Kuba
Fidel vermitteltDer frühere kubanische Präsident Fidel Castro scheint sich als Vermittler in dem seit Jahrzehnten anhaltenden Bürgerkrieg in Kolumbien anzubieten. Am Donnerstag (Ortszeit) empfing er in Havanna die kolumbianische Senatorin Piedad Córdoba, die in der Vergangenheit mehrfach mit der Guerilla des südamerikanischen Landes die Freilassung von Gefangenen ausgehandelt hatte. Obwohl sich die kubanischen Agenturen über die Details der Unterhaltung ausschweigen und nur protokollarisch vermelden, daß sich beide »optimistisch für einen Sieg des Friedens und den Aufbau einer neuen Welt« gezeigt hätten, läßt ACN zumindest durchblicken, daß es nicht bei einem einmaligen Treffen bleiben soll. Noch am Sonntag wird Fidel Castro demnach eine »Gruppe der wichtigsten Führungspersönlichkeiten« Kolumbiens empfangen, »die für den Frieden kämpfen«.
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Lügen gegen KubaDer diesjährige Schirmherr des Christopher Street Day (CSD) in Hamburg, Corny Littmann, hat sich eine prominente Begleiterin für den am heutigen Samstag stattfindenden Umzug für die Rechte der Schwulen und Lesben eingeladen. Gast des früheren Präsidenten des Fußball-Bundesligisten FC St. Pauli und Chefs des Schmidt-Theaters an der Reeperbahn, ist die Direktorin des Nationalen Zentrums für Sexualerziehung (CENESEX) in Havanna, einer international anerkannten wissenschaftlichen Einrichtung. Sie kümmert sich in Kuba um Aufklärung, Sexualkunde und AIDS-Prävention und setzt sich für den Abbau von Vorurteilen gegenüber sexuellen Minderheiten ein. Auch die CENESEX-Chefin Mariela Castro Espín ist weit über die Grenzen Kubas hinaus als fachkundige Expertin bekannt. Doch einige Medien der Hansestadt machen aus ihrer Teilnahme einen Skandal, denn sie ist die Tochter des kubanischen Präsidenten Raúl Castro. »Mariela Castro sollte den CSD nicht anführen«, fordert beispielsweise »Hamburgs schwules Stadtmagazin« Hinnerk in einem Kommentar auf seiner Homepage. Mariela Castro habe schließlich gesagt, sie wolle mit dem CSD »nichts zu tun haben«. Von jW dazu am Donnerstag abend befragt, dementierte sie, so etwas je gesagt zu haben und zeigte sich überrascht, daß die Hinnerk-Journalisten sie nicht selbst darauf angesprochen haben. Schließlich sei sie von diesen erst wenige Tage zuvor interviewt worden. Dabei sei die nun geäußerte Kritik kein Thema gewesen. »Das Magazin reproduziert so die Diskriminierung, gegen die es sich eigentlich wehren will. Sie diskriminieren mich wegen meiner politischen Überzeugung«, so Mariela Castro.
»Sozialismus ist kein Kunstwerk«
Protest gegen Folter
KurskorrekturKubas Präsident Raúl Castro hat am Sonntag vor dem kubanischen Parlament allen »selbsternannten Kuba-Analysten« eine Absage erteilt, die der Regierung in Havanna »kapitalistische Rezepte zur Wirtschaftslenkung« empfehlen. Alle seien sich einig, »uns zu schnelleren und tiefgreifenderen Veränderungen in Richtung auf einen Abbau des Sozialismus« aufzufordern, so Castro in seiner Ansprache vor den gut 600 Abgeordneten der Nationalversammlung der Volksmacht. »Offenbar sind wir mit der angehäuften Erfahrung von mehr als 55 Jahren revolutionären Kampfes auf keinem so falschen Weg. Wenn sie uns loben würden, dann hätten wir einen Grund, uns Sorgen zu machen«, scherzte er.
