog und sich dem von der EU im Juni 2003 beschlossenen Kulturboykott gegen Kuba anschloß. Bislang zeigt sich Berlin nur zögerlich bereit, zu einer Kooperation auf Augenhöhe mit der Insel zurückzukehren.
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Roberto Fernandez Retamar ist der wichtigste kubanische Literaturwissenschaftler und einer der bedeutendsten Schriftsteller der Insel. Im Juni wird er 80. Er fühlt sich jünger. Als auf der Buchmesse in Havanna das 50. Bestehen zweier Kulturzeitschriften gefeiert wurde, erkundigte sich Retamar mit einem Schmunzeln, ob diese nicht viel jünger wären. Ihm käme es so vor.
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Alberto Granado ist eine lebende Legende. In Lateinamerika und weltweit wurde er als der Mann bekannt, der in den 50er Jahren gemeinsam mit Ernesto Guevara, dem späteren »Che«, auf dem Motorrad durch Südamerika reiste. Dabei wäre sein eigenes Leben selbst so manches Buch wert, denn der wie Che in Argentinien geborene ausgebildete Mediziner und Biochemiker, der seit 1961 in Kuba lebt, hat seinen Beitrag zu dem Gesundheitswesen auf der Insel geleistet, das heute auf dem Kontinent seinesgleichen sucht.
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Für Zuleica Romay ist die 19. Internationale Buchmesse in Havanna ganz sicher nicht das erste literarische Großereignis ihres Lebens. Trotzdem zeigte sich die Chefin des Vorbereitungskomitees der Ausstellung und Direktorin der Kubanischen Kammer des Buches bei der diesjährigen Eröffnung am Donnerstag abend (Ortszeit) erneut beeindruckt von der malerischen Kulisse, in der die Präsentation auch in diesem Jahr veranstaltet wird. »Dies ist eine Revolution, die ebenso Kasernen in Schulen verwandelt hat wie eine koloniale Trutzburg in ein Zentrum der Literatur«, freute sie sich in der historischen Festung San Carlos de la Cabaña, die hoch über Havanna thront und deren historische Kanonenrohre die Einfahrt des Hafens bewachen.
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Hunderttausende Menschen werden sich ab dem heutigen Donnerstag durch die Gänge der historischen Hafenfestung La Cabaña in Havanna drängen. Mit weit über 100 Ausstellern aus 40 Ländern, die 600 Neuerscheinungen vorstellen wollen, beginnt dort unter dem Motto »Lesen heißt Wachsen« die 19. Internationale Buchmesse, die im vergangenen Jahr fast eine Million Besucher zählte. Die Gesamtzahl der bei der Messe präsentierten und verkauften Bücher wird von den Organisatoren auf nicht weniger als sechs Millionen geschätzt, wie die Direktorin des Kubanischen Instituts des Buches, Zuleyka Romay, sagte. Sie sieht in der Messe vor allem für die zahlreich vertretenen kubanischen Kinder und Jugendlichen eine gute Gelegenheit, die Literatur und Kultur der vertretenen Länder kennenzulernen. Das gilt vor allem für Rußland, das in diesem Jahr als Gastland besonders umfangreich vertreten ist.
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Ein Gespräch mit Elio Gámez Neyra
Elio Gámez Neyra lebt in Havanna und ist Vizepräsident des Kubanischen Instituts für Völkerfreundschaft
Vor etwas mehr als einem Jahr übernahm Barack Obama das Präsidentenamt in Washington. Hat sich seither die Haltung der USA gegenüber Kuba verändert?
Das einzige, was sich geändert hat, ist der Diskurs. Obama ist etwas freundlicher, etwas anziehender, gebildeter. Das hat viele Menschen verwirrt, die glauben, daß die Blockade nun abgeschwächt wird oder verschwindet. Aber Obama hat nur eine Reihe kosmetischer Maßnahmen angekündigt, von denen auch nur einige umgesetzt worden sind. Doch selbst wenn alle diese Maßnahmen umgesetzt würden, brächte uns das gerade einmal auf den Stand der Beziehungen zwischen Kuba und den USA, der unter der Regierung Clinton und in den ersten Monaten der Bush-Administration geherrscht hat. Es gibt keinen grundsätzlichen Wandel in der Politik. Im vergangenen Jahr hat Obama das Gesetz über den Handel mit dem Feind verlängert, eine der wichtigsten Grundlagen für die Blockade. Das wäre eine Gelegenheit gewesen, Kuba von der Liste verfeindeter Länder zu streichen. Außerdem hätte Obama Gelegenheit gehabt, die internationale Forderung nach der Freilassung der fünf kubanischen Genossen aufzunehmen, die in US-Gefängnissen inhaftiert sind, weil sie gegen den Terrorismus antikubanischer Organisationen in Miami gekämpft haben. Die Verantwortlichen ihrer Verbrechen leben frei in den USA, während die fünf Genossen zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Aber Obama hat sich gegenüber diesem Fall taub gestellt und vermieden, sich für die Freiheit dieser Genossen auszusprechen.
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