»Diese Medien kennen unsere Realität nicht«Gespräch mit Carolina Amador. Carolina Amador ist in der Nationalleitung des Kubanischen Frauenverbandes (FMC) zuständig für internationale Beziehungen
Undankbares Pack des Tages: Kubas »Dissidenten«Wenn die spanische Regierung geahnt hätte, was für Herrschaften sie sich da ins Land holt, hätte sie sich das wohl noch mal überlegt. Die mittlerweile rund 20 kubanischen »Dissidenten«, die auf Vermittlung Madrids und der katholischen Kirche von der Regierung in Havanna freigelassen wurden, zeigen bei ihrer Ankunft in Spanien jedenfalls keine Spur von Dankbarkeit. Schon die erste Gruppe beschwerte sich vor gut zwei Wochen gleich darüber, daß das Hotel, das ihr die Regierung in einem Vorort von Madrid besorgt hatte, nicht nobel genug war. So sei es unerträglich, daß die Zimmer kein eigenes Bad hätten. Auch daß Madrid von ihnen verlangte, einen Antrag auf Einbürgerung zu stellen, stieß auf Empörung. Man sei ja aus politischen Gründen gezwungen worden, die Heimat zu verlassen. Dementsprechend wurden die nächsten Ankömmlinge dann eben in Flüchtlingsheimen untergebracht, wie dies auch mit anderen Einwanderern geschieht, die in Spanien politisches Asyl beantragen wollen.
Der Schwarze Kanal: TerroristenfreundeDie in grauer Vorzeit einmal als »alternativ« oder gar »links« geltende tageszeitung (taz) hat ihre früheren Sympathien für den bewaffneten Kampf wiederentdeckt. Aktivisten, die wegen Morden, Bombenanschlägen und der Entführung von öffentlichen Verkehrsmitteln inhaftiert sind, sollen endlich freigelassen werden, fordert das Blatt nicht nur auf nahezu der gesamten Titelseite vom vergangenen Donnerstag, sondern gleich auch noch auf der Seite 3. Allerdings ist damit nicht etwa Deutschland gemeint – es geht um Kuba. Unter der Überschrift »Máximo Dealer« wirft das Leib- und Magenblatt olivgrüner Jugoslawien-Krieger der kubanischen Regierung vor, »politische Häftlinge« zu verkaufen.
Kämpfen fürs Paradies
Vorurteile pflegenDie kubanische Regierung läßt innerhalb der nächsten Monate insgesamt 52 Gefangene frei, die anschließend nach Spanien ausreisen dürfen. Das Brimborium, das die meisten Medien nun um diese Entscheidung veranstalten, spiegelt vor allem ihre Vorurteile gegenüber dem Inselstaat wider. So behauptet die Agentur AFP: »Über die Identität der 52 Häftlinge wurde zunächst nichts bekannt. Auch, ob Fariñas unter ihnen sein sollte, blieb zunächst unklar.« Zum einen handelt es sich um die noch im Gefängnis sitzenden Personen, die 2003 bei einem Schlag gegen von den USA ausgehaltene Gruppen verhaftet wurden. Deren Namenslisten wurden seither von unzähligen »Menschenrechtsorganisationen« weltweit verbreitet. Zum anderen kann Guillermo Fariñas, der für die Freilassung der »politischen Gefangenen« seit Ende Februar einen Hungerstreik durchführt, gar nicht entlassen werden, weil er nicht im Gefängnis sitzt und auch vor Beginn seiner Nahrungsverweigerung nicht saß.
Hürden wegräumenDer spanische Außenminister Miguel Ángel Moratinos hat sich während seines offiziellen Besuchs in Havanna dafür ausgesprochen, den »Gemeinsamen Standpunkt« der EU gegenüber Kuba zu überwinden, da es ein »unrettbares Hindernis« für eine Normalisierung der Beziehungen sei. Dieses 1996 von der Europäischen Union beschlossene Dokument legt als Ziel der Kontakte zur Insel unter anderem fest, »einen Prozeß des Übergangs in eine pluralistische Demokratie (…) zu fördern«. Von Havanna wird dies als Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Karibikstaates verurteilt. Madrid hatte während der spanischen EU-Präsidentschaft bis Ende Juni 2010 versucht, eine Aufhebung oder Veränderung des Dokuments zu erreichen, war damit aber weitgehend gescheitert. Moratinos konnte beim EU-Außenministertreffen Mitte Juni in Luxemburg lediglich erreichen, eine Beschlußfassung in dieser Frage auf den September zu verschieben. Dann sei eine »neue Situation« auf der Insel zu erwarten, hieß es damals.
»Konkurrenz zwischen Raúl und Fidel ist eine Erfindung«Ein Gespräch mit Joaquín Suárez. Joaquín Suárez ist Funktionär der ideologischen Abteilung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas
»So funktionieren eben die Medien im Westen«Ein Gespräch mit Omar Olazábal Rodríguez, Generaldirektor des Studios Mundo Latino in Havanna
Mit oder ohne RVor Tausenden Menschen haben am Sonnabend in Havanna und Santiago de Cuba die bekanntesten Künstler Kubas ein Zeichen gegen die internationale Kampagne gesetzt, die seit dem Tod des Gefangenen Orlando Zapata gegen die Insel entfesselt wird. Auf der »Antiimperialistischen Tribüne« am Malecón von Havanna, direkt gegenüber der US-Interessenvertretung, sowie vor der früheren Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba begeisterten unter anderem Baby Lorens, Pupi y los que Son Son, Amaury Pérez, Sara González, Gerardo Alfonso, Moneda Dura, Raúl Torres und Buena Fe. Bekannte Schriftsteller wie Miguel Barnet rezitierten aus ihren Texten und sorgten so mit dafür, daß der politische Charakter der Veranstaltungen nicht unterging.
Frei nach zwölf JahrenFür Familie Moncayo ist der Alptraum zu Ende. Nach mehr als zwölf Jahren in der Gefangenschaft der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) kehrte am Dienstag gegen 17 Uhr Ortszeit der mittlerweile 30 Jahre alte Militärangehörige Pablo Emilio Moncayo zu seinen Verwandten zurück. Begleitet von der liberalen Senatorin Piedad Córdoba, dem katholischen Bischof Leonardo Gómez, einem Arzt und Vertretern des Internationalen Roten Kreuzes landete Moncayo in einem von der brasilianischen Regierung gestellten Hubschrauber in dem südkolumbianischen Ort Florencia, wo ihn die Seinen erwarteten.
»Alle gesetzlichen Standards verletzt«Die Argentinierin Graciela Ramírez ist Koordinatorin des Internationalen Komitees für die Befreiung der Fünf
Gescheiterte ProvokationenWenn in Havanna eine Frau ganz in Weiß gekleidet herumläuft, handelt es sich normalerweise um eine Anhängerin der Santería, der afroamerikanischen Religion Kubas. In den vergangenen Tagen konnte sie jedoch auch zu einer kleinen Gruppe von rund zwei Dutzend Regierungsgegnerinnen gehören, die sich am Dienstag und Mittwoch bei katholischen Messen in Kirchen Havannas trafen, um anschließend kleine Demonstrationen gegen angebliche Menschenrechtsverletzungen in Kuba zu veranstalten. Ganz zufällig nahmen beide Male auch ausländische Diplomaten an diesen Gottesdiensten teil. So hatten am Dienstag der deutsche Botschaftsrat Dr. Volker Pellet sowie am Mittwoch ein Repräsentant der US-Interessenvertretung Gelegenheit, die Aktionen der »Damen in Weiß« zu beobachten. Was sie sahen, dürfte ihnen nicht gefallen haben, denn schnell versammelten sich Hunderte Menschen, die den Regierungsgegnerinnen deutlich machten, daß sie nicht willkommen waren. Um zu verhindern, daß die Lage außer Kontrolle geriet, schirmten kubanische Polizisten die »Damen in Weiß« ab. Am Dienstag begleiteten sie diese bis zur Wohnung eines ihrer Mitglieder, am Mittwoch hatten sie Agenturberichten zufolge zwei Polizeifahrzeuge zur Verfügung, um die Damen nach Hause zu bringen.
In der BücherfestungAm Sonntag endet auch die letzte Phase der 19. Internationalen Buchmesse in Kuba. Nach dem Fest der Literatur in der historischen Festung »La Cabaña« von Havanna und in zahlreichen Buchhandlungen der kubanischen Hauptstadt, bei dem zwischen dem 11. und 21. Februar rund 750000 Bücher verkauft wurden, war die Messe anschließend noch zwei Wochen lang durch die kubanischen Provinzen gezogen. In Matanzas zog Kubas Kulturminister Abel Prieto nun eine positive Bilanz der diesjährigen Veranstaltungen. Die Buchmesse habe sich erneut als »Großereignis der kubanischen Familie« erwiesen. Die hohe Zahl der verkauften Bücher sei wichtig, »auch wenn das Buch für uns keine Handelsware ist«, denn darin zeige sich, daß für die Kubaner Bücher ein täglicher Begleiter seien.
Wem nützt Zapatas Tod?Der Tod eines kubanischen Häftlings nach einem 85 Tage dauernden Hungerstreik hat eine internationale Kampagne gegen die Regierung in Havanna ausgelöst. Der Sprecher des State Departments in Washington, Philip J. Crowley, erklärte postwendend, der Tod von Orlando Zapata Tamayo unterstreiche »das Unrecht Kubas«. Für die deutsche Konrad-Adenauer-Stiftung paßt »der Tod Zapatas (...) zur insgesamt tristen Situation der Menschenrechte auf Kuba«. Amnesty International sprach unter Berufung auf kubanische Regierungsgegner von »vorsätzlichem Mord«.
Feste der LiteraturNach dem Ende der Buchmesse in Havanna gibt es noch bis zum Wochenende kleinere Ausgaben der Ausstellung in den kubanischen Provinzen. Unter anderem wurden in Pinar del Río, dem Zentrum der gleichnamigen Provinz im Westen der Insel, drei große Zelte mit halbrundem Dach errichtet. An kleinen Verkaufsständen werden mehr als 1500 Buchtitel angeboten, darunter 450 Neuerscheinungen. Vor Pinars Kolonialbauten mit ihren Säulen und Arkaden waren den Autoren aus Rußland, dem offiziellen Gastland der diesjährigen Messe, Veranstaltungen gewidmet. Ein Anlaß war der 150. Geburtstag von Tschechow. Im Zentrum des Interesses standen jedoch rund 30 Autoren, die aus der Provinz stammen.
Mit oder ohne BlockadeDas »Haus der Sklaven« im Zentrum von Habana Vieja, der Altstadt von Havanna, wurde 1629 von einem spanischen Adligen errichtet. Später nisteten sich in dem großen Palast Sklavenhändler ein, die durch den Verkauf von aus Afrika verschleppten Menschen ein Vermögen anhäuften. Der Volksmund taufte das Haus deshalb entsprechend, und bis heute ist es unter diesem Namen bekannt. Das berichtete Havannas Stadthistoriker Eusebio Leal, der in dem aufwendig restaurierten Gebäude derzeit seine Büros hat. Doch nicht mehr lange, wie er hinzufügte, denn in Kürze soll im Erdgeschoß ein Marionettentheater für Kinder einziehen, während die großartige Akustik im Obergeschoß für Konzertaufführungen genutzt werden soll. Eigentlich sollte das Haus jedoch einen ganz anderen Nutzer haben, das deutsche Goethe-Institut. Die Verträge über die Einrichtung einer Niederlassung dieses Vereins zur Förderung der deutschen Sprache im Ausland lagen bereits unterschriftsreif vor, als die Bundesregierung ihre Bereitschaft zur Eröffnung zurückzog und sich dem von der EU im Juni 2003 beschlossenen Kulturboykott gegen Kuba anschloß. Bislang zeigt sich Berlin nur zögerlich bereit, zu einer Kooperation auf Augenhöhe mit der Insel zurückzukehren.
Das gute LebenRoberto Fernandez Retamar ist der wichtigste kubanische Literaturwissenschaftler und einer der bedeutendsten Schriftsteller der Insel. Im Juni wird er 80. Er fühlt sich jünger. Als auf der Buchmesse in Havanna das 50. Bestehen zweier Kulturzeitschriften gefeiert wurde, erkundigte sich Retamar mit einem Schmunzeln, ob diese nicht viel jünger wären. Ihm käme es so vor.
Der GefährteAlberto Granado ist eine lebende Legende. In Lateinamerika und weltweit wurde er als der Mann bekannt, der in den 50er Jahren gemeinsam mit Ernesto Guevara, dem späteren »Che«, auf dem Motorrad durch Südamerika reiste. Dabei wäre sein eigenes Leben selbst so manches Buch wert, denn der wie Che in Argentinien geborene ausgebildete Mediziner und Biochemiker, der seit 1961 in Kuba lebt, hat seinen Beitrag zu dem Gesundheitswesen auf der Insel geleistet, das heute auf dem Kontinent seinesgleichen sucht.
Festung der BücherFür Zuleica Romay ist die 19. Internationale Buchmesse in Havanna ganz sicher nicht das erste literarische Großereignis ihres Lebens. Trotzdem zeigte sich die Chefin des Vorbereitungskomitees der Ausstellung und Direktorin der Kubanischen Kammer des Buches bei der diesjährigen Eröffnung am Donnerstag abend (Ortszeit) erneut beeindruckt von der malerischen Kulisse, in der die Präsentation auch in diesem Jahr veranstaltet wird. »Dies ist eine Revolution, die ebenso Kasernen in Schulen verwandelt hat wie eine koloniale Trutzburg in ein Zentrum der Literatur«, freute sie sich in der historischen Festung San Carlos de la Cabaña, die hoch über Havanna thront und deren historische Kanonenrohre die Einfahrt des Hafens bewachen.
Lesen heißt WachsenHunderttausende Menschen werden sich ab dem heutigen Donnerstag durch die Gänge der historischen Hafenfestung La Cabaña in Havanna drängen. Mit weit über 100 Ausstellern aus 40 Ländern, die 600 Neuerscheinungen vorstellen wollen, beginnt dort unter dem Motto »Lesen heißt Wachsen« die 19. Internationale Buchmesse, die im vergangenen Jahr fast eine Million Besucher zählte. Die Gesamtzahl der bei der Messe präsentierten und verkauften Bücher wird von den Organisatoren auf nicht weniger als sechs Millionen geschätzt, wie die Direktorin des Kubanischen Instituts des Buches, Zuleyka Romay, sagte. Sie sieht in der Messe vor allem für die zahlreich vertretenen kubanischen Kinder und Jugendlichen eine gute Gelegenheit, die Literatur und Kultur der vertretenen Länder kennenzulernen. Das gilt vor allem für Rußland, das in diesem Jahr als Gastland besonders umfangreich vertreten ist.
»Blockade beeinträchtigt uns in allen Bereichen«Ein Gespräch mit Elio Gámez Neyra
»Die Arbeiter sind entscheidend«Ein Gespräch mit Josefa Amarilys Pérez Santana
»Sie ist keine Bloggerin« - Gespräch mit Norelys Morales AguileraNorelys Morales Aguilera lebt auf Kuba und betreibt von dort aus die Seite »Meine Insel«: islamiacu.blogspot.com
Eine merkwürdige VerfolgteSeit 1995 erscheint in Kuba die Zeitschrift Temas. Entsprechend ihres Untertitels »Kultur, Ideologie, Gesellschaft« erarbeitete sie sich seither einen Ruf als diskussionsfreudiges Blatt, in dem über die unterschiedlichen Themen des Lebens in Kuba und darüber hinaus gestritten wird. Zu diesem Ruf haben auch die öffentlichen Diskussionsveranstaltungen beigetragen, die das Blatt monatlich durchführt, wie Ende Oktober in den Räumen eines Kulturzentrums, als die Rolle des Internets auf der Insel diskutiert wurde.
Obama blockiert Kuba Über 96 Milliarden Dollar kostete Kuba vorsichtigen Schätzungen zufolge die seit 50 Jahren anhaltende US-Wirtschafts- und Handelsblockade gegen die Insel. Legt man dieser Rechnung heutige Preise zugrunde, belaufen sich die Verluste sogar auf mehr als 236 Milliarden Dollar. Das geht aus einem Bericht der kubanischen Regierung an die UN-Vollversammlung hervor, den Kubas Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla am Mittwoch (Ortszeit) in Havanna vorstellte. Die Vereinten Nationen werden voraussichtlich am 28. Oktober zum dann 18. Mal in Folge über eine Resolution abstimmen, mit der die Blockade verurteilt und ihre Aufhebung gefordert wird. Im vergangenen Jahr hatten dem von Kuba vorgelegten Text 185 Staaten zugestimmt, nur drei Regierungen votierten dagegen.
Zehntausende geben in Santiago de Cuba dem Revolutionär Juan Almeida letztes GeleitHavanna. Mehrere zehntausend Menschen haben am Dienstag in Santiago de Cuba dem am vergangenen Freitag im Alter von 82 Jahren verstorbenen Comandante Juan Almeida Bosque das letzte Geleit gegeben. Almeida, der einem Herzstillstand erlegen war, wurde im Mausoleum für die Helden und Märtyrer der III. Guerillafront beigesetzt, deren Chef er bis zum Sturz Batistas gewesen war.
Druck auf ObamaDas US-Finanzministerium in Washington hat am Donnerstag die Lockerung von Teilen der seit Jahrzehnten gegen Kuba verhängten Blockade angekündigt. In erster Linie geht es dabei um Reiseerleichterungen für in den USA lebende Kubaner, die künftig unbegrenzt Familienangehörige auf der Insel besuchen dürfen. Auf der Insel dürfen sie dann bis zu 179 US-Dollar am Tag oder insgesamt 3000 Dollar ausgeben. Auch Geldüberweisungen an enge Verwandte sind künftig in unbegrenzter Höhe möglich, allerdings nur, wenn diese nicht »Mitglieder der kubanischen Regierung oder der Kommunistischen Partei« sind.
Arbeitstreffen am 83. GeburtstagWie die Tageszeitung Granma am Wochenende meldete, hat der frühere kubanische Präsident Fidel Castro zu seinem 83. Geburtstag am Donnerstag Besuch vom venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez erhalten. Chávez, der bis Freitag abend auf der Insel blieb, überreichte seinem Freund zwei Gemälde des venezolanischen Künstlers Edgar Álvarez Estrada, die den kubanischen Nationalhelden José Martí und den venezolanischen Freiheitskämpfer Francisco de Miranda zeigen.
»Lange und feste Brüderschaft« - Russland wieder einer der wichtigsten Partner KubasFast war es wieder so wie früher, als der kubanische Präsident Raúl Castro im Januar 2009 seinen russischen Amtskollegen Dmitri Medwedew in Moskau besuchte. Ganz traditionell mit Brot und Salz hatte der russische Staatschef seinen Gast in einem Landhaus nahe Moskau empfangen und ihm einen Dokumentarfilm über die Teilnahme Fidel Castros am 27. Parteitag der KPdSU 1986 gezeigt. In den Beziehungen zwischen der Insel und dem eurasischen Riesenland herrscht wieder Tauwetter, beide Seiten wollen an die intensive Zusammenarbeit anknüpfen, die das Verhältnis zwischen Kuba und der damaligen Sowjetunion rund dreißig Jahre lang geprägt hatte.
Schreibt an Gerardo! "Miami 5" weiter isoliertFür die fünf in US-amerikanischen Gefängnissen inhaftierten Kubaner, die in antikubanische Terrorgruppen eingeschleust worden waren, um Anschläge auf der Insel zu verhindern, zeichnet sich auch bald elf Jahre nach ihrer Verhaftung keine Verbesserung ihrer Situation ab. Erst vor wenigen Tagen haben die US-Behörden der Ehefrau von Gerardo Hernández, einem der fünf Gefangenen, erneut ein Einreisevisum in die USA und damit die Möglichkeit zu einem Besuch bei ihrem Mann verboten. In der offiziellen Begründung für die Visaverweigerung erklärt das State Department in Washington, dass Adriana Pérez eine "Bedrohung der Stabilität und der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten" darstelle. Nur ein einziges Mal, 2002, hatte sie ein Visum erhalten, wurde aber bei ihrer Ankunft in den USA festgenommen und elf Stunden später abgeschoben, sodass sie ihren Gatten seit nunmehr elf Jahren nicht mehr besuchen konnte.
Teuer und wirkungslos - US-Propagandafernsehen in KubaSeit fast 20 Jahren gibt es auf Kuba das US-Propagandafernsehen TV Martí. Jetzt wollen nicht mehr nur Kommunisten dessen Aus, sondern auch Rechnungsprüfer der US-Regierung. Das Government Accountability Office (GAO) konstatierte am Mittwoch bei einer Anhörung vor dem Kongreß, daß der Sender über die Jahre mehr als eine halbe Milliarde Dollar an Steuergeldern verschlungen hat, aber bis heute kaum Zuschauer auf der Insel erreicht. Das beste wäre, ihn bei der erstbesten Gelegenheit zu schließen, befanden die Fachleute.
Revision abgelehntDer Supreme Court, der oberste Gerichtshof der USA, hat am Montag einen Antrag der Verteidigung abgelehnt, den Fall der seit bald elf Jahren in US-amerikanischen Gefängnissen inhaftierten fünf Kubaner Fernando González, René González, Gerardo Hernández, Ramón Labañino und Antonio Guerrero zur Revision anzunehmen. Damit sind die Rechtsmittel der in Kuba als Helden verehrten Männer zunächst ausgeschöpft.
Habana sí!Nach 47 Jahren haben die Außenminister der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) am Mittwoch in San Pedro de Sula (Honduras) den Ausschluß Kubas aus dem Bund aufgehoben. In der per Akklamation angenommenen Erklärung heißt es, der 1962 verabschiedete Ausschluß der kubanischen Regierung sei »unwirksam«. Der Beschluß enthält auch die Formulierung, daß vor einer aktiven Beteiligung der kubanischen Regierung in der OAS ein »auf Antrag der Regierung von Kuba begonnener Dialogprozeß in Übereinstimmung mit den Praktiken, den Zielen und Prinzipien der OAS« stehen solle. Damit wird vermieden, daß die kubanische Regierung vor das Dilemma gestellt werden würde, nun ihrerseits den Austritt aus der OAS erklären zu müssen, denn Havanna hat auch nach der Entscheidung noch einmal deutlich gemacht, daß es kein Interesse an einer Rückkehr in die Organisation habe. Trotzdem würdigte die kubanische Regierung die Aufhebung der Entscheidung von 1962 als »historisch« und hob hervor, daß der in Honduras beschlossene Text auf eine Initiative der Mitgliedsstaaten der Bolivarischen Alternative für die Völker Unseres Amerika (ALBA) zurückgehe. »Kuba konnte und will nicht in die OAS zurückkehren, die eine Institution voll finsterer Geschichte der Unterwerfung ist, aber es erkennt den politischen Wert, die Symbolik und die Rebellion an, die diese von den Volksregierungen Lateinamerikas durchgesetzte Entscheidung beinhaltet«, heißt es in einer von TeleSur verbreiteten Erklärung Havannas.
Keine Wende für »Miami 5«Auch unter der neuen US-Administration zeichnet sich für die seit über zehn Jahren in nordamerikanischen Gefängnissen inhaftierten fünf Kubaner, die einst Terrorgruppen in Miami unterwandert hatten, keine Verbesserung ihrer Lage ab. Wie der kubanische Parlamentspräsident Ricardo Alarcón in Havanna mitteilte, hat sich die Regierung von Barack Obama in einer offiziellen Stellungnahme gegenüber dem Gericht dagegen ausgesprochen, daß der Supreme Court den Fall der auf der Insel als Helden verehrten Gefangenen überprüft. Das hatten Ende Januar die Verteidiger der auch als »Miami 5« oder »Cuban Five« bekannten Männer beantragt.
Havannas StolzDie Außenministerin von Honduras, Patricia Rodas, äußerte sich am Montag deutlich zu den Diskussionen um Kuba und dessen Verhältnis zur Organisation amerikanischer Staaten (OAS). Nach einem Treffen mit ihren Amtskollegen aus den übrigen Mitgliedsländern der Bolivarischen Alternative für die Völker Unseres Amerika (ALBA) in Caracas meinte sie: „Kuba wird nicht in die OAS zurückkehren, deshalb geht es nicht darum, ob die OAS Kuba eine Rückkehr erlaubt oder nicht, sondern darum, einen historischen Fehler zu beseitigen“.
Nur noch mit Kuba Als hoffnungsvollen Neuanfang der Beziehungen zwischen den USA und Lateinamerika haben die meisten Staats- und Regierungschefs der Region den Verlauf des Amerika-Gipfels in Trinidad und Tobago eingeschätzt, der am Sonntag nach Redaktionsschluß dieser Ausgabe zu Ende gegangen ist. Bis zuletzt blieb fraglich, ob sich die Teilnehmer des Treffens auf eine gemeinsame Abschlußerklärung einigen konnten, nachdem Staaten wie Venezuela, Ecuador, Nicaragua, Honduras und Bolivien angekündigt hatten, das Dokument nicht zu unterzeichnen, weil es nicht auf die gegenwärtigen Herausforderungen in der Region eingehe und zugleich die Ausgrenzung Kubas beibehalte.
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Die Leiterin des kubanischen Zentrums für Sexualerziehung nimmt heute am Christopher Street Day in Hamburg teil. Vorher besuchte sie die jW-Redaktion. Gespräch mit Mariela Castro Espín. Mariela Castro Espín leitet das Nationale Zentrum für Sexualerziehung (CENESEX) in Havanna. Sie ist die Tochter des kubanischen Präsidenten Raúl Castro und der 2007 verstorbenen Präsidentin des Kubanischen Frauenverbandes, Vilma Espín
Die Abgeordneten des kubanischen Parlaments in Havanna haben am Sonntag zu weltweiten Solidaritätsaktionen für Gerardo Hernández aufgerufen. Seit dem 21. Juli wird der heute 45 Jahre alte Kubaner, der seit fast zwölf Jahren in US-Gefängnissen inhaftiert ist, unter verschärften Bedingungen im »Loch«, der Arrestzelle des Hochsicherheitsgefängnisses im kalifornischen Victorville, festgehalten. Die Temperatur in dieser nur gut zwei Quadratmeter großen Zelle, die Hernández mit einem weiteren Gefangenen teilen muß, steigt Informationen seines Rechtsanwalts Leonard Weinglass zufolge am Tag auf bis zu 40 Grad. So sei Hernández zeitweilig dazu gezwungen, sich auf den Boden zu kauern, um zumindest den Luftzug unter der Stahltür zu spüren. Nur alle paar Tage werde er für wenige Minuten in einen engen Hof geführt, von dem aus er kaum den Himmel sehen könne, so der Jurist. Kubanische Zeitungen sprechen angesichts dieser Zustände von Folter.
Wenn es um Kuba geht, ist den bürgerlichen Massenmedien hierzulande kein Klischee zu blöd, um es nicht als Nachricht in die Welt hinauszuposaunen. Wenn die kubanische Fußballnationalmannschaft kurzfristig eine Europatournee absagen muß, ist daran natürlich Fidel Castro schuld. Wenn Havanna Häftlinge auf freien Fuß setzt, spekulieren die Agenturen darüber, ob der oder der zu den Freigelassenen gehört – selbst wenn er gar nicht im Gefängnis sitzt. Für sie ist Kuba ein Land von prinzipiell leichtbekleideten jungen Frauen, das von alten Männern geführt wird. Zahlen und Fakten stören nur.
Über 96 Milliarden Dollar kostete Kuba vorsichtigen Schätzungen zufolge die seit 50 Jahren anhaltende US-Wirtschafts- und Handelsblockade gegen die Insel. Legt man dieser Rechnung heutige Preise zugrunde, belaufen sich die Verluste sogar auf mehr als 236 Milliarden Dollar. Das geht aus einem Bericht der kubanischen Regierung an die UN-Vollversammlung hervor, den Kubas Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla am Mittwoch (Ortszeit) in Havanna vorstellte. Die Vereinten Nationen werden voraussichtlich am 28. Oktober zum dann 18. Mal in Folge über eine Resolution abstimmen, mit der die Blockade verurteilt und ihre Aufhebung gefordert wird. Im vergangenen Jahr hatten dem von Kuba vorgelegten Text 185 Staaten zugestimmt, nur drei Regierungen votierten dagegen.
Als hoffnungsvollen Neuanfang der Beziehungen zwischen den USA und Lateinamerika haben die meisten Staats- und Regierungschefs der Region den Verlauf des Amerika-Gipfels in Trinidad und Tobago eingeschätzt, der am Sonntag nach Redaktionsschluß dieser Ausgabe zu Ende gegangen ist. Bis zuletzt blieb fraglich, ob sich die Teilnehmer des Treffens auf eine gemeinsame Abschlußerklärung einigen konnten, nachdem Staaten wie Venezuela, Ecuador, Nicaragua, Honduras und Bolivien angekündigt hatten, das Dokument nicht zu unterzeichnen, weil es nicht auf die gegenwärtigen Herausforderungen in der Region eingehe und zugleich die Ausgrenzung Kubas beibehalte.